Analysevarianten: A Mikroanalyse: Beziehungen zwischen einzelnen Aussagen B Makroanalyse: Beziehungen zwischen Textabschnitten zueinander.
Der „GRIECHEN - Text“ von oben
ließe sich nun in einer Propositionsliste darstellen Verknüpfung sichtbar machen (vgl. Turner und Greene, 1977)
(1P1) (LIEBTEN , GRIECHEN, KUNSTWERKE) (1P2) (SCHÖN, KUNSTWERKE) (1P3) (BESIEGTEN, RÖMER, GRIECHEN) (1P4) (NACHAHMTEN, RÖMER, GRIECHEN) (1P5) (ALS, 1P3, 1P4) (1P6) (LERNTEN, RÖMER, 1P8) (1P7) (KONSEQUENZ, 1P4, 1P6) (1P8) (SCHAFFEN, RÖMER, 1P2)
Propositionsliste:
Eine Proposition stellt eine Informationseinheit dar. Entsprechend einem einfachen Satz. Es ist eine Verbindung von Begriffen mit der formalen Struktur: R ( B 1 , B 2 ...)
Dabei ist R die Verbindung stiftende Relation zwischen den Begriffen. Bsp.: VERDOPPELN (AKTIONÄR, GEWINN)
Es gibt mehrere Arten von Relationen. Einstellige und mehrstellige Ein Text kann in eine Liste von Propositionen transformiert werden. Die Propositionen bezeichnen Sachverhalte, die untereinander verbunden sind. Ebenso Beziehungen zwischen einzelnen Propositionen. So gibt es KOHÄRENZBEZIEHUNGEN in Form von KOREFERENZ (versch. Propositionen besitzen gemeinsame Argumente > Argumentüberlappung). Andererseits können ganze Propositionen als Argumente in anderen Propositionen fungieren. Das nennt man EINBETTUNG.
Die Transformation von der Textoberfläche zur Propositionsliste erfolgt per Hand. Der transformierte Text kann dann aber elektronisch bearbeitet werden. Anzahl der P. sagt etwas über die Informationsdichte des Textes aus.
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Koh ärenzgraph:
Auf der Basis einer Propositionsliste kann eine graphische Struktur konstruiert werden. Nach
inhaltlicher Wichtigkeit wird die Liste in einen hierarchischen Zusammenhang gebracht.
Konstruktion des Kohärenzgraphen:
1. Zentrale Aussage wird ermittelt. (ohne Hinweis wie z.B. Unterstreichung schwierig)
2. Eine P. in der ein Begriff wiederholt auftritt wird der untergeordnet, in der er zuerst
auftauchte
3. Einer P., die eingebettet wiederholt wird, wird die einbettende P. untergeordnet
Zur Veranschaulichung siehe bitte Grafik oben
Fazit : Das Verfahren ist aufwendig. Ein Lerntext, der aufgrund einer propositionalen Analyse
umgestaltet wird, wird nur geringfügig besser behalten als ein nicht kohärenter Text. In
Untersuchungen war dieser Vorteil aber schon nach zwei Wochen nicht mehr nachzuweisen.
Sinnvoll ist das ganze also letztlich wohl nur für eifrige Psycholinguisten, denen ein Satz nicht
Satz genug sein kann
2. HOLISTISCHE AUFFASSUNG DES TEXTVERSTEHENS
Zentrale Annahme: Komplexität und Integriertheit der mentalen Repräsentation sind keine
Eigenschaften , die allmählich durch Aufsummierung von semantischen
Einheiten entstehen, sondern beim Textverstehen von Anbeginn gegeben
sind.
Beim Lesen eines Satzes stellt sich der Leser eine Situation vor, die auf den Satz zutreffen könnte.
Der Leser konstruiert eine mentale Repräsentation eines komplexen Sachverhaltes mit
ganzheitlichen Charakter. Daher holistisch.
Dabei werden Szenarien aktiviert, die denen der frames und scripts des prozeduralen
Ged ächtnisses ähneln.
Textverstehen wird als ein Prozeß der Aktivierung und der Elaboration von Szenarien angesehen.
Durch die Schaffung von Szenarien geht die mentale Repräsentation über das, was der Text
eigentlich bietet, weit hinaus.
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Untersuchung (Garrod & Sanford, 1983) (Lit.-Quelle: Nr. 1, S. 306): „SZENARIO _-THEORIE“
(4a) Ein Geländelauf: (4b) Ein Schikurs: Harry fiel mehrere Male / Harry fiel mehrere Male / Harry fiel mehrere male in den Schnee. Harry fiel mehrere male in den Schnee. Er haßte das Laufen im Winter. Er hatte überhaupt keine Lust zum Schifahren. Der Schnee war naß und kalt. Der Schnee war naß und kalt.
Durchführung: Versuche (4 a) und (4 b). Jeweils zwei Gruppen. Eine Gruppe bekam Text mit dem
Zusatz „ . . . in den Schnee.“ Ergebnis: Gruppe in 4 a ohne Hinweis signifikant längere Lesezeit im letzten Satz als die mit.
Gruppe in 4 b. Nennung des Schikurs in der Überschrift. Keine Lesezeitunterschiede.
Das „Schikurs - Szenario“, das somit von Beginn an als mentale Repräsentation aktiviert wird, schließt Schnee mit ein und verstört den Leser so mit dem letzten Satz nicht.
Van Dijk und Kintsch (1983) erweitern das additiv elementare Modell (Lit.-Quelle: Nr. 1, S. 306):
Annahme: Neben einer propositionalen Repräsentation ( steht für die Textbasis) wird noch ein Situationsmodell gebildet.. Modell das aus integrierten Textinhalt und vorhandenem Sachwissen des Lesers gebildet wird.
Collins, Brown und Larkin (1980) (Lit.-Quelle: Nr. 1, S. 306):
Textverstehen ist eine interne Konstruktion eines Textmodells. Der Text stellt die Datenbasis. Am Beginn der Textverarbeitung steht ein wenig spezifiziertes einfaches Initial-Modell . Mit Fortschreiten des Lesens wächst die Datenbasis und somit auch die Differenziertheit des mentalen Modells.
Während des Lesens ist das Modell in der Aufbauphase und hat Leerstellen. Diese sollen für die Fragen des Lesers an den Text stehen. Ist die Antwort gefunden, schließt sich die Lücke. Das geht auf zwei Wegen. Mit zunehmend wachsender Datenbasis und Klarheit beim Lesen oder aber durch Inferenzen. Hierbei generiert der Leser schließend selbst Informationen unter Verwendung des zu lesenden Textes und den Rückgriff auf schon vorhandenes Vorwissen. Inferenzen tragen aktiv zum Aufbau eines mentalen Modells bei. Es wird nicht passiv auf das folgende propositionale Angebot gewartet, sondern jeweils gezielte Fragen an den Text gestellt: WER . . .?, WANN. . . ?, WO. . . ?, WARUM. . . ?, oder WIE. . . ?
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Arbeit zitieren:
Dipl. Psychologe Jörg Hartig, 1999, Textverstehen als Aufbau Mentaler Modelle, München, GRIN Verlag GmbH
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