Gliederung
1) Vorwort 3
2.1) Begriffsbestimmungen 3
2.2.1) Was meint Verstehen 5
2.2.2) Diltheys vorherrschendes Menschenbild 7
2.2.3) Die Beziehung zwischen Ich und Du 9
2.2.4) Die Wirkung des Verstehens und die Notwendigkeit für den Menschen 10
3) Das Verstehen der Kunst (Poetik Musik) und ihre (symbolische) Bedeutung 12
4) Zusammenfassung 15
5) Quellen 16
2
1) Vorwort Für die Pädagogik, die Erziehung als auch für die Bildungsprozesse stellt die Frage nach dem „animal symbolicum“ eine Wende bzw. einen neuen Blickpunkt in der Anthropologie dar. Diesbezüglich wird Bildung als ein Erlernen und Anwenden von symbolischen Formen definiert und der Mensch als ein symbolisches Wesen verstanden.
Im Fokus dieser Arbeit stehen die menschliche Fähigkeit zur Sprache, ihr Symbolcharakter und die Bedeutung für den Menschen und dessen Wesenswerdung. Als Bezugspunkt hierfür dienen die Ausführungen Wilhelm Diltheys zum Ausdrucksvermögen, zum Verstehensprozess und zur Kunst, welche im Kontext zu seinem „Plan der Fortsetzung zum Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften“ stehen.
Zu Beginn der Arbeit möchte ich relevante Begrifflichkeiten klären, die für das Selbst- und Fremdverstehen von Bedeutung sind. Hierrunter fallen beispielsweise Ausdruck, Lebensäußerungen und Erleben. Im Folgenden möchte ich das Menschenbild Diltheys, die Entstehung und die Formen des Verstehens, als auch die Wechselwirkung und Abhängigkeit der Individuen voneinander darstellen. In diesem Zusammenhang möchte ich die bildende Wirkung und den Nutzen der Sprache klären. Neben der Darstellung der Ausdrucks- und Verstehenstheorie Ditheys möchte ich die Frage untersuchen, welche Bedeutung die Sprache und die Annahme von symbolischen Formen für die Kunst hat. Hierbei sollen die Schaffenskraft des Künstlers, speziell des Musikers und des Poeten betrachtet werden und die (ästhetische) Wirkung der Kunst.
2.1) Begriffsbestimmungen
Die menschliche Kommunikation und das damit verbundende Verstehen knüpfen sich nach Diltheys Auffassung an sogenannte Lebensäußerungen. 1 „Das Gegebene sind hier immer Lebensäußerungen. In der Sinnenwelt auftretend, sind sie der Ausdruck eines Geistigen; so ermöglichen sie uns, dieses zu erkennen. Ich verstehe hier unter Lebensäußerung nicht nur die Ausdrücke, die etwas meinen oder bedeuten (wollen), sondern ebenso diejenigen, die ohne solche Absicht Ausdruck eines Geistigen ein solches für uns verständlich machen.“ 2
Diese Äußerung führt zahlreiche Aspekte an, die Grundlage für das Verstehen bilden. Zum einen definiert Dilthey die Welt als eine Sinn- und Ausdruckswelt, in der sich die Innenwelt 1 Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf den Aufsatz „Das Verstehen anderer Personen und ihrer Lebensäusserungen“ in: Dilthey, Wilhelm: Plan der Fortsetzung zum Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften. In: Gesammelte Schriften 4. Göttingen 1992. S. 205-220-
2 Vgl. Ebd. S. 205.
bzw. das Geistige des Menschen auszudrücken vermag. Dieser Ausdruck erfolgt über die Lebensäußerungen bzw. ist mit diesen gleichzusetzen, zu denen die beabsichtigten, bedeutungsvollen Ausdrücke zählen, als auch die zufälligen, ungewollten. Im Folgenden spezifiziert er die Differenzierungen der Lebensäußerungen. Demnach sollte man zwischen Begriffen / Urteilen / Denkgebilde, Handlungen und Erlebnisausdrücken unterscheiden. Die ersten beiden Kategorien sind zwar allgemeingültig bzw. verständlich und können Zeichen für kulturelle Zugehörigkeit sein (z.B. Begrüßungen als Zeichen für eine kulturelle Prägung), aber sie geben kaum Aufschluss über das menschliche Seelenleben. Demgegenüber steht der Erlebnisausdruck, denn dieser „[…] Ausdruck kann nämlich vom seelischen Zusammenhang mehr enthalten, als jede Introspektion gewahren kann. Er hebt aus es aus den Tiefen, die das Bewußtsein nicht erhellt.“. 3 Darunter kann man das innere Erleben verstehen, welches nach
außen hin sichtbar gemacht und dargestellt wird (z.B. Begrüßung als Zeichen für das emotionale Verhältnis zu einer Person). Generell kann man sagen, dass eine Lebensäußerung Ausdruck etwas Individuellen (Seele) und etwas Gemeinsamen (Kultur) ist. Bereits in diesen Ausführungen wird ersichtlich, dass die Lebensäußerung und das Verstehen an den Termini Ausdruck gebunden sind. Folglich stellt sich die Frage, was alles als Ausdruck bzw. menschliche Äußerung verstanden werden kann?
„[…] alles, was von Menschen – ob bewußt oder unbewußt, mit oder ohne (kommunikative) Absicht – getan, bearbeitet oder hergestellt wird, [kann] als Ausdruck aufgefaßt und (prinzipiell) verstanden werden.“ 4
Als zu verstehender Ausdruck kann man folglich Gebärden, Laute (Sprache, Schrift), Handlungen; generell alle sinnlichen und sinnhaften Zeichen des Inneren und des Geistes fassen.
Der Ausdruck hat eine doppelte Funktion: einerseits drückt er Erlebnisse bzw. menschliches Erleben aus (= Erlebnisausdruck) und gleichzeitig schafft der Ausdruck neues Erleben. „Verstehen ist, anders formuliert stets Verstehen von Ausdruck. […] Ausdruck ist die expressive Artikulation des Erlebnisses, seine stabilisierende und schöpferische Gestaltung.“ 5
Vor der genaueren Betrachtung des Verstehensprozesses kann man resümieren, dass es einen Zirkel bzw. Kreislauf zwischen Erleben (aktive Wahrnehmung), Ausdruck (erfolgt über die 3 Vgl. Ebd. S. 206.
4 Vgl. Meuter, Norbert: Anthropologie des Ausdrucks. Die Expressivität des Menschen zwischen Natur und Kultur. München 2006. S. 49-66. S. 50.
5 Vgl. Ebd. S. 60.
Artikulation), dem Verstehen (über die Identifikation mit einem Gemeinsamen / Kulturellen und dem Erkennen des Individuellen) bis hin zu dem erneuten Erleben gibt. Die sprachlichen oder auch symbolischen Äußerungen eines Menschen und das Verstehen dieser stellt eine psychische bzw. kognitive Leistung dar und ist ein dynamischer Prozess. Wie sich dieser Prozess entwickelt und woran er gebunden ist, soll im Folgenden untersucht werden.
2.2.1) Was meint „Verstehen“?
Im vorhergehenden Punkt habe ich bereits einige Aspekte angesprochen, die zum Verstehen herbeiführen. Dennoch bleibt offen woraus Verstehen entspringt, welche Formen es gibt und warum es für das menschliche Leben von Bedeutung ist.
„Verstehen erwächst zunächst in den Interessen des praktischen Lebens.“ 6 Dies eröffnet
verschiedene Zugänge. Zum einen ist Verstehen notwendig, sobald ich mich auf einen anderen Menschen einlasse, ihn treffe und mich ihm mitteilen will bzw. umgekehrt. Hierbei ist es egal, ob ich mich verbal oder nonverbal ausdrücke. Desweiteren muss ich die mich umgebene Welt verstehen, um angemessen in ihr agieren zu können. Hierbei muss ich den Sinn von bestimmten Symbolen und Wörtern verstehen. In beiden Fällen erfolgt dies durch eine (kulturelle) Alphabetisierung. Folglich besitzt der Mensch zwar die Fähigkeit zum Verstehen, doch entfaltet sich dieses erst durch die Einführung in die Sinn- und Bedeutungswelt der Sprache und Symbole (Bedeutung von Farben, Formen, Gegenständen …), was Erziehung und Bildung voraussetzt bzw. notwendig macht. Das „Einsatzfeld“ des Verstehens lässt sich wie folgt zusammenfassen und begründen:
„Wir rechnen beständig mit Deutungen von einzelnen Gebärden, Mienen, Zweckhandlungen oder zusammengehörigen Gruppen von solchen, sie vollziehen sich in Schlüssen der Analogie, aber unser Verständnis führt weiter: Handel und Verkehr, gesellschaftliches Leben, Beruf und Familie weisen uns darauf hin, in das Innere der uns umgebenden Menschen Einblick zu gewinnen, um festzustellen, wie weit wir auf sie rechnen können.“ 7
Das Ziel und die Funktion des Verstehens bestehen darin, das Innere der Menschen wahrzunehmen und dadurch Rückschlüsse auf ihr Leben und die Beziehungen zueinander zu erkennen. In diesem Zusammenhang spielt die Unterscheidung zwischen innerer und äußerer 6 Vgl. Dilthey 1992. S. 207.
7 Vgl. Ebd. S. 211.
Arbeit zitieren:
Marlen Berg, 2008, Kannst du mich verstehen?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Was ist Vertrauen? Der Vertrauensbegriff im interdisziplinären Diskurs
Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik
Hausarbeit, 19 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Marlen Berg's Text Kannst du mich verstehen? ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Marlen Berg hat den Text Kannst du mich verstehen? veröffentlicht
Marlen Berg hat einen neuen Text hochgeladen
Der Mensch - ein "animal symbolicum"?
Sprache - Dialog - Ritual
Heinrich Schmidinger, Clemens Sedmak
Wilhelm Dilthey: Selected Works, Volume III: The Formation of the Hist...
Wilhelm Dilthey, Rudolf A. Makkreel, Frithjof Rodi
Wilhelm Dilthey: Selected Works, Volume V: Poetry and Experience
Rudolf A. Makreel, Wilhelm Dilthey, Frithjof Rodi
Wilhelm Dilthey: Selected Works, Volume II: Understanding the Human Wo...
Wilhelm Dilthey, Rudolf A. Makkreel, Frithjof Rodi
0 Kommentare