Rekrutierung und Qualifizierungsstrategien von Fachpersonal in deutsch-chinesischen Joint Venture
Unternehmen
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis 5
1. Einleitung 6
1.1 Einführung in das Problemfeld 6
1.2 Begrenzungen bei der Bearbeitung des Themas 7
1.3 Methodisches Vorgehen 9
2 Situation der Joint Venture in China 10
2.1 Was ist ein Joint Venture 11
2.2 Rolle der Joint Ventures für die VR China 14
2.3 Die Danwei-Struktur 15
2.4 Arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen 17
2.5 Bildungsbedarf 18
2.6 Zusammenfassung 20
3 Einflussfaktoren auf die Personalentwicklung in deutsch-chinesischen Joint
Venture 20
3.1 Bildungsniveau der Arbeitskräfte 21
3.2 Das Bildungssystem der VR China 23
3.2.1 Bildung im Großraum Shanghai 24
3.2.2 Höhere Berufliche Bildung 31
3.2.3 Releva nz der beruflichen Ausbildung für deutsch-chinesische Joint
Venture 33
3.3 Chinesische Modernisierungsansätze im Bildungs und
Berufsbildungssystem 34
3.3.1 Gesetze als Ausdruck einer grundlegenden Modernisierung des
Bildungssystems 34
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Unternehmen
3.3.2 Bedeutung der beruflichen Bildung 38
3.4 Basisqualifikationen und Qualifikationsstandards 39
3.4.1 Basisqualifikation 39
3.4.2 Qualifikationsstandards 40
3.5 Zusammenfassung 43
4 Deutsch-Chinesische Bildungszusammenarbeit 44
4.1 Institutionen der Bildungszusammenarbeit 45
4.1.1 Die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit 45
4.1.2 Die Hanns-Seidel Stiftung 45
4.2 Maßnahmen der Bildungszusammenarbeit 46
4.2.1 Das Regionalinstitut für Berufsbildung Shanghai 46
4.2.2 Modellversuche in der technischen und kaufmännischen Berufsbildung
im Großraum Shanghai zur Unterstützung einer praxisorientierten Ausbildung 47
4.2.3 Berufsbildungszentrum Shanghai 50
4.2.4 Projekt FCKW-Substitution im Kältemittelbereich 51
4.3 Zusammenfassung 54
5 Personalentwicklungs und Qualifikationsstrategien in Unternehmen 55
5.1 Personalentwicklung in chinesischen Staatsbetrieben 56
5.2 Personalentwicklung in deutsch-chinesischen Joint Venture 58
5.2.1 Untersuchungen zum Qualifikationsbedarf 59
5.2.2 Personalrekrutierung von Joint Venture 60
5.3 Qualifizierungsstrategien der Joint Venture Unternehmen 64
5.3.1 Weiterbildungsmöglichkeiten 64
5.3.2 Interviews in den Unternehmen 65
5.4 Zusammenfassung 77
5.5 Fazit 77
Rekrutierung und Qualifizierungsstrategien von Fachpersonal in deutsch-chinesischen Joint Venture
4
6 Gesamtzusammenfassung ...........................................................................................79
7 Literaturverzeichnis .......................................................................................................81
8 Anlagen ...........................................................................................................................85
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5
Unternehmen
Abkürzungsverzeichnis
ArbG – Arbeitsgesetz
BbilG - Berufsbildungsgesetz
BilG – Bildungsgesetz
BMZ – Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
CNC – Computer Numerical Control
FCKW – Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe
FESCO – Foreign Investement Service Cooparation
GEARI – Guangzhouer Electrical Apparatus Research Institute
GTZ – Gesellschaft für technische Zusammenarbeit
HSS – Hanns-Seidel-Stiftung
IHK – Industrie und Handelskammer
NC – Numerical Control
OSTA – Occupational Skill Testing Authority
RIBB-S – Regionalinstitut für Berufsbildung Shanghai
RMB – Reminbi (amtliche Währung)
VITAL – Vocational Insurance Training Allianz
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1. Einleitung
1.1 Einführung in das Problemfeld
Die weltweite Globalisierung hat in den vergangenen Jahren zu einer steigen- den Auslandsorientierung und Internationalisierung vieler Unte rnehmen geführt. Einige in Form von Exportexpansion oder Global Sourcing, andere in Form der Errichtung von Joint Ventures. Dabei stellen insbesondere die Unternehmungen in anderen Kulturkreisen international orientierte Unternehmen vor neue Her- ausforderungen. Zu nennen sei hier u.a. die Qualifikation des Personals. Als eine der relevanten Unternehmensressourcen wird Humankapital, also der Mensch, verstanden, der einen entscheidenden Einfluss auf die Wettbewerbs- vorteile eines Unternehmens ausübt. Der Personalentwicklung in international orientierten Unternehmen, hier in Bezug auf die VR China, kommt somit eine besondere Bedeutung zu. Der Bereich der Aus- und Weiterbildung ist Teil einer Personalentwicklungsstrategie. Die Aus- und Weiterbildung gewinnt in China aufgrund der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung zunehmend an Bedeutung. Qualifiziertes Personal ist auf dem chinesischen Arbeitsmarkt kaum zu finden. Jeder nur denkbare Bereich weist Mängel an qualifiziertem Personal auf. Nicht nur in den neuen Geschäftsfeldern wie z.B. dem IT-Bereich, sondern vor allem auch die herkömmlichen Branchen leiden unter schlecht ausgebildetem Perso- nal. 1 Insbesondere ausländische Firmen in China stehen vor der Frage, woher sie gut ausgebildetes Personal bekommen, bzw. wo sie ihre Angestellten aus - und weiterbilden können.
Schon seit mehr als 10 Jahren betreiben die Deutsche Gesellschaft für Techni- sche Zusammenarbeit (GTZ) aber auch die Hanns-Seidel-Stiftung (HSS), als Non Government Organisation 2 , Entwicklungszusammenarbeit auf dem Gebiet der berufliche n Bildung, wobei hier nicht nur die Qualifizierung von Fachkräften, sondern insbesondere Projekte zur Systementwicklung und auch Qualifizierung von Fach- und Führungskräften als Multiplikatoren im Vordergrund stehen.
1
Vgl.: Berufsbildung, Heft 63/2000, S. 9.
2
Vgl.: Georg/ Rützel/ Köhne, S. 25.
Rekrutierung und Qualifizierungsstrategien von Fachpersonal in deutsch-chinesischen Joint Venture
7
Es besteht eine enge Zusammenarbeit auf dem Gebiet der beruflichen Bildung mit diesen Organisationen und den ortsansässigen deutsch-chinesischen Joint Ventures.
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der beruflichen Bildung in China und der damit verbundenen vermittelten Qualifikationen auseina nder, welche eine be- sondere Bedeutung für die ortsansässigen Unternehmen, insbesondere Firmen mit ausländischem Kapital, haben. Im Mittelpunkt der Betrachtungen steht dabei die Region um Shanghai. Die Autorin hat dort im GTZ-Projekt „Substitution von
FCKW im Bereich Kältetechnik“ mitgearbeitet und konnte Erfahrungen sam-
meln.
Folgende Fragestellungen sollen in der vorliegenden Arbeit behandelt werden. Gibt es in der VR China einen „freien Arbeitsmarkt“, auf dem die Joint Venture Unternehmen eigenständig und ohne Restriktionen Personal rekrutieren kön- nen? Über welche Qualifikationen bzw. Bildungsniveau verfügen chinesische Arbeitskräfte? Was sind Inhalte ihrer Ausbildung? Welche Reformen wurden im Bildungssystem durchgeführt, die auch Einfluss auf die Personalarbeit in den Joint Venture haben? Was unternehmen deutsch-chinesische Joint Venture Unternehmen, um ihr Personal entsprechend zu qualifizieren? Die Qualifika- tionsdefizite des Fachpersonals sollen aufgedeckt und anhand von Beispielen gezeigt werden, welc he Maßnahmen in den Joint Ventures unternommen wer- den, um dagegenzusteuern.
1.2 Begrenzungen bei der Bearbeitung des Themas
Das berufliche Bildungssystem in der VR China steht als Voraussetzung für die Rekrutierung qualifizierten Personals bei deutsch-chinesischen Joint Ventures. In der vorliegenden Arbeit wird auf die spezifischen Probleme bei der Qualifizie- rung des Personals von deutsch chinesischen Joint Ventures vor dem Hinter- grund der sich vollziehenden Modernisierungsprozesse in der chinesischen Gesellschaft eingegangen. Besonders hervorgehoben werden die erforderli- chen Qualifikationen, die ausländische Unternehmen bei ihren Mitarbeitern ab- fordern.
Rekrutierung und Qualifizierungsstrategien von Fachpersonal in deutsch-chinesischen Joint Venture
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Bei Literaturrecherchen zur Vorbereitung der Arbeit ist der Autorin aufgefallen, dass sich die Diskussionen auf Beiträge zur Personalentwicklung internationaler Fach- und Führungskräfte und deren Vorbereitung auf Auslandseinsätze zent- riert. Zwar gibt es Artikel und Veröffentlichungen auch für den Bereich der be- ruflichen Bildung vor Ort, diese basieren jedoch auf Untersuchungen der GTZ und der Zusammenarbeit mit Bildungsträgern, die sich in China etabliert haben. Statistisches Material ist kaum vorhanden, so dass die vorhandenen Informati- onen mit eigenen Befragungen und Interviews vor Ort untermauert werden. An- hand von Beispielen wird aufgezeigt, wie das berufliche Bildungswesen mit Hil- fe der deutsch-chinesischen Berufsbildungszusammenarbeit, im Zuge der wirt- schaftlichen Veränderungen in der VR China, einen wichtigen Beitrag für die Qualifikation der örtlichen Arbeitskräfte leistet.
Das zur Verfügung stehende Datenmaterial aus Aufsätzen und Zeitschriften wird durch Interviews und eigene Untersuchungen vor Ort ergänzt, um so einen detaillierteren Überblick über Qualifikationsanforderungen an die Mitarbeiter in Joint Ventures zu erhalten. Untersuchungen, die vom Delegiertenbüro der Deutschen Wirtschaft in Shanghai durchgeführt wurden, beziehen sich haup t- sächlich auf die Qualifikationsanforderungen von Fach- und Führungskräften.
Wie bereits erwähnt, konzentriert sich die Arbeit auf die Region Shanghai. Da- her lässt sich ein genauer Gesamtüberblick über die berufliche Aus- und Wei- terbildung in der gesamten VR China, die berufliche Bildungszusammenarbeit und deren Modernisierungsansätze nur unzureichend darstellen. Shanghai stellt, als eine der Küstenstädte mit seinen Provinzen, eine Vorreiterrolle in der ökonomischen Modernisierung des Landes dar. Es bestehen hohe Wachstums- raten, ein starker Zustrom von ausländischem Kapital, aber auch eine stetig steigende Arbeitslosigkeit bedingt durch die enormen Umstrukturierungen in der Wirtschaft.
Rekrutierung und Qualifizierungsstrategien von Fachpersonal in deutsch-chinesischen Joint Venture
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1.3 Methodisches Vorgehen
Die berufliche Bildung der VR China als Grundlage für die Qualifikation des Fachpersonals, die am Beispiel der Region Shanghai dargestellt wird, steht im Mittelpunkt der Betrachtungen. Es wird auf die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, wie z.B. das 1996 verabschiedete Berufsbildungsgesetz und die Besonderheit chinesischen Lern- und Lehrgewohnheiten, eingegangen. Die sich zur Zeit in der chinesischen Gesellschaft vollziehenden Modernisie- rungsprozesse haben einen entscheidenden Einfluss auf die Bildungslandschaft der VR China. Um die Gesamtsituation darzustellen, wird im Kapitel 2 auf die Situation und die Rolle der Joint Venture eingegangen, sowie der arbeitsrechtli- chen Rahmenbedingungen und der Bildungsbedarf dargestellt. Das Kapitel 3 beschreibt die Einflussfaktoren auf die Personalentwicklung in deutsch- chinesischen Joint Venture, wobei auf das vorhandenen Qualifikationsniveau und das Bild ungssystem der VR China eingegangen wird. Das allgemeine Bil- dungssystem wird der Vollständigkeit halber erwähnt. Um ein chinesisches Be- rufsbildungssystem zu etablieren, werden u.a. die Erfahrungen anderer Länder genutzt. Neben dem deutschen Dualen System der Berufsbildung orientieren sich die chinesischen Bildungsexperten auch an den Systemen Großbrita n- niens, Kanadas, Australiens und Japans. Weiterhin wird im Kapitel 4 auf die deutsch-chinesische Bildungszusammenarbeit der GTZ und der HSS einge- gangen. Mit diesen Institutionen wurden Modellversuche im Bereich der berufli- chen Bildung durchgeführt. Auch auf Projekte, die in engem Zusammenhang mit der Qualifizierung von Fachpersonal stehen, wird eingegangen. Im Rahmen des Projektes „FCKW-Substitution im Kältemittelbereich“ wurde von der Autorin eine Untersuchung zum Qualifikationsbedarf im Bereich Kältetechnik vor Ort durchgeführt. In diesem Zusammenhang wird bereits darauf hingewiesen, dass deutsch-chinesische Joint Venture eng mit beiden Organisationen zusammen- arbeiten, Auszubildende ausbilden und das Weiterbildungsangebot für die Qua- lifizierung ihrer Mitarbeiter nutzen. Das Kapitel 5 beschäftigt sich mit den Per- sonalentwicklungs- und Qualifizierungsstrategien in den Unternehmen. Um ein vollstä ndiges Bild der Situation von Joint Venture in China zu erhalten, wird auf die Besonderheit der Staatsbetriebe eingegangen. Die chinesischen Partnerun- ternehmen der Joint Venture waren vor der Kooperation Staatsunternehmen, so
dass eine Erwähnung sinnvoll erscheint. Um die Problematik der Qualifikation der Fach- und Führungskräfte in China wird eine Untersuchungen zum Qualifi- kationsbedarf der Joint Venture des Delegiertenbüros der Deutschen Wirtschaft zu Grunde gelegt. Ein weiterer wesentlicher Aspekt in diesem Kapitel ist die Darstellung der Rekrutierung des Personals und der Möglichkeiten der Rekru- tierung für die Joint Ventures. Des Weiteren wird anhand von Beispielen auf Qualifizierungsstrategien einiger ausgewählter Joint Venture, bei denen die Au- torin Interviews mit den General Managern geführt hat, eingegangen. Als Fazit werden die Erkenntnisse zusammengefasst der Strategien der Unternehmen dargestellt.
2 Situation der Joint Venture in China
Die Organisationsstrukturen in China, die durch eine totalitäre, kommunistisch- sozialistische Vergangenheit geprägt sind, werden im Rahmen von betriebli- chen Kooperationen wie Joint Ventures zunehmend mit marktwirtschaftlichen Strukturen und Denkweisen konfrontiert. 3
Um wettbewerbsfähige Unternehmensstrukturen zu schaffen, müssen Voraus- setzungen geschaffen werden, die organisatorischen, qualifikatorischen und technischen Charakter haben. Als Beispiel sei die Ausrichtung der Joint Ven- tures an den Kunden und an hohen Qualitätsansprüchen genannt. Die Verän- derungen der Organisationsstrukturen bewirken einen Qualifizierungsbedarf, so dass die Qualifikation und Motivation des Personals von besonderer Bedeutung sind. 4 1978 leitete die kommunistische Partei der VR China eine Reform des chinesi- sche Wirtschaftssystems ein, welche einen grundlegenden Wandel in der Ent- wicklung Chinas herbeiführte. Dies war der erste Schritt auf dem Weg in eine
3 Vgl.: Schuchard, S. 4.
4 Vgl.: Heeg; Meyer-Dohm, S. 27.
„sozialistische Marktwirtschaft” 5 , die tiefgreifende Reformen in allen Wirtschafts- und Gesellschaftsbereichen bewirkte.
China kannte lange keine Gesetzte wie das bürgerliche Recht oder ein Gesell- schaftsrecht. Mit der Zulassung der Privatwirtschaft und anderer Eigentumsfo r- men, wie Unternehmen mit 100% ausländischem Besitz, Equity Joint Ventures und Contractual Joint Ventures 1978, entstand die Notwendigkeit, den Anforde- rungen potentieller ausländischer Investoren nach Rechtsicherheit zu genügen. 6 1979 wurden die ersten gesetzlichen Regelungen für ausländische Direktinves- titionen geschaffen.
Dieser Wandel ermöglichte eine rasante Entwicklung der Investitionstätigkeit aus dem Ausland. Bis Ende des Jahres 1999 wurden in China 338.134 auslä n- dische Investitionsprojekte genehmigt. Insgesamt ist in 155.000 ausländisch investierten Unternehmen ein Kapital von 306,8 Milliarden US-Dollar gebun- den. 7
2.1 Was ist ein Joint Venture?
Der Begriff Joint Venture kann mit Gemeinschaftsunternehmen übersetzt wer- den, an der zwei oder mehrere Unternehmen, meist aus verschiedenen Län- dern beteiligt sind. 8 Seit der Wirtschaftsreform in China werden Privatwirtschaft und ausländische private Direktinvestitionen wie Wholly Foreign Owned Enterprises, Joint Ven- tures und Repräsentanzen gestattet. “Ausländische private Direktinvestitionen können im wesentlichen in 3 Formen verwirklicht werden:
5 Sozialistische Marktwirtschaft oder geplante Marktwirtschaft: “Gegenwärtig handelt es sich bei der Wirt- schaft Chinas um eine geplante Marktwirtschaft, d.h., Direktplan und Markt koexistieren als Regulierungs- mechanismen.” in Shi, Huachi: Wirtschaftkooperationen und Technologietransfer in China mit besonderer Berücksichtigung von Equity Joint Ventures.
6 Vgl.: Trommsdorff/ Schuchard/ Les ke S. 8.
7 Vgl.: China-Contact 9/2000.
8 Vgl.: Trommsdorff/ Schuchard/ Leske S. 17.
- als Equity Joint Venture (EJV-) Gemeinschaftsunternehmen, d.h. als ei- genverantwortliche Unternehmen, dessen Kapital von chinesischen und ausländischen Gesellschaften gehalten wird;
- als Contractual Joint Venture (CJV-) Kooperationsunternehmen (oder in chinesischer Terminologie: Cooperative Joint Venture), d.h. als Koopera- tion, in dem chinesische und ausländische Gesellschafter in weitestem Sinne zusammenarbeiten, wobei diese Zusammenarbeit nicht notwendi- gerweise in Form eines neu gegründeten eigenständigen Unternehmens erfolgen muss;
- als Wholly Foreign Owned Enterprises (WFOE), d.h. als 100%-iger Toch- ter eines ausländischen Unternehmens.” 9 Die rechtliche Grundlage zur Gründung von Joint Ventures in China wurde mit dem „Gesetz der VR China über Gemeinschaftsunternehmen (Equity Joint Ven- tures) mit chinesischer und ausländischer Investitionsbeteiligung” (Joint-Venture Gesetz) am 08.07.1979 10 gelegt. 1986 kam das Gesetz zur Gründung von rein ausländischen Firmen 11 , den Wholly Foreign Owned Enterprises, und 1988 das Gesetz über rein ausländische kooperati v betriebene Unternehmen 12 , den Contractual Joint Ventures, hinzu.
Neben den Joint Venture als Kooperationsform gewinnen die Wholly Foreign Owned Enterprises stark an Bedeutung, obwohl sie nicht als „klassische” Ko- operationsform gesehen werden können.
Eine weitere große Bedeutung in China haben Repräsentanzen. Diese Koope- rationsform bietet den Unternehmen die Möglichkeit, den chinesischen Markt zu untersuchen, sowie wirtschaftlich und politische Entwicklungen zu beobachten. Auch sind erste Kontakte mit staatlichen Institutionen und chinesischen Ge- schäftspartnern möglich. Einige Firmen treten in China zuerst als Repräsentanz auf, um die o.g. Vorteile zu nutzen und den Markt zu analysieren. Später gehen
9 Langefeld-Wirth, S. 522.
10 Vgl.: Müller, S. 47.
11 Vgl.: Tagscherer, S. 26.
12 Vgl.: Schwarting, S. 246.
sie meist ein Joint Venture mit einem geeigneten chinesischen Partner ein. Al- lerdings dürfen die Repräsentanzen nur in Vertretung für die ausländische Mut- ter auftreten, was einen Nachteil dieser Art von Direktinvestitionen bedeutet. Wie aus der folgenden Grafik ersichtlich ist, haben Repräsentanzen mit 54 % den größten Anteil in China. Danach verteilen sich die Unternehmensformen auf Joint Ventures (23 %) und Wholly Foreign Owned Enterprises (19 %). 13 % machten keine Angaben.
Unternehmensform
Repräsentanzen
Abb.:1; Quelle: China Contact 10/2000
Die regionale Aufteilung sieht wie folgt aus. Danach haben sich in Beijing (Pe- king) und Shanghai im Vergleich zu anderen Regionen viele deutsche Firmen angesiedelt.
Abb.: 2; Quelle: China Contact 10/2000
2.2 Rolle der Joint Ventures für die VR China
Für die Wirtschaftsentwicklung Chinas haben ausländische Direktinvestitionen insbesondere durch den Kapitalzufluss, den Transfer von Humankapital in Form von Wissen und Management Know How, den Beitrag zur Beschäftigung von Arbeitskräften, an Bedeutung gewonnen.
Das Produktionsvolumen der privaten Unternehmen und der Unternehmen mit ausländischer Investitionsbeteiligung wächst trotz der Bevorzugung der staatli- chen Unternehmen in Bezug auf Ressourcenverteilung deutlich schneller, als das der Staatsunternehmen. 13 Von der chinesischen Seite wird durch die Privatisierung der Staatsunterne h- men, die Etablierung marktwirtschaftlicher Strukturen, sowie die zunehmende Integration in das globale Umfeld mit dem potenziellen Beitritt in die WTO, hohe Flexibilität in den ökonomischen Strukturen verlangt. Jedoch sieht sich ein po- tenzieller Investor in China mit vielen formalen und informellen Hindernissen konfrontiert. Es ist nicht ausreichend, nur Analysen über die ökonomischen und
13 Vgl.: Shi, S. 18, siehe auch Müller, Christian, S. 120.
rechtlichen Bedingungen anzustellen, vielmehr dürfen die speziellen kulturellen Bedingungen in China nicht vernachlässigt werden.
Seit der Öffnungspolitik expandiert die wirtschaftliche und technische Zusam- menarbeit zwischen China und Deutschland beträchtlich. Seit Ende der siebzi- ger Jahre hat China mit Deutschland eine Reihe von Abkommen für wirtschaftli- che Zusammenarbeit abgeschlossen, mit deren Unterstützung sich Kooperatio- nen zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen sowie einzelnen Unternehmen schnell entwickeln können. 14 Die Gründung einer Joint Venture-Kooperation mit einem chinesischen Partner hat eine Reihe von Vorteilen. Zum einen können das vorhandene Know-How und die „guanxi” 15 synergetisch genutzt werden, zum anderen erhoffen sich die chinesischen Partner insbesondere Technologietransfer und Managementwis- sen von den ausländischen Partnerunternehmen. Ebenso wie in anderen aus- ländisch-chinesischen Joint Venture begegnen sich auch in den deutsch- chinesischen Joint Ventures nationale und kulturelle Gegensätze. Damit ge- winnt das Thema Personalmanagement und arbeitsrechtliche Rahmenbedin- gungen mehr und mehr an Bedeutung.
Neben den Vorteilen, die sich für die Joint Venture Kooperationen mit einem chinesischen Partner ergeben, müssen sich die Joint Venture mit den gegebe- nen Strukturen auseinandersetzen. Ein wesentliches Beispiel hierfür ist die „Danwei-Struktur“ chinesischer Staatsbetriebe.
2.3 Die „Danwei-Struktur“
Das Umfeld der chinesischen Staatsbetriebe ist durch den Transformationspro- zess von einem zentralen planwirtschaftliche geprägten zu einem marktwirt- schaftlichen System mit sozialistischer Prägung durch eine Vielzahl von Refor- men verändert worden. Hierzu zählen z.B. die Reformen des Lohnsystems, des Arbeits- und Beschäftigungssystems und des Bildungssystems.
14 Vgl.: Shi, S.68.
15 Unter “guanxi” wird eine Art Netzwerk von Beziehungen bezeichnet, die in der chinesischen Gesell-
schaft von großer Bedeutung sind. Für Chinesen ist es wichtig, wen man kennt und zu welcher Gruppe
man gehört.
Chinesische Staatsbetriebe können als gesellschaftliche Rekonstruktionen ei- ner familiären Wirtschaftsgemeinschaft bezeichnet werden. Sie sind keine be- triebswirtschaftlichen Organisationen im eigentlichen Sinne, sondern sie über- nehmen gleichzeitig fast alle familiären Aufgaben. 16 Ein chinesischer Staatsbe- trieb ist maßgeblich durch diese „Danwei-Struktur” geprägt und hat eine große Bedeutung für die Mitglieder. Sie erfüllt nicht nur die wirtschaftlichen, sondern vor allem soziale, politische und administrative Aufgaben. Die “Mitgliedschaft” in einer Danwei ist lebenslänglich und schließt die Familie mit ein. 17 Die Staatsbetriebe unterhalten betriebseigene Kindergärten für die Erziehung der Kinder, übernehmen die „Erziehung” ihrer Mitarbeiter durch die vorgesetz- ten Funktionäre, unterhalten eigenen Schulen und Krankenhä user, übernehmen alle Sozialleistungen bei Unfall, Krankheit und Rente. Das Unternehmen dient also der gesellschaftspolitischen Aufgabe, die staatsfamiliäre Wirtschaftsge- meinschaft zu realisieren. 18 Das Management der Staatsunternehmen wird nicht an betriebswirtschaftlichen Ergebnissen und Erfolgen gemessen, sondern inwieweit das Unternehmen die gesellschaftspolitische Rolle und Aufgabe wahrnimmt. Die Qualifikation des Managements liegt daher auch weniger im fachlich-technischen oder kaufmän- nischen Bereich, als vielmehr im politisch-strategischen Denken und Handeln. Durch die eingeleitete Reformpolitik in der VR China steht die Danwei und da- mit auch die Staatsbetriebe unter einem enormen Modernisierungsdruck. Ins- besondere die Entwicklung neuer Betriebskonzepte, die Veränderung der ge- sellschaftlichen Arbeit und der Abbau der politischen Strukturdominanz gilt es entsprechend anzupassen oder zu verändern.
Durch die Etablierung neuer Unternehmensformen und damit der allmählichen Auflösung der Danwei besteht für die Unternehmen ein breiteres Handlungs-
16 Vgl.: Tang, Reisch, S.53.
17 In einem Interview mit Dr. Wagner, Teamleiter am RIBB Shanghai: Früher konnten die Arbeitsplätze
an Familienmitglieder vererbt werden, dies ist heute nicht mehr der Fall.
18 Vgl.: Tang, Reisch, S. 153.
spektrum, insbesondere im Personalbereich 19 . Hauptsächlich durch das Ar- beitsgesetz von 1995 wurde ein wesentlicher Modernisierungsschritt vollzogen.
2.4 Arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen
Von besonderer Relevanz für Joint Ventures in China sind neben der Einfüh- rung des Joint Venture Gesetzes von 1979 die Regelungen zum Arbeitsrecht, insbesondere die Möglichkeit der Rekrutierung chinesischen Personals und der Beendigung von Arbeitsverträgen.
Auf die wichtigsten und für das Thema dieser Arbeit relevanten Punkte im Ar- beitsgesetz wird im Folgenden eingegangen.
Das Arbeitsgesetz (ArbG)
1994 wurde das Arbeitsgesetz als eine grundlegende rechtliche Rahmenbedin- gung der chinesischen Wirtschaft verabschiedet. Mit der Verabschiedung des Arbeitsgesetztes, welches am 01.01.1995 in Kraft 20 trat, wurde ein wichtiger Grundstein für die Neuordnung des Wirtschaftssystems mit dem Übergang von der „sozialistischen Planwirtschaft” zur „sozialistischen Marktwirtschaft” gelegt. „Das ArbG hat einen grundsätzlichen Anspruch, die Arbeitsverhältnisse in der
VR China zu gestalten (Schutz der Rechte und legalen Interessen der Arbeit-
nehmer, Arbeitsordnung für die sozialistische Marktwirtschaft, Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung und des gesellschaftlichen Fortschritts (1. Ab- schnitt, §1)” 21
Dabei strebt das Gesetz neben der arbeitsrechtlichen Normierung auch Neue- rungen im Bereich der Berufsbildung an. Der Geltungsbereich umfasst erstma- lig alle in der VR China niedergelassenen Unternehmen 22 und alle Arbeitne h-
19 Vgl.: Georg/ Rützel/ Köhne, S. 39.
20 Vgl.: Arbeitsgesetz der Volksrepublik China, abgedruckt in: China aktuell, Juni 1995, S 504f. 21 Georg/ Rützel/ Köhne, S. 232.
22 § 2 des ArbG: Unternehmen mit chinesisch-ausländischen Gemeinschaftskapital, 100%iger Tochterun- ternehmen ausländischer Gesellschaften, kooperative Gemeinschaftsunternehmen und Repräsentanzen.
mer. Das Gesetz regelt ebenso Einstellung und Entlassung, Arbeitsvertragsges- taltung, Arbeitszeit, Urlaubsanspruch, Arbeitsvergütung und Arbeitssicherheit. Der § 3 ArbG beinhaltet die gesetzliche Verankerung des Rechts auf Fortbil- dung der beruflichen Fähigkeiten für Arbeitnehmer und ist für die personalpoliti- schen Belange eines Joint Ventures von Bedeutung. Arbeitnehmer müssen gem. § 55 für besondere Tätigkeiten eine Fachausbildung vorweisen bzw. sich dieser unterziehen, wobei „besondere Tätigkeiten” nicht spezifiziert wurden. Abschnitt 8 des ArbG behandelt die Berufsausbildung, welche ein entscheiden- der Faktor für Joint Ventures ist. So wird gem. § 68 der Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet, ein betriebliches Berufsbildungssystem aufzubauen, welches aus Berufsbildungsfonds 23 finanziert werden soll. Mittels dieser innerbetrieblichen Berufsbildung sollen die Arbeitnehmer planmäßig gefördert werden. Vor der Aufnahme einer Facharbeit muss der Arbeitnehmer eine Berufsausbildung ab- solviert haben. 24 Der § 69 regelt die staatlichen Zuständigkeiten ...„für die Entwicklung von Quali- fikationsstandards auf Basis der Berufsklassifikation und für den Ausbau einer institutionellen und organisatorischen Infrastruktur zur Durchführung und Zertifi- zierung von Prüfungen”. 25 Die entsprechenden Regelungen sind im Berufsbil- dungsgesetz von 1996 verankert, auf welches im Abschnitt 3.3.1 näher einge- gangen wird.
Mit dem Arbeitsgesetz werden die Arbeitsverhältnisse auf eine vertragliche Ba- sis gestellt, die für die Joint Ventures von großer Bedeutung ist.
2.5 Bildungsbedarf
„Die mit den Reformprozessen eingeleiteten strukturellen Veränderungen der Wirtschaft haben eine neue Orientierung der Bildungspolitik erforderlich ge- macht. Insbesondere in der beruflichen Bildung haben neue Technologien, neue Produkte, neue Fertigungsverfahren und neue Formen der Arbeitsorgani- 23 Auf die Zusammensetzung der Fonds wird im Arbeitsgesetz nicht näher eingegangen.
24 Vgl.: Georg/ Rützel/ Köhne, S. 233.
25 Vgl.: ebd., S. 233.
sation zu veränderten Anforderungen an die Qualifikation von Arbeitern und Ingenieuren geführt. Mangelnde Qualifikation insbesondere bei modernen Be- rufsbildern werden als entscheidender Faktor für unzureichende Produktqualität und Produktivität angesehen. Trotz hoher Arbeitslosigkeit herrscht Mangel an gut qualifizierten Fachleuten in kaufmännischen und gewerblich-technischen Berufen”. 26
In China herrscht eine hohe Nachfrage nach gut qualifizierten Arbeitskräften. Das nationale Statistikamt hatte eine Analyse der Beschäftigungssituation in den Bereichen Industrie, Bauwesen, Verkehr, Telekommunikation, Groß- und Einzelhandel sowie im Immobilien- und Dienstleistungssektor vorgenommen. Der steigende Bedarf wird laut Experten auf das schnelle Wachstum der Volks- wirtschaft zurückgeführt. In der nichtstaatlichen Wirtschaft wurden mehr Ar- beitskräfte benötigt als im staatlichen Sektor. Insbesondere auslandsinvestierte Unternehmen berichten über einen großen Arbeitskräftebedarf. 27
Laut einer Studie des „Labor and Personal Bureau of the Pudong New Area” 28 (Shanghai), werden in den nächsten Jahren für die Unternehmen, die sich in Shanghai-Pudong angesiedelt haben, 200.000 qualifizierte Mitarbeiter gesucht. Insbesondere der Bedarf an Führungskräften ist erheblich. Im Hightech- Bereich, einschließlich der Elektronik- und IT- Branche, sowie Biologie und Me- dizin werden der Studie zufolge 50.000 Arbeitskräfte, im Bereich Finanzwesen, Handel und Versicherungen 8.200 Mitarbeiter und im Tourismus- und Ausstel- lungsbereich 20.000 Personen benötigt.
Die Nachfrage an Mitarbeitern, die Erfahrungen mit multinationalen Unterne h- men haben, über Fremdsprache nkenntnisse verfügen und sich im internationa- len Recht auskennen, wird lt. der Studie aufgrund der wirtschaftlichen Entwick- lung weiterhin steigen. Ebenso wird es einen erheblichen Bedarf an Buchhal-
26 Landesarbeitspapier VR China 9/1999, S. 3; Das Landesarbeitspapier bietet eine grundlegende Orien-
tierung über die technische Zusammenarbeit mit der VR China.
27 Vgl.: China Contact 9/2000., S. 12.
28 Vgl.: ebd., S. 12.
Quote paper:
Eva-Maria Müller, 2001, Rekrutierung und Qualifizierungsstrategien von Fachpersonal in Joint Venture Unternehmen aufgezeigt an ausgewählten Beispielen von Joint Venture Unternehmen in der VR China, Munich, GRIN Publishing GmbH
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