Inhalt - Möglichkeiten und Grenzen königlicher Lehnspolitik
1. Einleitung 2
2. Vorgeschichte zur Gelnhäuser Urkunde 3
3. Der Prozess und die Urkunde 6
4. Nutzen für Barbarossa und die Fürsten 7
5. Möglichkeiten der politischen Verwertung des Lehnssystems 9
aus Sicht des Königtums
6. Grenzen der politischen Wirksamkeit des Lehnssystems 12
aus Sicht des Königtums
7. Fazit 17
8. Quelle und Literatur 18
1
1. Einleitung
Das Lehnswesen ist in der heutigen Forschung umstrittener denn je. Gerade die gewagten Thesen von Reynodls 1 brachten eine neue Dynamik in die Thematik. Sie sprach dem Lehnswesen seine vorher für elementar gehaltene Rolle der Mittelalterlichen Verfassung rigoros ab.
Verfassungsgeschichtlich aktuelle Literatur bieten Krieger und Spieß, die den extremen Standpunkt von Heinrich Mitteis - gerade zur Gelnhäuser Urkunde - aus den Dreißiger Jahren relativieren.
In einem punkt gebe ich Mitteis grundsätzlich Recht. Die Gelnhäuser Urkunde ist ein markanter Punkt in der verfassungsgeschichtlichen Entwicklung. Sie stellt einen grundlegenden Wandel in dem Verhältnis zwischen dem obersten Lehensherrn und seinen Vasallen dar.
Das Lehenssystem beinhaltet ohne Frage - wie sich zeigen wird - ein Bündel an politischen Einwirkungsmöglichkeiten für den König, aber auch für dessen Fürsten. Die personale und territoriale Ausgestaltung ist gleichzeitig Leinwand für die herrschaftliche Stellung der mittelalterlichen Könige.
Heinrich Mitteis propagierte die hemmende Wirkung des Lehnswesens auf die Ausbildung einer monarchischen Zentralgewalt. Nach ihm hat das Lehnssystem, so wie es in Deutschland bestand tendenziell gegen die Krone gewirkt.
Auf der anderen Seite kommt dem Lehnswesen auch ein wesentliches Moment der Stabilisierung königlicher Herrschaft zu.
Es soll nachfolgend untersucht werden, wie die Möglichkeiten der staufischen Könige und ihren Nachfolgern lagen, ihre herrschaftliche Position zu stärken. Unter einer herausragende Machtstellung, die sicherlich sowohl Ziel des Streben des Königs als auch seiner Vasallen war, verstehe ich eine Position, in der sich Macht nicht nur über Machtansprüche definiert, sondern eine, in der der Herrschaftsträger tatsächlich in der Lage ist, seiner Macht einen für das Volk sichtbaren Ausdruck zu verleihen. In der er sein Reich konsolidiert hat und den Konsens der Fürsten in sich vereinigt. Eine wirkungsvolle Machtausübung ergänzt zumindest für den König ein relativ großer Anteil an Allod.
REYNOLDS, Susan: Fiefs and Vasalls. 1994 1
2
Die Macht des Lehnsystems muss insofern immer relativiert werden, wie die Territorien des Reiches in selbiges eingebunden sind (Grad der Feudalisierung).
Das Lehnswesen hatte seine Wurzeln weit vor dem Mittelalter. Blicken wir aber zurück auf Karl den Großen, der es zu einem Teil des Reiches entwickelte 2 , muss man hinzufügen, dass neben dem Lehnswesen vor allem die karolingische Reichsorganisation der Ämter der Grafen und Markgrafen wesentliche Elemente der Herrschaftsausübung gewesen waren. Während der Zeit der Ottonen trat die Etablierung des Reichskirchensystems hinzu. Hier hatte der Kaiser entscheidenden Einfluss auf die Kandidatur der Bischöfe mit Ring und Stab. Mit dem Investiturstreit und dem Wormser Konkordat 1122 hatte diese Praxis ein Ende. Auch entzogen sich die Grafen und Fürsten in ihren Ämtern mehr und mehr der Kontrolle. Sie waren auf dem Wege, eigenständige Territorialherrschaften zu entwickeln.
In Anbetracht dieser Entwicklungen hatte Kaiser Friedrich I. den subsistenziellen Druck, die Grundlagen der kaiserlichen Herrschaft neu zu definieren und sich selbst mehr Möglichkeiten einzuräumen, wieder aktive Politik machen zu können.
Im Rahmen dieses Prozesses ist die Gelnhäuser Urkunde ein wichtiges Dokument, das auch für diese Thematik von Interesse ist.
2. Vorgeschichte zur Gelnhäuser Urkunde
Friedrich Barbarossa gelang es im Jahre 1180 seine Machtressourcen neu zu definieren. Die aus königlicher Sicht schwelenden Probleme der Allodialisierung im Kern des Reiches entwickelten in zunehmendem Maße ein Eigenleben.
Unter Allodialisierung ist das erfolgreiche Bestreben von Vasallen zu verstehen ihre Territorien, die Sie zu Lehen haben mehr und mehr in den Familienverband zu integrieren und damit ein dynastisches Selbstverständnis entwickeln. Grundsätzlich war jeder Vasall tendenziell darauf aus, das Lehen irgendwann in Eigengut zu verwandeln
2 DENDORFER S. 47
„Der Herrschaftsaufbau mittels Vasallen prägte das Karolingerreich entscheident, so die noch weitgehend herrschende Forschung“
3
In diese Reichswirren tritt das rücksichtslose Verhalten von Heinrich dem Löwen, einem starken Herzog mit nahezu königlicher Macht. Zielbewusst baute er seine Stellung unter den Fürsten im Norden des Reiches aus. Schon während der Konflikte um Bayern, das er beanspruchte, hielt er sich mehrmals nicht an das Protokoll und blieb 3 mal dem Hoftag fern 3 , auf dem seine Ansprüche auf Bayern geklärt werden sollten. 1156 erhielt er schließlich das Herzogtum Bayern während der Babenberger Fürst als Ausgleich die eigenständige Mark Österreich zugesprochen bekam. Neben Sachsen und Bayern erhielt der Vetter Friedrichs auch die viel versprechenden Slawischen Länder im Osten. Seine Konkurrenten 4 um dieses Gebiet sahen sich immer wieder Übergriffen des Löwen ausgesetzt, die Friedrich jedoch nicht ahndete. Vielfache Rücksichtslosigkeiten gegenüber seinen Nachbarn 5 waren Charakteristisch für das Auftreten Heinrich des Löwen.
Diese Umstände machten ihn sowohl für Friedrich I. als auch für die Großen des Reiches zu einem Gegner. Schon 1166 klagten in der Pfalz zu Boyneburg der Magdeburger Erzbischof Wichman, die Bischhöfe von Hildesheim, und Naumburg, der Landgraf Lufwig von Thüringen , die Markgrafen Albrecht und Otto von Meißen und selbst Grafen und Herren aus anderen Teilen des Reiches gegen Heinrich, wobei Friedrich diese beschwichtigte und daraufhin zu seinem 2. erfolglosen Italienzug aufbrach.
Die Vorherrschaft in Italien war eine unabdingbare Voraussetzung für das deutsche Kaisertum 6 .
Ab 1158 häuften sich die Vorkommnisse, dass große des Reiches die Heerfolge nach Italien verweigerten. Heinrich der Löwe benutzte gar die Abwesenheit Friedrichs, seine Stellung um die Donau militärisch auszubauen. Insgesamt, so stellt F. Rösser fest, war auch das Siegreiche
3 1151 unter Konrad III., der schon seine Probleme mit Heinrich gehabt hatte. Der erste Hoftag in Ulm, der zweite zu Regensburg und der dritte zu Würzburg
4 Hier der Schauenburger Albrecht der Bär, und Erzbischof Hartwig von Bremen
5 „So forderte er von Graf Adolf von Schauenburg die Hälfte seiner Einnahmen, und als der Graf ablehnte, verbot der Löre die Benutzung des Hafens von Lübeck und wollte Bardowick zum die Ostsee beherrschenden Hafen machen. Die Saline von Oldesloe ließ der Herzog zuschütten, denn Ländburg sollte vorherrschender Salzgewinner im Norden werden. In Bayern ließ Heinrich die Brücke über die Isar bei Fähring abreißen, über die der Salzhandel gibg, der dem Bischof Otto von Freising bedeutende Einnahmen brachte. Dieser Handel musste nun den weg über eine Brücke nehmen, die er auf dem Gebiet des Klosters tegernsee errichten ließ. Aus dieser Siedlung aber, damals „zu den Mönchen“ genannt, wurde München. Der Kauser unternahm nichts auf die Beschwerden des Bischofs hin, obwohl dieser sein Ohnheim war“ Fritz Rössler 1978 http://www.gelnhausen.de/gnurk/i03372.cfm
6 Friedrich I. wurde 1154 von Papst Hadrian IV. zum Kaiser gekrönt. Nicht zuletzt unter Hilfe des Welfen, der ihn mit dem sächsischem Heer tatkräftig gegen die Römer half.
4
Vorgehen gegen die Slawen ein größerer Erfolg für das Reich, als die verlustreiche Italienpolitik Barbarossas. 7
Friedrich I. ist wohl Bewusst gewesen, dass Heinrich dem Löwen eine entscheidende Macht im Reich war und diese auch für die Belange des Königs einzusetzen bereit gewesen ist. Die Bitte, von der Arnold von Lübeck berichtet stellt ein Heerfolgegesuch gegen den Oberitalienischen Städtebund und den Papst Alexander dar. Bei den Vorkommnissen in Chiavenna ist auch von einem anschließendem Kniefall vor Heinrich die Rede. In der Überlieferung heißt es „Die ganze Stärke des Reiches ruht auf Dir. So ist es billig, dass Du, um die Arme aller zu diesem Werk zu bekräftigen, Dich an die Spitze stellst, damit das Reich, welches jetzt zu wanken beginnt, durch Dich, der bisher anerkannter Maßen dessen vorzüglichste Stütze war, sich wieder kräftig erhebe“ 8 .
Wohl wusste Friedrich Barbarossa, warum er 9 sich mehrmals schlichtend zwischen die Kläger und den Löwen stellte. Nach Friedrichs letzter Italienreise war der Kaiser aber nicht mehr bereit, Ihm diese Hilfe zu gewähren, weil sich die Rahmenbedingungen in Italien zugunsten Barbarossas verändert hatten und er der herzoglichen Heerfolge nicht mehr bedürftig war. Möglicherweise ist Heinrich selbst für diese Entscheidung verantwortlich, nachdem er dem Kaiser vor der Schlacht von Legano in Italien seine Hilfe ohne Gegenleistung - er forderte die Silberstadt Goslar - verweigerte.
Das Selbstständigkeitsstreben des Sachsenherzogs, das Friedrich I. jahrelang tolerierte, um sich auf Italien konzentrieren zu können, war jetzt eines von den innenpolitischen Angelegenheiten, für die er sich jetzt stark machen konnte.
Unter Umständen war Heinrich dermaßen in seinem Stolz verletzt und sah es deshalb nicht für angebracht an, auf dem Reichstag zu Worms 1179 zu erscheinen, auf dem Fürsten mit Klagen des Landfriedensbruchs 10 gegen Heinrich aufwarteten. Er reagierte lediglich mit einer Gegenklage, denn auch die Fürsten sind in die Streitigkeiten mindestens ebenso markant involviert wie Heinrich selbst. Nicht abgesprochene Vergeltungsmaßnahmen wie die des Kölner Erzbischofs Phillip, der um seine Erbschaften betrogen wurde und in seinem Kampf gegen Heinrich Anhänger wie den Bischof von Halberstadt und andere umliegende Fürsten
7 http://www.gelnhausen.de/gnurk/i03379.cfm
8 Arnold von Lübeck siehe http://www.gelnhausen.de/gnurk/i03379.cfm
9 Oder sein Abgesandter Wichman, den er schickte
10 „aufgrund immer wieder erhobener Klagen der Fürsten und den meisten Edlen trotz Vorladung, vor unserer Majestät zu erscheinen, sich weigerte und infolge dieses Trotzes und seine schwäbischen Standesgenossen den Spruch unserer Acht auf sich gezogen hat.“ http://genlhausen.de/gnurk/i03363.cfm
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Arbeit zitieren:
Johannes Schulz, 2008, Möglichkeiten und Grenzen königlicher Lehnspolitik, München, GRIN Verlag GmbH
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