II
Gliederung
1 Problemstellung. 1
2 Bedeutung eines ganzheitlichen Verständnisses von Lernen 3
3 Bestimmungsmerkmale des Lernens 5
3.1 Kognitive Bestimmungsmerkmale. 5
3.2 Emotionale Bestimmungsmerkmale 7
3.3 Motivationale Bestimmungsmerkmale. 9
3.4 Zusammenspiel von kognitiven, emotionalen und motivationalen
Bestimmungsmerkmalen 12
4 Konsequenzen für Schulpraxis und Lehrerausbildung. 14
Literaturverzeichnis 17
1
1 Problemstellung
Die Anforderungen an heutige Berufstätige sind einem ständigen Wandel unterzogen. Qualitäten, die gestern noch gefordert wurden, können morgen schon als überholt gelten oder durch andere Anforderungen ersetzt worden sein. Es gilt Entscheidungen zu treffen, sich Situationen anzupassen und sich gegebenenfalls neues Wissen anzueignen. Aus diesem Grund müssen die Schüler 1 bereits in der Ausbildungsphase darauf vorbereitet werden, später in beruflicher und persönlicher Hinsicht bestehen zu können. Ziel der schulischen Ausbildung muss es sein, Schülern die Fähigkeit mit auf den Weg zu geben, selbstständig und eigenverantwortlich handeln zu können (vgl. Ott 2007, 8).
Die Bereitschaft für ein lebenslanges und selbst organisiertes Lernen auf Seiten der Schüler ist hierbei ein maßgeblicher Bestandteil. Gleichzeitig muss seitens des Lehrers das Bewusstsein herrschen, dass kognitive, emotionale und motivationale Prozesse beim Lernen eng miteinander verknüpft sind und nicht getrennt voneinander, sondern ganzheitlich betrachtet werden müssen. Doch wie sich ein solches ganzheitliches Lernen, von dem auch oft als „Lernen mit Kopf, Herz, Hand und Bauch“ gesprochen wird, in der Realität bewerkstelligen lässt, bleibt ein schwieriges Aufgabenfeld. Ein Verständnis der Faktoren, die das Lernverhalten bestimmen und beeinflussen können, ist deshalb enorm wichtig und das primäre Ziel dieser Ausarbeitung.
Zur Annäherung an die Problematik wird in Kapitel 2 zunächst erläutert, welche Bedeutung Ganzheitlichkeit im Rahmen des Lehr-Lern-Prozesses einnimmt. Kapitel 3 beschäftigt sich mit Bestimmungsmerkmalen des Lernens, um zu analysieren, welche Faktoren Einfluss auf den Lernprozess und die Leistung eines Schülers haben und welche Wechselwirkungen und Synergien zwischen diesen bestehen.
1 Im Folgenden wird aus Gründen der Vereinfachung keine geschlechtsspezifische Unterscheidung vorgenommen. Dasselbe gilt für den Begriff Lehrer.
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Hierbei werden bestimmte kognitive (Intelligenz, Lernstrategie, Vorwissen), emotionale (Angst, Freude) und motivationale (Selbstbeurteilung, Interesse, Einstellung zum Lernen) Bestimmungsmerkmale des Lernens ausgewählt, bei denen empirische Analysen und neurowissenschaftliche Erkenntnisse einen eindeutigen Einfluss auf die Leistung und das Lernen nachgewiesen haben. In Kapitel 4 werden schließlich die Konsequenzen der ganzheitlichen Sicht für den Unterricht erläutert. Die Ergebnisse aus Kapitel 3 werden verwendet, um Schlussfolgerung für die Schulpraxis und Lehrerausbildung zu ziehen, „denn was in der Theorie gut klingt, möchte auch praktiziert werden“ (Zitzlsperger 1989, 15).
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2 Bedeutung eines ganzheitlichen Verständnisses von Lernen
Um die Bedeutung eines ganzheitlichen Lernverständnisses darstellen zu können, wird zunächst der Begriff des Lernens geklärt. Euler und Hahn definieren Lernen als „zielgerichtete, relativ stabile Erweiterung beziehungsweise den erstmaligen Erwerb von Handlungskompetenzen“ (2004, 86). Auch wird in der Literatur davon ausgegangen, dass Lernen in Handlungseinheiten geschieht und das Ergebnis von Prozessen ist (vgl. Ott 2007, 8). Diese Lernprozesse können auf viele Arten erfolgen: Bewusst oder unbewusst, gelenkt oder frei, mit Anstrengung oder entspannt. Grundsätzlich versieht das menschliche Gehirn alles um sich herum mit Bedeutung und wird durch relevante, neue, interessante und vor allem informationstragende Faktoren zum Lernen stimuliert (vgl. Spitzer 2002, 192). In der vorliegenden Arbeit wird unter Lernen ein Prozess verstanden, der ständig in Gang ist und durch kognitive, emotionale und motivationale Determinanten beeinflusst werden kann.
Einem ganzheitlichen Lernverständnis zufolge sollen Schüler sich neben Handlungskompetenz auch persönliche und soziale Kompetenzen aneignen (vgl. Ott 2007, 30). Diese Fertigkeiten sind vor allem in der beruflichen Bildung von Bedeutung, da im späteren Berufsleben die Fähigkeit zur aktiven Aneignung fachlicher und persönlicher Kompetenzen erwartet bzw. vorausgesetzt wird. Hauptintention des ganzheitlichen Lernens ist es, dem Lernenden zu ermöglichen, „sich über Denk-, Speicher- Problemlöse- und Orientierungskapazitäten undfähigkeiten klar zu werden und sein künftiges kognitives, psychomotorisches, emotionales und soziales Lernen planend, steuernd und kontrollierend zu gestalten“ (Ott 2007, 9). Einfacher ausgedrückt bedeutet dies, dass das Lernen zum Leben befähigen soll (vgl. Spitzer 2002, 78).
Ein Lehrer, der einen ganzheitlichen Unterricht praktiziert, sieht den Schüler nicht mehr als eine Person an, der reines Wissen vermittelt werden muss, sondern vielmehr als ein Individuum, das sich Entscheidungsproblemen gegenübersieht und für sich einen Lösungsweg sucht, ständig begleitet von Angst und Stress,
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Zuversicht und Freude, Selbstvertrauen und Zweifeln und vielen weiteren Faktoren. Um einen Schüler ganzheitlich auf seinen späteren beruflichen Alltag vorzubereiten, müssen dem Lehrer diese verschiedenen kognitiven, emotionalen und motivationalen Bestimmungsmerkmale des Lernens sowie ihre gegenseitigen Interdependenzen bekannt sein. Helmke und Weinert nennen diese Problematik die „Klärung der Frage, welche Faktoren und Prozesse die Genese des kollektiven und individuellen Niveaus sowie die Entwicklung der dabei zu beobachtenden intra-und interindividuellen Unterschiede der Schulleistungen mitbestimmen“ (1997, 72).
Hierzu existieren viele Studien mit unterschiedlichen, oft instabilen oder auch widersprüchlichen Ergebnissen (vgl. Helmke / Weinert 1997, 73). Die komplizierten Zusammenhänge erschweren den Einbau verschiedener Faktoren in statistische Modelle, und bereits für den Begriff der Schulleistung an sich gibt es verschiedenste Definitionen. Als wichtige Erkenntnis schlussfolgert Kubon-Gilke, dass Emotion im Zusammenhang mit Motivation und Kognition zu sehen und alles als Einheit zu verstehen sei (2004, 304). Ohne Emotionen und damit verbundenen Motivationen seien Individuen nicht in der Lage, Entscheidungen zu treffen und zwischen Handlungsalternativen zu entscheiden. Aus diesem Grund werden im Weiteren aus jedem der drei Bereiche Bestimmungsmerkmale gewählt und deren Bedeutung für ganzheitliches Lernen analysiert.
Arbeit zitieren:
Christina Konzelmann, 2007, Zur Notwendigkeit eines ganzheitlichen Verständnisses von Lehren und Lernen - Ein Überblick über kognitive, emotionale und motivationale Bestimmungsmerkmale von Lernen und Leistung, München, GRIN Verlag GmbH
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