Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 4
2 PHYSIOLOGIE DES ALTERNS UND MÖGLICHE STÖRUNGEN 4
2.1 Zu dem Begriff alt und Alter 5
2.2 Demographische Entwicklung in Deutschland 7
3 DER ALTE MENSCH IM KRANKENHAUS 8
3.1 Umgebung Intensivstation 8
4 DAS DELIRIUM UND DIE ÄTIOLOGIE 10
4.1 Ursachen und auslösende Faktoren 11
4.2 Symptome und Verlauf 13
4.3 Diagnose der akuten Verwirrtheit 15
4.4 Die Abgrenzung des Deliriums von Demenz und Depression 17
5 PRÄVENTION UND BEHANDLUNG DES DELIRIUMS 18
5.1 Stellenwert präventiver Maßnahmen 19
6 PFLEGERISCHE INTERVENTIONEN 20
6.1 Beruhigende Anwesenheit und Bezugspflege 21
6.2 Nonverbale Kommunikation und expressive Berührung 22
6.3 Orientierungshilfen und orientierende Pflege 23
6.4 Angehörige und Personal als Erinnerungsvertreter 24
6.5 Angehörige und Besuchszeit 25
6.6 Raumatmosphäre und ungestörte Schlafphasen 26
6.7 Bewegungsübungen und sinngebende Aktivität 26
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6.8 Beachtung der Sicherheit 27
7 DISKUSSION UND AUSBLICK 28
8 LITERATURVERZEICHNIS 31
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1 Einleitung
„Auf der Intensivstation begann mein Verstand, mir einen Streich zu spielen. Der Ge- danke, dass ich im Ausland sei, wurde durch die vielen fremden Namen und die an der Wand befestigten Reiseplakate bestärkt.“ (Pearce 2002, S. 430) Im Delirium oder auch Delir 1 erscheinen Erfahrungen und verklärte Eindrücke eines kritisch kranken Menschen auf der Intensivstation äußerst real (vgl. Hewer 2003, S. A2008 u. Pearce 2002, S. 430).
Die akute Verwirrtheit mit ihren Wahrnehmungsstörungen ist besonders bei älteren und alten Menschen auf der Intensivstation ein ernst zu nehmendes Problem und verlangt medizinische und pflegerische Behandlung und Begleitung.
Intensivpflichtige alte Menschen mit Delirium bilden den Fokus der vorliegenden Hausarbeit. Zunächst werden vor dem Hintergrund der demographischen Entwick- lung die natürlichen Alterungsprozesse von den pathologischen Alterungsprozessen unterschieden. Ein weiteres Kapitel widmet sich den ein Delirium fördernden Einflüs- sen einer Intensivstation auf den alten Menschen. In einem zweiten Teil wird das Phänomen der akuten Verwirrtheit in seiner Häufigkeit, Ätiologie, Symptomausprä- gung, Diagnose und Prognose erläutert.
Im anschließenden dritten Teil werden die aktuellen intensivpflegerischen präventi- ven und korrigierenden Behandlungsmaßnahmen bei akuten Verwirrtheitszuständen dargestellt. Durch die steigende Lebenserwartung wird das Delirium bei älteren Men- schen auf Intensivstationen in Zukunft noch weiter an Bedeutung gewinnen. Deshalb werden abschließend Hinweise für weiterführende Überlegungen in der Behandlung des Delirs gegeben.
2 Physiologie des Alterns und mögliche Störungen
Alle physiologischen Prozesse verändern sich im Zuge des normalen Alterungspro- zesses. Die mit dem Altern verbundenen Veränderungen sind unumkehrbar und be- einflussen die Leistungsfähigkeit des älteren Menschen. Zum natürlichen Alterungs-
1 Diese Begriffe werden im Verlauf synonym mit dem der akuten Verwirrtheit verwendet.
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prozess gehören physiologische und funktionelle Begleiterscheinungen, deren Aus- wirkungen keinen pathologischen Krankheitswert besitzen. Die altersbedingten Ver- änderungen in den Reaktionen auf chemische, funktionelle und physische Faktoren müssen daher gezielt in Pflege- und Behandlungsplänen berücksichtigt werden (vgl. Walker 1994, S. 39 u. S. 44).
„Ein Verständnis all dieser das Alter begleitenden physiologischen Veränderungen ist notwendig, um die Bedürfnisse älterer, lebensbedrohlich erkrankter Menschen richtig einschätzen zu können.“ (Foreman et al. 1994, S. 116)
Diese altersspezifisch physiologischen Veränderungen können jedoch in Phasen von starkem bis lebensbedrohlichem Stress instabil werden und zu erhöhter Morbidität und Mortalität führen. Physiologische und psychische Stressfaktoren können vom alten Menschen nicht mehr wie in früheren Lebensphasen bewältigt oder gar unter- drückt werden (vgl. Walker 1994, S. 44 u. S. 53). Bei ungewohnten sensorischen Stimuli und verändertem Wach-Schlaf- Rhythmus auf der Intensivstation kann es zu einer erhöhten Anfälligkeit für Verwirrtheitszustände kommen (vgl. Walker 1994, S. 43).
Renteln-Kruse bezeichnet diese eingeschränkte Kompensationsfähigkeit bei Men- schen im hohen Lebensalter als „Syndrom der Instabilität“. Er fügt hinzu, dass schon geringe Anlässe 2 genügen können, um das grenzwertig kompensierte homöopathi- sche Gleichgewicht zum Zusammenbruch zu bringen. Durch diese eingeschränkten Kompensationsmechanismen entwickeln alte Menschen eine erhöhte Komplikations- rate bei akuten Ereignissen (vgl. Renteln-Kruse 2004 b, S. 63 f.).
Zur Überwindung dieser Instabilität und zur Vermeidung gesundheitlicher Ver- schlechterung infolge bedrohlicher Erkrankungen benötigen alte Menschen insge- samt mehr Zeit (vgl. Milisen et al. 2004, S. 8).
2.1 Zu dem Begriff „alt“ und „Alter“
Der Verlauf des menschlichen Lebens wird seit der Antike in verschiedene Lebensal- ter und Lebensphasen unterteilt. Bei der Bewertung und Beschreibung von Alter und
2 körperliche und psychosoziale Belastungen, besonders Veränderungen der Medikation
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altern wird eine Kategorisierung verwendet, die sich inzwischen auch als eine norma- tive Altersgrenze etabliert hat (vgl. Malwitz-Schütte 2006).
Es gibt jedoch keine allgemein verbindliche Definition von „Alter“ und keine verbindli- che Alterskategorisierung. Am ehesten wird „alt“ und „Alter“ aus der soziologischen Perspektive mit dem Ausscheiden aus dem Beruf definiert. Dies erfolgt im Durch- schnitt in Deutschland mit rund 60 Jahren und hat sich somit als gebräuchliche Grö- ße zur Beschreibung des Begriffs „Alt“ etabliert. Die WHO hat den Altersbeginn für den Übergang in den Ruhestand mit 65 Jahren festgelegt. Das Altern aus sozialwis- senschaftlicher Perspektive beschreibt Übergänge und keine klaren Zeitpunkte, es ist stark durch die vorherrschende Normierung und Altersklassifizierung der Gesell- schaft bestimmt.
Daneben gibt es auch die biologisch-physiologische Betrachtung des äußeren Er- scheinungsbildes mit den körperlichen Prozessen des Alterns sowie die psychisch- intellektuelle Altersdimension mit den Veränderungen der Persönlichkeitseigenschaf- ten. Altern ist ein individueller Prozess und von persönlichen Wahrnehmungen und wandelbaren gesellschaftlichen Einflussfaktoren bestimmt. Auch der Verlauf des Äl- terwerdens kann differieren und sich sowohl in einem normalen als auch in einem pathologischen Alterungsprozess mit schweren chronischen Krankheiten und körper- lichen und geistigen Einbußen vollziehen (vgl. Langguth 2005, S. 12 f. u. Malwitz- Schütte 2006).
Demnach kann bei allen Versuchen der Kategorisierung nicht von einer Homogenität innerhalb dieser Altersgruppe gesprochen werden, es gibt körperlich und geistig rüs- tige alte Senioren und schwächere ältere und hochbetagte Menschen in einem schlechten Gesundheitsstatus (vgl. Milisen et al. 2004, S. 8 f.). Eine Einigkeit über Altersgrenzen, Altersdefinitionen und Altersbegriffe gibt es nicht. Altersklassifikationen können wie folgt aussehen:
60-75 Jahre: ältere Menschen
-
75-90 Jahre: alte Menschen
-
über 90 Jahre: Hochbetagte
-
über 100 Jahre: Langlebige (vgl. Gericke 2006, S. 18 f.)
-
Wenn in der vorliegenden Hausarbeit von „älteren“ und „alten“ Menschen gespro- chen wird, sind damit die Alterskategorien von 60-75 Jahren und von 75-90 Jahren gemeint. In der Literatur zum Thema der akuten Verwirrtheit findet man besonders
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die Altersbegriffe „ältere“ und „alte“ Menschen. Beim Phänomen der akuten Verwirrt- heit wird nicht explizit auf die Situation der Höchstbetagten und Langlebigen hinge- wiesen.
2.2 Demographische Entwicklung in Deutschland
Die durchschnittliche Lebenserwartung unterliegt einer stetigen Steigerung. Sie lag für Frauen im Jahre 2000 bei durchschnittlich 80,8 Jahren und für Männer bei 74,8 Jahren. Für das Jahr 2050 wird mit einer Lebenserwartung für Frauen von 86,6 Jah- ren gerechnet und für Männer von 81,6 Jahren (vgl. Milisen et al. 2004, S. 4). Mit zunehmendem Alter steigt die Anzahl der chronischen Erkrankungen. Leidet ein Mensch an mehr als einer Erkrankung, so spricht man von Multimorbidität. Es wird auch mit Schwerpunkt auf eine Leiterkrankung von Komorbidität gesprochen (vgl. Renteln-Kruse 2004 a, S. 16).
Die Hypothesen und Prognosen über die demographischen Veränderungen des Le- bensalters und der damit verbundenen Morbidität, Behinderung im Alter und Mortali- tät fallen recht unterschiedlich aus. Die „Expansion-of-morbidity”-Hypothese geht da- von aus, dass es durch die Reduktion der Mortalität zu einer Zunahme an Jahren in Krankheit und Behinderung kommt. Schwer chronisch Kranke werden durch die Fortschritte der Medizin länger überleben (vgl. Renteln-Kruse 2004 a, S. 19 f.). Die „Compression-of-morbidity“-Hypothese erwartet im Gegenteil einen Zugewinn an krankheits- und behinderungsfreien Lebensjahren im Alter durch das spätere Auftre- ten chronischer Erkrankungen und Behinderungen.
Im Spannungsfeld dieser beiden Hypothesen schätzen Experten die Entwicklung des Gesundheitszustands der wachsenden Zahl älterer und hochaltriger Menschen recht unterschiedlich ein. Für Deutschland konnte eine erkennbare Verbesserung des Ge- sundheitszustandes älterer Menschen beobachtet werden, erkennbar am Rückgang der inaktiven Zeit sowie der Überlebenszeit. Trotz der Zunahme chronischer Krank- heiten in späteren Jahren ist Alter nicht mit Krankheit gleich zu setzen. Für Betroffe- ne dieser Gruppe zeichnet sich jedoch in der Zukunft ein steigender Behandlungsbe- darf in der Akutmedizin ab (vgl. Renteln-Kruse 2004 a, S. 19-21).
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MScN Stefanie Monke, 2007, "Auf der Intensivstation begann mein Verstand mir einen Streich zu spielen", Munich, GRIN Publishing GmbH
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