Der Zahndurchbruch stellt ein wichtiges Ereignis in der Entwicklung des Kindes dar und ist sehr eng mit den Wachstumsvorgängen im Kopf- und Gesichtsbereich verknüpft. Zahnentwicklung, Kieferwachstum und Zahndurchbruch bilden dabei eine funktionelle Einheit, deren Dynamik wesentlich durch das Zusammenspiel genetischer und exogener Faktoren geprägt wird (HARZER und HETZER 1987). Das Wissen um die Variation der Chronologie des Zahndurchbruchs hat deshalb einen beträchtlichen wissenschaftlichen und klinischpraktischen
Wert. So ist die Bestimmung des günstigsten Zeitpunktes für kieferorthopädische Behandlungsmaßnahmen entscheidend vom Stand der Dentition und von der richtigen Einschätzung der Wachstumsbereitschaft des Kiefer-Gesichts-Komplexes abhängig.
Die Geschichte der Dentitionsforschungen geht bis in das 18. Jahrhundert zurück. Einen sehr umfassenden Überblick über die zahlreichen Untersuchungen zum Durchbruch der bleibenden Zähne geben SZYMANSKI und HIEKE (1981). Im Mittelpunkt der Forschungen stand dabei nicht nur der Zeitpunkt des Auftretens der Zähne in der kindlichen Mundhöhle. Es wurde zudem versucht, allgemeingültige Gesetzmäßigkeiten über den Verlauf der Dentition und die Reihenfolge des Zahndurchbruchs aufzudecken. Dabei tauchte auch die Frage auf, in welchem Verhältnis der Zahnwechsel zum chronologischen Alter und zu zahlreichen anderen Reifezeichen des Kindes steht. Die Zahl von Untersuchungen, die sich dieser Fragestellung annehmen, ist allerdings gering und ihre Ergebnisse differieren zum Teil recht stark (SHUTTLEWORTH 1939, FILIPSSON und HALL 1976, FRITSCH 1975, TANGUAY et al. 1986, JAEGER 1990).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Problemstellung
3. Literaturübersicht
3.1. Die zweite Dentition
3.2. Der Zusammenhang zwischen Dentitionsgeschehen und allgemeinen körperlichen Wachstumsprozessen
4. Material und Methode
4.1. Probanden
4.2. Methodik
4.3. Statistische Auswertungsverfahren
5. Ergebnisse
5.1. Der Durchbruch der Zähne der 2. Wechselgebißphase
5.1.1. Durchbruchszeiten
5.1.2. Durchbruchsreihenfolge
5.1.3. Eruptionskurven
5.1.4. Bestimmung des Zahnalters
5.2. Beziehungen zwischen Zahnalter und körperlicher Entwicklung
5.2.1. Körperhöhe und BMI
5.2.2. Kopfumfang, Kopflänge und Kopfbreite
5.2.3. Jochbogenbreite, Unterkieferwinkelbreite, Gesichtshöhe und Untergesichtshöhe
5.3. Der Einfluß des Zahnalters auf die körperliche Entwicklung
6. Diskussion
6.1. Zahndurchbruch
6.1.1. Eruptionstermine
6.1.2. Vergleich der Durchbruchstermine mit anderen Untersuchungen
6.1.3. Durchbruchsreihenfolge
6.1.4. Eruptionskurven
6.1.5. Zahnalter
6.1.6. Die Phasen des Zahnwechsels
6.2. Beziehungen zwischen Zahnalter und körperlicher Entwicklung
6.2.1. Körperhöhe und BMI
6.2.2. Kopfumfang, Kopflänge und Kopfbreite
6.2.3. Transversale und vertikale Gesichtsentwicklung
6.2.3.1. Transversale Gesichtsentwicklung
6.2.3.2. Vertikale Gesichtsentwicklung
7. Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen der Dissertation
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, den aktuellen Stand des Zahndurchbruchs während der zweiten Phase der 2. Dentition bei Kindern zu analysieren und den Zusammenhang zwischen diesem dentalen Reifeprozess und der allgemeinen körperlichen sowie gesichtsschädelbezogenen Entwicklung empirisch zu untersuchen.
- Analyse der geschlechtsspezifischen Durchbruchszeiten und Reihenfolgen der permanenten Zähne.
- Ermittlung aktueller Normwerte für den Zahndurchbruch bei Kindern mittels Längsschnittstudie.
- Überprüfung von Gesetzmäßigkeiten der Dentition sowie Identifikation säkularer Trends.
- Untersuchung von Zusammenhängen zwischen dem individuellen Zahnalter und anthropologischen Merkmalen.
- Einflussanalyse der Dentitionsgeschwindigkeit auf das körperliche Wachstum und die Gesichtsentwicklung mittels Varianzanalyse.
Auszug aus dem Buch
Die zweite Dentition
Die Dentition der menschlichen Zähne stellt einen Entwicklungskomplex dar, der in vielfältiger Weise durch verschiedenste endogene und exogene Faktoren gesteuert und moduliert wird (SCHUMACHER und SCHMIDT 1982). Auch auf allgemeine und lokale Faktoren, die Einfluß auf den Ablauf der Dentition nehmen, wird immer wieder hingewiesen.
Die Ära systematischer Dentitionsforschungen wird 1909 von Röse eingeleitet, der in seinen äußerst umfangreichen Untersuchungen erstmals das arithmetische Mittel zur Beschreibung der Durchbruchszeiten der Zähne verwendet. Er gibt in erster Linie Rasseneinflüsse als Ursache der festgestellten Unterschiede an (RÖSE 1909). SCHOUR und MASSLER (1941) weisen auf den Einfluß von Rasse und Ernährung auf den Ablauf der Dentition hin. TANNER (1962) und HELLMAN (1943) sehen ebenfalls Rassenunterschiede bei der Entwicklung des bleibenden Gebisses. TANNER (1962) erwähnt, daß bei farbigen Kindern Afrikas trotz vermutlich schlechterer Lebensbedingungen der Zahndurchbruch früher erfolgt als bei weißen Kindern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die wissenschaftliche Relevanz des Zahndurchbruchs im Kontext der kindlichen Entwicklung und stellt die Jenaer Längsschnittstudie vor.
2. Problemstellung: Formuliert die Forschungsfragen hinsichtlich geschlechtsspezifischer Dentitionsanalysen und deren Korrelation mit körperlichen Wachstumsprozessen.
3. Literaturübersicht: Gibt einen Überblick über den Forschungsstand zur zweiten Dentition und den Einfluss genetischer sowie exogener Faktoren.
4. Material und Methode: Erläutert das Datenset der Jenaer Längsschnittstudie, die anthropologischen Messverfahren und die statistischen Analysemethoden.
5. Ergebnisse: Präsentiert die empirischen Daten zu Durchbruchszeiten, Eruptionskurven und deren statistische Beziehungen zur körperlichen Entwicklung.
6. Diskussion: Setzt die Ergebnisse in den Kontext bestehender Literatur und erörtert methodische Aspekte sowie die Variabilität des Zahnwechsels.
7. Zusammenfassung: Fasst die zentralen Erkenntnisse über den Dentitionsverlauf und dessen Einfluss auf die körperliche Entwicklung zusammen.
Schlüsselwörter
Zahndurchbruch, zweite Dentition, Längsschnittstudie, Zahnalter, körperliche Entwicklung, Anthropologie, Dentitionsgruppen, Eruptionskurven, Wachstumsschub, Gebissentwicklung, Geschlechtsunterschiede, Zahnwechsel, statistische Analyse, Humangenetik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Durchbruch der bleibenden Zähne (zweite Dentition) bei Kindern und dessen zeitliche sowie biologische Beziehung zur körperlichen und gesichtsschädelbezogenen Entwicklung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Kernpunkte sind die Bestimmung von Durchbruchszeiten und -reihenfolgen der permanenten Zähne sowie die Analyse, ob Kinder mit einem beschleunigten oder verzögerten Zahnwechsel auch ein anderes körperliches Wachstumsmuster aufweisen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erstellung aktueller Normwerte für den Zahndurchbruch und die wissenschaftliche Überprüfung der These, ob zwischen der dentalen Reife und der allgemeinen körperlichen Entwicklung ein signifikanter Zusammenhang besteht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine über 14 Jahre durchgeführte anthropologische Längsschnittstudie an Jenaer Kindern, wobei Daten mittels standardisierter anthropometrischer Messungen und zahnmedizinischer Zahnstatus-Erhebungen erhoben und mittels Varianzanalysen statistisch ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der Durchbruchsdaten (Zeiten, Kurven) und die anschließende statistische Prüfung, ob Zugehörigkeiten zu Zahnungsgruppen (Früh-, Normal-, Spätzahner) statistisch signifikante Unterschiede in Körpermaßen wie Körperhöhe oder BMI erklären.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zahndurchbruch, Dentition, Längsschnittstudie, Zahnalter, anthropologische Maße, statistische Varianzanalyse und körperliche Entwicklung.
Gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen Zähnen und Körpergröße?
Die Arbeit zeigt zwar tendenzielle Zusammenhänge auf, betont jedoch, dass der Zahndurchbruch weitgehend unabhängig von der allgemeinen körperlichen Entwicklung verläuft und individuelle Schwankungen groß sind.
Wie unterscheidet sich die Zahnentwicklung bei Jungen und Mädchen?
Es zeigt sich ein deutlicher Entwicklungsvorsprung der Mädchen, die ihre Zähne im Schnitt früher durchbrechen als Jungen; geschlechtsspezifische Unterschiede in den Eruptionsmustern sind dabei signifikant.
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- Mike Porsche (Author), 2001, Untersuchungen zur zweiten Dentition bei 9- bis 15jährigen Kindern in Beziehung zu deren körperlicher Entwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10353