Inhaltsverzeichnis Seite
Vorwort 1. 2
Auge - Hand - Koordination und Schreiben 2. 3
2.1. Was bedeutet Auge - Hand - Koordination? 3
2.2. Mögliche Indikatoren für eine Beeinträchtigung der
Auge - Hand - Koordination bezüglich des
Schreibens 3
2.3. Vorstellung eines Schreibstufenmodells 4
3. Vorstellung der Schülerin eines Förderzentrums mit
dem Förderschwerpunkt Lernen und Kriterien für die
praktische Durchführung der Einzelförderung 9
3.1. Lernstandsanalyse der Schülerin im zweiten
Schulbesuchsjahr eines Förderzentrums mit
dem Förderschwerpunkt Lernen 9
3.2. Fähig- und Fertigkeiten der Schülerin bezüglich des
Schreibens vor der Einzelförderung 18
3.3. Kriterien für die praktische Durchführung der
Einzelf örderung 21
Dokumentation der Einzelförderung 4. 23
4.1. Zielformulierung für die Einzelförderungssequenzen
zur Verbesserung der Auge - Hand - Koordination
im Hinblick auf das Schreiben 23
4.2. Dokumentation der durchgeführten
Einzelf örderungssequenzen 26
4.3. Ergebnisse der Einzelförderung und Analyse der
Auge - Hand - Koordination im Hinblick auf das
Schreiben nach der Einzelförderung 39
Schlussbemerkungen 5. 43
Literatur 6. 44
Anlagen 7 46
1. Vorwort
Du sollst ordentlich schreiben!
Achte auf die Zeilen! Schreib das nochmal! Das kann doch keiner lesen! Wie sieht das denn aus? Was hast du geschrieben? Hats geschrieben, kanns nicht lesen! Gib dir doch mal Mühe!
Solche oder ähnliche Aussagen hat sicher jeder schon einmal während seiner Schulzeit gehört. Aber was ist, wenn diese Aussagen nicht aufhören, egal wie sehr geübt wird? Oder nicht verstanden wird, was besser gemacht werden kann beziehungsweise wie etwas besser gemacht wird?
Ich möchte in der vorliegenden Arbeit eine intensive Einzelförderung einer Schülerin in meiner Ausbildungsklasse beschreiben. Sie bekam mit zunehmender Komplexität der Buchstaben und der verschiedenen Schriftarten (Druck- und Schreibschrift) mehr und mehr Probleme die gesprochene Sprache in geschriebene Sprache umzusetzen. Nach meinen Beobachtungen benötigt die Schülerin daher verstärkt Hilfe auf dem Gebiet der Grafomotorik.
Der Thüringer Lehrplan für die Grundschule und für die Förderschule mit dem Bildungsgang der Grundschule schreibt allen Schülern die Druckschrift (Vgl. THÜRINGER KULTUSMINISTERIUM 1999, 60) und die
Schulausgangsschrift beziehungsweise die vereinfachte Ausgangsschrift (Vgl. THÜRINGER KULTUSMINISTERIUM 1999, 62) vor und fordert bis zur Vollendung der 2. Klasse eine „formorientierte, verbundene Schrift zu schreiben“ (THÜRINGER KULTUSMINISTERIUM 1999, 31).
Da sich die Schülerin bereits im zweiten Schulbesuchsjahr befindet, wird deutlich, wie wichtig hier eine intensive Förderung der Auge - Hand -Koordination im Hinblick auf das Schreiben ist. Durch die vorliegende Arbeit wird der Leser erkennen, welche Fortschritte durch gezielte Einzelförderung der Schreibelemente, auch in kurzer Zeit, möglich sind.
2. Auge - Hand - Koordination und Schreiben
Wesentliche Bestandteile der vorliegenden Arbeit sind die Begriffe Auge -Hand - Koordination und das Schreiben. Aus diesem Grund beginne ich erst mit einer kurzen Begriffsklärung und einigen Erläuterungen zur Verbindung von Auge - Hand - Koordination und dem Schreiben. Außerdem werde ich zum besseren Verständnis ein Schreibstufenmodell vorstellen, welches sehr gut für die Einordnung der Schüler an einem Förderzentrum geeignet ist.
2.1. Was bedeutet Auge - Hand - Koordination?
Die Auge - Hand - Koordination oder auch Visuomotorik stellt einen Unterpunkt der visuellen Wahrnehmung dar. Hierzu gehört aus physiologischer Sicht die Fähigkeit, optische Reize aufzunehmen, zu unterscheiden, zu verarbeiten, einzuordnen und zu interpretieren und entsprechend darauf zu reagieren. Der Körper versucht also visuelle Reize in Bewegung umzuwandeln.
Visuomotorik beginnt mit dem Blickkontakt und dem Fixieren von starren und beweglichen Dingen, sowie der Ausrichtung des Körpers auf das angeschaute Objekt. Durch weitere Differenzierung entwickelt sich die Visuomotorik zu der Fähigkeit Auge und Körper, Auge und Hand und Auge und Fuß miteinander in Wechselwirkung zu bringen.
Die Koordination von Auge und Hand ist also für die feinmotorische Handgeschicklichkeit und somit für das Schreiben von großer Bedeutung.
2.2. Mögliche Indikatoren für eine Beeinträchtigung der Auge -Hand - Koordination bezüglich des Schreibens Störungen der visuellen Wahrnehmung im Bereich der Auge - Hand -Koordination werden meist dadurch erkannt, dass die betroffenen Schüler Schwierigkeiten haben beim Schneiden die Begrenzungslinien einzuhalten. Außerdem bereitet es ihnen Probleme beim Schreiben die vorgegebenen Linien zu beachten und sie haben große Mühe beim Aus- und Nachmalen die Begrenzungen zuerkennen.
3
Darüber hinaus lassen sich weitere Besonderheiten der Schreibmotorik erkennen. Im Allgemeinen weisen die Schüler „eine steife, ausfahrende, zittrige Schrift, die im Gesamtbild unleserlich und unordentlich wirkt“ (LEDL 2003, S. 35) auf. Hierbei wird in
Auffälligkeiten im Strichdruck (zu stark oder zu schwach), in der Strichführung
(verkrampft, gehemmt, unsicher, ungesteuert, ausfahrend, unterbrochen und
abgehackt; beim Schreiben wird die Zeile nicht getroffen) und der Formgebung
(extreme Größenschwankungen) (LEDL 2003, S. 35)
unterschieden. Diese Auffälligkeiten in der Grafomotorik sind aber nicht nur an feinmotorische Defizite gebunden. Alle anderen Wahrnehmungsbereiche sind mitunter auch betroffen, wie zum Beispiel die Sprachmotorik, das Körperschema, die Lateralität, die Serialität oder auch die Emotionalität. (Vgl. LEDL 2003, S. 35)
2.3. Vorstellung eines Schreibstufenmodells
Die Schreibentwicklung bis hin zur Rechtschreibung erfolgt nach einem bestimmten Muster. In der Literatur zum Vor- und Grundschulbereich gibt es verschiedene Modelle. Die nachfolgende Tabelle stellt einen Überblick über fünf Konzepte dar, welche ich ausgewählt habe.
4
Bei der Betrachtung der oben stehenden Übersicht fällt sofort die häufige
Gliederung der Schreibentwicklung in sechs Phasen auf. Spitta beginnt mit
der vorkommunikativen Phase (Kritzelphase) und berücksichtigt, meiner
Meinung nach, nicht die Schüler die sich noch im basalen Bereich befinden.
Positiv bewerte ich aber die Differenzierung in Vor-, Halb- und Phonetische
Phase. Da so relativ genau der Entwicklungsstand des Schülers bestimmt
werden kann. Als nicht sehr vorteilhaft empfinde ich die Zuordnung der
Altersangaben zu den jeweiligen Schreibstufen. Auf Grund der veränderten
Schuleingangsphase werden die Schüler in den Grundschulklassen der
F örderzentren oftmals altersgemischt unterrichtet, je nach individuellen
Leistungs - und Entwicklungsstand des Kindes. Somit können die
Altersangaben nicht aufrechterhalten werden.
Bei Renate Valtin findet der Leser eine sehr vereinfachte Darstellungsform der
Schreibentwicklung vor. Die Formulierung der Phasen ist sehr gut verständlich
und bietet auch Personengruppen außerhalb der Schule (zum Beispiel Eltern,
Betreuern , ) einen Einblick in die Entwicklung des Schreibens und somit
auch Handlungsmöglichkeiten. Valtin weist keiner Phase ihres Modells ein
Lebensalter zu. Somit ist es möglich die Schüler nach ihren individuellen
F ähig- und Fertigkeiten zuzuordnen und optimal zu fördern.
Das Schreibentwicklungsmodell von Günther stellt das Schreiben lernen als
einen zielgerichteten und bewussten Prozess dar. Im Allgemeinen ist die
Darstellung sehr abstrakt, da mehrere Entwicklungsphasen zusammengefasst
wurden. Somit erscheint mir das Modell für die Hand des Lehrers sehr
unpraktisch.
Das vierte von mir ausgewählte Schreibmodell ist von E. Lenz. Es bezieht als
einziges Modell den basalen Bereich als sogenannte Vorphase mit in den
Schreibprozess ein. Hierbei wird die Schreibentwicklung in bildhafte und
phonetische Schreibweisen unterteilt und endet in der Phase der
Rechtschreibung. Für den Pädagogen bleiben jedoch Zwischenphasen offen.
Diese bieten wiederum einen großen Spielraum bezüglich der individuellen
F ähig- und Fertigkeiten der Schüler.
Keines der bisher vorgestellten Modelle ist meiner Meinung nach
uneingeschr änkt für den Einsatz in einem Förderzentrum zu empfehlen. Daher
m öchte ich an dieser Stelle das Schreibstufenmodell von Elke Hohnstein
vorstellen. Meiner Ansicht nach vereint es alle Vorteile der eben vorgestellten
Modelle. Da sie keine Altersempfehlungen gibt, können alle Kinder gut entsprechend ihrem Entwicklungsstand eingeordnet und dementsprechend gefördert werden. Aus diesem Grund möchte ich nun die einzelnen Phasen der Schreibentwicklung näher vorstellen: 1. Phase - Basaler Bereich
Den kommunikativen Charakter von Schrift müssen alle Schüler erst einmal verstehen, indem sie lernen, „dass es Zeichen (Spuren) gibt, die etwas bedeuten“. (HOHNSTEIN 2007, S. 7). Diese Spuren erzeugen Kinder zunächst unbewusst und spontan. Sie müssen deshalb auf die Reaktionen ihrer Umwelt achten, um sie bewusst und zielgerichtet für ihre Kommunikation zu nutzen. Diese Spuren und deren Assoziationen werden auf verschiedene Weisen erzeugt. Hierbei werden alle Wahrnehmungsebenen angesprochen (Körperwahrnehmung, taktile, gustatorische, olfaktorische, akustische und visuelle Wahrnehmung). Das Erzeugen von Spuren in dieser Phase findet meist auf dreidimensionalen Ebenen statt.
2. Phase - Kritzeln
„In der Kritzelphase erfährt der Schüler, dass Zeichen auf einer zweidimensionalen Ebene durch unterschiedliche Werkzeuge festzuhalten sind.“ (HOHNSTEIN 2007, S. 14). Nun erzeugen die Kinder Spuren meist auf Papier. Somit werden erste kommunikative Handlungen möglich. Im Mittelpunkt dieser Phase steht „die Entwicklung feinmotorischer Fertigkeiten“ (HOHNSTEIN, S. 14). Somit stellt diese Phase des Schreiben Lernens eine sehr wichtige Stufe für die Entwicklung der Grafomotorik dar.
3. Phase - Bildhafte Schreibweisen
Bereits in dieser Phase erkennen die Kinder, dass Schreiben mit dem Erzeugen von Buchstaben zusammenhängt. Dies äußert sich darin, dass sie beginnen Buchstaben abzumalen, nachzuahmen und zu stempeln. In dieser Zeit werden „Bilder bewusst zum Mitteilen von Erlebnissen, Informationen, Wünschen … genutzt.“ (HOHNSTEIN 2007, S. 21). Die Kinder verfassen Bildbriefe, malen Buchstaben und Ziffern und gestalten ihren eigenen Namen.
4. Phase - Phonetische Schreibweise
In dieser Phase „erkennt der Schüler, dass Wörter aus Lauten (Phoneme) bestehen, welche in Form von Buchstaben (Grapheme) aufzuschreiben sind.“ (HOHNSTEIN 2007, S. 24). Hier erlangt der Schüler einen ersten Einblick in
7
den Aufbau der Schrift. „In Einheit mit dem Lesen ist diese Phase ein wesentlicher Schritt zum Schriftspracherwerb.“ (HOHNSTEIN 2007, S. 24). Die Schüler durchlaufen folgende Schritte in der phonetischen Schreibweise: zunächst schreiben sie in der Skelettschreibweise (zum Beispiel PP für Puppe). Darauf folgt die Phase „Schreibe wie du sprichst“ (zum Beispiel Donnastak für Donnerstag) und schließlich wenden einige Schüler auch schon orthografische Regeln an. (Vgl. HOHNSTEIN 2007, S. 24f.)
5. Phase - Übergang zur entwickelten Rechtschreibfähigkeit Während dieser Phase steht „der schrittweise Übergang zum orthographischen Schreiben“ (HOHNSTEIN 2007, S. 28) im Vordergrund. Besonders die Verwendung orthografischer Muster und das Erkennen von Regelmäßigkeiten, stehen in dieser Phase im Vordergrund.
6. Phase - Rechtschreibung
Diese Phase der Schreibentwicklung bildet den Abschluss des Schreiblernprozesses. Nicht alle Schüler werden ihn erreichen, da hier nicht mehr nur der motorische Bereich im Mittelpunkt steht, sondern auch die anderen Entwicklungsbereiche, „besonders das Denken, die Wahrnehmung und der sozial - emotionale Bereich“ (HOHNSTEIN 2007, S. 33). In dieser Phase erwerben die Schüler folgende Fähigkeiten: das bewusste Einprägen und Anwenden der orthografischen Regeln, die Dudenschreibweise, die Fähigkeit zur Selbstkontrolle und das freie Schreiben (Vgl. HOHNSTEIN 2007, S. 32).
Meiner Ansicht nach lassen sich alle Schüler, auch und gerade Schüler eines Förderzentrums mit dem Förderschwerpunkt Lernen, mit diesem Modell besser entsprechend ihrer Fähig- und Fertigkeiten einschätzen und gezielt fördern. Im Folgenden werde ich mit diesem Modell arbeiten, um die Schülerin im zweiten Schulbesuchsjahr eines Förderzentrums mit dem
Förderschwerpunkt Lernen bezüglich ihrer Fähigkeiten beim Schreiben besser einordnen zu können.
8
Arbeit zitieren:
Silvana Lehmann, 2008, Einzelförderung einer Schülerin im zweiten Schulbesuchsjahr eines Förderzentrums mit dem Förderschwerpunkt Lernen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Unterrichtseinheit: Bauen mit dem Würfel - Baupläne erfinden und Würfe...
Unterrichtsentwurf, 24 Seiten
Die Förderung des räumlichen Vorstellungsvermögens durch den handelnde...
Eine Unterrichtseinheit im Mat...
Mathematik - Mathematik als Schulfach
Examensarbeit, 61 Seiten
Entwicklungsförderung im Sportunterricht in der Primarstufe der Schule...
Sport - Sportpädagogik, Didaktik
Examensarbeit, 153 Seiten
Unterrichtsstunde: Bauen mit Soma-Würfeln
Unterrichtsentwurf und Materia...
Unterrichtsentwurf, 15 Seiten
Projektunterricht mit Bezug auf die Unterrichtseinheit "gesunde E...
Sachunterricht, Heimatkunde (Grundschulpädagogik)
Zwischenprüfungsarbeit, 20 Seiten
Franziska Bechstein's Text Einzelförderung einer Schülerin im zweiten Schulbesuchsjahr eines Förderzentrums mit dem Förderschwerpunkt Lernen wurde kommentiert
Silvana Lehmann's Text Einzelförderung einer Schülerin im zweiten Schulbesuchsjahr eines Förderzentrums mit dem Förderschwerpunkt Lernen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Silvana Lehmann hat den Text Einzelförderung einer Schülerin im zweiten Schulbesuchsjahr eines Förderzentrums mit dem Förderschwerpunkt Lernen veröffentlicht
Religionsunterricht an Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen
Religionspädagogische und -did...
Alexander Wertgen
Didaktik des Unterrichts im Förderschwerpunkt "Lernen"
Ein Handbuch für Studium und P...
Franz B. Wember, Ulrich Heimlich
Das Schatzbuch ganzheitlichen Lernens
Grundlagen, Methoden und Spiel...
Charmaine Liebertz, Gesellschaft für ganzheitliches Lernen
Mit Auge und Ohr, mit Hand und Fuß
Gehirnorganisationsprofile erk...
Carla Hannaford, Elisabeth Lippmann
Vorkurs zur Vorbereitung des S...
Beate Mayr, Josef Dreher, Reiner Pfaffendorf, Hanni Wohofsky
Franziska Bechstein
Wenn man über intensive Einzelförderung schreibt, sollte man das auch kurz erklären.
Gruß,
Franziska
am Thursday, July 15, 2010-