Carolin Wobben - Diplomarbeit
Corporate Fashion als Instrument der Corporate Identity
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis III
Abk ürzungsverzeichnis. IV
1 Einleitung 1
1.1 Problemstellung. 1
1.2 Gang der Untersuchung. 3
1.3 Begriffsklärung. 4
1.3.1 Corporate Fashion. 4
1.3.2 Mode. 6
1.4 Praxisbeispiel - Die Museumsstiftung Post und Telekommunikation. 8
2 Corporate Fashion als strategische Maßnahme im Museumsmanagement 9
2.1 Corporate Fashion im Zusammenhang 9
2.1.1 Management im Museum. 10
2.1.2 Die Corporate Identity Strategie 12
2.2 Idealtypische Aufgaben von Corporate Fashion. 16
3 Bewertung des langfristigen Potentials von Corporate Fashion. 18
3.1 Chancen eines einheitlichen Bekleidungskonzeptes. 18
3.2 Mögliche Problemkreise 21
3.3 Bewertungskriterien der Trageakzeptanz. 24
3.4 Aspekte der Wirkungskontrolle 28
4 Corporate Fashion in der Praxis - Ansätze zur Umsetzung in der Museumsstiftung
Post und Telekommunikation. 29
4.1 Anweisungsentwurf zur Umsetzung der Corporate Fashion. 30
4.2 Ausblick 32
5 Schlussbemerkung 34
Anhang 36
Anlage 1 : Theoretische Hintergründe zur Institution Museum. 37
Anlage 2: Gesprächsleitfaden. 39
Anlage 3: Fragebogen 40
Anlage 4: Beispiele für Corporate Fashion. 43
Anlage 5: Entwurf für Herrenoutfit. 44
Literaturverzeichnis 45
I. Bücher, Beiträge in Sammelwerken, Zeitschriftenaufsätze 45
II. Studien. 49
III. Internetquellen. 50
Erkl ärung 53
II
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Die Dimensionen der Corporate Identity ............................................................... 14
Eigene Darstellung
Abb. 2: Einflussgrößen der Trageakzeptanz ....................................................................... 25
Eigene Darstellung
Abb. 3: Inhalte des Mannheimer CI-Tests........................................................................... 29
Keller (CI-Dilemma, 1990), S. 79
Abb. 4: Logo für das Museum für Kommunikation Hamburg und die Museumsstiftung ......... 30
Museum für Kommunikation, Internetressource
III
Abkürzungsverzeichnis
Anm. d. Verf. -Anmerkung des Verfassers Aufl. -Auflage bspw. -beispielsweise bzw. -beziehungsweise CD -Corporate Design CF -Corporate Fashion CI -Corporate Identity d. h. -das heißt Diss. -Dissertation engl. -englisch et al. -et alii ggf. -gegebenenfalls Hrsg. -Herausgeber lat. -Latein o. ä. -oder ähnliches u. a. -unter anderem Vgl. -vergleiche z. B. -zum Beispiel z. T. -zum Teil
IV
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
Der Museumsbereich hat in den letzten 25 Jahren eine außerordentliche Entwicklung erfahren, die sich besonders in einem hohen Zuwachs an Museumsgründungen offenbart hat. Museen haben eine neue, gesamtgesellschaftliche Bedeutung erhalten, was erst durch die entstehende Freizeitgesellschaft 1 möglich geworden ist; sie „wurden und sind Wirtschaftfaktoren“ 2 .
Dennoch: Während in den 1980er Jahren noch das Motto „Kultur hat Konjunktur“ galt 3 und von einem „Museumsboom“ gesprochen wurde, so wurde im letzten Jahrzehnt insbesondere das Museumswesen aufgrund der Streichung öffentlicher Zuwendungen, fallender
Spendenzuweisungen und zurückgehender Besucherzahlen mit Problemen konfrontiert. Angesichts neuer Kultureinrichtungen und Freizeitbeschäftigungen der modernen Medien-/Informationsgesellschaft (bspw. Museen im Cyberspace) wurde neben der Legitimität der Museen auch ihre Konkurrenzfähigkeit in Frage gestellt.
Als Reaktion auf dieses raue ökonomische und politische Klima hat sich das Anforderungsprofil des Museums in den letzten Jahren über die klassischen museologischen Schwerpunkte Sammeln, Bewahren und Forschen zunehmend auch auf Managementaufgaben und andere Schwerpunkte ausgeweitet, die für ein zielgerichtetes Handeln notwendig sind (siehe Anlage 1). So fragt Wiese zu Recht: Das Museum - ein musealer Betrieb zur Erfüllung kultureller Zwecke? 4
Um im Wettbewerb um die Aufmerksamkeit und Gunst der (potentiellen) Museumsbesucher nicht als Verlierer dazustehen, ist eine möglichst einzigartige Positionierung auf den Märkten dringend nötig, die wiederum eine systematische Gestaltung und Vermittlung der eigenen Identität erfordert 5 . Im Rahmen einer Besucherorientierung gilt es, die Bekanntheit und den guten Ruf des Museums zu fördern und nach innen und außen ein deutliches, einheitliches, klares und unverwechselbares Erscheinungsbild 6 , mit dem sich die Angebotsnutzer identifizieren können, zu sichern.
1 Vgl. Opaschowski (Freizeitökonomie, 1993)
2 Wiese (Museumsmanagement, 1995), S. 3
3 Vgl. Zimmer (Nonprofit-Organisation, 1996), S. 9
4 Vgl. Wiese (Museumsmanagement, 1995), S. 4
5 Vgl. Dreyer (Museumsfinanzierung, 1998), S.180
6 Vgl. Schaule -Lohe (Museen, 1995), S. 2
1
In diesem immer stärker werdenden Spannungsfeld unterschiedlicher Interessengruppen mit sich verändernden Anforderungen seitens des Publikums, der Wissenschaft, der Verwaltung, der Politik und der Wirtschaft ist es i n der heutigen Zeit auch im Nonprofit-Bereich unerlässlich geworden, eine auf die Institution Museum angewandte Corporate Identity Strategie zu implementieren, um konkurrenzfähig zu bleiben.
Ein neuer Bestandteil einer solchen CI-Strategie ist auch Corporate Fashion, die systematische, konzeptionelle Einbeziehung bewusst gestalteter Berufskleidung als Interpretation des Corporate Designs und somit als ein Element der Visualisierung der eigenen Identität, als Kommunikationsmedium zwischen Unternehmen und Mitarbeiter sowie zwischen Mitarbeiter und Öffentlichkeit 7 . Gemäß dem Sprichwort „ You never have a second chance for a first impression“ und Watzlawiks “Man kann nicht nicht kommunizieren“ wird CF als Chance und fast schon als Notwendigkeit aufgefasst. Durch die Integration von Funktion, Motivation und Kommunikation wird eine Effizienzsteigerung und damit zusammenhängend eine Beeinflussung externer Einflussfaktoren, wie z. B. das Interesse der Öffentlichkeit (Besucher und Nicht-Besucher), und interner Dimensionen, bspw. die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter, anvisiert 8 .
Die vorliegende Arbeit zeigt auf, inwiefern auch i m Museumswesen die Erfordernis einer Corporate Identity Strategie besteht und welches Potential deren Implementierung bietet. In diesem Rahmen liegt der Schwerpunkt der Untersuchung insbesondere auf der Betrachtung des Instruments Corporate Fashion als Ausprägung des Corporate Designs. Im Mittelpunkt steht dabei einerseits die Darstellung von Vorteilen, die sich aus einer durchdachten Entwicklung von CF intern und extern ergeben, andererseits wird auf mögliche Probleme und Konflikte verwiesen, die im Zuge des Umsetzungsprozesses entstehen können. Weiterhin wird der Versuch unternommen, einen Kriterienkatalog zur Bewertung der Trageakzeptanz als entscheidender Erfolgfaktor zu erstellen, auf dessen Basis mit Hilfe zukünftiger Forschungsansätze (bspw. durch Mitarbeiterbefragungen) weitere Erkenntnisse zur Bedeutung einzelner Charakteristika der Berufskleidung gewonnen werden können. Im weiteren Verlauf der Arbeit wird schließlich zur Vertiefung der bisherigen Ausführungen das Praxisbeispiel herangezogen, um konkret eine Möglichkeit der Umsetzung von CF aufzuzeigen. Dafür konnte die Museumsstiftung Post und Telekommunikation gewonnen werden, die sich aktuell in der Implementierungsphase von CF befindet.
7 Vgl. Henkel (Uniformen, 2003), S. 2
8 Vgl. Forsa-Umfrage (Museen und Internet, 2000)
2
1.2 Gang der Untersuchung
Bei dieser Arbeit handelt es sich um eine Ausarbeitung, die zunächst auf der aktuellen Literatur zum Bereich Corporate Fashion und Corporate Identity für Museum basiert und durch Ergebnisse der themenverwandten Studie Corporate Fashion vertieft wird. Zur Ergänzung und Veranschaulichung dient schließlich die Museumsstiftung Post und Telekommunikation als konkretes Praxisbeispiel. Um einen ersten Zugang zum Themengebiet CF zu bekommen, das an sich in der deutschen Literatur bisher nur wenig Beachtung gefunden hat, wurde am 28.02.2003 ein Telefongespräch mit dem Verfasser der Studie Corporate Fashion, Joachim Schirrmacher, geführt. Es ergaben sich Einblicke in den Inhalt und Hintergrund seiner Studie sowie einige Ansatzpunkte für eine weitere Recherche. Der Inhalt dieses Gesprächs ist im Anhang dieser Arbeit kurz dargelegt.
Für das Praxisbeispiel wurden zahlreiche persönliche Gespräche mit dem Direktor des Museums für Kommunikation Hamburg, Dr. Oliver Rump, und den von der Einführung der CF betroffenen Service-Mitarbeitern geführt. Die Internetseiten des Museums für Kommunikation Hamburg und der Museumsstiftung Post und Telekommunikation sowie der erste Entwurf einer Anweisung zur Umsetzung der Corporate Fashion wurden ausgewertet. Abschließend wurde unter den betroffenen Mitarbeitern des Museums für Kommunikation Hamburg eine kurze Umfrage gemacht, die erste Schlüsse über wahrgenommene Chancen und Risiken von CF und über die zukünftige Trageakzeptanz ermöglichen sollte. Der dazugehörige Fragebogen ist im Anhang dieser Arbeit zu finden.
Nachdem im ersten einführenden Abschnitt die Problemstellung beschrieben und eingegrenzt wurde, folgt im Anschluss daran auf den nächsten Seiten eine Klärung der für den Zusammenhang der Arbeit relevanten thematischen Fachbegriffe sowie eine kurze Porträtierung der Museumsstiftung. Im nachfolgenden Kapitel 2 wird das Instrument Corporate Fashion in seinen Gesamtzusammenhang gebracht; es erfolgen weitere Begriffserläuterungen im Rahmen der übergeordneten Corporate Identity Strategie für Museen und eine Konk retisierung des Themengebietes Management im Museum. Außerdem werden die idealtypischen Aufgaben von CF kurz dargelegt. Auf dieser Grundlage widmet sich das Kapitel 3 einer Bewertung des langfristigen Potentials von CF, indem mögliche Chancen und Risiken des Identitätsinstruments, die bei einer Einführung von CF bedacht werden müssen, herausgearbeitet werden. In diesem Zuge werden zusätzlich denkbare, die Trageakzeptanz beeinflussende Bewertungskriterien sowie einige Aspekte der Wirkungskontrolle aufgezeigt, anhand derer der potentielle Erfolg von CF in
3
einer Institution eingeschätzt und beurteilt werden kann. Parallel wird in allen Kapiteln auf das Praxisbeispiel verwiesen und werden Beispiele gegeben. Abschließend erfolgt im Kapitel 4 zur weiteren Veranschaulichung eine kurze Darstellung des vo n der Museumsstiftung erstellten Konzepts zur Einführung von CF. Unter Bezugnahme auf die Ergebnisse der Umfrage, die persönlichen Gespräche mit den betroffenen Mitarbeitern sowie anhand der erarbeiteten Bewertungskriterien wird das Konzept analysiert und Perspektiven der Umsetzung geschildert. Abgerundet wird die se Arbeit durch eine Zusammenfassung und eine komprimierte Bewertung der gewonnenen Ergebnisse.
1.3 Begriffsklärung
1.3.1 Corporate Fashion
Wo früher noch von Dienstkleidung, Berufsbekleidung, Uniform oder gar Zunftkleidung die Rede war, wird heute aufgrund ihrer neuen modischen Aspekte von „Corporate Fashion“ gesprochen. Nach einer aktuellen Definition von Schirrmacher ist Corporate Fashion „lang eingesetzte Berufskleidung, welche die vorhandene Identität eines Unternehmens nach deren Corporate Design in einer modernen, zeitgemäßen Gestaltung umsetzt.“ 9 Sie umfasst die klassischen „blauen“ und „weißen“ Sparten der Berufsbekleidung ( Workwear), Unternehmensbekleidung ( Careerwear, Corporate Casualwear) sowie Schutzbekleidung (Protectivewear) für alle Arten von Organisationen und Hierarchien. Zwar sollte CF nicht allein aus modischen Aspekten entwickelt werden und kann aufgrund ihrer Zielsetzung (u. a. Kontinuität) kaum kurzfristigen Trends entsprechen, sollte aber dennoch, besonders im Hinblick auf die Trageakzeptanz der Mitarbeiter, den Grundtendenzen der Bekleidungsindustrie folgen, die über einige Jahre Gültigkeit haben. Die CF kann dann nach Schirrmacher so gestaltet werden, dass sie für knapp eine Dekade den zeitgemäßen Gestaltungserwartungen an Bekleidung folgen kann 10 .
Der Ursprung der Berufskleidung reicht bis in das Mittela lter zurück, wo sie hauptsächlich eine Schutzfunktion einnahm, wie bspw. die mit Wappen verzierte Ritterrüstung oder der Lederschutz der Schmiede 11 . Später wurde ein anderer Schwerpunkt auf die Kennzeichnung z. B. eines Berufsstandes (Schornsteinfeger, Krankenschwester et al.) und den Ausdruck von Zugehörigkeit
9 Schirrmacher (Corporate Fashion, 1998), S. 12
10 Vgl. Schirrmacher (Corporate Fashion, 1998), S. 27
11 Vgl. Anonym (Zunftkleidung, 2003)
4
zu einer staatlichen Einrichtung (Uniformen des Militärs, des Zolls, der Polizei), einem Transportunternehmen (z. B. Schonkleidung von Bahn, Post) oder einem privaten Unternehmen gelegt. Die Berufskleidung diente hier nach außen hin vornehmlich der Abgrenzung zu anderen Menschen und verlieh Autorität 12
Noch in den fünfziger und sechziger Jahren wurde das Bild der Arbeitskleidung von Blaumann und Kittel geprägt. Vorherrschende Farben waren Blau, Grau und Weiß, die aus funktionalen Gründen wie Strapazierbarkeit und Pflegeleichtigkeit gewählt wurden. Mitte der sechziger Jahre begann der Wandel zum Individualismus - am Arbeitsplatz dominierte zunehmend persönliche Freizeitkleidung, die die Träger durch leichtere, angenehmere Stoffe das neue Gefühl der „geistigen Befreiung“ am eigenen Körper spüren ließ. Die Zeiten einer sogenannten Mitarbeiteruniform, die sich ausschließlich über funktionale Aspekte definierte, waren vorbei. So fanden sich schnell Anbieter, die eine schwerpunktmäßig Tragekomfort und Ästhetik bietende Kleidung entwickelten und damit den Markt eroberten. Die Berufskleidungsbranche fand ihren Ursprung.
In den letzten Jahrzehnten erfolgte eine weitere starke Wandlung des Marktes für Berufskleidung, die sich nicht nur im Sprachgebrauch, im neuen Begriff „Corporate Fashion“, ausdrückt. Die Erkenntnis, dass eine gepflegte, einheitliche Berufskleidung als Zeichen der konsequenten Umsetzung des Corporate Designs zum Unternehmenserfolg beitragen kann, führte zu einem neuen Bedeutungsgehalt und Aufstieg von CF zum Marketinginstrument 13 . Die Berufskleidung übernahm zunehmend die Aufgabe, das Image der Organisation, seine CI, nach außen und innen zu kommunizieren. Aufgrund dessen orientiert sich die heutige CF an den Firmenfarben und oft auch, je nach Vorgaben des jeweiligen Arbeitsplatzes, an der Mode (siehe 1.3.2).
Gleichzeitig wurde das interne Potential von CF im Hinblick auf eine gesteigerte Motivation und ein gestärktes Zugehörigkeitsgefühl entdeckt und gefördert. Landgrebe bemerkte bereits 1980, dass „ein Trend vom militärische n zum zivilen Stil zu beobachten“ 14 war, es wurde mehr Wert auf Individualität und Persönlichkeit gelegt. So waren z. B. die Stewardessen der Lufthansa nicht länger verpflichtet, ihre blau-gelben Kappen, die 1970 noch als unentbehrlich gegolten hatten,
12 Vgl. Landgrebe (Imagewerbung, 1980), S. 79
13 Wo dabei genau die Grenze von Berufskleidung zu CF gezogen werden kann, bleibt in der Literatur ungeklärt.
Entscheidend für die Bezeichnung CF ist die Einbindung in die CI-Strategie der Organisation. Vgl. Schirrmacher
(Corporate Fashion, 1998), S. 34
14 Landgrebe (Imagewerbung, 1980), S. 79
5
sowie ihre gelben Blusen zu tragen 15 . Ein homogenes Erscheinungsbild muss in diesem Zuge nicht vollkommen aufgegeben werden: Es sollten vielmehr mehrere Variationen zur Auswahl stehen, die bei gleichen Accessoires z. B. unterschiedliche Schnitte und Formen bieten, um die von der Modeindustrie gebotenen Instrumentarien und Strategien nutzen zu können 16 . Auch bei „ziviler“ Kleidung können „CI-Kriterien“ durch wenige Leitlinien erfolgreich umgesetzt werden. In diesem Zusammenhang führt Jörg Zintzmeyer, CD-Berater der Museumsstiftung, aus, dass Design, unabhängig von seiner Form, immer auch eine emotionale Wirkung habe. Daher sei die Identifikation mit der Institution für die Trageakzeptanz, aber auch für die Wirkung nach außen, von großer Bedeutung.
Corporate Fashio n integriert damit Funktionalität, Motivation und Kommunikation und wird unter dem Motto „Der erste Eindruck zählt“ für viele Institutionen zum Hoffnungsträger für Markenbildung und Effizienzsteigerung.
1.3.2 Mode
Mode 17 (engl. fashion) soll hier in Anlehnung an Schirrmacher und im Hinblick auf den Bereich der Berufskleidung, im Sinne von „modern“, d. h. „den Lebensbedingungen der Gegenwart entsprechend“ definiert und damit vom Begriff „modisch“, also kurzfristigen, saisonalen Entwicklungen der Bekleidungsindustrie, abgegrenzt werden. Im normalen, wie auch beruflichen Alltag wird Kleidung und Mode schon lange als ein tatkräftiges Kommunikationsmittel eingesetzt, selten bisher jedoch im Rahmen eines kreativen Konzepts konkret in die Organisationsstrategie einbezogen.
So spielen Mode und Design in den meisten Museen zunächst einmal keine bedeutende Rolle, solange sie nicht Teil der Sammlung oder Grundphilosophie sind. Mit dem neuen Ansatz von Corporate Fashion für Museen stellt sich die Frage, inwiefern Mode als Kriterium in der Gestaltung der Dienstkleidung eine Bedeutung zukommt und den längerfristigen Entwicklungen der Bekleidungsindustrie gefolgt werden sollte. Das gewünschte Soll-Image des Museums, sein Ziel, ist hier von Interesse: Ist dem Museum daran gelege n, ein frisches und zeitge mäßes
15 Vgl. Landgrebe (Imagewerbung, 1980), S. 79: Eine Initiative der Personalvertretung hatte entschieden, dass die
Damen an Bord ihre äußere Erscheinung etwas individueller komponieren könnten und in diesem Zuge weiße
Blusen mit verschiedenen dunkelblauen Aufdruckmustern eingeführt.
16 Vgl. Hettler (Frauenberufskleidung, 1994), S. 253
17 lat. Modus, „rechtes Maß, Art und Weise (des Lebens)“; ital. modo; frz. Mode, Loschek (Kostümlexikon, 1987),
S. 358
6
Erscheinungsbild zu machen, das auch zum Inhalt der Sammlung passt (bspw. Museum für Kommunikation) oder geht es um Tradition, Geschichte und Konservatismus (bspw. geschichtliche Museen)?
Über den Gehalt von Mode schreibt Loschek, dass es eine Art und Weise der äußeren Lebenshaltung ist, die u. a. auf Imponier-, Geltungs- und Nachahmungstrieb, auf Äußerung sozialer und finanzieller Unterschiede und auf Zeitgeschmack beruht 18 . Zu einem solchen Triebverhalten gehören auch Motivationen, wie auch die Mitarbeitermotivation, die oft als internes Ziel bei der Umsetzung von CF genannt wird. Die Verknüpfung von „guter Berufskleidung“ und „Mitarbeitermotivation“ muss im Sinne von „Trageakzeptanz“ und „Leistungssteigerung“ getrennt interpretiert werden, wie Schirrmachers Studie Corporate Fashion zeigt, da eine hohe Trageakzeptanz zwar nachweislich das Unfallrisiko senkt, nicht aber unmittelbar auch Leistungssteigerungen bewirkt.
Auch wenn dieser Zusammenhang bisher wenig erforscht wurde, ist generell zu erwarten, dass sich eine zeitgemäße Gestaltung der Dienstbekleidung positiv auf die Trageakzeptanz auswirkt und Mitarbeiter motiviert, indem sie sich von ihrem Arbeitgeber wahrgenommen und geschätzt fühlen (bei qualitativ hochwertiger Kleidung). Offen bleibt, wie wichtig den betroffenen Mitarbeitern das Kriterium „Mode und Schnitt“ bei der Corporate Fashion ist und wie häufig eine Anpassung an die Entwicklung der Bekleidungsindustrie, an „Modetrends“, erfolgen muss, um Mitarbeitermotivation nicht in Unzufriedenheit umschlagen zu lassen. Diese Fragen müssen individuell für jedes Museum in Anhängigkeit von der gewünschten Wirkung nach außen und innen geklärt werden.
Über das Argument „Motivation“ hinaus liegt ein weiteres Potential von Mode in dem von Loschek erwähnten „Nachahmungstrieb“ im Sinne eines Strebens nach Gruppenzuge hörigkeit, vorausgesetzt, es handelt sich um eine positiv belegte Gruppe. Nur dann ist die Identifikation mit der Organisation für den Mitarbeiter erstrebenswert und der Einsatz von Mode/CF kann seine Wirkung entfalten.
In Bezug auf den ebenfalls von Loschek angesprochenen „Geltungstrieb“ in Verbindung mit der „Äußerung sozialer Unterschiede“ werden die Grenzen des Einsatzes von CF deutlich: Wird von der Bevölkerung eine bestimmte Berufskleidung wie bspw. die orange Warnschutzkleidung der Müllarbeiter mit einem niedrigen sozialen Status assoziiert, kann auch die Einführung modischer
18 Vgl. Loschek (Kostümlexikon, 1987), S. 358
7
Aspekte die Mitarbeiter kaum zu einer Leistungssteigerung motivieren und die Trageakzeptanz erhöhen. Vielmehr sollte hier herausgefunden werden, wie dem Geltungstrieb dieser Arbeiter anders entsprochen werden kann.
Als Ergebnis der Studie Corporate Fashion von Schirrmacher lässt sich festhalten, dass Berufskleidung in den meisten Fällen modern und zeitgemäß, aber nicht modisch sein sollte. Als Gründe werden sowohl die hohen Kosten einer ständigen Anpassung sowie das Vorziehen einer klassischen Ausrichtung der Berufskleidung genannt. Dies stimmt mit der oft geäußerten Aussage überein, dass die Identität eines Organisation, die die Berufskleidung widerspiegeln soll, nicht modisch sein kann, sondern vielmehr von Kontinuität und Beständigkeit geprägt sein soll.
1.4 Praxisbeispiel - Die Museumsstiftung Post und Telekommunikation
Die Museumsstiftung Post und Telekommunikation wurde 1995 im Rahmen der bundesdeutschen Postreform ge gründet. Es handelt sich um eine bundesunmittelbare Stiftung öffentlichen Rechts, die finanziell von der Deutschen Post und der Deutschen Telekom getragen wird. Neben dem Archiv für Philatelie in Bonn werden von der Stiftung je ein Museum für Kommunikation in Berlin, Frankfurt, Nürnberg und Hamburg geführt, wobei in dieser Arbeit der Mitarbeiterstab des letzteren in eine kurze Umfrage einbezogen wurde und so in Bezug auf das The ma CF als repräsentativ für alle Museen der Stiftung gelten soll.
Die vier Museen für Kommunikation, die sich zielgruppenspezifisch besonders an Schulklassen, Familien mit Kindern sowie Fachleute wendet, bieten ein breites Spektrum an abwechslungsreichen, ständig variierten Angeboten wie Wechselausstellungen, Vorträgen, Führungen und Workshops 19 . Der Inhalt der Dauerausstellung besteht in d er gesamten Entwicklung der Nachrichtenübermittlung in den Bereichen Post und Telekommunikation, wobei jedes Museum gemäß der Lage oder Geschichte der jeweiligen Stadt einen anderen Schwerpunkt hat (z. B. Transport über Wasser in Hamburg). Ziel ist, bei (Nicht-) Museumsbesuchern das Interesse und Verständnis für Kommunikation zu wecken und ihnen die gewünschten Informationen in attraktiver Form zu vermitteln.
19 Vgl. Museum für Kommunikation Hamburg, Internetressource
8
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Master of International Business Administration Carolin Wobben, 2003, Corporate Fashion als Instrument der Corporate Identity, München, GRIN Verlag GmbH
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