Inhaltsverzeichnis
1 Seele 2
2 Was ist Seele? 2
2.1 Die Seele der Vorzeit und der schriftfreien Kulturen 2
2.2 Die Seele der Ägypter 3
2.3 Die griechische Seele 4
2.4 Die europäische Seele 5
2.5 Die Seele im Judentum und im Islam. 6
3 Resümee 7
Literaturverzeichnis. 9
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1 Seele
Wie oft haben wir dieses Wort schon gehört, in allen möglichen Zusammenhängen und Situationen. Wir benutzen es auch selbst. Wir wissen, was mit Seele gemeint ist, und wissen es doch nicht. Denn obwohl uns der Begriff geläufig ist, wir ihn hören und auch verwenden, haben wir doch keine eindeutige Definition dafür. Jede Kultur, jede Religion, ja sogar jeder Einzelne von uns hat eine andere Vorstellung von Seele. Manche Vorstellungen ähneln sich, manche sind ganz unterschiedlich bis hin zu widersprüchlich. Immer wieder haben Philosophen, Wissenschaftler und andere Personen versucht, den Begriff zu umschreiben, zu erklären. Bei jedem von ihnen war das Ergebnis ein Anderes, bis heute ist nicht geklärt, wer nun die richtige und beste Definition gefunden hat.
Es ist aber faszinierend, dass wir den Begriff trotz dieser unterschiedlichen Deutungen benutzen können. Schließlich basiert funktionierende Kommunikation ja eigentlich darauf, dass Worte, mit denen eine Person kommuniziert, für den Gegenüber die gleiche Bedeutung haben. Nur so können wir uns verständigen, wissen wir, was der Andere meint. Bei Seele scheint das nicht unbedingt notwendig zu sein. Ich kenne keinen Begriff, der uneindeutiger ist, als die Seele. Ich glaube, dass es deshalb funktioniert, weil wir uns darauf geeinigt haben, dass wir uns nicht geeinigt haben. Jede Person, die den Begriff verwendet, weiß, dass sein Gegenüber nicht genau die gleiche Vorstellung hat. Und das wird akzeptiert, weil es auch nicht so wichtig ist. Der Gegenüber muss nicht die gleiche Definition haben, er muss nur ungefähr verstehen, was die andere Person meint, was sie damit sagen will. So ist es möglich, dass der Begriff Seele für jeden Menschen und in jeder Kultur etwas Anderes bedeutet, wir aber trotzdem über sie sprechen können.
2 Was ist Seele?
Um zu zeigen, wie unterschiedlich der Begriff Seele interpretiert werden kann, möchte ich die Vorstellungen einiger Kulturen und Religionen näher beschreiben.
2.1 Die Seele der Vorzeit und der schriftfreien Kulturen
Neandertaler empfanden die Seele „als ausgedehnt, als ein Geist oder ein Schatten mit einem dem jeweiligen Körper ähnlichen Umriss“. (Hinterhuber 2001, S. 5) Sie wurde auch oft als Feuer oder Flamme interpretiert. Für andere wiederum ist der eigene Schatten der Ausdruck der Seele oder der Name des Menschen. Viele Völker benutzten bemalte Kiesel als Seelensteine. Die Kiesel verkörperten die Seelen der Vorfahren. Vielerorts glaubte man daran, dass die Seele nach dem Tod als Vogel den Körper verlässt. In Ägypten, Afrika und
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Mittelamerika war der Vogel als Symbol für die Seele verbreitet. Doch auch andere Tiere, wie Schlange, Eidechse, Fledermaus, Maus, Grille sollen eine ähnliche Funktion gehabt haben. Besondere Bedeutung hatte oft auch der Schmetterling in Zusammenhang mit Seele. Sehr oft findet man bei alten Gräbern und Särgen sogenannte Seelenlöcher, durch die die Seele eines verstorbenen Menschen heraus und auch hinein gelangen konnte. (vgl. ebd. S. 6) Für die Indianer in Nordamerika gibt es „eine ganze Reihe von ´Seelen´ […], die mit einem Menschen verbunden sind, im Körper gebundene, an den Körper gebundene und freie Seelen. Wenn auch die ´Atemseele´ besonderen Rang einnimmt, so wirken doch im Herzen, Kreislauf und Puls und in den Muskelbewegungen weitere Seelen“. (zur Lippe 2002, S. 301) Bei den Bantu in Schwarz-Afrika finden die Seelen der Ahnen in ihren Nachkommen wieder einen Leib. Die Seelen kommen aber auch als solche zu den Lebenden und werden von ihnen auf Altären mit Gaben versorgt. (vgl. ebd. S. 302)
2.2 Die Seele der Ägypter
Die Ägypter waren der Ansicht, dass sich die Seele nach dem Tod einen Ersatzleib sucht, eine Statue oder ein Wandbild, und dass der Tote auch wieder ins Diesseits zurückkehren kann. Die Seele bleibt auch nach dem Tod im Jenseits mit ihrem Körper verbunden. Sie wurde in vier Wesensbilder unterteilt. Die Ka-Seele, die Lebenskraft, war die wichtigste Kraft. Sie ist die Persönlichkeit, das Selbst eines Menschen und wird vom Vater auf den Sohn übertragen Die Ach-Seele hingegen ist auf das Jenseits orientiert. Sie steht für das Unsterbliche im Menschen. Sie wird heute als unsichtbares Wesen, das Einfluss nehmen kann, handlungsfähig ist, gedeutet. Die Ba-Seele wird nach dem Tod zum Vogel, bleibt aber an den Körper gebunden. Sie kann im Diesseits Ausflüge machen und Handlungen ausführen. Sie verbindet Himmel und Erde, Mensch und Gott, weil sie sich an beiden Orten aufhalten kann. Auch der Schatten des Toten kann sich frei bewegen. Weiters hatten der Name und das Herz eine zentrale Bedeutung. Der Name ist Träger des inneren Wesens einer Person, im Herz sitzen alle psychischen Funktionen. Das Gehirn hatte keine Bedeutung. (vgl. Hinterhuber 2001, S. 19)
Rudolf zur Lippe schreibt über die Seelenvorstellungen der Altägypter: „Der Seelenvogel war eine den Lüften zugehörige Verkörperung der menschlichen Belebtheit, die sich auch vom Körper lösen konnte. Wenn sie dies im Tode tat, so fanden sie und der tote Mensch erst nach langen Fahrten durch das Unterirdische wieder zusammen. Ebenso der Schatten des Todes.“ (zur Lippe 2002, S. 297) Er spricht auch von der Psychostasie: Das Herz eines jeden Toten wurde gewogen. War es für die Götter Thot und Anubis zu leicht, wurde es vom Totenfresser gefressen, ansonsten kam es ins Totenreich. (vgl. ebd. S. 297)
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Arbeit zitieren:
Sigrid Lang, 2006, Was ist Seele?, München, GRIN Verlag GmbH
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