Besonderer Dank gilt Herrn Univ.-Prof. Dr. Herbert Kotzab, der die vorliegende Forschungsarbeit betreut hat sowie allen Experten, die an der Delphi-Studie teilgenommen haben. Frau Eva Maria Burian-Braunstorfer (GF GS1 Austria) und Herrn Mag. Manfred Piller (Bereichsleiter GS1 Austria) danke ich für die Unterstützung.
„Die vorliegende Forschungsarbeit widme ich dir lieber Klaus,
2
Abkürzungsverzeichnis
AI-Datenstandard Application Identifier Datenstandard
ANSI American National Standards Institute
Bidirektional von links nach rechts und umgekehrt
DIN Deutsches Institut für Normung
EAN-Strichcode Bezeichnung für EAN/UPC Strichcodesymbole
EDI Electronic Data Interchange
EDIFACT Electronic Data Interchange for Administration, Commerce &
Transport
GDSN Global Data Synchronisation Network
GLN Global Location Number
GS1 Trägerorganisation der GS1 Standards
GS1-128 Strichcode vormals EAN-128 Strichcode
GS1 DataBar Strichcode vormals RSS – Reduced Space Symbology
GS1 Instore-Nummern Interne (proprietäre) Artikelnummernsysteme
GTIN Global Trade Item Number
ISO International Organization for Standardization
Omnidirektional lageunabhängig
Prüfziffernalgorithmus Rechenschema zur Berechnung der Prüfziffer
SSCC Serial Shipping Container Code
3
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 8
1.1 Ausgangspunkt der Überlegungen 8
1.2 Problemstellung 9
1.3 Zielsetzung und Forschungsfragen 10
1.4 Methodik 11
1.5 Aufbau der Arbeit 13
2 Globale Nummerierungs und Codierstandards von GS1 15
2.1 Grundlegende Information zu Standards 15
2.2 Das internationale GS1 System 17
2.2.1 Die Trägerorganisation 17
2.3 GTIN Global Trade Item Number 19
2.3.1 Die GTIN-Nummerierungsstruktur 20
2.3.2 Die GTIN im elektronischen Datenaustausch 21
2.3.3 Die GTIN in elektronischen Datenpools 23
2.4 Nationale GS1 Nummerierungssysteme 24
2.5 AI-Datenstandard 25
2.6 Bekannte GS1 Barcodesymbole 27
2.6.1 EAN UPC Strichcodesymbol 27
2.7 RFID im Vergleich zu heutigen Strichcodesymbolen 29
2.8 Fazit 31
3 GS1 DataBar Strichcodesymbole (RSS Reduced Space Symbology) 32
3.1 Entstehung der GS1 DataBar Strichcodes 32
3.2 Arten der GS1 DataBar Symbole 33
3.2.1 GS1 DataBar 14 33
3.2.2 GS1 DataBar Limited 34
3.2.3 GS1 DataBar Expanded 34
3.3 Symbolaufbau und Technik der GS1 DataBar Symbole 36
3.3.2 GS1 DataBar 14 Stacked Omnidirectional Symbol 37
4
3.3.4 GS1 DataBar Expanded Stacked Symbol 38
3.4 GS1 Strichcodesymbole für den POS 39
3.5 Nutzenpotentiale der GS1 DataBar Strichcodes 41
3.5.1 US-Studie zum Einsatz des GS1 DataBar Strichcode im Frischebereich 41
3.6 Fazit 44
4 Integration des GS1 DataBar Strichcode in die IT 45
4.1 Begriffsbestimmung Informationstechnologie 45
4.2 Auswirkungen des GS1 DataBar auf die IT 46
4.3 Anforderungen an Scanner 47
4.3.2 GS1 Studie zur Lesbarkeit der GS1 DataBar Strichcodes 49
4.3.3 GS1 DataBar Scanner-Testkarten 50
4.4 Anforderungen an Warenwirtschaftssysteme 51
4.5 Fazit 54
5 Modell für den Frischebereich (POS) 55
5.1 Theoretische Erkenntnisse zu den Forschungsfragen 56
5.2 Kernprozesse des Handels 57
5.2.2 Begriffsbestimmung Supply Chain Management 59
5.3 Besondere Merkmale des Frischebereichs 60
5.3.2 Missing Link bei Instore-Nummern für Gewichtsware (POS) 62
5.4 Frischemodell unter Berücksichtung des GS1 DataBar 64
5.4.2 GS1 DataBar für lose Frischeprodukte 66
5.5 Fazit 68
6 Methode 69
5
6.1 Forschungsgegenstand 69
6.2 Prognoseverfahren 71
6.3 Theorie zur Delphi-Methode 73
6.3.1 Merkmale von Delphi-Befragungen 73
6.3.2 Ziele Ausprägungen und Prinzipien der Delphi-Methode 74
6.3.4 Auswahlplan der zu befragenden Experten 75
6.3.5 Anonymität der Einzelantworten 76
6.3.7 Feedback an die Teilnehmer 77
6.3.10 Fragebogengestaltung 79
6.3.11 Subjektive Kompetenzfrage 80
6.3.12 Fragebogen Pretest 81
6.3.13 Rücklaufkontrolle 82
6.3.14 Dokumentation der Ergebnisse 82
6.3.15 Vor und Nachteile 82
6.4 Praktische Anwendung der GS1 DataBar Delphi-Studie 84
6.4.1 Zielsetzung der GS1 DataBar Delphi-Studie 85
6.4.4 Identifikation des Prognoseproblems 86
6.4.8 GS1 DataBar Delphi-Fragebogenentwicklung 90
6.4.9 Pretest 91
6.4.10 GS1 DataBar Delphi-Fragebogen 91
6.4.11 GS1 DataBar Delphi-Fragenkatalog 92
6.4.12 Angewandte Methoden bei der Datenauswertung 95
6.5 Fazit 97
6
7 Ergebnisse zur GS1 DataBar (RSS) Delphi-Studie 98
7.1 Themenblock I: Entwicklung der Strichcodes 99
7.2 Themenblock II: Einsatz der Strichcodes 102
7.3 Themenblock III: Einschätzung zu den Nutzenpotentialen 106
7.4 Themenblock IV: Ist-Zustand und Zukunft 112
7.5 Themenblock V: Lesbarkeit der GS1 DataBar Symbole 122
8 GS1 DataBar Delphi-Prognose 127
8.1 Forschungsfrage 1 127
8.2 Forschungsfrage 2 129
8.3 Anwendbarkeit der Delphi-Methode auf die Forschungsfragen 130
8.4 Dokumentation der Ergebnisse 131
9 Management Summary 133
9.1 Handlungsempfehlung 134
9.2 Weiterführende Forschung 136
Abbildungsverzeichnis 137
Tabellenverzeichnis 139
Literaturverzeichnis 140
7
1 Einleitung
1.1 Ausgangspunkt der Überlegungen
Die Schaffung effizienter Prozesse ist eine wichtige Voraussetzung der Unternehmen, um Herausforderungen wie steigender Kostendruck, die Verkürzung des Produktlebenszyklus, internationale Konkurrenz, gesetzliche Regelungen und neue informationstechnische Entwicklungen bewältigen zu können. 1 Ohne Unterstützung der IT lassen sich viele Geschäftsprozesse heute gar nicht mehr bzw. nicht so effizient abwickeln.
Dies hat zur Folge, dass die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) auch weiterhin eine hohe und sogar steigende Bedeutung für Wirtschaft und Verwaltung haben wird. 2
Die weltweite Standardisierungsorganisation GS1 leistet mit ihren weltweit über 100 nationalen Vertretungen einen essentiellen Beitrag dazu, indem sie den Anwendern der GS1 Standards seit rund drei Jahrzehnten Identifikations- und Codiersysteme für Artikel, Adressen usw. zur Verfügung stellt. 3 Die Identifikation von Artikeln und die automatische Erfassung der Daten z.B. über Barcodes nimmt dabei einen Stellenwert ein, der sich in den letzten 30 Jahren als das Mittel zur Kostenreduzierung in der logistischen Kette erwiesen hat. 4
Um der wachsenden Problematik und den gestiegenen Anforderungen der Anwender gerecht zu werden, wurden die GS1 DataBar Strichcodes (vormals RSS) entwickelt. Die GS1 DataBar Strichcodes sollen die bekannten EAN/UPC Strichcodes ergänzen und für Anwendungsgebiete zur Verfügung stehen, die auf Grund ihrer Besonderheit bis heute oft nur mit internen, proprietären Artikelnummernsystemen abgebildet werden: 5
1 vgl. Allweyer (2005), S 4
2 vgl. Tiemeyer (2006), S 11 3 vgl. Piller (2007), S 1 4 vgl. Clasen (2005) in: RFID in der Logistik , S 80 5 vgl. GS1 Austria (2006a), Kap. 4, S 3
8
- Mengenvariable Produkte (meist gewichtsabhängige Einheiten), die auf Grund ihrer Besonderheit bis heute nicht mit der GTIN (Global Trade Item Number) gekennzeichnet werden können
- Lose Produkte wie z.B. vom Produzenten gekennzeichnete lose Obst- oder Gemüseprodukte (z.B. ein Apfel)
sowie Kleinstprodukte und Gutscheine/Coupons, die bis heute nicht mit der eindeutigen
GTIN von GS1 gekennzeichnet werden können.
Bei den GS1 DataBar Strichcodes handelt es sich um eine informationstechnische Entwicklung, die nun offiziell von der weltweiten Standardisierungsorganisation GS1 mit 01.01.2010 zum offenen, globalen Standard für die Artikelidentifikation freigegeben wurde. 6
1.2 Problemstellung
Mit Einführung der GS1 DataBar Strichcodes bietet sich nun die Möglichkeit, Produkte, die bis heute nicht zufrieden stellend gekennzeichnet werden konnten, mittels GTIN zu identifizieren. Damit wird auch eine eindeutige, länderübergreifende Kennzeichnung von variabler Gewichtsware für den Point of Sale möglich.
Die den EAN/UPC Strichcodes zugrunde liegenden GS1 Identifikationsnummern GTIN-8, GTIN-12 und GTIN-13 sind heute fixer Bestandteil von Warenwirtschaftssystemen im Handel. Sie liefern die nötige Information für Bestellungen, Abverkaufsanalysen, Warenabwicklungen, Abrechnungssysteme, Rechnungsabwicklung, Inventuren bis hin zu Warenkorbanalysen und vielem mehr. Die Scanning- und Kassensysteme des Handels wurden darauf ausgelegt, anhand der EAN/UPC Symbole logistische bzw. informationstechnische Prozesse auszulösen.
Die neuen GS1 DataBar Strichcodes leisten mehr, haben aber höhere Ansprüche an die technische Infrastruktur. Für österreichische Handelsunternehmen bedeutet dies, dass
6 vgl. GS1 Germany (2006): online
9
Scanner und Warenwirtschaftssysteme im Detail analysiert und der jeweilige Handlungsbedarf festgestellt werden muss. 7
Am 27. Februar 2007 hat GS1 bekannt gegeben, dass die „Reduced Space Symbology (RSS)“ in GS1 DataBar umbenannt wurde. Grund dafür waren die möglichen Verwechslungen mit dem aus dem Web bekannten „RSS – Really Simple Syndication“. 8 Aus dieser Gegebenheit heraus werden die in der vorliegenden Forschungsarbeit verwendeten Begriffe „RSS“ und „GS1 DataBar“ synonym verwendet. Es werden darunter die GS1 DataBar Symbole verstanden.
1.3 Zielsetzung und Forschungsfragen
Die Implementierung der neuen, leistungsfähigeren GS1 DataBar Strichcodes stellt österreichische Handels- und Industriebetriebe vor eine große Herausforderung.
Mit der vorliegenden Forschungsarbeit untersucht die Autorin Girz die Verhaltensweisen und Einstellungen ausgewählter Experten des Lebensmittelhandels, der Frischeindustrie (bzw. des Frischehandels), der Wissenschaft sowie eines erfahrenen Strichcodeexperten (Solutionprovider 9 ) gegenüber den neuen GS1 DataBar Strichcodes.
Die Aktualität der Themenstellung setzt die Zusammenführung der Erfahrungen aus der Praxis voraus, die von der Autorin durch die Integration bei GS1 und der Teilnahme an GS1- und ECR-Arbeitsgruppen erreicht wird, sowie der wissenschaftlichen Aufbereitung der Thematik, die mittels umfassender Literaturrecherche abgedeckt wird.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, dem Leser einen Überblick über die informationstechnischen Möglichkeiten der GS1 DataBar Strichcodes zu geben. Die Erkenntnisse aus der qualitativen GS1 DataBar Delphi-Studie (vgl. Kap. 1.4 sowie Kap. 8) sollen dem Leser eine Informationsgrundlage für künftige Entscheidungen geben.
7 vgl. dazu auch das Informationsblatt der WKO Bundessparte Handel (1/2007)
8 vgl. GS1 (2007a): online
9 Darunter werden kommerzielle Anbieter von Soft- und Hardware für Strichcodeanwendungen verstanden.
10
Aus den Zielsetzungen ergeben sich folgende Fragestellungen:
F1: Welche Nutzenpotentiale kann der GS1 DataBar Strichcode im Frischebereich idealerweise leisten?
H1: Die Ausbreitung und Anwendung der GS1 DataBar Strichcodes in österreichischen Warenwirtschaftssystemen für gewichtsvariable Produkte führt zu betriebsübergreifender Warenidentifikation.
H2: Die Ausbreitung und Anwendung der GS1 DataBar Strichcodes in österreichischen Warenwirtschaftssystemen für gewichtsvariable Produkte führt zu einheitlichen Strichcodelösungen.
H3: Die Ausbreitung und Anwendung der GS1 DataBar Strichcodes in österreichischen Warenwirtschaftssystemen für gewichtsvariable Produkte führt zu genormten Datensätzen. H4: Die Ausbreitung und Anwendung der GS1 DataBar Strichcodes in österreichischen Warenwirtschaftssystemen für gewichtsvariable Produkte führt zu länderübergreifender Warenidentifikation.
F2: Welche Anforderungen werden an Warenwirtschaftssysteme gestellt, damit sie ein GS1 DataBar Strichcodesymbol verarbeiten können?
H5: Warenwirtschaftssysteme müssen die Anforderung erfüllen, die 14-stellige GTIN verarbeiten zu können.
H6: Scanningsysteme müssen den GS1 DataBar Strichcode erfassen (lesen) und das GS1 AI-Datenkonzept verarbeiten können.
1.4 Methodik
Die empirische Untersuchung widmet sich dem Verhalten ausgewählter Experten gegenüber den GS1 DataBar Strichcodesymbolen und den daraus ableitbaren Folgerungen über dessen Ausbreitung und Anwendung in Österreich.
Fachleute über ihre Erfahrungen, Einsichten und Meinungen berichten zu lassen, ist ein altes und probates Vorgehen, um sich aus mehreren kompetenten Quellen zu informieren, so z.B. auch über deren einschlägige Zukunftsvorstellungen. 10
10 vgl. Berekhoven (2004), S 264
11
Es wurde eine Methode gesucht, die sich für die Zukunftsforschung eignet: die Delphi- Befragung. Dabei handelt es sich um ein mehrstufiges Befragungsverfahren mit Rückkoppelung, das bereits im Jahr 1986 vom Autor Schiebel 11 zur Untersuchung des EAN-Strichcodes zum Einsatz kam und „…der seit Mitte der 90er Jahren erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet wird.“ 12
Indem bereits heute Bereiche der Zukunft gedanklich vorweggenommen werden, wird Zeit gewonnen, evidente Fehlentwicklungen zu bremsen oder dringend benötigte Innovationen anzustoßen und rascher voranzutreiben. Delphi-Studien liefern also kein feststehendes Bild von der Zukunft, sondern bieten eine Informationsgrundlage für künftige Entscheidungen.
Bei der Auswahl der Teilnehmer dieser empirischen Studie lag der Focus auf Experten, die neben deren Funktion im Unternehmen auch eine besondere fachliche Qualifikation im Bereich der GS1 Standards vorweisen konnten. Auf die Besonderheiten der Delphi- Methode wird in Kapitel 6 ausführlich eingegangen.
„Niemand kann den Wandel managen. Wir können ihm nur einen Schritt voraus sein.“ 13
11 vgl. Schiebel (1986), Vorwort
12 Häder (2002), o. S.
13 Drucker (2005), S 109
12
1.5 Aufbau der Arbeit
In Kapitel 1 wird nach der Erklärung der Ausgangsüberlegungen das Forschungsproblem identifiziert, welches die Basis für die Forschungsfragen (Hypothesen) darstellt. Zielsetzung und Motive zur Auswahl der Delphi-Methodik werden präsentiert.
Kapitel 2 widmet sich den Nummerierungs- und Codierstandards von GS1. Den Schwerpunkt des Kapitels bilden die GTIN, der AI-Datenstandard sowie die EAN/UPC- und GS1-128 Strichcodes. In Hinblick des GS1 DataBar werden auch „Interne Nummernsysteme“ betrachtet. Kapitel 3 beschäftigt sich mit dem GS1 DataBar Strichcode. Es werden Entstehung, Arten und technische Merkmale betrachtet und die Nutzenpotentiale herausgearbeitet.
Kapitel 4 behandelt die technischen Anforderungen der GS1 DataBar Strichcodes an die
IT (Scanner und Warenwirtschaftssysteme) des Handels. Es wird deutlich, dass die
Implementierung der GS1 DataBar Strichcodes eine neue Herausforderung darstellt. Im Focus des Kapitel 5 liegt die Integration des GS1 DataBar in das Frischesortiment. Es werden die theoretischen Erkenntnisse der vorliegenden Arbeit in einem von der Autorin Girz ausgearbeitetem Frischemodell präsentiert.
Kapitel 6 beschreibt die theoretischen, wissenschaftlichen Ansätze zur Zukunftsprognose. Die für die Zukunftsforschung bewährte Delphi-Methode wird als die, zur Erforschung der neuen informationstechnischen Entwicklung GS1 DataBar passende Methode bestätigt. Es folgt die praktische Anwendung der GS1 DataBar Delphi-Studie. In Kapitel 7 werden die Ergebnisse der Studie zusammengeführt.
In Kapitel 8 wird die GS1 DataBar Delphi-Prognose präsentiert. Die Forschungsfragen werden dem praktischen Teil der Arbeit gegenübergestellt. Das Kapitel schließt mit der Dokumentation der Erkenntnisse. In Kapitel 9 werden nach dem Management Summary eine Handlungsempfehlung sowie eine Anregung für weiterführende Forschung zum Thema GS1 DataBar gegeben.
13
Aufbau der vorliegenden Arbeit
Nachstehende Abbildung 1 zeigt einen Überblick der in der vorliegenden Forschungsarbeit
präsentierten Kapitel.
14
2 Globale Nummerierungs- und Codierstandards von GS1
Das vorliegende Kapitel betrachtet die heutigen Nummerierungs- und Codiersysteme von GS1. Die Schwerpunkte bilden die GTIN und der AI-Datenstandard, die für den Leser die erforderliche Grundlage zum GS1 DataBar Strichcode (vgl. Kap. 3) bilden. Das Wesen von „nationalen GS1 Nummerierungssystemen“ wird beleuchtet, da es die Basis für das in Kapitel 5 präsentierte Modell darstellt.
In diesem Kapitel werden folgende Themen behandelt:
S Grundlegende Information zu Standards (vgl. Kap. 2.1)
S Das internationale GS1 System (vgl. Kap. 2.2)
S GTIN – Global Trade Item Number (vgl. Kap. 2.3)
S Nationale GS1 Nummerierungssysteme (vgl. Kap. 2.4)
S AI-Datenstandard (vgl. Kap. 2.5)
S Bekannte GS1 Barcodesymbole (vgl. Kap. 2.6)
S RFID im Vergleich zu heutigen Strichcodesymbolen (vgl. Kap. 2.7)
2.1 Grundlegende Information zu Standards
2.1.1 Begriffsbestimmung Standard
Häufig werden die Begriffe „Normung bzw. Norm“ synonym zu den Begriffen „Standardisierung, Standard, Richtlinie oder Empfehlung“ verwendet. Im englischen Sprachgebrauch gibt es nur den Ausdruck Standard, der sowohl den allgemeinen Fall Standard als auch den speziellen Fall Norm beinhaltet. 14
2.1.2 Anforderungen an Standards
Die Entwicklung von anerkannten Standards wird in der Regel innerhalb nationaler oder regionaler Organisationen durch Gremien oder Arbeitsgruppen vorangetrieben. Diese untersuchen verschiedene bestehende Methoden und Verfahren sowie technologische
14 vgl. Alpar (2005), S 374
15
Entwicklungen. Auf Basis dieser werden Arbeitspapiere zur Begutachtung bei einer geeigneten Institution eingereicht, worauf nach positiver Beurteilung die Zulassung als Standard erfolgt. 15
Solche Standardisierungsaktivitäten erstrecken sich über eine Vielzahl unterschiedlicher Gebiete, was durch einen Blick auf die Arbeiten von Standardisierungsorganisationen wie
ISO (International Organization for Standardization), ANSI (American National Institute
Standards) oder DIN (Deutsches Institut für Normung) deutlich wird. 16 Das ANSI ist dabei anerkannter Koordinator für nationale und internationale Standards. 17
Generell bestehen drei wichtige Anforderungen an einen Standard, ohne die eine effiziente Zusammenarbeit nicht möglich ist: 18
S Offenheit: Ein Standard muss von allen Marktteilnehmern einsetzbar sein, was nur
durch offene Schnittstellen zwischen den Systemen der Partner möglich ist.
S Akzeptanz: Bei den Anwendern muss Vertrauen geschaffen werden, um eine hohe
Marktdurchdringung zu erreichen und die „kritische Masse“ zu überwinden.
S Verbreitung: Die Verbreitung eines Standards schafft Investitionssicherheit für die
Anwender.
Vorteile der Standardisierung sind Einsparungen von Informationskosten sowie die Erhöhung des Informationswertes. Buxbaum 19 stellt den Nutzen von Standards aber auch hohe Standardisierungskosten, die bei der Implementierung, Anschaffung und der Zeit des Erlernens in Form von Opportunitätskosten entstehen können, gegenüber.
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Technologie-, Daten- (Nummerierungs-) und Anwendungsstandards.
15 vgl. Kummer (2005), S 30
16 vgl. Buxbaum/König (1998), S 122 17 vgl. Otto (2002), S 18 18 vgl. Otto (2002), S 14 19 vgl. Buxbaum (1996), S 28ff
16
Die Wesensmerkmale werden in Tabelle 1 wie folgt zusammengefasst:
Die weltweite Standardisierungsorganisation GS1 nimmt als Bereitsteller von weltweit eindeutigen Technologie-, Daten- und Anwendungsstandards vor allem in der Konsumgüterindustrie und dem Handel einen wichtigen Stellenwert ein.
In der Folge werden die in Österreich bekannten und bewährten Technologie- (Barcode), Daten- (Nummerierungssysteme) und Anwendungsstandards (z.B. GS1-128 Strichcodestandard, vgl. dazu Abschnitt 2.6.2) als wichtige Bestandteile des GS1 Systems betrachtet.
2.2 Das internationale GS1 System
2.2.1 Die Trägerorganisation
Der Ursprung des GS1 Systems geht auf das Jahr 1974 zurück, als sich Händler und Hersteller aus zwölf europäischen Ländern zusammengefunden haben, um einen Barcode- Standard zu verabschieden, der mit dem amerikanischen UPC Standard kompatibel ist. Dieses System wurde EAN (Europäische Artikelnummerierung) genannt. 20
Im Zuge der voranschreitenden Globalisierung haben die EAN Organisationen beschlossen, unter einem einheitlichen Namen aufzutreten. GS1 steht nunmehr als Begriff für „Globale Standards“. Der Name GS1 findet deshalb auch Einzug in die Namensgebung
20 vgl. Dittmann (2006), S 51
17
der Standards. Das EAN.UCC System wurde in GS1 System umbenannt. Als Überbegriff der Standards von GS1 wird der Begriff „GS1 System“ verwendet. 21
Die internationale GS1 Organisation hat heute in über 100 Ländern der Erde nationale GS1 Organisationen, die insgesamt über 1.000.000 Anwender in mehr als 140 Ländern weltweit betreuen. Länder, die keine eigene GS1 Organisation haben, werden von GS1 in Brüssel betreut. Die nationale Vertretung für Österreich ist die GS1 Austria GmbH. 22
2.2.2 Kernaufgaben der GS1 Organisation
Das Ziel von GS1 ist die Vereinfachung des globalen Geschäftsverkehrs durch die Verbindung von Informationsfluss und physischen Warenfluss. Mit der Implementierung der globalen GS1 Standards soll die Organisation zur Verbesserung der Supply- und Demand Chain (Liefer- und Nachfragekette) beitragen. 23
Die historischen Kernthemen der GS1 Organisation sind die Bereitstellung von Nummernsystemen und Dienstleistungen, 24 sie gehen heute aber weit darüber hinaus: 25
S Barcodes: Nummerierungs- (Identifikations-) und Codiersysteme
S E-Commerce: Elektronischer Datenaustausch mittels EANCOM Standards
S Global Data Synchronisation Network: Globale Stammdatendienste
S EPCglobal (Electronic Product Code)
S Learn: Seminare & Schulungen zu den GS1 Standards
usw. …
Bei Identifikationssystemen handelt es sich um Auto-ID Technologien (definierte Datenträger), die der Identifikation an jedem Punkt der Versorgungskette dienen. Dies sind z.B. die GS1 Identifikations- und Nummerierungssysteme auf Strichcode- bzw. Radiofrequenzbasis. 26
21 vgl. GS1 Austria (2006), S 1
22 vgl. GS1 (2006): online 23 vgl. GS1 (2007c): online 24 vgl. Hallier (2006) in: Handbuch Handel, S 79 25 vgl. GS1 (2006): online 26 vgl. Hertel (2005), S 202
18
Abbildung 2 soll die wichtigsten Bausteine des GS1 Systems veranschaulichen.
Die eingekreisten Begriffe aus Abbildung 2 bilden aus Sicht der Autorin die wichtigste Grundlage für die Verwendung der GS1 DataBar Strichcodesymbole (vgl. Kapitel 3). Es wird deshalb in der Folge näher darauf eingegangen.
2.3 GTIN – Global Trade Item Number
Die Grundlage für eine effiziente unternehmensübergreifende Zusammenarbeit zwischen Handel, Industrie, Logistik- und IT-Dienstleistern etc. bilden vor allem die einheitlichen Nummerierungssysteme von GS1. Die GTIN bildet damit die Datenbasis für GS1 Barcodes, aber auch das eindeutige Beschreiben von RFID-Transpondern im EPC-Standard und macht multilaterale EDI-Anwendungen erst möglich.
Sie bildet damit den Ausgangspunkt für warenwirtschaftliche Überlegungen und Anstrengungen zum innerbetrieblichen und zwischenbetrieblichen Austausch von
19
Informationen. An dieser Stelle wird darauf hingewiesen, dass die Länge der Basisnummer von Land zu Land variieren kann. 27 Tabelle 2 zeigt den Aufbau der GTIN: 28
S GS1 Company Prefix (Basisnummer): Dieser Teil der Nummer wird von der
lokalen GS1 Mitgliedsorganisation vergeben und bezeichnet das Anwenderunternehmen. Es hat keine fix definierte Länge.
S Item Reference (Artikelbezug): Dieser Teil der Nummer wird von dem
Anwenderunternehmen definiert und bezeichnet einen bestimmten Artikel.
S Check digit (Prüfziffer): Durch die abschließende Prüfziffer der Nummer wird die
korrekte Auslesung des Barcodes sichergestellt.
2.3.1 Die GTIN-Nummerierungsstruktur
Die GTIN kennzeichnet alle hierarchischen Einheiten eines Artikels, die aus warenwirtschaftlicher Sicht relevant sind. Jede Variante eines Artikels, z.B. unterschiedliche Farben, Größen, Motive, Sprachen, aber auch verschiedene Gebindeformen, Sammelpackungen, Versandpackungen, Standardpaletten usw. erhalten eine eigenständige GTIN. 29
Viele Unternehmen verwenden zur Identifikation von Handelseinheiten die 13-stellige GTIN. Aber auch die 14-stellige GTIN ist zur Kennzeichnung von Handelseinheiten, die nicht am POS (Point of Sale) gelesen werden, zulässig und im In- und Ausland durchaus verbreitet. Auch bei mengenvariablen Handelseinheiten ist heute schon die Vergabe einer 14-stelligen GTIN (mit führender „9“) von GS1 vorgesehen. 30
27 vgl. GS1 Austria (2006), Kap. 2, S 4f
28 vgl. GS1 (2006): online
29 vgl. GS1 Austria (2006), Kap. 3, S 4
30 vgl. GS1 Austria (2006), Kap. 3, S 7
20
In Tabelle 3 werden die Nummernstrukturen zur Integration der GTIN in Datenbanken und IT-Systemen aufgezeigt (N = Nummer):
Seitens GS1 wird empfohlen, in den Anwendungsprogrammen 14-stellige Datenfelder für die GTIN vorzusehen (vgl. Tabelle 3).
In Hinblick der vorliegenden Forschungsarbeit und unter Berücksichtung des GS1 DataBar Strichcode am POS ist dies vor allem im Frischebereich (zur Kennzeichnung von Gewichtsware) wichtig.
2.3.2 Die GTIN im elektronischen Datenaustausch
Die GTIN dient als Schlüssel zu Datenbank- und Warenwirtschaftssystemen (vgl. Kap. 4.4) und stellt damit die Basis für einen unternehmensübergreifenden elektronischen Datenaustausch mittels EDI (Electronic Data Interchange) dar.
Boutellier 31 beschreibt EDI als den Austausch von strukturierten Geschäfts- und Handelsdaten mittels EDV-Programmen, deren Basis einheitliche Standards bilden, die mittels Telekommunikation zur maschinellen Weiterverarbeitung dienen.
Ein EDI-System ist ein System zur Abwicklung von Geschäftstransaktionen, bei dem ein Betrieb mit einem oder mehreren Geschäftspartnern (Lieferanten, Geschäftskunden, Banken, Behörden usw.) entweder direkt oder über eine so genannte Clearing-Stelle elektronische Geschäftsdokumente austauscht. 32
31 vgl. Boutellier (2002), S 101
32 vgl. Hansen/Neumann (2005), S 95
21
In nachstehender Abbildung 3 wird die Funktionsweise eines EDI-Systems dargestellt.
Die automatische und artikelgenaue Erfassung der Abverkäufe am POS schafft die Grundlage für Bestellsysteme mit hoher Reaktionsfähigkeit (Quick Response Systeme). Neben der Vernetzung der Filialunternehmen und der Lieferantenanbindung ist die Integration von Banken, Logistikdienstleistern und Marktforschungsinstituten Ziel der Optimierung des Gesamtsystems, in denen vor allem „integrierte Warenwirtschaftssysteme“ (vgl. Kap. 4.4.2) eine große Rolle spielen. 33
EANCOM stellt dabei einen einheitlichen Nachrichtenstandard dar, indem jedes Produkt
mittels eindeutiger Artikelnummer (GTIN) und jeder Partner mittels GLN überschneidungsfrei identifiziert wird. 34 EANCOM-Nachrichten weisen immer dieselbe Struktur auf und der Nutzer kann auf Segmentebene anhand von Codes bzw. Qualifiern standardisierte und anwendergerechte Inhalte übermitteln. Wichtige Anwendungen sind: 35
S ORDERS: Die Bestellung (ORDERS) wird von einem Kunden an seine
Lieferanten übertragen, um Waren oder Dienstleistungen zu ordern und die entsprechenden Mengen, Daten und Lokationen der Lieferung anzugeben.
S DESADV: Die Liefermeldung (DESADV) enthält Einzelheiten zu Gütern, die
aufgrund von vereinbarten Bedingungen versandt wurden. Mit Hilfe dieser Nachricht weiß der Empfänger, wann welche Güter versandt wurden.
33 vgl. Toporowski/Zielke (2006) in: Handbuch Handel, S 774
34 vgl. GS1 Germany (2005a), S 3
35 vgl. GS1 Germany (2005a), S 9
22
S INVOIC: Die Rechnung (INVOIC) übermittelt Zahlungsforderungen für Güter und
Dienstleistungen, die laut Vereinbarung (Verkäufer und Käufer) geliefert wurden.
Die elektronische Vernetzung zwischen Industrie und Handel zielt darauf ab, die Kosten für die Übermittlung der zahlreichen Informationen (Bestellungen, Lieferscheine, Rechnungen) herabzusetzen. 36 Die Basis für Prognoseverfahren und Bestellmodelle stellen vor allem im Handel die eindeutigen Nummernsysteme von GS1 dar.
2.3.3 Die GTIN in elektronischen Datenpools
Mit Hilfe von Datenpools (SINFOS, 1SYNC) soll der Aufwand, der beim Datenaustausch durch die Kommunikation mit unterschiedlichen Medien und Datenformaten entsteht, reduziert werden. Die Lieferanten senden dabei ihre Artikelstammdaten gebündelt in Datenpools, wo sie gesammelt den beteiligten Unternehmen zur Verfügung gestellt werden. 37 Das GDSN (Global Data Synchronisation Network) ist ein internetbasiertes Netz zwischen verschiedenen Datenpools und der GS1 Global Registry. Die Global Registry ist ein weltweites Verzeichnis von zertifizierten Datenpools mit den Teilnehmern (GLN), Produkten (GTIN) sowie Produktklassifizierungen (GPC - Global Product Classification). 38 Abbildung 4 zeigt die Verwendung der GTIN in GDSN:
36 vgl. Müller-Hagedorn (2006) in: Innovationen in Handel und Marketing, S 39
37 vgl. ECR-Academics (2007): online 38 vgl. GS1 Hong Kong (2006), S 17f
23
Der Nutzen von GDSN besteht darin, dass die beteiligten Unternehmen über diese Plattform Stammdaten standardisiert (multilateral statt bilateral) austauschen und synchronisieren können. Interne (proprietäre) Artikelnummernsysteme (vgl. Kap. 2.4) können in internationalen Datenpools nicht verwendet werden (vgl. Abbildung 4).
Mit den neuen GS1 DataBar Strichcodes eröffnen sich durch die durchgängige Verwendung der GTIN vor allem im Frischebereich (z.B. Gewichtsware) neue Perspektiven für Industrie und Handel (vgl. dazu Kap. 3.5).
2.4 Nationale GS1 Nummerierungssysteme
Für „mengenvariable Frischeprodukte“ für den POS sieht das GS1 System seit vielen Jahren die Strichcodekennzeichnung mit dem Präfix 20 bis 29 vor. Dabei obliegt jeder nationalen GS1 Organisation die genaue Abwicklung dieser 13-stelligen „Instore-Codes“. Die Empfehlungen zur Verwendung von „Instore-Nummern“ beziehen sich deshalb immer nur auf den jeweiligen regionalen Zielmarkt. Beim länderübergreifenden Einsatz verlieren auch national eindeutige „Instore-Nummern“ ihre Gültigkeit. 39
Neben dem Präfixbereich 20-29, der vorwiegend zur Kennzeichnung von „mengenvariablen Einheiten für den POS“ verwendet wird, gibt es auch noch andere Bereiche, wie beispielsweise Gutscheine, die auf Grund ihrer Besonderheit nicht durchgängig mit der GTIN gekennzeichnet werden können. In Abbildung 5 findet sich ein Auszug nationaler GS1 Nummerierungssysteme:
39 vgl. GS1 Austria (2006), Kap. 4
24
Die weltweit unterschiedlichen GS1-Empfehlungen im Präfixbereich 20-29 sind im Anhang (vgl. Anlage 10) der vorliegenden Arbeit nachzulesen. Tabelle 4 zeigt den Aufbau und die generelle Struktur des GS1 Präfixbereiches 20-29.
Der Präfixbereich 20-29 (vgl. Tabelle 4) wird vor allem im Lebensmittelhandel zur Identifikation und Kennzeichnung (mittels EAN-13 Symbol zur automatisierten Erfassung mittels Scanner) von Gewichtsware für den POS verwendet. Mit dem GS1 DataBar Expanded Strichcodesymbol (vgl. Kap. 3.2.3) eröffnet sich speziell für den Frischebereich die Möglichkeit zur Verschlüsselung der GTIN sowie weiterer erforderlicher Daten (z.B. Gewicht, Haltbarkeit etc.).
Auf die Besonderheiten des Frischebereichs wird in Kapitel 5.3 eingegangen, da dieser einen wichtigen Teil der vorliegenden Forschungsfragen darstellt.
2.5 AI-Datenstandard
Ab 01.01.2010 ist der AI-Datenstandard Bestandteil der GS1 DataBar Strichcodesymbole und findet damit Einzug am Point of Sale. Er wird deshalb in der Folge beschrieben.
Es war der Wunsch der Anwender, das GS1 System über die primäre Produktidentifikation hinaus zu erweitern. Aus diesem Grund hat GS1 vor vielen Jahren den AI- (Application Identifier) Datenstandard entwickelt, welcher über die reine Produktidentifikation noch weitere Zusatzinformationen verschlüsseln kann. 40
40 vgl. GS1 Austria (2006): online
25
Mittels AI-Datenstandard können der GTIN weitere semantische Bedeutungen hinzugefügt werden. 41 Er besteht aus 2 bis 4-stelligen Ziffernkombinationen, mit denen die Bedeutung und das Format des jeweils nachfolgenden Datenfeldes bestimmt werden. AIs stellen damit das Werkzeug zur Verschlüsselung sämtlicher Information dar. Sie wurden für die Produktidentifikation, zur Warenverfolgung, für Datums-, Mengen- und Maßangaben und viele andere Arten von Information definiert. 42
Im GS1 System wird beispielsweise als einheitlicher, standardisierter Ausdruck für die Chargen-/Lotnummer der AI (10) verwendet. Dieser definiert eine Chargennummer im Format numerisch 2 (n2) + alphanumerisch 20 (an…20). Das bedeutet, dass das Datenfeld nach dem 2-stelligen AI (10) immer eine Chargennummer variabler Länge sein wird, die mit maximal 20 alphanumerischen Stellen belegt ist. Als Beispiel dazu die Darstellung der Chargen-/Lotnummer in Tabelle 5:
Somit ist es möglich, den Ausdruck „Chargen/-Lotnummer“ (vgl. Tabelle 5) in einem weltweit einheitlichen Standard darzustellen.
Das Datenfeld des AI (01) umfasst 14 Stellen und transportiert die 13-stellige GTIN. Mit dem Wert des Indikators errechnet sich die Prüfziffer. Abbildung 6 zeigt die GTIN der Handelseinheit:
41 vgl. Dittmann (2006), S 52
42 vgl. GS1 Austria (2006): online
26
Der Indikator „1 – 8“ (vgl. Abbildung 6) kann entsprechend den Anforderungen des einzelnen Unternehmens in der Logistik verwendet werden. Zur Kennzeichnung von variablen Einheiten (z.B. Gewichtsware) wird der Indikator „9“ verwendet. 43 Der AI- Datenstandard kann von allen, an der Wertschöpfungskette beteiligten Unternehmen verstanden werden, unabhängig davon, welches Unternehmen die Daten ursprünglich generiert hat (vgl. Kap. 2.6.2). 44
2.6 Bekannte GS1 Barcodesymbole
Während EDI (Electronic Data Interchange) die Aufgabe der Übertragung von Logistikinformationen übernimmt, dienen Strichcode und Scanner der Erfassung, Verarbeitung und Speicherung von Logistikinformation (vgl. dazu Abbildung 7). 45
In der Folge werden die, vor allem im Lebensmittelhandel bekannten und heute im Einsatz befindlichen GS1 Strichcodesymbole EAN/UPC und GS1-128 vorgestellt.
2.6.1 EAN/UPC Strichcodesymbol
Die EAN/UPC Strichcodesymbologie 46 ist eine omnidirektional (lageunabhängig) lesbare Strichcodesymbologie. Sie dient zur Kennzeichnung jener Artikel, die heute an den Kassen
43 Die jeweiligen Kennzeichnungsregeln sind im GS1-128 Handbuch [GS1 Austria (2006a), Kap. 1, S 16] nachzulesen.
44 vgl. GS1 Austria (2006): online 45 vgl. Kotzab (1997), S 75 46 Dazu zählen UPC-A, UPC-E, EAN-8, EAN-13, 2-stelliger u. 5-stelliger Add on.
27
des klassischen Einzelhandels gelesen werden. 47 Abbildung 8 zeigt die jeweils heute am
POS zum Einsatz kommenden EAN/UPC Symbole:
Den EAN/UPC Symbolen (vgl. Abbildung 8) liegt die GTIN zugrunde. Es ist aber auch möglich, GS1 Instore-Nummern (vgl. Kap. 2.4) in diesen Symbolen darzustellen.
2.6.2 GS1-128 Strichcodesymbol
Für den Abwicklungsprozess des Warenflusses ist es entscheidend, Dateninformationen zur Verfügung zu stellen, um das Tracking der Ware entsprechend zu steuern. 48
Die GS1-128 Strichcodes bieten die Möglichkeit, Daten über die reine Produktidentifikation hinaus zu verschlüsseln. Dies bedeutet gleichzeitig, dass die Länge (Breite) der Symbole von Anwendung zu Anwendung unterschiedlich ist. Die GS1-128 Strichcodesymbole sind nur bidirektional, d.h. von rechts nach links und umgekehrt, lesbar und deshalb nicht für den Einsatz am POS geeignet. 49 Abbildung 9 zeigt ein GS1-128 Symbol mit 14-stelliger GTIN, Herstelldatum, Gewichtsangabe und Chargennummer.
47 vgl. GS1 Austria (2006), Kap. 1, S 13
48 vgl. Lenk (2004), S 36 49 vgl. GS1 Austria (2006a), Kap. 2, S 3
28
Durch das Scannen der GS1-128 Strichcodes wird die rasche, fehlerfreie und eindeutige Erfassung garantiert. Artikelnummern, Datumsangaben sowie weitere relevante Informationen stehen zur Speicherung oder weiteren Verarbeitung bereit. 50 Der neue GS1 DataBar Expanded Strichcode (vgl. Kap. 3.2.3 sowie Kap. 3.3.3) weist die gleichen Eigenschaften auf wie die GS1-128 Strichcodesymbologie, mit Ausnahme, dass der GS1 DataBar Expanded Strichcode auch omnidirektional (lageunabhängig) lesbar ist und sich deshalb für den Einsatz am Point of Sale eignet. 51
2.7 RFID im Vergleich zu heutigen Strichcodesymbolen
Elektronische Kassen- und Scanningsysteme sind uns heute sehr vertraut. Handelte es sich vor Jahren bei „Geschlossenen Warenwirtschaftssystemen“ um ein wichtiges Schlagwort, löst heute die RFID- (Radiofrequenz Identifikation) Technik intensive Überlegungen aus. 52
Ob sich der Einsatz von RFID in der Logistik lohnt oder nicht, ist deshalb ein häufig diskutiertes Thema. Durch das berührungslose Erkennen von Waren, bei dem im Gegensatz zur herkömmlichen Barcodetechnik kein Sichtkontakt erforderlich ist, bieten sich mit RFID neue Perspektiven. 53
Damit die RFID-Technologie branchenübergreifend eingesetzt werden kann, sind entsprechende Standards notwendig. Die Spezifikationen der RFID- Standardisierungsorganisation EPCglobal 54 integrieren bestehende GS1 Standards zur Produkt- und Objektidentifikation. 55 Beim Electronic Product Code (EPC) handelt es sich um eine global eindeutige, serialisierte Identifikationsnummer zur universellen Kennzeichnung physischer Objekte mittels Radiofrequenztags.
Im Vergleich zu heutigen Strichcodesystemen befindet sich auf einem EPC Transponder eine „nicht sprechende“ Nummer (GTIN) die dem jeweiligen Produkt zugeordnet ist. Der
EPC wird über elektromagnetische Wellen vom EPC Transponder zum Lesegerät
50 vgl. GS1 Austria (2006a), S 22
51 vgl. GS1 Austria (o. J. d), S 7
52 vgl. Müller-Hagedorn (2006) in: Innovationen in Marketing und Handel, S 38f
53 vgl. Kotzab/Messeritsch (2006), S 49f
54 Die offizielle Vertretung von EPCglobal in Österreich ist GS1 Austria.
55 vgl. Dittmann (2006), S 34
29
Quote paper:
Mag. (FH) Heidrun R. Girz, 2007, GS1 DataBar (RSS) - Mögliche Ausbreitung und Anwendung eines neuen Strichcodesymbols in Warenwirtschaftssystemen, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 25 Pages
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 35 Pages
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 15 Pages
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 25 Pages
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 20 Pages
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Termpaper, 14 Pages
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Script, 46 Pages
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 39 Pages
Heidrun R. Girz's text GS1 DataBar (RSS) - Mögliche Ausbreitung und Anwendung eines neuen Strichcodesymbols in Warenwirtschaftssystemen is now available as a printed book
Heidrun R. Girz has published the text GS1 DataBar (RSS) - Mögliche Ausbreitung und Anwendung eines neuen Strichcodesymbols in Warenwirtschaftssystemen
Heidrun R. Girz has uploaded a new text
Mobile Anwendungen in Lager und Versand mit SAP ERP
Dirk Eichholz, Jan-Martin Lichte, Hans-Georg Nüvemann
Chinese Space Policy: A Study in Domestic and International Politics
Roger Handberg, Zhen Li
Improving the Environment Through Reducing Subsidies: Part III: Case S...
OECD Publishing, Publishing Oecd Publishing
Navigating Time and Space in Population Studies
Emily R. Merchant, Glenn D. Deane, Myron P. Gutmann, Kenneth M. Sylvester
Good Laboratory Practice Standards: Applications for Field and Laborat...
Willa Y. Garner, James P. Ussary, Maureen S. Barge
0 comments