Inhalt Einleitung
Hauptteil 1: Beschreibung des Theorie-Praxis-Verständnisses einer
Hauptteil 2: Erläuterung, ob das beschriebene Theorie-Praxis-Verständnis nur den von
Hauptteil 3: Erläuterung, inwieweit das Theorie-Praxis-Verständnis der
Einleitung
Ein Elternpaar steht vor der Frage, in welchem Kindergarten es seinen Zögling demnächst anmelden soll. Die Mutter - seit jeher in ihren Entscheidungen eher emotiv geleitet- spricht sich gegen den Waldkindergarten im Nachbarort aus. Waldkindergärten sind derzeit stark im Trend. Der Vater - im Gegensatz zu seiner Gattin ein eher rationell denkender Menschmöchte keine voreiligen Schlüsse ziehen. Er wünscht sich wissenschaftliche Untersuchungen, von denen er sorgfältig sämtliche Vor - und Nachteile eines solchen Konzeptes ablesen kann, um eine darauf basierende Erfolg versprechende Entscheidung treffen zu können. Nun stellt sich uns die Frage, ob die Wissenschaft den Wünschen des Vaters gerecht werden kann. Mit anderen Worten: Inwieweit kann die Erziehungswissenschaft der Praxis dienen? Wie definiert der Vater den „Erfolg“, den er für seinen Sprössling erreichen will? Kann die Wissenschaft dem Vater prognostizieren, wie der Weg seines Sprösslings verlaufen würde, wenn er Kindergarten A besucht und wie der weitere Werdegang aussehen würde, wenn das Kind Kindergarten B besuchen würde? Kann die Wissenschaft dem Vater überhaupt eine Hilfestellung geben? Für den Fall, dass dem Vater bei der Wahl des einen oder anderen Kindergartens ein positiver weiterer Werdegang seines Kindes prognostiziert werden könnte, hätte er dann auch die gewünschte „wasserdichte“ Absicherung?
Schon an dieser Stelle ist offensichtlich, dass derartige Prognosen niemals so eindeutig und klar aussehen können, wie der Weg des Stromes in einer elektrischen Leitung. Für die Naturwissenschaftler gibt es Formeln. Und was gibt es für Erziehungswissenschaftler? Studiere ich überhaupt eine „Wissenschaft“? Oder eigne ich mir als Studentin der Sozialpädagogik an der Universität Lüneburg gar lediglich diffuse Handlungsmethoden an, die zwar in der späteren Praxis mehr oder weniger hilfreich sein könnten, allerdings niemals den Ansprüchen, die an eine „Wissenschaft“ gestellt werden, gerecht werden? Diese Frage stellten vor uns bereits Vertreter der kritisch-rationalen Erziehungswissenschaft den Vertretern der Geisteswissenschaftlichen Erziehungswissenschaft, die mit der Methode des Verstehens, der so genannten „Hermeneutik“ Antworten auf diese und ähnliche Fragen erhalten wollten.
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Nun befinden wir uns bereits auf der Ebene der Wissenschaftstheorie, also der Theorie über die Theorien der Wissenschaft. (vgl. GUDJONS 2001,S.29)
In dieser Hausarbeit setze ich mich mit der Frage auseinander, ob Geisteswissenschaftliche Pädagogik aus kritisch-rationalem Verständnis zu Recht als „praktische Pädagogik““, aber nicht als „Pädagogik“ im Sinne einer Wissenschaft zu bezeichnen ist. Dazu betrachten wir im ersten Hauptteil dieser Hausarbeit das Theorie-Praxis-Verständnis der hermeneutischgeisteswissenschaftlichen Pädagogik, „die nach dem ersten Weltkrieg - dann unterbrochen durch den Nationalsozialismus- bis in die 60er Jahre die Pädagogik in Deutschland nachhaltig beeinflusst hat“. (vgl. GUDJONS 2001, S.30).
Im zweiten Hauptteil erläutere ich, ob das im ersten Teil beschriebene Theorie-Praxis-Verständnis der hermeneutisch-geisteswissenschaftlichen Pädagogik nur den von BREZINKA genannten Kennzeichen einer „praktischen Pädagogik“ entspricht. Hierzu fasse ich zunächst die wesentlichen Kennzeichen des kritisch-rationalen Verständnisses zusammen, so dass wir die These BREZINKAS dem
erziehungswissenschaftlichen Denken seiner Zeit zuordnen können werden. Im Anschluss daran stelle ich die von BREZINKA beschriebenen Kennzeichen einer praktischen Pädagogik dar, um daran zu überprüfen, ob diese den Kennzeichen des in Teil 1 beschriebenen Theorie-Praxis-Verständnisses der Geisteswissenschaftlichen Pädagogik entsprechen. Im dritten Hauptteil beschreibe ich, inwieweit das Theorie-Praxis-Verständnis der Geisteswissenschaftlichen Pädagogik meiner Ansicht nach auch an Aufgaben wissenschaftlicher Reflexion orientiert ist. Ich führe zunächst Aufgaben wissenschaftlicher Reflexion auf und vergleiche diese dann mit den Kennzeichen der Geisteswissenschaftlichen Pädagogik.
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Hauptteil 1:Beschreibung des Theorie-Praxis-Verständnisses einer Geisteswissenschaftlichen Pädagogik a) Was kennzeichnet Geisteswissenschaftliche Pädagogik? Hauptthesen
Der Begriff „Geisteswissenschaften“ ist mehrdeutig. Das Zitat Helmut DANNERS: „Am einfachsten ist zunächst eine negative Definition, nämlich was Geisteswissenschaft nicht ist: Naturwissenschaft.“ Macht deutlich, dass der Begriff „Geisteswissenschaften“ mehrdeutig ist. Der 1944 geborene Universitätsprofessor für allgemeine Pädagogik an der Universität Paderborn Dr. Phil. Habil. Eckard KÖNIG und der 1945 geborene Universitätsprofessor für allgemeine Erziehungswissenschaften der Universität Erfurt Prof. Dr. Peter ZEDLER veröffentlichten 1998 als Einführung in Grundlagen, Methoden und praktische Konsequenzen der Erziehungswissenschaft ihr gemeinsames Werk „Theorien der Erziehungswissenschaft“. Im Kapitel „Geisteswissenschaftliche Pädagogik“ erläutern sie, dass es nahe liegt, Wilhelm DILTHEYS (1833-1911) Grundlegung der Geisteswissenschaften auf den Ansatz der Pädagogik zu übertragen und die Pädagogik daher nicht nach dem Vorbild der Naturwissenschaften zu sehen, sondern als eine verstehende Disziplin. (vgl. KÖNIG/ZEDLER 1998, S.94) DILTHEY stellte als Professor der Philosophie in Berlin dem naturwissenschaftlichen Erklären die Methode des V erstehens gegenüber. (vgl. Stimmer 2000, S.149)
KÖNIG/ZEDLER halten sich vor allem an das Buch „Die pädagogische Bewegung in Deutschland und ihre Theorie“ von Hermann NOHL (1879-1960), einem der bekanntesten Vertreter der an DILTHEY anknüpfenden Geisteswissenschaftlichen Pädagogen, um die Hauptthesen der Geisteswissenschaftlichen Pädagogik herauszuarbeiten. Er nennt folgende fünf Hauptthesen der Geisteswissenschaftlichen Pädagogik: (1) Ausgangspunkt für die pädagogische Theorie ist die Erziehungswirklichkeit (2) Erziehungswirklichkeit wird als „sinnvolles Ganzes“ verstanden (3) Aufgabe der Pädagogik als einer „hermeneutischen Disziplin“ ist es, die Bedeutung der Erziehungswirklichkeit zu erfassen
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(4) Erziehungswirklichkeit ist das Ergebnis einer geschichtlichen Entwicklung (5) Aus der historischen Betrachtung der Erziehungswirklichkeit werden Entwicklungsmöglichkeiten und Bildungsideale deutlich
Die Geisteswissenschaftliche Pädagogik hat sich als kritischer Anwalt und Interpret der pädagogischen Praxis verstanden. Wissenschaft hatte hier also mit Reflexion, Besinnung und Kritik zu tun. (vgl. WENIGER 1929, S.33) Ziel der Geisteswissenschaftlichen Pädagogik ist eine Klärung und Auslegung der pädagogischen Praxis unter historischen und systematischen Gesichtspunkten.
Gegenstand Geisteswissenschaftlicher Pädagogik ist die „Erziehungslehre“, die das Wissen aufbewahrt, dass der Erziehungswirklichkeit entstammt.
Die wesentlichen Elemente der Geisteswissenschaftlichen Pädagogik sind nach Christoph WULF die „Betonung der Geschichtlichkeit“, der „Anspruch der relativen Autonomie“, das „pädagogische Verhältnis“ und das „konstruktive Verhältnis von Theorie und Praxis“. ( Referat vom 16.1.2002 im WS 2002/2003) Die Methode
Im „Pädagogischen Grundwissen“ von Herbert GUDJONS wird zusammenfassend darauf hingewiesen, dass das „methodologische Grundmuster der Geisteswissenschaften nicht das Erklären (im Sinne experimentell überprüfbarer und mathematisch formulierbarer Gesetzmäßigkeiten), sondern das Verstehen des Sinnes und der Bedeutung des menschlichen Handelns sei“. (vgl. GUDJONS 2001, S.31)
Zentrale Methode der Geisteswissenschaftlichen Pädagogik ist die Hermeneutik. KÖNIG/ZEDLER konkretisieren das forschungsmethodische Vorgehen, indem sie es als „teilnehmende Beobachtung“ bezeichnen und in folgende vier Schritte gliedern: (1) Beobachtung der konkreten Situation (2) Rückgriff auf eigene Erfahrungen (3) Rückgriff auf gemeinsame Erfahrungen
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Arbeit zitieren:
Cordula de Leeuw, 2003, Hermeneutik - die hermeneutisch-geisteswissenschaftliche Pädagogik, München, GRIN Verlag GmbH
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