Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
1.1 Formaler Hinweis. 1
1.2 Kontextualisierung. 1
1.3 Agenda 2
2. Arnold Gehlens Weltbild 3
2.1 Mängelwesen Mensch 3
2.2 Weltoffenheit 3
2.3 Entlastung 5
2.4 Gewohnheiten und Institutionen 6
3. Individuum und Gesellschaft -
Konsequenzen von und Kritik an Gehlens Sozialphilosophie 8
3.1 Bisherige Rezeption und Kritik 8
2.2 Ausblick: Arnold Gehlen und Hannah Arendt im Vergleich 11
4. Literaturverzeichnis S 12
1. Einleitung
1.1 Formaler Hinweis
Um Verschiedenes kennzeichnen zu können, verwende ich die gängigen „Anführungszeichen“ nur für Zitate Dritter. Hingegen setze ich ´Anführungszeichen`, wenn es mir um eine stilistische Hervorhebung geht, wenn ich einen eigenen Begriff kennzeichnen möchte oder wenn ein von mir zitierter Dritter selbst Anführungszeichen verwendet hat.
1.2 Kontextualisierung
Im Rahmen eines Seminars zur „Anthropologie, Sozialphilosophie und Ethik Arnold Gehlens“ beschäftigten wir uns ausführlich mit Arnold Gehlens Weltbild, so wie er es in seinen Hauptwerken „Der Mensch“, „Urmensch und Spätkultur“, „Die Seele im technischen Zeitalter“ und „Moral und Hypermoral“ darlegt. Betrachtet man diese vier Werke als eines, so geht es ihm darum, den Menschen und seine Sonderstellung in der Natur mit biologischen Maßstäben zu beschreiben und aus dieser Sonderstellung eine Theorie über das Wie? des sozialen Zusammenlebens abzuleiten. Dabei möchte er den Leib-Seele-Dualismus früherer Anthropologien überwinden und propagiert stattdessen eine ´Anthropologie aus einem Guss`: „Wir wollen ein System einleuchtender, wechselseitiger Beziehungen aller wesentlichen Merkmale des Menschen herstellen, vom aufrechten Gang bis zur Moral, sozusagen, denn alle diese Merkmale bilden ein System, in dem sie sich gegenseitig voraussetzen.“ (Gehlen 1976: 17)
Mit dem Hinweis auf ein System reziproker Voraussetzungen ist zugleich ein wichtiger methodischer Punkt angesprochen: Gehlen hat ein phänomenologisches Wissenschaftsverständnis und fordert „daß der Begriff der ´Ursache` vollständig zu verschwinden hat.“ Den Glauben an die eine Ursache eines Phänomens bezeichnet er abwertend als „Metaphysik“ und insistiert:
„Eine äquivalente Behandlung, welche die Fehler solcher ´Kausalfragen` vermeidet (…) ist die folgende: daß man auf den Zusammenhang von Bedingungen abhebt. Man formuliert also: ohne A kein B, ohne B kein C, ohne C kein D usw.“ (ebd.: 18)
1
Diese Kausalitätsbegrenzung sollte also bedacht werden, wenn dem Leser bei Gehlen selbst oder bei mir in dieser Arbeit (s.o.: „abzuleiten“) zuweilen ein „weil“ ein „infolge“, eine „Bedingung“ oder dergleichen begegnet.
1.3 Agenda
Gehlens Weltbild ist bereits in dem frühesten der vier o.g. Werke vollständig angelegt und auch mit einiger Systematik ausgebreitet. Dennoch bleiben einzelne Fragen unvollständig beantwortet und bedürfen der Ergänzung um eine Gehlen´sche Bemerkung an anderem Ort und / oder der eigenständigen Interpretation und Fortführung. Insgesamt sind Gehlens Ausführungen umfangreich, sprachlich und inhaltlich komplex und teilweise auch redundant. Mit dieser Arbeit möchte ich daher einen orientierenden Überblick über Gehlens Weltbild ermöglichen (Kapitel 2) und die zentralen Punkte der (berechtigten) Kritik referieren (Kapitel 3). Im einzelnen werde ich dabei so vorgehen, dass ich zunächst die (teilweise physiologischen) Ausgangsbedingungen beleuchte, an denen die Sonderstellung des Menschen in der Natur besonders augenfällig wird (Kapitel 2.1 und 2.2) und dann jene (zutiefst sozialen) Charakteristika beschreibe, die im Zentrum der Gehlen`schen Sozialphilosophie stehen (Kapitel 2.3 und 2.4.) 1 . In dem kritischen Teil werde ich zuerst die zentralen und naheliegenden Kritikpunkte benennen (Kapitel 3.1) und dann in einem Ausblick Überlegungen zur Fruchtbarkeit einer Gegenüberstellung von Arnold Gehlens Theorie mit derjenigen Hannah Arendts anstellen (Kapitel 3.2).
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1 Bei einem Weltbild, das aus einem System gegenseitiger Voraussetzungen besteht und bei dem „die Frage, was Bedingung und was Folge ist, nicht mehr sinnvoll zu stellen“ ist (Gehlen 1956: 71), wäre es nicht weniger plausibel, von einem anderen Punkt aus zu beginnen. Gehlen selbst sagt einmal: „Wir geben darauf eine Reihe von Antworten und beginnen an irgendeinem Punkte.“ (Gehlen 1976: 334) Ich behalte hier aber die Reihenfolge bei, die auch Gehlen in „Der Mensch“ wählt, weil die zuerst genannten (teilweise physiologischen) Ausgangsbedingungen am leichtesten überschaubar und nachvollziehbar sind.
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2. Arnold Gehlens Weltbild
Die anthropologischen Ausgangsbeobachtungen, die Arnold Gehlen macht, lauten: 1. Der Mensch ist ein Mängelwesen.
2. Der Mensch ist weltoffen, was es ihm ermöglicht, seine Mängel zu kompensieren.
1.1 Mängelwesen Mensch
„Der Mensch (…) besteht aus einer Reihe von Unspezialisiertheiten“ und ist „hauptsächlich durch Mängel bestimmt“ (Gehlen 1976: 33-34).
Diese Qualifizierung des Menschen erfolgt anhand des Vergleiches mit der Tierwelt: Der Mensch besitzt kaum Körperbehaarung, also keinen natürlichen Kälteschutz. Er verfügt über keine nennenswerten natürlichen Waffen (Zähne, Hörner, Gift, usw.) und besitzt weder eine natürliche Tarnung, noch kann er ausreichend schnell laufen. Eine unzureichende Reproduktionsrate und eine singulär lange Entwicklungszeit verstärken diese Defizite noch. Hinzu kommt ein „geradezu lebensgefährliche(r) Mangel an echten Instinkten“. Diese „Unangepaßtheiten“, „Unspezialisiertheiten“ und „Primitivismen“ stehen im Gegensatz zu dem Wesensprinzip der Tiere, das darin bestehe, „hoch spezialisierte Formen“ für „je ganz bestimmte Umwelten einzupassen“. (ebd.: 33). Gehlen sieht im Menschen daher einen radikalen Gegenentwurf der Natur zu ihren übrigen Schöpfungen. „Im Menschen liegt ein ganz einmaliger, sonst nicht versuchter Gesamtentwurf der Natur vor“ (ebd.: 14), ein „neues Organisationsprinzip“ (ebd. 17). Frühere Auffassungen, wonach der Unterschied zwischen Mensch und Tier „nur graduell“ und der Mensch als ´Tier + Geist` definierbar sei, seien daher abzulehnen (ebd.: 23-28). Angesichts der eklatanten Mängel des Menschen stellt sich für Gehlen die Frage: „Wie ist ein so monströses Wesen lebensfähig“? (ebd. 36) Seine erste Antwort lautet: Weltoffenheit.
1.2 Weltoffenheit
Die Weltoffenheit ist jene Strategie der Natur, welche es dem Menschen ermöglicht, seine Defizite in Potentiale umzuwandeln und so trotz seiner scheinbaren Mängelhaftigkeit sehr erfolgreich zu überleben. Sie ist das zweite zentrale Alleinstellungsmerkmal des Menschen,
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Arbeit zitieren:
Sascha Ackermann, 2007, Erläuterung und Kritik: Zum Weltbild Arnold Gehlens, München, GRIN Verlag GmbH
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