1. Einleitung
In der folgenden Arbeit wird ein selbst ausgewählter, noch nicht übersetzter italienischer Text anhand von Übersetzungstheorien analysiert und die im Anschluss selbst verfasste Übersetzung kommentiert. Hierbei ist vor allem die Übersetzungsstrategie wichtig. Als Grundlage für die Übersetzung dient ein fiktiver Übersetzungsauftrag.
Die Auswahl des Textes ist auf einen Artikel aus der italienischen Tageszeitung La Stampa gefallen. Es handelt sich um das Thema der „eheähnlichen Gemeinschaft“. Der Artikel birgt viele Übersetzungsprobleme, unter anderem Metaphern und Wortspiele, die bei der Übersetzung besonders berücksichtigt werden müssen. Eine wörtliche Übersetzung kann für den Zieltext oft nicht einfach übernommen werden. Somit bietet dieser Text eine gute Diskussionsgrundlage und eignet sich gut zu einer Analyse des Ausgangs-, und Zieltextes.
Bei der Analyse und Übersetzung ist es wichtig, eine bestimmte Methodik zu verfolgen. Hier sollen mir vor allem die theoretischen Grundlagen, Methoden und didaktischen Anwendungen einer übersetzungsrelevanten Textanalyse in Bezug auf textexterne- und interne Faktoren von Christiane Nord dienen, die in ihrem Werk Textanalyse und Übersetzen 1 nachzulesen sind.
1 Nord, C. ( 3 1995): Textanalyse und Übersetzen: theoretische Grundlagen, Methoden und didaktische Anwendungen einer übersetzungsrelevanten Textanalyse. Heidelberg: Groos
2
2. Ausgangstext im Original
Quelle: Ceronetti, Guido (2006): Coppie di fatto e fatti di coppia. Online:
http://www.lastampa.it/redazione/default.asp [Stand 18.12.2006]
3
3. Übersetzungsrelevante Analyse des Ausgangstextes
Der Übersetzungsprozess beginnt zunächst mit der Durchführung einer Textanalyse des Ausgangstextes. Er wird in Bezug auf die in ihm enthaltenen sprachlichen und funktionalen Merkmale sowie mögliche Übersetzungsprobleme untersucht. Danach folgt die Interpretation des Übersetzungsauftrages (Ausgangskultur versus Zielkultur) durch den Übersetzer. Schließlich werden die relevanten Ausgangstext-Elemente gemäß ihrer Funktion in der Zielkultur in die Zielsprache transferiert und ein Zieltext produziert, der den Vorgaben der Zielkultur entspricht und damit funktionsgerecht ist. Bei der Textanalyse werde ich mich vor allem auf die theoretischen Grundlagen, Methoden und didaktischen Anwendungen einer übersetzungsrelevanten Textanalyse bezüglich textexternen- und internen Faktoren von Christiane Nord stützen.
3.1 Allgemeines zu den Faktoren der Ausgangstextanalyse
Bei einem Text ist die kommunikative Funktion entscheidend. Der kommunikativen Funktion des Ausgangstextes bzw. den Faktoren der kommunikativen Situation, in der er diese Funktion erfüllt, kommt damit auch für die Textanalyse eine entscheidende Bedeutung zu. Christiane Nord bezeichnet diese Faktoren als textexterne und textinterne Faktoren. Bei der Textanalyse ist eine Bearbeitung „von außen nach innen“ empfehlenswert. Sie beginnt also mit den textexternen Faktoren.
3.2 Textexterne Faktoren
3.2.1 Textproduzent versus Sender
Im vorliegenden Text ist Guido Ceronetti gleichzeitig Sender und Verfasser/Textproduzent 2 . Es handelt sich bei dem Text um einen Zeitungsartikel, bei dem der Name des Verfassers gleich am Anfang genannt wird. Ceronetti will mit dem Text etwas erreichen, etwas mitteilen. Die äußere Gestaltung des Textes obliegt einer anderen Person, bzw. dem Herausgeber der Zeitung.
2 vgl. Nord, C. ( 3 1995): 48-49
4
3.2.2 Senderintention
Mit der Senderintention ist gemeint, was der Sender mit dem Text beim Empfänger erreichen will. Ceronetti will die Leser, also Empfänger auf das Thema in seinem Artikel aufmerksam machen und informieren (Darstellungsintention). Er tut dies mit sprachlichen Stilmitteln, wie Vergleichen und Metaphern, die daraufhin deuten, dass er auch die Absicht hat an den Empfänger zu appellieren, um in ihm eine bestimmte Reaktion auszulösen (Apellintention). 3 Zudem will Ceronetti viele Menschen mit seinem Text erreichen, da die italienische Zeitung La Stampa in einer großen Auflage erscheint.
3.2.3 Empfänger
Der Rezipient des Ausgangstextes ist der Käufer der La Stampa, einer überregionalen, nicht parteigebundenen Tageszeitung, die in Turin erscheint. Der Leser ist vor allem politikinteressiert. Über den Empfänger lässt sich also sagen, dass er in jedem Fall am kulturellen und politischen Geschehen in seinem Lande interessiert ist.
Bei der späteren Übersetzung ist es wichtig den Empfänger des Zieltextes zu definieren, denn dieser kann sich, je nach Übersetzungsauftrag, von dem Empfänger des Ausgangstextes unterscheiden.(siehe Kapitel 4)
3.2.4 Medium/Kanal
Das hier verwendete Medium ist die Zeitung. Der Text steht in einer schriftlichen Kommunikationssituation. Dies wirkt sich vor allem auf die Präsentation bzw. Konstitution des Textes aus, d.h. die Darstellung des Inhalts und die sprachliche Gestaltung des Textes. 4
Die italienische Zeitung La Stampa erscheint in einer großen Auflage, worauf sich Rückschlüsse auf die Intention des Senders ziehen lassen. (siehe 3.2.2)
3.2.5 Ort
Die Ortspragmatik bezieht sich vor allem auf die Umgebung von Sender und Textproduzent. 5 Dieser befindet sich in Italien, beziehungsweise Turin, dem
3 vgl. Nord, C. ( 3 1995): 54-56
4 vgl. Nord, C. ( 3 1995): 64
5 vgl. Nord, C. ( 3 1995): 69
5
Wohnort des Senders und Textproduzenten und dem Sitz der Redaktion. Die Region ist hier allerdings nicht ausschlaggebend, da der Artikel ein Thema behandelt das ganz Italien betrifft und nicht nur bestimmte Regionen.
3.2.6 Zeit
Der Zeitpunkt der Textproduktion ist ein wichtiges Zeichen für den historischen Sprachzustand, den der Text präsentiert. 6 Die Sprache ist einem ständigen Wandel unterworfen. Der Text ist am 18. Dezember 2006 erschienen. Grundsätzlich sagt dies noch nichts über das Entstehungsdatum aus. Die Aktualität ist jedoch für die Aussage des Textes sehr wichtig, d.h. er muss kurz zuvor verfasst worden sein und demnach wurde die Gegenwartssprache verwendet.
3.2.7 Kommunikationsanlass
Mit Kommunikationsanlass ist der Grund, bzw. Anlass gemeint, aus dem der Text geschrieben oder gesendet wurde. 7 Anlass ist die Diskussion über Zusammenleben eheähnlicher Gemeinschaften in Italien. Ceronetti möchte auf dieses Thema aufmerksam machen und den Empfänger informieren.(siehe 3.2.2)
3.2.8 Textfunktion
Hierunter ist der kommunikative Zweck eines Textes in einer konkreten Kommunikationssituation zu verstehen, also wie die bereits oben genannten textexternen Faktoren miteinander funktionieren. 8
Der Text ist auf Grund des miteinander Harmonierens der externen Faktoren gut verständlich. Die Funktion kommt klar und deutlich beim Leser an und deckt sich mit der Intention des Senders.
Je nach Übersetzungsauftrag, kann sich die Funktion des Zieltextes mit dem des Ausgangstextes decken oder nicht.
3.2.9 Interdependenz
Die textexternen Faktoren hängen teilweise voneinander ab oder sind miteinander verknüpft. 9
6 vgl. Nord, C. ( 3 1995): 72
7 vgl. Nord, C. ( 3 1995): 76
8 vgl. Nord, C. ( 3 1995): 79
9 vgl. Nord, C. ( 3 1995): 85
6
So sind Sender und Empfänger voneinander abhängig, genauso wie die Zeit mit beiden Faktoren verknüpft ist. Empfänger und Ort sind ebenfalls voneinander abhängig. Aus dem Kommunikationsanlass ergibt sich die Intention des Autors.(siehe 3.2.7)
3.3 Textinterne Faktoren
3.3.1 Thematik
Oftmals klärt schon der Titel die Frage nach der Thematik eines Textes. 10 Dies trifft auf den vorliegenden Text zu, der auf dem Titelblatt der La Stampa erschienen ist. Ceronetti schreibt in seinem Artikel über die aktuellen Diskussionen bezüglich der eheähnliche Gemeinschaft (coppie di fatto) in Italien.
3.3.2 Textinhalt
Im vorliegenden Beispiel ist die Frage nach dem Textinhalt unproblematisch. Es geht um das Thema der eheähnlichen Gemeinschaft, welches in Italien zu mehreren Diskussionen geführt hat. Der Inhalt des Textes ist faktisch . 11
3.3.3 Präsuppositionen
Präsuppositionen sind die Voraussetzungen des Senders in Bezug auf den Horizont des Empfängers, bzw. Informationen, die der Sender beim Empfänger als bekannt voraussetzt. 12 Ceronetti setzt bei seinen Lesern voraus, dass sie bereits über das Thema der eheähnlichen Gemeinschaft informiert sind und über ein gutes Allgemeinwissen verfügen, da er Vergleiche mit Figuren aus der Literatur und Geschichte zieht. Folglich ist der Text für einen normal gebildeten Leser der La Stampa gut verständlich.
3.3.4 Textaufbau
Der Text ist in drei Abschnitte gegliedert und besteht größtenteils aus komplexen, verschachtelten Sätzen, die in Haupt- und Nebensätze, Parenthesen unterteilt sind. Über dem Titel steht der Name des Autors Guido Ceronetti. Dies lässt darauf schließen, dass er der Verfasser und Sender dieses Artikels ist (siehe 3.2.1). Direkt
10 vgl. Nord, C. ( 3 1995): 98
11 vgl. Nord, C. ( 3 1995): 107
12 vgl. Nord, C. ( 3 1995): 110
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Quote paper:
Dipl.-Übersetzerin Andrea Koschützke, 2007, Kommentierte Übersetzung des Zeitungsartikels: Coppie di fatto e fatti di coppia, Munich, GRIN Publishing GmbH
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