Textanalyse
Der zwölfseitige Text besteht aus einer Einleitung warum es die Strafe überhaupt gibt und drei darauffolgenden Kapiteln, die sich mit folgenden Themen beschäftigen: Warum gib es eine Strafvielfalt?, Der Sinn der Strafe und Die Freiheitsstrafe.
Dieser Textanalyse füge ich meinen Kommentar, meine Stellungnahme, zu diesem Text bei.
Warum gibt es die Strafe?
Die Einleitung befasst sich mit den Gründen warum die Strafe überhaupt existiert.
Der alte Streit, ob der Mensch überhaupt erziehbar sei, ist für eine pädagogische Theorie, die von der Erziehungswirklichkeit ausgeht, gegenstandslos, denn auch die Bildsamkeit erweist sich als ein Faktum. Aber es bleibt die Frage, in welcher Weise, unter welchen Voraussetzungen und Umständen die Einwirkungen des Erziehers auf den Zögling eine bleibende Wirkung haben. So versteht Herman Nohl das Problem der Bildsamkeit als „die Frage nach dem, was am Menschen veränderlich ist und was nicht, und wo der Ansatz für die Bildungsarbeit am Kinde gegeben ist“. So streiten sich die Gemüter, ob Strafe ein sinnvolles Mittel der Erziehung ist oder nicht. Manche vertreten die Meinung, dass ohne Strafe keine durchgreifende Erziehung möglich sei und andere möchten die Strafe am liebsten ganz abschaffen. Es besteht die Schwierigkeit, dass bei Anwendung von Strafe der Mensch, ein höheres Lebewesen, eine Bindung mit der Gewalt eingehen muss, um sich in der Wirklichkeit beweisen zu können. Der Mensch sinkt herab und der primitive Instinkt gewinnt überhand und „der ganze Mensch straft und die Strafe trifft auch wieder den ganzen Menschen“. Nun geht Herman Nohl in der Einleitung darauf ein, den Sinn der Strafe zu erklären, warum es überhaupt Strafe gibt. Dabei erläutert er zwei verschiedene Theoriearten. Die erste Theorie der Strafe resultiert aus der
„sittlichen Rechtfertigung“. Die Strafe besitzt hier den Zweck der „Abschreckung oder der Besserung oder der Unschädlichmachung“. Nohl lehnt diese Theorie mit der Bezugnahme auf Hegel ab. Statt dessen bezieht sich Herman Nohl auf die Theorie von Plato, die von Kant und Hegel weitergeführt worden ist und erläutert ihren „absoluten Sinn der Strafe“. In dieser Theorie stellt man sich die Strafe als ein mehrdimensionales Ganzes vor und das innerste dieses Ganzen bildet die Seele, die die objektive Gerechtigkeit ist (aber dies genügt für ihre wirkliche Bestimmtheit nicht aus). Die Strafe soll nun geisteswissenschaftlich verstanden werden, da sie die Gegensätze der Motive von Beginn der menschlichen Entwicklung an vorfindet, die alle Entwicklung nur reiner herausarbeitet, aber nicht überwindet. Die Strafe ist also wie das menschliche Leben auch mehrdimensional strukturiert. Der Sinn und die Aufgabe besteht nun darin die Struktur systematisch zu deuten und den Stellenwert, den Rang, der Strafe in diesem ganzen zu bestimmen.
Warum gibt es eine Strafvielfalt?
Das erste Unterkapitel beschäftigt sich mit den Grundlagen dieses geisteswissenschaftlichen Verständnisses der Strafvielfalt. Diese Strafvielfalt beruht auf zwei grundlegende Ansichten: Erstens auf dem vertikalen Aufbau des seelischen Lebens. Plato hat die einfachen Aufbaugesetze unserer Existenz geprüft, die den Prozess der Erziehung und Bildung verstehbar und das pädagogische Eingreifen steuerbar machen. Dabei ergibt sich als die erste Grundlage für alle pädagogische Einwirkung die Erkenntnis, dass das seelische Dasein des Menschen ein Strukturgefüge ist, das sich in Schichten aufbaut, und dass die Erziehung das Entwicklungsgesetz jeder Schicht und das Zusammenwirken der Schichten kennen muss, um sie richtig zu beeinflussen. Plato unterschied nun drei Schichten in der menschlichen Seele, die Triebschicht als Schicht der Begierden, die Schicht des Thymos, der spontanen Willensenergie, die relativ
unabhängig von den Inhalten besteht, aber noch in der Sphäre des Vitalen bleibt, und die Schicht des Nus, der freien Geistigkeit. Nohl unterscheidet in der dritten Schicht noch zwischen den geistigen Grundrichtungen oder Interessen und der zentralen Icheinheit der Person, die formalen Charakter hat und die seelischen Kräfte steuert.
„Ein Verbrechen ist jede Verkehrung der Schichten, in der das niedere Leben das höhere vergewaltigt oder das höhere in den Dienst des niederen tritt“. Ein Mensch erhält für ein Verbrechen eine Strafe. Diese Strafe unterliegt vier Kriterien, die ihre Stärke bestimmen:
1. Ein Verbrechen kann viele Ursachen haben und wir berechnen die Schuld nach der Schicht aus der das Verbrechen stammt. 2. Das Verbrechen stammt aber nicht nur aus verschiedenen Schichten, sondern es kann auch verschiedene Schichten verletzen (wie die Ehre, Werte,...).
3. Die von Verbrechen verletzten Schichten reagieren verschieden. Einige reagieren mit Rache und andere mit Genugtuung. 4. Diese Reaktion trifft wiederum den Verbrecher und er reagiert mit Furcht oder Beschämung.
Der Sinn der Strafe
Die Strafe soll den Sinn haben, dass sich einerseits die Verletzten an dem Verbrecher „rächen“ können und Genugtuung für ihren Schmerz haben und andererseits soll die Strafe auf den Verbrecher pädagogisch wirken indem er sich mit der Strafe abfindet und über sein Verbrechen nachdenkt. Nohl erläutert in diesem Zusammenhang auch die geschichtliche Entwicklung der Strafe. Er stellt fest, dass um so moderner und „feiner“ die Menschen um so „milder“ wird der Strafvollzug. Man sieht ab von grausamen
Arbeit zitieren:
Merle Umnirski, 2007, Herman Nohl - Der Sinn der Strafe (1925): Überblick und Kommentar zum Text, München, GRIN Verlag GmbH
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