Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Begriffsabgrenzung 3
3. Symptome 6
4. Ursachen 8
4.1 akustische und sprachliche Informationsverarbeitung 8
4.2 visuelle Informationsverarbeitung 10
4.3 Vererbung 11
5. Diagnose 12
5.1 Diagnose der Leseschwäche 14
5.2 Diagnose der Rechtschreibschwäche 15
6. Therapie 17
7. Fazit 21
8. Literaturverzeichnis 22
9. Anhang 23
1
1. Einleitung
„Halo Mamihalo Vati ich bien bei Marco ich habschon geessen und wahr mit dem HOnt drausen wier sint bie der hüte ich kome umsibn surück! Andreas.“
Eltern, die eine solche Nachricht von ihrem vielleicht 12-jährigen Kind erhalten, werden sich fragen, was mit ihrem Sohn oder ihrer Tochter nicht in Ordnung ist. Vielleicht suchen sie Rat bei Lehrern, Psychologen, Kinderärzten oder auch mithilfe des Internets.
Da sich Lese-Rechtschreibprobleme auf jedes weitere Schulfach, die gesamte Schulausbildung und das zukünftige soziale, kulturelle und berufliche Leben des Kindes auswirken 1 , empfiehlt sich eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema, gerade für (angehende) Lehrer und Lehrerinnen 2 einer jeden Schulart.
Zusätzlich lassen Schlagzeilen wie zum Beispiel „Forscher entdecken Schlüsselgen [sic] für Legasthenie“ 3 oder „Leseschwäche durch Informationsüberfluss“ 4 verschiedene Fragen um das Thema „Probleme im Lesen und Rechtschreiben“ aufkommen:
Handelt es sich bei einer Schwäche im Lesen und Rechtschreiben immer um die Krankheit Legasthenie? Welche genauen Ursachen und Symptome liegen zugrunde? Ist eine Lese-Rechtschreibschwäche heilbar?
In der Auseinandersetzung mit dieser Thematik wird man schnell auf zahlreiche Definitionen, Erklärungsansätze, Meinungen und Therapiemöglichkeiten bezüglich des Themas stoßen. 5 Das Spektrum reicht von der Meinung, Legasthenie sei eine unheilbare Krankheit bis hin zum Standpunkt, es sei eine Erfindung von Wissenschaftlern, um Dummheit oder Faulheit zu rechtfertigen. 6
In Anbetracht dessen werde ich im Verlauf der Abhandlung zuerst eine begriffliche Klärung von LRS, bzw. Legasthenie vornehmen und die Krankheit in ihrer Symptomatik beschreiben. Da eine umfassende Diagnose ausschlaggebend und grundlegend für die Behandlung ist, soll im Anschluss geklärt werden, welche Möglichkeiten es zur Erfassung und Abgrenzung der Krankheit gibt. Unter dem letzten Punkt sollen dann aktuelle Therapieansätze vorgestellt werden.
Ziel der wissenschaftlichen Hausarbeit ist eine umfassende, grundlagenorientierte Auseinandersetzung mit dem Thema „Lese-Rechtschreibschwäche“.
1 Vgl. www.lrs.de, gesehen am 25.09.2005.
2 Im weiteren Verlauf werde ich nur noch Lehrer schreiben, worunter Lehrerinnen impliziert sind.
3 www.wissenschaft.de/wissen/news/249512.html, gesehen am 22.09.2005.
4 www.wissenschaft.de/wissen/news/253503.html, gesehen am 10.10.2005.
5 Vgl. www.promete-jugend.at/xedaq/src/uploads/docs/222.pdf, gesehen am 03.10.05.
6 Vgl. www.legasthenie-therapie-muenchen.de/d_art-html, gesehen am 22.09.2005.
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2. Begriffsabgrenzung
LRS steht als Abkürzung für Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten, Lese-Rechtschreib-Schwäche oder auch Lese-Rechtschreib-Störungen. In der deutschen Literatur tritt zudem häufig der Begriff „Legasthenie“ auf. Teils wird er synonym zu LRS, teils auch in Abgrenzung dazu gebraucht. 7
Gerade angesichts der verschiedenen, teils widersprüchlichen Definitionen von LRS, bzw. Legasthenie, welche unterschiedliche Zahlen der Betroffenen zur Folge haben, möchte ich nun näher auf die geschichtliche Entwicklung und das Verständnis der Begriffe eingehen.
Schon vor mehr als 100 Jahren beobachtete man Kinder, die zwar bildliche Darstellungen ohne weiteres beim Namen benennen konnten, jedoch das Lesen und Rechtschreiben nicht, oder nur sehr schwer erlernten. Daher sprach man erstmals von „Wortblindheit“. 8 Im Jahr 1916 führte der Heidelberger Arzt Paul RANSCHBURG, erstmals den Begriff „Legasthenie“, als griechisches Synonym für Leseschwäche sein. „Er bezeichnete damit eine hochgradige Rückständigkeit in der geistlichen Entwicklung eines Kindes, die sich darin äußert, im Alter von 6-8 Jahren und darüber hinaus nicht mit genügender Geläufigkeit mechanisch lesen zu können, um das Gelesene inhaltlich zu verstehen.“ 9 Deutlich wird hier die Verbindung der Symptome der Leseauffälligkeiten mit der geistlichen Entwicklung des Kindes.
In Opposition zu dieser Aussage steht die spätere Definition der Züricher Psychologin Maria LINDER (1951). Sie geht von der Diskrepanz zwischen Intelligenz und Lese-Rechtschreibleistungen aus und definiert wörtlich: „Unter Legasthenie verstehen wir eine spezielle, aus dem Rahmen der übrigen Leistungen fallende Schwäche im Erlernen des Lesens (und indirekt auch des selbstständigen orthographischen Schreibens) bei sonst intakter oder (im Verhältnis zu Lesefertigkeit) relativ guter Intelligenz.“ 10 Da es sich laut wikipedia.de sogar bei George W. Bush, Agatha Christie, Tom Cruise, Walt Disney, Albert Einstein und Jürgen Fliege um Legastheniker handelt 11 , scheint die von der WHO in den Krankheitskatalog (ICD-10) aufgenommene Krankheit 12 , doch unabhängig vom IQ der Betroffenen zu sein.
7 Riezinger, Beate (1998): Legasthenieprävention. Fördermaßnahmen im Schuleingangsbereich. Frankfurt
am Main, u. a.: Lang. S. 51.
8 Vgl. www.lrs-online.de/Infos/Wasist/wasist.html, gesehen am 20.09.05.
9 Beckenbach, Wolfgang (2000):Lese- und Rechtschreibschwäche, Diagnostizieren und Behandeln.
Lengerich: Pabst Science Publishers. S. 121.
10 Riezinger (1998): Legasthenieprävention. S.51.
11 Vgl. www.wikipedia.org/wiki/Legasthenie, gesehen am 22.09.05.
12 Warnke, Andreas, u. a. (2002): Legasthenie. Ein Leitfaden für die Praxis. Göttingen: Hogrefe-Verlag. S.14.
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Die gerade genannte Definition wurde von SCHENK-DANZIGER, einer
Legasthenieforscherin aus Österreich hinsichtlich des Einflusses des Milieus und des Unterrichts erweitert. Unter Legasthenie versteht sie eine Schwäche beim Erlernen des Lesens und Rechtschreibens bei nicht milieugeschädigten Kindern trotz normaler bis guter Intelligenz und entsprechendem Unterricht. 13
Problematisch bei den genannten Definitionen ist die genaue Feststellung von den Faktoren „Intelligenz“, „entsprechendem Unterricht“ oder „Milieu“, welche in der Praxis kaum eindeutig erfasst werden können.
Die von diesen Faktoren unabhängige Definition des wissenschaftlichen Beirates des Bundesverbandes Legasthenie e.V., die auch der Definition durch die World Heath Organisation (1986) entspricht, lautet wie folgt:
Die Legasthenie (Lese-Rechtschreibschwäche) bezeichnet eine umschriebene
Störung im Erlernen der Schriftsprache, die nicht durch eine allgemeine Beeinträchtigung der geistlichen Entwicklungs-, Milieu-, oder
Unterrichtsbedingungen erklärt werden kann. Vielmehr ist die Legasthenie das Ergebnis von Teilleistungsschwächen der Wahrnehmung, Motorik und/oder der sensorischen Integration, bei denen es sich um anlagebedingte und/oder durch äußere Einwirkungen entstandene Entwicklungsstörungen von
14 Teilfunktionen des zentralen Nervensystems handelt.
Zwar gehen die Definitionen von „Teilleistungsschwächen“ oder auch
„Teilleistungsstörungen“ in der Literatur auseinander, jedoch meinen sie im Grunde dasselbe: Eine komplexe Leistung wie zum Beispiel Lesen oder Schreiben setzt sich aus einzelnen Teilleistungen (siehe Definition) zusammen.
Um vorab aufzuzeigen, dass es sich nicht immer gleich um die Krankheit Legasthenie, bzw. um eine umschriebene Lese-Rechtschreibschwäche handelt, soll folgende Darstellung zeigen, wie Schwächen oder Versagen im Lesen und Rechtschreiben alternativ erklärt werden können. Die einzelnen Achsen zeigen die unterschiedlichen Erklärungsansätze, welche Problemen im Lesen und Rechtschreiben zugrunde liegen können: 15
13 Vgl. Schenk-Danziger, Lotte (1975): Legasthenie. Zerebral-funktionelle Interpretation, Diagnose und
Therapie. München: Rheinhardt. 2. Auflage. S.11.
14 www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_Schule/s_882.html, gesehen am 22.08.05.
15 Warnke (2002): Legasthenie. S. 18.
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Die umschriebene Lese -Rechtschreibschwäche stellt eine Möglichkeit dar, vorhandene Symptome zu erklären. Schwierigkeiten im Bereich Lesen und richtig Schreiben, können jedoch auch differentialdiagnostisch von der Legasthenie abgegrenzt werden und wie in den Achsen I, III, IV und V dargestellt, unterschiedliche Ursachen innehaben. Achse I zeigt zum Beispiel die Möglichkeit von Lese- und Rechtschreibproblemen, die im Rahmen einer Angsterkrankung oder einer Schizophrenie vorübergehend eintreten, Achse III beschreibt eine geistige Behinderung als Ursache, Achse IV impliziert körperliche oder neurotische Erkrankungen oder Behinderungen. Diese können unter anderem Epilepsie, Blindheit oder Hörstörung sein. Die letzte Achse (V) geht auf abnorme psychosoziale Unstände ein, womit zum Beispiel auch unzureichende Beschulung, bzw. schlechter Unterricht gemeint sein kann. 16
Von der genannten aktuellen und umfassenden Definition der WHO ausgehend, werden die folgenden Punkte behandelt. Dabei werden die Bezeichnungen LRS, isolierte Lese-Rechtschreibschwäche und Legasthenie aufgrund stilistischer Möglichkeiten synonym verwendet.
16 Vgl. Warnke (2002): Legasthenie. S. 18.
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Arbeit zitieren:
Juliane Schäfer, 2006, Leserechtschreibschwäche, München, GRIN Verlag GmbH
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