Gliederung
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1 Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Gang der Arbeit 3
2 Kultur 3
2.1 Begriffliche Herleitung und Erläuterungen 3
2.2 Kulturtheorien 8
3 Das Kulturmodell nach Geert Hofstede 9
3.1 Machtdistanz 10
3.2 Unsicherheitsvermeidung 15
3.3 Individualismus versus Kollektivismus 21
3.4 Femininität versus Maskulinität 25
3.5 Lang- oder kurzfristige Ausrichtung 31
4 Bedeutung von Interkulturalität für Lehren und Lernen 36
4.1 Interkulturelle Kompetenz 37
4.2 Bedeutung von Hofstedes Modell für Lehren und Lernen 38
5 Kritik und Würdigung der Arbeit von Hofstede 39
6 Fazit 40
Literaturverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Drei Ebenen der Einzigartigkeit in der mentalen 5
Programmierung des Menschen
Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Hauptunterschiede zwischen Gesellschaften mit schwacher und starker Unsicherheitsvermeidung 20 Tabelle 2: Hauptunterschiede zwischen kollektivistischen und 25
individualistischen Gesellschaften Tabelle 3: Maskulinität versus Femininität 27 Tabelle 4: Maskulinität und Femininität in Bezug auf Lehren 30 und Lernen
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
Lehrkräfte an Berufsbildenden Schulen unterrichten heute meist Klassen, in denen eine Vielfalt von unterschiedlichen Nationalitäten, Kulturen und Religionen vertreten ist. Der Anteil von Jugendlichen mit Migrationshin-tergrund, d.h. ausländischer Herkunft, beträgt an Berufsbildenden Schulen vielerorts schon über 40% (vgl. Over & Mienert 2006, S. 47). Neben dem allseits bekannten Problem der Sprachbarriere führen vor allem auch unterschiedliche kulturelle Ansichten und Prägungen zu Missverständnissen, Meinungsverschiedenheiten oder gar handfesten Konflikten. Ein jeder Mensch trägt in seinem Innern diverse kulturelle Muster des Denkens, Fühlens und potentiellen Handelns, die er ein Leben lang erlernt hat. Ein Großteil davon wurde in der frühen Kindheit erworben (vgl. Hofstede 2006, S. 2). Treffen an einem Ort wie der Berufsschule zahlreiche kulturbedingt unterschiedliche Prägungen aufeinander, sowohl unter den Schülern 1 als auch in der Schüler-Lehrer-Beziehung, bringt dies oftmals Probleme mit sich. Daher werden Wege und Lösungen gebraucht, diese Unstimmigkeiten und Disharmonien zu bewältigen. Sowohl die Lehrkräfte als auch die heranwachsenden Schüler, die kurz vor dem Eintritt ins Arbeitsleben stehen, müssen sich, um im Arbeits- und im Schulalltag langfristig bestehen zu können, mit den zahlreichen verschiedenen Kulturen auseinandersetzen. Auch die Globalisierung, das Internet und die damit zunehmende internationale Verflechtung von Wirtschaft, Politik, Umwelt und Kommunikation sind hierfür ausschlaggebend. Für die Unternehmen, in denen die Schüler ihre Ausbildung absolvieren bzw. absolvieren werden, spielt hierbei nicht nur die Konkurrenzsituation eine Rolle; auch weitere Faktoren wie Arbeitskräfte mit Migrationshintergrund, Fusionen, Import und Export, der Wirtschaftsboom im Ausland (vor allem in Fernost), Verlagerung der Produktionsstätten, etc. zwingen alle Beteiligten, sich mit kulturellen Unterschieden zu befassen. Reibungslose Handlungs- und Kommunikationsabläufe, so-
1 Imweiteren Verlauf wird aus Gründen der Übersichtlichkeit auf das generische Femini-
num verzichtet und nur das Maskulinum verwendet.
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wohl inner- als auch außerhalb des Betriebes, sind zu gewährleisten, um langfristig am Markt bestehen zu können. Daher ist es sowohl für Berufsschüler als auch für Lehrende im Bereich der Wirtschaftspädagogik wichtig, kulturellbedingt andere Handlungs- und Sichtweisen zu erkennen und darüber hinaus in der Lage zu sein, diese auch tolerieren und akzeptieren zu können. Diese Fähigkeit wird auch als Interkulturelle Kompetenz bezeichnet. Die Interkulturelle Kompetenz umfasst Wissen, Einstellungen, Fähigkeiten und Verhaltensweisen, die zu einer angemessenen und erfolgreichen Kommunikation und Interaktion zwischen Mitgliedern verschiedener Kulturen führen. Erst die Bewusstheit der kulturellen Bedingtheit des eigenen Erlebens und Verhaltens, d.h. der eigenen kulturellen, herkunftsbedingten Prägung, ermöglicht die Wahrnehmung der Unterschiedlichkeiten (vgl. Over & Mienert 2006, S. 48). Zur Untersuchung dieser weltweiten kulturellen Unterschiede gibt es zahlreiche Studien, Modelle und Forschungen. Eine der bekanntesten Forschungen im Bereich der Kulturwissenschaften ist die des niederländischen Kulturwissenschaftlers Geert Hofstede. Er führte die bislang umfangreichste und am häufigsten zitierte Untersuchung zum interkulturellen Management in einem multinationalen Konzern, dem Computerhardware- und Softwarehersteller IBM, durch. Dazu befragte er rund 116.000 Mitarbeiter in 40 Ländern in einer Längsschnittuntersuchung (zwei Befragungen in vier Jahren) zu ihren arbeitsbezogenen Wertvorstellungen (vgl. Podsiadlowski 2004, S. 10 ff.). Das Ergebnis fasste er in fünf Kulturdimensionen zusammen und lieferte viele Erkenntnisse über zahlreiche Bereiche des menschlichen Zusammenlebens. Diese Bachelorarbeit soll die Bedeutung des Kulturmodells von Hofstede für berufliches Lehren und Lernen untersuchen. Es stellt sich die Frage: Kann man das Konzept der Kulturdimensionen von Hofstede verwenden, um daraus Erkenntnisse für dem Bereich Lehren und Lernen zu ziehen? Diese Frage soll im Laufe der Arbeit beantwortet werden.
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1.2 Gang der Arbeit
Diese Bachelorarbeit soll das Modell von Geert Hofstede begreiflich machen und seine Bedeutung für Lehren und Lernen im Unterricht an Berufsbildenden Schulen aufzeigen. Im zweiten Kapitel soll der Kulturbegriff und die Kulturtheorie näher erläutert werden. Dabei sollen noch kurz weitere Kulturtheorien neben der von Hofstede vorgestellt werden. Kapitel drei be-handelt daraufhin das Kulturmodell nach Hofstede. Dabei soll auf jede Dimension einzeln eingegangen werden und jeweils ein Zusammenhang zwischen den verschiedenen kulturellen Erscheinungen und dem Lehren und Lernen an Berufsbildenden Schulen hergestellt werden. Im Anschluss daran wird im vierten Kapitel noch einmal ausführlich auf interkulturelle Kompetenz und interkulturelle Kommunikation eingegangen und die Bedeutung des gesamten Kulturmodells von Hofstede für Lehren und Lernen beschrieben. Nachdem im fünften Kapitel das Modell kurz kritisch betrachtet werden soll, wird abschließend im sechsten und abschließenden Kapitel ein Fazit gezogen.
2. Die Kultur
2.1 Begriffliche Herleitung und Erläuterungen
Die Kulturwissenschaften befassen sich mit Kultur als den Inbegriff aller menschlichen Arbeit und Lebensformen, einschließlich naturwissenschaftlicher Entwicklungen, und beschreiben, analysieren, deuten und erklären dadurch die kulturelle Form der Welt (vgl. Frühwald et al. 1991, S. 10). Das Wort Kultur enthält die lateinischen Wurzeln der Wörter colere, cultus, cul-tor, cultura, colonia, etc. Übersetzt sind damit Einrichtungen, Handlungen, Prozesse und symbolischen Formen gemeint, welche mithilfe von planmäßigen Techniken die bestehende Natur in einen sozialen Lebensraum trans-formiert, diesen erhält und fortlaufend verbessert (vgl. Böhme 2001, S. 1 f.). Die dazu erforderlichen Fertigkeiten (Kulturtechniken, Wissen) werden
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hochgehalten, gepflegt und neu entwickelt. Das dabei Hochgeschätzte wird in eigens ausdifferenzierten Riten begangen und befestigt. Diese Rituale finden sich u. a. bei der Religionsausübung, bei Feierlichkeiten aber auch in der Pädagogik. Lehren, Lernen und Wissen wird von Gesellschaft zu Gesellschaft unterschiedlich aufgefasst und vor allem die Zielsetzungen werden anders interpretiert. Soziale Ordnungen und kommunikative Symbolwelten werden also neben anderen Disziplinen auch im Bereich der Pädagogik geschaffen. Allen gesellschaftlichen Gebilden im Ganzen wie den Einzelnen wird eine andauernde Stabilität verschaffen (vgl. Böhme 2001, S. 3). In den meisten westlichen Sprachen bedeutet Kultur gemeinhin Zivilisation oder Verfeinerung des Geistes und insbesondere die Resultate dieser Verfeinerung durch Bildung, Kunst und Literatur (vgl. Hofstede 2006, S. 3). Der Begriff der Kultur gehört zu den erfolgreichsten, aber auch gleichzeitig schwierigsten Begriffen der gegenwärtigen Weltbeschreibung. Kultur ist die Kontingenzformel der modernen Gesellschaft. Im Begriff der Kultur reflektiert die Gesellschaft ihre Verhältnisse. Sie pflegt ihre Unterscheidungen, vergleicht ihre Zustände und bewertet ihre Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sie macht sich verständlich und unverständlich im Umgang mit sich selbst und gewinnt so einen Blick für Identität und Kontrolle, Tradition und Innovation, Konsens und Dissens (vgl. o.V. 2008). Hofstede vergleicht die kulturelle Prägung des Menschen mit der Art und Weise, wie Computer programmiert sind. So bezeichnet er die Denk-, Fühl- und Handlungsmuster, die sich im Kopf eines jeden Menschen gefestigt haben, als „mentale Programmierung“ (vgl. Hofstede 2006, S. 3). Kultur ist erlernt und angeeignet, aber nicht angeboren. Sie leitet sich aus unserem sozialen Umfeld ab, nicht aus unseren Genen. Man sollte die Kultur unterscheiden von der menschlichen Natur einerseits und von der Persönlichkeit andererseits (vgl. Hofstede 2006 S. 4 f.). Wie dies zu verstehen ist, kann man auch an folgender Abbildung 1 sehen.
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Abbildung 1: Drei Ebenen der Einzigartigkeit in der mentalen Programmie-
Gruppen- oder
kategorienspezifisch Universell
In der Sozialanthropologie umfasst der Begriff Kultur all diese vorhandenen Muster menschlichen Verhaltens. Dabei sind allerdings nicht nur hoch anspruchsvolle, geistreiche Tätigkeiten gemeint, sondern auch ganz gewöhnliche Dinge des alltäglichen Lebens wie das Grüßen, die Essgewohnheiten, das Zeigen oder Nichtzeigen von Gefühlen, das Wahren einer gewissen physischen Distanz zu anderen, der Geschlechtsverkehr oder die Körperpflege. Diese kulturellen Prägungen bzw. mentalen Programmierungen sind immer kollektive Phänomene, da sie von Menschen geteilt werden, die im selben sozialen Umfeld leben oder lebten, d.h. dort, wo die Kultur erlernt wurde. Sie unterscheidet Mitglieder einer Gruppe oder Kategorie (vgl. Hofstede 2006, S. 4 ff.). Eine Gruppe wird in diesem Fall eine Reihe von Menschen bezeichnet, die in Kontakt miteinander stehen. Eine Kategorie demgegenüber besteht aus Menschen, die, ohne zwingend Kontakt mitein-ander zu haben, eine Gemeinsamkeit aufweisen, wie z.B. den gleichen Wohnort oder das gleiche Geburtsjahr (vgl. Hofstede 2006, S. 47). Neben Einflüssen wie Erziehung, schulischer Bildung oder sozialer Umgebung
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sind es kollektive kulturelle Einflüsse, welche die individuelle Persönlichkeit eines jeden Menschen prägen. Mit Hilfe dieser kulturellen Charakterzüge lassen sich die verschiedenen Völker auf der Erde beschreiben und mit-einander vergleichen. Bei diesen Vergleichen treten häufig Voruteile auf. Nach dem Motto „Kennst du einen- kennst du alle?“ werden im abwertenden wie aber auch im aufwertenden Sinne Menschen verschiedener Kulturgruppen miteinander verglichen. So werden Russen gerne als trinkfest bezeichnet, während die Polen oftmals als ein Volk mit vielen Dieben bezeichnet werden. Auch wird häufig behauptet, dass sich Briten nur allzu gerne in eine Warteschlange stellen. Der Deutsche wird international gerne als humorlos und überpünktlich dargestellt. Vorurteile gegenüber den Juden und Pseudotheorien über die Rassenlehre waren unter anderem für den Holocaust der Nazis im zweiten Weltkrieg verantwortlich. Rassen- und ethnische Konflikte werden häufig mit nicht haltbaren Argumenten kultureller Über- bzw. Unterlegenheit gerechtfertigt (vgl. Hofstede 2006, S. 5): Mehrfach wird auch im Vergleich unterschiedlicher Kulturen das Schlagwort des Kulturschocks benutzt. Dieser Begriff bezeichnet die Probleme, die auftreten, wenn Menschen mit fremden kulturellen Prägungen miteinander konfrontiert werden. Der Kulturschock äußert sich in Gefühlen der Desorientiertheit und Unsicherheit und kann mit psychischen Krankheitssymptomen einhergehen (vgl. Hofstede, S. 521). Im Zeitalter der Globalisierung und des weltweiten Kommunizierens und Reisens ist es im Gegensatz zu vergangenen Jahren zuvor allerdings nicht mehr nur so, dass Kulturen sich begegnen oder gar aufeinanderprallen, sondern sich vor allem gegenseitig durchdringen. Alle Akteure sind dabei in einen Kulturprozess eingebunden, welcher die ganze Erde umspannt (vgl. Gerndt 2002, S. 10). Diese weltweiten unterschiedlichen kulturellen Identitäten sind nicht einfach gegeben. Sie sind ein kollektives Konstrukt auf der Basis von Erfahrung, Gedächtnis, Tradition (die ihrerseits ebenfalls konstruiert und erfunden sein kann) und einer ungeheuren Vielfalt von kulturellen, politischen und sozialen Praktiken und Formen. Auch die zeitliche Dimension von Kultur spielt bei der Entstehung verschiedener kultureller Eigenschaften eine bedeutende Rolle. Auch wenn
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Arbeit zitieren:
Markus Westerhoff, 2008, Kulturdimensionen nach Geert Hofstede und deren Bedeutung für Lehren und Lernen, München, GRIN Verlag GmbH
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