Inhaltsverzeichnis
1 Die Wissenschaftstheorie 2
2 Die Hermeneutik als wissenschaftstheoretische Position 4
2.1 Definition 4
2.2 Geschichte 4
2.3 Verstehen 4
2.4 Der hermeneutische Zirkel 6
2.4.1 Hermeneutischer Zirkel I 6
2.4.2 Hermeneutischer Zirkel II 7
2.5 Hermeneutische Differenz 7
3 Abduktion und Hermeneutik 7
3.1 Deduktion und Induktion 8
3.2 Abduktion 8
3.3 Hermeneutisches Verstehen und die Abduktion 9
4 Pro und Contra der Hermeneutik 10
4.1 Contra - Kritikpunkte am hermeneutischen Verstehen 10
4.2 Pro - Gegenargumente und Vorteile der Hermeneutik 10
Literaturverzeichnis: 12
1
1 Die Wissenschaftstheorie
Das Wort Wissenschaftstheorie ist die englische Übersetzung von Philosophy of science. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wurde es zum allgemein üblichen Begriff. Der erste Wissenschaftstheoretiker war Aristoteles. Seit den 60er Jahren wird der Begriff als Theorie aller Art über Wissenschaftsbereiche aller Art definiert. Die wörtliche Übersetzung des englischen Begriffs lautet Theorie der Wissenschaft, über die Wissenschaft. (vgl. Brockhaus)
Die Wissenschaftstheorie reflektiert über Wissenschaft, ist also eine Meta-Theorie. Oder, anders gesagt, ihr Objekt ist die Wissenschaft. Jeder betreibt Wissenschaftstheorie, wenn er über Wissenschaft spricht, egal ob über eine Einzelwissenschaft oder über Wissenschaft im Allgemeinen. Je nachdem wird von Spezieller Wissenschaftstheorie oder Allgemeiner Wissenschaftstheorie gesprochen. (vgl. Niedermair 2004, S. 5 f.) Eingeordnet wird die Wissenschaftstheorie in die Erkenntniskategorie. Sie beschäftigt sich damit, wie menschliche Erkenntnis überhaupt möglich ist. Den größten Bereich bildet die Erkenntnistheorie. Daraus leitet sich die Wissenschaftstheorie ab. Diese führt zu einer bestimmten Methodologie, aus der sich dann die konkreten Methoden und Techniken zur Datengewinnung und Datenauswertung ableiten lassen.
Während die Erkenntnistheorie also über menschliche Erkenntnis im Allgemeinen diskutiert, geht es der Wissenschaftstheorie darum, was als wissenschaftliche Erkenntnis gelten kann. Dazu formuliert sie Vorschriften über den Weg der Erkenntnisgewinnung, wie wissenschaftliche Erkenntnis zustande kommen soll. (vgl. Lamnek 2005, S. 47 f.) Außerdem beschäftigt sie sich mit dem Begriff und der Einteilung der Wissenschaft, mit ihren Methoden, ihren Erkenntnisprinzipien, ihrer Sprache, ihren Vorraussetzungen und ihren Geltungsgrundlagen. (vgl. Brockhaus) Sie richtet ihre Aufmerksamkeit also darauf, wie sich Wissenschaft auf Forschungsgegenstände bezieht und sich ihnen nähert, welche Verfahren und Methoden sie dabei anwenden und wie sie ihre Hypothesen und Theorien begründen. (vgl. Niedermair 2004, S. 6)
Wichtig ist dabei, dass sie so generell bleibt, dass sie für alle Einzelwissenschaften gilt, aber doch so konkret ist, dass sich aus ihr klare Handlungsanweisungen ableiten lassen können. (vgl. Lamnek 2005, S. 47)
2
Ein sehr guter Vergleich für die Wissenschaftstheorie ist eine Brille. Wissenschaftstheorie ist wie eine Brille, durch die hindurch die Wissenschaft gesehen wird, wie sie Forschungsgegenstände sieht, beschreibt und erklärt. Doch ist diese Brille überhaupt notwendig? Warum braucht es überhaupt Wissenschaftstheorie? Die Antwort ist einfach: Es gibt nicht nur verschiedene Theorien über verschiedene Forschungsgegenstände, sondern es gibt auch unterschiedliche Theorien immer über denselben Gegenstand. Diese kommen durch unterschiedliche Herangehensweisen und Methoden zustande, die von der jeweiligen dahinter stehenden wissenschaftstheoretischen Position abhängen. Wissenschaftstheorie hilft dem Forscher, sich dieser Unterschiede bewusst zu werden und sie als Wahlmöglichkeiten sinnvoll nutzen zu können. So kann er in jeder Situation die auswählen, die am besten dafür geeignet ist. Durch die Auswahl werden dann bestimmte methodische und theoretische Optionen favorisiert, andere ausgeklammert.
Es gibt mindestens drei wichtige wissenschaftliche Perspektiven mit jeweiligen wissenschaftstheoretischen Positionen:
1. Es wird versucht, eine Situation zu verstehen, also beispielsweise ein Verhalten zu deuten, zu interpretieren. Da es ganz unterschiedliche Interpretationen geben kann, ist es wichtig, die gewählte Deutungsmöglichkeit theoretisch nachvollziehbar zu machen und zu begründen. Hinter dieser Perspektive steckt die Position der Hermeneutik.
2. In diesem Ansatz wird die Interpretation bereits vorausgesetzt. Es geht um das Erklären von etwas. Nachdem der Grund für ein Verhalten feststeht, also die Interpretation, wird erklärt warum, was dahinter steckt. Als wissenschaftstheoretische Position wird hier der Kritische Rationalismus genannt.
3. Während die anderen beiden Ansätze nur verstehen oder erklären wollen, wird hier versucht, vor allem auch etwas zu verändern. Die Gesellschaft insgesamt soll verändert werden, um auch eine Veränderung des Einzelfalls zu ermöglichen. Dahinter steckt die Kritische Theorie. Andere Positionen wären systemtheoretische Herangehensweisen, wo ein Verhalten auf ein größeres System bezogen wird, oder normative Theorien, wo eine Veränderung durch die Rekurrierung einer allgemeinen Norm erzielt werden soll. (vgl. Niedermair 2004, S.11 ff.)
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Sigrid Lang, 2006, Hermeneutik - die Kunst des Verstehens, Munich, GRIN Publishing GmbH
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