Inhaltsübersicht
Einleitung 1
1. Geschichte und Kriegswesen der Kontrahenten
1.1 Geschichte und Kriegswesen des Byzantinischen Reiches 2
1.2 Geschichte und Kriegswesen des Osmanischen Reiches 4
2. Fallbeispiel: Die Schlacht um Konstantinopel
2.1 Ursachen und Anlass 7
2.2 Schlachtverlauf in drei Phasen
2.2.1 Die erste Phase (2. bis 20. April 1453) 9
2.2.2 Die zweite Phase (21. April bis 25. Mai 1453) 11
2.2.3 Die dritte Phase (26. bis 29. Mai 1453) 13
3. Auswirkungen
3.1 Auswirkungen auf den Okzident 15
3.2 Auswirkungen auf den Orient 18
Res ümee 20
Literaturverzeichnis 22
1. Einleitung
Die Hausarbeit behandelt die Expansion des Osmanischen Reiches, wobei sie besondere Aufmerksamkeit auf das Fallbeispiel der Eroberung Konstantinopels im Jahre 1453 unter Sultan Mehmet II. legt. Die Hausarbeit will anhand der Primärquellen den tatsächlichen Verlauf der Eroberung nachvollziehen und in den Gesamtkontext der osmanischen Expansion und vor allem der militärischen, aber auch der kulturellen und gesellschaftlichen Folgen eingliedern. Der Fall Konstantinopels an die Osmanen und der damit ver-bundene Untergang des Byzantinischen Reichen ist sowohl kultur- als auch militärgeschichtlich ein einschneidendes Ereignis. Das festzustellen ist die Aufgabe eines Abschnittes, der sich auch unter Einbezug späterer Quellen aus dem 16. und 17. Jahrhundert mit den Auswirkungen der Eroberung befasst.
Die jüngste Literatur zum Thema stellt sich klar gegen die im 16. und 17. Jahrhundert weit verbreiteten übertriebenen Darstellungen und deutlichen Wertzuweisungen, die aus der Angst vor der „Türkengefahr“ resultierten, und versucht die Ereignisse durch Abgleich der Originalquellen möglichst realistisch zu beschreiben. Als Beispiele neuerer Literatur wären die Werke von Steven Runciman und David Nicolle zu nennen, die die Eroberung von Konstantinopel behandeln. Ernst Werner gibt außerdem eine gute Übersicht über den Aufstieg des Osmanischen Großreiches. Die Hausarbeit stütz sich neben den Primärquellen zu großen Teilen auf diese Literatur und beschreibt und erläutert die Ereignisse besonders vor dem Hintergrund der militärischen Voraussetzungen und der Expansion des Osmanischen Reiches, so dass auf diesen drei Punkten sowohl bezüglich des Inhalts als auch des Umfangs der Schwerpunkt liegt.
Bei Runciman findet sich der Hinweis, dass die Forschung bisher noch keinen synoptischen Vergleich aller Quellen angestellt hatte. Vor diesem Hintergrund soll die Hausarbeit erstens einen kurzen Textvergleich der wichtigsten Ereignisse der Schlacht liefern, der sicher nicht synoptisch ausfallen kann und dessen wichtigste Belege der Einfachheit halber in Fußnoten zitiert werden, und zweitens eine kritische Betrachtung der Folgen der Eroberung vornehmen.
Die Methode ist sinnvoller Weise hermeneutisch und stützt sich auf die in den Reihen „Byzantinische Geschichtsschreiber“ (BG), „Osmanische Geschichtsschreiber“ (OG)
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und „Slawische Geschichtsschreiber“ (SG) veröffentlichten Quellen und deren Kommentare und Anmerkungsteile.
Die Hausarbeit wird sich zunächst kurz beschreibend mit der Geschichte und dem Militärwesen des Osmanischen und der des Byzantinischen Reiches bis zur Eroberung Konstantinopels auseinandersetzen. Dabei ist die Frage wichtig, wie es den Osmanen möglich war, vom lokalen Fürstentum zur Weltmacht aufzusteigen, und welche Gründe zur Schwäche des Byzantinischen Reiches beitrugen. Als nächstes wird sie in einem Quellenvergleich die wichtigsten Primärtexte unter den Punkten Anlass, Verlauf, zentrale Ereignisse und Wendungen der Schlacht mit besonderem Hinblick auf die technischen und kriegstechnischen Faktoren wie militärisches Potential und typische Strategie betrachten. Als letztes beleuchtet die Hausarbeit die Folgen auf den Orient und den Okzident und setzt sich in diesem Zusammenhang kritisch mit den Primärquellen und insbesondere späteren christlichen Bewertungen im Zusammenhang der vorherigen und folgenden Geschichte auseinander. Die Argumentation behandelt also einen beschreibenden Teil, einen Quellenvergleich und eine kritische Bewertung.
1. Geschichte und Kriegswesen der Kontrahenten
1.1 Geschichte und Kriegswesen des Byzantinischen Reiches
Das westeuropäische Abendland benannte den aus dem östlichen Teil des Römischen Reiches entstandenen Staat bis zur Eroberung durch die Osmanen im Jahre 1453 Byzantinisches Reich. Die Hauptstadt des Byzantinischen Reiches war Byzanz bzw. Konstantinopel 1 , das am Knotenpunkt der Landhandelswege zwischen Asien und Europa, der Wasserwege zwischen Mittelmeer und dem Schwarzen Meer und in nächster Nähe zu einem Naturhafen, dem „Goldenen Horn“, liegt. Zur Zeit seiner größten Ausdehnung gehörten Italien, die Balkanhalbinsel, Ägypten, nahezu die ganze nordafrikanische Küste und Südspanien zum Byzantinischen Reich. Griechisch war die vorherrschende Sprache. Dennoch betrachtete sich das Byzantinische Reich als Erbin des Römischen Reiches, was sich in der Orientierung der Kaiser an römischer Tradition und Institutionen niederschlug. Der Hellenismus der griechische Antike und das griechisch-
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orthodoxe Christentum prägten Staatswesen, Sozialordnung und Kultur der Menschen. Die Staatsgeschäfte wurden von einem unumschränkt herrschenden Kaiser geführt, der gleichzeitig Oberhaupt der Kirche war.
Konstantinopel (Gründungsdatum 330 n. Chr. mit der Verlegung der Hauptstadt in den oströmischen Teil des Reiches durch Konstantin den Großen) ist mit zweiundzwanzig Belagerungen eine der am meisten umkämpften Städte der Welt: Kelten, Römer, Hunnen, Perser, Awaren, Araber, Bulgaren, christliche Kreuzfahrer, orthodoxe Griechen und Osmanen versuchten sie zu erobern, nur sechs Mal wurde sie mit Erfolg eingenommen.
Die Tatsache, dass Konstantinopel Kern des Byzantinischen Reiches war und immer wieder belagert wurde, verschob den Schwerpunkt der Kriegstechnik auf die Belagerung und Verteidigung von Städten. Traditionelle Belagerungswaffen waren eisernen Sturmböcke, Katapulte, Armbrüste, Sturmdächer, Wolfeisen, riesige Kessel mit glühendem Pech und Harz. Außerdem verfügten die Griechen über das sogenannte naphta oder „Byzantinische Feuer“. 2 Um die Kriegswissenschaft des Byzantinischen Reiches eingehender zu beleuchten, sei auf die Kriegswissenschaft des Byzantiner Anonymus verwiesen. 3
Verteidigungstechnisch gesehen war Konstantinopel mit seinen fünfzehn (innerer Mauerring) bzw. acht (äußerer Mauerring) Meter hohen Mauern, 96 Verteidigungstürmen und einem befestigten Wassergraben davor zu Recht die wohl am schwersten einzunehmende Festung ihrer Zeit. 4
1 Stadtplan von Konstantinopel im 15. Jahrhundert s. Anhang, S. 22.
2 Mischung aus Salpeter und Brennmaterial, die jahrhundertelang als Staatsgeheimnis gehütet wurde. Die hohe Wirksamkeit und Bedeutung v.a. für den Seekrieg ist darauf zurückzuführen, dass es sich mit Wasser nicht löschen ließ und sogar auf dem Wasser noch brannte. Wegen dieser Eigenschaften wurde es auch „nasses Feuer“ oder „Seefeuer“ genannt. Der erste Einsatz ist aus dem Jahr 673 gegen arabische Flotte verbrieft. Das Gemisch bestand wahrscheinlich aus 67% Salpeter, 11% Schwefel und 22% Kohle genannt. Der erste Einsatz ist aus dem Jahr 673 gegen arabische Flotte verbrieft. Das Gemisch bestand wahrscheinlich aus 67% Salpeter, 11% Schwefel und 22% Kohle. Vgl. auch H. Prinzler: Pyrobolia. Von Griechischem Feuer, Schießpulver und Salpeter. Leipzig 1981.
3 Köchlin: Griechische Kriegsschriftsteller. Hier wurde ein erster Versuch unternommen, eine annähernd vollständige Aufstellung der Mittel und Methoden der Kriegsführung wiederzugeben. Die Entstehung des Werkes wird allgemein in das 7. Jahrhundert eingeordnet, wahrscheinlich erste Hälfte des 7. Jahrhunderts. Anonymus betrachtet die Kriegswissenschaft als einen Hauptteil der Staatswissenschaft überhaupt.
4 Querschnitt durch die Verteidigungsmauer s. Anhang, S. 23.
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1.2 Geschichte und Kriegswesen des Osmanischen Reiches
Das Osmanische Reich war ein türkisches Großreich, das um 1300 entstand und bis zur Gründung der türkischen Republik 1922 andauerte. Gründer der osmanischen Dynastie war Osman I. Ghazi (1258-1326), der Emir (Herrscher) eines der türkischen Fürstenstämme war, die sich im Zuge der Völkerverschiebungen um 1220 in Anatolien angesiedelt hatten. Die Macht dieser Fürstentümer richtete sich danach, wie groß ihre Chancen waren, nichtmuslimisches Gebiet zu erobern und Beute zu machen. Mit dem Begriff des Ghazi (Glaubenskrieger), den diese Stammesfürsten trugen, ist auch besonders die Bekämpfung von Nichtmuslimen eingeschlossen. Damit wurde der Islam zum staatstragenden Element.
Osmans I. Nachfahren dehnten ihre Herrschaft auf ganz Kleinasien, den Balkan und den gesamten östlichen Mittelmeerraum aus. 1345 erreichten die Osmanen die anatolische Küste, 1354 eroberten sie Ankara. Damit sie ihm zur Macht in Konstantinopel verhelfen, forderte der byzantinische Kaiser Johannes VI. Kantakuzenos im selben Jahr die Osmanen auf, die Meerenge bei den Dardanellen zu überqueren und übergab ihnen die Schlüsselfestung Gallipoli. Die Osmanen sahen darin eine Chance zu weiterer Expansion nach Osteuropa und reicher Beute und eroberten Teile des Balkans. Über die alte Römerstraße Via Egnatia rückten die Osmanen nach Europa vor. 1361 nahmen sie Adrianopel ein, das mit dem Namen Edirne zur neuen Hauptstadt wurde. 1389 unterwarf Murad I. den Widerstand der Serben und Bulgaren in der Kosovo-Ebene (1. Schlacht auf dem Amselfeld). Bulgarien wurde als erster europäischer Staat in eine osmanische Provinz umgewandelt. Bayezit I. rieb 1396 vor Nikopolis ein Kreuzfahrerheer - bestehend aus der Elite des westeuropäischen Rittertums - völlig auf. Konstantinopel wurde nur deswegen nicht erobert, weil das Osmanische Reich einen Zusammenbruch unter dem Einfall der Mongolen erlitt, von dem es sich aber erholen konnte, ohne dass Byzanz seine Chance zum Angriff genutzt hätte.
Nach einer Reihe von Eroberungen, die das Reich stabilisierten, sicherte Murad II. seine Gebiete in Europa und Kleinasien ab und schloss mit Ungarn Frieden. Mit den Siegen über Hunyadi 1444 bei Varna und 1448 in der Kosovo-Ebene (2. Schlacht auf dem Amselfeld) war die Hegemonie der Osmanen in Osteuropa gesichert. Als Murad II. 1451 starb, hinterließ er einen Staat, der zu den mächtigsten und größten in Asien zählte.
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Ein Grund dieser Macht lag in der außergewöhnlichen Armee der Osmanen. Über Zwangsrekrutierung aus den eroberten Gebieten (Knabenlese) wurde die zahlenmäßige Stärke des Heeres beibehalten. Reguläre Truppen wurden zudem von Elitekämpfern, den Janitscharen, unterstützt, die den Kern der Armee darstellten. Durch harte Ausbildung und Islamisierung wurde ein hoher Grad an Disziplinierung und Bindung an den osmanischen Staat erreicht.
Sofort nach der Thronbesteigung hatte Sultan Mehmet II. 5 bereits mit umfangreichen Vorbereitungen begonnen: Er erweiterte die Truppen seiner Elitekrieger, der Janitscharen und Spahis, reformierte das Heer, begann Versorgungswege vorzubereiten und eine Flotte 6 zu bauen, um das Marmarameer, die Ägäis und den Bosporus kontrollieren zu können. Mit einer großen Flotte war es Mehmet II. möglich, das Problem zu umgehen, an dem seine Vorgänger immer wieder gescheitert waren: die Abriegelung der Stadt auch auf dem Wasser. Um die Meerenge zu kontrollieren, errichtete der Mehmet II. zudem in nur vier Monaten die Belagerungsfestung Rumeli Hisari auf dem europäischen Ufer des Bosporus. 7
Ein Vorteil des osmanischen Militärs war in der Gewohnheit zu finden, sich sehr schnell die technischen Errungenschaften und Erfindungen anderer Völker zu eigen zu machen und sie gekonnt einzusetzen, das beste Beispiel dafür waren die Feuerwaffen, die eine Revolution der Kriegskunst darstellten. In Europa waren seit Beginn des 15. Jahrhunderts Steinbüchsen bekannt, deren Rohrlänge in der Regel zwischen 2,5 und 5 Metern betrug. Die ersten Geschützgießer um 1400 waren Glockengießer, die ihre Kunst auf die Fertigung anderer Produkte anwandten. Die Hauptlieferanten waren Venedig und vor allem Dubrovnik, das um 1410 eine bedeutende Gießerei besaß. Trotz eines päpstlichen Verbotes wurden öffentlich Waffen an die Osmanen verkauft, die bereit waren, für Kanonen, Bedienungsmannschaften und Kanonengießer sehr gut zu zah-
5 MehmetII. Fatih (1432-1481), osmanischer Sultan 1444 und von 1451-1481, wird aufgrund seiner Eroberungen auch als zweiter Gründer des Osmanischen Reiches bezeichnet.
6 Eine stehende Flotte gehörte nicht zum osmanischen Heer. Sie war ein spontaner Luxus, den die Feldherren zu einem bestimmten Zweck bauen ließen. War die Arbeit getan, wurde die Flotte wieder aufgegeben.
7 „Eine kleine Festung mit zwanzig Öffnungen nahe am Ufer zur See hin wurde unter Rumeli Hisari gebaut und an jeder Öffnung wurde eine Kanone postiert. [...] Auf diese Weise wurde die Schiffsstraße wirksam blockiert, so dass eine unerlaubte Passage zwischen dem Mittelmeer und dem Schwarzen Meer unmöglich wurde.“ in: Inalcik: Mehmed the Conqueror, S. 33/34
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Arbeit zitieren:
Anna Milena Jurca, 2005, Die Expansion des Osmanischen Reiches, München, GRIN Verlag GmbH
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