Gliederung
1 Einleitung
2 Wegbereiter konstruktivistischer Erkenntnistheorie
2.1 Immanuel Kant ( 1724 1804)
2.2 Ernst von Glasersfeld ( 1917)
2.3 William James ( 1842 1910)
2.4 Jean Piaget ( 1896 1980)
3 Der Konstruktivismus als ein interdisziplinäres Konstrukt
3.1 Neurobiologie
3.2 Kognitionswissenschaft
3.3 Systemtheorie
3.4 Kernaussage konstruktivistischer Erkenntnistheorie
4 Konsequenzen für die Pädagogik
4.1 Konstruktivistisches Lernen und Lehren
4.2 Konsequenzen für die Pädagogik der frühen Kindheit
5 Schlussbemerkung
Literaturverzeichnis
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1 Einleitung
Der Konstruktivismus ist eine vieldiskutierte Basistheorie. Die erkenntnistheoretische Kernthese lautet, dass die Welt nicht von uns gefunden, sondern erfunden wird. Wir erkennen die externe Wahrheit Welt nicht, wie sie wirklich ist, sondern konstruieren mit anderen eigene Wirklichkeiten, die ein viables Handeln ermöglichen. Die Erkenntnis einer absoluten Wahrheit ist deshalb nicht möglich. Lernen gilt als selbstgesteuerte, biographisch geprägte Aktivität, die zwar von außen angeregt, nicht aber organisiert werden kann. Die vorliegende Arbeit erläutert die Grundlagen des Konstruktivismus und die Relevanz für die Pädagogik. Zunächst werden einige Vorreiter der konstruktivistischen Erkenntnistheorie behandelt. Danach werden Theorien aus der Neurobiologie, Kognitionswissenschaft, Systemtheorie, sowie die Kernaussagen der konstruktivistischer Erkenntnistheorie vorgestellt. Daraufhin folgen Konsequenzen für die Pädagogik. Dabei wird erörtert wie konstruktivistisches Lernen und Denken stattfindet und wie die konstruktivistische Erkenntnistheorie in die pädagogische Praxis der frühen Kindheit eingebunden werden kann. Die Arbeit endet mit einer Schlussbemerkung.
2 Wegbereiter konstruktivistischer Erkenntnistheorie 2.1 Immanuel Kant (*1724; † 1804)
Kants probiert den jahrhundertealten erkenntnistheoretischen Streit zwischen Rationalismus und dem Empirismus zu schlichten. Während der Rationalismus davon ausgeht, dass das rationale Denken die Welt erkennt, geht der Empirismus von einer sinnlichen Wahrnehmung der Welt aus. Hier führt die Erfahrung zur Erkenntnis. Auch die neuzeitliche naturwissenschaftliche Forschung beruht vor allem auf empirischem Wissen. Kant geht davon aus, dass selbst die Naturwissenschaft die Welt nicht objektiv erkennen kann. So gibt der Mensch der Natur eine Ordnung, ohne überhaupt zu wissen, ob dies auch die Ordnung der Natur ist. Die Fragen der Forscher vorverurteilen somit die Antworten der „Versuchspersonen“. „Wie sehen nur das, was wir sehen“ würde es aus konstruktivistischer Sicht heißen. Kant bezeichnet diese selbstreferentielle Art des Erkennens als Konstruktion. Die Erscheinungen sind so wie wir sie sehen, nicht aber wie sie an sich sind. Anhand
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empirischer Anschauungen verschaffen wir uns Vorstellungen der Erscheinungswelten. Durch unseren Verstand werden unsere Wahrnehmungen erklärt und geordnet. Mittels unserer Vernunft können wir die Grenzen unserer Welterkenntnis ermessen. Die außersubjektive Welt selber bleibt uns jedoch unbekannt. Die Realität ist uns kognitiv nicht zugänglich. (vgl. Siebert 1996, 11)
2.1 Ernst von Glasersfeld (*1917)
Das zentrales Postulat des radikalen Konstruktivismus besagt, dass eine objektive Erkenntnis nicht möglich ist, da all unser Wissen über die Realität konstruiert ist. Der Begriff des „radikalen Konstruktivismus“ ist vor allem geprägt durch Ernst von Glasersfeld. Er interpretiert radikal die erkenntnistheoretischen Arbeiten von Jean Piaget. Dabei kommt er zum Ergebnis, dass für den Aufbau von Wissen keine Realität erkannt werden muss. Menschliches Denken orientiert sich seiner Ansicht nach nicht am Kriterium der Wahrheit, sondern der Viabilität.
Eine Erkenntnis muss viabel sein, d.h. sie muss „passen“, „funktionieren“, sich in der Lebenspraxis bewähren, „wegweisend“ sein (via = weg). (Siebert 1996, 16) Dinge, Zustände, Verhältnisse, Begriffe, Regeln, Theorie, Ansichten und letzten Endes unser Weltbild werden aus den Elementen unserer Sinneswahrnehmung und des Denkens zusammengestellt. Dabei sind sie so beschaffen, dass sie im weiterem Fluss unserer Erlebnisse brauchbar zu bleiben versprechen. (vgl. Glasersfeld in Gumin, Meier 1998, 30) Wissen gilt als viabel, solange den Lebewesen dient. Dabei ist bedeutungslos, ob und wie das Wissen einer oder der Realität entspricht. Mit dieser Position knüpft Glaserfeld an die Tradition des amerikanischen Pragmatismus an. (vgl. Siebert 1996, 16)
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2.3 William James (*1842; † 1910)
William James ist ein Vertreter pragmatischer Erkenntnistheorie. Er geht davon aus, dass Denken eine interessengeleitete, handlungsorientierte Aktivität ist. So müssen Theorien brauchbar sein und Handlungskonsequenzen beinhalten. Eine Aussage über Gott ist in dem Falle dann „wahr“, wenn sie z.B. Trost spendet. Theorien sind kein Selbstzweck, sondern Werkzeuge zur pragmatischen Problemlösung. (Siebert 1996, 17)
Williams kritisiert, dass sich viele anspruchsvolle Begriffe nur als Leerformeln und Worthülsen erweisen, jedoch keine praktischen Konsequenzen besitzen. Die Intention der Pragmatisten ist es, die Welt zu verändern und nicht zu erkennen wie sie wirklich ist. Wahrheit ist nach James subjektiv und relativ. So lässt sich eine neue Meinung dann als wahr annehmen, wenn das neue dieser Erfahrung mit den alten Überzeugungen Übereinstimmung finden kann. (vgl. Siebert 1996, 16-18)
2.4 Jean Piaget (*1896; † 1980)
Viele Konstruktivisten berufen sich auf die Forschungen Jean Piagets. Nach ihm ist Kognition keine Abbildung, sondern eine Konstruktion von Wirklichkeit. Diese Erkenntnis ist instrumental, d.h. wie bei James auf viable Operationen ausgerichtet. Kognition ist keine rezeptive Abbildung und Widerspiegelung äußerer Realität, sondern eine konstruktive Aneignung. Kognition ist zum größten Teil rekursiv. Grundlegend ist für Piaget der Zusammenhang zwischen Handeln und Denken. So produziert das Handeln des Subjekts mit Gegenständen sowohl Erkenntnis aus auch aufgrund entstehender Denkstrukturen neue Möglichkeiten des Handelns. Außerdem unterscheidet Piaget zwischen Akkomodation und Assimilation, welche in der Entwicklung zusammenspielen. Bei der Akkomodation wird das Schema dem Gegenstand oder der Situation angepasst. Die sensomotorischen und kognitiven Schemata werden an die veränderten äußeren Bedingungen angepasst. Das Handeln und Denken wird also den Anforderungen der Umwelt angepasst. So passt sich das Saugschema das Babys z.B. an verschieden geformte Nippel oder an einen Finger an. Komplementär zur
Arbeit zitieren:
Sarah Werner, 2005, Die konstruktivistische Erkenntnistheorie, München, GRIN Verlag GmbH
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