Vorwort und Danksagung
Ein Bild stand in diesem Jahr dafür, dass der rücksichtslose Umgang mit der Umwelt nicht ohne Folgen bleibt. Die Flutkatastrophe in weiten Teilen Deutschlands zeigte nur allzu deutlich, wie das Ökosystem Erde auf die Eingriffe des M enschen reagiert. Ergebnis waren Verluste von Menschenleben, zerstörte und vergiftete Landschaften sowie wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe. Folgen für Westeuropa.
Andere Regionen der Erde waren ebenso betroffen. Überschwemmungen in Teilen Asiens, Wirbelstürme in Nordamerika und Dürren auf dem afrikanischen Kontinent. Seit langem wird die Ursache in der durch den Menschen verursachten Erderwärmung angesehen.
Schon 1992 fand als Reaktion auf die zunehmenden globalen Probleme die Konferenz der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro statt. Dabei verständigte sich die Staatengemeinschaft auf das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung.
Mittelpunkt dieses Leitbildes ist ein verantwortungsvoller Umgang mit der Erde unter Berücksichtigung ökologischer, ökonomischer und sozialer Aspekte, um den nachfolgenden Generationen die gleichen Entwicklungschancen zu ermöglichen.
In dieser Arbeit wird das Umweltprogramm der Stadtwirtschaft GmbH Halle dahingehend weiterentwickelt, dass Massnahmen getroffen werden, um die Ziele der Nachhaltigkeit zu erreichen.
Mein Dank gilt der Stadtwirtschaft GmbH Halle, die mir die Möglichkeit bot diese Arbeit praxisnah für das Unternehmen zu schreiben. Meinen besonderen Dank möchte ich dabei Herrn Dr. Lehmann und Herrn Wassermeyer für ihre Unterstützung aussprechen.
Weiterhin danke ich Prof.Dr.Engelfried von der Fachhochschule Merseburg, der sich bereitstellte diese Arbeit zu betreuen und mir nützliche Hinweise zum Inhalt und der Gestaltung gab. Besonders danke ich ihm für die Verbesserung meiner wissenschaftlichen Denkweise.
Ebenso danke ich Prof.Dr.Wilhelm von der Fachhochschule Merseburg, der sich trotz seines engen Zeitrahmens als Zweitbetreuer zur Verfügung gestellt hat.
Ein grosses Dankeschön für meine Eltern, die mich während meines Studiums unterstützt und ermutigt haben.
Letztendlich danke ich auch meiner Freundin für ihre Unterstützung und Geduld.
Rehmsdorf, den 27. November 2002 Heiko Färber
I
Inhaltsverzeichnis
VORWORT UND DANKSAGUNG I
INHALTSVERZEICHNIS II
ABBILDUNGSVERZEICHNIS IV
1. EINLEITUNG UND ZIELE DER ARBEIT 1
2. NACHHALTIGKEIT 2
2.1 DEFINITION NACHHALTIGKEIT. 2
2.2 ZIELE DER NACHHALTIGKEIT. 5
2.2.1 Klima und Luft. 5
2.2.2 Ressourcen und Energie. 5
2.2.3 Fläche und Natur. 6
2.2.4 Wasser. 7
2.2.5 Lärm 7
2.3 ZUSAMMENFASSUNG 7
3. STADTWIRTSCHAFT GMBH HALLE. 9
3.1 ORGANISATION UND STAND IM UNTERNEHMEN DER STADTWERKE. 9
3.2 LEISTUNGEN DER STADTWIRTSCHAFT GMBH HALLE. 13
3.3 MATERIELLER INPUT DER STADTWIRTSCHAFT GMBH HALLE. 15
3.4 DIREKTE UND INDIREKTE UMWELTBELASTUNGEN DER STADTWIRTSCHAFT GMBH HALLE. 17
3.5 VERGLEICH UMWELTPROGRAMM MIT DEN ZIELEN DER NACHHALTIGKEIT 20
4. VERGLEICH VON UMW ELTINSTRUMENTEN ZUR UMSETZUNG EINER
NACHHALTIGEN ENTWICKLUNG: EMAS II UND ISO 14001. 22
4.1 HISTORISCHE ENTWICKLUNG. 22
4.2 VORTEILE BEI DER TEILNAHME AM EG-ÖKO-AUDIT. 23
4.3 GEGENÜBERSTELLUNG EMAS II UND ISO 14001 24
4.3.1 Regionale Gültigkeit. 24
4.3.2 Ziele der beiden Umweltmanagementsysteme 25
4.3.3 Aufbau des Umweltmanagementsystems. 26
4.3.4 Elemente der EMAS II und ISO 14001 27
4.3.5 Weitere Unterschiede der EG-Öko-Audit-Verordung und der ISO 14001. 28
4.4 AUFWANDS- UND KOSTENBETRACHTUNG. 29
4.4.1 Zeitlicher und Personeller Aufwand. 29
4.4.2 Finanzieller Aufwand. 30
4.4.3 Erzielte Kosteneinsparungen. 31
4.5 RESONANZ AUF DIE TEILNAHME AM EG-UMWELTAUDIT -SYSTEM. 32
4.6 UMWELTMANAGEMENT IN DER STADTWIRTSCHAFT GMBH HALLE. 32
4.7 VORTEILE DER BEIDEN UMWELTMANAGEMENTSYSTEME. 34
4.7.1 Vorteile der ISO 14001. 34
4.7.2 Vorteile der Öko-Audit-Verordnung. 35
4.8 ZUSAMMENFASSUNG 36
5. WEITERENTWICKLUNG DES UMWELTPROGRAMMS DER STADTWIRTSCHAFT
GMBH HALLE HINSICHTLICH DER ZIELE EINER NACHHALTIGEN ENTWICKLUNG 37
5.1 DEFINITIONEN UND HINTERGRÜNDE ZUM UMWELTPROGRAMM. 37
5.1.1 Umweltprogramm 37
5.1.2 Umweltziele und Umwelteinzelziele. 37
5.1.3 Darstellung direkter und indirekter Umweltaspekte. 38
5.1.4 Bewertung der Umweltaspekte. 38
5.2 DARSTELLUNG DER EINZELNEN UMWELTAUSWIRKUNGEN. 39
5.2.1 Flächenverbrauch. 39
5.2.1.1 Handlungsoptionen für den Flächenverbrauch 39
5.2.1.2 Direkter Umweltaspekt 39
5.2.1.3 Indirekter Umweltaspekt 40
II
5.2.2 Ressourcenverbrauch. 40
5.2.2.1 Handlungsoptionen für den Ressourcenverbrauch 40
5.2.2.2 Direkter Umweltaspekt 41
5.2.2.3 Indirekter Umweltaspekt 43
5.2.3 Wasser und Abwasser 44
5.2.3.1 Handlungsoptionen für Wasser und Abwasser. 44
5.2.3.2 Direkter Umweltaspekt 44
5.2.3.3 Indirekter Umweltaspekt 45
5.2.4 Abfallentstehung und Zusammensetzung. 46
5.2.4.1 Handlungsoptionen zur Abfallreduzierung. 46
5.2.4.2 Direkter Umweltaspekt 46
5.2.4.3 Indirekter Umweltaspekt 47
5.2.5 Emissionen. 47
5.2.5.1 Handlungsoptionen zur Reduktion von Emissionen. 47
5.2.5.2 Direkter Umweltaspekt 48
5.2.5.3 Indirekter Umweltaspekt 49
5.2.6 Schadstoffbelastung. 50
5.2.6.1 Handlungsoptionen. 50
5.2.6.2 Direkter Umweltaspekt 51
5.2.6.3 Indirekter Umweltaspekt 51
5.2 7 Lärmbelastung. 51
5.2.7.1 Handlungsoptionen gegen Lärmbelastungen. 51
5.2.7.2 Direkter Umweltaspekt 52
5.2.8 Störfälle. 52
5.2.8.1 Handlungsoptionen gegen Störfälle. 52
5.2.8.2 Direkter Umweltaspekt 53
5.3 BEWERTUNG DES UMWELTPROGRAMMS. 54
6. ZUSAMMENFASSUNG. 54
7. AUSBLICK. 55
LITERATURVERZEICHNIS : VI
ANHANG I. X
ANHANG II. XI
ANHANG III XIII
III
Abbildungsverzeichnis
ABBILDUNG 1: KONZEPT NACHHALTIGKEIT
ABBILDUNG 2: REICHWEITEN VERSCHIEDENER ENERGIETRÄGER.
ABBILDUNG 3: DIE STADTWIRTSCHAFT IN DER STADTWERKE HALLE GMBH.
ABBILDUNG 4: ORGANIGRAMM STADTWIRTSCHAFT GMBH HALLE.
ABBILDUNG 5: LEISTUNGEN DER STADTWIRTSCHAFT GMBH HALLE.
ABBILDUNG 6: G EGENÜBERSTELLUNG ZERTIFIZIERTE STANDORTE NACH EMAS BZW. ISO
INNERHALB DER EUROP ÄISCHEN UNION.
ABBILDUNG 7: MODELL DES UMWELTMANAGEMENTSYSTEMS.
ABBILDUNG 8: FORMALE UND INHALTLICHE UMSETZUNG VON EMAS II.
IV
Tabellenverzeichnis
TABELLE 1: ÖKOLOGISCHE ZIELE ...............................................................................................................................8
TABELLE 2: FAHRZEUGBESTAND (STAND 2001).....................................................................................................15
TABELLE 3: SAMMEL- UND TRANSPORTBEHÄLTNISSE (STAND 2001) )..............................................................15
TABELLE 4: GEBÄUDETYPEN .....................................................................................................................................16
TABELLE 5: MATERIELLER INPUT IN FORM VON ROH-, HILFS- UND BETRIEBSSTOFFEN BZW. GÜTERN.......17
TABELLE 6: DIREKTE UND INDIREKTE UMWELTAUSWIRKUNGEN DURCH DIE UNTERNEHMERI SCHE
TÄTIGKEIT DES UNTERNEHMENS.......................................................................................................19
TABELLE 7: VERGLEICH UMWELTPROGRAMM MIT DEN ZIELEN DER NACHHALTIGKEIT .................................21
TABELLE 8: ELEMENTE DER UMWELTMANAGEMENTSYSTEME ............................................................................28
TABELLE 9: KOSTEN FÜR DAS UMWELTMANAGEMENTSYSTEM...........................................................................33
ANHANG
TABELLE 10: A II - KOHLENDIOXIDEMISSIONEN................................................................................................... XI
TABELLE 11: A II - LUFTSCHADSTOFFEMISSIONEN.............................................................................................. XI
TABELLE 12: A II - LUFTSCHADSTOFFEMISSIONEN DES UNTERNEHMENS.......................................................XII
TABELLE 13: A III - SCHADSTOFFEMISSIONEN DES PKW-VERKEHRS (STAND 2000) ................................... XIII
TABELLE 14: A III - LUFTSCHADSTOFFEMISSIONEN DURCH DEN MITARBEITERVERKEHR..........................XIV
V
1. Einleitung und Ziele der Arbeit
Immer höhere Umweltstandards, die gestiegene Sensibilisierung des Verbrauchers hinsichtlich seines Umweltbewusstseins und ein starkes öffentliches Interesse an betrieblichen Umweltfragen führten dazu, dass sich in der jüngeren Vergangenheit der Umweltschutz neben der Wirtschaftlichkeit zu einem der wichtigsten Ziele der Unternehmensstrategie etablierte. (UBA 1995, S.79)
Mit Umweltschutz als ein strategisches Unternehmensziel hat auch die Stadtwirtschaft GmbH Halle ihre Verantwortung gegenüber der Umwelt bekräftigt. Um dem gerecht zu werden, nahm das Unternehmen 1998 erstmals am EG-Öko-Audit teil. Durch einen externen Prüfer wurde die Einhaltung der Richtlinien nach der Verordnung Nr.1836/93 (EMAS I) bestätigt. Seither ist das Umweltmanagementsystem fester Bestandteil neben dem Qualitätsmanagementsystem. Im Jahr 2001 wurde das Umweltmanagementsystem dann erstmals nach der neuen Verordnung (EG) Nr.761/2001 (EMAS II - European Management Audit Scheme) validiert.
Seit dem Jahr 2000 ist das Unternehmen Stadtwirtschaft GmbH Halle nun auch Mitglied der Umweltallianz Sachsen-Anhalt. Damit hat sie sich einer freiwilligen Vereinbarung mit der Landesregierung unterzogen, die Rahmenbedingungen für eine umweltverträgliche Wirtschaftsentwicklung im Land Sachsen-Anhalt unter den Bedingungen einer wettbewerbsfähigen und nachhaltigen Entwicklung zu verbessern. (Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt 1999, S.1; 4)
Als Hilfestellung für die Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung soll diese Arbeit dienen, deren übergeordnete Arbeitsaufgabe die Weiterentwicklung des Umweltprogramms der Stadtwirtschaft mit Hinblick auf die Ziele einer nachhaltigen Wirtschaftsweise ist.
Dazu wird im ersten Teil im Kapitel 2 der Arbeit der Begriff „Nachhaltigkeit“ und seine Bedeutung bei heutigen politischen Entscheidungen definiert und erläutert. Hier werden u.a. die von der Bundesregierung im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitspolitik festgelegten Ziele im weiteren Verlauf der Arbeit von Bedeutung sein.
Daran anschliessend wird im zweiten Teil der Arbeit im Kapitel 3 das Unternehmen Stadtwirtschaft GmbH Halle näher betrachtet. Zum einen wird das Unternehmen bezüglich des Unternehmensaufbaus und der Unternehmensleistungen vorgestellt. Danach wird der Input, der für die Realisierung der unternehmerischen Tätigkeit in Form von Maschinen, Material usw. benötigt wird, betrachtet. Diesem werden die entsprechenden Umweltauswirkungen zugeordnet. Zweck dieser Betrachtung ist es, alle relevanten Umweltauswirkungen des Unternehmens, Direkte als auch Indirekte, zu erfassen. Das Ergebnis dient im vierten Teil der Arbeit a ls Grundlage für die Verbesserung des Umweltprogramms hinsichtlich Nachhaltigkeit. Als letztes wird ein Soll-IST-Vergleich angestrebt, der die Ziele des gegenwärtigen Umweltprogramms des Unternehmens denen der Bundesregierung im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitspolitik gegenüberstellt. Mit dieser Untersuchung sollen Ansatzpunkte im Unternehmen gefunden werden, die im Sinne der Nachhaltigkeit noch verbessert und ins Umweltprogramm eingebracht werden müssen.
Umsetzungsmechanismen für eine nachhaltige Wirtschaftsweise sind die Umweltmanagementsysteme nach ISO 14001 oder EMAS II. In Kapitel 4 der Arbeit
1
folgt ein Vergleich der beiden Verordnungen in Bezug auf Vor- und Nachteile, Kosten und Aussenwirkung. Ziel dieser Gegenüberstellung ist es, dass für die Stadtwirtschaft GmbH Halle geeignetere Umweltmanagementsystem zur Umsetzung der Ziele hinsichtlich einer nachhaltigen Wirtschaftsweise zu finden.
In Kapitel 5 werden anknüpfend an den gewonnenen Ergebnissen der vorangegangenen Kapitel Vorschläge zur Weiterentwicklung des Umweltprogramms gebracht. Es folgt eine Zusammenfassung wie das Unternehmen auch in Zukunft kontinuierlich an der Verbesserung seines betrieblichen Umweltschutzes im Rahmen der Ziele einer nachhaltigen Wirtschaftsweise arbeiten kann.
2. Nachhaltigkeit
2.1 Definition Nachhaltigkeit
Als Mitglied der Umweltallianz ist die Stadtwirtschaft GmbH Halle auch deren Politik verpflichtet. Dies beinhaltet gleichfalls die Umsetzung der Ziele, welche sich die Allianz im Rahmen ihrer Politik gesetzt hat.
Zusammenfassend betrachtet können diese Ziele wie folgt beschrieben werden: Durch die Umsetzung des Kreislaufwirtschaftsprinzips, der Durchführung eines integrierten Umweltschutzes in den Unternehmen, sowie eines verstärkten Einsatzes von nachwachsenden Rohstoffen und erneuerbaren Energien soll zur weiteren Entlastung für die Umwelt als auch zur Ressourcenschonung beigetragen werden. In diesem Zusammenhang gilt es auch, die Eigenverantwortung der Unternehmen zu fördern und anzuerkennen. Für Mitglieder der Allianz sollen durch Verwaltungsvereinfachungen die Belastungen hinsichtlich Vorschriften und Gesetze reduziert werden. Letztendlich gilt es auch den Wirtschaftsstandort Sachsen-Anhalt zu stärken. (Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt 1999, S.1; 4)
Ein grosser Teil dieser Ziele ist ebenso Bestandteil des Nachhaltigkeitsprinzips. Zum weiteren Verständnis wird der Begriff dazu im nächsten Teil definiert und näher erläutert.
Im Jahre 1992 haben sich in Rio de Janeiro auf der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung die Mitglieder der Staatengemeinschaft, 150 teilnehmende Länder, zum Leitbild der nachhaltigen Entwicklung bekannt. Zur Umsetzung dieses Leitbildes wurde mit der Agenda 21 ein zukünftiges Aktionsprogramm vorgegeben. (BMU 2001, S.1ff)
Darin wird der Begriff nachhaltige Entwicklung folgenderweise definiert:
„Unter nachhaltiger Entwicklung ist eine Entwicklung zu verstehen, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.“ (UBA 2002, S.1)
Als Anlass für die Konferenz waren zunehmende Probleme mit globalem Charakter vorangegangen. Zu nennen sind hierbei unbedingt die Belastung der Umwelt mit Emissionen und Abfällen, woraus u.a. die Klimaveränderung und der Rückgang der
2
Ozonschicht resultiert. Weiterhin ist der hohe Verbrauch an weltweiten endlichen Ressourcen anzuführen, dessen Ursachen im global steigenden Wohlstands- und Konsumverhalten sowie hohem Energieverbrauch und - nutzung zu finden sind. Letztendlich sind es ebenso Probleme wie die Verschmutzung und Überfischung der Weltmeere, Bodendegradation, Süsswasserverknappung, steigender Flächenverbrauch, Biodiversitätsverlust und zunehmende Verarmung in vielen Regionen der Welt, welche den Anstoss für die UNO-Konferenz über Umwelt und Entwicklung (UNCED) in Rio gaben. (BMU 2000, S.6)
Auf der Konferenz wurde festgestellt, dass im Mittelpunkt des
Nachhaltigkeitskonzeptes allerdings nicht nur der Schutz der Umwelt steht, sondern dass dieser einhergeht mit sozialer Verantwortung und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit. (UBA 2002, S.1)
Die nachfolgende Abbildung verbildlicht diesen Gedanken:
Zu verstehen ist die Aussage so, dass die wirtschaftliche Entwicklung sich nur innerhalb in den von der Natur vorgegebenen Grenzen bewegen kann, um zukünftigen Generationen die gleichen Chancen und Möglichkeiten zu geben. Ziel ist es deshalb mit Hilfe von Umweltzielen die wirtschaftliche und soziale Entwicklung innerhalb dieser Grenzen zu bewegen . (UBA 2002, S.1)
Begründet wird dieses Handeln durch die Aussage von ROCHLITZ. Dieser trifft in seinem Sondervotum zum Kapitel 2 des Abschlussberichtes der Enquete - Kommission „Schutz des Menschen und der Umwelt“ zum Begriff „sustainable develpoment“ folgende Aussage: „Was sich mit diesem Leitbegriff verbindet, ist nichts geringeres als die Erkenntnis, dass weltweit ökonomische, soziale und ökologische Entwicklungen
3
notwendig als eine innere Einheit zu sehen sind. Denn soziale Not kann einem verantwortungslosen Umgang mit den Ressourcen der Natur ebenso Vorschub leisten wie rücksichtsloses wirtschaftliches Wachstumsdenken.“ (ENQUETE KOMMISSION 1998, S.222)
Zur Umsetzung der nachhaltigen Entwicklung in Deutschland wurde deshalb am 1.Juni 1995 durch den 13. Deutschen Bundestag neben dem Staatssekretärausschuss für nachhaltige Entwicklung und den Rat für nachhaltige Entwicklung die Enquete -Kommission „Schutz des Menschen und der Umwelt“ eingesetzt. 1 (UBA 2002, S.3)
Von der Kommission wurden 5 Handlungsgrundsätze formuliert, die ein Leben und Wirtschaften in den von der Natur vorgegebenen Schranken und im Sinne der Nachhaltigkeit gewährleisten sollen. Die darin getroffenen Aussagen können wie folgt wiedergegeben werden:
1. Die Nutzung einer Ressource darf auf Dauer nicht grösser sein als ihre Regenerationsrate oder die Rate der Substitution aller ihrer Funktionen.
2. Die Freisetzung von Stoffen darf auf Dauer nicht grösser sein als die Tragfähigkeit der Umweltmedien oder als deren Assimilationsfähigkeit. (...Tragfähigkeit bzw. Aufnahmefähigkeit der Umwelt)
3. Gefahren und unvertretbare Risiken für den Menschen und die Umwelt durch anthropogene (menschliche) Einwirkungen sind zu vermeiden.
4. Das Zeitmass anthropogener (menschlicher) Eingriffe in die Umwelt muss in einem ausgewogenen Verhältnis zur Zeit stehen, die die Umwelt zur selbst stabilisierenden Reaktion benötigt.
5. Gefahren und unvertretbare Risiken für die menschliche Gesundheit und die Umwelt durch menschlich verursachte Einwirkungen sind zu vermeiden. (ENQUETE KOMMISSION 1998, S.25)
Zusammenfassend betrachtet ist die Hauptaussage dieser Punkte, dass die Belastbarkeit der Ökosysteme nicht überschritten werden darf, die natürlichen Lebensgrundlagen müssen erhalten bleiben und die Gesundheit der Menschen zu schützen ist. (ENQUETE KOMMISSION 1998, S.25)
Zur Umsetzung der Nachhaltigkeit hat sich die Bundesregierung im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitspolitik Ziele gesetzt. Diese und Ziele anderer Institutionen werden im nächsten Abschnitt dargestellt.
1 Angela Merkel, ehema lige Bundesumweltministerin und derzeitige Parteivorsitzende der CDU, stufte
die Thematik Nachhaltigkeit in der zukünftigen Politik durch folgende Aussage ein: „Die Nachhaltigkeit, um die es ja insgesamt geht, Soziales, Ökologie und Ökonomie zusammenzubringen, das ist vielleicht eine der spannensten Aufgaben des 21.Jahrhunderts.“ (Aussage Angela Merkel zum Punkt „Anteil des Menschen an dem Klimawandel“ am 18.08.2002, 22:00 ARD)
4
2.2 Ziele der Nachhaltigkeit
In Anlehnung an den Vorschlägen des Umweltbundesamtes und der Öko-Audit-Verordnung, welche die Beurteilung aller signifikanten Umwelteinwirkungen verlangt, müssen folgende wichtigen Umweltaspekte bei der Zielstellung berücksichtigt werden (UBA 1999b, S.16):
Klima und Luft - Ressourcen - Fläche - Wasser - Lärm - Natur. - 2.2.1Klima und Luft
Seit Beginn der Industrialisierung stieg der Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre um 25 Prozent. Das führte zu einer Verstärkung des Treibhauseffektes woraus letztendlich die Erhöhung der globalen Temperaturen resultierte. (BMU 2000, S.9)
Die Bundesregierung hat sich mit ihrer Klimaschutzpolitik verpflichtet, eine Reduzierung der Kohlendioxidemissionen bis 2005 um 25% gegenüber dem Stand von 1990 zu erreichen. Im Jahr 2000 waren es schon 15,1 Prozent. Bis 2050 ist eine Reduzierung von 80 Prozent vorgesehen. (UBA 2002, S.5)
Bezüglich anderer Luftschadstoffe, welche hauptsächlich für die Versauerung von Böden verantwortlich sind, wird bis zum Jahr 2010 eine Reduzierung von Schwefeldioxid (SO2), Stickstoffoxid (NOx), Ammoniak (NH3) und flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) um bis zu 70% gegenüber dem Referenzjahr 1990 angestrebt. (UBA 1999b, S.16)
Die ENQUETE KOMMISSION beschreibt in ihrem Abschlussbericht, dass Massnahmen, die zur Verminderung von Kohlendioxidemissionen führen im gleichem Masse auch zur Verringerung der anderen Luftschadstoffe führen. Mögliche Massnahmen wären die Substitution von Kohle durch Gas. Wird bis 2005 das Ziel erreicht, die Kohlendioxidemissionen um 25 % zu verringern, können gleichzeitig Einsparungen an SO2 in Höhe von ca.36% erzielt werden. (ENQUETE KOMMISSION 1998, S. 73f)
2.2.2 Ressourcen und Energie
Ein weiteres globales Problem wird in der Endlichkeit der Ressourcen gesehen. Dies resultiert insbesondere auch aus der Tatsache, dass endliche Energieträger den überwiegenden Teil der weltweiten Energiebereitstellung ausmachen. Aber unter den Bedingungen, zukünftigen Generationen die gleichen Möglichkeiten und Chancen zu bieten, muss die seit Beginn der Industrialisierung begonnene Ausbeutung der Ressourcen unbedingt eingestellt werden.
Zur Verdeutlichung des Sachverhaltes wird in Abbildung 2 die statistische Reichweite der weltweit nachgewiesenen Energiereserven dargestellt. Besonders dramatisch stellt
5
sich dabei die Lage bei konventionellen Erdöl dar, wenn man betrachtet, dass dieses mit 35 Prozent an der globalen Energieversorgung beteiligt ist. (BMU 2000, S.7)
Von vielen Stellen wird deshalb häufig die Reduktion des Ressourcenverbrauchs um den Faktor 10 für ein nachhaltigeres Wirtschaften gefordert. (BMBF 2002, S.29)
Sparsamer Umgang mit Ressourcen geht mit dem von Energie einher. Ein erster Erfolg konnte in Deutschland mittlerweile mit der Entkopplung des Energieverbrauchs vom Wirtschaftswachstum erzielt werden. Die gleiche Wirtschaftsleistung wird somit heute mit weniger Energie erreicht als noch im Jahre 1980. (BMU 2000, S.11)
Um diesen Vorgang fortzuführen, ist das erklärte Ziel der Bundesregierung, die Energie- und Rohstoffproduktivität bis zum Jahr 2020 auf das 2,5 fache des Jahres 1993 steigen zu lassen. (UBA 1999b, S.16)
Eine weitere Strategie der Bundesregierung für eine zukünftige ressourcenschonende Energieversorgung ist es u.a., die konventionellen Energieträger durch erneuerbare zu ersetzen. (BMU 2000, S.9)
Dazu soll bis 2010 der Anteil erneuerbarer Energien am Primärenergiebedarf gegenüber 2000 auf 4,2 Prozent und am Stromverbrauch auf 12,5 Prozent verdoppelt werden. (UBA 2002, S.5)
Abbildung 2: Reichweiten verschiedener Energieträger (Quelle: vgl. BMU 2000, S.7)
2.2.3 Fläche und Natur
Durch die Inanspruchnahme von Flächen als Siedlungs- und Verkehrsflächen werden grundlegende Veränderungen in der natürlichen Bodenfunktion und Eingriffe in den Naturhaushalt vorgenommen. (ENQUETE KOMMISSION 1997, S.24 ff)
Gegenwärtig werden täglich 120 ha pro Tag für die oben genannten Zwecke verbraucht. Ziel ist es diesen Wert bis zum Jahr 2020 auf 30 ha pro Tag zu reduzieren. (BMU 2001, S.7)
6
Dazu sollen u.a. versiegelte Flächen zurückgebaut werden, nicht mehr benötigte Gewerbe-, und Industrie- und Infrastrukturflächen für wohnbauliche Zwecke bzw. naturnahe Erholungsflächen saniert werden und ein Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs zur Reduzierung von Verkehrsflächen erfolgen. Weitere Verringerungen sollen durch den Rückgang des Baus und der Nutzung von Parkflächen erzielt werden. (ENQUETE KOMMISSION 1997, S. 42-43)
Für die Nutzung von Naturflächen ist als Umwelthandlungsziel vorgesehen, 10-15% der nicht besiedelten Fläche des Jahres 1998 als der Vorrangflächen für den Naturschutz zu sichern. Weiterhin soll ein funktionsfähiger Biotopverbund aufgebaut werden, der mindestens 10% der Gesamtfläche Deutschlands beträgt. (ENQUETE KOMMISSION 1997, S.42)
2.2.4 Wasser
Grundwasser wird heute zu zwei Dritteln für die Trinkwasserversorgung eingesetzt. Die Neubildung von Grundwasser erfolgt dabei hauptsächlich durch Regenwasserversickerung und teilweise auch durch Infiltration von Bodengewässern. (DREWES 1996, S.156ff)
Grundsätzliches Problem hierbei ist zum einen, dass u.a. durch Bodenversieglung die Grundwasserneubildung verringert wird, und zum anderen, dass Schadstoffeinträge in den Boden das Grundwasser belasten. Hauptsächliche Ziele der Bundesregierung sind deshalb die Möglichkeiten der Regenwasser-Versickerung zu verbessern und anthropogene Einträge zu vermeiden. (ENQUETE KOMMISSION 1997, S.36, 43)
Für den Schutz der Fliessgewässer ist als Ziel bis 2020 ein Anteil von Fliessgewässern mit der chemischen Güteklasse für AOX und Gesamt-Stickstoff von 100% geplant. (UBA 1999b, S.16)
2.2.5 Lärm
Nachweislich kann Lärm neben Herz-Kreislauferkrank ungen zu weiteren gesundheitlichen Schäden wie Stoffwechselüberlastungsschäden und Verminderung des Hörvermögens führen. Als häufigste Quelle für die Lärmentstehung wird der Strassenverkehr genannt. Danach folgt die Beeinflussung durch die Lärmarten Flugverkehr, Schienenverkehr und Industrie und Gewerbe. (SCHULZ W.F., BURSCHEL C. u.a. 2001, S. 209ff)
Genaue Ziele hinsichtlich der Verminderung bzw. Vermeidung von Lärm werden von der Bundesregierung nicht genannt. Mit dem Erlass der „Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA-Lärm)“ ist aber ein Instrument vorhanden, um die Auswirkungen auf den Menschen zu verringern. Inwieweit sich diese mit dem Konzept der Nachhaltigkeit verträgt konnte vom Autor nicht festgestellt werden.
2.3 Zusammenfassung
Seit der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro hat der Begriff „Nachhaltige Entwicklung“ (sustainable developement) immer
7
mehr an Bedeutung gewonnen. Der ursprünglich aus der Forstwirtschaft stammende Begriff Nachha ltigkeit zielt auf eine dauerhafte Nutzbarkeit der natürlichen Ressourcen ab. (MARZ F, SEEBER G, STIPPROWEIT A (Hrsg.) 1998: S.37)
Folgende wesentliche Denkansätze beinhaltet das Nachhaltigkeitskonzept:
1. Den zukünftigen Generationen sind die Funktionsfähigkeit und Nutzbarkeit der natürlichen Lebensgrundlagen nachhaltig zu sichern. In diesem Zusammenhang ist die Belastung der Ökosysteme auf ein vernünftiges Level zu verringern. Das heisst, nicht unbegrenzt zur Verfügung stehende Ressourcen sind schonend zu behandeln oder durch Regenerative zu ersetzen. (MARZ F, SEEBER G, STIPPROWEIT A (Hrsg.) 1998: S.13)
2. Eine weltweit gerechtere Verteilung der Lebenschancen unter ökonomisch, sozialen und kulturellen Bedingungen. Ein Fünftel der Weltbevölkerung verbraucht noch immer etwa 80% der weltweiten Ressourcen. (MARZ F, SEEBER G, STIPPROWEIT A (Hrsg.) 1998: S.39)
Die Konsequenz dieser Einschätzung führte dazu, dass die Bundesregierung klare Handlungsvorgaben in ihre zukünftigen Politik einbaute.
Unter den Punkten 2.2.1 - 2.2.5 wurden die wesentlichen Umweltaspekte beschrieben und die dazugehörigen politischen Zielvorgaben genannt.
Tabelle 1 stellt die wichtigsten Ziele aus Sicht des BUND/MISEREOR zusammen.
Tabelle 1: Ökologische Ziele ( vgl. BUND/MISEREOR (Hrsg.) 1996: S. 80)
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Arbeit zitieren:
Heiko Färber, 2002, Weiterentwicklung eines Umweltprogramms hinsichtlich der Ziele einer nachhaltigen Entwicklung., München, GRIN Verlag GmbH
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