Gefangene, die die Möglichkeit haben sich mit Kunst auseinanderzusetzen, erwerben neue Erfahrungen, sie öffnen ihre Sinne und bringen in der Kunst wie vielleicht auch im Werkstattgespräch ihr Inneres nach außen. Die Kunst macht es möglich, Gefühle und Gedanken auszudrücken, ohne als schwach zu gelten. Das was sonst im harten und rauen Gefängnisalltag nicht möglich. Man muss stark sein, um zu überleben. Diese Neuorientierung könnte durchaus auch eine allgemeine Veränderung ihrer Lebenssituation begünstigen.
Die Möglichkeiten, an verschiedenen Projekten teilzunehmen, sei es Schreiben, Musik, Bildhauerei oder Malerei- es liefert einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung der oft noch jungen Straftäter. Die Kunst im Knast oder aus dem Knast dokumentiert oft die Haftbedingungen, die psychische und physische Verfassung der Künstler und deren Hoffnungen, Ängste und Träume. Selbsthilfe und Überlebenshilfe sind zwei Aspekte künstlerischer Betätigung, besonders im Gefängnis. Dies haben viele Dichter wie zum Beispiel Fritz Reuter, Theodor Fontane und Oscar Wilde erlebt und geschildert. Solche veröffentlichte Gefängnisliteratur hat auch schon dazu beigetragen, die Bevölkerung über die Zustände in Haft zu informieren, was nicht selten auch zu einer Verbesserung der Haftbedingungen führte.
Das Sicherheit- und Ordnungsproblem
Bis Ende der sechziger Jahre war Kunst in Strafanstalten nur selten gestattet. Es wurden lediglich besonders angepassten oder künstlerisch talentierten Insassen eine kreative Beschäftigung zugestanden. So gibt es schon sehr lange Chöre, Orchester oder auch Maler im Strafvollzug. Doch die Unterdrückung der Kreativität war meist teil des Strafübels. Der Inhaftierte sollte bestraft und nicht „bespaßt“ werden. Oft wurde dieses Verbot auch auf Sicherheits- und Ordnungsgründe gestützt. In jedem kleinsten Werkzeug wurde ein Gefahrenpotential gesehen. Vor dem Strafvollzugsgesetz, das erst 1977 in Kraft trat, wurde der Strafvollzug durch eine bundeseinheitliche Verwaltungsvorschrift geregelt. Diese ermöglichte es, alles zu verbieten, was die ordnungsgemäße Durchführung des Strafvollzugs gefährden könnte.
Aber auch heute sind es die vielen, natürlich auch notwendigen Sicherheitsvorschriften, die die künstlerische Arbeit erschweren. Mit den Materialien und Werkzeugen kann meist nur gemeinsam mit anderen in einem Gruppenraum gearbeitet werden. Zum Einen, da
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Gegenstände nur mit besonderer Erlaubnis mit auf die Zellen genommen werden dürfen, aber auch, weil die Zellen einfach oft zu klein sind, um dort künstlerisch tätig zu werden. Doch nicht darin liegt die Schwierigkeit, sondern in der daraus folgenden zeitlichen Beschränktheit. Es ist beispielsweise schwierig, an einem Ölbild nur mittwochs von 16.00 bis 18.00 Uhr arbeiten zu können. Jeder Künstler wird bestätigen können, dass es Phasen gibt, in denen die Kreativität regelrecht aus einem heraussprudelt und wiederum Zeiten, an denen jeder Pinselstrich eine Qual darstellt. Diese kreativen Phasen nun auf eine bestimmte Zeit zu legen, ist problematisch.
Besucht man das Atelier eines Künstlers, stellt man in den meisten Fällen fest, dass ein mittelgroßes Chaos herrscht. Kunst und Chaos liegen oft nah beieinander. Es scheint schwer, kreativ zu arbeiten, ohne das begleitende Chaos ausbrechen zu lassen. Ordnung und Sauberkeit ist aber traditionell die erste Gefangenenpflicht und steht damit in einem Konflikt mit der Kunst.
Das sind nur einige der Schwierigkeiten, doch auch die Frage nach den Sicherheitsvorschriften stellt sich recht schnell.
Viele der Kunstprojekte finden im „Freien“, - dem Gefängnishof, statt. Doch ein Häftling hat nur anrecht auf eine bestimmte Zeit unter freiem Himmel. Ist hier ein Vorteil gegenüber anderen Häftlingen? Oder vielleicht auch ein Sicherheitsrisiko, da Fluchtgefahr bestehen könnte? Dies sind Fragen, die sich die Strafanstalt stellen muss. Es wird sicher jede Anstalt etwas andere Lösungen für diese Probleme finden. Einige Sicherheitsvorschriften aus der JVA Pforzheim werde ich an späterer Stelle noch aufzeigen.
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Beispiele anderer Kunstprojekte in deutschen Strafanstalten
JVA Halle (Saale)
Im Frühjahr 2000 begann ein Malprojekt im Frauengefängnis in der JVA Halle, das von einigen Künstler und Kunstpädagogen der Kunsthochschule Halle unterstützt wurde. Von den insgesamt 50 Insassinnen waren 10 Frauen an dem Angebot interessiert. Das Ziel war es, die Wände in den Zellengängen zu bemalen. Doch bevor es soweit war, musste noch viel geübt werden. So betrachtete und sprach die Gruppe zunächst über Kunstwerke bekannter Künstler. In der nächsten Phase begannen die Frauen, verschiedenste Zeichnungen anzufertigen. Sie bekamen die Möglichkeit, intensiv zu üben und jeder Teilnehmer wurde mit ausreichend Materialien ausgestattet, sodass sie sogar in ihren Zellen zeichnen und später auch malen konnten.
Die Künstler und Kunstpädagogen halfen den Frauen in technischen Fragen oder gaben Hilfestellung bei der Übertragung von kleinen Bildern auf großformatige Leinwände. In der Gruppe entwickelte sich eine große Eigendynamik und alle Frauen waren mit vollem Einsatz dabei. Das Ergebnis zeigte sich an den bemalten Wänden der Zellengänge und zusätzlichen 20 großformatigen Bildern, die in einer „Zellen-Gang-Galerie“ ausgestellt wurden.
Im September 2000 wurde dann in der Männerstrafanstalt Halle ein Malzirkel von einem Gefangenen ins Leben gerufen, der während seiner Gefangenschaft zur Malerei gekommen war. Dieser Malzirkel bestand aus diesem „Lehrer“ und vier weiteren Gefangenen die sich pro Woche 12 Stunden in einem speziell eingerichteten Atelier trafen. Kunstpädagogen der Kunsthochschule Halle unterstützten die Gefangenen bei ihren Arbeiten. Die Gruppe war so erfolgreich, dass im Januar 2001 eine Ausstellung außerhalb der Gefängnismauern stattfand, bei deren Eröffnung auch die Gefangenen anwesend sein durften. Der Mitteldeutsche Rundfunk war vor Ort und berichtete von diesen Männern- das öffentliche Interesse war groß.
Heute ist in der JVA ein festes Atelier mit Staffeleien eingerichtet und die Gefangenen haben die Möglichkeit, regelmäßig künstlerisch zu arbeiten. 1
1 Vögele, Wolfgang (Hrsg.): Kunst in den Knast- Kunst aus dem Knast, Rehburg- Loccum, 2001 S. 52
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JVA Ottweiler
2 Homepage JVA Ottweiler, 03. 10.2007: http://www.jva-otw.saarland.de/10711_10927.htm
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JVA Waldeck
In dieser Justizvollzugsanstalt wird das Projekt „Holzgestaltung“ seit Juli 2000 als Freizeitmaßnahme angeboten. Hier bekommen die Insassen die Möglichkeit, unter fachmännischer Anleitung mit Holz bildhauerisch zu arbeiten. Als Ziele werden hier die folgenden psycho-sozialen Aspekte genannt:
• Durchführung einer kontinuierlichen Arbeit unter fachmännischer Anleitung
• Effektive Freizeitgestaltung
• Vermittlung von handwerklichen Fähigkeiten
• Gemeinsames schöpferisches, gestalterisches Arbeiten mit einem sichtbaren Erfolg
• Entwicklung der Frustrationstoleranz und Kritikfähigkeit
• Erhöhung des Selbstwertgefühls
• Steigerung des Durchhaltevermögens
Es ist geplant, eine solche Arbeitsgruppe auch außerhalb der JVA für ehemalige Insassen zu etablieren, um auch ihnen die Möglichkeit zu geben, weiterhin einer sinnvollen Beschäftigung in ihrer Freizeit nachzugehen. 3
Gruppe „eigen-ART“ der JVA Geldern
Die Gruppe „eigen-ART“ der JVA Geldern besteht aus maximal 15 Gefangenen, die sich mit Literatur, Musik, bildender und darstellender Kunst sowie Kunsthandwerk beschäftigen. Sie wurde im April 1996 mit einigen Mitgliedern der damaligen Literaturgruppe gegründet.
Auch in dieser Gruppe soll die Kreativität der Gefangenen gefördert werden und den Gefangenen, die eigenständig kreativ arbeiten wollen und können, eine Möglichkeit der Auseinandersetzung und des Austauschs miteinander bieten. Grundidee dieser Gruppe ist die „eigen-ART-oleranz“, das heißt die Verbindung von eigener und gemeinsamer kreativer Arbeit im respektvollen Umgang miteinander.
Ziel der Gruppe ist die Koordination kreativer (Einzel-) Arbeit. Durch die Erarbeitung und Ausgestaltung gemeinsamer Themen, Projekte und Veranstaltungen - ″drinnen″ wie ″draußen″ - können und sollen die einzelnen Mitglieder und Bereiche - ART-übergreifend-miteinander kommunizieren, diskutieren, sich austauschen, ergänzen und inspirieren. Jedes Mitglied kann in jedem Bereich mitarbeiten und ist für die Einhaltung der Grundidee mitverantwortlich. Die Gruppenmitglieder können sich täglich in ihrer Freizeit im
3 Homepage der JVA Waldeck, am 01.10.2007: www.JVA-Waldeck.de
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Arbeit zitieren:
Kathy Paira, 2008, Das Mauerprojekt: Kunst in Bau, München, GRIN Verlag GmbH
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