Die rechtlichen Aspekte des Atomstreits mit dem Iran
INHALTSVERZEICHNIS
TABELLENVERZEICHNIS. IV
ABBILDUNGSVERZEICHNIS. V
ABK ÜRZUNGSVERZEICHNIS. VI
EINLEITUNG 1
I. INTERNATIONALES REGIME DER NUKLEAREN NICHTVERBREITUNG:
HISTORISCHE ENTWICKLUNG UND RECHTLICHE GRUNDLAGEN 6
1. HISTORISCHE ENTWICKLUNG: DIE WICHTIGEN ETAPPEN. 6
1.1. Die Initiativen der Vereinigten Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg. 7
1.2. Die Weiterentwicklung des Regimes der Nichtverbreitung 8
1.3. Die Konsolidierung des Regimes der Nichtverbreitung 10
1.4. Von den 1980er Jahren bis heute 12
2. DIE RECHTLICHEN GRUNDLAGEN DES INTERNATIONALEN REGIMES DER NICHT-
VERBREITUNG 14
2.1. Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NPT) 15
2.1.1. Verpflichtungen für die Kernwaffenstaaten (NWS) 16
2.1.2. Verpflichtungen für die Nichtkernwaffenstaaten (NNWS) 16
2.1.3. Verpflichtungen für alle Vertragsparteien. 17
2.1.4. Rechte der Vertragsparteien 18
2.1.5. Rechtsgrundlagen der Review Conferences 19
2.2. Safeguards Agreements mit der IAEA 19
2.3. Zusatzprotokolle zum Übereinkommen über Sicherungsmassnahmen. 21
2.4. Weitere Rechtsgrundlagen. 22
II. DER IRAN ALS MITGLIED DES INTERNATIONALEN REGIMES DER
NICHTVERBREITUNG : RECHTLICHE BEZIEHUNGEN, RECHTE UND
VERPFLICHTUNGEN.................................................................................................. 24
1. RECHTLICHE BEZIEHUNGEN IM RAHMEN DES RECHTSREGIMES 24
1.1. Internationale Verträge 24
1.1.1. Satzung der Internationalen Atomenergie-Organisation vom 26. Oktober
1956 25
1.1.2. Partial Test Ban Treaty (PTBT) vom 5. August 1963. 25
11. Juni 2007 I
1.1.3. Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NPT) vom 1. Juli
1968 26
1.1.4. Der Sea-Bed Treaty vom 11. Februar 1971. 26
1.2. Agreements mit der IAEA 27
1.2.1. Agreement between Iran and the IAEA for the Application of Safeguards in
Connection with the NPT (INFCIRC/214) vom 15. Mai 1974 27
1.2.2. Additional Protocol to the Agreement between Iran and the IAEA for the
Application of Safeguards vom 18. Dezember 2003. 29
1.3. Richtlinien der informellen Gruppen. 31
1.3.1. Ausfuhrrichtlinien des Zangger Komitees. 32
1.3.2. Richtlinien der Nuklearlieferantengruppe (NSG) 32
2. RECHTE UND VERPFLICHTUNGEN DES IRANS. 33
2.1. Rechte und Verpflichtungen unter der aktuellen rechtlichen Lage 34
2.1.1. Der NPT und das Recht auf die Verwendung der Kernenergie für friedliche
Zwecke : Auslegung, Bedingungen und Grenzen 35
2.1.1.1. Wortlaut, Wortsinn und Systematik als Ausgangspunkt der
Analyse. 35
2.1.1.2. Die Absichten der Vertragsparteien zur Zeit der Entwicklung des
NPT 41
2.1.1.3. Teleologische Auslegung: Gegenstand und Zwecke des NPT 44
2.1.1.4. Abwägung der unterschiedlichen Auslegungsergebnisse 47
2.1.2. Der NPT und das Recht auf Erwerb und Besitz von Nuklearwaffen 50
2.1.2.1. Wortlaut, Wortsinn und Systematik als Ausgangspunkt der
Analyse. 51
2.1.2.2. Die Absichten der Vertragsparteien zur Zeit der Entwicklung des
NPT 53
2.1.2.3. Teleologische Auslegung: Gegenstand und Zwecke des NPT 55
2.1.2.4. Abwägung der unterschiedlichen Auslegungsergebnisse 55
2.2. Rechte und Verpflichtungen des Irans unter Hypothese eines Rücktritts von dem
NPT 57
2.2.1. Rechtliche Grundlage des NPT-Rücktrittsrechts und rechtliche Streitfragen 57
2.2.1.1. Die rechtliche Grundlage des NPT-Rücktrittsrechts 57
2.2.1.2. Rechtliche Streitfragen bezüglich des Rücktrittsrechts 57
2.2.2. Das Recht auf die Verwendung der Kernenergie für friedliche Zwecke 60
2.2.2.1. Die rechtlichen Beziehungen mit der IAEA 60
2.2.2.2. Die rechtlichen Beziehungen mit anderen Staaten 62
2.2.3. Das Recht auf Erwerb und Besitz von Nuklearwaffen. 65
2.2.3.1. Rechtliche Änderungen für die Islamische Republik Iran 65
2.2.3.2. Die Frage der Legalität der Kernwaffen unter dem Völkerrecht 68
2.2.4. Schlussfolgerungen eines Rücktritts des Irans vom NPT. 71
11. Juni 2007 II
3. PROBLEME UND WIDERSPRÜCHE INNERHALB DES INTERNATIONALEN RECHTSREGIMES
ODER ZWISCHEN DIESEM REGIME UND ANDEREN VÖLKERRECHTLICHEN NORMEN 71
3.1. Widersprüche innerhalb des Regimes 72
3.2. Widersprüche gegenüber dem Völkerrecht 75
III. PROBLEMATIK DER (NO-N)COMPLIANCE DES IRANS MIT DEM INTER-
NATIONALEN REGIME DER NICHTVERBREITUNG 78
1. COMPLIANCE ODER NON-COMPLIANCE: KONTROLLINSTRUMENTE UND MASSNAHMEN
IM RECHTSREGIME DER NICHTVERBREITUNG. 78
1.1. Die Rolle des IAEA-Generaldirektors: Die technische Evaluierung. 79
1.2. Die Rolle des IAEA-Gouverneursrats: Die politische Evaluierung 80
1.2.1. Die politische Evaluierung der Informationen 80
1.2.2. Die Konsequenzen einer Feststellung des IAEA-Gouverneursrats. 81
1.3. Die Massnahmen der IAEA im Falle des iranischen Atomprogramms 83
1.3.1. Die technische und politische Evaluierung der IAEA bis August 2005 83
1.3.2. Die Resolution des IAEA-Gouverneursrats vom 24. September 2005 86
1.3.3. Die Resolution des IAEA-Gouverneursrats vom 4. Februar 2006. 88
1.3.4. Schlussfolgerungen des Evaluierungsverfahrens der IAEA. 90
2. EXTERNE MASSNAHMEN IM FALLE EINER NON-COMPLIANCE 90
2.1. Die Rolle der Organe der UNO im iranischen Atomstreit 91
2.1.1. Die Kompetenzen des UNSC 91
2.1.2. Die Kompetenzen der UNGA 93
2.1.3. Der UNSC und der Atomstreit mit dem Iran. 94
2.1.3.1. Erklärung des Präsidenten des Sicherheitsrats vom 29. März
2006 94
2.1.3.2. UNSC Resolution vom 31. Juli 2006 95
2.1.3.3. UNSC Resolution vom 27. Dezember 2006 96
2.1.3.4. UNSC Resolution vom 24. März 2007 97
2.1.3.5. Der UNSC und der Atomstreit mit dem Iran: Fazit. 98
2.2. Die Rolle der EU-3 in dem iranischen Atomstreit. 100
2.3. Alternative Massnahme im iranischen Atomstreit 103
2.4. Schlussfolgerungen der externen Massnahmen. 103
IV. DIE RECHTLICHEN ASPEKTE DES ATOMSTREITS MIT DEM IRAN:
ZUSAMMENFASSUNG UND FAZIT 104
ANHANG. 106
LITERATURVERZEICHNIS. 112
INTERNET-QUELLE-NVERZEICHNIS 117
RECHTSQUELLENVERZEICHNIS. 123
RECHTSPRECHUNGSVERZEICHNIS 131
11. Juni 2007 III
Die rechtlichen Aspekte des Atomstreits mit dem Iran
TABELLENVERZEICHNIS
Tabelle 1: Safeguards Required by the NPT.......................................................................... 21
11. Juni 2007 IV
Die rechtlichen Aspekte des Atomstreits mit dem Iran
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abbildung 1: Der Kernbrennstoffkreislauf............................................................................ 38
Abbildung 2: Der Gegenstand und die drei Säulen bzw. Ziele des NPT .............................. 46
Abbildung 3: Die rechtliche Kategorisierung der nuklearen Lieferantenstaaten................ 62
11. Juni 2007 V
Die rechtlichen Aspekte des Atomstreits mit dem Iran
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
AJIL American Journal of International Law APuZ Aus Politik und Zeitgeschichte ASIL American Society of International Law BAS Bulletin of the Atomic Scientists BBC British Broadcasting Corporation BITS Berliner Informationszentrum für Transatlantische Sicherheit bspw. beispielsweise bzw. beziehungsweise CJIL Chicago Journal of International Law CRS Congressional Research Service CTBT Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty Kernwaffenteststopp-Vertrag d.h. das heisst ECOSOC Economic and Social Council Wirtschafts- und Sozialrat ENDC Eighteen-Nation Committee on Disarmament EU Europäische Union EU-3 Verhandlungsgruppe, die aus den Aussenministern Grossbritanniens, Frankreichs und Deutschlands besteht EURATOM Europäische Atomgemeinschaft FEP fuel enrichment plant GASP Gemeinsame Aussen- und Sicherheitspolitik HEU High enriched uranium HLKO Haager Landkriegsordnung HWR Heavy water reactor
11. Juni 2007 VI
IAEA International Atomic Energy Agency Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) ICG International Crisis Group ICJ International Court of Justice Internationaler Gerichtshof (IGH) ICLQ International and Comparative Law Quarterly ICRC International Committee of the Red Cross i.e.S. im engeren Sinne IISS International Institute for Strategic Studies ILC International Law Commission ILM International Legal Materials IPA International Peace Academy IPG Internationale Politik und Gesellschaft IRNA Islamic Republic News Agency IRRC International Review of the Red Cross i.V.m. in Verbindung mit i.w.S. im weiteren Sinne LEU Low enriched uranium MCIS Mountbatten Centre for International Studies NNWS non-nuclear-weapons state(s) Nichtkernwaffenstaat(en) NPT Treaty on the Non-Proliferation of Nuclear Weapons
NSG Nuclear Suppliers Group (oder London Club) Nuklearlieferantengruppe NWFZ nuclear-weapon-free zone NWRI Nationaler Widerstandsrat Irans NWS nuclear-weapons state(s) Kernwaffenstaat(en) P5 Die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats
11. Juni 2007 VII
P5+1 Die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats sowie Deutschland PFEP pilot fuel enrichment plant PPNN Programme for Promoting Nuclear Non-Proliferation PTBT Treaty Banning Nuclear Weapon Tests in the Atmosphere,
Resp. Respektive RGBl. Reichsgesetzblatt SIR Safeguards Implementation Report
SR Systematische Sammlung des schweizerischen Bundesrechts Stat. United States Statutes at Large u.a. unter anderem UdSSR Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken UK Vereinigtes Königreich Grossbritannien und Nordirland UN United Nations
Organisation der Vereinten Nationen (UNO) UNAEC United Nations Atomic Energy Commission UNDP United Nations Development Programme UNGA United Nations General Assembly UN-Generalversammlung UNSC United Nations Security Council Sicherheitsrat der Vereinten Nationen UNTS United Nations Treaty Series USA Vereinigte Staaten von Amerika usw. und so weiter v.a. vor allem VERTIC Verification Research, Training and Information Centre Vgl. vergleiche
11. Juni 2007 VIII
WMD Weapons of mass destruction Massenvernichtungswaffen WMDC Weapons of Mass Destruction Commission WVK Wiener Übereinkommen über das Recht der Verträge Vienna Convention on the Law of Treaties z.B. zum Beispiel z.T. zum Teil
11. Juni 2007 IX
Die rechtlichen Aspekte des Atomstreits mit dem Iran
EINLEITUNG
Am 6. August 1945 wurde in Hiroshima zum ersten Mal eine Uranbombe während eines militärischen Konflikts eingesetzt. Am 8. Dezember 1953 stellte der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Dwight D. Eisenhower, vor der Generalversammlung der Vereinigten Nationen (UNGA) sein Programm „Atoms for Peace“ dar, in welchem er inter alia die Schaffung einer internationalen Kernenergieorganisation vorschlug. 1 Mit diesem Entwurf wollte er sowohl die friedliche Verwendung der Kernenergie fördern als auch ihre militärische Nutzung verhindern. 2 Am 29. Juli 1957 trat die Satzung der Internationalen Atomener-gie-Organisation (IAEA) 3 in Kraft.
Diese geschichtlichen Meilensteine zeigen die zwei Facetten der Kernenergie, die in dieser Master-Arbeit analysiert und diskutiert werden: Einerseits die für friedliche Zwecke wichtige Energieform und andererseits das für Massenvernichtungswaffen (WMD) verwendete Rohstoff. Da die beiden Nutzungen der Atomkraft die gleichen technischen, technologischen und wissenschaftlichen Grundsätze haben, entsteht eine gewisse „Zweideutigkeit“ bei deren Erforschung, Erzeugung und Verwendung. 4 Dagegen werden die friedlichen und militärischen Facetten der Atomenergie unter dem Gesichtspunkt des Völkerrechts deutlich unterschiedlich behandelt. 5
Um die Problematik der Atomkraft klar zu erfassen, müssen zunächst verschiedene Betrachtungsweisen kurz erwähnt werden. So spielen, neben den rechtlichen Aspekten, auch Politik und Wirtschaft eine Rolle im Kontext der zivilen und militärischen Kernenergienutzung, indem die Atomkraft die geostrategischen, politischen und ökonomischen Beziehungen innerhalb der Regionen 6 und zwischen Staaten 7 beeinflussen kann. 8 Mit dem staatlichen Besitz von
1 Eisenhower, Atoms for Peace (Address to the 470 th Plenary Meeting of the United Nations General Assembly), in: Papers of the Presidents of the United States: Dwight D. Eisenhower 1953, 1960, 813 ff.
2 Michel, La prolifération nucléaire, 1990, 13; Fischer, History of the International Atomic Energy Agency: the first forty years, 1997, 9.
3 Statute of the International Atomic Energy Agency (IAEA-Statute), October 26, 1956, 276 UNTS 3. Deutsche Übersetzung: Satzung der Internationalen Atomenergie-Organisation vom 26. Oktober 1956 (IAEA-Satzung), SR 0.732.011.
4 Der technische und technologische Aspekt der Kernenergie für friedliche oder militärische Zwecke wird in der Master-Arbeit nur am Rande erwähnt. Für eine Darstellung der wissenschaftlichen, technologischen und technischen Aspekte der Kernenergie, siehe Mountbatten Centre for International Studies (MCIS), MCIS CNS NPT Briefing Book, Part I: Nuclear Energy and Nuclear Weapons: An Introductory Guide, 2007, 1-4.
5 Vgl. insbesondere Art. I i.V.m. Art. II, und Art. IV des Atomwaffensperrvertrags (NPT). Treaty on the Non-Proliferation of Nuclear Weapons (NPT), July 1, 1968, 729 UNTS 161. Deutsche Übersetzung: Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen vom 1. Juli 1968 (NVV), SR 0.515.03. Für den Text des NPT, siehe unten den Anhang.
6 Siehe dazu Chong, Escalade militaire en perspective, Courrier international 832 (2006), 35.
7 Siehe dazu die latenten oder gar sichtbaren Spannungen zwischen den beiden Nuklearmächten Indien und Pakistan wegen der Frage des Kaschmirs. In diesem Falle hat die indianische und pakistanische Entwicklung von
11. Juni 2007 1
Die rechtlichen Aspekte des Atomstreits mit dem Iran
Atomwaffen sind ferner verschiedene Prinzipien, Werte und Vorteile verbunden, wie z.B. Prestige, Sicherheit, Macht, Einfluss, Abschreckungsinstrument oder auch nationale Unabhängigkeit. 9 Demgegenüber sind aber die negativen Seiten des Kernwaffenbesitzes zu erwähnen, wie die Eskalationsrisiken und -gefahren, der zwischenstaatliche Vertrauensmangel oder -verlust, der Rüstungswettlauf oder das beträchtliche Zerstörungspotential der WMD. 10
Die Analyse des Atomstreits zwischen der Islamischen Republik Iran und der internationalen Staatengemeinschaft wird unterschiedliche Fragen bezüglich der Kernenergie aufwerfen. Da das tatsächliche Endziel des iranischen Atomprogramms zurzeit nicht ausdrücklich bekannt ist, wird aber der politische Aspekt im Hintergrund gehalten, um die Objektivität der rechtlichen Analyse zu gewährleisten.
Geschichtlich sind dagegen die ersten Schritte des Irans im Rahmen der Atomenergie bekannt und zeigen eine relative Übereinstimmung der nuklearen Politik dieses Landes mit derjenigen des Westens. So geht die nukleare Ambition des Irans bereits auf das Jahr 1957 zurück, als der Schah Mohammad Reza Pahlavi (1941-1979) ein Abkommen über zivile nukleare Kooperation mit den Vereinigten Staaten unterzeichnete. 11 Der reale Anstoss kam aber im Jahre 1974, als der Schah ein wichtiges ziviles Atomprogramm ankündigte. 12
Atomwaffen die Situation besonders verschärft. So stellen Marshall / Gurr, Peace and Conflict 2005: A Global Survey of Armed Conflicts, Self-Determination Movements, and Democracy, 2005, 7 fest: „In 2002, rapidly escalating tensions between long-time rivals India and Pakistan led to the first overt nuclear confrontation since the Cuban Missile Crisis of 1962“.
8 Für die rechtliche Analyse des Atomstreits mit dem Iran wird es grundsätzlich wichtig, die Verhältnisse zwischen der Kernenergie und den unterschiedlichen politischen Dimensionen zu verstehen. In einer ähnlichen aber breiteren Perspektive sind die Beziehungen zwischen der Politik (politics) und dem Völkerrecht unentwirrbar, so dass die politischen Mechanismen einen klaren Einfluss auf die Entwicklung und die Anwendung des Völkerrechts haben. Siehe dazu Shaw, International Law, 2003, 11-13 und 53-64.
9 Seihe dazu Krause, Proliferationsrisiken und -szenarien in den 90er Jahren, in: Kernwaffenverbreitung und internationaler Systemwandel: Neue Risiken und Gestaltungsmöglichkeiten, 1994, 19-22; Rowen, The Prospect for Weapons of Mass Destruction in a Radically Changed World, in: Kernwaffenverbreitung und internationaler Systemwandel: Neue Risiken und Gestaltungsmöglichkeiten, 1994, 77-80 und 84-85; Drell / Goodby, The Gravest Danger: Nuclear Weapons, 2003, 32-35.
10 „Nuclear weapons kill by the effects of heat, blast, radiation and radioactive fallout. The attacks on Hiroshima and Nagasaki killed an estimated 200,000 people, virtually all civilians. The nuclear weapons in one strategic submarine have a combined explosive force several times greater than all the conventional bombs dropped in World War II“, Weapons of Mass Destruction Commission (WMDC), Weapons of Terror: Freeing the World of Nuclear, Biological and Chemical Arms, Final Report, 2006, 32.
11 US Department of State, Atoms for Peace Agreement with Iran, Department of State Bulletin 36 (1957), 629; Jahanpour, Chronology of Iran's Nuclear Programme, 2006.
12 Poneman, Nuclear Power in the Developing World, 1982, 86; Nougayrède, L’escalade nucléaire de l’Iran, Le Temps (2006), 15.
11. Juni 2007 2
Die rechtlichen Aspekte des Atomstreits mit dem Iran
Obwohl der Schah zu dieser Zeit seinen Willen Atomwaffen herzustellen erklärt hatte 13 und obwohl unterschiedliche historische Ereignisse die „nukleare Harmonie“ zwischen dem Iran und dem Okzident störten 14 , nahm die Staatengemeinschaft - und besonders die okzidentalen Länder und die IAEA - erst im Jahre 2002 das iranische Atomprogramm intensiver unter die Lupe. Dieser Paradigmawechsel fand v.a. statt, nachdem Ali Reza Jafarzadeh, der Sprecher der Oppositionsgruppe „Nationaler Widerstandsrat Irans“ (NWRI), die Existenz bislang unbekannter Nukleareinrichtungen im Iran angekündigt hatte. 15 Die Intensivierung der multilateralen Kontakte und der Überwachungen wurde (und wird noch heute) unter der Ägide der IAEA 16 und im Rahmen des NPT 17 geführt. 18
In einem solchen Kontext ist das zentrale Ziel dieser Master-Arbeit, die heutigen rechtlichen Beziehungen der Islamischen Republik Iran und der internationalen Staatengemeinschaft in Bezug auf das iranische Atomprogramm zu durchleuchten und zu analysieren. In diesem Rechts- und Machtspiel wird die spezifische Rolle der IAEA, der UN-Organe und der Europäischen Union näher betrachtet und diskutiert.
Im I. Teil werden die Entwicklungsgeschichte (Kap. I.1.) und die hauptsächlichen Rechts-grundlagen des internationalen Regimes der nuklearen Nichtverbreitung (Kap. I.2.) dargelegt.
13 Hessing Cahn, Determinants of the Nuclear Option: The Case of Iran, in: Nuclear Proliferation in the Near-Nuclear Countries, 1975, 199; Aber einige Monate später, „the Shah [...] backs off the statement, reaffirming that ,not only Iran, but also other nations in the region should refrain from planning to gain atomic arsenals’“, ibid.
14 Dazu können der dramatische Wandel des iranischen politischen Systems (mit der Islamischen Revolution und dem parallel erfolgten Sturz des Schahs im Jahre 1979 als Wendepunkt), die Entwicklung der internationalen Beziehungen (insbesondere seit dem Ende des Kalten Kriegs) und das Auftauchen des islamischen Terrorismus (mit den Attentaten vom 11. September 2001 als Höhepunkt) erwähnt werden. Siehe dazu Hashim, The Crisis of the Iranian State: Domestic, Foreign and Security Policies in post-Khomeini Iran, IISS Adelphi Paper 296 (1995), 34-36; Chubin / Tripp, Iran-Saudi Arabia Relations and Regional Order: Iran and Saudi Arabia in the Balance of Power in the Gulf, IISS Adelphi Paper 304 (1996), 9-19; Chubin, Whither Iran? Reform, Domestic Politics and National Security, IISS Adelphi Paper 342 (2002), 11, 31-34 und 88-98; Shaw, International Law, 2003, 681 und 707.
15 The Associated Press, Group: Iran's Nuke Program Growing, 2002; International Crisis Group (ICG), Iran: Is There a Way out of the Nuclear Impasse?, Middle East Report 51 (2006), 1; Nirumand, Iran: Die drohende Katastrophe, 2006, 21. Am 16. September 2002 erklärte weiter die Islamische Republik Iran ihre Absicht, Kernenergieanlagen zu bauen. Siehe dazu Aghazadeh, Statement of the Vice-President of the Islamic Republic of Iran and President of the Atomic Energy Organization of Iran at the 46 th General Conference of the International Atomic Energy Agency, 2002, 3.
16 Seit dem 16. September 1958 ist der Iran Mitglied der IAEA. Vgl. International Atomic Energy Agency (IA-EA), The Members of the Agency, Information Circular, INFCIRC/2/Rev.64, 2007, 1.
17 Der Iran unterzeichnete den NPT am 1. Juli 1968 und ratifizierte diesen Vertrag am 2. Februar 1970. Vgl. UN Department for Disarmament Affairs, Status of Multilateral Arms Regulation and Disarmament Agreements, ohne Datum.
18 In diesem Kontext von Verstärkung der internationalen Kontrollen muss eine wichtige Präzision gemacht werden: Im Gegensatz zur Erklärung des Schahs vom Juni 1974 hat die Islamische Republik bis heute niemals im Rahmen ihres Atomprogramms auf die Herstellung oder den Erwerb von Atomwaffen angespielt. Siehe dazu Werly, Pas d’arme atomique, Le Temps (2007), 5.
11. Juni 2007 3
Die rechtlichen Aspekte des Atomstreits mit dem Iran
Im II. Teil wird dann die Eigenschaft des Irans als Mitglied des Rechtsregimes der Nichtverbreitung betrachtet: Welche Verträge und Agreements bezüglich der Kernenergie hat die Islamische Republik unterzeichnet und ratifiziert (Kap. II.1.)? Hat die Islamische Republik Iran als souveräner Staat das Recht auf die Erforschung, Erzeugung und Verwendung der Kernenergie für friedliche Zwecke bzw. hat die Islamische Republik das Recht auf Erwerb und Besitz von Kernwaffen oder sonstigen Kernsprengkörpern (Kap. II.2.)? Diese zwei letzten Kernfragen werden wir von zwei unterschiedlichen Rechtsstandpunkten beantworten: Erstens in Anbetracht der Mitgliedschaft des Irans als Vertragspartei des NPT (Kap. II.2.1.) und zweitens unter der Hypothese eines iranischen Rücktritts von dem NPT (Kap. II.2.2.). Schliesslich werden auch die Probleme und die Widersprüche innerhalb des Rechtsregimes von Nichtverbreitung oder zwischen diesem Regime und anderen völkerrechtlichen Normen untersucht (Kap. II.3.). 19
Das Teil III. wird auf die (non-)compliance des Irans mit seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen fokussieren. Hier werden folgende Fragen gestellt: Hat der Iran ratifizierte Agreements oder völkerrechtliche Entscheidungen verletzt? Welche Rolle bekleiden der IAEA-Gouverneursrat und der IAEA-Generaldirektor in dieser Evaluierungsphase? Unter anderem wird auch in diesem Teil auf die Prüfung der IAEA-Berichte verwiesen. Kernpunkt sind hier die Massnahmen innerhalb des Atomrechts (Kap. III.1.).
Im Falle einer iranischen Nichtbefolgung seiner völkerrechtlichen Verpflichtungen, welche Massnahmen kann dann die Staatengemeinschaft treffen, um diese Situation zu korrigieren? Die Massnahmen bei Bedrohung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit werden in dem Kapitel III.2. der Arbeit dargelegt. In diesem Kontext wird auch die spezifische Rolle der Aussenminister Grossbritanniens, Frankreichs und Deutschlands (EU-3 genannt) während der Verhandlungsphase mit dem Iran kurz diskutiert.
Interessant wird es auch sein, die Unterscheidung zwischen den Massnahmen bei noncompliance, die in dem massgeblichen Atomrecht selbst angelegt sind (Kap. III.1.), und den Massnahmen, die bei non-compliance mit den Atomverpflichtungen ausserhalb des Atomregimes (Kap. III.2.) ergriffen werden können, zu durchleuchten.
Das letzte Teil (Teil IV.) beinhaltet ein Fazit, welches die zentralen Forschungsfragen dieser Master-Arbeit beantworten wird.
19 Insbesondere wird die Kompromiss- und Austauchstruktur zwischen den Kernwaffenstaaten (NWS) und den Nichtkernwaffenstaaten (NNWS) innerhalb des NPT analysiert. So werden die möglichen Schwachstellen dieses Systems erläutert und diskutiert.
11. Juni 2007 4
Die rechtlichen Aspekte des Atomstreits mit dem Iran
Wie der nordkoreanische Atomwaffentest vom Montag, 9. Oktober 2006, gezeigt hat 20 , steht diese Master-Arbeit in einer Periode grosser politischer Umwälzungen, Ungewissheiten und Gefahren bezüglich der zivilen und militärischen Verwendung der Kernenergie. Da sie eine konstante und rasche Evolution kennt, wird die Aktualität der iranischen Atomstreitsproblematik mit grösster Vorsicht betrachtet werden müssen. In diesem Sinne werden die neuen Entwicklungen mit höchstmöglicher wissenschaftlicher Strenge und kritischem Blick erörtert. Um Sachlichkeit und ein gewisses Abstraktionsniveau zu gewährleisten, werden ferner die letzten Entwicklungen des Streits bis zum Ende April 2007 berücksichtigt. Abschliessend ist festzuhalten, dass nicht alle Aspekte des Atomstreits mit dem Iran im Rahmen einer Master-Arbeit erschöpfend behandelt werden können. Deshalb wird die Analyse gewisser Probleme beschränkt oder gar vermieden. So werden wir die Frage der realen Absicht des Irans für den Erwerb von Atomwaffen nicht auf eine definitive und absolute Weise beantworten. Die Legitimität des NPT, der militärischen und friedlichen Verwendung der Kernenergie im Allgemeinen, des staatlichen Kernwaffenbesitzes insbesondere, der Politik im Nahen und Mittleren Osten und die globale nukleare Abrüstung werden nur partiell erörtert und immer unter einer rechtlichen Perspektive betrachtet. Solche komplexen Untersuchungen werden also hier nicht möglich sein, da sie den Umfang dieser Arbeit weit übersteigen würden.
20 NZZ, Nordkorea zündet eine Atombombe, 2006; Le Temps, La Corée du Nord annonce avoir procédé à un essai nucléaire, 2006.
11. Juni 2007 5
Die rechtlichen Aspekte des Atomstreits mit dem Iran
VERBREITUNG: HISTORISCHE ENTWICKLUNG UND
RECHTLICHE GRUNDLAGEN
Seit dem ersten Einsatz einer Kernwaffe im Jahre 1945 symbolisiert die militärische Verwendung der Kernenergie die Massenvernichtung par excellence, die die Menschen und die Menschheit bedroht. 21 Im Vergleich zu den biologischen und chemischen Waffen stellt die Weapons of Mass Destruction Commission (WMDC) fest, dass „[n]uclear weapons continue to pose the most dramatic threats“. 22 Parallel dazu verkörpert aber die friedliche Verwendung der Atomkraft eine wichtige Energiequelle, die die Energiebedürfnisse von vielen Ländern befriedigen kann. 23 Diese zwei gegensätzlichen Facetten hat die Staatengemeinschaft im Laufe der rechtlichen Entwicklung des internationalen Regimes der Nichtverbreitung besonders berücksichtigt.
1. HISTORISCHE ENTWICKLUNG: DIE WICHTIGEN ETAPPEN
Die Weltgemeinschaft hat eine Kontrollstruktur der Kernenergieverwendung durch unterschiedliche Instrumente, Systeme und Mechanismen entwickelt. Diese Struktur, die verschiedene Entwicklungsphasen gekannt hat, ist als das internationale Regime der nuklearen Nichtverbreitung bekannt.
Der Ursprung dieses weltweiten Systems geht auf das Ende des Zweiten Weltkriegs und dessen ausserordentlichen militärischen Ereignisse zurück. Die ersten Versuche, die Atomkraftverwendung zu kontrollieren bzw. gesetzlich zu regeln, kommen aus verschiedenen amerikanischen Initiativen, die zuerst weltweit Restriktionen auf nukleare Aktivitäten festlegen woll- 21 Für Laury, Leseuil nucléaire: stratégie, prolifération, contrôle, 1991, 22: „La description des effets atomiques sur Hiroshima et Nagasaki a contribué à la création du ,complexe d’Hiroshima’ dans l’opinion publique et à développer un sentiment d’angoisse envers l’énergie nucléaire qui ne s’est jamais complètement éteint. L’énergie nucléaire s’étant manifestée pour la première fois dans le monde sous la forme d’un engin puissamment destructif, les populations ont gardé de ce nouveau type d’énergie une image fortement troublée“. Ferner stellt Boutros-Ghali, Introduction, in: The United Nations and Nuclear Non-Proliferation, Vol. III, 1995, 3 fest: „[...] the awesome lethal destruction of a nuclear weapon, which results from the non-controlled release of an atomic explosion, continues to haunt humanity“.
22 Weapons of Mass Destruction Commission (WMDC), Weapons of Terror: Freeing the World of Nuclear, Biological and Chemical Arms, Final Report, 2006, 23.
23 Siehe dazu Boutros-Ghali, Introduction, in: The United Nations and Nuclear Non-Proliferation, Vol. III, 1995, 3. Neben der friedlichen Verwendung von Kernenergie als Energiequelle existieren unterschiedliche friedliche nuklearen Techniken in den Bereichen „animal production and health“, „insect and pest control“, „food irradiation“, „soil fertility, irrigation and crop production“, „plant breeding and genetics“, „control of pesticides and other agrochemicals“, „treatment of cancer“ oder noch „nuclear medicine“. Siehe dazu Fischer, History of the International Atomic Energy Agency: the first forty years, 1997, 373-399.
11. Juni 2007 6
Die rechtlichen Aspekte des Atomstreits mit dem Iran
ten. Obwohl dieses erste Engagement seitens der USA v.a. unilateral 24 war, hat es jedoch die Institutionalisierung des globalen nuklearen Nichtverbreitungsbestrebens stark beeinflusst. 25 In einer zweiten Phase der Regime-Entwicklung verbreitete sich das Interesse für die Kontrolle der Kernenergie, und es etablierte sich folglich ein internationaler Konsens.
1.1. Die Initiativen der Vereinigten Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg Nach der Niederlage der Achsenmächte (1945) nahmen die Vereinigten Staaten zwei
gegensätzliche Wege, um die Problematik der nuklearen Proliferation zu begrenzen: Erstens durch den internen legislativen Prozess und zweitens durch einen internationalen Plan. Aus Ersterem ergab sich das Atomic Energy Act of 1946 26 (oder als McMahon Act genannt), das eine starke Überwachung des amerikanischen nuklearen Sektors sowie das Ende aller Kooperationen im Rahmen der Kernenergie zwischen den USA und anderen Staaten vorschrieb. 27 Das zweite Vorgehen ging in eine ganz andere Richtung, indem der sog. Baruch Plan 28 eine Internationalisierung aller nuklearen Aktivitäten unter der Aufsicht einer neuen internationalen Behörde (International Atomic Development Authority) vorschlug. 29 Dieser Plan wurde vor der United Nations Atomic Energy Commission (UNAEC) am 14. Juni 1946 vorgeschlagen und von der sowjetischen Delegation abgelehnt, da seine Anwendung die nationale Souveränität der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) bedroht hätte. Obwohl das Wesentliche des Baruch Plans als UN-Entwurf für die Kontrolle der Kernenergie von der UNGA verabschiedet wurde, verlor der Plan mit der sowjetischen Ablehnung seine Substanz und folglich seine raison d’être. 30
Die sowjetischen und die britischen Atomwaffenversuche von August 1949 bzw. Oktober 1952 zeigten den USA den Misserfolg ihrer „Politik von nuklearem Geheimnis“ und regten sie an, ihre Strategie anzupassen 31 :
24 Siehe dazu Howlett / Simpson, Introduction, in: Nuclear Non-Proliferation: A Reference Handbook, 1992, 13-14; Crowe / Ginifer, Nuclear Non-Proliferation: A Brief History 1945-1970, in: Nuclear Non-Proliferation: A Reference Handbook, 1992, 15.
25 Gardner, Nuclear Nonproliferation: A Primer, 1994, 37.
26 Atomic Energy Act of 1946, August 1, 1946, U.S. Public Law 585, 79th Congress, Stat. (1947), 755-75.
27 Gardner, Nuclear Nonproliferation: A Primer, 1994, 38.
28 US Department of State, United States Atomic Energy Proposals (Statement of the United States Policy on Control of Atomic Energy as Presented by Bernard M. Baruch to the United Nations Atomic Energy Commission June 14, 1946), 1946.
29 Crowe / Ginifer, Nuclear Non-Proliferation: A Brief History 1945-1970, in: Nuclear Non-Proliferation: A Reference Handbook, 1992, 16; Müller / Fischer / Kötter, Nuclear Non-Proliferation and Global Order, 1994, 15.
30 Crowe / Ginifer, Nuclear Non-Proliferation: A Brief History 1945-1970, in: Nuclear Non-Proliferation: A Reference Handbook, 1992, 17.
31 Laury, Le seuil nucléaire: stratégie, prolifération, contrôle, 1991, 47-48; Gardner, Nuclear Nonproliferation: A Primer, 1994, 39.
11. Juni 2007 7
Die rechtlichen Aspekte des Atomstreits mit dem Iran
„The U.S. refusal to allow the spread of nuclear technology and know-how, codified in the 1946 Atomic Energy Act, had served to block U.S. participation in the rapidly developing international nuclear market“. 32
Konsequenterweise orientierten sich die Vereinigten Staaten auf eine Neubewertung der nuklearen Politik, um ihre industriellen und wirtschaftlichen Interessen effizient zu verteidigen. Ausserdem betrachteten die USA die Atomkraft nicht mehr als eine Angst- und Konfliktquelle, sondern als eine neue Entwicklungschance für die ganze Menschheit. 33 Diese Überlegung führte zur Schaffung des sog. „Atoms for Peace Program“, das am 8. Dezember 1953 vor der UNGA von dem amerikanischen Präsidenten Eisenhower veranschaulicht wurde. 34 Das Programm stellte einen Kompromiss zwischen den Vorschlägen des Baruch Plans und den restriktiven Vorschriften des Atomic Energy Act of 1946 dar und versuchte die Verbreitung der Kernenergie für friedliche Zwecke durch die Annahme von internationalen Sicherungsmassnahmen zu vereinfachen. 35
In Folge dieser Präsidentenansprache, die konkret die Schaffung einer „international atomic energy agency“ beantragte, fingen internationale Verhandlungen an. Diese erreichten ihren Kulminationspunkt mit der Ausarbeitung der am 29. Juli 1957 in Kraft getretenen IAEA-Satzung 36 : „[...] the era of nuclear promotion [and co-operation] was born“. 37 Die im Art. II der Satzung festgesetzten Zwecke der IAEA beleuchten diese Entwicklung: „The Agency shall seek to accelerate and enlarge the contribution of atomic energy to peace, health and prosperity throughout the world. It shall ensure, so far as it is able, that assistance provided by it or at its request or under its supervision or control is not used in such a way as to further any military purpose“. 38
Zwei Dimensionen können also von den Zwecken besonders hervorgehoben werden: 1. Die Dimension der technischen Unterstützung bzw. Kooperation und 2. die Dimension der Kontrolle.
1.2. Die Weiterentwicklung des Regimes der Nichtverbreitung
In den 1960er Jahren führten unterschiedliche Ereignisse zu einer Verstärkung des internationalen Konsenses über Nichtverbreitung und Waffenkontrolle. Die Entwicklung von
32 Gardner, Nuclear Nonproliferation: A Primer, 1994, 39.
33 Laury, Le seuil nucléaire: stratégie, prolifération, contrôle, 1991, 49.
34 Siehe dazu oben Fussnote 1.
35 Gardner, Nuclear Nonproliferation: A Primer, 1994, 39-40.
36 „As an autonomous intergovernmental organization with cooperative links with the [UN] and its relevant organs, the IAEA reports annually on its operations to the [UNGA]. It also works closely with other parts of the [UN] system on the management of radioactive waste and other environmental concerns“, Boutros-Ghali, Introduction, in: The United Nations and Nuclear Non-Proliferation, Vol. III, 1995, 14.
37 Gardner, Nuclear Nonproliferation: A Primer, 1994, 40.
38 Art. II IAEA-Satzung.
11. Juni 2007 8
Die rechtlichen Aspekte des Atomstreits mit dem Iran
Langstreckenraketen, die Mobilisierung der Öffentlichkeit gegen die staatlichen Anstrengungen bessere und grössere Kernwaffen herzustellen, die sog. Kuba-Krise vom Oktober 1962 und die konkrete Erweiterung des „Nuklearklubs“ 39 zeigten insbesondere den USA und der UdSSR die Verwundbarkeit ihres politischen und militärischen Systems und die Bedeutung der Zusammenarbeit im Kernenergiebereich. 40
Bereits Ende der 1950er Jahre bzw. Beginn der 1960er Jahre wurden von der UNGA verschiedene Resolutionen in Bezug auf die Verhütung der nuklearen Verbreitung verabschiedet. 41 Der Abschluss des Vertrags über das Verbot von Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser (Partial Test Ban Treaty PTBT) 42 zwischen den USA, der Sowjetunion und dem Vereinigten Königreich Grossbritannien und Nordirland (UK) im Jahre 1963 stellte aber einen ersten konkreten Schritt in Richtung einer Rechtsregimeverstärkung dar. Obwohl er es schaffte, die Verbreitung von Kernwaffen in Nichtkernwaffenstaaten („horizontale Proliferation“) zu bremsen, verhinderte aber dieser Vertrag nicht die Zunahme der Kernwaffen in Kernwaffenstaaten („vertikale Proliferation“). 43 Ein anderer wichtiger Stein des internationalen Regimes war der Abschluss des Vertrags von Tlatelolco über das Verbot von Kernwaffen in Lateinamerika und der Karibik (Tlatelolco Treaty) 44 im Jahre 1967. Mit einem solchen rechtlichen Instrument wurde eine Vielzahl von Ländern „frei von Kernwaffen“ erklärt.
Auf einer globaleren Ebene setzten sich auch die Verhütungsbemühungen fort, wie die UN-GA Resolution 2028 (XX) vom 19. November 1965 beweist. 45 In dieser Resolution bat die
39 „France conducted its first atomic test in 1960, and China followed suit in 1964“, Gardner, Nuclear Nonproliferation: A Primer, 1994, 41.
40 Ibid.
41 United Nations General Assembly Resolution 1380 (XIV), 20 November 1959; United Nations General Assembly Resolution 1576 (XV), 20 December 1960; United Nations General Assembly Resolution 1664 (XVI), 4 December 1961; United Nations General Assembly Resolution 1665 (XVI), 4 December 1961.
42 Treaty Banning Nuclear Weapon Tests in the Atmosphere, in Outer Space and under Water (Partial Test Ban Treaty PTBT), August 5, 1963, 480 UNTS 43. Deutsche Übersetzung: Vertrag über das Verbot von Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser vom 5. August 1963, SR 0.515.01.
43 Gardner, Nuclear Nonproliferation: A Primer, 1994, 41.
44 Treaty for the Prohibition of Nuclear Weapons in Latin America and the Caribbean (Tlatelolco Treaty), February 14, 1967, 634 UNTS 281. Deutsche Übersetzung: Vertrag von Tlatelolco über das Verbot von Kernwaffen in Lateinamerika und der Karibik.
45 United Nations General Assembly Resolution 2028 (XX), 19 November 1965. Mountbatten Centre for International Studies (MCIS), MCIS CNS NPT Briefing Book, Part I: The Evolution of the Nuclear Non-Proliferation Regime, 2005, 7 erklärt das Kontext: „It was in [an] international context of stalled nuclear disarmament negotiations, considerable tensions over the nuclear aspects of European security, and the beginnings of a process of attempting to delimit specific geographical areas as nuclear-weapon-free that discussions, and then negotiations, started in the mid-1960s on a treaty on the Non-Proliferation of Nuclear Weapons (NPT). [...] After considerable informal consultations it proved possible for the 1965 UN General Assembly to adopt a resolution containing guidelines for negotiation of this Treaty“.
11. Juni 2007 9
Die rechtlichen Aspekte des Atomstreits mit dem Iran
UN-Generalversammlung das sog. Eighteen-Nation Committee on Disarmament (ENDC) 46 , die Frage der Nichtverbreitung von Kernwaffen dringlich zu betrachten und Verhandlungen über den Abschluss eines internationalen Vertrags einzuleiten. 47 Nachfolgend fingen Diskussionen zuerst zwischen den USA, der UdSSR und dem UK über einen globalen Nichtverbreitungsvertrag an, der die Columna vertebralis des internationalen Regimes der nuklearen Nichtverbreitung werden sollte:
„Various versions of draft treaties were subsequently submitted by the United States and the Soviet Union to the General Assembly and to the Eighteen-Nation Committee on Disarmament, and the Assembly adopted further resolutions 48 in which it reiterated the urgency of concluding the treaty“. 49
Während des Verhandlungsprozesses verbreitete sich aber der Kreis der teilnehmenden Staaten und nach harten Verhandlungen wurde ein allgemeiner Kompromiss von den Teilnehmern gefunden 50 : „With the nonproliferation, disarmament, and access questions addressed, the NPT was completed [on 1 July] 1968 and entered into force [on 5 March] 1970“. 51
1.3. Die Konsolidierung des Regimes der Nichtverbreitung
Obwohl der eigentliche Wert des NPT und sein Inkrafttreten dem internationalen Regime der Nichtverbreitung eine starke Grundlage gaben, wurde das System von anderen Verträgen, Instrumenten und Massnahmen noch konsolidiert.
In den 1970er Jahren änderten drei nukleare Ereignisse die Wahrnehmung der Weltgemeinschaft gegenüber der Kernenergieverwendung. 52 Im Jahre 1974 führte die Republik Indien
46 Siehe dazu United Nations General Assembly Resolution 1722 (XVI), 20 December 1961. Mountbatten Centre for International Studies (MCIS), MCIS CNS NPT Briefing Book, Part I: The Evolution of the Nuclear Non-Proliferation Regime, 2005, 7 beschreibt die Kernaspekte dieses Komitees: „In early 1966, the multilateral negotiating forum for disarmament agreements was the Eighteen Nation Disarmament Committee (ENDC). Several leading non-aligned states were members of this, as well as a number of allies of the two superpowers. The ENDC was an entity linked to, but not part of, the United Nations system, although it met in UN premises in Geneva. One aspect of its structure was that the US and USSR were its co-chairmen“.
47 United Nations General Assembly Resolution 2028 (XX), 19 November 1965, §2.
48 United Nations General Assembly Resolution 2149 (XXI), 4 November 1966; United Nations General Assembly Resolution 2153 A (XXI), 17 November 1966; United Nations General Assembly Resolution 2346 A (XXII), 19 December 1967.
49 Boutros-Ghali, Introduction, in: The United Nations and Nuclear Non-Proliferation, Vol. III, 1995, 6.
50 „After further discussion and revision, the Assembly adopted [on 12 June 1968] resolution 2373 (XXII), by which it commended the Treaty, the text of which was annexed to the resolution, and expressed the hope for the widest possible adherence to it“, Boutros-Ghali, Introduction, in: The United Nations and Nuclear Non-Proliferation, Vol. III, 1995, 6.
51 Gardner, Nuclear Nonproliferation: A Primer, 1994, 42.
52 Laury, Le seuil nucléaire: stratégie, prolifération, contrôle, 1991, 53-55; Gardner, Nuclear Nonproliferation: A Primer, 1994, 42-43; Fischer, History of the International Atomic Energy Agency: the first forty years, 1997, 96-98.
11. Juni 2007 10
Die rechtlichen Aspekte des Atomstreits mit dem Iran
eine „peaceful nuclear explosion“ 53 durch, was die Gefahr einer weltweiten nuklearen Weiterverbreitung demonstrierte: „[...] the Indian development served as a clear signal that much work remained to be done in the nonproliferation arena“. 54
Zweitens wurde die Kernenergie in Folge der Erdölkrise des Jahres 1973 als eine attraktive Alternative zu Erdöl gesehen. Die Verwendung von Plutonium 55 als Brennelement stellte das grösste Risiko dar, indem Plutonium als unmittelbar verwendbares Material (direct use material) 56 für Kernwaffen dienen kann.
Ausserdem demonstrierte eine zunehmende Zahl von Staaten ein Interesse für Plutonium-Wiederaufarbeitung (reprocessing) 57 , die ein wichtiges Element der potentiellen nuklearen Verbreitung ist. Noch schlimmer suchten einige Länder Kernwaffenkapazitäten zu bauen, um ihre Lage in einem sich verschlechternden regionalen Umfeld zu verbessern. 58 Diese Entwicklungen wurden als echte Herausforderungen für die IAEA und für das internationale Regime betrachtet 59 und führten zu unterschiedlichen Antworten seitens der Staaten. Wie Art. III Abs. 2 NPT es vorschreibt, müssen beim Export zu NNWS nukleare Ausrüstungen und Materialien erforderlichen Sicherungsmassnahmen der IAEA unterliegen. Um eine übereinstimmende Auslegung dieses Artikels zu finden und eine sog. „trigger list“ von nuklearen Technologien und Materialen zu erfassen, wurde ein informelles Komitee von nuklearen Exportstaaten (Nuclear Exporters Committee) unter dem Vorstand von Dr. Claude Zangger im Jahre 1971 gebildet. 60 Seit 1974 hat das sog. „Zangger Komitee“, das nicht ein Ausschuss
53 Fischer, History of the International Atomic Energy Agency: the first forty years, 1997, 97. Siehe dazu Müller / Fischer / Kötter, Nuclear Non-Proliferation and Global Order, 1994, 22; Weapons of Mass Destruction Commission (WMDC), Weapons of Terror: Freeing the World of Nuclear, Biological and Chemical Arms, Final Report, 2006, 37.
54 Gardner, Nuclear Nonproliferation: A Primer, 1994, 42.
55 „[Plutonium is] a radioactive element which occurs only in trace amounts in nature, with atomic number 94 and symbol Pu. As produced by irradiating uranium fuels, plutonium contains varying percentages of the isotopes 238, 239, 240, 241 and 242. Plutonium containing any 239 Pu is considered a special fissionable material and, except for plutonium containing 80% or more of 238 Pu, a direct use material“, International Atomic Energy Agency (IAEA), IAEA Safeguards Glossary: 2001 Edition, 2002, 32.
56 „[N]uclear material that can be used for the manufacture of nuclear explosive devices without transmutation or further enrichment“, ibid., 33.
57 „Reprocessing involves the following steps: fuel receipt and storage, fuel decladding and dissolution, separation of uranium and plutonium and possibly other actinides (e.g. americium and neptunium) from fission products, separation of uranium from plutonium, and purification of uranium and plutonium“, ibid., 41.
58 Siehe dazu Laury, Le seuil nucléaire: stratégie, prolifération, contrôle, 1991, 97 ff.; Gardner, Nuclear Nonproliferation: A Primer, 1994, 43.
59 Siehe dazu Fischer, History of the International Atomic Energy Agency: the first forty years, 1997, 97.
60 „The Committee is an informal body whose understandings have no status in international law but are arrangements unilaterally entered into by member states“, Lodgaard, Making the Non-Proliferation Regime Universal, WMDC Paper n° 7, 2004, 9.
11. Juni 2007 11
Die rechtlichen Aspekte des Atomstreits mit dem Iran
der IAEA ist, seine Ausfuhrrichtlinien dieser internationalen Organisation systematisch mitgeteilt. 61
Dieses Instrument wurde von den Richtlinien der informellen Nuklearlieferantengruppe (Nuclear Suppliers Group [NSG], auch als London Club genannt) 62 ergänzt und erweitert. 63 Die NSG
„succeeded in bringing order and major-supplier consensus to nuclear trade by establishing in 1977 a common set of voluntary standards for international nuclear transfers to non-nuclear weapon states“. 64
Jedoch wurde diese Gruppe von den Entwicklungsländern als ein westliches Kartell mit der Absicht, ihr nukleares Entwicklungspotential zu beschränken, wahrgenommen. 65
1.4. Von den 1980er Jahren bis heute
Die 1980er Jahre stellten eine neue Dimension der Kernenergiefrage dar. In dieser Periode wurden mehrere Herausforderungen an das internationale Regime der Nichtverbreitung gestellt: Während einige Staaten (darunter Argentinien, Brasilien, Indien, Israel und Pakistan) in den 1960er und 1970er Jahren vollständige sensible Anlagen für ihr ziviles Kernenergieprogramm oft offiziell gekauft haben, änderte sich später die Situation, indem eine Reihe von Ländern „dual use Komponente“ 66 von geheimen bzw. inoffiziellen Quellen erwarben. Problematisch war v.a., dass die Richtlinien des Zangger Komitees und der NSG bei solchen negativen Evolutionen nicht herangezogen wurden. 67
61 Gardner, Nuclear Nonproliferation: A Primer, 1994, 43-44; Fischer, History of the International Atomic Energy Agency: the first forty years, 1997, 511; International Atomic Energy Agency (IAEA), IAEA Safeguards Glossary: 2001 Edition, 2002, 11. Siehe dazu International Atomic Energy Agency (IAEA), Communication Received from Members Regarding the Export of Nuclear Material and of Certain Categories of Equipment and Other Material, Information Circular, INFCIRC/209, 3 September 1974; International Atomic Energy Agency (IAEA), Communications of 15 November 1999 Received from Member States Regarding the Export of Nuclear Material and of Certain Categories of Equipment and Other Material, Information Circular, INF-CIRC/209/Rev.2, 9 March 2000.
62 International Atomic Energy Agency (IAEA), Guidelines for nuclear transfers adpoted by the 15-nation Nuclear Suppliers’ Group, Information Circular, INFCIRC/254, 21 September 1977. Diese Richtlinien wurden im Laufe der Zeit mehrmals revidiert bzw. ergänzt.
63 Obwohl die NSG seit 1977 die Führung dieser Problematik übernommen hat, „[t]he Zangger Committee nevertheless continues as a technical body complementary to the NSG, to develop and clarify the trigger list“, Lodgaard, Making the Non-Proliferation Regime Universal, WMDC Paper n° 7, 2004, 9, Fussnote 21. Für eine Analyse der hauptsächlichen Unterschiede zwischen den Ausfuhrrichtlinien des Zangger Komitees und den Richtlinien der NSG, siehe Michel, La prolifération nucléaire, 1990, 296-297.
64 Gardner, Nuclear Nonproliferation: A Primer, 1994, 44.
65 Ibid.
66 „Nuclear related dual use item: an item which has a technical use in both nuclear and non-nuclear applications, and is subject to certain conditions of supply because such items could make a major contribution to a nuclear explosive activity“, International Atomic Energy Agency (IAEA), IAEA Safeguards Glossary: 2001 Edition, 2002, 44.
67 Gardner, Nuclear Nonproliferation: A Primer, 1994, 46.
11. Juni 2007 12
Die rechtlichen Aspekte des Atomstreits mit dem Iran
Das internationale System der Sicherungsmassnahmen wurde besonders in Frage gestellt, als der Staat Israel im Juni 1981 den von der IAEA übergewachten irakischen Reaktor Osirak bombardierte. 68 Obwohl dieser Angriff von dem IAEA-Gouverneursrat 69 , der IAEA-Generalkonferenz 70 , dem UNSC 71 und der UNGA 72 verurteilt wurde, zeigte er die Grenze des internationalen Sicherungs- und Überwachungssystems 73 :
„The Israeli Government also professed a lack of confidence in the IAEA’s ability to detect diversion of nuclear material in the reactor“. 74
Während dieser von Zweifel geprägten Periode konnten aber einige positive Fortschritte erzielt werden. Im Süd-Pazifik wurde am 6. August 1985 der Vertrag von Rarotonga über die Kernwaffenfreie Zone im Süd-Pazifik (Treaty of Rarotonga) 75 von acht Staaten unterschrieben.
Zwei geopolitische Ereignisse haben das Rechtsregime in den 1990er Jahren besonders erschüttet: 1. Das Ende des Kalten Kriegs und 2. der Zweite Golfkrieg (1990-1991). Während das erste Phänomen das Gleichgewicht der Mächte modifizierte und die enge Zusammenarbeit zwischen den zwei politischen Polen in Bezug auf die Verhütung der Verbreitung destabilisierte, hat der Golfkrieg die Grenze der Sicherungsmassnahmen bewiesen. 76 Wie in den vorherigen analysierten Perioden haben also diese negativen Aspekte die Staatengemeinschaft veranlasst, weitere Überwachungs- und Restriktionsmechanismen einzuführen: Einerseits im Rahmen der IAEA und andererseits innerhalb der NSG. 77
Trotz gewissen Konsequenzen hat das Ende des Kalten Kriegs auch eine neue Ära von
68 „Israel bombed Iraq’s Osirak reactor in 1981 in order to slow down or prevent Iraq’s nuclear-weapon programme“, Weapons of Mass Destruction Commission (WMDC), Weapons of Terror: Freeing the World of Nuclear, Biological and Chemical Arms, Final Report, 2006, 55.
69 Board of Governors of the International Atomic Energy Agency Resolution GC (XXV)/643, 12 June 1981.
70 General Conference of the International Atomic Energy Agency Resolution GC(XXV)/RES/381, 26 September 1981.
71 United Nations Security Council Resolution 487 (1981), 19 June 1981.
72 United Nations General Assembly Resolution 36/27, 13 November 1981.
73 Gardner, Nuclear Nonproliferation: A Primer, 1994, 47.
74 Müller / Fischer / Kötter, Nuclear Non-Proliferation and Global Order, 1994, 29.
75 South Pacific Nuclear Free Zone Treaty (Rarotonga Treaty), August 6, 1985, 24 ILM 1440 (1986). Deutsche Übersetzung: Vertrag von Rarotonga über die Kernwaffen-freie Zone im Süd-Pazifik.
76 „In 1991, after the end of the Gulf War, the Security Council requested the IAEA to verify the elimination of Iraq’s ability to acquire nuclear weapons. IAEA inspectors gradually unveiled the full extent of Iraq’s large clandestine nuclear weapon programme and its repeated violations of the comprehensive safeguards agreement that, as a party to the NPT, it had concluded with the IAEA. The fact that Iraq’s nuclear weapon programme had been under way for several years, perhaps a decade, without being detected by the IAEA, led to sharp criticism of the Agency and posed the most serious threat to the credibility of its safeguards since they had first been applied some 30 years earlier“, Fischer, History of the International Atomic Energy Agency: the first forty years, 1997, 115.
77 Gardner, Nuclear Nonproliferation: A Primer, 1994, 48-49.
11. Juni 2007 13
Die rechtlichen Aspekte des Atomstreits mit dem Iran
Kooperation mit sich gebracht. 78 So ratifizierten im Laufe der 1990er Jahren alle Länder Osteuropas sowie Frankreich, Brasilien, Argentinien und Südafrika den NPT. 79 Während seiner fünften Überprüfungskonferenz (Review Conference) im Jahre 1995 wurde der Atomwaffensperrvertrag gemäss seinem Art. X Abs. 2 als permanent erklärt. 80 Im Jahre 1996 billigte die UNGA 81 den Kernwaffenteststopp-Vertrag (Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty CTBT). 82
Das Ende des Jahrzehntes wurde eher von der Problematik der sog. „threshold states“ geleitet. Im Jahre 1998 befanden sich z.B. die Atomwaffenversuche von Indien und Pakistan im Zentrum der internationalen Diskussionen. 83 2003 verwendete Nordkorea sein Recht nach Art. X Abs. 1 NPT und informierte von seinem Rücktritt allen anderen Vertragsparteien sowie dem UNSC. Ein Jahr später wurden die „illicit international supplier networks [of sensitive nuclear technology]“ des Dr. Abdul Qadeer Khan, dem „Vater“ des pakistanischen Kernwaffenprogramms, entdeckt. 84 Heute sind insbesondere die Frage des sog. nuklearen Terrorismus 85 und die Problematik der bewiesenen nuklearen Verbreitung in Nordkorea sowie der vermuteten Proliferationsrisiken im Iran, die die Weltgemeinschaft interessieren und beunruhigen.
2. DIE RECHTLICHEN GRUNDLAGEN DES INTERNATIONALEN RE-
GIMESDER NICHTVERBREITUNG
Um die Kernpunkte dieser Master-Arbeit einzuführen, werden in diesem Kapitel einige rechtlichen Grundlagen des internationalen Regimes der Nichtverbreitung 86 dargestellt. In dieser Perspektive werden unterschiedliche völkerrechtliche Rechtsdokumente des internatio- 78 Unterdieser Kooperationstendenz können der Vertrag von Bangkok über die Kernwaffen-freie Zone in Südost-Asien (Treaty on the Southeast Asia Nuclear Weapon-Free Zone [Bangkok Treaty], December 15, 1995, 35 ILM 635 (1996)) und der Vertrag von Pelindaba über die Kernwaffen-freie Zone in Afrika (African Nuclear-Weapon-Free Zone Treaty [Pelindaba Treaty], April 11, 1996, 35 ILM 698 (1996)) auch erwähnt werden.
79 Gardner, Nuclear Nonproliferation: A Primer, 1994, 49; Goldschmidt, Is the Nuclear Non-proliferation Regime in crisis? If so, why? Are there remedies?, Charlottesville Committee on Foreign Relations Speech (2006), 2.
80 1995 Review and Extension Conference of the Parties to the Treaty on the Non-Proliferation of Nuclear Weapons, Final Document, Part I (NPT/CONF.1995/32 (Part I)), Annex, Decision 3, Extension of the Treaty on the Non-Proliferation of Nuclear Weapons, 1995.
81 United Nations General Assembly Resolution 50/245, 10 September 1996.
82 Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty (CTBT), September 24, 1996, 35 ILM 1439 (1996), not yet in force. Deutsche Übersetzung: Kernwaffenteststopp-Vertrag, noch nicht in Kraft.
83 Weapons of Mass Destruction Commission (WMDC), Weapons of Terror: Freeing the World of Nuclear, Biological and Chemical Arms, Final Report, 2006, 37.
84 Ibid. Siehe ferner Harnisch, Das Proliferationsnetzwerk um A. Q. Kahn, APuZ, 48/2005 (2005), 24-31.
85 Siehe dazu Weapons of Mass Destruction Commission (WMDC), Weapons of Terror: Freeing the World of Nuclear, Biological and Chemical Arms, Final Report, 2006, 83-87.
86 „The nuclear nonproliferation regime is supported by a complex web of treaties, domestic legislation, and export regulations, administrated by a host of national and international agencies, which give substance to the norm of nonproliferation“, Gardner, Nuclear Nonproliferation: A Primer, 1994, 53.
11. Juni 2007 14
Die rechtlichen Aspekte des Atomstreits mit dem Iran
nalen Regimes i.w.S. nicht betrachtet, wie die bilateralen Abkommen zwischen den USA und der UdSSR (bzw. der Russischen Föderation) 87 , die Sicherheitsgewährleistungen (security assurances) 88 , die Nuclear-test-ban treaties (PTBT und CTBT) und die verschiedenen Verträge über Kernwaffenfreie Zonen 89 .
2.1. Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NPT) 90
Wie bereits erwähnt, ist der NPT das Kerndokument des internationalen Regimes der Nichtverbreitung 91 und besteht aus zwei ergänzenden Aspekten: Einerseits der Beförderung der zivilen Verwendung der Kernenergie und andererseits dem Verzicht auf das Entwickeln und Herstellen von Kernwaffen. Die Konzeption dieses Abkommens ist auf „an acceptable balance of mutual responsibilities and obligations of the nuclear and non-nuclear Powers“ gegründet. 92
Der NPT hat als Zweck, die Vorteile aus den friedlichen Verwendungen der Kernenergie zu ziehen und gleichzeitig den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren. 93 Insgesamt enthält er 11 Artikel, die zwei Kategorien von staatlichen Vertragsparteien betreffen: Die Kernwaffenstaaten (NWS) und die Nichtkernwaffenstaaten (NNWS). Art. IX Abs. 3 NPT definiert die NWS wie folgt: „[A] nuclear-weapon State is one which has manufactured and exploded a nuclear weapon or other nuclear explosive device prior to 1 January, 1967“. Fünf Staaten entsprachen damals dieser Definition: die USA, die UdSSR (heute Russland), das UK, Frankreich und die Volksrepublik China. 94 Die anderen Vertragsparteien gehören den Nichtkernwaffenstaaten (NNWS).
87 Siehe inter alia Treaty Between the United States of America and the Union of Soviet Socialists Republics on the Limitation of Anti-Ballistic Missile Systems (Anti-Ballistic Missiles [ABM]), May 26, 1972, 944 UNTS 13; Interim Agreement Between the United States of America and the Union of Soviet Socialist Republics on Certain Measures with Respect to the Limitation of Strategic Offensive Arms (Strategic Arms Limitation Talks [SALT I]), May 26, 1972, 944 UNTS 3; Treaty Between the United States of America and the Union of Soviet Socialist Republics on the Reduction and Limitations of Strategic Offensive Arms, (Strategic Arms Reduction Treaty [START I]), July 31, 1991, 31 ILM 246 (1992).
88 Siehe dazu Boutros-Ghali, Introduction, in: The United Nations and Nuclear Non-Proliferation, Vol. III, 1995, 18-20.
89 Ibid., 21-24.
90 Für den Text des NPT, siehe unten den Anhang. Die Bestimmungen des NPT werden nachher im Kontext des iranischen Atomprogramms ausführlicher behandelt.
91 „No other regime element is more symbolic of nonproliferation or has done more to institutionalize the norm of nonproliferation in foreign ministries and legislatures around the world“, Gardner, Nuclear Nonproliferation: A Primer, 1994, 54.
92 United Nations General Assembly Resolution 2028 (XX), 19 November 1965, §2a.
93 NPT-Präambel Abs. 6 und 12.
94 „[Three other] states [...] have declared nuclear weapon capabilities: India, Pakistan, and North Korea. In addition, Israel is known to maintain an undeclared nuclear arsenal [...]“, Crail, Implementing UN Security Council Resolution 1540: A Risk-Based Approach, Report, Nonproliferation Review, Vol. 13, No. 2 (2006), 364. Siehe dazu Lavoy, Nuclear Proliferation over the next Decade: Causes, Warning Signs, and Policy Responses, Nonproliferation Review, Vol. 13, No. 3 (2006), 433-434.
11. Juni 2007 15
Die rechtlichen Aspekte des Atomstreits mit dem Iran
Zuerst ist es wichtig zu betonen, dass der NPT den Besitz von Kernwaffen durch die NWS per se nicht bestraft. Obwohl im Abkommen die Legalität dieser Waffen nicht in Frage gestellt wird 95 , werden sie aber als einen „potentially destabilizing factor“ der internationalen Beziehungen gesehen. 96 Um das nukleare Risiko zu verhindern, schreibt also der NPT unterschiedliche Verpflichtungen für die NWS und NNWS insbesondere, und für alle Vertragsparteien vor. Nebenbei gewährleistet er auch gewisse Rechte für die Vertragsparteien.
2.1.1. Verpflichtungen für die Kernwaffenstaaten (NWS)
Gemäss Art. I NPT verpflichten sich die NWS-Vertragsparteien inter alia Kernwaffen und sonstige Kernsprengkörper oder die Verfügungsgewalt darüber an niemanden unmittelbar oder mittelbar weiterzugeben. Die NWS können aber Kernwaffen in Zonen, die nicht ihrer Souveränität unterstehen, entfalten, sofern dies andere internationalen Abkommen nicht verletzt. 97 Jedoch müssen diese Waffen unter Kontrolle und unter der direkten Steuerung der NWS bleiben. 98
Art. V NPT schreibt vor, dass jede Vertragspartei (implizit die NWS) sich verpflichtet, im Einklang mit dem Vertrag, die möglichen Vorteile aus jeglicher friedlichen Anwendung von Kernsprengungen den NNWS-Vertragsparteien zugänglich zu machen. 99 Unter Art. VI NPT verpflichten sich ferner die Vertragsparteien (d.h. insbesondere die NWS 100 ), Verhandlungen über wirksame Massnahmen zur Beendigung des nuklearen Wettrüstens in naher Zukunft und zur nuklearen Abrüstung sowie über einen Vertrag zur allgemeinen und vollständigen Abrüstung in redlicher Absicht zu führen. 101
2.1.2. Verpflichtungen für die Nichtkernwaffenstaaten (NNWS)
Spezifisch für die NNWS sind Art. II und III Abs. 1 NPT. Im Art. II verpflichten sich die NNWS inter alia, Kernwaffen oder sonstige Kernsprengkörper oder die Verfügungsgewalt darüber von niemandem unmittelbar oder mittelbar anzunehmen.
95 Mit Hilfe des rechtlichen Gutachtens des Internationalen Gerichtshofs vom 8. Juli 1996 wird diese Problematik später in der Arbeit kurz beleuchtet. Siehe dazu International Court of Justice, Advisory Opinion on the Legality of the Threat or Use of Nuclear Weapons, July 8, 1996, ICJ Reports (1996) 226.
96 Boutros-Ghali, Introduction, in: The United Nations and Nuclear Non-Proliferation, Vol. III, 1995, 7.
97 Siehe dazu Art. VII NPT.
98 Boutros-Ghali, Introduction, in: The United Nations and Nuclear Non-Proliferation, Vol. III, 1995, 7.
99 Bezüglich Art. V NPT stellt aber Goldblat, Le désarmement ne peut pas attendre, interview, Le Temps (2007), 15 fest: „[...] l’article V, par exemple, est parfaitement obsolète. [...] Il est en parfaite contradiction [...] avec le Traité d’interdiction complète des essais nucléaires (CTBT) [qui n’est pas encore entré en vigueur]“.
100 Vgl. unten Kapitel I.2.1.3.
101 Siehe ferner Abs. 8 NPT-Präambel.
11. Juni 2007 16
Die rechtlichen Aspekte des Atomstreits mit dem Iran
Als vertrauens- und sicherheitsbauende Massnahme zwingt Art. III Abs. 1 NPT die NNWS, die speziellen im Rahmen dieses Vertrags ausgehandelten und abgeschlossenen Sicherungsmassnahmen („full-scope“ safeguards) zu akzeptieren. 102 Diese Sicherungsmassnahmen werden mit der IAEA nach Massgabe ihrer Satzung und ihres Sicherungssystems 103 festgelegt und dienen ausschliesslich dazu, die Erfüllung der Verpflichtungen der NNWS aus dem NPT nachzuprüfen, damit verhindert wird, dass Kernenergie von der friedlichen Nutzung abgezweigt und für Kernwaffen oder sonstige Kernsprengkörper verwendet wird. Art. III Abs. 4 NPT regelt die Frist, um diese Übereinkünfte zu verhandeln.
2.1.3. Verpflichtungen für alle Vertragsparteien
Mehrere Verpflichtungen betreffen die zwei Kategorien von Vertragsparteien (NWS und NNWS) gleichermassen. Gemäss Art. III Abs. 2 NPT verpflichtet sich jede Vertragspartei,
„(a) source or special fissionable material, or (b) equipment or material especially designed or prepared for the processing, use or production of special fissionable material, to any non-nuclear-weapon State for peaceful purposes, unless the source or special fissionable material shall be subject to the safeguards required by this Article“ nicht zur Verfügung zu stellen. 104
Art. IV Abs. 2 verpflichtet alle Vertragsparteien, den weitestmöglichen Austausch von Ausrüstungen, Material und wissenschaftlichen und technologischen Informationen zur friedlichen Nutzung der Kernenergie zu erleichtern. Ferner befördert dieser Artikel die Zusammenarbeit der Vertragsparteien mit anderen Staaten oder internationalen Organisationen, um „especially in the territories of non-nuclear-weapon States Party to the Treaty“ die Anwendung der Kernenergie für friedliche Zwecke weiterzuentwickeln. In diesem Kontext berücksichtigen die Vertragsparteien insbesondere „the needs of the developing areas of the world“. Betreffend Art. VI NPT und in der Perspektive einer Verpflichtung von jeder Vertragspartei präzisiert Boutros-Ghali:
„The often-repeated selective quotation of article VI has led to some misunderstanding. As discussed above 105 , article VI reiterates the goal stated in the preamble to the Treaty that effective measures should be taken towards nuclear disarmament. The full
102 Siehe dazu International Atomic Energy Agency (IAEA), The Structure and Content of Agreements between the Agency and States Required in Connection with the Treaty on the Non-Proliferation of Nuclear Weapons, Information Circular, INFCIRC/153 (Corrected), 1972. Art. III Abs. 1 NPT definiert ferner das Prinzip und die Tragweite der Kontrolle der nationalen nuklearen Tätigkeiten. Siehe dazu Michel, La prolifération nucléaire, 1990, 136ff.
103 Art. III A.5 i.V.m. Art. XII IAEA-Satzung.
104 Kursiv hinzugefügt. Für die Analyse des Sinnes und der Tragweite dieser Bestimmung, siehe Michel, La prolifération nucléaire, 1990, 292-293.
105 Vgl. oben Kapitel I.2.1.1.
11. Juni 2007 17
Die rechtlichen Aspekte des Atomstreits mit dem Iran
text of article VI, however, addresses all States parties to the Treaty and does not limit itself to nuclear disarmament matters“. 106
Die Abrüstungsbemühungen sind also nicht nur auf die NWS beschränkt, sondern betreffen alle Vertragsparteien.
2.1.4. Rechte der Vertragsparteien
Der NPT enthält unterschiedliche Rechte für die beiden Kategorien von Vertragsparteien. Gemäss Art. IV Abs. 1 NPT haben die Vertragsparteien das unveräusserliche Recht, die Kernenergie für friedliche Zwecke zu verwenden. Ausserdem präzisiert auch Art. III Abs. 3 NPT, dass die Sicherungsmassnahmen der IAEA vermeiden müssen, die wirtschaftliche und technologische Entwicklung der Vertragsparteien oder die internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet friedlicher nuklearer Tätigkeiten zu behindern. Durch Art. IV Abs. 2 NPT sind alle Vertragsparteien berechtigt, an dem weitestmöglichen Austausch von Ausrüstungen, Material und wissenschaftlichen und technologischen Informationen zur friedlichen Nutzung der Kernenergie teilzunehmen.
Als Ersatz der im Kapitel I.2.1.1. diskutierten Verpflichtungen der NWS gibt Art. V NPT den NNWS ein unmittelbares Recht auf „potential benefits from any peaceful applications of nuclear explosions“, unter Bedingung eines „special international agreement“ oder von „bilateral agreements“. 107 Obwohl die Präambel erklärt, dass die Vorteile der friedlichen Anwendung der Kerntechnik allen Vertragsparteien für friedliche Zwecke zugänglich sein sollen, ist die Frage des Rechtes auf allgemeine nukleare Kooperation für friedliche Zwecke (und nicht nur auf die möglichen Vorteile aus jeglicher friedlichen Anwendung von Kernsprengungen) unter dem NPT nicht deutlich. 108
Wie vorher gezeigt, haben weiter die Staaten gemäss Art. VII NPT das Recht, „regional treaties in order to assure the total absence of nuclear weapons in their respective territories“ abzuschliessen.
Schliesslich gewährleistet Art. X Abs. 1 NPT jeder Vertragspartei in ihrer nationalen Souveränität das Recht, „to withdraw from the Treaty if it decides that extraordinary events, related to the subject matter of this Treaty, have jeopardized the supreme interests of its country“. Der betroffene Staat muss aber allen anderen Vertragsparteien sowie dem UNSC seinen
106 Boutros-Ghali, Introduction, in: The United Nations and Nuclear Non-Proliferation, Vol. III, 1995, 9.
107 Siehe oben Fussnote 99.
108 Siehe dazu Michel, La prolifération nucléaire, 1990, 211-212; Mountbatten Centre for International Studies (MCIS), MCIS CNS NPT Briefing Book, Part I: The Evolution of the Nuclear Non-Proliferation Regime, 2005, 47-48.
11. Juni 2007 18
Arbeit zitieren:
M.A. HSG in International Affairs and Governance Benoît Simon-Vermot, 2007, Die rechtlichen Aspekte des Atomstreits mit dem Iran, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Foundations of civil and political rights in Israel and the occupied t...
Jura - Andere Rechtssysteme, Rechtsvergleichung
Doktorarbeit / Dissertation, 629 Seiten
Der Atomkonflikt mit dem Iran - Historische Hintergründe und aktuelle ...
Politik - Internationale Politik - Region: Naher Osten, Vorderer Orient
Hausarbeit (Hauptseminar), 39 Seiten
„Krieg gegen Terrorismus... Terrorismus gegen Krieg?“
Ursachen, Hintergründe und Aus...
Jura - Europarecht, Völkerrecht, Internationales Privatrecht
Wissenschaftlicher Aufsatz, 29 Seiten
Der Vorrang negativer Religionsfreiheit - oder: Freiheit als Freisein ...
Jura - Öffentliches Recht / Sonstiges
Hausarbeit (Hauptseminar), 34 Seiten
Ko- und Monoedukation: Von der Benachteiligung von Jungen in der Schul...
Psychologie - Sozialpsychologie
Zwischenprüfungsarbeit, 30 Seiten
Negative Campaigning - Analyse vor dem Hintergrund der US-Präsidentsch...
Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
Seminararbeit, 22 Seiten
Politik - Internationale Politik - Region: Naher Osten, Vorderer Orient
Hausarbeit, 22 Seiten
Der Entwicklungsstand der südasiatischen Länder Indien, Pakistan, Bang...
Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie
Seminararbeit, 30 Seiten
Das iranische Atomprogramm und seine Auswirkungen auf die Region
Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Gesundheitsschutz in der WTO - eine neue Bedeutung des Codex Alimentar...
Jura - Europarecht, Völkerrecht, Internationales Privatrecht
Wissenschaftlicher Aufsatz, 37 Seiten
Libyen - Politische Wende und Regimestabilität
Politik - Internationale Politik - Region: Afrika
Hausarbeit, 21 Seiten
Die Änderungen des Kontrollverfahrens durch das 14. Protokoll
Perspektiven und Probleme
Jura - Europarecht, Völkerrecht, Internationales Privatrecht
Seminararbeit, 65 Seiten
Widerstand im Dritten Reich - Das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944...
Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg
Zwischenprüfungsarbeit, 23 Seiten
Der Informationsbegriff aus interdisziplinärer Sicht mit besonderer B...
Informationswissenschaften, Informationsmanagement
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Benoît Simon-Vermot's Text Die rechtlichen Aspekte des Atomstreits mit dem Iran ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Benoît Simon-Vermot hat den Text Die rechtlichen Aspekte des Atomstreits mit dem Iran veröffentlicht
Benoît Simon-Vermot hat einen neuen Text hochgeladen
Die rechtliche Situation der Frauen in der Islamischen Republik Iran s...
Die Morgengabe und die Scheidu...
Nina-Firouzeh Nowkam
A Ambuhl
Interdisziplinäre Aspekte des Übersetzens und Dolmetschens. Interdisci...
Judith Muráth, Agnes Oláh-Hubai
Ethische Aspekte der Forschung und Verwendung menschlicher Stammzellen
Der Text von der Stellungnahme
. Europäische Gruppe für Ethik der Naturwissenschaften und der Neuen Technologien, Europäische Kommission
Rechtliche Aspekte der Blutstammzellspende
Die strafrechtliche Bewertung ...
Stephanie Pommer, Tade Matthias Spranger, Hans-Georg Dederer, Matthias Herdegen, Ralf Müller-Terpitz
Rechtliche Aspekte der geldpolitischen Instrumente des Europäischen Sy...
Tatjana Tschekuschina
0 Kommentare