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Inhalt
1. EINLEITUNG 3
1.1.PERSPEKTIVENBILDUNG 3
1.2. ERKENNTNISINTERESSE UND ARBEITSPLAN 3
1.2.1. FRAGESTELLUNG 3
1.2.2. KONZEPT 4
1.3. BEGRIFFSKLÄRUNGEN 5
1.3.1. WISSENSCHAFT 5
1.3.2. POLITIK 5
1.3.3. NEOLIBERALISMUS 6
2. SPEZIFISCHE MACHT VON WISSENSCHAFT 6
3. DEFINITIONEN VON WISSENSCHAFT 7
3.1. DEFINITIONSMACHT UND GRENZZIEHUNGEN. 7
3.1.1. FUNKTIONEN VON GRENZZIEHUNGEN 7
3.1.2. NEOLIBERALER WISSENSCHAFTSDISKURS. 8
3.1.3. DEFINITIONSMACHT 9
3.2. DEFINITIONEN DURCH DIE WISSENSCHAFT SELBST 10
4. EINFLUSS DER NEOLIBERALEN GRUNDSTIMMUNG 12
4.1. WISSENSCHAFTSPOLITIK. 12
4.1.1. ZIELE EINER NEOLIBERALEN WISSENSCHAFTSPOLITIK 12
4.1.2. WISSENSCHAFTSPOLITIK DER ÖSTERREICHISCHEN BUNDESREGIERUNG 13
4.1.3. ZITATE 14
4.2. NEOLIBERALE „THINK THANKS“ 15
4.3. AUSSCHALTUNG VON KRITIK. 16
5. KONSEQUENZEN DER NEOLIBERALEN WISSENSCHAFTSPOLITIK 17
5.1. „BLACK BOXES“ 17
5.2. GESETZLICHE UND FINANZIELLE MAßNAHMEN 18
6. RESUMÉE 19
7. LITERATUR 21
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1. Einleitung
1.1.Perspektivenbildung
Um den Standpunkt, von dem aus ich an meine Fragestellung herangehe, nachvollziehbar zu machen, möchte ich kurz mein persönliches Interesse an dem gewählten Thema erläutern. Besonders wichtig erscheint es mir, die soziale Determiniertheit von Wissenschaft aufzuzeigen und die vielfältigen Verflechtungen und gegenseitigen Abhängigkeiten mit anderen gesellschaftlichen Bereichen, besonders mit Politik und Wirtschaft, zu beleuchten. Im Laufe der letzten Jahre habe ich die kontinuierliche Ausbreitung neoliberaler Prinzipien in praktisch allen Bereichen des Alltags beobachtet. Mit persönlich macht es Angst, dass die Rückführung aller sozialen Phänomene auf wirtschaftliche Prinzipien - sowie die naturalistische und vulgärdarwinistische Argumentationsweise zu ihrer Rechtfertigunganscheinend von so breiten Schichten der Bevölkerung in keiner Weise hinterfragt wird. Ich halte es daher immer wieder für wichtig, diese Muster explizit zu machen und sie nicht einfach als gegeben hinzunehmen.
1.2. Erkenntnisinteresse und Arbeitsplan
1.2.1. Fragestellung
„Es gibt keine innere Kraft der Wahrheit, wohl aber eine Kraft des Glaubens an die Wahrheit: Im Kampf der Vorstellungen kommt der aus gesellschaftlicher Sicht als wissenschaftlich, das heißt als wahr anerkannten Vorstellung eine spezifische soziale Kraft zu, die demjenigen, der über wissenschaftliches Wissen - über die soziale Welt - verfügt oder zu verfügen scheint, das Monopol auf den legitimen Standpunkt, auf die sich selbst erfüllende Prophezeiung verleiht. Wegen dieser sozialen Kraft wird die Legitimität der Wissenschaft von den „weltlichen“ Machthabern immer wieder angefochten.“ 1
1 Aus: Bourdieu, Pierre: Homo Academicus, Suhrkamp-Taschenbuchverlag, Frankfurt/Main, 1992 (2. Auflage 1998)
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Wer also die Kontrolle über diesen „legitimen Standpunkt“ inne hat, dem wird zugestanden, in gewisser Weise über die „Wahrheit“ zu verfügen, was wiederum in politische Macht übersetzt werden kann. Wenn es also einer gesellschaftlichen Gruppe (Politik, Wirtschaft,...) gelingt, ihre Definition von Wissenschaft durchzusetzen und für ihre Zwecke zu instrumentalisieren, dann gewinnt sie Macht über die „Wahrheit“. Gerade die Politik ist hier von entscheidender Bedeutung, da sie über die Förderung und Anerkennung bestimmter Bereiche und Formen von Wissenschaft ihre Vorstellungen und Definitionen durchzusetzen vermag.
Was gerade als legitime Wissenschaft empfunden und anerkannt wird ist also keinesfalls unabhängig von den jeweiligen politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen. Vielmehr beeinflussen sich die verschiedenen Bereiche gegenseitig und die Geschichte zeigt, wie sich die allgemeinen Vorstellungen von Wissenschaftlichkeit in Abhängigkeit von gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen verändert haben.
Meiner Meinung nach hat momentan die immer stärkere Hinwendung der Politik und der Gesellschaft zu neoliberalen Modellen und zur Globalisierung der Wirtschaft massive Auswirkungen auf die Sicht auf die Wissenschaft. Als legitim wird erachtet, was wirtschaftliche Vorteile bringt, was „anwendbar“ und profitabel ist. Meine Ausgangsfrage lautet also:
Wie versucht die neoliberal geprägte Politik zu definieren, was als Wissenschaft zu gelten hat? Welche Konsequenzen sind davon zu erwarten?
1.2.2. Konzept
Ich werde mich in meinen Betrachtungen auf das Österreich der Gegenwart beschränken und versuchen, den Einfluss neoliberaler Modelle und Strömungen auf die Sicht der Politik über Wissenschaft herauszuarbeiten.
Meine Arbeit gliedert sich in vier große Argumentationsschritte, die gleichzeitig vier Prämissen bilden, auf die sich meine Überlegungen stützen:
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- Die „spezifische Macht der Wissenschaft“, die ihr eine besondere gesellschaftliche
Stellung und Bedeutung einräumt, besteht darin, dass ihr die Fähigkeit zugesprochen wird, direkte Zwiesprache mit der „Natur“ zu halten und so über die „Wahrheit“ zu verfügen.
- Macht über Wissenschaft und somit über die „Wahrheit“ kann durch die Definition von „legitimer Wissenschaft“ erreicht werden.
- Die aktuellen Definitionen von „legitimer Wissenschaft“ werden durch eine „neoliberale Grundstimmung“ in allen Bereichen der Gesellschaft beeinflusst.
- Diese neoliberal gefärbte Wahrnehmung von Wissenschaft zeigt bereits „Erfolge“über die Konsequenzen einer marktorientierten Wissenschaftspolitik.
1.3. Begriffsklärungen
Um Unschärfen zu vermeiden halte ich es für wichtig, einige im Folgenden verwendete Begriffe zu behandeln, da ich diese unter Umständen anders oder spezifischer einsetzen werde, als sie normalerweise in den Medien oder im Alltagsdiskurs gebraucht werden (sie dienen mitunter als allgemeine Sammelbegriffe für sehr unterschiedliche und vage Phänomene).
1.3.1. Wissenschaft
Darunter verstehe ich hier die akademische Wissenschaft, also Forschung (aber auch Lehre) an den Universitäten. Diese institutionalisierten Formen von Wissenschaft zeichnen sich auch durch ihre besonders starke Abgrenzung nach außen aus, um Zugang dazu zu bekommen, hat man genau festgelegte und formalisierte Bedingungen zu erfüllen. Aber wie zum Beispiel Pierre Bourdieu in „Homo Academicus“ gezeigt hat, haben auch informelle, implizite Normen und Grenzen eine enorme Bedeutung im wissenschaftlichen Feld.
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Ich beziehe mich hier auf die Institutionen der aktuellen österreichischen Bundesregierung. Die Politik der Koalition aus ÖVP und FPÖ zeigt dabei - wie ich noch zeigen werdedeutliche neoliberale Akzente, vor allem auch in der Wissenschaftspolitik.
1.3.3. Neoliberalismus
Der Neoliberalismus hat seine Wurzeln in den 30er Jahren, als nach dem Versagen des Liberalismus, das sich in der Weltwirtschaftskrise der 20er und 30er Jahre sowie in den katastrophalen sozialen Umständen in Groß Brittannien ausdrückte, und den ersten Versuchen, den Kommunismus in der Realität anzuwenden, ein „dritter Weg“ gesucht wurde. Der Neoliberalismus stellt sich vor allem gegen wohlfahrtsstaatliche Umverteilung und „Gleichmacherei“. Statt dessen soll auf das „Gleichgewicht des Marktes“ vertraut werden. Die Rolle des Staates soll sich auf wenige Aufgaben beschränken, die die Sicherheit des Einzelnen und die Spielregeln des Marktes gewährleisten sollen. Gleichheit soll es nur als Chancengleichheit geben, nicht als soziale Gleichheit. Freiheit wird als höchstes Prinzip postuliert, Gleichheit wird damit als unvereinbar angesehen. Die „Grundprinzipien“ des Neoliberalismus spiegeln sich auch in den vorherrschenden Begriffen 2 im neoliberalen Diskurs wider: Rationalität, Effizienz, Wettbewerb. An der Verwendung dieser Begriffe in anderen Bereichen kann ein neoliberaler Einfluss erkannt werden, da diese Begriffe hochgradig ideologisch besetzt sind und ihre (unkritische) Verwendung auch eine implizite Übernahme der dahinter stehenden Modelle bedeutet.
2. Spezifische Macht von Wissenschaft
„Without the the time or wherewithal to look at nature for ourselves (as Thoreau did), „science“ often stands metonymically for credibility, for legitimate knowledge, for reliable and useful predictions, for a trustable reality: it commands assent in public debate. If
2 „Über unablässige Wiederholungen und propagandistische Einsätze gelang es - neben gesamten Weltentwürfen - eine Unmenge von Begriffen in den Wissenschaften wie im Alltagsdiskurs durchzusetzen.“Aus: Plehwe, Dieter; Walpen, Bernhard; Nordmann, Jürgen: Neoliberale Wahrheitspolitik: Neobzw. Rechtsliberale Intellektuellen- und Think-Thank-Netzwerke als Säulen einer hegemonialen KonstellationÜberlegungen zu einem Forschungsprogramm „Historisch-soziale Netzwerkanalyse“ , in: http://www.buena- vista-neoliberal.de/html/texte/wahrpol.pdf (15.04.2003)
Arbeit zitieren:
Mag. Andrea Schikowitz, 2003, Definitionsmacht - Neoliberalisierung der Wissenschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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