Fachhochschule Esslingen Hochschule für Sozialwesen Fachbereich Gesundheit und Pflege Studiengang Pflegepädagogik
Aspekte von Frauenerwerbstätigkeit: Krankenpflege, eine berufliche Sackgasse für Frauen?
Verfasserin:
Silke Hegemann Pflegepädagogik 5. Sem. WS 02/03
Veranstaltung: Organisation und Planung der Fort- und Weiterbildung Modul H 5.5
Esslingen, Januar 2003
Inhalt
1 Einleitung 4
2 Anspruch auf Bildung und Erwerbstätigkeit für Frauen:
geschichtlicher Überblick 4
3 Die Pflege als Frauenberuf: geschichtliche Entwicklung und heutiger
Stand 7
3.1 Die Entwicklung der Krankenpflege zum Beruf 7
3.2 Die Entwicklung der pflegeberuflichen Bildung 10
3.3 Pflegeausbildung heute 11
3.3.1 Aktuelle Situation in Aus- und Weiterbildung 11
3.3.1.1 Ausbildung 11
3.3.1.2 Weiterbildung 12
4 Karrierechancen für Frauen im Pflegeberuf 12
5 Eigene Stellungnahme 15
6 Literatur 18
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Aspekte von Frauenerwerbstätigkeit: Krankenpflege,
eine berufliche Sackgasse für Frauen?
1 Einleitung
Schlecht bezahlt, gesellschaftlich kaum anerkannt, keinesfalls ein Karrieresprungbrett, sondern vielmehr eine Sackgasse: Pflegeberufe. Noch heute werden sie von vielen Menschen als typische, ja ideale Frauenberufe betrachtet, da die Fähigkeit für andere zu sorgen, sie zu pflegen als natürliche weibliche Fähigkeit gilt. Professionalisierungsbemühungen der Pflege werden oft belächelt und in Frage gestellt.
Die folgende Hausarbeit soll aufzeigen, wie diese Situation entstanden ist, wobei sie sich auf die Krankenpflege in der Bundesrepublik Deutschland beschränkt. Wenn im folgenden von Pflegenden die Rede ist, sind in der Krankenpflege tätige Personen gemeint.
Ich möchte zunächst einen Überblick über die Geschichte der Frauenbildung geben: Warum blieb Frauen über eine so lange Zeit hinweg der Zugang zu (beruflicher) Bildung verwehrt? Seit wann sind Frauen berufstätig? Wann haben Frauen begonnen, sich für ihr Recht auf Arbeit und Bildung einzusetzen? Im Anschluss daran möchte ich beschreiben, wie und warum sich der Pflegeberuf zum typischen Frauenberuf entwickelt hat, auch dazu werde ich erst einen geschichtlichen Überblick geben, um danach die aktuelle Situation sowohl in der Pflegeausbildung als auch in der Weiterbildung in den Pflegeberufen kurz zu erläutern. Den Abschluss der Arbeit bildet ein Kapitel über die Karrierechancen, die sich Frauen in der Pflege bieten oder besser gesagt nicht bieten. In diesem Abschnitt werden Hintergründe und Ursachen für diese Sackgassen-Situation in der Pflege dargestellt und eventuelle Chancen auf Verbesserung näher erläutert.
2 Anspruch auf Bildung und Erwerbstätigkeit für
Frauen: geschichtlicher Überblick
Dass Frauen einen Anspruch auf Bildung und Ausbildung haben, scheint heute selbstverständlich, ist jedoch das Ergebnis einer langwierigen Entwicklung, da es über weite Strecken als normal und gottgegeben galt, dass die Frau ihrer
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natürlichen Berufung als Ehefrau und Mutter nachkommt - Tätigkeiten, für die Bildung als eher hinderlich gilt.
Im folgenden Abschnitt wird ein Überblick über die diese Entwicklung gegeben: Lesen und schreiben zu können galt im Mittelalter als „’weibisch und pfaffisch’“ (Blochmann, 1990, S.1), wie Weinhold (1882) von Blochmann zitiert wird. Der Großteil der Bevölkerung, ob männlich oder weiblich, konnte weder lesen noch schreiben, dies war wenigen vorbehalten, die überwiegend in Klosterschulen unterrichtet wurden.
Die Bildung breiterer Volksschichten gewann erst zur Zeit des Humanismus und der Reformation an Bedeutung, da eine Erweiterung der bisher rein theologischen Bildungsinhalte um weltliche Bereiche erfolgte. Nach Blochmann (1990) machte sich schon zu diesem Zeitpunkt ein Unterschied in der Bildung der Geschlechter bemerkbar: zwar war eine Art religiöser Grundausbildung der wichtigste Bildungsbestandteil sowohl für Jungen als auch für Mädchen; allerdings zielte die Erziehung der Mädchen darauf ab, sie zu frommen, gehorsamen und nützlichen Hausfrauen zu erziehen - wie es ihre natürliche, gottgewollte Bestimmung war. Und es galt als selbstverständlich, dass Mädchen diese Erziehung durch Frauen, Jungen ihre Bildung dagegen von Männern erhalten sollten. Schon zu dieser Zeit war die Bezahlung der weiblichen Lehrkräfte schlechter als die der männlichen. Nach Blochmann (1990) waren die sowohl sozial als auch wirtschaftlich schwierigen Verhältnisse nach dem Dreißigjährigen Krieg dafür verantwortlich, dass die allgemeine Schulbildung für die Bevölkerung an Bedeutung verlor. Erst mit Gründung der preußischen Monarchie 1701 nahm das Interesse der Regierung an Volksbildung erneut zu.
Piechotta (2000) verweist auf Jean Jacques Rousseau, der sich 1762 dafür aussprach, Mädchen nicht völlig ohne Bildung aufwachsen zu lassen, da eine ungebildete Ehefrau für ihren Mann, ihre Familie und somit die Gesellschaft schwere Folgen haben könnte: eine ungebildete Frau sei nicht in der Lage, ihren Kindern moralische Werte oder Tugenden zu vermitteln, könne sie nicht zu nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft erziehen und somit nicht ihrer Aufgabe nachkommen. Allerdings plädiert Rousseau dafür, Mädchen und Frauen nicht mehr Bildung zukommen zu lassen, als für die Erfüllung ihrer Aufgabe - Erziehung der Kinder im Sinne des Mannes und der Gesellschaft -
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unbedingt notwendig. Eine zu gebildete Frau ist, nach Rousseau, schlimmer als eine ungebildete.
Im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Bildung in Deutschland zu einem bedeutsamen Element im Kampf des Bürgertums gegen die ständische Ordnung. Piechotta (2000) beschreibt Bildung als wichtiges Mittel das Selbstbewusstsein des Bürgertums gegenüber dem herrschenden Adel zu stärken. Auch hier zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen Bildung für Männer und Bildung für Frauen: während die Söhne aus bürgerlichen Familien ihre Bildung in öffentlichen Einrichtungen wie Gymnasien erwerben, bleibt die Bildung der Töchter Privatsache, sie erhalten Privatunterricht, bzw. besuchen Privatschulen, wo sie die Bildung erhalten, die gesellschaftlich angemessen erscheint: es werden die Fähigkeit vermittelt, die es den Mädchen ermöglichen sollen, einen gut situierten Ehemann zu finden, diesem eine gefügige und gute Frau zu sein und die Kinder nach dessen Vorstellungen zu erziehen. So beschränkt sich der Unterricht für Mädchen auf Musik, Handarbeit, Tanz, gutes Benehmen und Konversation, sowie neue Sprachen. Nach Piechotta (2000) kommt der Tatsache, dass das Erlernen alter Sprachen wie Latein oder Griechisch den Jungen vorbehalten ist, eine besondere Bedeutung zu, da dies eine Bedingung für den Abschluss des Gymnasiums und den Beginn eines Studiums darstellt. Frauen sind also von vorneherein von höherer Bildung ausgeschlossen, sie sollen gute Ehefrauen, angenehme Gesellschafterinnen und gute Mütter, aber keinesfalls berufstätig und somit selbständig sein.
Die schlechten wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse ab Mitte des 19. Jahrhunderts führen dazu, dass Frauen, denen es nicht gelungen ist, sich durch eine Heirat materiell abzusichern und die nicht von Verwandten versorgt werden, sich eine alternative Lebensform suchen müssen, um zu überleben. Auch das konservative, reaktionäre Bürgertum kann sich dieser Entwicklung nicht widersetzen: Frauen müssen berufstätig werden. Da weibliche Erwerbstätigkeit eine Notlösung, nicht eine gewünschte gesellschaftliche Veränderung darstellt, werden Ausbildungsstätten für Frauen durch private statt staatliche Initiativen gegründet und die Ausbildungen werden nicht institutionalisiert, so dass sie bei einer Verbesserung der wirtschaftlichen Situation schnell aufgelöst und die Frauen zurück an den häuslichen Herd gedrängt werden können.
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Arbeit zitieren:
Silke Hegemann, 2003, Aspekte von Frauenerwerbstätigkeit: Krankenpflege, eine berufliche Sackgasse für Frauen?, München, GRIN Verlag GmbH
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