Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Ein kurzer Überblick über die Individualisierungsthese 4
3 „Die gute, alte Zeit“ 4
3.1 Die Familie der vorindustriellen Zeit 4
3.2 Die „Hoch-Zeit“ der Familie. 5
3.3 Fazit: Repluralisierung 7
4 Verschiedene private Lebensformen im Fokus 7
4.1 Singlehaushalte. 7
4.2 Nicht eheliche Lebensgemeinschaften (NELG) 8
4.3 Kinderlose Ehen 9
4.4 Die Bedeutung der Ehe und Lebensformen nach der Scheidung. 10
4.5 Fazit: Eine Frage der Interpretation von Statistiken. 11
5 Milieuunterschiede 12
5.1 Hoher Bildungsabschluss und hohes Einkommen 12
5.2 Niedriger Bildungsabschluss und niedriges Einkommen. 13
5.3 Fazit: Individualisierung als milieuabhängiges Phänomen 13
6 Schluss. 15
7 Quellenverzeichnis 16
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1 Einleitung
Unsere Gesellschaft ist im 20. Jahrhundert mehr Einflüssen von Außen ausgesetzt gewesen als in den Jahrhunderten zuvor. Waren Bücher und Zeitungen zuvor „Das Fenster zur Welt“, so kann man sich mit Erfindungen wie Kino, Radio, Fernsehen und zuletzt dem Internet den verschiedensten Weltanschauungen nicht mehr entziehen. Die Schlagworte Westernisierung und Amerikanisierung sind für uns heute noch genauso aktuell wie in den 1920ern als sie das erste Mal diskutiert wurden. Sie stehen als Chiffre für eine neue Wertewelt, die schließlich einen Kulturbruch mit dem Althergebrachten mit sich bringt. Das Angebot an Lebensentwürfen ist mittlerweile so groß, dass der Prozess der Entscheidungsfindung nicht eindeutig ausfallen kann. Die Modelle sind daher zwiespältig, ambivalent. Werte, die vor allem von älteren Personen noch eingefordert werden, stellen viele vor ein Problem. Beispielsweise sollen Familiegründung, Ausbildungsabschluss und Berufseinstieg gemeistert werden und das alles im Alter von 20 bis 30. Dieses Zeitfenster ist für die meisten zu eng und zeigt die Unpassförmigkeit der Lebensvorstellungen in unserer Gesellschaft auf. Der Versuch, das eigene Leben zu ordnen, fällt ganz unterschiedlich aus, was die Vielzahl privater Lebensformen, die unter dem Stichwort Pluralisierung diskutiert werden, zeigen. In diesem Zusammenhang erscheint auch die Individualisierung wichtig, deren ersten Schub man bereits zu Beginn der Postmoderne findet. Die Individualisierungsthese, die sich auf die neusten demographischen Prozesse stützt, geht davon aus, dass wir auf eine Singlegesellschaft zusteuern, was den Verfall der Familie beinhaltet. In diesem Zusammenhang stellt sich allerdings die Frage, ob die Stabilität von Familie wirklich so gefährdet ist, oder ob es nicht auch andere Deutungsmöglichkeiten gibt. Denn gerade in einer Zeit von Orientierungs- schwierigkeiten, könnte die Familie als Ort von großer Emotionalität und Zusammengehörigkeit ein Gefühl von Sicherheit vermitteln, was bedeuten müsste, dass Familie als Wert noch gestiegen ist.
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2 Ein kurzer Überblick über die Individualisierungsthese
1990 wurde durch Ulrich Becks und Elisabeth Beck-Gernsheims Buch Das ganz normale Chaos der Liebe die Diskussion um die Individualisierung losgetreten. Die These geht davon aus, dass der Mensch immer mehr zum Bastler der eigenen Biographie wird und die Normalbiographie mit Ehe und Familie im Zentrum zurückgedrängt wird. Neue Lebensformen wie allein erziehende Eltern, Singlehaushalte, nichteheliche
Lebensgemeinschaften heterosexueller oder auch homosexueller Paare, sowie die wachsende Zahl von Scheidungen und der Geburtenrückgang werden als Indiz für den Werteverlust von Familie gesehen, da sie die bürgerliche Normalfamilie mit zwei Kindern verdrängen. Die Individualisierung löse den Menschen aus seinen traditionellen Rollen, was sich vor allem auf den Bereich Haushalt, der früher eine Domäne der Frauen war, und die Erwerbsarbeit, in der vor allem Männer tätig waren, bezieht. Es entstehen dadurch Verunsicherung und neues Konfliktpotential, so wie Orientierungslosigkeit und neue Zwänge. Durch die finanzielle Unabhängigkeit berufstätiger Frauen von ihren Männern gehe eine Übersteigerung der Liebe einher, die Familien instabiler werden lässt. Die endgültige Folge sei der Untergang der Familie. 1
3 „Die gute, alte Zeit“
Spricht man heute vom Untergang der Familie, so impliziert dies zugleich, dass man ein Bild von einer besseren und stabileren Familie im Kopf hat. Dieses bezieht sich vor allem auf die Vorstellungen, die man von der Zeit vor der Industrialisierung hat, welche allerdings oftmals auf Irrtümern beruhen. Auch die Erinnerungen an den Babyboom in den 50er und vor allem 60er Jahren des letzten Jahrhunderts sind noch bei vielen gegenwärtig, was die momentane Situation der Familie auf die Geburtenrate bezogen erst einmal trist erscheinen lässt. In diesem Zusammenhang ist es jedoch wichtig, neben der gewandelten Bedeutung von Kindern für die Eltern auch die Setzung des Vergleichsmaßstabs zu berücksichtigen.
3.1 Die Familie der vorindustriellen Zeit
Bei genauerer Betrachtung lässt sich feststellen, dass der Mythos von der Stabilität der vorindustriellen Familien nicht haltbar ist. Eine häufige Assoziation, die man mit einer stabilen Familie verbindet, ist die des gemeinsamen Zusammenlebens der Eltern mit den leiblichen Kindern, was auf die vorindustriellen Familien allerdings oftmals nicht zutrifft. Die Zahl der Stieffamilien, die es aufgrund der hohen Sterblichkeit gab, war hoch. Zudem war es
1 Beck, Ulrich; Elisabeth Beck-Gernsheim: „Das ganz normale Chaos der Liebe“. Frankfurt am Main 1990.
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vielen Leuten nicht oder nur unter schwierigen Bedingungen möglich zu heiraten, da die Heiratsnormen sehr streng waren. Dies erklärt das Vorkommen unehelicher Kinder oder nichtehelicher Lebensgemeinschaften, in denen auch Kinder lebten und das regional sogar häufiger als heute.
Auch die idyllische Großfamilie existierte in diesem Sinn nicht. Eine zutreffendere Bezeichnung ist Haus oder Haushalt. Denn dieser besteht nicht nur aus dem Hausherrn, seiner Frau und weiteren Verwandten wie den Großeltern, sondern oft auch aus Knechten, Mägden, Dienern und weiteren Angestellten. Diese teilen sich meist dieselben Räume und das nicht nur zum Wohnen, sondern auch zum Arbeiten. Die Lebenserwartung lag deutlich unter der heutigen, im 18. Jahrhundert beispielsweise zwischen 35 und 40 Jahren. So war die Zeit des Zusammenlebens mehrerer Generationen relativ kurz. Schwierige Lebensumstände und sicherlich auch kulturell zu begründende Einstellungen zu Kindern und Ehepartner ließen im Vergleich zu heute keine große emotionale Qualität familialer Beziehungen zu. Beispielsweise wurden Ehen vor allem aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen. Die Frau war voll in den Arbeitsprozess eingebunden und hatte so wie auch der Vater wenig Zeit, um den Kindern Aufmerksamkeit zu widmen. Ein weiterer Grund für eine geringere emotionale Bindung, was nicht bedeutet, dass die Beziehung emotionslos war, mag auch die hohe Kindersterblichkeit gewesen sein. Kinder werden vor allem als Absicherung im Alter, aber auch als Arbeitskraft gesehen und dies schon in jungen Jahren. Daher war es keine Seltenheit, dass sie teilweise schon mit sieben Jahren das Elternhaus verließen, um ihren Teil zum Familieneinkommen beizusteuern. Dies änderte sich erst durch die Funktionsentlastung der Familie durch Institutionen, was eine Übernahme neuer Funktionen ermöglichte. Dazu gehören beispielsweise Freizeitleistungen oder die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder. Unsere heute selbstverständliche Vorstellung von der Kindheit als eigener Phase setzte sich erst hier durch und Kinder wurden immer mehr als Lebenssinn begriffen.
Es lässt sich eindeutig feststellen, dass die Familie der vorindustriellen Zeit keine Emotions-, sondern eine Zweckgemeinschaft war. 2
3.2 Die „Hoch-Zeit“ der Familie
In den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts steigen die Zahlen der Eheschließungen und auch die der Geburten rapide an. Man spricht von einer Hoch-Zeit der Familie und dem Babyboom. Das erste Mal konnte das Ideal der bürgerlichen Kleinfamilie, die aus Vater,
2 Vgl. Maihofer, Andrea; Tomke Böhnisch; Anne Wolf: „Wandel der Familie“. Düsseldorf 2001. S. 13, 14.
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Arbeit zitieren:
Julia Przybilla, 2005, Die Gegenthese zu Becks Individualisierungsthese: Stabilität von Familie, München, GRIN Verlag GmbH
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