Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Die klassische Zinstheorie. 2
3 Die Zinstheorien der Neoklassik 3
3.1 Der Pionier - Eugen von Böhm-Bawerk. 3
3.1.1 von Böhm-Bawerks Prämissen 3
3.1.2 Geschichte und Kritik der Kapitalzinstheorien 3
3.1.3 Die positive Zinstheorie 4
3.1.4 Implikationen der positiven Zinstheorie 7
3.2 Später Ruhm - Knut Wicksell. 7
3.2.1 Wicksells Prämissen. 7
3.2.2 Die Zinsspannentheorie. 8
3.2.3 Implikationen der Zinstheorie Knut Wicksells 10
3.3 Der Exzentriker - Irving Fisher 10
3.3.1 Prämissen der Fisherschen Zinstheorie 10
3.3.2 Die Fisher-Separation. 11
3.3.3 Preiserwartungseffekt und Erwartungshypothese 13
3.3.4 Implikationen der Theorien Fishers 13
4 John Maynard Keynes 14
4.1 Keynes’ Prämissen 14
4.2 Keynes’ Zinstheorie 15
4.3 Implikationen der Liquiditätspräferenztheorie. 17
5 Zusammenfassung 18
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Der Zins als intertemporales Phänomen.
Abbildung 2: Die Zinstheorie von Knut Wicksell.
Abbildung 3: Das Fisher-Separationstheorem.
Abbildung 4: Die Liquiditätspräferenztheorie in Form des IS-LM Modells
1 Einleitung
Wirft man einen Blick in die Vergangenheit, so fällt auf, dass die Betrachtung des Zinses nicht von Anfang an wirtschaftlicher Natur war, wie es die Vermutung nahe legen würde. Es waren vielmehr die Philosophen und Religionsvertreter die sich zuerst dem Zinsphänomen annahmen. Bereits Aristoteles setzte sich vor mehr als 2000 Jahren auf philosophischer Ebene mit dem Zins auseinander und kam zu dem Schluss, dass die Vermehrung von Geld durch dessen bloße Verleihung naturwidrig sei, da er Geld für von Natur aus unfruchtbar hielt. 1 Die Kirche sah es ihrerseits für Christen als verwerflich an von ihren Brüdern Zinsen zu nehmen und bezeichnete diese als Wucher. Diese tief verwurzelte kirchliche Lehre führte daher zur Verankerung des sogenannten Zinsverbots, welches nicht nur Vertreter des Klerus, sondern auch weltliche Bürger betraf. 2
Im weiteren Verlauf dieser Arbeit sollen die Zinsen jedoch lediglich aus wirtschaftswissenschaftlicher Perspektive beleuchtet werden. Die Zinstheorie ist die ökonomische Lehre des Zustandekommens von Zinssätzen und deren Höhe. 3 Ausgehend von der klassischen Zinstheorie 4 , die im Folgenden kurz angerissen wird, sollen die weiterführenden Überlegungen bedeutender Ökonomen auf diesem Gebiet beleuchtet werden. Die Theorien von Knut Wicksell, Eugen von Böhm-Bawerk, Irving Fisher, sowie John Maynard Keynes werden dabei im Verlauf dieser Arbeit in zinstheoretischem Kontext in einen logischen Zusammenhang gebracht. Dabei sollen wesentliche Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Theorien aufgezeigt werden.
1 Vgl. von Böhm-Bawerk, E., Zins, 1928, S. 1131.
2 Vgl. Braun, C., Wucherverbot, 1994, S. 29.
3 Vgl. Issing, O., Einführung - II, 2003, S. 100.
4 Vgl. Anderegg, R., Grundzüge, 2007, S. 95 ff. Die klassische Zinstheorie ist ein Teilgebiet der klassischen Nationalökonomie, welche von Ökonomen wie Smith, Ricardo oder Say ab Ende des 18. Jahrhunderts entwickelt wurde.
1
2 Die klassische Zinstheorie
Die Periode der klassischen Zinstheorie umfasst in etwa die 100 Jahre zwischen der zweiten Hälfte des 18. und des 19. Jahrhunderts.
Die Anhänger der Klassik sahen den Zins als Gebühr für ein Kapitaleinkommen, welches durch die Wertproduktivität langfristigen Kapitals entsteht. Zinsen bilden hierbei in stark abstrahierter Form einen Gleichgewichtspreis zwischen dem Geldangebot der Sparer und der Geldnachfrage der Investoren, wobei die Höhe des Zinses vom Kapitalreichtum eines Landes bestimmt wird. Je höher die Konsumneigung der Wirtschaftssubjekte, umso höher der Zins. 5 In der Klassik wird der Zins als reale Größe betrachtet, welche durch die monetäre Größe des Geldes bzw. die Geldmenge langfristig nicht beeinflusst wird. Man spricht hierbei von der Neutralität des Geldes, welche in der klassischen Dichotomie, also der Trennung zwischen monetärem und realem Bereich der Volkswirtschaft, zum Ausdruck kommt. 6
Eine weitere zentrale Ansicht der Klassiker ist das Wirken des Sayschen Theorems wonach sich jedes Angebot selbst seine eigene Nachfrage schafft, da nur etwas angeboten wird um mit dem Erlös wieder Güter und Dienstleistungen nachzufragen. Dadurch tendiere eine Volkswirtschaft immer von allein in ein Gleichgewicht. 7
Da die klassische Zinstheorie aufgrund der starken Abstraktion von der Realität das Zustandekommen und die Funktionsweise von Zinsen nur unzureichend erklären konnte, bot sie den Vertretern der Neoklassik 8 ausreichend Anlass zur Weiterentwicklung. Die Vernachlässigung der Einkommenskomponente, der fehlende Zeitbezug des Zinses, oder die Nichtberücksichtigung der Erwartungen der Wirtschaftssubjekte sind nur einige der Schwachpunkte der klassischen Zinstheorie, welche durch Erweiterungen und neue Theorien verbessert werden sollten.
5 Vgl. Anderegg, R., Grundzüge, 2007, S. 96 f.
6 Vgl. Pigou, A.., Veil, 1949. Diese Theorie wurde später unter dem Namen Quantitätstheorie bekannt. Eine Erhöhung der Geldmenge schlägt sich nach strenger Auslegung lediglich in einer proportionalen Erhöhung des Preisniveaus nieder.
7 Vgl. Felderer, B., Homburg, S., Makroökonomik, 2005, S.83 ff.
8 Vgl. Jarchow, H.-J., Theorie, 1978, S. 186.
2
3 Die Zinstheorien der Neoklassik
Die Neoklassik ist die konsequente Weiterentwicklung der Klassik ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die wohl wichtigsten Neuerungen stellen hierbei wohl der Marginalismus 9 , die Betrachtung der Zeit und der individuellen Zukunftserwartungen zur Erklärung geldtheoretischer Phänomene dar, wie nachfolgend gezeigt wird.
3.1 Der Pionier - Eugen von Böhm-Bawerk
Eugen von Böhm-Bawerk (1851-1914) war ein österreichischer Ökonom und gilt als Pionier der österreichischen Kapitaltheorie. 10 Er begriff den Zins als zeitgebundenes Phänomen und sorgte so für eine bedeutende Erweiterung der klassischen Zinstheorie, auf die viele seiner Nachfolger aufbauten. Die Theorien vor von Böhm-Bawerk konnten die Existenz des Zinses als solche nicht erklären. Er war derjenige der erkannte, dass der zentrale Aspekt des Bestehens von Zinsen in deren intertemporalem Charakter liegt. 11
3.1.1 von Böhm-Bawerks Prämissen
Eugen von Böhm-Bawerks Zinstheorie befasste sich mit dem realen Sektor einer stationären Wirtschaft. 12 Es wurde angenommen, dass die Quantitätstheorie 13 bestand hat und somit Geld keine Effekte auf reale Größen haben könne. Die Gültigkeit des Sayschen Theorems 14 im realwirtschaftlichen Sinne wurde ebenso wenig angezweifelt. Von Böhm-Bawerk glaubte demnach daran, dass Güterangebot und -nachfrage die Volkswirtschaft von allein ins Gleichgewicht bringen, ohne die Einwirkung des Geldes als monetäre Größe. Das Saysche Theorem begründet des Weiteren die Prämisse der Vollbeschäftigung.
3.1.2 Geschichte und Kritik der Kapitalzinstheorien
Für von Böhm-Bawerk war der wirkliche Ursprung des Zinses, trotz zahlreicher Erklärungsversuche anderer Wissenschaftler, immer noch ungeklärt. Er erstellte mit dem ersten Band von „Kapital und Kapitalzins“ zuerst einen Abriss des Wissensstandes der
9 Vgl. Felderer, B., Homburg, S., Makroökonomik, 2005, S. 25. Hierunter versteht man die Betrachtung von Grenzwerten wie z.B. Grenznutzen oder Grenzkosten.
10 Vgl. Krause, W., Graupner, K.-H., Ökonomenlexikon, 1989, S. 55ff.
11 Vgl. von Böhm-Bawerk, E., Kapital - I, 1961, S. 450.
12 Vgl. Lutz, F. A., Zinstheorie, 1956, S. 9.
13 Vgl. Jarchow, H.-J., Theorie, 1978, S. 186 ff.
14 Vgl. Anderegg, R., Grundzüge, 2007, S. 156. Güter werden mit Gütern gekauft.
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Arbeit zitieren:
Christian Hackel, 2008, Zinstheorien - Spezielle Geldtheorie, München, GRIN Verlag GmbH
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