INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG 3
2. THEORETISCHER RAHMEN
2.1 AUSGANGSSITUATION 4
2.2 UNTERSUCHUNGSGEGENSTAND UND UNTERSUCHUNGS-
INTERESSE 4
2.3 EINFLUSSFAKTOREN UND VERMUTETE ZUSAMMENHÄNGE 6
3 METHODISCHES VORGEHEN
3.1 DAS NARRATIVE INTERVIEW 7
3.2 DURCHFÜHRUNG 8
3.3 TRANSKRIPTION 13
4 AUSWERTUNG UND INTERPRETATION 13
5 FAZIT UND AUSBLICK 18
LITERATURVERZEICHNIS 19
ANHANG
Anhang 1: Erklärung
Anhang 2: Transkriptionsnotation
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1. Einleitung
Inhaltlicher Aspekt der vorliegenden Hausarbeit zum Modul 2A im BA-Bildungswissenschaften ist die Untersuchung biographischer Gründe für die Doppelqualifizierung, d. h. die Aufnahme eines Studiums nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung. Dies geschah mittels der Durchführung eines autobiographischnarrativen Interviews. Vor diesem Hintergrund bildete ich die Unterfragen, ob das Modell der Doppelqualifizierung auf Sicherungsstrategien der Akteure basiert oder diese im allgemeinen Trend zur Höherqualifizierung münden, wie er derzeit im Zusammenhang mit der Bildungsexpansion aktuell erscheint und kommuniziert wird (Scholz, 2006). Da es sich bei der von mir gewählten Methode um eine offene Art des Interviews handelt, bleibt ein gewisser Überraschungseffekt in Bezug auf weitere mögliche Motive für das Studium nach der Ausbildung erhalten. Im Grunde dient das narrative Interview der Offenlegung lebensgeschichtlicher Wandlungsprozesse und hat folglich prozessanalytischen Charakter. Dies nur vorweg gesagt, ich werde die Spezialform des narrativen Interviews im Unterpunkt 3.1 zur Methodologie ausführlicher beleuchten.
Da ich eine Einzelfallanalyse anstrebte, habe ich mich bei meiner Arbeit an den „Stationen eines qualitativen Forschungsprozesses“ orientiert. (Flick 1995: 172). Ich beginne meine Ausführungen mit einem kurzen Abriss der Ausgangssituation, die dem Leser als Einstieg in das Thema dienen soll. Ferner werde ich den Leser mit dem Untersuchungsinteresse und Untersuchungsgegenstand in Punkt 2.2 vertraut machen sowie in Punkt 2.3 erste eigene Vermutungen anstellen und Vorannahmen äußern. In Punkt 3 gehe ich detailliert auf mein methodisches Vorgehen ein und stelle das narrative Interview in Punkt 3.1 als Erhebungsmethode der qualitativen Sozialforschung vor. In Punkt 3.2 und 3.3 erläutere ich theoretische und praktische Aspekte der Durchführung und der Transkription des Interviews. In Punkt 4 widme ich mich ausführlich der Auswertung, Analyse und Interpretation des Interviewmaterials und werde abschließend mit Punkt 5, einem kurzen Fazit, meine Arbeit abschließen.
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2. Theoretischer Rahmen
2.1. Ausgangssituation
Die Nachfrage an akademischer Bildung, hochqualifizierter Ausbildung und Weiterbildung ist in Deutschland kontinuierlich angestiegen, was unter anderem dazu geführt hat, dass Bildung in der heutigen Gesellschaft zu einer zentralen Leitfigur geworden ist (Scholz, 2006). Die Erweiterung der Zugangsberechtigungen zu den Einrichtungen höherer Bildung spielte dabei ebenso eine große Rolle und auch Lewin und Schacher stellten in einer Längsschnittstudie zu Ausbildungsstrategien und Berufsorientierungen von Abiturienten fest:
Für Studienberechtigte ist das Studium auch heute noch der
„Königsweg“ in das Berufsleben. Der direkte Weg von der Schule an die Hochschule und dann in den Beruf wird jedoch zunehmend weitaus seltener beschritten. In der zweiten Hälfte der 70er bis Mitte der 80er Jahre kam etwa die Hälfte der Studienanfänger auf Umwegen - geplant oder gezwungenermaßen - von der Schule an die Hochschule. (Lewin; Schacher 1990: 27)
2.2. Untersuchungsgegenstand und Untersuchungsinteresse
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Die Entscheidung für eine bestimmte Fragestellung hängt häufig von lebenspraktischen Interessen des Forschers und seiner Einbindung in bestimmte soziale Kontexte ab. Ihre Konkretisierung ist nicht zuletzt von dem Ziel bestimmt, Klarheit über das zu gewinnen, was konkrete Feldkontakte zutage fördern sollen. Je weniger klar die Fragestellung formuliert ist, desto größer ist die Gefahr, dass hinterher die berühmten Berge von Texten entstehen, vor denen der Forscher bei der Interpretation relativ hilflos steht. Das zitierte Prinzip der Offenheit bezieht sich vornehmlich auf die Formulierung von Hypothesen, nicht auf die Festlegung der Fragestellung. (Flick 1995: 152)
Dazu habe ich Folgendes berücksichtigt:„[…] Zwei Fragen sind an dieser Stelle konkret zu beantworten: 1.: Was genau will ich herausfinden? 2.: Was ist das dahinterstehende praktische Interesse?“ (Friebertshäuser; Prengel 2003: 90f). Mit diesen Fragen im Hinterkopf formulierte ich das Ziel meiner Arbeit, welches in der Offenlegung biographischer Gründe für das Modell der Doppelqualifizierung bestand. Ich wollte insbesondere analysieren, welche biographischen und damit subjektiven Entscheidungsprozesse bei meiner Interviewpartnerin abliefen und was sie zur Aufnahme eines Studiums trotz erfolgreichen Absolvierens einer Ausbildung bewegte.
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Vor dem Hintergrund deutlich gestiegener Studierendenzahlen rückten in den letzten Jahren die Beschäftigungsaussichten der Absolventen und Absolventinnen des Hochschulsystems in den Mittelpunkt eines breiten öffentlichen und wissenschaftlichen Interesses. Trotz zahlreicher "weißer Flecken" existiert zu diesem Themenbereich relativ viel Wissen: In verschiedenen Untersuchungen werden etwa die manchmal verschlungenen Wege von Absolventen unterschiedlicher Studienfächer in das Beschäftigungssystem beschrieben, Verlaufsstudien zeichnen über längere Zeiträume hinweg die beruflichen Biographien von Hochqualifizierten nach, die Betroffenheit durch Arbeitslosigkeit wird analysiert, und über verschiedene inhaltliche und methodische Zugänge erfolgen Annäherungen an das Problem der ausbildungsinadäquaten Beschäftigung. In diesen Untersuchungen werden zum Teil auch die Erfahrungen und Perspektiven der Absolventen und Absolventinnen des Hochschulsystems selbst erhoben. Über die Sichtweisen derjenigen, die sich als Studierende noch an den Hochschulen befinden, ist dagegen bislang nur wenig bekannt. (Institut für Arbeitsmarkt- und Be-rufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit [IAB] 1995: aus dem Vor-wort)
Die Literaturrecherche verlief ähnlich „erfolgreich“. Literatur mit beispielsweise thematischem Bezug zur Bildungsexpansion, zum Studienverhalten und zu den Motiven bei der Berufs- und Studienwahl war deutlich überpräsent. Das Modell Doppelqualifizierung allerdings schien bisher noch nicht im Fokus des Forscherinteresses gelegen zu haben. Dennoch gestaltete sich dies für mich als nicht weiter problematisch, da ich ohnehin ein autobiographisches Interview führen wollte und die Literatur lediglich zur Sensibilisierung und allenfalls als Hilfswerkzeug zur Analyse des Datenmaterials dienen sollte.
2.3. Vorannahmen und vermutete biographische Einflussfaktoren
Selbstverständlich ist mir bewusst, dass ein einziges geführtes Interview und seine Auswertung - wenn überhaupt - nur ansatzweise Richtungen aufweisen kann, deren Erforschung sich lohnt. Trotzdem fand ich es spannend, dass meine Interview-
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partnerin sich, wie ich vorher schon wusste, erst nach der Ausbildung für die Aufnahme eines Studiums entschieden hatte. Ich hoffte, durch meine offene Erzähl-aufforderung (1/1-3) zumindest den subjektiven, individuellen Prozess zu meiner oben definierten Fragestellung rekonstruieren zu können.
Vorweg möchte ich einige Anmerkungen zu meinen Vorannahmen und den von mir vermuteten biographischen Einflussfaktoren machen. Natürlich nur um den Leser weiterhin für dieses Thema zu erwärmen und um deutlich zu machen, welche Akzente ich bei der Analyse des späteren Textmaterials setzte. Es ist für mich wichtig zu betonen, dass ich keineswegs lediglich die Motive für die Aufnahme des Studiums herausfinden möchte, sondern versuchen werde, durch die Untersuchungsmethode des narrativen Interviews biographische Wandlungsprozesse, eventuell sogar Verlaufskurven (vgl. Glinka, 1998) nachzuzeichnen und darzustellen.
Einerseits könnten gewisse Sicherungsstrategien meiner Interviewpartnerin hinsichtlich materieller Aspekte wie Einkommen, Karriere, Arbeitsplatzsicherheit etc. eine wesentliche Rolle für die Aufnahme des Studiums gespielt haben, andererseits unterlag dies vielleicht allgemein dem Trend der Höherqualifizierung. All dies sollte später ausschließlich in Verbindung mit der Biographie meiner Interviewpartnerin betrachtet und analysiert werden.
3. Methodisches Vorgehen
3.1 Das narrative Interview
Da die Fragestellung und folglich das Erkenntnisinteresse die Wahl der Untersuchungsmethode maßgeblich mitbestimmt, bot sich für meine Untersuchung das (autobiographisch-) narrative Interview an: „Das narrative Interview ist eine Spezialform des qualitativen Interviews, die Schütze (1977) entwickelt und propagiert hat. Im narrativen Interview wird der zu Befragende aufgefordert, zu dem im Gespräch benannten Gegenstand zu erzählen, was natürlich voraussetzt, dass der zu Befragende eine entsprechende Kompetenz besitzt.“ (Lamnek 1995: 70) Ferner heißt es bei Jakob:„Als prozessanalytisches Verfahren vermittelt das narrative In-
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terview einen Einblick in die Genese sozialer Abläufe und geht damit über eine punktuelle Erfassung hinaus. Biographische und soziale Prozesse, in die die Individuen als Handelnde und/ oder Erleidende verstrickt waren, werden damit einer Analyse zugänglich gemacht. Statuspassagen, Identitätstransformationen, kollektive und individuelle Wandlungsprozesse können anhand der Interviews herausgearbeitet werden.“ (Jakob 2003: 446f)
Schütze definiert drei spezifische Zugzwänge, denen der Erzähler unbewusst im narrativen Interview unterlegen ist. Zum einen der Gestaltschließungszwang, der den Erzähler zu einer geschlossenen und begründeten Darstellung zwingt. Des weiteren der Relevanzfestsetzungs- und Kondensierungszwang, der für eine verdichtete und für den Zuhörer nachvollziehbare Erzählung sorgt, da diese nur einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung hat. Schließlich der Detaillierungszwang, der den Erzähler aus Verständnisgründen zur Preisgabe notwendiger Hin-tergrundinformationen und Zusammenhänge veranlasst. ( vgl. Glinka, 1998; Friebertshäuser, 2003) „Das eigentliche Ziel „besteht in folgendem: Im Stehgreifer-zählvorgang eigener Ereignisverwicklungen soll die in die Gegenwart transportierte Erfahrungsaufschichtung durch die Dynamik des Erzählvorgangs wieder verflüssigt werden.“ (Glinka 1998: 9) Bei der Interviewdurchführung gelten gewisse Regeln, um ein erfolgreiches subjektives Rekapitulieren der vergangenen Erlebnisse zu gewährleisten. (Friebertshäuser, 2003) Diese werde ich im Folgenden näher erläutern.
3.2. Durchführung
Bevor ich auf die Durchführung des Interviews näher eingehe, möchte ich vorweg einige Worte zur Auswahl meiner Interviewpartnerin platzieren. Ein Auswahlkriterium, so eine Art "theoretical sampling" 2 für die Auswahl geeigneter InterviewpartnerInnen, war durch die von mir eingangs formulierte Fragestellung vorgegeben.
2 Der Ausdruck „theoretical sampling“ bedeutet in der Forschung, dass sich die Auswahl der Befragten an dem
zu untersuchenden Gegenstand/ am Erkenntnisinteresse orientert. (Lamnek, 1995)
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Ich suchte also AuslernerInnen mit der Absicht, nach der Ausbildung zu studieren. Da wir das im Unternehmen dokumentieren, gestaltete sich die Suche als nicht problematisch und ich schrieb ein paar ehemalige Auszubildende via Mail an und erkundigte mich nach der Bereitschaft mir ein Interview zu geben. Das Feedback viel erstaunlicherweise gering aus. Die Gründe dafür, entziehen sich meiner Kenntnis und es bleibt für mich nur zu vermuten, dass Zeitmangel, keine Entlohnung und vielleicht auch andere Ängste eine wesentliche Rolle gespielt haben. Darauf möchte ich jedoch nicht weiter eingehen, da mir ja ein bis zwei Interviews für meine Untersuchung genügten. Es hatten sich drei Leute gemeldet, mit denen ich anschließend ein Telefonat führte, worin ich ihnen mitteilte, dass es sich um ein autobiographisches Interview handelt und ich mich für ihre ganze Lebensgeschichte, insbesondere der Schul- und Berufsbiographie interessiere. Ich entschied mich aus Sympathiegründen für Frau J., die mir einen redseligen Eindruck machte und verblieb mit den beiden anderen Absolventen, dass ich mich melde, falls ich noch ein zweites Interview führen möchte und bedankte mich für die Bereitschaft. Bei der Durchführung des Interviews hielt ich mich an die einschlägige Literatur und möchte an dieser Stelle dem Leser einen theoretischen Gesamteindruck verschaffen. Hans-Jürgen Glinka (1998) beschreibt detailliert die drei Ablaufphasen eines narrativen Interviews: Aushandlungsphase, Haupterzählung und Nachfrageteil. Er sieht die „Dynamik des Erzählvorgangs" als Auslöser, der „die retrospektiven Vorstellungen des Erzählers in Gang setzt und ihn noch einmal in die damaligen Handlungs- und Erleidenssituationen versetzt.“ (Glinka 1998: 10) Glinka spricht außerdem vom aktualisierten Erlebnisstrom, in dem die interviewte Person argumentativ und reflektierend biographische oder historische Erfahrungen aus der Erinnerung in Zusammenhang bringt. Die Aushandlungsphase besteht aus zwei Teilen, dem Frageimpuls und der Ratifizierung durch die interviewte Person. Durch den Erzählstimulus am Anfang des Interviews versucht der Interviewer, ein bestimmtes Thema in den Mittelpunkt zu rücken, eine Art roter Faden, der die Erzählung lenken kann. Wichtig für die interviewte Person ist hierbei, dass sie in der Themenstellung den „Charakter einer zu erzählenden Geschichte“(Glinka 1998: 10) erkennt und einen Sinn im Interview sieht. Im weiteren Interview werden keine konkreten, aufeinander folgenden Fragen gestellt, es ergibt
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Arbeit zitieren:
Nicole Rohr, 2008, Nach der Ausbildung ins Studium: Biographische Gründe für die Doppelqualifizierung, München, GRIN Verlag GmbH
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