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Wer war Astrid Lindgren?
Ihr Ziel sei es, erklärte sie einst, „Kindern ein paar schöne Augenblicke zu bereiten“. 1 Und das hat sie auch geschafft. Es gibt wohl kaum eine glückliche Kindheit zu der Astrid Lindgren nicht dazugehört. Erwähnt man ihren Namen wird ein Lächeln in das Gesicht des Gegenübers gezaubert -fast jeder verbindet mit ihren Büchern schöne Erinnerungen. Es waren aber nicht nur die Bücher, die sie zu unserem Leben dazugehören lies, auch die Verfilmungen wie „Pippi Langstrumpf“, „Karlsson vom Dach“, „Michel aus Lönneberga“ und „Madita“ gehören zum Aufwachsen eines Kindes dazu. Doch wer war Astrid Lindgren? Sie selbst machte nie viel Aufheben um ihre Person. Sie lies sich zwar auf festlichen Anlässen ab und zu sehen, doch über die Privatperson wussten nur enge Freunde bescheid.
Am 14.11.1907 wird Astrid Anna Ericsson auf dem Hof Näs in der Nähe von Vimmerby, Småland/Schweden, geboren. Sie ist das zweite Kind von Samuel August Ericsson und seiner Frau Hanna. Ihre Geschwister, der ein Jahr ältere Gunnar und die 1911 geborene Schwester Stina, wachsen zusammen mit Astrid in einem sehr liebevollen Zuhause auf. Astrid beendet ihre Schullaufbahn 1923 mit dem Realschulabschluss und wird ein Jahr später bei einer Zeitung, der Wimmerby Tidning, angestellt um Korrektur zu lesen und kleine Reportagen über Feiertage und Einweihungen zu schreiben. 1926 zieht Astrid nach Stockholm und geht dort zur Sekretärinnenschule. Am 04.12.1926 bringt sie ihr erstes Kind, Sohn Lars, zur Welt. Sie kann sich aber nicht um ihn kümmern, da sie weiterhin zur Schule gehen muss, darum gibt sie Lars bis auf weiteres zu einer Pflegefamilie nach Kopenhagen, besucht ihn aber sooft sie kann.
1928 wird sie als Sekretärin beim Königlichen Automobilclub angestellt. 1930 wird die Pflegemutter von Lars krank und Astrid holt ihn zu sich nach Stockholm. Im gleichen Jahr heiratet sie ihren ehemaligen Bürovorsteher Sture Lindgren und sie ziehen zusammen in eine Zweizimmerwohnung in der Vulcanusgatan. Astrid wird Hausfrau und genießt ihre Mutterrolle.
1 Astrid Lindgren Homepage: Lebenslauf : www.astrid-lindgren.de
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In einem Interview Lars Lindgrens über seine Mutter:
„ Sie war keine dieser Mütter, die still auf einer Parkbank sitzen und ihren Kindern beim spielen zuschauen. Sie wollte selbst spielen, und ich habe den Verdacht, dass es ihr mindestens so viel Spaß machte wie mir.“ 2
Am 21.05.1934 wird ihre zweite Tochter Karin geboren. Durch sie soll später auch die Figur Pippi Langstrumpf entstehen, denn als Karin eines Wintertages mit Lungenentzündung im Bett liegt, bittet sie ihre Mutter eine Geschichte von Pippi Langstrumpf zu erzählen. Astrid beginnt die Geschichte von einem Mädchen mit roten Zöpfen und Sommersprossen, das zusammen mit einem Affen und einem Pferd in einem großen Haus wohnt.
1944 rutscht Astrid auf Glatteis aus und verstaucht sich den Fuß. Sie muss eine Woche im Bett liegen und beginnt die Geschichten von Pippi Langstrumpf aufzuschreiben. Sie möchte sie Karin zu ihrem zehnten Geburtstag schenken, schickt aber eine Kopie des Manuskripts an den Bonnier Verlag. Mit der Hoffnung, man werde davon absehen, das Jugendamt zu benachrichtigen fügt sie hinzu: „…sicherheitshalber sollte ich vielleicht darauf hinweisen, dass meine eigenen unglaublich wohlerzogenen, engelgleichen Kinder keinerlei Schaden durch Pippis Verhalten genommen haben. Sie haben verstanden, dass Pippi ein Einzelfall ist, der normalen Kindern kein Vorbild sein kann.“ 3
Das Jugendamt wird nicht benachrichtigt, das Manuskript kommt aber bald mit einem höflichen, jedoch ablehnenden Begleitbrief zurück. 1945 schreibt der Verlag Rabén & Sjögren einen Wettbewerb für Kinderbücher aus, Astrid Lindgren reicht eine überarbeitete Version von Pippi Langstrumpf ein und gewinnt den ersten Preis.
1947 Astrid Lindgren beginnt als Verlagslektorin bei Rabén & Sjögren zu arbeiten. In den Folgejahren erscheinen Bücher wie „Wir Kinder aus Bullerbü“, „Nils Karlsson-Däumling“, "Kati in Amerika", „Die Kinder aus der Krachmacherstraße“, „Mio, mein Mio“, „Karlsson vom Dach“, „Madita“, „Michel in der Suppenschüssel“und „Ferien auf Saltkrokan“.
1958 wird Astrid Lindgren die Hans-Christian-Andersen-Medaille verliehen, der bedeutendste Kinderbuchpreis der Welt.
2 Homepage Astrid Lindgren: Lebenslauf http://www.astrid-lindgren.de , (gesehen am 18/11/05)
3 Aus Astrid Lindgrens Brief an den Bonniers Verlag
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1970 geht Astrid Lindgren im Alter von 63 Jahren in Pension. 1973 erscheint das Buch „Die Brüder Löwenherz“, das wegen dem Todesthema ins Kreuzfeuer der Kritik gerät. Trotz aller Kritik werden Astrid Lindgren für ihr Buch „Die Brüder Löwenherz“ einige Preise verliehen, wie z.B. die Medaille des schwedischen Buchhandels, der Silberner Griffel (Niederlande), Premio Bancarelino (Italien), der Wilhelm-Hauff-Preis und der Internationale Janusz- Korczak- Preis.
1978 wird Astrid Lindgren mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels in der Paulskirche in Frankfurt am Main ausgezeichnet. In der Begründung der Jury heißt es, dass Astrid mit ihrem gesamten Werk beispielhaft ist "für alle, die mit ihren Büchern Kindern in aller Welt als unverlierbaren Schatz die Fantasie schenken und ihr Vertrauen zum Leben bestärken". 4
Astrid schreibt vor der Entgegennahme des Preises die Rede „Niemals Gewalt!“ die von Gewalt gegen Kinder und Gewalt auf der Welt handelt. Die Veranstalter bitten Astrid, diese Rede nicht zuhalten, doch als Lindgren damit droht dann gar nicht erst zu erscheinen, geben die sie nach.
1994 erhält Astrid Lindgren den Alternativen Nobelpreis „The Right Livelihood Honorary Award“ für ihren lebenslänglichen Einsatz für das Recht der Kinder und für die Natur. Im Jahre 1997 feiert sie ihren 90. Geburtstag und wird zur populärsten Schwedin des Jahres sowie zur beliebtesten Schwedin des Jahrhunderts gewählt. Sie lebt von nun an zurückgezogen in der Stockholmer Wohnung und nimmt kaum noch offizielle Termine wahr.
Am 28.01.2002 stirbt sie im Alter von 94 Jahren in ihrer Wohnung. Von der schwedischen Regierung wird ein jährlich ausgeschriebener Literaturpreis zum Andenken an Astrid Lindgren gestiftet. Der Astrid-Lindgren-Gedächtnis-Preis ist mit 540.000 Euro der höchstdotierte Preis für Kinder- und Jugendliteratur.
4 Bialek, M. ; Weyershausen, K. ; Das Astrid Lindgren Lexikon. Alles über die beliebteste Kinderbuchautorin der Welt. Berlin 2004 S.174
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Inhalt des Romans
Die Brüder Karl und Jonathan Löwe leben zusammen mit ihrer Mutter in dem Stadtteil Fackelrose einer nicht benannten Stadt in ärmlichen Verhältnissen. Der Vater kam von einer Seereise nicht mehr zurück und so muss die Mutter durch ihre Näharbeiten den Lebensunterhalt verdienen, weshalb sie keine Zeit hat, sich um den kranken Karl Löwe zu kümmern. Dies übernimmt nun Jonathan mit unglaublicher brüderlicher Liebe. Karl kann weder in die Schule gehen noch mit den Kindern auf der Straße spielen, sondern liegt tag ein tag aus auf seiner „alten Schlafbank“ 5 . Jonathan berichtet Krümel, wie er Karl liebevoll nennt, was er am Tage alles erlebt hat.
Als Krümel durch Zufall in einem Gespräch zwischen einer Mutter und einer ihrer Kundinnen hört, dass er bald sterben muss, erzählt Jonathan ihm wie wunderschön Nangijala ist, das Land indem man nach seinem Tode weiterlebt. Als er ihm versichert, dass er in Nangijala gesund wird und ein ganz normales Leben führen kann, sehnt er sich schon nach der Reise in dieses unbeschreiblich schöne und herrliche Land. Doch dieser Traum wird durch ein schreckliches Unglück zerstört: im Stadtteil Fackelrose bricht eine schreckliche Feuersbrunst aus und Jonathan wirft sich mit seinem kranken Bruder aus dem Fenster, um ihn zu retten. Krümel kommt unversehrt davon aber Jonathan bricht sich das Genick und stirbt. Zuvor jedoch tröstet Jonathan seinen Krümel noch mit seinen letzten Worten: „Weine nicht, Krümel, wir sehen uns in Nangijala wieder! “ 6 In der Städtischen Zeitung schreibt seine Lehrerin einen Brief an Jonathan indem sie ihn für seine Tapferkeit und seinen Mut ehrt und ihm den Namen „Löwenherz“ 7 , in Anspielung auf König Richard Löwenherz, verleiht. Aus diesem Heldenbild basiert die weitere Geschichte.
Krümel bekommt nach zwei Monaten besuch von Jonathan in Form einer „schneeweißen Taube“ 8 . Dieser lädt Krümel ein nach Nangijala zu kommen und teilt ihm die genaue Adresse -Die Brüder Löwenherz, Reiterhof, Kirschtal in Nangijalamit.
5 Astrid Lindgren: Die Brüder Löwenherz. Wien 1980, S.10
6 Ebd. 1980 S. 15
7 Ebd. 1980 S.14
8 Ebd. 1980 S.17
6
Plötzlich steht er „einfach vor der Gartenpforte und las auf dem grünen Schild: Die Brüder Löwenherz“ 9 .
Man kann nicht sicher beurteilen ob Krümel in „Wirklichkeit“ in das Land Nangijala kommt oder ob er sich so stark an den Gedanken klammert, dass es zu einer Art Tagtraum wird. Es hängt mit Sicherheit auch stark von dem Leser ab, denn Kinder lesen Bücher anders als Erwachsene. Astrid Lindgren selber ist der Meinung, dass der Erwachsene die Erzählung nur als Traum und Flucht verstehen kann, während das Kind an das Gute glaubt. „Wenn ich Löwenherz lese, dann als Kind“, verrät sie in einem Interview,
„dann glaube ich von jedem Wort, das da steht, dass es sich genauso zugetragen hat. Aber als Erwachsener weiß ich ja im Grunde, wie es wirklich ist; wenn Krümel allein gelassen wird […], dann lebt er weiter, weil er die Geschichten hat, die ihm der Bruder erzählt hatte. Er phantasiert weiter, wie es wird, wenn er nach Nangijala kommt. Also eigentlich handelt das Nangijala- Abendteuer davon, was Krümel sich ausdenkt. Wenn er wirklich stirbt, stirbt er auf der letzten Seite des Buches und nicht irgendwann anders.“ 10
Krümel und Jonathan sind überglücklich wieder beisammen zu sein. Sie genießen die nächsten Tage in vollen Zügen und besonders Krümel geht es sehr gut, da er plötzlich all das machen kann, was er zuvor nie konnte. Er ist gesund und hustet nicht mehr, freut sich daran die anderen Bewohner des Kirschtals kennen zu lernen und kann schwimmen und auf seinem Pferd Fjalar reiten, obwohl er es nie gelernt hatte.
Doch nach einigen glücklichen und unbeschwerten Tagen beginnt für die Brüder Löwenherz, wie sie in Nangijala genannt werden, eine Zeit voller Abenteuer und Gefahren. Im Kirschtal, in dem die Brüder und die anderen Bürger friedlich leben, ist noch alles in bester Ordnung, im Heckenrosental, dem Nachbartal, herrscht allerdings das Böse in Form von Tengil, und versetzt die Bewohner in Angst und Schrecken. Der Tyrann Tengil, der im Felsenland Karmanjaka lebt, regiert mit brutaler Gewalt das Heckenrosental und ist mit seinen bewaffneten Soldaten überall präsent; seine gefährlichste Waffe ist das Drachenweibchen Katla, welches aus der Urzeit stammt und ihm gehorcht weil es Angst vor Tengils Kriegslure hat. Wer von dem Feuer Katlas getroffen wird ist entweder tot oder gelähmt. Außerdem hat Tengil einen
9 Ebd. 1980 S.20
10 Nach Edström, Vivi: Astrid Lindgren. Im Land der Märchen und Abendteuer. Hamburg 1997, S.281
Arbeit zitieren:
Kathy Paira, 2006, Astrid Lindgren: Ihr Leben und ihr Werk "Die Brüder Löwenherz", München, GRIN Verlag GmbH
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