Operation Enduring Freedom ist die amerikanische Antwort auf die Anschläge von 11. September 2001. Der Kampf gegen den Terrorismus führte zu dem Sturz der Taliban im Oktober desselben Jahres. Es folgte eine Rollenverteilung zwischen Amerikanern und Europäern.
Die Aufteilung Afghanistans unter den sogenannten 4 lead nations sah aus wie folgt: Mit amerikanischer Unterstützung sollte vor allem eine afghanische Armee mit etwa 60 000 Mann aufgebaut werden. Die Hauptaufgabe der USA war jedoch die Aufspürung potenzieller Terroristen. Bei den Europäern sorgt Deutschland für die Modernisierung des afghanischen Polizeiwesens. Italien soll die Grundstruktur für ein Rechtssystem stellen und Großbritannien soll sich um die Drogenbekämpfung bemühen. Japan obliegt die Demobiliserung und Reintegration der Kriegsparteien.
Afghanistan soll wieder aufgebaut werden. Zahlreiche Konferenzen bemühten sich Afghanistan zu einem demokratischen vollfunktionsfähigen Staat werden zu lassen.
Ich möchte in meiner Arbeit herausfinden, wie es um die afghanische Staatlichkeit, bezogen auf die Sicherheitslage im Lande, steht, wie die Staatlichkeit seit dem Sturz der Taliban im Jahre 2001 zu bewerten ist und welche Auswirkungen dies impliziert.
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Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
1. NATION UND STATE BUILDING
2. BEGRIFFSBESTIMMUNG
3. FUNKTIONIERENDE STAATLICHKEIT
4. STAATSGEWALT
5. SICHERHEIT
5.1 KONTROLLE ÜBER DAS GANZE STAATSGEBIET
5.1.1 DEMILITARISIERUNG
5.1.2 WARLORDS
5.2 AUßENGRENZKONTROLLEN
5.3 AFGHANISTANS SICHERHEITSAPPARAT
5.3.1 ANA – AFGHAN NATIONAL ARMY
5.3.2 ANP – AFGHAN NATIONAL POLICE
5.4 PRT – PROVINCIAL RECONSTRUCTION TEAMS
5.5 DROGENSTAAT AFGHANISTAN
5.5.1 ENTWICKLUNG
5.5.2 VORSCHLÄGE
RESÜMEE
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht den Zustand der afghanischen Staatlichkeit in Bezug auf die Sicherheitslage seit dem Sturz der Taliban im Jahr 2001, bewertet die Wirksamkeit internationaler Interventionsmaßnahmen und analysiert die daraus resultierenden Auswirkungen für den Staatsaufbau.
- Analyse des Nation- und State-Building-Prozesses in Afghanistan.
- Evaluation des Sicherheitsapparates und der Rolle von Sicherheitskräften (ANA/ANP).
- Untersuchung der Problematik von Warlords und deren Einfluss auf die staatliche Kontrolle.
- Bewertung des Einflusses der Provincial Reconstruction Teams (PRT) auf die regionale Stabilität.
- Diskussion des Drogenhandels als destabilisierender Faktor und Indikator für den Status als "Failed State".
Auszug aus dem Buch
5.1.2 Warlords
“In many places the warlords are the real power on the ground, and there is little realistic prospect that they can be displaced (say, by a new national army) any time soon.”
An den noch immer herrschenden Warlords kann man die Ohnmacht der Regierung Karzais messen. Mit der Einsetzung der ersten Übergangsregierung, waren in allen Himmelsrichtungen grosse Warlords für die Sicherheit bestimmter Provinzen zuständig. So waren bereits 2002 der Usbeke Dostum im Norden, der Tadschike Ismail Khan, im Westen der Paschtune Agah Gul und im Süden Qadir Herrscher über die „ihrigen“ Provinzen. Bis heute, sechs Jahr später, hat sich an dieser Konstellation nicht viel geändert. Noch immer haben Andere als der eigentliche Staat das Sagen in diesen Regionen. Die staatliche Durchdringung hört außerhalb Kabuls auf.
Um sich mit den Warlords zu arrangieren, versuchte man sie in die Regierung Karzais mit ein zuschließen. Das Problem stellte allerdings die Entlohnung. Der staatlich bezahlte Sold war nicht so hoch als die Einnahmen die sie durch ihre ursprünglichen Tätigkeiten erhielten. Die Integration von Warlords in den Machtapparat macht eine Trennung zwischen Regierungs und Warlordstukturen unmöglich.
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Darstellung der internationalen Rollenverteilung nach 2001 und Formulierung der Forschungsfrage bezüglich der afghanischen Staatlichkeit.
1. NATION UND STATE BUILDING: Erläuterung der theoretischen Grundlagen von Nation- und State-Building sowie deren Bedeutung für den Wiederaufbau in Krisengebieten.
2. BEGRIFFSBESTIMMUNG: Definition zentraler Begriffe wie ISAF, Staatlichkeit, Failed State und Warlords im Kontext des wissenschaftlichen Diskurses.
3. FUNKTIONIERENDE STAATLICHKEIT: Analyse notwendiger Kompetenzen wie Gewaltkontrolle, Extraktion und Rechtsetzung für eine funktionierende staatliche Ordnung.
4. STAATSGEWALT: Untersuchung des Machtvakuums in Afghanistan und der Schwierigkeit, staatliche Autorität im gesamten Territorium nach dem Bürgerkrieg zu etablieren.
5. SICHERHEIT: Umfassende Analyse der Sicherheitslage, einschließlich der Kontrolle über das Staatsgebiet, der Rolle von Warlords, des Sicherheitsapparates, der PRTs und des Drogenproblems.
RESÜMEE: Abschließende Bewertung Afghanistans als Failed State und Einschätzung der begrenzten Erfolge internationaler Bemühungen.
Schlüsselwörter
Afghanistan, Staatlichkeit, Nation-Building, State-Building, Failed State, Sicherheitslage, Warlords, ISAF, PRT, Drogenhandel, Gewaltmonopol, Terrorismusbekämpfung, Wiederaufbau, Sicherheitsapparat, Regionale Stabilität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Wiederaufbau Afghanistans seit dem Sturz der Taliban im Jahr 2001 und bewertet kritisch, inwieweit das Land heute als funktionierender Staat bezeichnet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen den Staatsaufbau, die Sicherheitsarchitektur, den Einfluss lokaler Kriegsherren, die Rolle internationaler Missionen sowie die negativen Auswirkungen des Drogenhandels auf die staatliche Stabilität.
Welches ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, herauszufinden, wie es um die afghanische Staatlichkeit steht, wie diese Entwicklung seit 2001 zu bewerten ist und welche Sicherheitskonsequenzen sich daraus ergeben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive und analytische Arbeit, die auf einer Auswertung bestehender Fachliteratur, Berichten internationaler Organisationen und sicherheitspolitischen Analysen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse der staatlichen Kompetenzen, die Probleme bei der Etablierung eines Gewaltmonopols, die Effektivität von Sicherheitskräften (ANA, ANP) und die Rolle der PRTs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Afghanistan, Staatlichkeit, Failed State, Warlords, Sicherheit und Wiederaufbau charakterisiert.
Warum ist Afghanistan laut Autor noch immer als ein "Failed State" einzustufen?
Laut Autor ist der Staat nicht in der Lage, sein Gewaltmonopol auszuüben, die Sicherheit im ganzen Land zu gewährleisten und seine Schutzfunktion gegenüber der Bevölkerung wahrzunehmen.
Welche Rolle spielen die Provincial Reconstruction Teams (PRTs)?
Die PRTs dienen der regionalen Stärkung des Sicherheitsnetzes und der zivil-militärischen Zusammenarbeit, werden jedoch aufgrund ihrer punktuellen Wirkung und mangelnden personellen Ausstattung teilweise kritisch bewertet.
Wie beeinflusst der Drogenhandel die Staatlichkeit?
Der Drogenhandel ist ein Indikator für staatliche Instabilität, korrumpiert die bürokratische Elite und festigt Allianzen zwischen Staatsakteuren und aufständischen Gruppen.
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- Karin Rammerstorfer (Author), 2007, Staatlichkeit in Afghanistan, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122604