Inhaltsangabe:
1. Einleitung 3
1.1 Definition Aufgabenklassifikation 3
2. Aufgabenklassifikation nach Steiner (1972) 4
2.1 Teilbarkeit einer Aufgabe 5
2.2 Schwerpunkt der geforderten Leistung 6
2.3 Abhängigkeit der Gruppenmitglieder voneinander 5
2.4 Verhältnis Einzelleistung zur Gruppenleistung 7
2.5 Vorhersagen der Gruppenproduktivität 8
2.6 Schlussfolgerungen 10
3. Aufgaben Zirkumplex Modell nach McGrath 11
4. Aufgabenanalyse nach handlungstheoretischen Kriterien (Tschan) 15
4.1 Das Skelett einer Aufgabe 15
4.2 Auflösungsgrad der Beschreibung 17
4.3 Die sequentielle Struktur 18
4.4 Kooperationserfordernisse 19
4.5 Die zyklischen Anforderungen der Handlungsregulation 20
4.6 Die Vorteile einer Aufgabenanalyse 21
4.7 Schlussfolgerungen 22
5. Fazit 23
6. Literaturangaben 25
2
1. Einleitung
Diese Hausarbeit entstand im Rahmen des Seminars „Problemlösen in Gruppen“ im Sommersemester 2002.
Ziel dieser Hausarbeit ist es, den Leser für das Thema „Aufgabenklassifikation“ zu sensibilisieren und eine Lust „nach mehr“ zu wecken. Dieses Ziel soll Anhand dreier theoretischer Modelle erreicht werden, die im Folgenden vorgestellt und an Bespielen erläutert werden. Die Arbeit kann keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, da eine Vorstellung aller existierenden Modelle den Rahmen gesprengt hätte. Vielmehr liegt der Fokus auf den zentralen Modellen nach Steiner, McGrath und Tschan. Aufgrund ihrer Unterschiedlichkeit erlauben diese Modelle einen guten Einblick in die Vielzahl heterogener Ansätze zum Thema Aufgabenklassifikation.
1.1 Definition Aufgabenklassifikation:
Man könnte den Begriff der Aufgabenklassifikation folgendermaßen zu umschreiben versuchen:
Aufgabenklassifikationen sind Systeme, die Aufgaben anhand bestimmter Kriterien ordnen und unterscheiden. Ziel dabei ist es, durch die Klassifizierung von Aufgaben Aussagen über die Leistung bei entsprechenden Aufgaben machen zu können.
3
2. Die Aufgabenklassifikation nach Steiner (1972)
Dem Modell der Aufgabenklassifikation nach Steiner als solches müssen einige Informationen vorgeschickt werden.
Nach Steiner hängt die Art, wie ein Individuum oder eine Gruppe eine Aufgabe löst, grundsätzlich von zwei Elementen ab, von den Anforderungen der Aufgabe und den menschlichen Ressourcen.
Die Anforderungen der Aufgabe bestimmen dabei die Ressourcen, die zur Lösung der Aufgabe benötigt werden. Die Ressourcen sind (relevantes) Wissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Werkzeuge, Zeit, Geld und Mittel, die der Gruppe zur Aufgabenlösung zur Verfügung stehen.
Steiner hat folgende Gleichung zur Ermittlung der Gruppenleistung aufgestellt: Tatsächliche Gruppenleistung = potentielle Leistung – Prozessverluste 1 Diese Gleichung bedarf einiger theoretischer Erklärungen.
Die potentielle Leistung ist das Ausmaß, in dem die zur Verfügung stehenden menschlichen Ressourcen dazu ausreichen, den Anforderungen der Aufgabe gerecht zu werden. 2 Oder einwenig anders ausgedrückt: die potentielle Leistung ist die Leistung, die eine Gruppe erbringen kann, wenn sie die ihr zur Verfügung stehenden Ressourcen optimal (d.h. ohne Prozessverluste) einsetzt. Prozessverluste sind Gruppenprozesse, die verhindern, dass eine Gruppe ihre potentielle Leistung (= potentielle Produktivität) erreicht. Zu derartigen Verlusten zählen Koordinations- und Motivationsverluste.
Koordinationsverluste: Die Gruppenmitglieder arbeiten nicht auf dieselbe Richtung hin oder setzen nicht ihre ganze Kraft im selben Augenblick ein. Es findet kein optimaler Einsatz der Ressourcen statt.
Motivationsverluste: mehr oder weniger bewusste Reduzierung der Motivation, sein Bestes für die Gruppe zu geben.
Die von Steiner aufgestellte Gleichung zur tatsächlichen Produktivität besagt zusammenfassend nun, dass die Gruppe zwar die menschlichen Ressourcen zur optimalen Aufgabenlösung besitzt, aber irgendetwas im Problemlöseprozess missglückt.
1 Wilke, Henk; Knippenberg, van Ad (1996) S. 483
2 Wilke, Henk; Knippenberg, van Ad (1996):, S. 468 ff
4
Nun zum eigentlichen Modell: Ivan Steiner stellte 1972 den ersten Ansatz auf, wonach es möglich ist, Aufgaben in unterschiedliche Dimensionen zu klassifizieren. Dabei beantwortet er vier Kernfragen:
• Kann eine Aufgabe in Teilaufgaben unterteilt werden oder ist eine Unterstützung nicht sinnvoll?
• Ist die produzierte Quantität oder Qualität der Leistung wichtiger?
• In welchem Verhältnis stehen die Einzelleistungen der Individuen zum Gruppenprodukt?
• Wie hängen Gruppenmitglieder für das Erreichen ihres Gesamtergebnisses voneinander ab? 3 Entsprechend dieser Fragen entstanden die vier Hauptkriterien seines Modells:
1. Teilbarkeit einer Aufgabe
2. Schwerpunkt der geforderten Leistung
3. Abhängigkeit der Gruppenmitglieder voneinander
4. Verhältnis Einzelleistung zu Gruppenleistung
2.1. Teilbarkeit einer Aufgabe
Prinzipiell ist es möglich, zwischen unterteilbaren Aufgaben (divisible tasks) und nicht unterteilbaren Aufgaben (indivisible oder unitary tasks) zu differenzieren.
Teilbare Aufgaben können an mehrere Personen verteilt werden. Diese Aufteilung ist auch sinnvoll. Dennoch wird ein gemeinsames Endziel angestrebt, zu dem alle ihren Teil beitragen. Schneeschaufeln in einer Gruppe wäre ebenso ein Beispiel wie etwa ein Fußballspiel. 4 Auch die Organisation einer Party kann man als Beispiel anführen. Man setzt sich zusammen und verteilt die anfallenden Aufgaben: jemand besorgt Getränke, ein anderer ist für die Dekoration zuständig, ein weiterer für die Bestuhlung usw. Solch ein Aufteilung gestaltet sich noch effizienter, wenn man die Aufgaben den individuellen Fähigkeiten der Einzelpersonen entsprechend verteilt. Dazu mehr unter „2.5 – Vorhersage der Gruppenproduktivität“.
3 Wilke, Henk; Knippenberg, van Ad (1996):, S. 464
4 Wilke, Henk; Knippenberg, van Ad (1996):, S. 467
5
Unteilbare Aufgaben im Gegensatz dazu sind ganzheitliche Aufgaben. Also solche, bei denen eine gegenseitige Unterstützung der Gruppenmitglieder nicht sinnvoll ist. Es ist nur sinnig, die Aufgaben von einem einzelnen bearbeiten zu lassen. Das Lesen eines Buches, ein Einzelmatch im Tennis oder das Bearbeiten einer Rechenaufgabe in einer Klausur sind hierfür Beispiele.
2.2. Schwerpunkt der geforderten Leistung
Bei diesem Punkt trennt Steiner zwischen Maximierungs- und
Optimierungsaufgaben, der Frage Bei
Maximierungsaufgaben
kommt es auf ein „soviel wie möglich“ und/oder „so schnell wie möglich“ an. Das Erfolgskriterium besteht darin, ein Maximum zu erreichen. Beispiele wären die größtmögliche Kraft auf ein Seil auszuüben, in möglichst kurzer Zeit einen Berg zu erklimmen oder ein Wettessen. Maximierungsaufgaben erfordern also Quantität. Dagegen soll bei
Optimierungsaufgaben
ein spezifisches, bevorzugtes Ergebnis erreicht werden. Lautet die Aufgabe an eine Gruppe z.B. genau eine Kraft von 40 kg auszuüben, hängt der Erfolg davon ab, wie genau das Kriterium von 40 kg erfüllt wird. Optimierungsaufgaben erfordern Qualität.
5
2.3. Abhängigkeit der Gruppenmitglieder voneinander
Hier können eine Reihe von sogenannten Interdependenzsituationen angeführt werden. Interdependenzsituationen sind solche Situationen, bei denen die Gruppenmitglieder für das Erreichen eines Zieles voneinander abhängen. Steiner unterscheidet zwischen reinen
Kooperieren Gruppenmitglieder miteinander, so teilen sie sich den Erfolg und Misserfolg gleichermaßen. Individuelle Interessen überschneiden sich völlig mit denen der Gruppe, es liegt also im Interesse jedes Einzelnen, auch das Gruppenziel zu erreichen. 6
5 Wilke, Henk; Knippenberg, van Ad (1996):, S. 465
6 Wilke, Henk; Knippenberg, van Ad (1996):, S. 467
6
Eine Fußballmannschaft, in der alle elf Spieler uneingeschränkt für den Sieg kämpfen, wäre ein Beispiel für eine reine Kooperationssituation.
In einer Wettbewerbssituation muss ein Mitglied der Gruppe mehr verhaltensorientierte Ergebnisse erzielen als ein anderes Mitglied. Gruppenmitglieder sind in einen Kampf um Ergebnisse verwickelt, z.B. um Status oder Belohnungen, die erzielt werden, wenn die Gruppe erfolgreich ist. Auf das Beispiel mit der Fußballmannschaft angewandt bedeutet dies: Alle elf Spieler wollen sich bei Spielerbeobachtern durch eine gute Leistung für einen neuen Verein empfehlen. Da aber die Spielerbeobachter nur auf die zwei oder drei besten Spieler aufmerksam werden, müssen alle versuchen, die stärkste Leistung zu erbringen. Es entsteht ein reiner Wettbewerb. 7 Bei einer Mischung aus Kooperation und Wettbewerb schneiden individuelle Gruppenmitglieder besser ab, wenn sie persönlich das Gruppenziel nicht verfolgen – also indem sie nicht für die Gruppe arbeiten, sondern für sich selbst. Doch in diesem Fall schneidet die Gruppe zwangsläufig schlechter ab. Dies bezeichnet man auch als „soziales Dilemma“. Beim Fußballspiel könnte diese Situation eintreffen, wenn verschiedene Spieler nicht mehr versuchen, das Spiel zu gewinnen, sondern einfach den Zuschauern schönen Fußball zu bieten. Solange dies nur ein oder zwei Spieler tun, wird es den Gruppenerfolg nur gering einschränken. Denken aber alle Spieler so, ist es wahrscheinlich, dass die Mannschaft nicht mehr effektiv bzw. erfolgreich spielt. 8
2.4. Verhältnis Einzelleistung zur Gruppenleistung
Es gibt fünf Variationen im Verhältnis Einzelleistung zum Gruppenprodukt:
1. additiv
2. kompensatorisch
3. disjunktiv
4. konjunktiv
5. Aufgaben mit Ermessenspielraum
Zunächst kann eine Gruppenaufgabe additiv sein. In diesem Fall werden die Einzelleistungen der Gruppenmitglieder aufsummiert und ergeben die
7 Wilke, Henk; Knippenberg, van Ad (1996):, S. 467
8 Wilke, Henk; Knippenberg, van Ad (1996):, S. 467
7
Quote paper:
Eric Kolling, Christoph Salzmann, Kathrin Schneider, Jeannette Schmidt, 2002, Aufgabenklassifikation - Zentrale Modelle nach Steiner, McGrath und Tschan, Munich, GRIN Publishing GmbH
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