So wurden „Allgemeine Prinzipien der Einstellungen und Verhaltensweisen (der Krankenschwester) in der Krankenpfle ge“ generiert und der Krankenschwester mit auf den
Weg in Stationskollektiv gegeben. 1 Diese - fünf - Prinzipien
• Einfühlungsvermögen
• Akzeptieren der Persönlichkeit
• Emotionale Zuwendung
• Kooperation und Zielorientierung
• Eigenaktivität und Individualität
sollen schlussendlich zu einer übergreifenden Grundhaltung führen, die für das Berufsbild der Krankenschwester in der DDR elementare und richtungsweisende Bedeutung erlangt: Die Krankenschwester der DDR hat sich „ mit den humanistischen Zielen des sozialistischen Gesundheitswesens zu identifizieren.“
Sie ist „ in allen ihren Handlungen deren Vertreter und Vermittler. Ihr Handeln und ihr Verhalten entscheiden in hohem Maße darüber, ob der Patient die Vorzüge des Gesundheitswesens verspürt oder ob er trotz großzügiger materieller und personeller Mittel und Möglichkeiten mit der Behandlung unzufrieden ist.“ . Ein hoher Anspruch und zugleich ein schweres Los für die Krankenschwester in der DDR: neben der von sich aus schon schweren pflegerischen Tätigkeit als Krankenschwester war sie noch gehalten, dem mitunter ob der großzügigen materiellen und personellen Mittel ungläubig dreinblickenden Patienten zu vermitteln, dass er sich, was das Gesundheitswesen der DDR anbelangt, in paradiesischen Gefilden bewegt. Und sie sollte sich immer vergegenwärtigen, dass allein ihr Verhalten darüber entscheidet, ob die Behandlung für den Patienten dem Himmel oder der Hölle auf Erden gleichkommt. Die Bedürfnisbefriedigung des Patienten nach sozialistischen Maßstäben hatte höchste Prio rität. Die fünf Prinzipien im einzelnen Einfühlungsvermögen
Sich in die Lage des Patienten versetzen können ist reine Einstellungssache. Die Schwester muss fähig sein, „ ein möglichst realistisches Bild der verschiedenen Bereiche der (sozialistischen) Gesellschaft , insbesondere der zwischenmenschlichen Beziehungen aber auch der Leistungsanforderungen zu haben“. Akzeptieren der Persönlichkeit
Der Patient ist „ gleichberechtigter Mitbürger (der sozialistischen Gesellschaft). Er hat Anspruch auf Achtung seiner persönlichen Würde. Die Achtung der Persönlichkeit(...) ist (...) eine Frage der Einstellung , zu der die junge Schwester erzogen werden (...) muss.“ Emotionale Zuwendung
„Jeder Patient bedarf des Kontaktes und der Geborgenheit. Die Zuwendung der Krankenschwester kann vom Patienten nur angenommen werden, wenn sie der Situation und der Persönlichkeit des Kranken angemessen ist. Kooperation und Zielorientierung
„Die Zusammenarbeit mit dem Patienten (...) stellt jeweils andere Anforderungen. Dabei muss die Zusammenarbeit auf der Aufgaben-Sachebene und der emotionalkommunikativen Ebene gleichzeitig gewährleistet sein. Von der Krankenschwester wird ebenso wie von anderen Berufen ein Wetteifer um hohe Leistungen erwartet. Dabei dürfen aber keine für den Patienten nachteilig spürbaren Rivalitäten erwachsen.“ Eigenaktivität und Individualität
Die Krankenschwester „ muss bereit sein, sich für Patienten zu engagieren und deren Interessen im Kollektiv zu vertreten.(...) Dann muss sie als Mittler zwischen Patient und
1 Nachfolgende Zitate zu den fünf Prinzipien aus "Psychologie für Krankenpflege" Seiten 142 - 145
Kollektiv wirken und bei den anderen Verständnis für die besondere Lage des Patienten wecken. (...) Sie entwickelt damit ihre Persönlichkeit und findet ihren eigenen Stil im Umgang mit dem Patienten.“
Diese „in fünf Punkten gefassten Prinzipien sind im Alltag der Krankenpflege eng miteinander verknüpft und in ihrer Verwirklichung voneinander abhängig.“ Sie finden auch ihren Niederschlag in dem zu Beginn zitierten Teil des Absolventengelöbnisses: „ alle Vorzüge der sozialistischen Gemeinschaftsarbeit zum Wohle der Patienten bewusst zu nutzen und die vertauensvolle Beziehung zwischen den Mitarbeitern des Gesundheitswesens und den Bürgern zu vertiefen.“
Zusammenfassend lässt sich zum Berufsbild der Krankenschwester sagen:
• Das Berufsbild der Krankenschwester begründete sich nicht allein aus einem mehr oder weniger autonomen Prozess innerhalb einer oder mehrerer zusammenwirkender Berufsgruppen (Ärzte, Schwestern, Therapeuten). Vielmehr war es geprägt von einem Überbau staatlich verordneter Leitbilder und P rinzipien, der gesellschaftliche, sprich marxistisch-leninistische Ethik- und Moralvorstellungen in den Vordergrund rückte.
• Individualität und Verantwortungsbewusstsein einer Krankenschwester in der DDR sind weniger das Ergebnis freier Persönlichkeitsreifung als vielmehr staatlich gesteuerter Erziehung.
• Die Krankenschwester in der DDR war in hohem Maße mitverantwortlich dafür, das das dem DDR-Bürger bestimmende Bedürfnis nach Arbeit am Ende eines Genesungsprozesses wieder in den Vordergrund rücken konnte. Der DDR-Bürger als quasi Keimzelle des „Arbeiter- und Bauernstaates“ war von der Krankenschwester als eine Art „Edelware“ zu behandeln, die schnellstmöglich wieder in den Arbeitsprozess zurückzuführen war.
• Da im Gesundheitswesen der DDR alle materiellen und personellen Mittel großzügig verfügbar waren, war die Krankenschwester der DDR im Falle eines Scheiterns dieser Rückführung in den Arbeitsprozess in hohem Maße mitverantwortlich zu machen.
Zu hoffen bleibt nur für den Alltag einer Krankenschwester in der DDR, das sie in einem Kollektiv arbeiten durfte, in dem auch nur mit sozialistischem Wasser gekocht wurde.
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Udo Höltge, 2001, Das Berufsbild der Krankenschwester/des Krankenpflegers in der DDR, Munich, GRIN Publishing GmbH
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Katrin Schulzke
Kritik.
Ich habe den Bericht gelesen und war sehr enttäuscht das man so über mich und meine Kollegen denkt. 1988 habe ich meine Ausbildung begonnen, war 16 Jahre alt und wurde in meinem Lehrnverhalten, meinen Umgang mit Patienten und auch sonst im Umgang mit Lehrern und Mitschülern keineswegs von hormonellen Schwankungen beinflusst. Während der Ausbildungszeit war ich in einem Internat untergebracht, zu siebent in einer sog. 3-Raumwohnung bei Selbstverpflegung und monatl. Miete verlebte ich eine schöne Zeit . Wir halfen uns gegenseitig beim lernen und hatten viel Spass. Wir hatten alle eine gute Kinderstube und niemand mußte uns in ein organisiertes System aus Erziehung und Disziplinierung pressen. Meine Individualität und auch mein Verantwortungsbewußtsein sind sowohl das Ergebnis freier Persönlichkeitsreifung als auch der guten Erziehung meiner Eltern und Familie. Wir genossen eine hohe, umfangreiche fachliche Ausbildung, was ich von den vielen nachfolgenden Auszubildenden welche nach westlichen Richtlinien ausgebildet wurden nicht sagen kann. Ich könnte noch vieles mehr zufügen und möchte auch noch sagen das ich nur für mich allein sprechen kann. Insgesammt empfinde ich das Referat als sehr abwertent gegenüber dem Pflegepersonal der ehemaligen DDR. Ich gebe zu das ich vielleicht etwas jung bin doch ich habe viele ältere Kollegen die häufig aus der alten Zeit ( ca. 30 Jahre), solange besteht unsrere ITS erzählen, sowohl Gutes und Schlechtes. In diesem Referat jedoch fühlt man persönlich abgewertet.
on Sunday, February 24, 2002-
bettina
lächerlich.
Es gehörte in der ehemaligen DDR allgemein dazu, dass politische Erziehung in Ausbildungen und Studien ertragen werden mußte... es oblag jeder Persönlichkeit selbst, in wieweit sie sich beeinflussen ließ. Man kam eben beruflich nicht wirklich weiter, wenn man nicht mit den Wölfen heulte. Da ich persönlich zu denen gehöre die dieses Land damals lieber heute als morgen verlassen hätten, hätte ich dort beruflich nie Karriere machen können. Jede Führungskraft in der ehemaligen mußte linentreu sein. ABER was ich unglaublich finde ist, dass hier die Ausbildung, die damals einem Fachschulstudium glich, verunglimpft wird. Eine Krankenschwester in der ehemaligen DDR hatte weit mehr Fähigkeiten, Wissen und Kompetenzen, als es eine Krankenschwester in Deutschland heute hat. Die Berufsgruppe ist doch zur reinen Pflegekraft degradiert worden... An dieser Stelle von einer schlechten Ausbildung zu reden ist eine Frechheit. Die Ausbildung nach westlichen Richtlinien reicht bei weitem nicht an die hohe Qualität von damals heran.
on Tuesday, April 29, 2008-
U. Höltge
Antwort.
Nicht die Ausbildung wird verunglimpft. Die Ausbildung war in Ordnung und qualitativ sicher besser als die im Westen, gar keine Frage.
Es sollen auch nicht die Menschen abgewertet werden, die in der Pflege tätig waren.
Es geht um das Bild, das der Staat von seinen Krankenschwestern vermittelt hat: der Staat hat hier sehr viele Eingriffe in die Persönlichkeitsentwicklung vorgenommen, und dies war sehr wohl beabsichtigt.
on Tuesday, November 11, 2008-