[...] Da die Kirche jahrhundertelang die Politik
beeinflusste, war gut und böse in vielen Fällen bei Kirche und Staat gleich definiert. In der
Umbruchszeit der Renaissance und des Humanismus, in der die Menschen begannen, die
Institution Kirche und den Glauben zu hinterfragen, fing auch der Wandel in dem Verständnis
von gut und böse an. In unsrer pluralistischen Gesellschaft, kann niemand mehr so leicht eine
Definition von gut und böse aufstellen, ohne damit die so wichtig gewordene Individualität des
anderen zu verletzen. Gut und böse sind relativ geworden. Und doch stellt der christliche
Glaube den Anspruch auf eine absolute Abgrenzung von gut und böse. Die
Auseinandersetzung damit spielt in vielen Werken mit christlicher Thematik eine
entscheidende Rolle. Als Beispiel dafür dienen in der vorliegenden Hausarbeit die Werke The
Pilgrim’s Progress von John Bunyan und The Scarlet Letter von Nathaniel Hawthorne. In
beiden geht es um die Entwicklung der Hauptfiguren, die sich in mehreren Stationen vollzieht,
bei denen es jeweils um die Entscheidung zwischen richtig und falsch geht. Die Schwierigkeit
dabei ist oft die Definition von gut und böse, die bei Bunyan ziemlich eindeutig ist, bei
Hawthorne schon problematischer wird, da die Figuren in seinem Werk dabei von
verschiedenen Standpunkten ausgehen. In der Hausarbeit soll es nun um den Kampf zwischen
Gut und Böse in diesen beiden Romanen gehen. Da beide Werke recht einschlägig sind, gibt es
auch ausreichend Sekundärliteratur, die Hauptarbeit für mich war in diesem Fall aber trotzdem
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die Analyse der Primärtexte selbst, da ich direkt zu meinem Thema passend keine Artikel oder
Bücher gefunden habe. Zunächst liefere ich eine kurze Hintergrund- und Inhaltsinformation zu
den Werken selbst, danach möchte ich auf die Problematik des Guten und des Bösen in beiden
Werken eingehen. Beide Werke sind sehr komplex und inhaltsreich, so dass es unmöglich ist,
alle Aspekte anzusprechen, die diese Problematik in den beiden Werken betreffen. Deshalb
musste ich mich auf einige wenige Punkte beschränken. So bin ich z. B. nur sehr knapp auf die
Rolle Pearls oder der alten Hibbins aus The Scarlet Letter eingegangen, die sicherlich auch
bedeutend für das angesprochene Thema sind. Auch die von mir angesprochenen Punkte
erschöpfen das Thema nicht vollständig, sondern sind eher Gedankenansätze in die genannte
Richtung.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. The Pilgrim‘s Progress und The Scarlet Letter – Inhalt und Zielsetzung
1. The Pilgrim‘s Progress von John Bunyan
a) Form
b) Inhalt
c) Personen und Umfeld
d) Interpretationsansätze
2. The Scarlet Letter von Nathaniel Hawthorne
a) Form
b) Inhalt
c) Personen und Umfeld
d) Interpretationsansatz
II. Gut und Böse in The Pilgrim’s Progress und in The Scarlett Letter
1. Das personifizierte Böse und das Gute
a) Die Personifikationen des Bösen
b) Das Gute
2. Der Kampf zwischen Gut und Böse in Christian und Dimmesdale
a) Die Entwicklung der Hauptpersonen
b) Der Umgang mit der Schuld und die Befreiung davon
c) Die Entscheidung am Scheideweg
Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung und den Kampf zwischen dem Guten und dem Bösen in John Bunyans "The Pilgrim's Progress" und Nathaniel Hawthornes "The Scarlet Letter". Das primäre Ziel ist es, die unterschiedlichen Herangehensweisen der beiden Autoren an diese moralische Problematik zu analysieren und aufzuzeigen, wie sich die Charaktere in ihren jeweiligen Entwicklungen mit Schuld, Erlösung und gesellschaftlichen Erwartungen auseinandersetzen.
- Vergleichende Analyse der moralischen Konzepte von "Gut" und "Böse" in beiden Werken.
- Untersuchung der psychologischen und allegorischen Entwicklung der Hauptfiguren (Christian und Dimmesdale).
- Betrachtung von Symbolen für Schuld und Schande (das Kreuz vs. der Pranger).
- Gegenüberstellung von religiöser Allegorie und psychologischer Charakterzeichnung.
Auszug aus dem Buch
a) Die Personifikationen des Bösen:
Bei Bunyan ist das Böse eindeutig dem Teufel zugeordnet, so wie das Gute eindeutig von Gott kommt. Der Teufel erscheint hier in verschiedenen Gestalten, zum Beispiel als Ungeheuer Apollyon, das um den Untertanen kämpft, den es verloren hat. Es wird als „foul fiend“ bezeichnet, vor dem sich Christian zunächst fürchtet. Seine Beschreibung ähnelt der von Drachen in alten Ritterromanen: „he was clothed with scales like a fish [...] he had wings like a dragon, feet like a bear, and out of his belly came fire and smoke, and his mouth was as the mouth of a lion“.
Wenn Apollyon, Beelzebub und Legion leibhaftige Erscheinungen des Bösen sind, so gibt es noch eine Reihe von Figuren, die nicht direkt aus dem Reich des Bösen kommen, aber vom Bösen beherrscht sind und ihm als Werkzeuge dienen. Für sie gibt es im Gegensatz zu den direkten Erscheinungen des Bösen theoretisch die Möglichkeit, selbst umzukehren und auf den guten Weg zu kommen. Das wären z.B. Mr. Worldly-Wiseman oder Demas. Christian und Christiana sind zwar durch das Erscheinen des Bösen jedesmal angefochten, versagen jedoch nicht endgültig, dank der Hilfe, die Gott ihnen schickt und erreichen schließlich das angestrebte Ziel.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einführung erläutert die Bedeutung der Auseinandersetzung mit Gut und Böse in der Menschheitsgeschichte und stellt das Ziel vor, diese Problematik in Bunyans "The Pilgrim's Progress" und Hawthornes "The Scarlet Letter" zu vergleichen.
I. The Pilgrim‘s Progress und The Scarlet Letter – Inhalt und Zielsetzung: Hier werden beide Primärtexte hinsichtlich ihrer Form, ihres Inhalts, der Personenkonstellation und grundlegender Interpretationsansätze vorgestellt.
1. The Pilgrim‘s Progress von John Bunyan: Das Kapitel beleuchtet Bunyans Werk als allegorische Pilgerreise, die christliche Erlösung thematisiert und durch typisierte Charaktere geprägt ist.
2. The Scarlet Letter von Nathaniel Hawthorne: Dieses Kapitel analysiert Hawthornes Roman als psychologische Erzählung über Ehebruch, Schuld und soziale Ausgrenzung in einer puritanischen Gesellschaft.
II. Gut und Böse in The Pilgrim’s Progress und in The Scarlett Letter: Dieser Hauptteil vergleicht die unterschiedlichen Darstellungen von moralischen Gegensätzen in beiden Werken direkt miteinander.
1. Das personifizierte Böse und das Gute: Es wird untersucht, wie Bunyan das Böse allegorisch als Teufelsgestalten personifiziert, während Hawthorne die moralische Einordnung komplexer gestaltet.
2. Der Kampf zwischen Gut und Böse in Christian und Dimmesdale: Hier wird der Prozess der Sündenbewältigung der Protagonisten analysiert, wobei das Kreuz und der Pranger als zentrale Symbole der Befreiung gegenübergestellt werden.
Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass Bunyans Werk fest in der biblischen Tradition steht, während Hawthornes Roman eine eher aufklärerische und psychologische Perspektive einnimmt.
Schlüsselwörter
Gut, Böse, The Pilgrim's Progress, The Scarlet Letter, John Bunyan, Nathaniel Hawthorne, Allegorie, Schuld, Erlösung, Sühne, puritanische Gesellschaft, Charakterentwicklung, Christian, Dimmesdale, Moral.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der vergleichenden Untersuchung moralischer Konzepte von Gut und Böse in zwei klassischen Werken der englischen und amerikanischen Literatur.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die christliche Erlösungslehre, die psychologische Bewältigung von Schuld, der Einfluss puritanischer Gesetzlichkeit sowie die Darstellung von Versuchung und moralischer Entscheidung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich das Verständnis von Gut und Böse zwischen Bunyans explizit religiös-allegorischer Darstellung und Hawthornes eher psychologisch-differenzierter Erzählweise unterscheidet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine textanalytische und vergleichende Literaturwissenschaftliche Untersuchung, die auf Basis von Primärtexten und einschlägiger Sekundärliteratur durchgeführt wurde.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Personifizierung des Bösen, die Rolle des Guten sowie den konkreten Kampf der Protagonisten Christian und Dimmesdale um ihre moralische Integrität und Erlösung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Allegorie, Schuld, Sühne, Erlösung, puritanische Gesellschaft und Moral charakterisieren.
Wie unterscheiden sich die Darstellungen von "Gut" und "Böse" bei Bunyan und Hawthorne?
Bei Bunyan ist das Böse klar durch den Teufel und seine Schergen personifiziert und somit leicht identifizierbar, während Hawthorne in "The Scarlet Letter" moralische Grauzonen aufzeigt, in denen Charaktere durch ihr Handeln sowohl an Gutem als auch an Bösem teilhaben.
Warum spielen das Kreuz und der Pranger eine so zentrale Rolle?
Beide Symbole dienen als Orte der Sündenkonfrontation: Das Kreuz fungiert bei Bunyan als Erlösungspunkt für Christian, während der Pranger bei Hawthorne für Dimmesdale zum Ort der öffentlichen Offenbarung und der leidvollen Befreiung von Schuld wird.
- Quote paper
- Naemi Fast (Author), 2002, Gut und Böse in John Bunyans -A Pilgrims Progress- und in Nathaniel Hawthornes -The Scarlet Letter-, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11381