Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 6
2 Grundbegriffe. 9
2.1. Soziale Ungleichheit 9
2.2. Sozialer Status 10
2.3. Schichten. 11
2.4. Gesundheit 12
2.5. Psychische Störungen 13
3 Zentrale Faktoren sozialer Ungleichheit 14
3.1. Einkommen. 14
3.1.1. Einkommensverteilung in Deutschland. 15
3.2. Erwerbstätigkeit/ Beruflicher Status. 17
3.3. Bildung. 19
3.3.1. Bildungsniveau der Bevölkerung 20
4 Soziale Ungleichheit und psychische Störungen. 23
4.1. Psychische Störungen 23
4.1.1. Epidemiologie psychischer Störungen 23
4.1.2. Klassifikation psychischer Störungen. 24
4.1.3. Einfluss sozioökonomischer Faktoren. 26
4.1.4. Erklärungen für die unterschiedliche Schichtverteilung psychischer
St örungen 27
4.2. Psychische Gesundheit und soziale Lage am Beispiel von arbeitslosen
Menschen 29
4.2.1. Grundlegende Hypothesen Ursachen und Wirkung im
Zusammenhang von Arbeitslosigkeit und Gesundheit 30
4.2.2. Bedeutung von Erwerbsarbeit im Lebenszusammenhang. 31
4.2.3. Lebenslage Arbeitsloser 32
4.2.4. Gesundheitszustand - psychische Störungen 33
4.3. Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen aus
Herkunftsfamilien mit unterschiedlichem sozioökonomischen Status. 37
4.3.1. Hintergrund und Fragestellung 38
4.3.2. Ergebnisse. 40
4.3.2.1. Personale Schutzfaktoren 40
4.3.2.2. Soziale Ressourcen. 41
4.3.2.2. Familiärer Zusammenhalt. 42
4.4. Psychische Gesundheit und soziale Lage am Beispiel von
alleinerziehenden Müttern und Vätern. 44
4.4.1. Lebenslage Alleinerziehender. 45
4.4.1.1. Erwerbstätigkeit 45
4.4.1.2. Einkommen - finanzielle Lage. 46
4.4.1.3. Subjektive Bewertung der Labenslage 46
4.4.1.4. Soziale Netze 48
4.4.2. Psychisches Wohlbefinden 49
5 Prävention und Gesundheitsförderung. 50
5.1. Prävention und Gesundheitsförderung 50
5.1.1. Definition. 50
5.1.2. Die Bedeutung des Modells der Salutogenese für die
Entwicklung , Kozeption und Gestaltung präventiver Maßnahmen 52
5.2. Prävention und Gesundheitsförderung bei Arbeitslosen. 53
5.2.1. Wiederbeschäftigung (Ziel 1) 54
5.2.2. Nachhaltige Beschäftigungsfähigkeit (Ziel 2) 55
5.2.3. Gesundheitliche Chancengleichheit (Ziel 3) 55
5.2.3.1. Beispiel: Projekt „Job fit regional“ 57
5.2.4. Soziale und ökonomische Teilhabe (Ziel 4) 58
5.2.5. Gesundheitsförderung und Prävention Arbeitsloser als Aufgabe
der sozialen Arbeit 59
5.3. Prävention und Gesundheitsförderung bei Alleinerziehenden 62
5.3.1. Prävention und Gesundheitsförderung als Aufgabe der Politik 62
5.3.1.1. Vorsorge und Rehabilitation für Mütter und Väter. 62
5.3.1.2. Gesundheitspolitische Maßnahmen für Personen mit geringem
Einkommen 63
5.3.1.3. Sozialpolitische Maßnahmen. 63
5.3.1.4. Sozialpolitische Maßnahme am Beispiel einer Bedarfserhebung
zur gesundheitlichen Lage von Alleinerziehenden im Rems-Murr-Kreis
(Baden-Württemberg) 64
5.3.2. VAMV - Verband alleinerziehender Mütter und Väter 66
5.3.3. Prävention und Gesundheitsförderung als Aufgabe der sozialen
Arbeit. 68
5.4. Prävention und Gesundheitsförderung bei Kinder und Jugendlichen 70
5.4.1. Die Aufgabe der Gesundheitsförderung bei Kindern. 71
5.4.2. Gesundheitsförderung und Prävention als Aufgabe der Politik 72
5.4.3. Präventive Möglichkeiten bei Depressiven Störungen 72
6. Zusammenfassung/ Schlusswort 75
7. Literaturverzeichnis 77
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Sozialer Status
Abbildung 2: Schichten der Gesellschaft nach Einkommen
Abbildung 3: Einkommensverteilung in Deutschland 1993-2003
Abbildung 4: Schichtung der Bevölkerung nach relativem Einkommen
(Bevölkerungsanteile in )
Abbildung 5: Sozialhilfequoten in verschiedenen Bevölkerungsgruppen am
Jahresende 2002
Abbildung 6: Bevölkerung nach überwiegendem Lebensunterhalt im April
(in Tausend)
Abbildung 7: Bildungsbeteiligung der Bevölkerung (Alter: 15J. und älter)
Abbildung 8: Bildungslaufbahn (Stand: 2000)
Abbildung 9: Formen und Beispiele psychischer Störungen nach DS-MIV.
Abbildung 10: Vulnerabilitätsmodell der Schizophrenie
Abbildung 11: Sehr gute Einschätzung der allgemeinen Gesundheit in
Abh ängigkeit von Arbeitslosigkeitserfahrung
Abbildung 12: Krankenhaustage bei Männern nach ICD 10-Diagnosekapiteln
Abbildung 13: Verweilzeiten in Krankenhäusern von aktuell Arbeitslosen unter
anteilig relevanten 3stelligen ICD-10 Diagnosen, Männer
Abbildung 14: Personale Ressourcen (Eigenangaben)
Abbildung 15: Soziale Ressourcen (Eigenangaben)
Abbildung 16: Familiäre Ressourcen (Eigenangaben)
Abbildung 17: Alleinerziehende in Deutschland
Abbildung 18: Belastungen alleinerziehender und verheirateter Mütter
Abbildung 19: Zufriedenheit alleinererziehender und verheirateter Mütter mit
verschiedenen Lebensbereichen
Abbildung 20: Soziale Netze alleinerziehender und verheirateter Mütter.
Abbildung 21: Emotionale Grundstimmung (4-Wochen-Pävalenz)
Abbildung 22: Gesundheitsförderung und Prävention.
Abbildung 23: Gesundheitspotentiale ausschöpfen und erschließen
Abbildung 24: Soziale Arbeit als intermediäre Instanz
1 Einleitung
Gesundheit und Krankheit ist auch in einer hochentwickelten Gesellschaft wie der Bundesrepublik Deutschland mit ihren vielen Schutzbestimmungen zu gesundheitsbeeinträchtigenden Faktoren in der Umwelt, speziell in der Arbeitswelt, mit ihrem breiten Zugang zu Bildungsmöglichkeiten sozial ungleich verteilt 1 .
Das Interesse am Thema „soziale Ungleichheit und Gesundheit“ hat in den vergangenen Jahren in der aktuellen gesundheitspolitischen Diskussion erheblich zugenommen. So „wird immer häufiger die Frage gestellt, ob und warum Personen aus der unteren sozialen Schicht einen besonders schlechten Gesundheitszustand aufweisen und was dagegen unternommen werden kann“ 2 . Eine Vielzahl von Publikationen war die Antwort auf das zunehmende Interesse. Hier seien beispielsweise genannt: „Expertise des Robert Koch-Instituts zum 2. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung“ 3 , „Soziale Ungleichheit und Gesundheit - Empirische Ergebnisse, Erklärungsansätze, Interventionsmöglichkeiten“ 4 , „Soziale Determinanten von Gesundheit - die Fakten“ 5 oder „Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten“ 6 .
Die Gesundheitspolitik hat die Aufgabe, die Unterschiede im
Gesundheitszustand zu erkennen und den benachteiligten Gruppen durch Prävention und gesundheitsfördernde Maßnahmen eine gesundheitliche
1 RKI - Robert Koch-Institut (Hrsg.) (1999): Sozialschicht und Gesundheit. Risikofaktoren,
Gesundheitsverhalten, Lebensweisen. . S. 169
2 Mielck, A. (2000): Soziale Ungleichheit und Gesundheit. Empirische Ergebnisse,
Erklärungsansätze, Interventionsmöglichkeiten. Verlag Hans Huber. 1.Auflage. Bern, Göttingen,
Toronto, Seattle. S.11
3 RKI Robert Koch-Institut (Hrsg.) (2005): Expertise des Robert Koch-Institutes zum 2. Armuts-
und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Berlin
4 Mielck, A. (2000): Soziale Ungleichheit und Gesundheit. Empirische Ergebnisse,
Erklärungsansätze, Interventionsmöglichkeiten. Verlag Hans Huber. 1. Auflage. Bern,
Göttingen, Toronto, Seattle.
5 WHO World Health Organisation (Hrsg.) (2004): Soziale Determinanten von Gesundheit. Die
Fakten. Zweite Ausgabe. Kopenhagen.
6 BzGA und GESUNDHEIT BERLIN e.V. (2007): Gesundheitsförderung bei sozial
Benachteiligten. http://www.gesundheitliche-chancengleichheit.de - 27.04.2007
Chancengleichheit zu gewährleisten. Gesundheitspolitik kann somit auch als „Politik des Chancenausgleichs“ 7 bezeichnet werden.
Soziale Ungleichheit beschreibt die Unterschiede der Menschen im Vergleich miteinander. Eine Kategorisierung erfolgt in „besser- oder schlechter-, höher-oder tiefergestellt“ 8 . Die soziale Ungleichheit bezieht sich dabei auf verschiedene Faktoren, Bildung, Erwerbstätigkeit und Einkommen sind dabei die zentralen Faktoren in der modernen Gesellschaft 9 zur Einteilung der Bevölkerung in bestimmte Schichten. Weitere Faktoren sind Macht, Prestige, Arbeitsbedingungen, Wohnbedingungen oder Freizeitbedingungen. Die Bevölkerungsgruppen werden üblicherweise in Unter-, Mittel- und Oberschicht eingeteilt.
Rund ¼ der erwachsenen Bevölkerung leidet im Laufe eines Jahres an einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung. Wird ein 5-Jahres-Zeitraum betrachtet, steigt die Anzahl derjenigen Personen, die zumindest einmal in dieser Zeitspanne an einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung leiden, auf 33%. Der weit überwiegende Teil dieser Patienten geht zwar zur Behandlung der psychischen Erkrankung zu ihrem Hausarzt, jedoch werden nur 9,3% letztendlich psychiatrisch behandelt. 10
Der Handlungsdruck auf die Versorgung psychisch kranker Menschen hat sich mittlerweile verschärft. Der Kostendruck im Gesundheitswesen, Qualitätsfragen, der zunehmende Wettbewerb unter Leistungsanbietern 11 sind hierfür verantwortlich. Psychisch kranke Menschen werden in der Bevölkerung verstärkt als relevante Krankheitslast wahrgenommen. Aus diesen Erwartungen
7 Mielck, A. (2000): Soziale Ungleichheit und Gesundheit. Empirische Ergebnisse,
Erklärungsansätze, Interventionsmöglichkeiten. Verlag Hans Huber. 1. Auflage. Bern,
Göttingen, Toronto, Seattle. S.169
8 Hardil, S. (1999): Soziale Ungleichheit in Deutschland. Leske + Budrich. 7. Auflage.
Opladen.S.11
9 Szagun, B. (2007): Seminarunterlagen Public Health, 7. Semester. Hochschule Ravensburg-
Weingarten, Fakultät Sozialwesen. S.3
10 Vgl. Machleidt, W. u.a. (2004): Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Georg
Thieme Verlag. 7. aktualisierte Auflage. Stuttgart, New York. S.19
11 Landeshauptstadt Düsseldorf - Gesundheitsamt (2006): Psychische Störungen - Verbreitung
und Versorgung. Düsseldorf.
http://www.duesseldorf.de/gesundheit/bericht/psychiatriebericht.pdf -Recherche vom
24.05.2007.
der Bevölkerung zur Behandlung psychisch kranker Menschen resultiert ein enormer Druck, der auf den behandelnden Ärzten, Psychotherapeuten oder auch Sozialarbeitern lastet.
Im Zusammenhang mit dem Thema „soziale Ungleichheit und Gesundheit“ wird in dieser Seminararbeit das Thema soziale Ungleichheit und psychische Störungen erörtert. Anhand von drei Untersuchungen („Gesundheit und Arbeitslosigkeit“ 12 , „Risiken und Ressourcen für die Psychische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen“ 13 und „Gesundheit alleinerziehender Mütter und Väter“ 14 ) werden die Ergebnisse zum Zusammenhang des sozioökonomischen Status mit psychischen Störungen dargestellt.
Abschließen möchte ich diese Seminararbeit mit Prävention und Gesundheitsförderung. Der Fokus dieser gesundheitsfördernden und präventiven Maßnahmen ist dabei auf die drei erwähnten
Untersuchungsgruppen (Arbeitslose, Alleinerziehende sowie Kinder und Jugendliche) gerichtet.
12 RKI Robert Koch-Institut (Hrsg.) (2003): Gesundheitsberichterstattung des Bundes Heft 13.
Arbeitslosigkeit und Gesundheit. Berlin.
13 RKI Robert Koch-Institut (Hrsg.) (2007): Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS):
Risiken und Ressourcen für die psychische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Berlin.
14 RKI Robert Koch-Institut (Hrsg.) (2003): Gesundheitsberichterstattung des Bundes Heft 14.
Gesundheit alleinerziehender Mütter und Väter. Berlin. S.8.
2 Grundbegriffe
Im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit über Soziale Ungleichheit und Gesundheit ist es anfangs notwendig, die wichtigsten Grundbegriffe im Zusammenhang mit diesem Thema zu definieren.
2.1. Soziale Ungleichheit
Der Begriff soziale Ungleichheit bezieht sich auf bestimmte Güter oder Faktoren, die im Rahmen einer Gesellschaft als wertvoll oder wichtig gelten. Dabei sind die Lebensbedingungen eines Menschen umso besser, je mehr der einzelne Mensch von diesen Gütern oder Faktoren besitzt. HRADIL bezeichnet dabei die Lebensbedingungen als „äußere, vom Denken und Verhalten des einzelnen kurzfristig nicht beeinflussbare Rahmenbedingungen des Lebens“. 15 Die Werte in jeder Gesellschaft bestimmen, wie wertvoll die Güter sind. Werte sind dabei Vorstellungen vom Wünschenswerten, wie z.B. Wohlstand, Sicherheit, Anerkennung, Gesundheit und individuelle Autonomie.
„Diese Zielvorstellungen eines guten Lebens lassen sich - je nach den spezifischen Gegebenheiten einer Gesellschaft - durch die Verfügung über bestimmte Güter verwirklichen (z.B. durch Geld, eine unkündbare Stelle, gesunde Arbeitsbedingungen), bei deren Fehlen jedoch nicht. Insofern bestimmte Güter also (wie z.B. Geld oder eine unkündbare Berufsstellung) Lebens- und Handlungsbedingungen darstellen, die zur Erlangung von allgemein verbreiteten Zielvorstellungen dienen, kommen sie als Erscheinungsformen sozialer Ungleichheit in Frage.“ 16
Ein weiterer Faktor der sozialen Ungleichheit bildet die Vorstellung in einer Gesellschaft, wie die wertvollen Güter verteilt sein müssen, um als ungleich zu
15 Hardil, S. (1999): Soziale Ungleichheit in Deutschland. Leske + Budrich. 7. Auflage.
Opladen.S.24
16 16 Hardil, S. (1999): Soziale Ungleichheit in Deutschland. Leske + Budrich. 7. Auflage.
Opladen.S.27
gelten. Sind die als wertvoll geltenden Güter nicht absolut gleich verteilt, wird in der soziologischen Terminologie von „sozialer Ungleichheit“ gesprochen. So gilt die Lohndifferenz zwischen einem Ingenieur und einem Hilfsarbeiter als Erscheinungsform „sozialer Ungleichheit. 17
Soziale Ungleichheit wird in vertikale- und horizontale soziale Ungleichheit unterteilt. Bildung, beruflicher Status und Einkommen werden als Merkmale der vertikalen sozialen Ungleichheit verstanden. „Der Zusatz `vertikal` soll dabei ausdrücken, dass diese Merkmale eine Unterteilung der Bevölkerung von oben und unten ermöglichen. Mit Hilfe von Angaben zur Bildung, zum Beruf und zum Einkommen lässt sich der `sozio-ökonomische Status` einer Person bestimmen; und der Begriff `Status` impliziert bereits die Einordnung in eine hierarchische Skala.“ 18 Die vertikale soziale Ungleichheit lässt sich mit den oben genannten Merkmalen sehr gut erfassen, dabei ist das Einkommen der zentrale Indikator für die vertikale soziale Ungleichheit. Da sich die Bevölkerung mit Hilfe von Merkmalen, wie Alter, Geschlecht, Nationalität, die Zahl der Kinder oder die Größe des Wohnorts auch in Gruppen unterteilen lässt und auch zwischen diesen Gruppen soziale Ungleichheit bestehen kann, wird hier von horizontaler sozialer Ungleichheit gesprochen.
2.2. Sozialer Status
Der soziale Status bezeichnet die bessere oder schlechtere Stellung eines Menschen im Oben und Unten einer Dimension sozialer Ungleichheit und bezieht sich auf alle Dimensionen sozialer Ungleichheit. 19 Der Status bezieht sich dabei auf den Wohlstand, die Macht und das Prestige eines Menschen.
17 Vgl. Hardil, S. (1999): Soziale Ungleichheit in Deutschland. Leske + Budrich. 7. Auflage.
Opladen.S.24-25
18 Mielck, A. (2000): Soziale Ungleichheit und Gesundheit. Empirische Ergebnisse,
Erklärungsansätze, Interventionsmöglichkeiten. Verlag Hans Huber. 1. Auflage. Bern,
Göttingen, Toronto, Seattle. S.18
19 Hardil, S. (1999): Soziale Ungleichheit in Deutschland. Leske + Budrich. 7. Auflage.
Opladen.S.29
Das „Wirtschaftslexikon“ 20 bezeichnet den Sozialen Status als „relative Position oder Stellung innerhalb einer Gruppe, die einer Person aufgrund von Rolle, Erfahrung, Alter, Fähigkeiten oder Kenntnissen zugewiesen ist.“
Abbildung 1: Sozialer Status
Quelle: Eigene Darstellung n. Szagun 2007: 3
2.3. Schichten
Die soziale Schicht ist eine hierarchische Klassifizierung von Individuen innerhalb eines Sozialsystems durch verschiedene Statusklassen. Die Individuen der jeweiligen Statusklasse verfügen dabei in etwa über den gleichen Status, im Vergleich mit den Individuen aus den anderen Statusklassen unterscheiden sie sich durch einen höheren oder niedrigeren Status.
„Die Schichtzugehörigkeit bedeutet zum einen die Einordnung einer Personengruppe in ein System vertikaler sozialer Differenzierung, zum anderen
20 o.V. (2007) Wirtschaftslexikon24.net, http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/sozialer-
status/sozialer-status.htm, Recherche vom 17.05.2007.
ihr Teilhabe an gemeinschaftlichen Erfahrungen, Lebenschancen und Risiken.“ 21
Bei der Einteilung in Schichten gibt es verschiedene Ordnungsmerkmale, Beispiele hierfür sind Bildung, Beruf, Macht oder Einkommen. Die folgende Darstellung beschreibt die Schichten der Gesellschaft nach ihrem Einkommen.
Abbildung 2: Schichten der Gesellschaft nach Einkommen
(nach dem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen in % der Bevölkerung, 2005)
Quelle: Statistisches Bundesamt 2006 (100% = Durchschnittseinkommen)
2.4. Gesundheit
Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) definiert Gesundheit als ein „vollkommenes körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden“. 22 Wohlbefinden wird definiert als subjektive Wahrnehmung, die aufgrund der Wechselwirkung zahlreicher Faktoren (z.B. das „Selbst“, Netzwerk sozialer Kontakte, Zielentwicklung und Zielverwirklichung, Zukunftsperspektive, Freiheit, Begeisterung, Problemlösung und Bewältigung, Optimismus) entstehen kann. 23 Aus dieser Definition lässt sich ableiten, dass die sozialen, wirtschaftlichen,
21 Szagun, B. (2007): Seminarunterlagen Public Health, 7. Semester. Hochschule Ravensburg-
Weingarten, Fakultät Sozialwesen. S.4
22 WHO (1946), zit. n. Machleidt, W. u.a. (2004): Psychiatrie, Psychosomatik und
Psychotherapie. Georg Thieme Verlag. 7. aktualisierte Auflage. Stuttgart, New York. S.11
23 Kopp (2003): 52f n. Topcu, C. (2005): Gesundheitsförderung und Arbeitslosigkeit -
Implikationen für die Politik. Diplomarbeit. Hochschule Ravensburg-Weingarten, Fakultät
Sozialwesen. S.3
ökologischen und kulturellen Lebensbedingungen einen gewissen
Entwicklungsrahmen für die Gesundheit eines Menschen geben. Gesundheit ist demnach also nicht nur die Abwesenheit von Krankheit.
H. HÄFNER definiert den Krankheitsbegriff als „einen Zustand unwillkürlich gestörter Lebensfunktionen eines Individuums, der eine Zeitdimension aufweist - Beginn und Verlauf - und in der Regel eine Beeinträchtigung des Wohlbefindens und der Leistungsfähigkeit bzw. der Fähigkeit zur Daseinsbewältigung zur Folge hat“. 24
2.5. Psychische Störungen
In der Wissenschaft existiert noch keine einheitliche Definition des Begriffs „psychische Störung“, da sich psychische Auffälligkeiten durch eine Vielzahl von Merkmalen ausprägen und es aus diesem Grund schwer fällt, charakteristische Merkmale für psychische Störungen von vornherein festzulegen. 25
Erhebliche Abweichungen vom Erleben, Verhalten, Denken, Fühlen und Handeln gegenüber einem psychisch gesunden Menschen kennzeichnen eine psychische Störung. 26 Unter psychische Störungen im Sinne der ICD-10 (International Classification of Disease) werden komplexe, multifaktoriell bedingte Erkrankungen verstanden, die sich auf verschiedenen beschreibbaren Ebenen manifestieren: der Ebenen der Neurobiologie, der Kognitionen, der Affekte sowie des motorischen und sozialen Verhaltens. 27
24 H. Häfner (1992), zit. n. Machleidt, W. u.a. (2004): Psychiatrie, Psychosomatik und
Psychotherapie. Georg Thieme Verlag. 7. aktualisierte Auflage. Stuttgart, New York. S.11
25 vgl. Oliver Walter, Psychische Störungen,
http://www.verhaltenswissenschaft.de/Psychologie/Psychische_Storungen/psychische_storung
en.htm, Recherche vom 17.04.2007.
26 Szagun, B. (2005): Seminarunterlagen Sozialmedizin II, 4. Semester. Hochschule
Ravensburg-Weingarten, Fakultät Sozialwesen. S.10f.
27 Vgl. Institut für klinische Psychologie und Psychotherapie (2004): Psychische Störungen in
der deutschen Allgemeinbevölkerung: Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen und
Ausfalltage. In: Springer-Verlag 2004. S.736.
3 Zentrale Faktoren sozialer Ungleichheit
Die zentralen Faktoren sozialer Ungleichheit sind Bildung, Erwerbstätigkeit und Einkommen. Die genannten Faktoren sind Lebensbedingungen, „die im Zusammenleben von Menschen bestimmten Bevölkerungsteilen Vorteile verschaffen und für andere Nachteile mit sich bringen (…) sie verhelfen dazu oder aber hindern daran, allgemein akzeptierte Wertvorstellungen und Ziele eines „guten Lebens“ zu erreichen.“ 28
HRADIL versteht dabei Lebensbedingungen als äußere Voraussetzungen des alltäglichen Handelns, die unabhängig von der Wahrnehmung oder der Interpretation der einzelnen bestehen und Wirkungen haben. Als Beispiel für ungleiche Lebensbedingungen nennt HRADIL die Größe der Wohnung, die Dauer der Arbeitszeit, das Minus auf dem Gehaltskonto oder die untergeordnete Stellung als Hilfsarbeiter und das geringe Prestige dieses Berufs. 29
Nachstehend wird nun auf die zentralen Faktoren sozialer Ungleichheit eingegangen und wie sich diese auf den Gesundheitszustand auswirken.
3.1. Einkommen
Geld gilt in der modernen Marktwirtschaft als zentrales Mittel, um den Lebensstandard zu erhöhen. Durch Geld kann man sich Lebensziele wie Sicherheit, Gesundheit, Ansehen oder vorteilhafte Arbeits-und
Wohnbedingungen „kaufen“. So schreibt HRADIL, dass ein hoher Lebensstandard in modernen Gesellschaften zweifellos zu den wichtigsten Zielsetzungen eines „guten Lebens“ zählt. 30
28 Hardil, S. (1999): Soziale Ungleichheit in Deutschland. Leske + Budrich. 7. Auflage.
Opladen.S.143.
29 Vgl. Hardil, S. (1999): Soziale Ungleichheit in Deutschland. Leske + Budrich. 7. Auflage.
Opladen.S.143.
30 Vgl. Hardil, S. (1999): Soziale Ungleichheit in Deutschland. Leske + Budrich. 7. Auflage.
Opladen.S.208.
Weiterhin eröffnet das Einkommen den Zugang zu den meisten Bedarfs- und Gebrauchsgütern und stellt eine wesentliche Voraussetzung für die Befriedigung individueller Bedürfnisse dar. „Einkommensnachteile verringern die Konsummöglichkeiten und gehen oftmals mit einer Unterversorgung in anderen Bereichen (…) einher. 31
3.1.1. Einkommensverteilung in Deutschland
Das durchschnittliche Einkommen ist in Deutschland kontinuierlich angestiegen. So lag das im Jahr 2003 verfügbare monatliche Netto-Äquivalenzeinkommen im Mittel bei 1740 Euro (Median: 1564 Euro), dies entspricht einem nominalen Anstieg um ca. 17% seit 1993 (Siehe Abbildung 3). Gleichzeitig hat die Armutsrisikoquote dabei zugenommen, nämlich von 11,7% im Jahr1993 bis auf 13,5% im Jahr 2003.
Abbildung 3: Einkommensverteilung in Deutschland 1993-2003
Datenbasis: Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (BMGS 2001; BMGS 2005)
Quelle: RKI 2005: 30
31 RKI Robert Koch-Institut (Hrsg.) (2005): Expertise des Robert Koch-Institutes zum 2. Armuts-
und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Berlin. S.28.
Die Einkommensverteilung in Deutschland nach Schichtung der Bevölkerung zeigt nachstehende Grafik.
Abbildung 4: Schichtung der Bevölkerung nach relativem Einkommen
(Bevölkerungsanteile in %)
Datenbasis: SOEP 1985-2000
Demnach erzielten im Jahr 2000 12% der Gesamtbevölkerung in Deutschland ein monatliches Nettoeinkommen, das einem „relativen Wohlstand“ entspricht. 10,2% hatten im Jahr 2000 ein monatliches Nettoeinkommen in der „gehobenen Einkommenslage“. Fast die Hälfte der Bevölkerung (43,6%) hatten im Jahr 2000 eine „mittlere Einkommenslage“. 25,1% hatten ein monatliches Nettoeinkommen der als „prekärer Wohlstand“ bezeichnet wird. Die „relative Armut“ macht 9,1% des monatlichen Nettoeinkommens im Jahr 2000 aus.
Arbeit zitieren:
Holger Weilekes, 2007, Soziale Ungleichheit und Gesundheit , München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Planung und Aufstellung eines Hilfeplans in der sozialen Einzelhilfe
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 20 Seiten
Emotionspsychologie Manuskript: Positive Emotionen
Referat (Ausarbeitung), 18 Seiten
Persönlichkeits- und Entwicklungstheorie nach Freud
Psychologie - Entwicklungspsychologie
Hausarbeit (Hauptseminar), 13 Seiten
Analyse des Verhaltens der Figur des Werthers aus Goethes 'Die Lei...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 15 Seiten
Die zwei Gesichter der Großstadt - Emils und Fabians Betrachtungen der...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 17 Seiten
Markennamen im Deutschen - Bildung, Bedeutung, Markenrecht. Eine Betra...
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Problemzentriertes Interview im Marketing
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Hausarbeit, 13 Seiten
Die Großstadt in Erich Kästners "Fabian"
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
Seminararbeit, 19 Seiten
Beeinflusst Musik in Kaufhäusern das Kaufverhalten?
Soziologie - Konsum und Werbung
Seminararbeit, 16 Seiten
Die Darstellung der Großstadt in Erich Kästners Roman "Fabian. Di...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 15 Seiten
Bildungsexpansion und Bildungserträge im Ländervergleich
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Forschungsarbeit, 28 Seiten
Holger Weilekes's Text Soziale Ungleichheit und Gesundheit ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Holger Weilekes hat den Text Soziale Ungleichheit und Gesundheit veröffentlicht
Holger Weilekes hat einen neuen Text hochgeladen
Aktuelle Probleme und Entwicklungen im Internationalen Investitionsrec...
Christina Knahr, August Reinisch
Aktuelle Probleme des geltenden deutschen Insolvenzrechts
Stefan Smid, Mark Zeuner, Michael Schmidt
Aktuelle Probleme des Luftverkehrs-, Planfeststellungs- und Umweltrech...
Vorträge auf den Elften Speyer...
Karsten Baumann, Wolfgang Durner, Annette Guckelberger, Nikolaus Herrmann, Ulrich Hösch, Alexander Schmidt, Jan Ziekow
Aktuelle Probleme des Luftverkehrs-, Planfeststellungs- und Umweltrech...
Vorträge auf den Zehnten Speye...
Jan Ziekow
Aktuelle Probleme der Insolvenzanfechtung
- InsO, KO, GesO, AnfG
Reinhard Bork, Markus Gehrlein
0 Kommentare