Zur beruflichen und regionalen Mobilität von Arbeitslosen.
Mobilität ist die Bewegung von Personen zwischen verschiedenen Positionen einer Gesellschaftsgliederung; wobei die Position den „Platz“ eines Menschen im sozialen Gefüge bezeichnet.
b) Flexibilität (gemäß Definition des IAB):
Als Flexibilität bezeichnet man zum einen die Mobilität, die hier die Allokati- onsalternativen von Arbeitskräften im Bezug auf verschiedene Typen von Ar- beitsstellen darstellt, und zum anderen die Substitution, die wiederum die Allo- kationsfunktion von Arbeitsplätzen einer bestimmten Sorte im Bezug auf ver- schiedenartige Arbeitskräfte kategoriert.
Flexibilität entsteht dann, wenn die Grenze einer gegebenen statistischen Ka- tegorie übertreten wird. Lassen sich zwei Arbeitsstellen oder zwei Regionen zwischen denen gewechselt wird nicht eindeutig den Kategorien zuordnen, lässt sich Flexibilität und Mobilität nicht eindeutig bestimmen. D.h. Berufe, Ausbildungen bzw. Regionen müssen unterschiedlich sein. Maßgebend dabei sind die spezifischen Bedingungen eines gesellschaftlichen Systems. A r- beitsmarktliche Flexibilität ist notwendig, um qualitativ-strukturelle Anpassun- gen in der Wirtschaft zu tragen. Arbeitsplätze und Kräfte wandern dabei aus jenen Kategorien bzw. Teilmärkten ab, wo momentan relativer Überfluss be- steht, in solche in denen relative Knappheit besteht. Den Löhnen kommt dabei eine Lenkungsfunktion zu. D.h. Arbeitgeber und A rbeitnehmer werden sich beim Verfolgen von Einzelinteressen solange dort hinbewegen, wo die Knappheit am größten ist.
2. Mobilität
Die Mobilität von Personen auf dem Arbeitsmarkt ist der zentrale Mechanis- mus, über den eine Veränderung in der Beschäftigungsstruktur hergestellt werden kann. Sie ist daher ein notwendiger Begleitprozess rascher wirt- schaftsstruktureller Veränderungen (Nachfrageveränderungen). Diese können den Zwang oder die Anreize für berufliche Mobilität erhöhen. Dabei sichert sie
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häufig Einkommen, Status und Erwartungen an die Arbeitsinhalte. Mobilität gilt mittlerweile als wichtige Anforderung an moderne Arbeitnehmer. Häufig wird sie jedoch durch Arbeitslosigkeit erzwungen, da struktureller Wan- del und Konjunkturschwankungen zur unfreiwilligen Freisetzung von Arbeit- nehmern führen. Dabei haben Arbeitslose mit Arbeitslosigkeit von mehr als sieben Monaten ein deutlich höheres Abstiegs- und Berufswechselrisiko als andere Arbeitslose. Mobilität in Form von Auf- und Abstiegen, sowie Berufs- wechsel sind vor allem die Konsequenz von Arbeitslosigkeit und weniger von inner- oder zwischenbetrieblichen Wechseln.
b) Berufliche Mobilität
Berufliche Mobilität ist der Wechsel von Positionen innerhalb der Arbeits- und Berufswelt und die damit verbundene Anpassung der Erwerbspersonen an veränderte berufliche Aufgaben und Verantwortungsbereiche.
Berufliche Mobilität unterteilt sich in:
ü
Arbeitsplatzbezogene Mobilität:
Wechsel innerhalb des gleichen oder zwischen verschiedenen Funkti- onsbereichen innerhalb eines Betriebes oder zwischen Betrieben glei- cher oder verschiedener Wirtschaftszweige.
ü
Tätigkeitsbezogene Mobilität:
Wechsel innerhalb der üblichen Spezialisierungsformen oder der übli- chen Aufstiegsformen des gleichen Ausübungsberufes oder in einen artverwandten oder fremden Ausübungsberuf.
ü
Qualifikationsbezogene Mobilität:
Wechsel innerhalb der Qualifikationsschwerpunkte oder der Qualifikati- onsstufen des gleichen oder eines artverwandten Ausbildungsberufes oder in einen fremden Ausbildungsberuf mit stark abweichendem Quali- fikationsprofil.
Berufliche Mobilität findet im Gegensatz zur regionalen Mobilität auf dem deutschen Arbeitsmarkt in durchaus beträchtlichem Ausmaß statt. Der Groß- teil hiervon ist aber unfreiwillig. Die berufliche Mobilität wird als Möglichkeit ei- nes Arbeitnehmers einer gegebenen Ausbildung gesehen, zwischen Arbeits- plätzen unterschiedlicher Berufsklassen zu wählen. Mangelnde berufliche Mo- bilität führt zu struktureller Arbeitslosigkeit, wenn durch technisch bedingte Qualifikationsänderungen die entlassenen Arbeitnehmer nicht von neu entste- henden Arbeitsplätzen aufgenommen werden.
c) Regionale Mobilität
Regionale Mobilität ist der räumliche Wechsel zwischen klar voneinander trennbaren Regionen. Dabei müssen die regionstypischen Unterschiede deut- lich werden.
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Regionale Mobilität geht seit den 60er Jahren ständig zurück. Sie wird von der konjunkturellen Entwicklung stark beeinflusst.
Konjunktur é = Mobilität é und umgekehrt.
Ist die regionale Mobilität zu gering, so kann der wirtschaftliche Strukturwandel nicht bewältigt werden. Ist sie zu groß, verlieren Krisenregionen zunehmend Potential, da vor allem jüngere und qualifiziertere Arbeitnehmer abwandern. Die Attraktivität der Arbeitsplätze steigert dabei die Mobilitätsbereitschaft. Hö- here Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und der Status durch einen neuen Beruf sind auch hier die treibenden Kräfte.
Regionale Mobilitätsquoten über dem Bundesdurchschnitt findet man vor al- lem in südlichen Regionen und dort vor allem in den Ballungszentren. Nach Schätzungen könnte mehr Umzugsbereitschaft direkt oder indirekt etwa 1,5 Mio. weniger Arbeitslose in Deutschland bedeuten.
Diese Einschätzung wird jedoch nicht einstimmig vertreten. Als Mittel zur Re- duzierung der Arbeitslosigkeit wird Mobilität nämlich widersprüchlich beurteilt. Es gibt sehr wohl auch Stimmen gegen die Meinung, dass erhöhte Mobilität die Arbeitslosigkeit reduziert. So lässt sich die verbreitete These, dass vor al- lem die weniger qualifizierten Arbeitnehmer durch Mobilität ihre Arbeitslosig- keit beenden können nicht bestätigen. Die Wiedereingliederungschancen be- sonders für gering qualifizierte ältere Arbeitslose sind auch auf dem überregi- onalen Arbeitsmarkt sehr gering. Nach Erhebung empirischer Daten ist das Fehlen der entsprechenden Qualifikationen bei Arbeitslosen der Hauptgrund dafür, dass offene Stellen nicht besetzt werden können. Der größte Teil des Arbeitsmarkt-Ungleichgewichts könnte demnach ausgeglichen werden, wenn Defizite in der Qualifikation beseitigt würden. Als weitere Gründe werden star- re Arbeitszeitregelungen, übertriebene Behördenauflagen und hohe Lohnne- benkosten angeführt, die ca. 2 Mio. neue Arbeitsplätze verhindern. Allein die Lockerung der Ladenschlusszeiten würde 100.000 neue Stellen bringen.
Aber auch die Arbeitslosen selbst haben gute Gründe nicht mobil sein zu wol- len oder zu können:
ü
Dauerhafte soziale Beziehungen:
§ Verbundenheit mit der Familie
§ Verbundenheit mit Freundes- und Bekanntenkreis
§ Gesellschaftliche Beziehungen (Vereine, etc.)
ü
Heimatverbundenheit
ü
Eigentum (Haus- und Grundbesitz)
ü
Soziale Sicherheit (ALG, ALHi, Sozialhilfe, etc.)
ü
Fehlende Qualifikationen
ü
Mangelnde Transparenz auf dem Arbeitsmarkt
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ü Großer Arbeitsplatzmangel
ü Wirtschaftliche Kriterien:
§ Löhne
§ Grundstücks- und Mietpreise
§ Regionales Preisniveau der Lebenshaltung
ü Mobilitätskosten (Umzug/ Auto, etc.)
ü Einrichten in der Arbeitslosigkeit
ü Lange Betriebszugehörigkeit
3. Mobilität in Zahlen
ü Zwischen 1980 und 1995 haben sowohl mehr Beschäftigte, als auch mehr Arbeitslose eine Arbeitsstelle in einer anderen Region angetreten. Bei den Arbeitslosen steigt die Quote seit 1995 jährlich um ca. acht Pro- zent an.
ü Arbeitslose, die sich mit Hilfe der Arbeitsämter selbständig m achen, zeichnen sich durch eine hohe Mobilität aus, sie wechseln häufig Beruf und Branche. Und sie schaffen in nicht unerheblichen Maße neue Stel- len.
ü Die Pendelbereitschaft innerhalb der Regionen nimmt ständig zu.
ü Die Betriebswechsel nach Arbeitslosigkeit verzeichnen von 1982 – 1995 einen Zuwachs um 5%. ⇒ Die Bereitschaft der Arbeitslosen überregio- nale Stellen anzutreten nimmt ständig zu.
ü
25 – 34 jährige sind am mobilsten. Vor allem Hochschulabsolventen er-
kennen zunehmend die Chancen der räumlichen Mobilität, sogar über Staatsgrenzen hinweg.
ü Zu Beginn der Erwerbstätigkeit ist die Mobilität sehr hoch und nimmt mit zunehmender Dauer des Erwerbslebens ab. Mobilität ist hier kein Wert, sondern nur Mittel zum Zweck. ⇒ Je höher das Alter, desto geringer ist die Mobilitätsbereitschaft.
ü Rückläufig ist die Mobilitätsbereitschaft auch bei älteren Arbeitslosen und Azubis. Als Ursache der geringen Mobilität von Lehrlingen vermu- ten die Wissenschaftler finanzielle Probleme. Ähnlich gering ist die Mo- bilitätsbereitschaft bei Männern und Frauen ohne Berufsausbildung.
ü Überdurchschnittlich stiegen die regionale Mobilitätsquote (Verhältnis der Wechsler zu allen Beschäftigten) bei Facharbeitern und Angestell- ten.
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ü Je höher die Qualifikation, desto höher ist auch die Mobilitätsbereit- schaft. Von den Akademikern wechselte praktisch jeder zweite die Re- gion.
4. Maßnahmen zur Erhöhung der Mobilitätsbereitschaft von Arbeitslosen
ü Weiterbildungsmaßnahmen:
§ WB zieht verstärkte Suchaktivitäten nach sich
§ Bescheinigte WB erhöhen zwischenbetriebliche Mobilität. ü ABM:
§ Ermöglichen weitere Qualifizierung und das Sammeln von Berufser- fahrung.
§ Sind Mobilitätsmöglichkeiten um vom potentiellen Erwerbsle- ben(2.Arbeitsmarkt) ins tatsächliche Erwerbsleben (1.Arbeitsmarkt) wechseln zu können.
ü Mobilitätshilfen nach den §§ 53 – 55 SGB III
§ Übergangsbeihilfe
§ Ausrüstungsbeihilfe
§ Fahrkostenbeihilfe
§ Trennungskostenbeihilfe
§ Umzugskostenbeihilfe
ü Jobrotation (Instrument zur Beschäftigung)
§ Finanzierung durch die BA
§ Qualifizierung zum Stellvertreter/in für einen Arbeitnehmer, der von einem Betrieb selbst auf WB geschickt wurde
§ um im Betrieb Fuß zu fassen
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Quote paper:
Klaus Breunig, 2001, Über berufliche und regionale Mobilität von Arbeitslosen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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