Prof. Dr. Dr. med. Michael Mück-Weymann für die Unterstützung zum - ThemaHerzratenvariabilität
Dr. Hubertus Deimel für die Betreuung der Arbeit -
INHALTSVERZEICHNIS I
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
Grundlagen 2 3
Stress 2.1 3
2.1.1 Definitionen und Grundlagen 3
2.1.2 Stress aus psychologischer Sicht 7
2.1.3 Stress aus biologischer Sicht 10
2.1.4 Stress aus bio-psychologischer Sicht 12
Das Burnout-Syndrom 2.2 19
2.2.1 Definitionen und Erklärungsmodelle 19
2.2.2 Symptomatologie/Pathologie 23
2.2.3 Epidemiologische und demographische Merkmale 27
2.2.4 Der Zusammenhang von Stress und Burnout 30
3 Psycho-physisches Therapiekonzept zur Stress
und Burnoutbewältigung (PPT-Konzept) 34
3.1 Theoretische Komponenten und Grundlagen
des PPT-Konzepts 35
3.1.1 Salutogenese 35
3.1.1.1 Kohärenzgefühl 36
3.1.1.2 Erlernte Hilflosigkeit 38
3.1.2 Person-Environment Fit 41
3.1.3 Flow 43
3.1.4 Traditionelle chinesische Medizin 45
3.1.5 Psycho-physische Regulation 49
3.1.5.1 Aktivierung 49
3.1.5.2 Entspannung 51
3.1.6 Bewältigungsverhalten 53
3.1.6.1 Definitionen und Grundlagen 54
3.1.6.2 Bewältigungsverhalten und Persönlichkeit 56
3.1.6.3 Bewältigungsverhalten in der Therapie 58
Methoden des PPT-Konzepts 3.2 59
3.2.1 Aquatische Körperarbeit 59
3.2.1.1 Definitionen und Grundlagen 59
3.2.1.2 Physische Auswirkungen 61
3.2.1.3 Psychische Auswirkungen 62
3.2.1.4 Psycho-biologische Auswirkungen 63
INHALTSVERZEICHNIS II
3.2.2 Qigong (aktive Entspannungsmethode) 64
3.2.2.1 Definitionen und Grundlagen 64
3.2.2.2 Physische Auswirkungen 65
3.2.2.3 Psychische Auswirkungen 65
3.2.2.4 Psycho-biologische Auswirkungen 66
3.2.3 Sportlich-körperliche Aktivität 67
3.2.3.1 Definitionen und Grundlagen 67
3.2.3.2 Physische Auswirkungen 67
3.2.3.3 Psychische Auswirkungen 69
3.2.3.4 Psycho-biologische Auswirkungen 72
3.2.4 Die HRV-Methode 74
3.2.4.1 Definitionen und Grundlagen 74
3.2.4.2 Diagnostische Einsatzmöglichkeiten der HRV 77
3.2.4.3 HRV-Biofeedback 82
Diskussion 4 85
4.1 Möglichkeiten der Stress- und Burnoutbewältigung
Im Rahmen des PPT-Konzepts 85
4.2 Einsatzmöglichkeiten der Herzratenvariabilität im
Rahmen des PPT-Konzepts 93
Fazit und Ausblick 5 97
5.1 Einsatzmöglichkeiten des PPT-Konzepts
In der Rehabilitation 100
5.2 Einsatzmöglichkeiten des PPT-Konzepts
In der Prävention 101
Zusammenfassung 6 103
Literatur 105
Anhang
Ressourcen-Aspekt (modifiziert nach RICHTER & HACKER, 1998, S.25)
Abb. 2. Die Person-Umwelt-Beziehung 7
modifiziert nach NITSCH, 1981, S. 41)
Abb. 3. Komponenten der Handlungssituation 8
(modifiziert nach NITSCH, 1981, S.278)
Abb. 7. Komponenten des Burnout-Syndroms (in Anlehnung an 21 MASLACH,1976)
(modifiziert nach BUCKERMANN, 2002, S.1).
Abb. 10. Die „Burnoutspirale“ 27
(in Anlehnung an FENGLER, 1999, S.110)
Abb. 11. Arbeitsunfähigkeitstage nach Krankheitsarten 1995-2001, 29
Indexdarstellung (1994 = 100%) (BADURA et al., 2002, S.309).
29 Abb. 12. Abbildung 12: Arbeitsunfähigkeitsfälle nach Krankheitsarten 1995-2001, Indexdarstellung (1994 = 100%) (BADURA et al., 2002, S.309).
Abb. 13. Psycho-physisches Therapiekonzept bei Stress und Burnout (PPT-34 Konzept)
Abb. 14. Integrationsversuch von Reaktanz, erlernter Hilflosigkeit und 40
anschliessender Anpassung an unkontrollierbare Ereignisse (modifiziert nach WORTMANN & DINTZER, 1978; in: SELIGMANN, 1986, S.221)
Abb. 17. Umgekehrte U-Hypothese von YORKES & DODSON 50
(1908, zitiert nach ZAICHOWSKY & BALTZELL, 2002, S.326).
Abb. 18. Physiologische Auwirkungen einer Wassershiatsu Anwendung 62
(in Anlehnung an LIEB, o.J., S.1ff.).
Parameter (modifiziert nach LÖTZERICH & UHLENBRUCK, 1990, in: HOLLMANN & HETTINGER, 2002, S.99).
sechs RR-Intevalle mit Angaben der Herzperiodendauer und Herzfrequenz (HOTTENROTT, 2002, S.10).
Abb. 22. „Taktgeber“der Herzratenvariabilität (MÜCK-WEYMANN, 2003, 76 S.12).
79 Abb. 23. Die HRV im Tachogramm eines gesunden Patienten in Ruhe(Abstände der RR-Intervalle im Ekg (ms) im Zeitverlauf über 160 Sekunden (oben) und das zugehörige Frequenzspektrum (MÜCK-WEYMANN, 2003, S.16).
80 Abb. 24. Normale Herzfrequenzfrequenzvariabilität (HRV) bei sympathovagaler Balance und niedrige HRV bei sympatho-vagaler Dysbalance (LF: niedige Frequenzen; HF: hohe Frequenzen) (HOTTENROTT, 2002, S.18).
Entspannungsverfahren anwendet (I Entspannung I), was zu einem deutlichen, die Übung überdauernden Anstieg der HRV führt. Physiologische Veränderungen können dem Patienten im Biofeedback rückgemeldet werden (MÜCK-WEYMANN, 2003, S.44).
annehmen können (modifiziert nach RICHTER & HACKER, 1998, S.17). 5
Tab. 6. Veränderungen nach Teilnahme am Laufkurs. 70
EINLEITUNG 1
1 Einleitung
„Karoshi“ nennen es die Japaner, wenn jemand aufgrund von Überforderung plötzlich tot bei der Arbeit zusammenbricht. Todesursache ist meist ein durch Stress ausgelöster Schlaganfall oder ein Herzstillstand. Nicht selten sind psychische Beschwerden wie Depressionen oder Schlafstörungen die gesundheitlichen Vorboten (vgl. http://de.wikipedia.org). Bereits im Jahre 2001 wurden dem japanischen Arbeitsministerium 690 Karoshi-Fälle gemeldet, wobei davon 143 als Arbeitsunfall anerkannt wurden. Im Sommer 2010 hat ein Gericht in Japan erstmals vier Top-Manager persönlich für einen Todesfall durch Überarbeitung verantwortlich gemacht und sie in der Folge zu hohen Schadenersatzzahlungen verurteilt (TAMAKI, 2010). Eine Vielzahl japanischer Kliniken hat sich mittlerweile auf „Karoshi-gefährdete“ Menschen spezialisiert. Die Entwicklung spezifischer Therapieprogramme zur Prävention und Rehabilitation wird von der Regierung stetig vorangetrieben.
Auch, wenn die Zustände in der fernöstlichen Arbeitswelt Extrembeispiele darstellen, werden Parallelen zu westlichen Verhältnissen deutlich. Ein Trend zur Überforderung am Arbeitsplatz, den KÜSGENS et al. schon im Rahmen des Fehlzeitenreports 2003 festgestellt hatten, setzt sich weiterhin fort. Aus einer Untersuchung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) im Zuge des Fehlzeitenreports 2010 geht hervor, dass Die Zahl psychischer Krankheitsfälle am Arbeitsplatz im vergangenen Jahr auf einen Rekordwert angestiegen ist. Seelische Erkrankungen sind dieser Studie zufolge inzwischen die vierthäufigste Ursache für Fehlzeiten am Arbeitsplatz. Es wird deutlich, dass immer mehr Arbeitnehmer durch berufliche Belastung körperlichen oder seelischen Schaden nehmen.
Andauernde emotionale, mentale oder körperliche Belastungen, verbunden mit dem Gefühl fehlender Unterstützung, überhöhte eigene Ansprüche, sowie ungelöste Konflikte mit Kollegen können zur chronischen Ermüdung führen. Kommen auf längere Sicht zu diesen chronischen Stressbelastungen akute Stresssituationen hinzu, wird die individuelle Toleranzschwelle überschritten.
EINLEITUNG 2
Chronische psychische und physische Ermüdung sind oft die Folge. Erholung findet dann nicht mehr statt.
Dieser als „Burnout-Syndrom“ bezeichnete Zustand stellt das Endstadium eines psycho-physischen Prozesses dar (KRUMPHOLZ-REICHEL, 2002). Gründe für diese Entwicklung sind vielschichtig und lassen sich u.a. auf einen Anstieg emotionaler Erschöpfung im Alltag zurückführen. Betroffene Personen fühlen sich depressiv und überfordert. Innere Leere, Angstzustände und Schlafstörungen sind weitere Symptome. Darüber hinaus entwickelt sich häufig eine distanzierte Haltung gegenüber Kollegen, Kunden, Klienten oder Patienten (vgl. BURISCH, 1994).
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der wissenschaftlichen Literatur zu den Themenbereichen „Stress“ und „Burnout“ und will, von einem ganzheitlichen Gesundheitsverständnis ausgehend, innovative und umsetzbare Ansätze der Stress- und Burnoutbewältigung liefern. Nach einer Darstellung der wichtigsten Grundlagen zum Thema Stress und Burnout werden in Kapitel 2 mögliche Zusammenhänge und Erklärungsmodelle für Burnout dargestellt.
Im Hauptteil der Arbeit (Kapitel 3) wird ein auf das Burnout-Syndrom bezugnehmendes Therapiekonzept 1 vorgestellt, welches in der Prävention und Rehabilitation zum Einsatz kommen kann. Neben Theorien der Gesundheitsförderung und Gesundheitserhaltung stellen körper- und bewegungstherapeutische Methoden die Hauptkomponenten des
Therapiekonzeptes dar. Die daraus resultierenden Möglichkeiten in Bezug auf Stress- und Burnoutbewältigung werden in Kapitel 4 diskutiert. Abschließend liefert Kapitel 5 Ansätze für den möglichen Einsatz der Konzeption in der Prävention und Rehabilitation.
1 Psycho-physisches Therapiekonzept zur Stress- und Burnoutbewältigung (PPT-Konzept)
GRUNDLAGEN
2 Grundlagen
Im folgenden Kapitel werden anhand der Vorstellung verschiedener Burnout-und Stresstheorien die Phänomene Stress, Burnout-Syndrom 2 , und die Rolle von Stress bei dessen Entstehung behandelt. Daran anschließend werden demographische Merkmale und die Verbreitung des Burnout-Syndroms dargestellt. Das vermittelte theoretische Verständnis dient als Grundlage für die in Kapitel 3 vorgestellten Interventionsmöglichkeiten.
2.1 Stress
Nach der Bestimmung relevanter Begriffe werden nachstehend verschiedene Erklärungsmodelle der Stressentstehung beschrieben und erklärt.
2.1.1 Definitionen und Grundlagen
Die Bezeichnung „Stress“ stammt aus dem Englischen und lässt sich mit Belastung, Druck oder Anspannung übersetzen. Stress wird als ein Reaktionsmuster mit hormonellen und vegetativen Komponenten aufgefasst. Auswirkungen von Stress werden auf psychischer, somatischer und Verhaltensebene beschrieben (z.B. DOMNOWSKI, 1999, S.70ff.). Die Stressreaktion kann nach SEEFELDT (2000) als ein komplexes Antwortverhalten des Organismus auf Belastungen bezeichnet werden, welches sich in einer relativ unspezifischen und stereotypen Reaktion auf alle Reize, welche das persönliche Gleichgewicht stören, wiederspiegelt. Er stellt fest, dass die Anpassungsreaktion „Stress“ als gesamt-organismischer Zustand betrachtet werden kann, der immer auch kognitiv-rationale und emotional-affektive Anteile beinhaltet (SEEFELDT, 2000, S.16/23). ENZMANN (1996, S.35) bezeichnet Stress als einen Prozess, der aus den Elementen „Stressoren“ (auslösende Faktoren), „Stress Zustand“, Stress Reaktionen“ (Coping) und längerfristigen Stress Folgen (psychisch und psychosomatisch) besteht.
2 In der vorliegenden Arbeit werden die Begriffe „Burnout-Syndrom“ und „Burnout“ identisch verwendet.
GRUNDLAGEN
Das Zentrum bildet das emotionale Erleben von Stress. Stressoren sind Reizeinwirkungen, durch die ein Individuum auf physiologischer, emotionaler und kognitiver Ebene beansprucht wird, die mit hoher Wahrscheinlichkeit beim Fehlen kompensierender Ressourcen Stressempfindungen (negativ getönter emotionaler Zustand, Sorgen, etc.) auslösen. Ressourcen sind Techniken, Verhaltensweisen und Strategien, die einem Stressor entgegengesetzt werden können (ENZMANN, 1996, S.46). Nach RICHTER & HACKER (1998, S.25) beinhaltet der Begriff „Ressourcen“ Komponenten, die es erlauben, die eigenen Ziele anzustreben und unangenehme Einflüsse zu reduzieren. Sie liefern eine von UDRIS, et al. (1991) entwickelte Klassifikation:
Abbildung 1: Klassifikation gesundheitsförderlicher Faktoren unter dem Ressourcen-Aspekt (modifiziert nach RICHTER & HACKER, 1998, S.25).
Nach RICHTER & HACKER (1998, S.125) entsteht Stress bei der Nichtbewältigung einer Aufgabe aufgrund unangemessener Bewältigungs-Strategien. Bei dem Versuch, Aufgaben und Probleme zu lösen, wird Stress neu hervorgerufen und damit der Stresszustand verstärkt.
GRUNDLAGEN
Stress wird demnach durch eine gestörte Zielverwirklichung aufgrund von Diskrepanzen zwischen kognitiven und sozialen Anforderungen und den erforderlichen Leistungsvoraussetzungen hervorgerufen. Stress kann sowohl durch Überforderung als auch durch Unterforderung (SELYE, 1976, S.386; FRANKENHAEUSER, 1981, S.20) entstehen.
RICHTER & HACKER (1998, S.17) beschreiben Faktoren, die bei Personen in Abhängigkeit vom verfügbaren Bewältigungsmuster eine Stressreaktion auslösen können.
Tabelle 1: Belastungen, welche die Qualität potentieller Stressoren annehmen können
HOLMES & RAHE (1967) entwickelten im Rahmen einer Versuchsreihe eine Skala, die allen möglichen belastenden Lebensereignissen numerische Werte zuwies. Die Forscher forderten zunächst ihre Probanden auf, anhand ihrer eigenen Erfahrungen einzuschätzen, wie viel Stress verschiedene
GRUNDLAGEN
Lebensereignisse auslösen. Als Gefahrenschwelle für die Entstehung von Symptomen mit Krankheitswert wurde ein Stresswert von 200 festgelegt. Die folgende Tabelle enthält einschneidende Lebensereignisse, die jeweils mit einem Punktewert für den entstandenen Stress versehen sind:
Die Untersuchungen ergaben, dass Probanden anfälliger für verschiedenste Krankheiten sind, wenn mehrere Stress-Anlässe zusammenkommen. Den Ergebnissen zur Folge waren in der Personengruppe zwischen 150 und 199 Stresspunkten 37 Prozent, bei 200 bis 299 Stresspunkten 51 Prozent, bei mehr als 300 Stresspunkten 79 Prozent der Untersuchten erkrankt. Die Untersuchung von HOLMES & RAHE (1967) veranschaulicht den Zusammenhang zwischen belastenden Ereignissen und körperlicher „Reaktions-Antwort“.
Hinzuzufügen ist, dass in der heutigen Zeit vermehrte Stressbelastungen in erster Linie auf einen Anstieg der sog. „Daily Hassles“ 3 zurückzuführen sind. Diese Stressoren liegen hauptsächlich in gesellschaftlichen Strukturen
3 Mobbing, Termindruck, Leistungsdruck, etc.
GRUNDLAGEN
begründet und können als Multiplikatoren für die „gewöhnlichen“ Belastungen des Lebens betrachtet werden.
Nach NITSCH (1981, S. 29) ist allen bisherigen Studien zum Thema Stress die Untersuchung von Vorgängen und Erscheinungen, die im Zusammenhang mit Problemen der Anpassung von Lebewesen an ihre Umwelt auftreten, gemeinsam. Der gesunde Umgang mit Stressoren jeder Art hängt demnach vom Anpassungsverhalten eines Individuums ab.
2.1.2 Stress aus psychologischer Sicht
Psychologische Stresstheorien gehen davon aus, dass der Zusammenhang von Stressoren und Stressfolgen nicht als mechanischer Ursache/Wirkungs-Zusammenhang aufgefasst werden kann. Untersuchungsschwerpunkte liegen hier auf der Betrachtung und Analyse von Interaktion zwischen Person und Umwelt und der Effektivität von Stressbewältigungsstrategien. Die Beziehung zwischen Person und Umwelt stellt die allgemeine Grundlage jedes Stressgeschehens dar, ohne zu erklären, was an dem Anpassungsgeschehen innerhalb des Systems genau als Stress zu bezeichnen ist.
GRUNDLAGEN
Das Stressphänomen wird aus psychologischer Sicht in erster Linie mit erlebten psychischen Spannungs- und Erregungszuständen bzw. deren Auslöser in Verbindung gebracht. Handlungen 4 innerhalb des Person-Umwelt-Systems bilden die Grundlage für die Entstehung von Stress, da Erfüllung von Handlungsanforderungen, die Ausführung einer Handlung sowie Handlungsergebnis durch verknüpfte Konsequenzen stressrelevant werden können. Der entstandene Stress entwickelt sich nicht nur handlungsgebunden, sondern wirkt sich wiederum auf die zukünftige Handlungsstruktur aus (NITSCH, 1981, S. 277).
Abbildung 3: Komponenten der Handlungssituation (NITSCH, 1981, S.278).
Die psychologische Stressforschung untersucht die Gesetzmäßigkeiten der psychischen Entwicklung von Stress und versucht darauf aufbauend anwendungsbezogene Maßnahmen (z.B. Verhaltensmodifikation) zu entwickeln, welche nicht auf die Behebung der Stresssymptome allein abzielen, sondern in erster Linie effektive Strategien zum psychologischen Umgang mit Stress liefern sollen. Kognitive Vermittlungsprozesse wie subjektive Wahrnehmung und Bewertung (appraisal), sowie
Kontrollüberzeugungen, Kausalattributationen und verfügbare Bewältigungsmuster (Coping), stellen innerhalb psychologisch orientierter Stresskonzepte die Grundlage für die Stressentstehung bzw. Vermeidung dar. Stressforschungen im Bereich der Tiefenpsychologie bringen nach NITSCH (1981, S.86) Stress meist mit Problemen und Erfahrungen in der
4 auch „Nicht-Handeln“ ist eine Handlung
GRUNDLAGEN
frühkindlichen Eltern-Kind-Beziehung in Zusammenhang (z.B. FREUD, 1936). Ein erlebter Stressor 5 führt zu Angst, auf die mit intrapsychischen Abwehrmechanismen 6 im Sinne eines Bewältigungsversuchs reagiert wird. Im Erwachsenenalter kommt es zu einer „neurotischen Kompensation“ der Erfahrungen, bei welcher oberflächlich beherrschte Konflikte erneut aufbrechen und verhaltensbestimmend werden. KELLER (1998, S. 66) konnte in dem Forschungsprojekt „subjektive Stressbewertung und persönliche Leistung“ interessante Zusammenhänge zwischen stressauslösender Bedrohung durch Herausforderung und emotionalen Antwortverhalten herausfinden. Die Studie fand im Rahmen einer Eignungsprüfung für das Sportstudium statt. 155 Probanden füllten im Rahmen eines Eignungstests Fragebögen zur persönlichen Leistung und subjektiven Erleben aus. KELLER (1998) kam zu dem Ergebnis, dass zwischen einem subjektiv erlebten Gefühl der Bedrohung aufgrund der bevorstehenden Anforderungssituation und negativen Emotionen (Ärger, Angst, Ekel, Scham, Traurigkeit, etc.) ein signifikant positiver Zusammenhang besteht. Je stärker demnach eine Person bedroht ist, umso stärker werden negativen Emotionen empfunden. Positive Emotionen (Liebe, Freude, Glück, Stolz, etc.) standen nach der Versuchsreihe in einem signifikant negativen Zusammenhang zur Bedrohung. Folglich empfindet eine Person umso weniger positive Emotionen wie Freude und Glück, wenn sie sich durch interne oder externe Faktoren bedroht fühlt und Stress empfindet. Welche Faktoren die Einschätzung einer Situation als Bedrohung begünstigen, hängt von der subjektiven Situationsbeurteilung und verfügbaren Bewältigungsstrategien des Individuums ab.
5 z.B. traumatische Ereignisse, wie Trennung der Eltern
6 z.B. Verdrängung
GRUNDLAGEN
2.1.3 Stress aus biologischer Sicht
Die eigentliche Stressreaktion ist nach SELYE (1953), der als Wegbereiter der heutigen Stressforschung bezeichnet werden kann, ein unspezifischer Ablauf und hängt nicht von der Eigenart der einwirkenden Faktoren ab. Stress ist somit als die Antwort eines Organismus auf jede Art von Beanspruchung zu verstehen: „Stress is the nonspecific response of the body to any demand, whether it is caused by, or results in, pleasant or unpleasant conditions“ (SELYE, 1975, S. 74).
Nach SELYE (1976, S.74) erlebt eine Person positiven Stress, wenn z.B. ekstatische Freude empfunden wird oder etwas Angenehmes eintritt. Diese Reaktion wird von ihm als „EuStress“ beschrieben. Unglück, Frustration und Krankheit führen zu „DisStress“ 7 . Die Reaktionen sind in beiden Fällen identisch, jedoch stellt der „EuStress“ keine Bedrohung für die Gesundheit dar.
Der menschliche Organismus drei Möglichkeiten auf Stress zu reagieren: „Rückzug, Angriff oder Passivität - retreat, advance or steadiness“. Um bei der Stressbewältigung optimale Ergebnisse erzielen zu können, sollten diese drei Reaktionsmöglichkeiten perfekt aufeinander abgestimmt sein und sich den wechselnden Anforderungen verschiedener Situationen anpassen können. Als Schaltzentrale fungieren die Nerven-und Hormonsysteme des Körpers. Umso weniger „DisStress“ das Zusammenspiel der Systeme funktioniert, desto besser funktioniert der Abwehrmechanismus des Organismus (SEYLE, 1976, S.115ff.). SELYE (1953, S.12) stellt fest, dass angeborene Orientierungs- und Schreckreaktionen 8 die Reaktionsgrundlage in Entscheidungssituationen darstellen. Erst wenn ein Reiz das allgemeine physiologische Adaptionssyndrom (AAS) auslöst, wird er zum Stressor und führt so zu einer Beanspruchung des Organismus.
7 Wenn in der vorliegenden Arbeit der Begriff „Stress“ verwendet wird, ist immer der negativ wirkende „DisStress“ gemeint.
8 auch als Kampf/Flucht Reaktion („Fight or Flight“)-Reaktion bezeichnet
GRUNDLAGEN
Die Stressreaktion läuft nach SELYE (1953, S.10) in drei Stufen ab:
a) Alarmreaktion in zwei Phasen („phase of shock“) Schockphase oder unmittelbare Reaktion, welche durch hormonelle und vegetative Veränderungen ausgelöst wird;
b) Gegenschock-phase („Reboundphase“), in welcher neuroendokrine Bewältigungsmuster auftreten, um die Körperreaktion in der Alarmsituation stabil zu halten;
c) Stadium des Widerstandes („phase of counter shock“) Der Organismus entwickelt Widerstand oder Adaptation zu den Stressoren mit Körperreaktionen, die sich von der Alarmphase unterscheiden. Bei einer Chronifizierung der Adaptionsreaktion kann es zu morphologischen Veränderungen kommen, die pathogenetische Reaktionen nach sich ziehen. Der Organismus verliert seine adaptive Kapazität und es kommt zum dritten Stadium;
d) Stadium der Erschöpfung („phase of exhaustion“) Die körperliche Kapazität zu adaptieren ist erschöpft. Besteht der Stressor weiterhin, werden vitale Reserven angegriffen und es kann zu einem hormonellen Zusammenbruch mit schwersten Organschädigungen kommen;
Abbildung 4: Das Adaptionssyndrom (modifiziert nach SEEFELDT, 2000, S.17).
GRUNDLAGEN
Sind die Energiereserven aufgebraucht, kommt es nach SELYE (1976, S.13) zu einer Phase der totalen Erschöpfung und bei Andauern dieses Zustandes zum Tod. SELYE (1976, S.80) weist darauf hin, dass diese dreiphasige Anpassungsreaktion des Organismus den meisten anderen körperlichen Reaktionsmustern 9 im Bezug auf die zugrundeliegende Struktur sehr ähnlich ist: „It is less generally known that this triphasic evolution of adaptation is quite characteristic also off all bodily activities, including those that only the physician can fully appraise“.
Das anfangs streng biologisch verstandene Stresskonzept SELYES (1953) kann als Basis für alle weiteren Erklärungsversuche des Stressgeschehens betrachtet werden und wurde inzwischen um psychologische und sozial einwirkende Faktoren wie z.B. gespeicherte Erfahrungen über erfolgreiche Bewältigungsversuche erweitert.
2.1.4 Stress aus bio-psychologischer Sicht
Bio-psychologische Stresskonzepte untersuchen die Wechselwirkung und Zusammenhänge zwischen Körper und Psyche. Untersuchungen zum Adaptionssyndrom von SELYE (1953) zeigten, dass andauernde Stressoren bei fehlenden Bewältigungsmöglichkeiten zu immunellen Störungen führen können. In tierexperimentellen Versuchen wurde nachgewiesen, dass Hormone wie z.B. Adrenalin und/oder Kortikoide in Anforderungssituationen für die Entstehung der Stressreaktion verantwortlich sind. Unterschiedliche schädigende Einflüsse rufen das gleiche (reizunspezifische) Syndrom 10 hervor, welches sich durch Thymusschrumpfung, Vergrößerung der Nebennierenrinden und Blutungen im Magen und Zwölffingerdarm auszeichnet. Krankheitserreger können in der Folge schwerer unschädlich gemacht werden und die Immunreaktion des Körpers wird abgeschwächt (SELYE, 1953, S.5ff.) UHLENBRUCK (2001, Anhang S.2) beschreibt das Immunsystem als „die Summe aller physiologischen und psychologischen Abwehrmechanismen“ (des Organismus). Er erklärt, dass sich das Immunsystem aus dem Gehirn
9 z.B. Entzündungsreaktionen, aerobe Beanspruchung, etc.
10 „Stresstrias“
GRUNDLAGEN
bzw. Zentralnervensystem heraus entwickelt hat, was die Vernetzung zwischen Psyche und Immunsystem erklärt. Neurotransmitter des Nervensystems treten mit den Rezeptoren an den Zellen des Immunsystems Immunsystems 11 in Verbindung. Moleküle des werden vom
Zentralnervensystem als Signale wahrgenommen. Auf diese Weise kommt eine enge und intensive Kommunikation zwischen Gehirn und Körper, zwischen Psyche und Immunsystem zustande. Nach HOLLMANN & HETTINGER (2000, S.597ff.) bestätigt das heutige Wissen die Alltagserfahrung, dass psychisch belastende Situationen eine Infektion auslösen können. Positiv stimmende Lebensumstände können die Immunlage mit den zugehörigen Konsequenzen verbessern. Positive und negative Denkweisen als Ausdruck bestimmter Funktionen des Gehirns, haben in Rezeptoren und Botenstoffen des Gehirns ihre Basis. Im Immunsystem treten gleiche Strukturen und biochemische Vorgänge auf. Die von ADER (1981) geprägte Bezeichnung „Psychoneuroimmunologie“ drückt den Zusammenhang zwischen Psyche, Gehirn und Immunsystem aus. Das Gehirn stellt hierbei die oberste Kontrollinstanz dar, dessen primäre Aufgabe die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts im System ist. Gleiches gilt für das Immunsystem in seinem Kampf gegen Krankheitskeime und körperfremde Moleküle. Stresshormone 12 , die vom Gehirn produziert werden, können die Funktion der natürlichen Killerzellen im Blut (Immunabwehr) unterdrücken.
Nach einer nervalen Stimulation ist der Hypothalamus für die „hormonale Antwort“ des Organismus zuständig ist. Dieser Teil des menschlichen Gehirns ist für die Integration des somatischen, vegetativen, hormonellen und zentralen Aktivierungssystems des Organismus zuständig. Der Hypothalamus stellt somit die entscheidende Schnittstelle für die Umschaltung nervöser Erregung in hormonelle Reaktion dar. Stress kann folglich als „organismische Gesamtreaktion“ bezeichnet werden (NITSCH, 1981, 64ff.).
TEWES & SCHEDLOWSKI (1994), die durch Stress evozierte körperliche Prozesse untersuchten, beschreiben Stress als die Konfrontation des
11 Interleukine, Zytokine
12 z.B. Cortisol
GRUNDLAGEN
Organismus mit kurzzeitigen oder anhaltenden physischen, infektiösen oder psychischen Belastungen, wobei es zur einer Aktivierung des sehr komplexen psychoneuroendokrinen Systems kommt, was mit biologischen und psychischen Veränderungen einhergeht. Bei der Analyse der Zusammenhänge zwischen emotionalem Erleben und neuroendokrinen Regulationsvorgängen konnten von TEWES & SCHEDLOWSKI (1994, S.20) folgende physiologische Systeme nachgewiesen werden:
• Das Katecholamin-System (NSS) 13
Es beschreibt die sog. „Notfallreaktion“ des Organismus bei akuter Belastung (aktiver Stress). Die Katecholamine Adrenalin und Noradrenalin werden hierbei freigesetzt, was eine kurzfristige Erhöhung der Belastbarkeit des Organismus zur Folge hat, indem Ressourcen für Flucht -oder Kampfreaktionen bereitgestellt werden. Die Ausschüttung von Adrenalin durch das Nebennierenmark und von Noradrenalin durch den Locus coeuleus 14 veranlasst hat sympathikotone, d.h. eine aktivierende Wirkung, durch welche die Durchblutung von Herz- und Skelettmuskulatur verbessert wird und Atmung und Herzschlagfrequenz gesteigert . Die Zahl der roten Blutkörperchen steigt an, und von der Leber wird verstärkt Zucker für die Muskelarbeit bereitgestellt. Die Leistungsfähigkeit wird so kurzeitig gesteigert. Vegetative Funktionen, wie z.B. Magen-Darm-Tätigkeit, sexuelle Erregbarkeit und Wachstum werden eingeschränkt. Wiederholen sich Stressreaktionen bei länger anhaltenden Belastungen, kommt es nicht zu einer verminderten Adrenalin-Ausschüttung im Sinne einer Adaption. Vielmehr kann ein chronisch erhöhter Adrenalinspiegel schwerwiegende Folgen für den Organismus haben, wobei bevorzugt Störungen des Immun-und Herz-Kreislauf-Systems auftreten;
• Das Cortisol-System (HHNA) 15
Das Cortisol-System sorgt für die kurzfristige Regulation des Organismus in Situationen, die sich durch Erwartungsunsicherheit und/oder Handlungsunfähigkeit auszeichnen (passiver Stress). Die Erhöhung des Cortisolspiegels im Blut ist Folge der Noradrenalinauschüttung und führt zur Regulation des Immunsystems und Blutdruckes und zu einer beschleunigten Heilung bei Gewebeschädigungen. In Leistungssituationen wird so die Anpassung des Systems an höhere Anforderungen sichergestellt. Findet nach der Belastung kein oder nur unzureichender Rückgang des Cortisolspiegels statt sind die Folgen Hypertonie, Muskelschwund, und beeinträchtigte Immunabwehr bis hin zu Unfruchtbarkeit. Darüber hinaus können Störungen der emotionalen Befindlichkeit und des Schlafverhaltens auftreten;
13 Noradrenalin-Sympathikus-System
14 „blauer Kern“
15 Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse
GRUNDLAGEN
• Das Testosteron-System
Der Testosteronspiegel korreliert mit Ausmaß der Situationskontrolle bzw. der Hilflosigkeit. In tierexperimentellen Studien von SAPOLSKY & RAY (1989) konnte nachgewiesen werden, dass dominantes Verhalten während einer Anforderungssituation zu einer Aktivierung des Katecholamin-Systems führt. Dieser „aktive“ Stress geht mit einer Testosteronausschüttung mit verbesserter Glucoseversorgung der Muskulatur einher, was zu einem Anstieg der Leistungsfähigkeit führt. Unterlegenes oder hilfloses Verhalten ist geprägt durch die Aktivierung des Cortisol-Systems, welches zu einer Reduzierung des Testosteron-Spiegels führt (zitiert nach TEWES & SCHEDLOWSKI, 1994, S.22);
TEWES & SCHEDLOWSKI (1994, S.23) merken an, dass unter anhaltender Belastung alle Komponenten dieses sehr komplexen Systems neuroendokriner und psycho-immunologischer Stressreaktionen zusammenwirken.
Die Aktivierung des Katecholamin-Systems geht eher mit Herausforderung, Leistung und Anstrengung einher, während eine Aktivierung des Cortisol-Systems in Situationen mit geringer individueller Kontroll- und Bewältigungsmöglichkeit stattfindet (HELLHAMMER & SCHOMMER, o.J., im Druck). LUNDBERG (1995) folgert, dass das Katecholamin-System 16 hauptsächlich die Stress- und Erregungsintensität widerspiegelt, während das Cortisol-System 17 empfindlich auf die affektiven Aspekte einer Belastung reagiert. Die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HHNA) und das Noradrenalin-Sympathikus-System können nach CHROUSOS & GOLD (1992) als die beiden wesentlichsten Systeme angesehen werden, mittels welcher psychische und körperliche Erkrankungen beeinflusst werden Die Reaktionen beider Systeme zielen im Falle akuter Belastung auf eine schnelle Bereitstellung von Energie und eine optimale Anpassung an die Anforderungen einer Situation ab. Beide Systeme arbeiten dabei eng zusammen, wirken gelegentlich aber auch funktionell getrennt (HOLSBOER, 1999) (zitiert nach HELLHAMMER & SCHOMMER, o.J., im Druck).
16 auch als Noradrenalin-Sympathikus-System bezeichnet
17 auch als Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HHNA) bezeichnet
GRUNDLAGEN
Abbildung 5: Systeme der Stressreaktion (SCHANDRY, 2003, S.236).
HELLHAMMER & SCHOMMER (o.J., im Druck) konnten Zusammenhänge zwischen stressbezogenen Erkrankungen und gestörter Cortisolproduktion nachweisen, welche auf störungsrelevante Veränderungen der
Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse
zuführen sind: a) Hypercortisolismus
Die Überproduktion von Cortisol wird oft bedingt durch eine verstärkte Innervation der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HHNA). Auslöser ist oft Angst in unvertrauten Situationen, Unkontrollierbarkeit bei drohender Arbeitslosigkeit, Mobbing am Arbeitsplatz, oder soziale Konflikten in den Bereichen Familie und Freizeit. HHNA-Reaktionen sind ausgeprägter bei Menschen mit geringer Selbstsicherheit. Es kommt in der Folge zu einer Aktivierung des sympathischen Nervensystems mit Freisetzung von Adrenalin und Noradrenalin. Herzfrequenz und Blutdruck steigen im Sinne einer optimalen Vorbereitung auf aktive Auseinandersetzung mit einem Stressor an. Stress-irrelevante Organe, wie das Verdauungssystem werden gehemmt. Es handelt sich hierbei um die sogenannte „Kampf/Flucht Reaktion“. Bei CHROUSOS & GOLD (1992) findet man eine Übersicht von stressbezogenen Störungen, die mit Hypercortisolismus
zusammenhängen. Diese sind z.B. (zitiert nach HELLHAMMER & SCHOMMER, o.J., im Druck):
GRUNDLAGEN
• Potenzierung von Angst;
• Vasokonstriktion ;
• Vasodilatation;
• Ansammlung viszeralen Fetts;
• Stimulierung von Cholesterol, LDL, Triglyceride;
• Hemmung von HDL;
• Verringerung der Knochendichte;
• Hemmung von Interleukin 12; T-Helferzellen;
• Hyperinsulinämie;
• Insulinresistenz;
b) Hypocortisolismus
Hypocortisolismus bezeichnet einen Zustand im Organismus, bei dem das Hormon Cortisol nur unzureichend verfügbar ist, bzw. seine Wirkung nicht ausreichend entfalten kann (HEIM et al., 2000). Hypocortisolismus kann aufgrund von chronischem psychischem Stress, intensivem physischem Stress, psychischem Trauma oder physischem Trauma entstehen. Hauptsymptome sind gesteigertes Schmerzempfinden, Müdigkeit und Stressintoleranz. Patienten mit Hypocortisolimus berichten allgemein über deutlich größere Stressbelastung, Angst, Depression, Müdigkeit (SCHULZ & MERCK, 1997; HEIM et al., 2000; STEIN & BARRETT-CONNOR, 2000)(zitiert nach HELLHAMMER & SCHOMMER, o.J., im Druck).
HELLHAMMER & SCHOMMER (o.J., im Druck) fassen zusammen, dass Stress Hypercortisolismus oder Hypocortisolismus auslösen kann. Psychische und psychosomatische Reaktionen können daraufhin in verschiedener Weise hervorgerufen werden.
GRUNDLAGEN
Für ENZMANN (1996, S.35) können sowohl Reaktionen der Stressbewältigung, als auch der Stress-Zustand, längerfristig
psychosomatische Folgen haben (z.B. Burnout, Depressivität).
Was alle Stressmodelle trotz unterschiedlicher Definitionen von Stress verbindet, ist das „Stressgeschehen“ bzw. das Erleben von Stress. Der Zustand des „Gestresst-Seins“ soll daher den Ausgangspunkt für alle in dieser Arbeit vorgestellten Therapiemaßnahmen darstellen und gleichzeitig Rückschlüsse auf präventives Handeln ermöglichen. „Stresserleben“ ist ein subjektiver Prozess, wobei die Auslöser als Ursache individueller Reaktions- bzw. Handlungsmuster betrachtet werden können.
Arbeit zitieren:
Dipl. Sportwissenschaftler Sebastian Mösch, 2010, Möglichkeiten der Stress- und Burnoutbewältigung in der Prävention und Rehabilitation, München, GRIN Verlag GmbH
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