und kostspieligen Lebensstil und möglichst teure Statussymbole zu kompensieren. Neben dem obligatorischen Vespa-Scooter, dem Konsum von Amphetaminen und krawallartigen Auseinandersetzungen mit anderen Jugendgangs verbindet man mit den Hard Mods vor allem das möglichst ostentative Tragen relativ teurer Markenkleidung: Ben Sherman, Fred Perry und Londsdale sind eben jene Marken, die sich noch heute in der Skinheadszene großer Beliebtheit erfreuen. 4 Mit dem Niedergang der Mod-Bewegung ging der sozial besser gestellte Teil der Mods im britischen Establishment oder in der Hippiebewegung, die Hard Mods hingegen in der Skinheadbewegung auf. 5 Ebenso gewaltorientiert wie die Hard Mods, aber einem gänzlich anderen subkulturellen Milieu entstammten die Rude Boys, Söhne farbiger Immigranten aus Jamaika. Über Ska-Musik, den extremen Kurzhaarschnitt, hochgekrempelte Jeans und Hosenträger sind hier eindeutig farbige Einflüsse in den Mode- und Musikgeschmack der Skinheadszene eingeflossen. 6 Als dritte Subkultur sind die fußballbegeisterten Boot Boys zu nennen, die man wohl am Besten als „Vorläufer der heutigen Hooligans“ bezeichnen kann. 7 Seit dem Gewinn der Weltmeisterschaft 1966 hatten sich in ganz England Jugendcliquen gebildet, die ihren Verein nicht nur bei Heim- sondern auch bei Auswärtsspielen unterstützten, wobei sie gezielt Auseinandersetzungen mit den Anhängern des anderen Teams suchten. Ihren Namen erhielten die Boot Boys daher, dass sie ihre schweren Stiefel gezielt als Angriffswaffe nutzten, was dazu führte, dass die Polizei vor den Spielen regelmäßig die Schnürsenkel konfiszierte. Durch ihren Einfluss waren Fußball und Stadionbesuch von Anfang an immanenter Bestandteil des Skinhead-Lifestyles, nicht zuletzt „weil er eine ideale Möglichkeit bot, sich zu betrinken, Schlachtgesänge anzustimmen, Randale zu machen und sich zu prügeln.“ 8 Ferner ist allen genannten Jugendsubkulturen eine nicht unbedenkliche Gewaltbereitschaft und Gewaltorientierung eigen, ihr Verhältnis zu anderen Jugendcliquen meist durch die gewalttätige Auseinandersetzung definiert; hierin
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hat der Skinhead der frühen 1970er wohl die auffälligste Gemeinsamkeit mit seinem heutigen Pendant. 9 Denn zunächst war die Skinheadszene eine radikal-antibürgerliche, aber im wesentlichen unpolitische Jugendsubkultur, sieht man einmal „von einer diffusen Rebellenhaltung und den bereits zu dieser Zeit feststellbaren fremdenfeindlichen Tendenzen“ ab. 10 Ska-Musik, Mode, Konzerte und Partys, Alkoholkonsum, Fußball und Schlägereien mit anderen Gangs standen im Mittelpunkt der frühen Skinheadbewegung. Die zur Schau gestellte Ästhetik des Proletarischen und das trotziges Tragen einer Underdogmentalität wurden zum Teil ihres identitätsstiftenden subkulturellen Stolzes. Ebenso wie das maskuline Gebaren in der Clique, sollte die Kleidung der Skinheads ein starkes Männlichkeitsbild und die tiefe Verwurzelung im Arbeitermilieu verdeutlichen: Schwere Arbeitsstiefel, betont durch das Hochkrempeln der Jeans, einfache Hemden oder Polo-Shirts, breite Hosenträger und der „number one crop“, ein radikaler Kurzhaarschnitt sollten „das maskuline und Härte ausstrahlende Aussehen dieser Jugendlichen“ noch betonen. 11
„I Am NF“: Politisierung und Rechtsruck in den 1970ern
Schon bald verschlechterten die gewaltsamen Auseinandersetzungen in den Stadien und das paki bashing, d.h. gewaltsame Übergriffe auf Immigranten aus den ehemaligen britischen Kolonien in Asien, den Ruf der Szene. Ab Mitte der 1970er gelang es militanten und offen rassistisch auftretenden Organisationen wie dem British Movement und der National Front weite Teile der englischen Skinheadbewegung zu politisieren und einen Rechtsruck herbeizuführen; so wurde der Slogan „I am NF“ in diesen Jahren zu einer wahren Modeerscheinung in der englischen Skinheadszene. 12
Bredel, S. 22. Die Kleidung der Skinheads war in den Ursprungszeiten keinesfalls uniform, und die Bomberjacke sollte erst ab den 1980ern zum unabdingbaren Accessoire werden; zum Kleidungsstil der Skinheads vgl. Susanne El-Nawab, Skinheads. Ästhetik und Gewalt, Frankfurt am Main 2001.
12 Pfahl-Traughber, S.66, verweist an dieser Stelle darauf, dass sich Szene nicht vollständig nach rechts
politisierte, sondern vielmehr ein langfristiger Ausdifferenzierungsprozess „in einen rechtsextremistisch orientierten Teil, in einen sich ununpolitisch verstehenden Teil und in eine sich antirassistisch und links verstehende Minderheit“ in Gang kam. Vgl. Menhorn, S. 54. Der Prozess der zunehmenden Politisierung der genuin weitgehend unpolitischen Subkultur durch neofaschistische Gruppen wird auch im Film „This is England“ (2007) verarbeitet.
Rechtsextreme Skinheads in BRD
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Das zunehmend rechtsradikale Image der Skinheadszene verfestigte sich durch die blutigen Krawalle im Umfeld eines Konzertes im Londoner Vorort Southall im Juli 1981, bei denen rund 2.000 jugendliche Immigranten aus Angst vor Provokationen und Übergriffen Skinheads und Polizei angriffen. Die reißerische Berichterstattung über dieses Ereignis sollte weitreichende Folgen für die englische Skinheadbewegung haben: Jene Skinheads, die nicht als rechtsgerichtet gelten wollten, wandten sich von der Szene ab; viele bereits rechtsextremistisch oder neonazistisch eingestellte Jugendliche wurden hingegen erst auf die Szene aufmerksam und füllten die entstandenen Lücken, was das rechte Image weiterhin verstärkte. 13 Verbunden mit der zunehmenden Rechtstendenz ändern sich auch Mode und Musik der Skinheadbewegung. Bisher als verpönt geltende Vollglatzen ließen die Skins aggressiver aussehen; die Bomberjacke wurde zum unabdingbaren Accessoire, sie uniformierte und ließ zugleich den Oberkörper kräftiger erscheinen. 14 Rechtsextremistische Bands nahmen „mit ihrer Musik und ihren Texten starken Einfluss auf die Subkultur.“ 15 Besonders fatalen Einfluss sollte Ian Stuart Donaldson, dem auch durch seinen mysteriösen, tödlichen Autounfall in Szenekreisen zum Mythos avancierten Frontman der englischen Band Skrewdriver zukommen. Selbst äußerst aktives Mitglied der NF, gelang es Stuart mit seiner „White-Power-Ideologie“ bedeutende Teile der europäischen Skinheadbewegung nach rechtsaußen zu ziehen. Ferner begründete er mit der Organisation „Blood and Honour“ eine Plattform zur organisatorischen Vernetzung von Skinheadbands unter der Parole „Rock against Communism.“ 16 Ingesamt hat Stuart die Entwicklung der Szene in den 80ern und 90ern „entscheidend mitgeprägt.“ 17
„Unsere Texte sind deutsch…“: Skinheads in BRD und DDR
Entstand die Skinheadbewegung als Jugendsubkultur unter den besonderen Bedingungen des Arbeitermilieus der britischen Industriestädte, so schwappte sie
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Florian Unzicker, 2009, Rechtsextreme Skinheads in der Bundesrepublik Deutschland (2009), Munich, GRIN Publishing GmbH
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