Fachhochschul-Studiengang für Tourismus-Management
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 5
1.1. PROBLEMLANDSCHAFT 5
1.2. ZIELSETZUNG 5
1.3. GANG DER ARGUMENTATION 7
2. BENCHMARKING 9
2.1. EINFÜHRUNG IN DAS BENCHMARKING 9
2.2. GESCHICHTE DES BENCHMARKING 9
2.3. DEFINITION 10
2.4. BEGRIFFSABGRENZUNG 11
2.4.1. Marktforschung 12
2.4.2. Wettbewerbsanalyse 12
2.5. GRUNDLAGEN DES BENCHMARKINGS 14
2.5.1. Benchmarking-Zeitpunkt 14
2.5.2 Benchmarking-Hintergrund 14
2.5.3. Benchmarking-Objekt 15
2.5.4. Benchmarking-Partner 17
2.5.5. Benchmarking-Informationsquellen 18
2.5.6. Benchmarking-Grundprinzipien 18
2.6. BENCHMARKING-ARTEN UND DEREN EINSATZGEBIETE 19
2.6.1. Orientierung am Vergleichspartner 20
2.6.1.1. Internes Benchmarking 20
2.6.1.2. Externes Benchmarking 21
2.6.2. Orientierung an der Zeitkomponente 23
2.6.2.1. Strategisches Benchmarking 23
2.6.2.2. Operatives Benchmarking 23
2.6.3. Orientierung am Objekt 24
2.6.3.1. Prozessbenchmarking 24
2.6.3.2. Produktbenchmarking 24
2.6.4. Orientierung an der Zielkomponente 24
2.6.4.1. Kostenorientiertes Benchmarking 24
2.6.4.2. Kundenorientiertes Benchmarking 25
2.6.4.3. Quantitatives Benchmarking 25
2.6.4.4. Qualitatives Benchmarking 25
2.6.5. Vor- und Nachteile der verschiedenen Benchmarking-Arten 26
2.7. DER BENCHMARKING-PROZESS 27
2.7.1. Das Fünf-Phasen-Modell des Benchmarking-Prozess 28
2.7.1.1. Phase 1 Planung 29
2.7.1.2. Phase 2 Analyse 31
2.7.1.3. Phase 3- Integration......................................................................................................................................32
2.7.1.4. Phase 4 Aktion 33
2.7.1.5. Phase 5 Reife 34
2.8. VORAUSSETZUNGEN UND ERGEBNIS EINES ERFOLGREICHEN BENCHMARKING-PROJEKTES 35
2.9. EXKURS: BENCHMARKING IM TOURISMUS 36
2.9.1. Problemlandschaft Tourismus 36
2.9.2. Benchmarking-Anwendungsbereiche im Tourismus 37
2.9.3. Benchmarking von Tourismusorganisationen 38
2.9.4. Grundsätze für Benchmarking in Tourismusorganisationen 39
3. MYSTERY SHOPPING 40
3.1. EINFÜHRUNG IN DAS MYSTERY SHOPPING 40
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3.2. DEFINITION 40
3.3. ANWENDUNGSBEREICHE VON MYSTERY SHOPPING 41
3.4. SYSTEMATISIERUNG DES VERFAHRENS 41
3.5. VOR- UND NACHTEILE VON MYSTERY SHOPPING 42
3.5.1. Nachteil: Ethik 42
3.5.2. Nachteil: Scheinkunden 42
3.5.3. Vorteil: Qualitätswahrnehmung des Kunden 43
3.5.4. Vorteil - Strukturierter Bewertungsbogen 43
3.5.5. Vorteil: Reales Kunden Mitarbeiter Verhalten 43
3.6. QUALITÄT 46
3.7. DIENSTLEISTUNG 48
3.8. DIENSTLEISTUNGSQUALITÄT 49
3.9. KUNDENZUFRIEDENHEIT 50
3.10. EXKURS: DIENSTLEISTUNGSKETTE 50
4. IUCN-NATIONALPARK 53
4.1. BEGRIFFBESTIMMUNG IUCN 53
4.1.1. IUCN Kategorie II - Definition von Nationalpark 53
4.1.2. IUCN Kategorie II - Managementziele für Nationalparks: 54
4.1.3. IUCN Kategorie II Empfehlung für die Auswahl: 54
4.1.4. IUCN Kategorie II - Organisatorische Verantwortung 55
4.1.5. IUCN Kategorie II Verbindlichkeit der Nationalparkkriterien 55
4.2. INTERNATIONALE ANERKENNUNG VON NATIONALPARKS 55
4.3. NUTZUNGSMÖGLICHKEITEN - ZONIERUNGSMODELLE 56
4.4. GESCHICHTE DER NATIONALPARKS - URSPRÜNGE IN DEN USA 56
4.5. GESETZLICHE RAHMENBEDINGUNGEN 57
4.6. DIE ÖSTERREICHISCHEN NATIONALPARKS 58
4.6.1. Hohe Tauern 58
4.6.2. Nationalpark Kalkalpen 59
4.6.3. Nationalpark Gesäuse 60
4.6.4. Nationalpark Neusiedler See Seewinkel 61
4.6.5. Nationalpark Donauauen 62
4.6.6. Nationalpark Thayatal 63
4.6.7. Nationalparks Austria 64
5. NATIONALPARKTOURISMUS IN ÖSTERREICH 66
5.1. DEFINITION NATIONALPARKTOURISMUS 66
5.2. SPANNUNGSFELD TOURISMUSNUTZUNG UND NATIONALPARK 66
5.3. NATIONALPARKINFORMATIONSZENTRUM 67
5.4. TOURISTISCHE ORGANISATION IN DEN NATIONALPARKREGIONEN 68
5.5. TOURISTISCHE ECKDATEN DER SECHS NATIONALPARKREGIONEN 70
5.6. ENTWICKLUNGSTENDENZEN IM TOURISMUS 71
5.6.1. Weltweiter Tourismustrend 71
5.6.2. Trend in den Nationalparkregionen 71
5.7. EXKURS: NEUE INFORMATIONSTECHNOLOGIEN UND DEREN CHANCE FÜR DEN TOURISMUS 73
5.7.1. Kommunikationsmittel E-Mail 75
5.7.2. Direkt Marketing 76
6. ABLAUF DES MYSTERY UNTERSUCHUNG 77
6.1. FORMULIERUNG DER ZIELSETZUNGEN 78
6.2. DEFINITION VON SERVICESTANDARDS 78
6.3. AUSWAHL DER TESTPERSONEN 78
6.4. FESTLEGUNG DES FORSCHUNGSDESIGNS 79
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6.4.1. Auswahl der Nationalparks 79
6.4.2. Umfang der Untersuchung 79
6.4.3. Entwicklung des Bewertungsbogens 81
6.4.3.1. Post Anfrage nach hochqualitativem Angebot (Pre-Phase) 82
6.4.3.2. E-Mail Standardanfrage (Pre-Phase) 84
6.4.3.3. E-Mail Touristisches Umfeld (Pre-Phase) 86
6.4.3.4 Fax Familienanfrage (Pre-Phase) 89
6.4.3.5. Telefon Business to Business (Pre-Phase) 90
6.4.3.6. Vorortanfrage Pensionistenanfrage (Ist-Phase) 92
6.4.3.7. Beschwerdeschreiben (After-Phase) 97
7. AUSWERTUNG DER ANTWORTEN 100
7.1. GESAMTBEWERTUNG NACH NATIONALPARKREGION 100
7.2. GESAMTBEWERTUNG NACH KOMMUNIKATIONSWEG 102
7.3. BEWERTUNG NACH TOURISTISCHEN PHASEN 104
7.3.1. Bewertung der Pre-Phase 104
7.3.1.1. Bewertung Post - Anfrage nach hochqualitativem Angebot 106
7.3.1.2. Bewertung E-Mail Standardanfrage in deutscher Sprache 109
7.3.1.3. Bewertung E-Mail Standardanfrage in englischer Sprache 111
7.3.1.4. Bewertung E-Mail Standardanfrage an Touristisches Umfeld 113
7.3.1.5. Bewertung Fax Familienanfrage 118
7.3.1.6. Bewertung Telefon Business to Business 120
7.3.2. Bewertung der Ist-Phase - Vorortanfrage 122
7.4. BEWERTUNG DER BEURTEILUNGSDIMENSIONEN 126
7.4.1. Reaktionszeit 126
7.4.2. Persönlicher Ton 128
7.4.3. Individualität der Leistung 129
7.4.4. Beratungsqualität 130
8. SCHLUSSBETRACHTUNG 132
9. AUSBLICK 134
10. LITERATURVERZEICHNIS 136
10.1. VERZEICHNIS PRIMÄR ZITIERTEN QUELLEN 136
10.2. VERZEICHNIS SEKUNDÄR ZITIERTEN QUELLEN 138
10.3. VERZEICHNIS DER DIPLOMARBEITEN: 138
10.4. VERZEICHNIS DER ELEKTRONISCHEN QUELLEN 139
10.5. VERZEICHNIS SONSTIGER QUELLEN 140
11. ABBILDUNGSVERZEICHNIS 142
12.ANHANG 142
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1. Einleitung
1.1. Problemlandschaft
Nationalparks sind ein weltweit eingesetztes Instrument der Naturschutzpolitik, um einzigartige Landschaften und Lebensräume dauerhaft für nachfolgende Generationen zu erhalten. Neben dem Schutzgedanken haben Nationalparks allerdings auch die Aufgabe, Erholungsraum für die ansässige Bevölkerung zu sein und dieses Wissen über die geschützte Natur zu vermitteln. Es steht also der Naturschutz der touristischen Öffnung und Vermarktung von Nationalparks gegenüber.
Der Tourismus besitzt in den Nationalparkregionen für die Tourismuswirtschaft Österreichs einen beachtlichen Stellenwert. Die Einnahmen aus dem internationalen Reiseverkehr werden in Österreich zu etwa einem Drittel auf Basis traditioneller Wettbewerbsvorteile erwirtschaftet, zu denen die reichliche Ausstattung mit natürlichen Ressourcen in Verbindung mit der günstigen geographischen Lage zählen. Eine Qualitäts- und Attraktivitätssteigerung nach den Prinzipien einer nachhaltigen Tourismuspolitik in diesen Regionen verstärkt für Österreich nicht nur die Wettbewerbsvorteile, sondern auch die umweltqualitätsbezogenen Positionierung des Tourismussektors bzw. –angebotes in Österreich. Damit kann das Image, die Auslastung, der Marktanteil und schließlich das Qualitätswachstum verbessert werden.
1.2. Zielsetzung
Der Nationalpark Kalkalpen möchte in Zukunft durch verbesserte Beantwortung der Gästeanfragen einerseits Kosten optimieren und andererseits die daraus resultierende Kundenzufriedenheit erhöhen. Diese Steigerung der Dienstleistungsqualität ist auch im aktuellen „Kursbuch Tourismus- und Freizeitwirtschaft Oberösterreich“ festgehalten.
Projektschwerpunkte dieses Kursbuches sind: 1
• Klare Profilierung als „die grüne Oase Oberösterreichs“ durch Qualitätssteigerung und einem verbesserten Informationsnetzwerk
• Entwicklungspartnerschaft zwischen Tourismus- und Freizeitwirtschaft, Landwirtschaft und Nationalpark
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• Innovative Produkt- und Themenentwicklung (Produkte mit starkem Nationalpark
Bezug - Angebotsvernetzung) mit den Angebots- und Vertriebspartnern (Nationalpark, Betriebe, Oberösterreich Tourismus)
• Implementierung eines modernen Dienstleistungsdenkens in der Region bei Institutionen und Betrieben (touristisch und nicht-touristisch)
• Steigerung der Dienstleistungsqualität
• Erhöhung der tourismus- und freizeitwirtschaftlichen Wertschöpfung (durch Reisevermittler Systeme für organisierte Tourismuswertschöpfung; z.B. Reisegruppen, Seminare, Symposien, Bildungstourismus)
Auf der Basis des „Kursbuch Tourismus- und Freizeitwirtschaft Oberösterreich“ ist die Zielsetzung der Diplomarbeit, die Servicequalität des Nationalpark Kalkalpen zu verbessern. Dazu sollen folgende Fragen beantwortet werden:
• Ist Benchmarking ein sinnvolles Instrument zur Überprüfung der Servicequalität bei Nationalpark-Besucherzentren?
• Welcher Nationalpark erreicht das beste und das schlechteste Gesamtergebnis bei dieser Untersuchung? Welcher Nationalpark erreicht jeweils das beste und schlechteste Ergebnis bei den unterschiedlichen Anfragemethoden?
• Welcher Anfrage-Kommunikationsweg schneidet bei der Beantwortung von Anfragen am Besten ab?
• Inwieweit unterstützen andere touristische Institution in einer Nationalparkregion (Lokalverbände, Regionalverbände, Landesverbände) das „Produkt Nationalpark?“
• Wie schneidet der Nationalpark Kalkalpen im Verhältnis dazu ab? Wo hat der Nationalpark Kalkalpen Defizite, wo hat er Potential? Welche Folgerungen kann man auf Grund dieses Benchmarkings für den Nationalpark Kalkalpen abgeben?
Für die empirische Erhebung wurde die Methode der teilnehmenden Beobachtung gewählt. Es werden potentielle Gästeanfragen an Österreichische Nationalparks geschickt, um herauszufinden, ob und wie diese beantwortet werden. Zur Beantwortung von Anfragen werden Servicestandards definiert, um in späterer Folge diese mit den eigentlichen Antworten der Nationalparks zu vergleichen. Somit können die Nationalparks klassifiziert und verglichen werden und dadurch die Differenz zum maximalen Richtwert/Erfüllungsgrad aufgezeigt werden.
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1.3. Gang der Argumentation
In den folgenden Kapiteln werden die in Kapitel 1.2. genannten Fragen mit Hilfe von Literatur, Expertengesprächen und einer teilnehmenden Beobachtung (Mystery Shopping) beantwortet.
Des weiteren werden die Anfänge und die Geschichte von Benchmarking erläutert, sowie eine Begriffsdefinition gegeben. Darüber hinaus wird auf die Anwendungsmöglichkeiten dieses Konzepts eingegangen und die verschiedenen Arten und Formen von Benchmarking erklärt und aufgelistet. Aufbauend auf diesen Grundlagen wird der Ablauf eines Benchmarking- Prozesses theoretisch ermittelt.
Im dritten Kapitel wird Mystery Shopping, das Instrument der empirischen Untersuchung, theoretisch beschrieben. Es erfolgt eine nähere Definition sowie eine Erläuterung über die Anwendungsbereiche des Begriffs. Anschließend werden Vor- und Nachteile des Verfahrens aufgelistet. Außerdem werden wichtige Begriffe wie Dienstleistung, Qualität und Kundenzufriedenheit für die Verständnisgrundlage der empirischen Untersuchung definiert. Am Schluss dieses Kapitels wird die Dienstleistungskette aus der Sicht des Kunden in Form eines Exkurses erörtert.
Das vierte und fünfte Kapitel erklärt wichtige Grundlagen der Nationalparkidee, die Klassifizierung der verschiedenen Schutzgebiete, die Einführung international anwendbarer Richtlinien, die gesetzlichen Grundlagen und das Konzept der Zonierung. Weiters wird eine Übersicht über die bestehenden Nationalparks in Österreich gegeben, sowie deren Dachorganisation „Nationalpark Austria“ vorgestellt. Aufgabenfelder von Besucherzentren, touristische Eckdaten der Nationalparkregionen, Tourismustrends und Entwicklungstendenzen in den Österreichischen Nationalparkregionen runden das Kapitel ab und dienen in erster Linie als Basis für die empirische Untersuchung. In einem Exkurs werden neue Informationstechnologien und deren Chancen für den Tourismus aufgezeigt.
Im Folgekapitel wird die empirische Methodik der Untersuchung beschrieben. Es wird der Ablauf dieses Mystery Shoppings, der die Ziele und den Umfang der Untersuchung beinhaltet, theoretisch skizziert. Anschließend werden die unterschiedlichen Anfragemethoden in drei touristische Phasen gegliedert. In weiterer Folge werden sämtliche Anfragen aufgelistet und deren maßgeschneiderte Bewertungsbogen beschrieben.
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Im Kapitel sieben erfolgt die Auswertung und Interpretation der auf Grund der Untersuchung gewonnenen Informationen. Die daraus resultierende Schlussbetrachtung für den Nationalpark Kalkalpen wird im Kapitel acht zusammengefasst.
Im letzten Kapitel der vorliegenden Arbeit wird ein Ausblick dargestellt und davon werden mögliche positive Entwicklungsperspektiven bzw. Zukunftsvisionen für den Nationalpark Kalkalpen abgeleitet.
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2. Benchmarking
„Es ist nicht gesagt, dass es besser wird,
2.1. Einführung in das Benchmarking
Aufgrund der Globalisierung, verkürzter Produktlebenszyklen, wechselnder und gestiegener Kundenanforderungen sowie der zunehmenden Komplexität haben sich die Marktbedingungen in den letzten Jahren in der Tourismus- und Freizeitwirtschaft drastisch verschärft und zu einer Intensivierung des Wettbewerbs geführt. Qualitätssteigerung, Kundenorientierung, und Innovationsförderung sind die Herausforderungen, denen sich weltweit die Unternehmen stellen müssen. Um langfristig erfolgreich zu sein, werden die Unternehmen immer stärker gezwungen, ihre Arbeitsabläufe effektiver und effizienter zu gestalten. Benchmarking ist hierfür eine Management-Methode zur kontinuierlichen Suche nach Verbesserungspotentialen. Ein Unternehmen kann durch den Vergleich mit dem „Besten der Besten“ seine Dienstleistungen und Produkte sowie die unternehmensinternen Geschäftsprozesse signifikant verbessern, indem es von den Stärken anderer, erfolgreicher
Unternehmen lernt. 2
2.2. Geschichte des Benchmarking
„Management by benchmarking“ ist ein Schlagwort des 20. Jahrhunderts, das es schon bei den Steinzeitmenschen gab, die, um überleben zu können, ihre Jagdmethoden von wilden
Tieren abgeschaut haben. 3
Benchmarking gibt es schon, seit es Menschen gibt. Zu Beginn zwar noch in einfacher Form, aber auch dies konnte man bereits als Benchmarking bezeichnen. Das bloße Überleben oder
2 vgl. Wöber K. W.: 2002, Vorwort
3 vgl. Meyer J.: 1996, S. 6
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auch die Aussicht ein besseres Leben als sein Nachbar oder Konkurrent führen zu können, waren die Ursprünge des Benchmarking. 4
Auch Unternehmen unterliegen einem ständigen Überlebenskampf und so begann der Begriff Ende der siebziger Jahre Eingang in die Betriebswirtschaftslehre zu finden. Einzelne Unternehmen versuchten auf Basis von Vergleichs- oder Richtwerten anderer führender Unternehmen, nachhaltige Verbesserungen innerhalb des eigenen Unternehmens zu realisieren. 5
Den Durchbruch schaffte dieses Lernen aus Erfahrungen anderer durch die Firma Rank Xerox 6 Mitte der achtziger. Rank Xerox kam infolge von Qualitäts- und Kostenproblemen in
Schwierigkeiten. Um aus dieser Misere herauszukommen versuchte Xerox zunächst durch die Form des Reverse Engineerings, das bedeutet durch eine genaue Analyse von Konkurrenzprodukten und deren Komponenten und später durch interne und externe Analyse der Arbeitsprozesse, Verbesserungen zu erlangen. 7 Im Mittelpunkt der Untersuchungen standen Qualitätsverbesserungen sowie die Erhöhung der Kundenzufriedenheit. 8
2.3. Definition
In der Literatur gibt es zahlreiche unterschiedliche Interpretationen des Begriffs Benchmarking. Nachfolgend werden einige Begriffsbestimmungen angeführt, welche die Spannweite kennzeichnen. So definiert Kreuz in seinen Ausführungen Benchmarking als
„…eine objektive, vergleichende Bewertung von Strategien, Prozessen, Funktionen und Verhaltensweisen mit Hilfe von quantitativen Indikatoren und qualitativen Messgrößen, die sich aus der direkten Analyse von Daten und Informationen einer repräsentativen Gruppe von ähnlichen oder konkurrierenden Unternehmen ergeben,
die als die Weltbesten gelten.“ 9
Bei der Begriffsbestimmung von Camp geht es nicht nur ums Messen, sondern bei ihm steht das Aufspüren von Verbesserungspotentialen im Vordergrund.
„…das systematische Suchen nach rationellen Vorgangsweisen und nach gezielt besseren Lösungen.“ 10
4 vgl. Patterson J. G.: 1996, S. 16 f.
5 vgl. Töpfer A.: 1997, S. 202 6 Die Firma Xerox mit Sitz in Nordamerika ist einer der führenden Kopiergerätehersteller der Welt. 7 vgl. Meyer J.: 1996, S. 56 f.
8 vgl. Pieske R.: 1995, S. 12 9 Kreuz W.: 1995, S. 23 10 Camp R.: 1994, S. 16
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Benchmarking sollte nicht mit der Bezeichnung „Benchmark“ verwechselt werden, die bis in die frühe Zeit der Ägypter zurückverfolgt werden kann und aus dem Bereich des Bau- und Vermessungswesens stammt. Damals wurden Benchmarks als Bezugspunkte für Bauarbeiten eingesetzt. Heute sind Benchmarks im betriebswirtschaftlichen Sinne als Bezugsgrößen oder messbare Standards gemeint, die als Vergleichsmaßstab dienen und die quasi eine
Mindestvorgabe für die Leistungsfähigkeit des eigenen Unternehmens darstellen. 11
Das Ziel des Benchmarking liegt somit bei kontinuierlicher Suche nach hervorragenden Leistung und Prozessen erfolgreicher Unternehmen, wobei ein Vergleich mit den „Klassenbesten“ hinsichtlich bestimmter Beurteilungskriterien vorgenommen wird, um so Wege zur Leistungssteigerung zu finden. Wesentlich ist dabei, dass zugrundeliegende Ursachen analysiert, von sogenannten Best Practise gelernt und Maßnahmen zur Schließung der Wettbewerbslücke gefunden und implementiert werden. Das erworbene Wissen darf im Anschluss daran nicht nur kopiert, es muss durch die eigenen Mitarbeiter adaptiert und
umgesetzt werden. 12
2.4. Begriffsabgrenzung
Die Form des Benchmarking findet sich zum Teil in bereits bekannten und erfolgsversprechenden Marketinginstrumenten, wie der Marktforschung und Wettbewerbsanalyse. Zur besseren Erläuterung des Benchmarking-Begriffes zeigt die folgende Abbildung die unterschiedlichen Anwendungsgebiete dieser beiden verwandten Begriffe im Vergleich zum Benchmarking auf.
11 vgl. Camp R.: 1994, S. 15 f.
12 vgl. Wöber K. W.: 2002, S. 2
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Abbildung 1: Begriffsabgrenzung: Marktforschung – Wettbewerbsanalyse – Benchmarking
Quelle: Pieske R.: 1995, S. 20
2.4.1. Marktforschung
Die Marktforschung dient der systematischen Untersuchung eines Marktes um Informationen über Absatz- oder den Beschaffungsmarkt zu gewinnen. Die Ergebnisse der Marktforschung dienen als Grundlage für unternehmerische Entscheidungen oder für das Marketing eines Produktes. Sie analysiert die Kundenforderungen und Kundenmeinungen sowie die Größe und Eigenschaften der Märkte. Im Mittelpunkt stehen Kunden, die Forderungen formulieren und somit wichtige Zielwerte für das Unternehmen bilden. Marktforschung hat im Gegensatz zum Benchmarking einen klaren Branchenbezug und geht über diese Grenze nicht hinaus. 13
2.4.2. Wettbewerbsanalyse
Die Konkurrenz- beziehungsweise Wettbewerbsanalyse stellt eine Komponente des Benchmarking dar, wobei sich jedoch die Wettbewerbsanalyse auf die Branche beschränkt und keinen Blick über Branchengrenzen macht. 14 Das Hauptaugenmerk legt die
Konkurrenzanalyse auf die Bestimmung der Marktposition, Ziele, Strategien und Fähigkeiten der Konkurrenten sowie die Analyse von Konkurrenzprodukten und –dienstleistungen in Bezug auf Qualität und Kosten. Wettbewerbsanalyse bedeutet kurz, die Ansammlung von Fakten, wobei jedoch der Zusammenhang zwischen Analyse und Aktion erst im Rahmen des Benchmarking geschaffen wird. 15
Die Tabelle zeigt die wichtigsten Aspekte und Unterschiede der drei Bereiche auf:
13 vgl. Pieske R.: 1995, S. 20 f.
14 vgl. Pieske R.: 1995, S. 21 15 vgl. Karlöf B.: 1994, S. 25 f.
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Abbildung 2: Vergleich Marktforschung – Wettbewerbsanalyse – Benchmarking
Quelle: Pieske R.: 1995, S. 20; Sabisch H. / Tintelnot C.: 1997, S. 18; Meyer J.: 1996, S. 57
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2.5. Grundlagen des Benchmarkings
2.5.1. Benchmarking-Zeitpunkt
Benchmarking kann jederzeit durchgeführt werden, aber meistens geschieht es aufgrund von Informationsbedürfnissen und Leistungsdefiziten, die sich aus anderen wichtigen Projekten
beziehungsweise Problemen im Unternehmen ergeben. Solche Auslöser können sein: 16
• Qualitätsverbesserungen
• Kostensenkungen
• Verfahrensverbesserungen
• Betriebliche Veränderungen
• Konkurrenzdruck
• Umweltauflagen etc.
2.5.2 Benchmarking-Hintergrund
Benchmarking gibt sinnvolle Ziele und Leistungsmaßstäbe vor und hilft so, einem Unternehmen seine eigenen Stärken und Schwächen im Wettbewerbsumfeld erkennen zulassen. Die grundlegende Aufgabe ist es, durch Benchmarking hohe Qualität und Produktivität, ausgedrückt durch wenig Zeitaufwand, zu erreichen. Die Bedeutung des Qualitätsaspektes besteht darin, dem Kunden zu einem geringen Verkaufspreis einen hohen Nutzen zu liefern. Der Begriff Produktivität bedeutet eine bestimmte Produktionsmenge mit minimalem Ressourcenaufwand, also ressourcenschonend herzustellen. Abschließend stellt der Zeitaspekt eine wichtige Maßgröße dar, sowohl Produktivität als auch Qualität indirekt
auszudrücken. 17
16 vgl. Leibfried K. H. J.: 1993, S 42 f.
17 vgl. Wöber K. W.: 2002, S. 6 f.
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2.5.3. Benchmarking-Objekt
Die Frage, was untersucht werden soll, hängt vor allem von den intern angestrebten Zielen ab. Untersuchungsobjekte sind vor allem Verfahren und Prozessabläufe, Funktionen, Produkte, Strategien, Kosten und Organisationsstrukturen. Durch diese vielschichtige Anwendbarkeit von Benchmarking ergibt sich eine Vielzahl von möglichen Zielen eines Benchmarkingprojektes, beispielsweise Reduzierung von Kosten, Erhöhung der Produktivität
oder verbesserte Servicequalität. 18
Die Abbildung auf der folgenden Seite zeigt einen Überblick über potentielle Benchmarking- Objekte und mögliche Anwendungsbeispiele.
18 Pieske R.: 1995, S. 59 f.
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Abbildung 3: Potentielle Benchmarking-Objekte und Analysemöglichkeiten
Quelle: Pieske R.: 1995, S. 60
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2.5.4. Benchmarking-Partner
Als Benchmarking-Partner sind interne Partner, wie beispielsweise Abteilungen oder Profitcenter, Kunden und Lieferanten, direkte Wettbewerber und Wettbewerber in Randbereichen, die bestimmte Unternehmensfunktionen mit dem eigenen Unternehmen in gleicher Form besitzen, aber auch Wettbewerber außerhalb der Branchengrenzen sind denkbar. Bei der Suche nach dem geeigneten Benchmarking-Partner soll jenes Vergleichsunternehmen gefunden werden, von dem man mit hoher Wahrscheinlichkeit annimmt, dass dessen Leistung, in Bezug auf das Benchmarking-Objekt, besser ist als die
eigene. 19
Die folgende Abbildung zeigt potentielle Benchmarking-Partner, die als Vergleichswert beziehungsweise –partner dienen können.
Abbildung 5: Potentielle Benchmarking-Partner
Quelle: Pieske R.: 1995, S. 149
19 vgl. Pieske R.: 1995, S. 146 f.
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2.5.5. Benchmarking-Informationsquellen
Um erfolgreich Benchmarking betreiben zu können, steht besonders die Informationsbeschaffung beziehungsweise –sammlung im Vordergrund. Benchmarking arbeitet mit allen gängigen Informationsmaterialien. Die Informationspalette reicht von informellen Gesprächen mit Branchenexperten bis hin zu Primärstudien. Die Wahl der
Informationsquellen hängt aber letztendlich von der Art des Benchmarking-Projektes ab. 20
2.5.6. Benchmarking-Grundprinzipien
Der Erfolg eines Benchmarking-Projektes ist ganz wesentlich von dem Verhalten der
Projektteilnehmer und von der Einhaltung bestimmter Grundprinzipien abhängig. 21
• Wechselseitigkeit: „Eine Hand wäscht die andere!“ – zwischen den
Vergleichspartnern ist vor allem ein optimaler Informationsaustausch und gegenseitiges Vertrauen von größter Wichtigkeit, um ein erfolgreiches Benchmarking-Projekt zu gewährleisten.
• Analogie: „Äpfel mit Äpfel vergleichen!“ – innerbetriebliche Abläufe müssen
gewisse Gemeinsamkeiten mit denen des Vergleichspartners aufweisen, um Ergebnisse auf das eigene Unternehmen übertragen zu können.
• Vergleich: Untersuchung der treibenden Kräfte der Vergleichspartner, die für
Spitzenleistungen verantwortlich sind.
• Richtigkeit: Benchmarking-Analyse erfolgt aufgrund von Daten und Fakten und nicht durch Intuition.
20 vgl. Leibfried K. H. J.: 1993, S. 49 f.
21 vgl. Watson G. H.: 1993, S. 65 f.
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2.6. Benchmarking-Arten und deren Einsatzgebiete
Abbildung 6: Arten des Benchmarking gegliedert nach vier verschiedenen Kriterien
Quelle: In Anlehnung an Pieske R.: 1995, S. 41
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Im Rahmen des Benchmarking kann man eine Vielzahl von Arten unterscheiden
beziehungsweise miteinander vergleichen, wobei sich diese aus den vielfältigen Ansprüchen
und Erfordernissen der Unternehmen ergeben. Es handelt sich hierbei um die Betonung
einzelner Benchmarking-Ausrichtungen, wie Vergleichspartner und Benchmarking-Objekte,
um Zielvorstellungen und um den Zeitrahmen der Durchführung von Benchmarking-
Projekten. 22 Diese Untergliederung stellt nicht das gesamte Spektrum der Benchmarking-Arten dar,
sondern beschränkt sich auf die grundlegenden und relevanten Arten, die sich in einem
Unternehmen zur Anwendung anbieten.
2.6.1. Orientierung am Vergleichspartner
Bei diesen Formen des Benchmarking steht der Vergleichspartner im Mittelpunkt der
Betrachtungen. Hauptkriterium ist hierbei, ob es sich um Vergleichspartner innerhalb oder
außerhalb des Unternehmens handelt. Das interne und das externe Benchmarking bilden die
grundsätzlichen Benchmarking-Arten, wobei vor allem das externe Benchmarking in weitere
Unterformen, die Spezialfälle darstellen, gegliedert werden kann.
2.6.1.1. Internes Benchmarking
Grundprinzip des internen Benchmarking ist der Vergleich beziehungsweise die Analyse der
geschäftlichen Prozesse, Produkte, Dienstleistungen und Kennzahlen innerhalb eines Unternehmens oder einer Unternehmensgruppe. Diese Form des Benchmarking ist besonders
für große internationale und durch Niederlassungen und Filialen organisierte Unternehmen
geeignet. 23
Voraussetzungen für das interne Benchmarking sind unterschiedliche Prozesse,
Problemlösungen, Herstellungsmethoden, Vertriebskonzepte oder –wege innerhalb des
Unternehmens, um somit die verschiedenen Aspekte und Ideen auf andere Bereiche
übertragen zu können. 24 Ziel des internen Benchmarking ist die Leistungsverbesserung im Unternehmen selbst, denn die Durchführung interner Benchmarking-Studien stellt einen
geeigneten Weg dar, um einen Wandel im Denken von Organisationsmitgliedern
einzuleiten. 25
22 vgl. Pieske R.: 1995, S. 40
23 vgl. Pieske R.: 1995, S. 40 f.
24 vgl. Rau H.: 1996, S. 43
25 vgl. Karlöf B.: 1994, S. 62
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Internes Benchmarking ist sowohl für sich ein separater Vorgang, um die gegenwärtige
Leistung zu verbessern, als auch ein entscheidender Schritt für alle extern folgenden
Projekte. 26
2.6.1.2. Externes Benchmarking
Externes Benchmarking bezieht sich nicht mehr auf innerbetrieblichen Vergleich, sondern es
werden Vergleichswerte außerhalb des Unternehmens gesucht. Vergleichspartner sind Wettbewerber, aber auch andere Unternehmen sowohl innerhalb als auch außerhalb der
Branche. 27 Die Schwierigkeiten des externen Benchmarking stellen der Grad der Vergleichbarkeit zwischen den Unternehmen und der Zugang zu Informationen dar. Ziele
sind das Erringen von Wettbewerbsvorteilen, die Branchenführerschaft und das Erzielen von
Bestlösungen durch den Vergleich mit direkten Konkurrenten oder auch branchenfremden
Unternehmungen. 28 Nachfolgend werden vier mögliche Formen des externen Benchmarking beschrieben.
Wettbewerbsorientiertes Benchmarking
Diese Unterform des externen Benchmarking beinhaltet die Analyse von Produkten,
Leistungen und Abläufen bei Wettbewerben und die Wirkungen auf die externen Kunden.
Ziel ist es, die Leistungen seiner Konkurrenten einzuholen beziehungsweise zu überflügeln. Eine große Schwierigkeit im Rahmen des wettbewerbsorientierten Benchmarking stellt der
Informationsaustausch dar, denn gerade Unternehmen, die im Wettbewerb zueinander stehen,
werden sorgfältig abwägen, welche Informationen sie preisgeben und welche sie eher vor dem
Benchmarking-Partner zurückhalten. 29
Funktionales Benchmarking
Um den Problemen des wettbewerbsorientierten Benchmarking aus dem Wege zu gehen
bietet das funktionale Benchmarking eine geeignete Alternative. Funktionales Benchmarking
bedeutet den Vergleich und die Analyse von Produkten, Prozessen und Dienstleistungen von
Unternehmen untereinander, die in keinem Wettbewerbsverhältnis stehen und die Gegenüberstellung der einzelnen Unternehmensbereiche wie beispielsweise Produktion,
Marketing, Personal oder Logistik mit Organisationen zu vergleichen, die in einer beliebigen
Branche über eine ausgezeichneten Ruf verfügen. Durch diese branchenübergreifende
Analyse bietet das funktionale Benchmarking die Möglichkeit ganz andere Lösungen zu
finden die untypisch für die Branche sind und somit zu Innovationen führen können. Im
26 vgl. Leibfried K. H. J.: 1993, S. 73 f.
27 vgl. Sabisch H. / Tinelnot C.: 1997, S. 5
28 vgl. Karlöf B.: 1994, S. 65
29 vgl. Leibfried K. H. J.: 1993, S. 141 f.
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Vergleich zu den Formen des internen und externen Benchmarking, birgt wohl die Form des funktionalen Benchmarking die größten Potentiale zur Leistungssteigerung und stellt eine wirkungsvolle Art dar, dem Unternehmen Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. 30
Abbildung 7: Leistungspotentialvergleich internes, externes und funktionales Benchmarking
Quelle: Karlöf B.: 1994, S. 122
Übertragendes Benchmarking
Die Abgrenzung zwischen funktionalem und übertragendem Benchmarking ist oft schwierig, deshalb beschränken sich viele Autoren auf den funktionalen Ansatz. Jedoch kann das übertragende Benchmarking, durch die Möglichkeit des Vergleiches, sowohl mit brancheninternen als auch mit branchenfremden Partnern durchgeführt werden. 31
30 vgl. Karlöf B.: 1994, S. 67
31 vgl. Rau H.: 1996, S. 50 f.
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Best Practise – Benchmarking
Best Practise – Benchmarking orientiert sich am Besten in der jeweiligen Branche beziehungsweise Klasse oder auch am Besten innerhalb des zu verbessernden Aufgabengebietes und sucht innovative und relevante Geschäftspraktiken oder Prozesse, die von diesem übernommen werden können. Best Practise – Benchmarking ermöglicht einem Unternehmen die Konkurrenz zu überholen und für spätere Aufgaben gerüstet zu sein. Diese Form des Benchmarking ist weder durch Branchen noch durch Produkte beschränkt, sondern durch die treibenden Kräfte, wie beispielsweise Verfahren und Abläufe, die ein Unternehmen einzigartig machen. Die größte Schwierigkeit an der Studie des Klassenbesten liegt in der Suche nach einem geeigneten Vergleichspartner, der über ähnliche treibende Kräfte
beziehungsweise Verfahren verfügt wie man selbst. 32
2.6.2. Orientierung an der Zeitkomponente
Eine Typisierung der verschiedenen Benchmarking-Arten ist noch auf eine weitere Weise möglich, nämlich nach der Zeitdimension.
2.6.2.1. Strategisches Benchmarking
Diese Form des Benchmarking bezieht sich auf die Ziele, Planungen, Anwendungen und Strategien des Unternehmens, um langfristig eigene Kunden- und Konkurrenzvorteile auszubauen. Im Rahmen des strategischen Benchmarking steht vor allem die Entwicklung des Share-Holder-Values, Erzielung von Rentabilität und Innovationspotential im Vordergrund. Strategisches Benchmarking hilft Gründe, die zur optimalen Entwicklung führen, zu
entdecken und diese in die Strategieformulierung einzubinden. 33
2.6.2.2. Operatives Benchmarking
Im Rahmen des operativen Benchmarking stehen die Identifizierung, das Kennenlernen und die Übernahme erfolgreicher Instrumente, Methoden und Prozesse anderer Organisationen auf kurzfristiger Ebene im Vordergrund. Es bezieht sich vor allem auf Unternehmensbereiche, wie Lieferverhalten, technischer Service oder Reklamationsbearbeitung, die allesamt kurzfristigen Charakter aufweisen.
Ziel ist die schnelle und kurzfristig erreichbare Steigerung der Leistungsfähigkeit durch Qualität, Kosten, Produktivität und funktionale Effizienz der eigenen Organisation und daraus
resultierend der Zugewinn von Wettbewerbsvorteilen. 34
32 vgl. Leibfried K. H. J.: 1993, S. 233 f.
33 vgl. Rau H.: 1996, S. 54 f.
34 vgl. Karlöf B.: 1994, S. 13
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2.6.3. Orientierung am Objekt
Die dritte Möglichkeit der Untersuchung erfolgt anhand des Objektes. Hierbei ist zwischen Prozess- und Produktbenchmarking zu differenzieren.
2.6.3.1. Prozessbenchmarking
Prozessbenchmarking umfasst den Vergleich aller Unternehmensprozesse von Geschäfts-, Kommunikations-, Dienstleistungs- und Arbeitsprozessen bis hin zu technologischen Prozessen. Ziel ist es, die Optimierung der Prozesse zu verwirklichen und diese, jedenfalls besser als die Konkurrenz, aufeinander abzustimmen, zu vereinfachen beziehungsweise zu verbessern. 35
2.6.3.2. Produktbenchmarking
Vergleichsobjekte dieser Art des Benchmarking sind die erstellten Produkte oder Dienstleistungen. Im Rahmen des Reverse Engineerings werden die einzelnen Produktbausteine erfasst, die Herstellungsverfahren eines Produktes oder Dienstleistung und deren Erfüllung der Kundenanforderungen werden analysiert. 36
2.6.4. Orientierung an der Zielkomponente
Abschließend kann man die verschiedenen Benchmarking-Arten nach den angestrebten Zielen unterteilen. Solche Unternehmensziele bilden beispielsweise Kosten, Kundeninteressen beziehungsweise Kundenzufriedenheit sowie qualitative und quantitative Maßstäbe.
2.6.4.1. Kostenorientiertes Benchmarking
Kostenorientiertes Benchmarking bezieht sich sowohl auf die Kostenstrukturen als auch auf Techniken und Verfahrensweisen. Im Vordergrund des Vergleiches mit anderen Abteilungen oder Unternehmungen stehen Produktionskosten, die direkten Kosten und deren Aufteilung auf die Herstellkosten. Vorteil dieser Benchmarking-Form sind die einfache Darstellung und Vergleichbarkeit der Zahlen. 37
35 vgl. Sabisch H. / Tintelnot C.: 1997, S. 4
36 vgl. Pieske R. 1995, S. 101 37 vgl. Rau H.: 1996, S 56 f.
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2.6.4.2. Kundenorientiertes Benchmarking
Kundenorientiertes Benchmarking versucht die Lücken zwischen der Erwartung beziehungsweise der Erfahrung des Kunden zu ermitteln. Kundenorientiertes Benchmarking
lässt sich in einem Prozess darstellen. Es sind 38
• die treibenden Kräfte zu identifizieren, die beim Kunden die Wahrnehmung von Wert beeinflussen,
• die Unternehmensentwicklung dahingehend zu steuern,
• den Entwicklungsstand von Wettbewerben zu analysieren und
• Lücken zwischen dem gegenwärtigen Entwicklungsstand und den Kundenerwartungen zu schließen.
2.6.4.3. Quantitatives Benchmarking
Im Rahmen des quantitativen Benchmarking stehen vor allem zahlenmäßige Werte im Mittelpunkt, die mittels einer Skala oder einem Zählsystem messbar oder als separate Maße gesammelt werden können. Die quantitativen Benchmarks zeigen Merkmale des Betriebes oder des Produktes auf, die interne oder externe Leistung widerspiegeln und sollten sowohl finanzieller als auch nicht-finanzieller Natur sein. Quantitative Benchmarks sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, denn Zahlen führen oft zur Verfälschung von Zielen. Man versucht alles zu tun, um die Sollwerte zu erreichen, ohne zu verstehen oder zu hinterfragen, wofür sie überhaupt notwendig sind. Beispiele für quantitative Benchmarks: Kosten, Cash-Flow,
Lagerumschlag, Bearbeitungszeit, Prüfzeiten etc. 39
2.6.4.4. Qualitatives Benchmarking
Wichtige Schlagworte im Rahmen des qualitativen Benchmarking sind vor allem Kosten, Qualität (Effektivität), Produktivität (Effizienz) und Lieferung (Zeit), die es gilt mittels geeigneter Maßgrößen zu vergleichen beziehungsweise zu verbessern und als strategischen Wettbewerbsvorteil die Organisation wettbewerbsfähig zu machen. Qualitative Benchmarks sind nicht leicht zu messen, bilden jedoch wichtige Faktoren für das Überleben der
Organisation und ihre Fähigkeit auf den Wettbewerber zu reagieren. 40
38 vgl. Rau H.: 1996, S. 59
39 vgl. Leibfried K. H. J.: 1993, S. 201 f.
40 vgl. Leibfried K. H. J.: 1993, S. 207 f.
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2.6.5. Vor- und Nachteile der verschiedenen Benchmarking-Arten
Abbildung 8: Vor- und Nachteile der grundsätzlichen Benchmarking-Arten
Quelle: Pieske R.: 1995, S. 48; Sabisch H. / Tintelnot C.: 1997, S. 5
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2.7. Der Benchmarking-Prozess
Der Benchmarking-Prozess wird in der Literatur unterschiedlich dargestellt. Die einzelnen Autoren und deren Darstellung des Benchmarking-Prozesses unterscheiden sich jedoch meist nur in Anzahl, Bezeichnung, Genauigkeit und Aufeinanderfolge der Phasen, die in der Regel nur weitere Verfeinerungen eines Grundschemas sind.
Den Anfang des Benchmarking-Prozesses bildet die Planungsphase. In dieser Phase werden Entscheidungen bezüglich des Untersuchungsgegenstandes, der Benchmarking-Partner und der Methoden zur Datensammlung getroffen. Phase 2 beschreibt den Abschnitt der Analyse. Hier werden aktuelle Leistungslücken des Unternehmens aufgedeckt und die zukünftige Leistungsfähigkeit geschätzt. In der nachfolgenden Integrationsphase werden die Ergebnisse mit den Mitarbeitern mitgeteilt, um Akzeptanz zu gewinnen und funktionale Ziele zu legen. In der vierten Phase, der Aktionsphase, werden Aktionspläne entwickelt, Fortschrittskontrollen und notwendige Anpassungen durchgeführt. Im letzten und fünften Abschnitt, der Reifephase, wird die Führungsposition erreicht und das Beste, neue – Best Practise Verfahren
voll in den laufenden Prozess integriert 41
41 vgl. Camp R. C.: 1994, S. 21 f.
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2.7.1. Das Fünf-Phasen-Modell des Benchmarking-Prozess
Abbildung 9: Benchmarking-Prozessablauf
Phase 1:
Planung
Phase 2:
Analyse
Phase 3:
Integration
Phase 4:
Aktion
Phase 5:
Reife
Quelle: Camp R. C.: 1994, S. 21
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2.7.1.1. Phase 1 – Planung
Zu Beginn der Phase 1 des Benchmarking-Prozesses stellt sich die Frage, was dem Prozess unterzogen werden soll. Sie umschließt die Einplanung beziehungsweise Wahl der Benchmarking-Objekte, Vergleichsunternehmen und der Datenzusammenstellungs- und Datensammlungsmethode. 42
Das Hauptaugenmerk ist auf die kritischen Abläufe beziehungsweise auf die treibenden Kräfte zu richten, da sie eine hohe strategische Bedeutung für den Geschäftserfolg haben. Diese Kräfte stellen die wichtigsten, funktionsübergreifenden Anstrengungen dar, die direkten Einfluss auf die Beurteilung des Unternehmens durch die Kunden haben. 43
Abbildung 10: Treibende Kräfte im Benchmarking-Prozess
Quelle: Leibfried K. H. J.: 1993, S. 254
Die Frage, was untersucht werden soll, hängt vor allem von den internen Zielen und dem angestrebten Qualitätsstandard ab. Grundsätzlich kann aber jeder nur denkbare Sachverhalt Untersuchungsgegenstand eines Benchmarking-Projektes sein. 44
Wie bereits erwähnt; kann der Auswahlprozess von Benchmarking-Objekten aufgrund verschiedener Ziele und Kriterien erfolgen. Solche Kriterien können Einfluss auf die externe und interne Kundenzufriedenheit auf das Erreichen von Wettbewerbsvorteilen sowie Verbesserungspotentiale oder auch strategische Bedeutung innerhalb des Unternehmens haben. 45
42 vgl. Camp R. C.: 1994, S. 54 f.
43 vgl. Watson G. H.: 1993, S. 72 f.
44 vgl. Pieske R.: 1995, S. 59 f.
45 vgl. Pieske R.: 1995, S. 73
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Anschließend folgt die Planung der Leistungsmessung. Grundsätzliche Messinhalte können
beispielsweise in den Bereichen des Qualitätsmanagements (Ausschuss, Reklamationen,
Fehler, Änderungen, …), im Zeitmanagement (Bearbeitungszeit, Durchlaufzeit,
Liefertermintreue, …), im Kostenmanagement (Material, Personal, Nacharbeit, …), im
Mengenmanagement (Anzahl, Ausstoß, Umsatz, Durchsatz), aber auch grundsätzliche
Begriffe der Leistung, wie beispielsweise des Energieverbrauches etc. sein. 46
Nächster Schritt der Planungs-Phase bildet die Suche nach Benchmarking- beziehungsweise
Vergleichspartnern, mit denen die Unternehmensleistung verglichen werden soll und der optimale Informationsaustausch zwischen diesen beiden. Diese Auswahl nach Benchmarking-
Partnern beschreibt die Suche nach Unternehmen, die Best Practise verwirklichen.
Problematisch hierbei ist jedoch, dass Unternehmen, die heute noch die Spitze darstellen,
bereits morgen nur mehr durchschnittliche Leistungen hervorbringen können. Von besonderer
Bedeutung ist hier vor allem der offene Informationsaustausch, um etwaige Bedenken von
vornherein ausschalten zu können. 47
In der Planungs-Phase ist auch zu entscheiden, ob die Studie intern oder mit anderen externen
Organisationen durchgeführt werden soll. Die Entscheidung, ob interne oder externe
Benchmarking-Projekte durchgeführt werden, hängt davon ab, wie hoch die Ziele des
Unternehmens gesteckt sind. Will man Klassenbester in den Reihen von Filialen werden, so
wird sich ein internes Benchmarking-Projekt am besten eignen. Strebt man jedoch an, seine
Konkurrenten zu überflügeln beziehungsweise sogar Weltklasse-Leistungen zu erbringen, so
sind brancheneigene ebenso wie branchenfremde Benchmarking-Studien durchzuführen. Aber
auch die Aufspürung der Best Practise Unternehmen und die Kontaktaufnahme mit möglichen
Benchmarking-Partnern stellen wichtige Parameter dieser Benchmarking-Phase dar. 48
Im abschließenden Punkt der Planungs-Phase dreht sich alles um die Datensammlung beziehungsweise Informationsquellen. Bei der Datenbeschaffung sollte bestimmten
Umständen besondere Beachtung geschenkt werden. Dazu gehören Umfang, Genauigkeit
sowie Kosten der Beschaffung und benötigter Zeit- beziehungsweise Verwaltungsaufwand.
Die Hauptschwierigkeit in diesem Bereich liegt jedoch in der Beschaffung der
Informationsquellen, ohne eine subjektive Wertung vorzunehmen. 49 Die folgende Tabelle zeigt beispielhaft Informationsquellen zum Auffinden von potentiellen Benchmarking-
Partnern.
46 vgl. Pieske R.: 1995, S. 107
47 vgl. Pieske R.: 1995, S. 145
48 vgl. Karlöf B.: 1994, S. 121 f.
49 vgl. Rau H.: 1996, S. 121
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Mag. Egon Ostermann, 2004, Benchmarking und dessen Anwendbarkeit zur Messung der Dienstleistungsqualität mit Hilfe von Mystery Shopping am Beispiel Nationalpark Kalkalpen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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