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Inhaltsverzeichnis Seite
Einleitung 3
1. Defizitäre Ausgangslage: Das deutsche Bildungssystem
im Vergleich mit anderen Ländern 6
1.1 Bildungsausgaben 7
1.2 Einfluss der sozialen ökonomischen und kulturellen Herkunft 10
1.3 Lebenslanges Lernen 13
2. Der Demographische Wandel als Herausforderung 14
2.1 Regionale bundesweite und internationale Entwicklungen 14
2.1.1 Geburtenrückgang (Fertilität) 15
2.1.2 Wachsende kulturelle Heterogenität (Migration) 17
2.1.3 Steigende Lebenserwartung (Mortalität) 19
2.2 Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt 21
2.2.1 Veränderungen auf der Angebotsseite 21
2.2.2 Veränderungen auf der Nachfrageseite 23
3. Auswirkungen auf die berufliche Weiterbildung und damit
verbundene Anforderungen 26
3.1 Die alternde Erwerbsbevölkerung: Strategien und Maßnahmen
zum Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer 27
3.1.1 Lernförderliche Arbeitsgestaltung zur Vermeidung
von Dequalifizierungsprozessen 32
3.1.2 Altersgemischte Teams um Intergenerativen
Qualifikationsniveau-Unterschieden zu begegnen 34
3.1.3 Alternsgerechte Laufbahngestaltung als Reaktion
auf den altersspezifischen Leistungswandel 36
3.2 Der zunehmende Fachkräftemangel: Inklusion alternativer
Zielgruppen 41
3.2.1 Junge Erwachsene 41
3.2.2 Berufsrückkehrerinnen (nach Erziehungszeit) 42
3.2.3 Migranten 43
Abschließende Bemerkungen 46
Abbildungsverzeichnis 48
Literaturverzeichnis 49
3
Einleitung
Seit über 30 Jahren liegt in Deutschland – inzwischen auch in vielen Ländern der
EU und Japan – die Sterberate höher als die Geburtenrate. 1 Dies führt zu zwei
zentralen Strukturveränderungen der Bevölkerungsentwicklung: erstens zu einer
Schrumpfung der Bevölkerung mit starker regionaler Differenzierung 2 und zweitens
– aufgrund der verlängerten Lebensdauer 3 – zu einer Verschiebung der
Altersstruktur mit einer deutlichen Zunahme der Älteren. 4
Diese Entwicklung – der demografische Wandel – wird fatale Auswirkungen auf
den Sozialstaat und den Innovationsstandort Deutschland haben, sofern Politik
und Gesellschaft ihm nicht die angemessene Aufmerksamkeit schenken bzw. eine
hohe Handlungs- und Veränderungsbereitschaft erkennen lassen. Zahlreiche
Arbeitsgruppen 5 , Publikationen 6 und die Tagespresse 7 beschäftigen sich deshalb
verstärkt, seit Anfang des neuen Jahrtausends, im Kern mit der Frage: Wie können
die Folgen der demographischen Entwicklung beherrscht werden? Die
Problemlösungen und mögliche Zukunftsszenarios werden zum Teil äußerst
kontrovers diskutiert. Die Spannweite reicht von übertriebener Angstmacherei und
destruktiven Untergangsvisionen über die Annahme der demographischen
1 „In den alten Bundesländern liegt die Zahl der Sterbefälle seit 1972 permanent über der Zahl der
Geburten, in den neuen seit 1969.“ Birg, 2007a, S. 3.
2 Eine aktuelle Studie des Berliner Instituts für Bevölkerung und Entwicklung (August 2008) sieht
Ostdeutschland als demographisches Krisengebiet, während Regionen wie Oberbayern und Freiburg weiter wachsen. In der demographischen Zukunft von Europa fällt Deutschland als am deutlichsten in Gewinner- und Verliererregionen gespaltenes Land auf.
3 Allein zwischen 1991 und 2004 stieg die prognostizierte Lebenserwartung für neugeborene
Jungen von 72 auf 77 Jahre und für neugeborene Mädchen von 79 auf 82 Jahre. Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, S. 46.
4 Vgl. Hauptausschuss Fort- und Weiterbildung der KMK, S. 2 oder IWH, S. 9.
5 Zum Beispiel richtete der Deutsche Bundestag 1992 eine Enquête-Kommission „Demographischer Wandel – Herausforderungen unserer älter werdenden Gesellschaft an den Einzelnen und an die Politik“ ein. Die überfraktionelle Arbeitsgruppe war 10 Jahre aktiv und legte
2002 ihren Abschlussbericht vor: http://dip.bundestag.de/btd/14/088/1408800.pdf
6 Bezogen auf das Thema dieser Arbeit, findet sich eine Auswahlbibliografie unter: http://www.kibb.de/cps/rde/xbcr/kibb/a1bud_auswahlbibliographie-demografischer-wandel.pdf
7 Die Vielzahl der Artikel zeugen vom öffentlichen Interesse und der Vielschichtigkeit des Themas.
Beispielsweise titelt Die Zeit am 14.10.2004 „Mehr Wohlstand für alle – die Deutschen werden weniger“ oder am 29.05.2008 Die Welt: „Hurra, die Alten kommen!“ Eine weiterführende und umfangreiche Linkliste findet sich unter: http://www.demotrans.de/de/frames_index.html
4
Herausforderung und das Entwerfen von Lösungsstrategien bis hin zur Verharmlosung des Demographischen Effekts.
„Im Land der Greise“ titelt die Süddeutsche Zeitung am 15. November 2002 und dokumentiert unter anderem die Einschätzung des bekannten
Bevölkerungswissenschaftlers Herwig Birg zur Entwicklung der Rente: „Um 2050 noch das heutige Rentenniveau von 64 Prozent zu erreichen, müsste […] der Beitragssatz zur Rentenversicherung auf 42 Prozent steigen. Bei einem konstanten Beitragssatz von 20 Prozent würde das Rentenniveau auf 30 Prozent sinken.“ Weiter heißt es: „Spätestens dann kann das vor knapp 150 Jahren eingeführte Rentensystem, das auf Solidarität und Generationenvertrag beruht, nicht mehr funktionieren.“ 8 Auch der Physiker, promovierte Philosoph und
Zukunftsforscher Karlheinz Steinmüller beschreibt an gleicher Stelle ein heraufziehendes Katastrophenszenario: „Arbeitnehmer weigern sich, weiter in die Rentenversicherung einzuzahlen; die Altersversorgung muss abrupt drastisch gekürzt werden, ohne dass die Rentner darauf vorbereitet sind; vor allem im Alter tut sich eine große Kluft zwischen Arm und Reich auf; die Wirtschaftskraft Deutschlands leidet unter der schwindenden Kaufkraft der immer weiter schrumpfenden Bevölkerung.“ 9 Axel Börsch-Supan, Direktor des Mannheimer
Forschungsinstituts für Ökonomie und demographischen Wandel, sieht der Zukunft gelassener entgegen: „Der Grund für die momentane Stagnation sei allein die schlechte Konjunktur – sie ist belastender als alles andere. Das Rentensystem könne mit einer geringeren Bevölkerungszahl durchaus zurechtkommen, das eigentliche Problem sei das vorübergehende Ungleichgewicht zwischen unterschiedlich starken Geburtenjahrgängen – doch das geht vorüber.“ 10
Sieht man einmal von der unterschiedlichen Bewertung der Demographie-Experten ab, dann ist eines unstrittig: Die niedrigen Geburtenraten und die gleichzeitige Steigerung der Lebensdauer werden Konsequenzen von enormer Tragweite mit sich bringen – nicht nur für das soziale Sicherungssystem, sondern u. a. auch für
8 Baier, S. 2.
9 Ebd.
10 Schwentker, Teil 1.
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das Gesundheitswesen, die Städte- und Verkehrsplanung und den Wohnungsmarkt. So schreibt Frank-Walter Steinmeier, damals noch Chef des Kanzleramtes, am 23. Mai 2001 in der Tageszeitung Die Welt: „Wenn nicht alles täuscht, werden Rückgang und Alterung der Bevölkerung in Zukunft zur wohl wichtigsten gesellschaftlichen und politischen Herausforderung werden“ 11 . Die Bewältigung dieser schwierigen Mission erfordert ein Umdenken, das Aufbrechen althergebrachter Strukturen und den Mut neue Wege zu gehen, auch und vor allem in Sachen Bildung. 12
Denn der lebenslangen Bildung von Menschen wird eine Schlüsselrolle zugeschrieben, wenn es darum geht, die durch die demographische Entwicklung veränderten gesellschaftlichen Verhältnisse zu beherrschen. 13 Welchen Beitrag kann also Bildung leisten, wenn es darum geht, die Beschäftigungsfähigkeit der alternden Bevölkerung zu erhalten und damit den Wirtschaftsstandort Deutschland zu stärken und wettbewerbsfähig zu halten?
Die vorliegende Arbeit versucht dieser Frage ansatzweise nachzugehen und zu klären, welche Anforderungen und Aufgaben speziell der betrieblichen Weiterbildung durch den Demographischen Wandel entstehen. Ausgangspunkt ist dabei ein kurzer Überblick der Schwachstellen unseres Bildungssystems bezogen auf die Ansprüche, die sich aus dem Ziel der Stärkung gesellschaftlicher Teilhabe ergeben. Dieses erste Kapitel soll veranschaulichen, dass das deutsche Bildungssystem im internationalen Vergleich nur mittelmäßig abschneidet und die Folgen des Demographischen Wandels nicht ohne Weiteres auffangen kann. In einem zweiten Kapitel werden regionale, nationale und internationale demografische Trends (quantitativ) aufgezeigt und ihre Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt (qualitativ) kurz erläutert.
11 Steinmeier, S. 5.
12 Vgl. auch Abschlussbericht Enquête-Kommission, S. 13.
13 Vgl. Enquête-Kommission und Köhler, S. 2: „Es bedeutet aber auch, dass Weiterbildung und lebenslanges Lernen immer wichtiger werden, […] für die Leistungsfähigkeit unseres ganzen Gemeinwesens.“ oder Köhler, S. 3: „Gute Bildung – man kann es nicht oft genug sagen – ist eine existentielle Voraussetzung für eine gelingende Integration“. Anmerkung des Verfassers: Bezogen auf das zweite Zitat von Köhler ergibt sich die Schlüsselrolle der Bildung aus der Tatsache, dass unsere Gesellschaft durch den demographischen Wandel nicht nur immer älter, sondern auch immer multinationaler wird.
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Ausgehend von einem mangelhaften Bildungssystem (Kapitel 1) und dem Demographischen Wandel (Kapitel 2) als Verstärker dieser Defizite sollen dann die daraus erwachsenden Anforderungen an den Quartärbereich und hier insbesondere an die berufliche Weiterbildung skizziert werden (Kapitel 3).
1. Defizitäre Ausgangslage: Das deutsche Bildungssystem im Vergleich mit
anderen Ländern
Leistungsstark und gerecht sei das Bildungswesen in Bayern und es werde bald noch besser sein, verkündet Kultusminister Siegfried Schneider anlässlich einer Regierungserklärung im Juli 2008. Schneider will mehr Lehrer einstellen, die Klassengrößen reduzieren, die Zahl der Schulabbrecher senken, schwächere Schüler besser fördern, begabte Schüler besonders fordern und die Ganztagsschulen weiter ausbauen. 14 Im Interesse der Schülerinnen und Schüler
ist diese offensiv angekündigte Bildungspolitik zu begrüßen – sofern es sich nicht nur im Vorfeld der anstehenden Landtagswahl um die übliche Wahlkampfpolemik handelt. Denn laut Opposition ist die Situation im Bildungsland Bayern gravierend schlechter als von Schneider dargestellt. Seine Regierungserklärung trage autistische Züge, weil sie schulpolitische Realitäten ausblende, äußert sich SPD-Fraktionschef Franz Maget. 15 Die Grünen-Bildungsexpertin Simone Tolle wirft
Schneider Schönrederei vor: "Sie rudern auf einen Wasserfall zu und versuchen nun alles, um dem Absturz noch zu entgehen". 16
Solche und ähnliche Debatten werden nicht nur in Bayern, sondern überall in Deutschland geführt. Aber wie ist es denn nun tatsächlich um das deutsche Bildungssystem bestellt? Eine Antwort hierauf bieten u. a. internationale Vergleichsstudien der OECD 17 wie die Schulleistungsuntersuchung „PISA“ oder
„Bildung auf einen Blick“. Anhand von drei – im Hinblick auf das Thema dieser
14 Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus, Pressmitteilung Nr. 188 vom
03.07.2008.
15 Bayerischer Rundfunk Online, Sendung: Bayernmagazin vom 03.07.2008.
16 Süddeutsche Online, Artikel vom 03.07.2008.
17 OECD: Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Eine Organisation der Industriestaaten, in der Deutschland seit 1961 Mitglied ist.
7
Arbeit – gewählten Schwerpunkte soll im Folgenden das deutsche Bildungssystem kurz analysiert werden.
1.1 Bildungsausgaben Welchen Stellenwert Bildung in einer Gesellschaft einnimmt, lässt sich durchaus anhand des Verhältnisses von Bildungsausgaben und dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) beschreiben. Aus wissenschaftlicher Perspektive hat ein solcher Quotient sicher nur vorläufige Erklärungskraft, aber er bietet die Möglichkeit, Entwicklungen aufzuzeigen und Vergleiche mit anderen Staaten anzustellen.
Nationale Entwicklungen:
Auskunft über die gesamten öffentlichen und privaten Bildungsaufwendungen gibt die Gruppe VI B „Bildung, Forschung und Entwicklung, Kultur, Rechtspflege“ des Statistischen Bundesamtes in ihrer jährlich erscheinenden Veröffentlichung zum Bildungsbudget. Demzufolge wuchsen die Ausgaben für Bildung in Deutschland nur langsam und unproportional zur wirtschaftlichen Entwicklung. Im Jahr 2005 wurden zwar annähernd 13 Milliarden Euro mehr für Bildung investiert als noch 1995, allerdings ist der Anteil der Bildungsausgaben am BIP in diesem Zeitraum von 6,9% auf 6,3% gesunken. 18 Infolge des Wirtschaftswachstums sank der Anteil
der Ausgaben am BIP weiter und betrug 2006 nur noch 6,2% (vgl. Abbildung 1).
18 Vgl. Statistisches Bundesamt, 2008, S. 5f und Autorengruppe Bildungsberichterstattung, S. 30.
Abbildung 1: Das Bildungsbudget für die Jahre 2005 und 2006 19
Entwicklung im internationalen Vergleich:
Die aktuellsten, international vergleichbaren Zahlen finden sich in der OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“ aus dem Jahr 2007. Zwischen dem soeben zitierten nationalen Berichtssystem des Statistischen Bundesamtes und dem der OECD gibt es Unterschiede 20 , die sich im zahlenmäßigen Ergebnis zwar
ausdrücken (der Anteil der Bildungsausgaben am BIP differiert um mehr als 1%), aber inhaltlich den Trend bestätigen: Deutschland gibt 2004 mit einem BIP-Anteil von 5,2% weniger für Bildung aus als ein Großteil der anderen OECD-Mitgliedsstaaten (vgl. Abbildung 2). Unter Berücksichtigung der demographischen Entwicklung – in Deutschland leben signifikant weniger 5 bis 30-Jährige als in
19 Statistisches Bundesamt, 2008, S. 6.
20 Die OECD bezieht im Unterschied zum nationalen Bildungsbudget keine Kosten für Weiterbildung, Jugendarbeit, Horte etc. mit ein. Dafür berücksichtigt das Bildungsbudget der OECD die Forschungsausgaben der Hochschulen des jeweiligen Industrielandes.
9
anderen OECD-Staaten – verringert sich der scheinbar drastische Rückstand auf vergleichbar entwickelte Länder wie Schweden (6,7%) oder Dänemark (7,2%). 21
(1) Referenzjahre 2005 und 1995 (2) Nur mit Mitteln aus öffentlichen Quellen finanzierte Ausgaben. Anordnung der Länder in absteigender Reihenfolge der mit Mitteln aus öffentlichen und privaten Quellen finanzierten Gesamtausgaben für Bildungseinrichtungen in 2004.
Abbildung 2: Ausgaben für Bildungseinrichtungen aller Bildungsbereiche als Prozentsatz des BIP 22
Trotzdem stellt sich in Anbetracht dieser Zahlen und der beispielsweise nur durchschnittlichen Leistungen bei PISA die Frage: Investiert Deutschland zu wenig Geld in Bildung? Eine Antwort ist nicht so einfach, wie es scheint. Gerade im Hinblick auf die Neuverschuldung bliebe eine Erhöhung der Bildungsausgaben nicht ohne Konsequenzen für die nächste Generation. Fest steht: Pädagogische Ziele lassen sich nicht allein durch den Einsatz von Finanzmitteln erreichen. 23 Um
letztlich einen effizienten und effektiven Einsatz der Mittel zu gewährleisten, ist der Dialog zwischen Ökonomie und Erziehungswissenschaft unentbehrlich. 24
21 Vgl. Autorengruppe Bildungsberichterstattung, S. 34.
22 OECD, 2007, S. 194.
23 Tschechien und Korea erreichen in der PISA-Studie mit geringerem finanziellem Einsatz die besseren Resultate.
24 Vgl. Böttcher/Weißhaupt, S. 10ff.
10
Im Rahmen der Entscheidungsfindung, wie hoch das Bildungsbudget im nächsten Haushaltsjahr sein soll, spielt natürlich auch der internationale Wettbewerb eine wichtige Rolle. Orientierungshilfen bieten hierbei die genannten Studien der OECD. Ein Interview in Der Zeit mit Manfred Prenzel, dem Leiter der deutschen PISA-Studie, ist ein Beleg dafür, dass Deutschland hohe Erwartungen und Ansprüche mit seiner Teilnahme verbindet. Vorbildern wie dem finnischen Bildungssystem (Finnland lag bei PISA 2006 klar vorne!) soll nachgeeifert werden 25 – dies geht aber nicht ohne finanzielle Mehraufwendungen für deutsche Bildungseinrichtungen!
Der demographische Wandel nimmt in diesem Zusammenhang einen indirekten Einfluss auf die Bildung, denn durch das Schrumpfen und das Altern der Bevölkerung gerät das Verhältnis von sozialversicherungspflichtigen Tätigkeiten und Rentenberechtigten in eine Schieflage – weniger Einzahler bedeuten weniger Einnahmen für die öffentlichen Kassen und damit einher geht ein begrenzter Spielraum für das Bildungsbudget. Eine fortschrittlichere Finanz- und Steuerpolitik könnte demnach einen entscheidenden Beitrag leisten, um die monetären und nichtmonetären Kennzahlen im Bildungssystem zu verbessern. Dadurch würden günstigere Lernbedingungen geschaffen, die sich wiederum auf den Lernerfolg auswirken sollten.
1.2 Einfluss der sozialen, ökonomischen und kulturellen Herkunft Der soziale, ökonomische und kulturelle Hintergrund des Elternhauses wirkt sich vor allem in Deutschland in erheblichem Maße auf die Bildungschancen aus. Dieser Umstand soll an zwei Beispielen veranschaulicht werden: 1. Die Wahrscheinlichkeit, ein Studium aufzunehmen, ist für Kinder von Akademikern fast viermal höher als für Kinder, deren Eltern keinen Hochschulabschluss besitzen (vgl. Abbildung 3).
25 Die Zeit Online, Artikel vom 07.12.2007.
Abbildung 3: Bildungstrichter 2005 – schematische Darstellung sozialer Selektion –
26 Bildungsbeteiligung von Kindern nach akademischem Abschluss des Vaters in %
2. Disparitäten zwischen Jugendlichen ohne und Jugendlichen mit Migrationshintergrund wurden wiederholt durch die PISA-Studien belegt. In den Kompetenzbereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften schneiden Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund deutlich schlechter ab, als Schülerinnen und Schüler, deren Eltern in Deutschland geboren sind. Auffällig ist das geringe Kompetenzniveau der Zweiten Generation – also Kinder, deren Eltern zugewandert sind, die selbst aber in Deutschland geboren wurden – im Vergleich zu anderen Migrantengruppen. Ihr Leistungsrückstand hat sich seit 2000 über den Erhebungszeitraum 2003 bis 2006 sogar noch vergrößert (vgl. Abbildung 4) – ein Indiz dafür, dass die von der KMK nach PISA 2000 beschlossenen Maßnahmen 27
nicht greifen.
26 BMBF, 2007a, S. 16.
27 KMK, Pressemitteilung vom 06.12.2004.
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Andreas Kirchner, 2008, Anforderungen an die berufliche Weiterbildung durch den Demographischen Wandel, Munich, GRIN Publishing GmbH
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