Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Begriffsklärungen: „Kurde“, „Kurdisch“ und „Kurdistan“ 7
2.1 Wer gehört zu den Kurden? 10
2.2 Geographische Bestimmung „Kurdistans“ 13
2.3 Die kurdischen Sprachen. 15
3. Die Kurden und ihre Religionen 18
4. Die Kurden im Osmanischen Reich 21
4.1 Die Situation der Kurden bis zum 19. Jahrhundert 21
4.2 Das Osmanische Reich im 19. Jahrhundert. 24
4.3 Die Bewertung der Aufstände im 19. Jahrhundert. 30
5. Das Osmanische Reich und die Kurden bis zum Ende des 1. Weltkrieges 32
5.1 Sultan Abdulhamid II (1876 - 1909), die Jungosmanen und die Kurden 32
5.2 Das Osmanische Reich und die Kurden im 1. Weltkrieg. 37
6. Die Kurden nach dem Waffenstillstandsabkommen von Mudros 41
6.1 Der Vertrag von Sèvres 43
7. Die Entwicklung der Kurden in der Türkei. 45
7.1 Türkisch-kurdischer Widerstand gegen die alliierten Invasoren. 45
7.2 Der Vertrag von Lausanne 51
7.3 Von türkisch-kurdischen Muslimen zu türkischen Staatsbürgern. 53
7.4 Die Kemalisten und die Kurden 56
7.5 Scheich-Said Aufstand 58
8. Kurden innerhalb der Republik Türkei 60
8.1 Kurden und der Terrorismus 62
8.2 Die aktuelle Lage in der Republik Türkei. 67
9. Kurden im Iran 69
9.1 Die Reformen des Schah Reza 69
9.2 Der Aufstand von „Simko“ (1918 - 1930) 72
9.3 Die Kurdische Regierung von Mahabad 73
9.4 Der Weg der iranischen Kurden vom Schah-Regime in die Islamische Revolution 76
10. Die Entwicklung der Kurden im Irak. 81
10.1 Britisch-französischer Wettlauf um die Kolonisierung Iraks. 81
2
10.2 Die Annexion Mosuls an den Irak. 86
11. Irak bis zum 1. Golfkrieg 88
11.1 Bis zur Machtübernahme Saddam Husseins 88
11.2 Der erste Golfkrieg. 91
12. Irak und die Kurden im 2. Golfkrieg. 94
12.1 Beginn des 2. Golfkrieges 94
12.2 Der Kampf um die Meinungsbildung über den Irak 97
12.3 Der zweite Golfkrieg im Rückblick 102
13. Die Vorwände für eine dauerhafte US-Besatzung 105
13.1 Abrüstung als Kriegsgrund. 105
13.2 Die Rolle der Kurden 111
14. Wiederaufbau als Teil des Wirtschaftskrieges 116
15. Wohin fließt das Öl? 120
16. Auf der Suche nach Demokratie 124
17. Ein Ausblick. 127
18. Literaturverzeichnis. 132
3
1. Einleitung
Kurde, Kurdisch und Kurdistan sind Begriffe, die in jüngster Zeit in der deutschen Öffentlichkeit im Zusammenhang mit den Beitrittsverhandlungen der Türkei in die EU erneut heftig diskutiert werden. Der Umgang mit der Minderheitenfrage ist für Deutschland ein entscheidendes Kriterium für die laufenden Verhandlungen.
In den Jahren zuvor berichteten die deutschen Medien über die Kurden zum größten Teil aus dem besetzten Irak. Schon in den ersten Monaten der US-Besatzung rückten insbesondere die kurdischen Iraker immer mehr in das Blickfeld. Der deutsche Diplomat Hans-C. von Sponeck, UN-Koordinator für Irak, trat aus Protest über die humanitäre Situation der Kurden und Araber unter dem US-Embargo von seinem Posten zurück. 1
Die Kurden leben im wasserreichen und strategisch wichtigen Osten der Türkei, im Iran und in Nordirak als bedeutende Minderheiten und sind der Schlüssel für den Zugang zu einem der energiereichsten Regionen der Welt. Der Umgang mit den Kurden hat also eine unschätzbare Bedeutung für die politische und wirtschaftliche Entwicklung in der Region und für verschiedene strategische Überlegungen für den gesamten Nahen Osten.
Die Kurdenfrage ist schon seit einigen Jahrzehnten unentwirrbar mit dem Erdöl und den Interessen der multinationalen Konzerne verbunden. Das Erdöl, das nahezu zwei Drittel des Welt-Energieverbrauchs speist und Ausgangsmaterial für an die 30.000 verschiedene Chemikalien ist, befindet sich unmittelbar und leicht zugänglich in den kurdisch bewohnten Gebieten. 2 Ohne Öl würden die industrialisierten Volkswirtschaften, insbesondere der so genannten Ersten Welt, zum Erliegen kommen. Deshalb ist das Ölgeschäft einzigartig und mit keinem anderen Industriezweig vergleichbar.
Erdöl war und ist Gegenstand globaler politischer Auseinandersetzungen, im Krieg wie in Zeiten des Friedens. In den letzten hundert Jahren führten Industrieländer unzählige Kriege zur Sicherung der Ölversorgung. Die deutsche Inva-
1 Sein Fazit lautete, dass die Sanktionspolitik der USA eine massive Verelendung und eine hohe Kindersterblichkeit verursachte. Sponeck bestätigte, dass bis 1999 über eine Million Menschen von Beginn der US-Besatzung bis 1999 wegen verschmutztem Wasser, fehlender Medikamente und Unterernährung gestorben sind. Während die Bevölkerung durch die Sanktionspolitik an Hunger starb, kam eine kleine Oberschicht durch Geschäfte mit den Besatzern zu erheblichem Luxus. Vgl.: FR, 07.02.02.
2 Erdöl ist ein in der Erdkruste eingelagertes, hauptsächlich aus Kohlenwasserstoffen bestehendes, lipophiles Stoffgemisch. Bei der Erzeugung von Elektrizität, als Treibstoff fast aller Verkehrs- und Transportmittel und auch in der chemischen Industrie zur Herstellung von Kunststoffen und anderen Chemieprodukten ist Erdöl unverzichtbar. Erdöl ist der wichtigste Rohstoff der Industrieländer. In der Erdöl-Förderung sind die Qualität und die Produktionskosten entscheidend. Das irakische Öl weist eine außerordentlich gute Qualität auf und lässt sich leicht fördern.
4
sion Russlands im Zweiten Weltkrieg war der verhängnisvolle Versuch, die Ölquellen im Kaukasus zu kontrollieren. Die militärische Intervention der USA und ihrer Alliierten in Kuwait im Jahre 1991 wäre ebenfalls kaum denkbar gewesen, besäße Kuwait nicht beträchtliche Ölreserven. Dass auch die Invasion im Irak an erster Stelle zum Zwecke der Kontrolle über das Öl geführt wird, kann heute kaum noch jemand ernsthaft bezweifeln. Das Öl ist längst ein wesentlicher Bestandteil der neueren Sozial- und Militärgeschichte. In dieser Arbeit wird die Geschichte der Kurden vom Osmanischen Reich bis in die Gegenwart mit den wichtigsten Ereignissen in ihren Zusammenhängen erklärt. Die Schwäche des Osmanischen Reiches im letzten Jahrhundert seines Bestehens nutzten viele Völker zu Gründung unabhängiger Nationalstaaten. Spätestens nach dem endgültigen Untergang des Osmanischen Reiches entstanden zahlreiche neue Nationen. Aus welchen Gründen nahmen die Kurden diese Chance nicht wahr? Um zu verstehen, wieso kein kurdischer Nationalstaat entstehen konnte, reicht es nicht aus, auf die territorialen Ansprüche der Nachbarstaaten hinzuweisen, es ist auch zwingend erforderlich die kurdische Gesellschaft vor dem Zerfall des Osmanischen Reiches zu analysieren. Gab es zu diesem Zeitpunkt einen kurdischen Nationalismus? Was waren die Ziele der Nationalisten? Stand die Bevölkerung hinter ihren Forderungen? Im Jahre 2009 haben diese Fragen keinesfalls ihre Aktualität verloren.
Die soziopolitische Entwicklung Iraks, Irans und der Türkei nach dem Zweiten Weltkrieg und die kurdisch-nationalistische Bewegung in diesen Ländern haben eine wechselhafte und konfliktgeladene Beziehung von Staats- und Minderheiteninteressen hervorgerufen. In dieser Arbeit wird das Verhältnis der einzelnen Regierungen zu der kurdischen Bevölkerung und die Beziehungen zu den Nachbarländern mit ebenfalls bedeutenden kurdischen Minderheiten untersucht werden.
Die Kurden waren in der Vergangenheit wie auch heute häufig Vorwand für westliche Interventionen. Die deutlichsten Beispiele dafür sind die kurdischen Iraker und in jüngster Zeit auch die kurdischen Iraner. Die Verflechtungen der westlichen Minderheitenpolitik im Bezug auf die Kurden mit den wirtschaftlichen wie geostrategischen Interessen der so genannten Ersten Welt sollen also gleichfalls analysiert werden.
Die aufgeworfenen Fragen zufriedenstellend zu beantworten ist keine leichte Aufgabe. Die Literaturlage zum Thema dieser Arbeit ist spärlich. Obwohl schon seit über 90 Jahren die so genannte „Kurdenproblematik“ existiert, wurde sie lange Zeit weder im sozialwissenschaftlichen noch im politischen Kontext gebührend beachtet. Vor 1991 wurden die Kurden im Westen nur von einer Handvoll Spezialisten thematisiert und besonders im deutschsprachigen Raum kamen immer nur wenige „Kurdenkenner“ zu Wort. Erst der Golfkrieg und die Gräueltaten an den arabischen und kurdischen Irakern und die Scharen der Flüchtlinge machten sowohl die Presse als auch die Politik auf die Kurden aufmerksam.
5
Durch den Golfkrieg explodierte die Zahl der meist populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen, wissenschaftliche Arbeiten sind dagegen rar. Insbesondere deshalb, weil die Informationen über die Ereignisse im Irak seit 1991 stark durch das US-Militär und das Monopol weniger großer Nachrichtenagenturen zensiert werden. Bis heute erhalten nur ausgewählte Journalisten eine Einreisegenehmigung und dürfen vor Ort recherchieren.
Ein Mangel des überwiegenden Anteils der bestehenden Literatur ist die losgelöste Betrachtung der Verhältnisse von Kurden von der restlichen Bevölkerung der Staaten, in denen sie leben. Es ist jedoch unerlässlich einen Gesamtüberblick über die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der einzelnen Länder zu haben, damit man unterscheiden kann, welche Maßnahmen nur die Kurden im Speziellen und welche die ganze Bevölkerung allgemein getroffen haben.
6
2. Begriffsklärungen: „Kurde“, „Kurdisch“ und „Kurdistan“
Die Begriffe „Kurde“, „Kurdisch“ und „Kurdistan“ werden selbst in wissenschaftlichen Arbeiten verwendet, ohne darauf einzugehen, worauf diese überhaupt referieren. Es entsteht dadurch der Eindruck, als gebe es per se die „Kurden“, etwas sei klar „kurdisch“ und es gebe eine einzige Nation namens „Kurdistan“.
Die „Kurden“ und “das kurdische Volk” sind keine voraussetzungslos gegebenen Begriffe, die man ohne weiteres auf jeden Abschnitt der Geschichte anwenden könnte. Wie man in den folgenden Kapiteln sehen wird, ist die Frage, wer alles zu den Kurden gehört, nicht einfach mit objektiven natur- bzw. kulturwissenschaftlichen Methoden verbindlich zu beantworten.
Der Ursprung des Begriffs „Kurde“ ist nicht endgültig geklärt. Es gibt verschiedene Hypothesen. Unter anderem wird vermutet, dass sich der Begriff „Kurde“ von dem sumerischen „Kur“ ableitet. „Kur“ bedeutet „Land“, von “Heimat-land“, „Fremdland“ bis zu „Feindesland“. Eine andere Annahme ist die Abstammung von dem assyrischen Wort „Quti“. „Quti“ bedeutet „Einwohner von“ und ist semantisch mit dem sumerischen „Kur“ verwandt. Die mittelalterlichen arabischen Geographen benutzten den Ausdruck „Kurd“, um nomadische bzw. halbnomadische Stämme zu bezeichnen, die weder Araber noch Türken waren. Dies schloss Stämme mit ein, welche heutzutage selbst kurdische Nationalisten nicht zu den Kurden zählen würden. Vereinzelt wurden selbst arabischsprachige Nomaden als „Kurd“ bezeichnet. Der Begriff „Kurd“ stellte also einen Sammelbegriff für jene Nomaden dar, die weder mit dem baktrischen Kamel („Türken“) noch mit dem Dromedar („Araber“) wanderten. Diese Stämme waren weit in der Peripherie des arabischen Weltreiches gelegen. Die hoch aufragenden, schnee- und regenreichen Bergketten des Taurus und Zagros, Herzstück jener Region, die die kurdischen Nationalisten heute für ihr Projekt eines Großkurdistans anstreben, war nur schwer zugänglich. Die Herkunft der Kurden liegt bis heute im Dunkeln. Die wenigen Quellen sind mehr als bruchstückhaft und umstritten. 3 Bisher wurde kein Dokument in kurdischer Sprache aus vorislamischer Zeit gefunden. 4
Der kurdisch-irakischer Führer Barzani behauptete, dass die Meder Kurden gewesen sind und die heutigen Kurden eben von diesen abstammen. 5 Die These,
3 Strohmeier, M.; Yalcin-Heckmann, L.: Die Kurden. Geschichte - Politik - Kultur, München 2000, S. 25.
4 Shalmani, H.: Betrachtungen über die ethnische Identität der iranischen Kurden. Dissertation. Köln 1985, S. 49. Vgl. auch: Asadi, A.: Der Kurden-Konflikt im Irak 1917 - 1990. Analyse verpasster Lösungsmöglichkeiten, Bonn 2004, S. 11.
5 Als Beleg für diese Abstammungsgeschichte wird u. a. die inoffizielle Nationalhymne angeführt, welches jedoch erst in den 40-ern des 20. Jahrhunderts geschrieben wurde. Die Meder selbst sind ohne historische Belege geblieben. Vgl.: Kanjori, J.: Die sozialen Umwälzungen im iranischen Kurdistan. Dissertation. Münster 1992, S.12.
7
die Kurden würden von den Medern abstammen, ist so wenig bewiesen, wie die Behauptung die Kurden würden von den Skythen abstammen. Alle diese Thesen haben spitzfindige Diskussionen ausgelöst, die bis heute keine wissenschaftliche Klarheit geschaffen haben. 6 Die Einordnung der kurdischen Stämme unter die iranischen Völker basiert auf linguistische und nicht auf ethno-genetische Belege. Ohnehin ist es sehr schwer, die Abstammung eindeutig zu bestimmen, da sich die kurdischen Stämme über die Jahrtausende mit vielen Nachbarvölkern vermischt haben. 7 Bei seinen Reisen durch kurdische Gebiete stellte der Anthropologe von Eickstedt bei den Kurden mongolische, alpine, armenide, iranide und sogar negride Einschläge fest. 8 Für kurdische Nationalisten ist die Abstammung von besonderer Bedeutung. Sie sprechen von sich als „eine der reinsten der arischen Rassen“. 9
Im Gegensatz zu dem Mangel an wissenschaftlichen Fakten über die Abstammung der Kurden existieren zahlreiche Mythenbildungen. Der kurdische Dichter Koyi spricht davon, dass „alle Völker der Erde von den Kurden abstammen“. 10 Ebenso existiert die Legende, nach der die Kurden das Getreidekorn entdeckt hätten. 11 Bei Mythenbildungen ist es irrelevant, ob vorgegeben wird, dass ein Volk von Romulus, Äneas oder einer indischen Göttin abstammt. Hier gilt das Interesse nicht der Verifizierbarkeit des Behaupteten. Einzig und allein die Wirkung zählt.
Letzten Endes ist der Ursprung der Kurden nicht geklärt. Die iranische Hochebene war seit Alters her Schauplatz vieler Wanderungsbewegungen von Völkern. Diese Bevölkerungsbewegungen hatten die ethnische Zusammensetzung im heutigen Irak, Iran und der Türkei entscheidend geprägt. Davon blieben auch die Kurden nicht unberührt. Größere türkische, arabische und mongolische
6 Vgl.: Strohmeier; Yalcin-Heckmann (2000), S. 26.
7 ebenda.
8 Freiherr von Eickstedt, E.: Türken, Kurden und Iraner seit dem Altertum. Probleme einer anthropologischen Reise, Stuttgart 1961, S. 84.
9 Die Betonung der arischen Abstammung als Hinweis auf „eine der reinsten Rassen“ hängt auch mit den Entwicklungen in der Zwischenzeit der beiden Weltkriege zusammen. Der Mythos arischer Überlegenheit war nicht nur auf den Nationalsozialismus in Deutschland beschränkt. Andere Völker, die sich ebenfalls zu den „Ariern“ zählten, adaptierten diese Ideologie. Der iranische Schah sympathisierte mit dem Gedankengut der Nationalsozialisten. Diese Haltung hatte sicherlich auch Einfluss auf die kurdischen Nationalisten. Vgl.: Shalmani (1985), S. 102.
10 Küchler, H.: Öffentliche Meinung. Eine theoretisch-methologische Betrachtung und seine exemplarische Untersuchung zum Selbstverständnis der Kurden. Dissertation. Berlin 1978, S. 132.
11 Aziz, N.: Kurdistan und die Probleme um Öcalan. Mit einem Beitrag von Abdullah Öcalan, München 1999, S. 19. Die Gebiete, in denen Kurden und Araber leben, gehören zu den ältesten menschlichen Siedlungen. Die Entdeckung des Getreidekorns in dieser Region ist durchaus denkbar.
8
Gruppen wurden assimiliert und zählen sich heute zu den Kurden. 12 Andererseits wurden Kurden z. B. in Aserbaidschan turkisiert. Die Bevölkerung Kurdistans stellt heute ein ethnisches Mosaik dar.
12
Es gibt heute noch sehr viele mongolische Ortsbezeichnungen in kurdischen Gebieten. Vgl.: Strohmeier; Yalcin-Heckmann (2000), S. 58f.
9
2.1 Wer gehört zu den Kurden?
Bevor man über die politisch-historische Entwicklung der Kurden schreibt, ist es unerlässlich zu klären, wer zu den Kurden gehört. Aufgrund bestimmter Merkmale sollen in der Vielzahl der Völker, die innerhalb der Grenzen des Osmanischen Reiches gelebt haben, und heute in verschiedenen Nationen Minderheiten bilden, die Kurden lokalisiert werden. Glücklicherweise widmet der Kurdologe Jemal Nebez eine Arbeit nur zu diesem Thema. Die Monographie trägt den Titel:
„Kurdische Zugehörigkeit: Wer ist Kurde? Was bedeutet Kurde sein? Ein Beitrag zur Erforschung der Identität eines aufgeteilten staatenlosen Volkes. Vortrag - gehalten am 27.12.1985 in Kopenhagen für die kurdischen Flüchtlinge in Dänemark - im Rahmen eines Seminars über die Kurdenproblematik.“ 13 Darin stellt Nebez fest:
„Wenn wir über die Kurden sprechen, meinen wir also eine Gruppe von Menschen, deren Mitglieder einige objektive und naturgegebene Merkmale besitzen, durch die sie Angehörige einer eigenständigen, von Anderen zu unterscheidenden Gruppe sind.“ 14
Es gilt also zu prüfen, ob diese „objektiven und naturgegebenen Merkmale“ als Indikatoren für die Zugehörigkeit eines Menschen zu den Kurden tauglich sind. Bei Nebez kommt als erstes die gemeinsame Sprache, denn „diejenigen, die als ‚Kurden‘ bezeichnet werden, sprechen im Allgemeinen eine Sprache“, nämlich Kurdisch. 15
Eindeutig sei der Zusammenhang nur in der Hinsicht, dass jeder Mensch, der sich ausdrücklich als Kurde begreife, auch Kurdisch als seine Sprache ansehe, selbst wenn er sie kaum beherrsche.
Das Merkmal „Abstammung“ sei zur Bestimmung der Kurden nicht sehr geeignet:
„Weder die tatsächliche noch die angebliche Abstammung kann eindeutig etwas zur kurdischen Zugehörigkeit aussagen.“ 16
Es gebe schließlich genügend Menschen, die trotz gegebener Abstammung von kurdischen Eltern sich selbst als „Türken“ oder „Araber“ begriffen. Ein bekanntes Beispiel ist der in Diyarbakir von kurdischsprachigen Eltern geborene Ziya
13 Überarbeitete Online-Ausgabe von 2003: http://www.kurdbun.com/nebez/kurdisch.pdf
14 ebenda, S. 8f.
15 ebenda. Die Postulierung einer Sprache „Kurdisch“ als Muttersprache der Kurden ist äußert problematisch und wird in folgenden Kapitel dieser Arbeit näher erläutert.
16 ebenda, S. 20.
10
Gökalp, der später zu einer der wichtigsten Vordenker des türkischen Nationalismus wurde und Wert darauf legte, türkischer Staatsbürger zu sein. 17 Umgekehrt betonte einer der bedeutendsten „kurdischen“ Führer des 20. Jahrhunderts, Scheich Mahmud Barzinci, immer seine arabische Abstammung. Sollte man Nationalität mit Abstammung bestimmen, müsste man ihn als Araber betrachten. Auch das Merkmal „Heimat“, also territoriale Herkunft, hält einer Prüfung nicht stand. Es ist nicht ohne Weiteres ersichtlich, wodurch die Grenzen des Heimat-landes „Kurdistan“ eigentlich bestimmt sind. Sicher ist hingegen, dass in diesem, wie auch immer umrissenen, Kurdistan viele Nicht-Kurden leben, während Kurden auch außerhalb kurdischer Gebiete leben, zum Großteil auch seit Generationen schon dort geboren wurden.
Dem Merkmal „Kultur“ gesteht Nebez hingegen schon etwas mehr Aussagekraft zu:
„Es gibt Normen und Wertvorstellungen, die in der kurdischen Gesellschaft als Ganzes existieren. Es gibt einige kulturelle Merkmale, die für fast alle Kurden zutreffen.“ 18
In seinen Ausführungen erklärt Nebez, dass die Teilhabe an der kurdischen Kultur eines der wesentlichsten Elemente bei der Bestimmung der Zugehörigkeit zu den Kurden sei. Die Teilhabe an einer gemeinsamen Kultur zeichne „fast alle Kurden“ aus, was jedoch diese Kultur ausmache, lasse sich nicht erfassen. Er führt leider kein einziges Merkmal auf, das eben „fast alle Kurden“ verbindet. Andere sekundäre Symbole wie die „kurdische“ Kleidung oder Küche sind sogar noch untauglicher zum Zwecke einer Grenzziehung was spezifisch kurdisch ist. So ist zum Beispiel in der Literatur häufig von einer „kurdischen“ oder einer „traditionellen kurdischen“ Kleidung die Rede. Es geht dabei um die Bekleidung von Bäuerinnen und Hirten, die unter harten klimatischen Bedingungen arbeiteten und daher die Kleidung den Anforderungen der zu erledigenden Arbeiten angepasst wurde. Unter den Bedingungen weitgehender Subsistenzwirtschaft produzierten die Stämme und Dörfer auch ihre Bekleidung vor Ort selbst. Die Bekleidung variierte daher von Tal zu Berg, von Hochplateau zu Flachland, aber auch von Tal zu Tal. 19
17 Der kurdische Autor Ziya Gökalp (1876-1924) unterstützte die Gründung der Türkischen Republik aktiv und wurde zum Theoretiker des türkischen Nationalismus.
18 ebenda.
19 Vgl.: Barth, F.: Principles of Social Organization in Southern Kurdistan, Oslo 1953, S. 13. Autoren, die sogar eine „kurdische Nationaltracht“ gesichtet haben wollen, meinen damit zumeist die Uniform, die von den Aktivisten der kurdischen Bewegung im Irak (1961 -1975) getragen wurde. Die einheitliche Bekleidung in den 70-er Jahren war ein Ausdruck des Widerstandes gegen die irakische Zentralregierung. Erst die staatlichen Verbote und Repressionen führten zu einer stärkeren Vereinheitlichung der Kleidung. Wie viele andere
11
Im Verlaufe der Arbeit stellt sich heraus, dass die von Nebez anfängliche Gleichsetzung von „Kurde-Sein“ mit „naturgegebenen Merkmalen“ eine im Fortgang der Argumentation falsifizierte Arbeitshypothese war. Die Vielfalt unter den Menschen, die unter dem Etikett „Kurde” zusammengefasst werden, soll nicht bedeuten, dass es die Kurden nicht gibt. Nationalgesinnung ist vor allem ein politischer Prozess. Das Bekenntnis des Individuums zu einer Nation kann trotz der Zugehörigkeit zu einer anderen Ethnie, Muttersprache oder soziokulturellen Bindungen erfolgen. Am Ende ist der willentliche Entschluss des Individuums von Bedeutung, dem kurdischen Volk anzugehören. Genauso wichtig wie das Bekenntnis des Individuums ist die Fremdzuschreibung von Außenstehenden. Die Identifizierung des Einzelnen als „Kurde” ist eine geschichtliche Entwicklung, die stark mit der Nationalismusbewegung zusammenhängt. In dem Zusammenhang spielten die kolonialen Strategien der Briten nach dem Ersten Weltkrieg und die Interessen der Staaten, in den die Kurden heute leben, eine bedeutende Rolle.
Begebenheiten wird auch die „traditionell kurdische Kleidung“ zeitlich in das Osmanische Reich zurückversetzt.
12
2.2 Geographische Bestimmung „Kurdistans“
Eine allgemein akzeptierte geographische Definition Kurdistans gibt es nicht. Mit diesem Begriff werden ganz unterschiedliche Vorstellungen verbunden. Sie dient einerseits als politischer Kampfbegriff der kurdischen Nationalisten und den Staaten, die eigene Interessen in dieser Region verfolgen und andererseits wird der Gebrauch dieses Begriffs von den Staaten, in denen Kurden als Minderheiten leben, verleugnet.
Kurdische Siedlungsgebiete sind durch eine zerklüftete Berglandschaft gekennzeichnet. Die Berge erreichen Höhen von über 4.000 m, die höchste Erhebung ist der biblische Ararat (5.165 m). 20 Die überwiegend gebirgige und zum Teil kaum zugängliche Landschaft hat spezifische gesellschaftliche und wirtschaftliche Strukturen hervorgebracht. Die Unzugänglichkeit der Hochgebirge führte dazu, dass die Zentralregierungen diese Gebiete nur unter großem Aufwand und Verlusten kontrollieren konnten. Sie mussten sich daher mit einer lockeren Anbindung zufrieden geben. 21
Auf der anderen Seite bedeutete diese Abgeschlossenheit aber auch, dass soziale und wirtschaftliche Verbindungen zur Außenwelt höchst mühsam erstellt und aufrecht erhalten werden können. Ein weiteres Hindernis für Beziehungen zu anderen Regionen stellt das harte Klima dar. Infolge der Höhenlage sind viele Gipfel die meiste Zeit des Jahres schneebedeckt. In den Tälern ist das Klima kontinental und relativ trocken, während in den Ebenen gewisse Regenmengen verzeichnet werden. Die Temperaturen sind von beträchtlichen Gegensätzen gekennzeichnet. In gebirgigen Teilen sind in den langen Wintermonaten Temperaturen bis zu 40 Grad Celsius unter Null keine Seltenheit. Monatelang können Schneefälle die einzelnen Ortschaften komplett voneinander abtrennen. In den Sommermonaten können wiederum über 40 Grad Celsius erreicht werden. In früheren Zeiten waren kurdische Gebiete wohl bewaldet. Aber die Viehwirtschaft, insbesondere Schafzucht, Holzabbau für Bau- und Heizzwecke haben dazu geführt, dass z. B. die Eichenwälder im Zagros völlig verschwunden sind. 22 Wegen des Hochgebirges und den harten klimatischen Bedingungen wurden die kurdischen Gebiete lange Zeit von den wichtigen großen Handelsströmen kaum berührt. 23 Die Wirtschaft in kurdischen Gebieten beruht daher heute wie vor hundert Jahren zum größten Teil auf Ackerbau und Viehzucht. 24 Das Straßen-und Wegenetz in kurdischen Gebieten auf höheren Bergregionen ist sehr schlecht ausgebaut.
20 Vgl.: Strohmeier; Yalcin-Heckmann (2000), S. 22.
21 Vgl.: Strohmeier; Yalcin-Heckmann (2000), S. 23.
22 ebenda.
23 ebenda.
24 ebenda.
13
Diese Gebiete scheinen aufgrund der Höhenlage und harten klimatischen Bedingungen zunächst wenig attraktiv zu sein. Dennoch ist diese Region zum Zankapfel verschiedener Nationen geworden. Dies hat zwei Hauptursachen. Erstens sind diese Gebiete erdölreich und damit vom größten wirtschaftlichen Interesse, zweitens und genauso wichtig ist das Wasserreichtum dieser Region. Wasser in größeren Mengen in einer sonst wasserarmen Weltregion macht dieses Gebiet zu einem strategisch wichtigen Punkt.
Die Problematik um Gebiete wird deutlich, wenn man vor Augen führt, dass es zu keiner Zeit einen größeren politischen Staat Kurdistan gegeben hat, der fest umrissene und dauerhafte Grenzen gehabt hatte. 25 Solche Grenzziehungen waren in schwer zugänglichen Hochgebirgen ohnehin nicht möglich. Die gegenwärtig verbreiteten Karten von „Kurdistan“ weichen stark voneinander ab und formulieren letztlich nur den Anspruch, dass auf den hervorgehobenen Flächen ein souveräner Staat Kurdistan errichtet werden soll. Diese Karten werden jedoch so betitelt, als gebe es ein objektiv vorhandenes „Kurdistan“. Dabei besteht keine Einigkeit darüber, ob bestimmte Gebiete nun „armenisch“, „arabisch“ oder „kurdisch“ seien. 26 Aber auch unter den kurdischen Autoren gibt es keine Einigkeit. Selbst innerhalb Irans können sich kurdische Autoren nicht einigen, welche Gebiete nun kurdisch sind. 27
Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass der Begriff „Kurdistan“, auf die Vorstellungen verschiedener nationalistischer Gruppierungen referiert. Es gibt keine allgemeine politische oder geographische Definition. Kurdistan ist ein politisches und natürlich auch wirtschaftliches Konstrukt, den Nationalisten und auch Wissenschaftler aus Ermangelung an präziseren Definitionen übernommen haben. 28 In der Diskussion um Grenzen sind mittlerweile auch Vertreter der großen Ölkonzerne hinzu gekommen, die bei der aktuellen Gebietserweiterung der autonomen kurdischen Regionalregierung im Irak aktiv eine Rolle spielen.
25 Vgl.: Strohmeier; Yalcin-Heckmann (2000), S. 20.
26 Während kurdische Nationalisten fest der Überzeugung sind, dass bestimmte Gebiete schon seit Urzeiten kurdisch seien, erheben Araber, Türken, Armenier, Luren oder Perser ebenso Ansprüche auf diese Gebiete. Insbesondere bei den Verhandlungen zu dem Vertragswerk von Sèvres, auf den später näher eingegangen wird, werden Interessenkonflikte deutlich.
27 Während einige Autoren von West-Aserbaidschan bis zum Persischen Golf alle Gebiete als kurdisch definieren, sind andere der Meinung das Gebiet der Kurden würde nur die Provinzen Kordestan,West-Aserbaidschan, Kermanshahan umfassen. Andere wiederum sehen Kordestan, West-Aserbaidschan, Kermanshahan, Ilam, Khoromabad und Shar-e Kord als kurdische Gebiete an. Vgl.: Kanjori (1992), S. 14.
28 Vgl.: Strohmeier; Yalcin-Heckmann (2000), S. 20.
14
2.3 Die kurdischen Sprachen
Die Sprache ist zweifelsohne eines der wichtigsten Faktoren, die die Identität eines Menschen bestimmen. Auch im Falle der Kurden wird der Sprache ein hoher Stellenwert eingeräumt. So schreibt Franz:
„Die Kurden sind ein Volk im Vorderen Orient mit einer eigenen iranischen Sprache, die sie von anderen Völkern und Bevölkerungsgruppen abhebt.“ 29
Auch Kanjori definiert die Zugehörigkeit zu „Kurdistan“ über die Sprache:
„Kurdistan wird als Heimat jener angesehen, die ein- und dieselbe Sprache und Kultur besitzen.“ 30
Die Definition über die Sprache hat den Vorteil, dass es ein vergleichsweise sicher zu verifizierendes Merkmal ist, da nur wenige Menschen in mehr als einer Sprache volle Kompetenz vorweisen können. Im Falle der Kurden findet man allerdings eine komplizierte Situation vor. Obwohl die meisten Autoren ohne nähere Erläuterungen vom „Kurdischen“ reden, zeigt die Realität deutlich von-einander abweichende Sprachen. Diese konnten bis heute, also selbst 90 Jahre nach dem Untergang des Osmanischen Reiches, nicht unter dem Dach einer Einheitshochsprache zusammengefasst werden.
Kurdische Nationalisten behaupten, ihre heutigen Sprachen würden sich von den Medern ableiten. 31 Als der Linguist McKenzie in den 60er Jahren in Fachpublikationen darauf hinwies, dass eine Rückführung des Kurdischen auf die Sprache der Meder eher spekulativ sei, wurde diese These von kurdischen Wissenschaftlern farbenreich verdammt und McKenzie als ein Lakai des Imperialismus beschimpft, der durch böswillige Verfälschung der Wahrheit die kurdische Nation als Ganze in ihrer Existenz verleugnen wolle. 32
Das was als die „kurdische Sprache“ tituliert wird, unterteilt sich sprachwissenschaftlich in drei Hauptgruppen: Kurmanci, Sorani und Zazaki. Kurmanci wird in der Türkei, in Syrien, im Libanon, in den nördlichen Landesteilen von Iran und Irak, sowie in kleineren Teilen Aserbaidschans, Armeniens und Georgiens gesprochen. Kurmanci unterteilt sich wiederum in zahlreiche regionale und lokale Dialekte. 33 Sprecher der Kurmanci-Dialekte aus größeren Entfernungen können sich durchaus verstehen, aber schon mit einiger Mü- 29 Vgl.: Franz, E.: Kurden und Kurdentum. Zeitgeschichte eines Volkes und seiner Nationalbewegungen, Hamburg 1986, S. 11.
30 Vgl.: Kanjori (1992), S. 15.
31 Vgl.: Kanjori (1992), S. 12.
32 Nebez, J.: Kurdistan und seine Revolution, München 1972, S. 33.
33 Vgl.: Strohmeier; Yalcin-Heckmann (2000), S. 31.
15
he. 34 Sorani dagegen wird hauptsächlich im Iran und Irak gesprochen. Und Zazaki wird, abgesehen von Migranten, ausschließlich in der Türkei gesprochen. Die Eigenständigkeit dieser Sprache wird immer mehr von den Iranisten betont. 35 Zazaki ist räumlich innerhalb der Kurmanci-Sprecher angesiedelt, weicht von dieser jedoch so stark ab, dass zwischen Zazaki- und Kurmanci-Sprechern eine Kommunikation unmöglich ist. Hier handelt es sich um zwei komplett eigenständige Sprachen.
Aber auch von Sorani ist das Kurmanci durch markante Unterschiede getrennt. Das zeigt sich vor allem im Wegfall von Kasus und Genus bei Substantiven und Pronomina im Sorani-Dialekt, Formen, die in Kurmanci jedoch enthalten sind. Man unterscheidet dort zwischen Femininum und Maskulinum und verzichtet auf die im Sorani geläufigen Pronominal-Suffixe, wie auch auf eine gesonderte Passivkonjugation der Verben. Dafür existiert im Kurmanci zumindest eine Fu-turform, eine Zeitstufe, die im Sorani vollständig fehlt. Unter Kurmanci und Sorani entwickelten sich die verschiedenen regional akzeptierten Schriftsprachen „Jeziri“ bzw. „Slemani“.
Zusätzlich kompliziert wird die Lage der Sprachen durch die Existenz einer weiteren Sprache, die sich keiner der drei Hauptgruppen zuordnen lässt. Diese Sprache heißt Gorani. Aus diesem Gorani ging eine Literatursprache hervor, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts im Iran verbreitet war. Heute ist Gorani aber nahezu ausgestorben, hat daher als Verkehrssprache keine wichtige Stellung mehr, ist aber immer noch von Bedeutung, weil es die heilige Sprache der Ahl-i Haqq ist, einer heterodoxen religiösen Gemeinschaft. Alle drei Hauptsprachen gehören zu der Gruppe der iranischen Sprachen, die einen Zweig der indoeuropäischen Sprachfamilie darstellen. Dazu zählen auch Farsi, die Staatssprache Irans, Belutschisch und Tadschikisch. Die iranischen Sprachen unterscheiden sich grammatikalisch erheblich vom Arabischen oder Türkischen. Auf der lexikalisch-semantischen Ebene jedoch gibt es eine Annäherung, da sowohl Kurmanci, Sorani und Zazaki als auch Türkisch im Laufe der Jahrhunderte eine enorme Anzahl von Lehnwörtern aus dem Persischen (Farsi) und aus dem Arabischen entnommen haben. Diese Lehnwörter dominieren nicht nur die Fachsprachen (Medizin, Jura, Literatur, Religion) sondern wirken insbesondere durch die Religion selbst in den Grundwortschatz und damit in das Alltagsleben hinein. Abgesehen von gemeinsamen arabisch-persischen Entlehnungen fanden im Laufe der Zeit auch türkische Lehnwörter Einlass in Kurmanci, Sorani und Zazaki. Trotz dieses eingegrenzten gemeinsamen lexikalischsemantischen Bereichs bleiben die Unterschiede groß.
Auch in der Schrift gibt es erhebliche Differenzen. 36 So wird im Irak und Syrien das arabische Alphabet, im Iran das Persische gebraucht. Seit 1930 verwenden
34 ebenda.
35 Vgl.: Strohmeier; Yalcin-Heckmann (2000), S. 32.
36 Vgl.: Shalmani (1985), S. 63.
16
in der Türkei die Kurmanci- und Zazaki-Sprecher im Zusammenhang mit den türkischen Sprachreformen das lateinische Alphabet. In den Gebieten der ehemaligen Sowjetunion benutzen Kurmanci-Sprecher das Kyrillische. Und Sorani wird mit einem vom arabischen abgeleiteten Alphabet geschrieben. Eine gemeinsame Schriftsprache ist auch bis heute nicht entwickelt. Einer der Gründe ist, wie oben dargestellt, dass nur nach außen hin der Schein einer gemeinsamen Sprache existiert. Sorani-, Kurmanci- und Zazaki-Sprecher können sich untereinander nicht verständigen. 37
Zusammenfassend kann man feststellen, dass sich die Kurden nicht über eine gemeinsame Sprache ausmachen lassen, zumal wenn sich die historische Perspektive über etliche Jahrhunderte erstrecken soll. Wichtig ist, dass Außenstehenden als „Kurdisch“ bekannte Sprachen keine logische Einheit bilden. Dafür sind die grammatikalischen und semantischen Unterschiede zu groß. Diese drei Sprachen unter dem Prädikat “Kurdisch” zusammenzufassen ist das Ergebnis der nationalistischen Politik eines ganzen Jahrhunderts. Es soll hier nicht der Eindruck vermittelt werden, diese Sprachen seien nicht eigenständig oder vollwertig, sondern dass der Prozess, bei dem eben diese drei vollwertigen Sprachen per Definition als eine, nämlich „Kurdisch“, festgelegt wurden, ein von Interessen geleiteter Willkürakt ist. Ebenso gut hätte man den Sorani-Sprechern eine politische Eigenständigkeit zuweisen können oder die Unabhängigkeitsbestrebungen der Zazaki-Sprecher von den Kurmanci-Sprechern, die heute im vollen Gange ist, unterstützen können. Bedauerlicherweise widmen die meisten Autoren heute noch sprachwissenschaftlichen Arbeiten keine nähere Beachtung und gehen weiterhin von einer Sprache Kurdisch aus.
37
Diese Sprachbarriere innerhalb der „kurdischen Sprachen“ hat für die kurdischen Nationalisten in der Türkischen Republik zu der paradoxen Situation geführt, dass sie selbst die Propaganda für einen kurdischen Staat vorwiegend auf Türkisch betrieben. Bis heute hat sich daran nichts geändert. In den 60-er Jahren konnten kurdische Publikationen in der Türkei erscheinen. Diese wurden jedoch zweisprachig herausgegeben, weil ausschließlich in „Kurdisch“ abgefasste Publikationen von den Kurden nicht verstanden wurden. Vgl.: Strohmeier; Yalcin-Heckmann, (2000) S. 33.
Selbst der frühere Anführer der Arbeiterpartei PKK, Abdullah Öcalan, erklärte, dass in einem (noch zu gründenden) Kurdistan die Amtssprache Türkisch sein und lange Zeit Türkisch bleiben würde. Es gibt scheinbar auch den Unwillen, sich einem der anderen „kurdischen“ Sprachen zu unterwerfen. Im Irak, wo seit den englischen Mandatszeiten (1919 -1932) in den vorwiegend kurdischbewohnten Landesteilen auch Schulunterricht in kurdischer Sprache erteilt wurde, aber Lehrbücher in Sorani existierten und verwendet wurden, weigerte sich die Mehrheit der kurmancisprachigen Eltern, ihre Kinder in Sorani unterrichten zu lassen und meldete ihre Kinder dem arabischen Unterricht an.. Vgl.: Behrendt, G.: Nationalismus in Kurdistan. Vorgeschichte, Entstehungsbedingungen und erste Manifestationen bis 1925. Dissertation. Hannover 1992, S. 26ff.
17
3. Die Kurden und ihre Religionen
Vor den modernen Formen des Nationalismus war die Religion vielleicht der stärkste gemeinschaftsbildende Faktor der Menschheit. Auch wenn die Religiosität heute tendenziell abnimmt, bleibt der Einfluss der Religionen weiterhin e-norm.
Es wird geschätzt, dass mit 98 % die überwältigende Mehrheit der Kurden dem islamischen Glauben angehört. 38 Allerdings sind diese auf verschiedene Konfessionen gespalten. Abgesehen von den Kurden in den iranischen Provinzen Kermanshahan und Ilam, die mehrheitlich der Zwölfer Schia angehören, bekennt sich die Mehrheit der Kurden zum sunnitischen Islam. 39 Die Glaubensvorstellung und die Praktiken von sunnitischen Kurden, Arabern oder Türken sind dieselben.
Die Einzelheiten der theologischen Grundlagen, die die Alltagspraxis bestimmen sind von Gelehrten des islamischen Rechts im 8. und 9. Jahrhundert festgelegt worden. Sie sind in vier Einheiten zusammengefasst und jeweils nach einem Gelehrten benannt worden. Im Unterschied zu den Muslimen in der Türkei und im Irak, die der hanafitischen Rechtsschule des Islams angehören, folgen die Kurden in der Mehrzahl der schafiitischen Rechtsschule. Eine besondere Ausprägung der Schia ist der Alevismus. Der Name leitet sich von dem arabischen Begriff Alavi (Anhänger Alis) ab. Der Alevismus hat sich von den anderen schiitischen Richtungen weit entfernt. Aleviten machen schätzungsweise etwa 15 % der Bevölkerung in der heutigen Türkei aus. Nicht nur Kurden, sondern auch Türken gehören dem Alevismus an. Die meisten kurdischen Aleviten zählen zu den Zazaki-Sprechern. 40 Eine weitere weniger bekannte Glaubensgemeinschaft, denen die Kurden, aber auch Iraner und Iraker angehören, ist die Ahl-i Haqq (Anhänger der Wahrheit). Im Irak werden die Ahl-i Haqq auch Kakai genannt. Sie verweben den Islam mit synkretischen und esoterischen Elementen. Im Zentrum des Glaubens steht die extreme Schia, Ali wird als göttliche Manifestation verehrt. Die Ahl-i Haqq glauben an Reinkarnation und führen eine Reihe von mystischen Riten und Praktiken durch. Insbesondere gehören Nomaden dieser Glaubensrichtung an. Hauptverbreitungsgebiete sind Iran, insbesondere um Kermanschah, und Nordirak. 41
Neben diesen Glaubensgemeinschaften gibt es eine weitere, der ausschließlich Kurden angehören. Sie heißen Yeziden und führen ihre Abstammung allein auf Adam zurück und beanspruchen eine exklusive Stellung, die sie über den Rest
38 Kanjori (1992), S. 20.
39 ebenda.
40 Vgl.: Strohmeier; Yalcin-Heckmann (2000), S. 46.
41 Vgl.: Strohmeier; Yalcin-Heckmann (2000), S. 46.
18
der Menschheit erhebt. 42 Sie haben höchste “Reinheitsgebote” für die Glaubensgemeinschaft. Man kann nur als Yezide geboren werden. Es besteht nicht die Möglichkeit, zum Yezidentum zu konvertieren, man muss von beiden Elternteilen als Yezide geboren werden. Nach der Vorstellung der Yeziden habe Gott die Welt aus einer Perle erschaffen und dann sieben gottähnlichen Engeln die Vollendung der Schöpfung übertragen. Heiligenkult ist ein weiterer Aspekt des Yezidentums. Einer der wichtigsten Heiligen ist Scheich Adi, dessen Grab ein bedeutender Wallfahrtsort ist. 43 Dieser Scheich Adi führte im 11. Jahrhundert das Kastensystem im Yezidentum ein. Die Kasten sind unterteilt in das einfache Volk (Murid) und die Kaste der Geistlichen, die sich dann noch in zwei weitere Kasten unterteilt, nämlich die Kaste der „Scheichs“ und die der „Pirs“. Die Zu-ordnung der Kasten erfolgt nach dem Vererbungsprinzip. Die Kinder von einfachen Eltern sind ebenfalls nur Murids, sowie die Kinder von Scheich-Eltern Scheiche und die Kinder von Pir-Eltern Pirs sind. Jeder Scheich- und Pir-Familie sind von Geburt Murids untergeordnet. 44
Es gibt unter den Kurden auch Christen, die sich jedoch stärker über die Religion definieren. Die Christen unter den kurdischen Stämmen bilden wiederum keine Einheit. Die Einen sind monophysitisch, d. h. sie erkennen das Dogma der zwei Naturen Jesus nicht an. Die anderen haben das Dogma verinnerlicht, stehen jedoch der katholischen Kirche differenziert gegenüber. Eine dritte Gruppe hat sich der katholischen Kirche angenähert.
Die kurdischen religiösen Führer hatten insbesondere ab dem 19. Jahrhundert größeren Einfluss auf die Stämme als die Fürsten. Fürsten, die sich in Aufständen versuchten, konnten durchaus von kurdischen Geistlichen gestürzt werden. 45 Auch heute noch spielt die Religion eine enorme Rolle im Alltag und in der Politik. Insbesondere seit der Invasion der USA im Nahen Osten dient die Religion vor allem dazu zu teilen und zu herrschen. Durch massive Unterstützung der CIA wuchsen im Irak sunnitische und schiitische separatistische und fundamentalistische Gruppierungen heran, die sich heute gegenseitig bekämpfen. Somit
42
Vgl.: Strohmeier; Yalcin-Heckmann (2000), S. 47.
43 ebenda.
44 Vgl.: http://www.yezidi.org/yeziden_in_de.0.html
Über die Jahrhunderte ist die Zahl der Yezidi geschrumpft. Die Yeziden warfen in der Vergangenheit christlichen und muslimischen Stämmen vor, ihre Religion zu verdrängen. Die andersgläubigen Nachbarn können jedoch nur bedingt ein Grund für das Schrumpfen der yezidischen Gemeinschaft sein. Vielmehr ist eine der Ursachen die yezidische Heiratsregel. Bei den Yeziden gibt es nur die Möglichkeit als Yezide geboren zu werden, und ein Yezide, der nicht verstoßen werden will, muss seinen Lebenspartner innerhalb der Religionsgemeinschaft aussuchen. Das heißt also: Ein Yezide kann nur eine Yezidin heiraten -und umgekehrt. Eins der größten Yezidi-Gemeinschaften lebt heute in Deutschland, im Raum Hannover.
45 Nebez, J.: Der kurdische Fürst Mir Muhammed-i Rawandizi genannt Mir-i Kora im Spiegel der morgenländischen und abendländischen Zeugnisse. Ein Beitrag zur kurdischen Geschichte. Dissertation. Hamburg 1970, S. 136.
19
wird ihre gemeinsame Linie durchbrochen und der Freiheitskampf gegen die Besatzer beinahe zum Erliegen gebracht. Während die schiitischen und sunnitischen Iraker gegeneinander kämpfen, schaffen sie Ablenkung von dem wahren Skandal, nämlich dem Ausverkauf des Landes an internationale Öl- und Rüstungskonzerne unter dem Schutz der USA und Großbritanniens. Die Besatzungsmächte und ihre weitläufig eingespannten Medien geben sich große Mühe, die Situation unter der Besatzung insbesondere für die westlichen Industrieländer als ethnisch-religiösen Konflikt darzustellen. Die scheinbar religiös motivierten Auseinandersetzungen schaffen eine perfekte Nebelwand, hinter der die Bodenschätze aber auch das Jahrtausende alte Kulturerbe des Landes den Eigentümer wechseln.
20
4. Die Kurden im Osmanischen Reich
4.1 Die Situation der Kurden bis zum 19. Jahrhundert
Mit dem Mongoleneinfall im Jahre 1258 endete die Herrschaft der Abbasiden. Die Kurden gehörten zu diesem Zeitraum bereits dem Islam an. Die meisten Au-toren gehen von einer zügigen Islamisierung aus, denn die Feldzüge der Araber hatten eher Expeditionscharakter. 46 Sie verweilten nicht länger als nötig in den für sie und ihre Herden kalten Gebirgsregionen der kurdischen Stämme. Das Hochgebirge war für die beduinischen arabischen Stämme und ihre Dromedare für einen längeren Aufenthalt nicht geeignet. Zudem gab es für die Araber keinen Anreiz im dünn besiedelten und schwer zugänglichen Bergland dauerhaft zu verweilen, da diese Region, im Gegensatz zu den städtischen Siedlungen keine Reichtümer besaß. 47 Zur Durchsetzung des Islam hat wohl auch die Politik der sozialen Gerechtigkeit beigetragen. Die Steuerbelastung war unter islamischer Herrschaft, selbst für Nichtmuslime, geringer als im oströmischen Reich oder im vorislamischen Persien. 48 Mit den Kurden traten auch die Iraner, die zuvor überwiegend Zoroastrianer waren, und die schamanistischen Türken dem Islam bei. 49
Nach dem Untergang der Abbasidendynastie entstand ein Machtvakuum, in dem einzelne Fürsten ihre Chance sahen und mehrere kleine Machtzentren errichteten. Unter anderem wurde die Dynastie der Safawiden gegründet. Diese nahmen den schiitischen Glauben an. Die Schiiten waren bis zu diesem Zeitpunkt im Persischen Reich in der Minderheit gewesen. Die Kurden, die jedoch mehrheitlich dem sunnitischen Islam angehörten, fühlten sich mehr dem sunnitischen Sultan der Osmanen hingezogen. 50
Nach der Konstatierung der schiitisch-safawidischen Dynastie und der sunnitisch-osmanischen Dynastie versuchten beide die kurdische Bevölkerung zu beherrschen. 51 Die harte Politik Persiens gegen die kurdischen Fürsten trieb die meisten kurdischen Stämme an die Seite der Osmanen. 52 In einigen Schlachten hatten die Kurden sogar bedeutend zum Sieg der Osmanen beigetragen. Für ihre Hilfe an der Schlacht von Chaldrian (1514) zeigten sich die Osmanen erkenntlich, indem sie die Gründung von 16 kurdischen Fürstentümer („Hukumate Kurd“) bestätigten. Diese wurden von den kurdischen Fürsten autonom verwaltet. Im Gegenzug dazu verpflichteten sie sich zur Zahlung eines Tributs an die Osmanen. Wie wenig der Sultan sich in die internen Angelegenheiten der Hu- 46 Vgl.: .: Strohmeier; Yalcin-Heckmann (2000), S. 50 ff.
47 ebenda.
48 ebenda.
49 ebenda.
50 Vgl.: Kanjori (1992), S. 24.
51 Vgl.: Kanjori (1992), S. 24.
52 Vgl.: Asadi (2004), S. 12.
21
kumate Kurd eingemischt haben, zeigt sich auch darin, dass die osmanischen Gouverneure (Valis) vollkommen auf die Aghas angewiesen waren. Die Hukumate Kurd hielten etwa 300 Jahre lang, also bis ins 19. Jahrhundert hinein. Nach der Gründung dieser Hukumate Kurd beklagten die Literaten jener Zeit die Uneinigkeit der kurdischen Stämme. 53 Für Nebez bedeutet diese Entwicklungsphase “einen ermutigenden Gedanken für die Gründung eines kurdischen unabhängigen Staates“. 54 Die Streitigkeiten unter den kurdischen Fürsten um die Vorherrschaft machte aber eine Einigung unmöglich. Das Osmanische Reich hatte ihnen Autonomie und Rechte gewährt, so dass sie wenig motiviert waren, sich einem anderen kurdischen Fürsten unter zu ordnen. Mehr als drei Jahrhunderte, von der Mitte des 16. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, bildeten die kurdischen Fürstentümer die Grenze zwischen Osmanen und Persern. Der Vertrag von Qasr-i Schirin (an der iranischirakischen Grenze) im Jahre 1639 leitete eine hundert Jahre währende Periode des Friedens zwischen beiden Reichen ein. Die immer wieder behauptete Teilung „Kurdistans“ durch diesen Vertrag ist eine Erfindung. Es existierte nie zu-vor ein „ungeteiltes Kurdistan”. Jeder Fürst regierte unabhängig und unterstand direkt dem Sultan. Die angeblichen Teile Kurdistans wurden auch danach nicht voneinander abgetrennt; denn nach wie vor überquerten Nomaden auf ihren Wanderungen diese „Grenze“. Es ist auch wichtig zu beachten, dass es im gesamten Osmanischen Reich aus Mangel an Überwachung fest umrissene Grenzen nicht geben konnte. Weder Grenzposten noch Grenzpfähle existierten in kurdischen Fürstentümern. 55 Der Vertrag bestand aus Bestimmungen darüber, welche Orte nun osmanisch oder persisch sein sollten. Daher gab es auch keine Beschränkungen für die Weidewanderungen der Nomaden. Man könnte höchstens davon sprechen, dass mit diesem Vertrag die Interessensphären beider Reiche abgegrenzt wurden. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts (Istanbul 1913) wurde von einer britisch-persisch-russisch-türkischen Kommission eine genaue Grenzziehung festgelegt.
Eine Folge der nomadischen Lebensweise war, dass heute noch für die kurdische Identität die Zugehörigkeit, bzw. Abstammung von einem Klan oder einem Stamm von besonderer Bedeutung ist. 56 Die Loyalität der Mitglieder eines Stammes gegenüber dem Agha ähnelte früher der europäischen Leibeigenschaft. Auch heute noch ist die Bindung an den Agha sehr stark. Zwischen den Mitgliedern besteht keine hierarchische Abstufung. Die Mitglieder folgen den Aghas, sonst ist aber jeder sein eigener Herr. 57
53 Vgl.: Kanjori (1992), S. 25.
54 Nebez, J.: Die nationale Frage der Kurden, Stockholm 1987, S. 9f.
55 Vgl.: Strohmeier; Yalcin-Heckmann (2000), S. 75f.
56 Vgl.: Shalmani (1985), S. 82.
57 Vgl.: Kanjori (1992), S. 62.
22
Das Verhältnis der verschiedenen Stämme zueinander war wechselhaft. Rivalitäten wegen Wasserrechten, Weiderechten und ähnliche Interessenkonflikte konnten leicht zu einer Kette von Blutracheakten führen. 58 Diese Rivalitäten seien, so Kanjori hauptsächlich wegen der Sicherung der territorialen Einheit der Stämme stattgefunden. 59 Gelegentlich brachen aber auch Konflikte aus, um diese Territorien auf Kosten der Nachbarstämme zu erweitern. 60 Wenn es der Sicherung ihrer eigenen lokalen Vormachtstellung diente, scheute keine Stammesgruppe den Angriff auf die benachbarten Rivalen. Im Falle eines Konflikts zwischen zwei Stämmen konnte es vorkommen, dass eine Untergruppe des einen Stammes gemeinsame Sache mit der anderen Seite machte. Es gab ständige Kämpfe um die Führerschaft des Stammes. Für die Anführer war die Einteilung nicht „mein Stamm“ vs. „die anderen Stämme“, sondern „die Machtquellen, die meine Rivalen anzapfen“ vs. „die Machtquellen, die ich anzapfen könnte.“ 61 Die Einflussnahme auf die Zentralgewalt, um einen Stammeskonflikt zum eigenen Vorteil zu entscheiden, war in der kurdischen Geschichte ein immer wiederkehrendes Thema. 62
Auch wenn heute die kurdischen Nationalisten von einer jahrhunderte langen Einheit des kurdischen Volkes sprechen, waren die verschiedenen Stämme ökonomisch autonom und sahen keine Notwendigkeit in engere Beziehungen zu einander zu treten. 63 Shalmani listet 483 voneinander unterscheidbare kurdische Stämme auf. 64 Die meisten kurdischen Stämme im Osmanischen Reich waren Nomaden. Die nomadische Sozialordnung war nicht an einer Zentralisierung interessiert und wehrte sich stets gegen die Einmischung von kurdischen Nationalisten. Die Stämme ignorierten auch lange Zeit die staatlichen Grenzen. 65
58 Vgl.: Kanjori (1992), S. 134.
59 Vgl.: Kanjori (1992), S. 63.
60 ebenda.
61 Vgl.: Behrendt (1992), S. 45.
62 Van Bruinessen, M.: Agha, Scheich und Staat: Politik und Gesellschaft Kurdistans, Berlin 1989, S. 92.
63 Vgl.: Kanjori (1992), S. 7.
64 Vgl.: Shalmani (1985), S. 127 ff.
65 Vgl.: Strohmeier; Yalcin-Heckmann (2000), S. 24.
23
4.2 Das Osmanische Reich im 19. Jahrhundert
Ohne grundlegende Kenntnisse über die Zustände im Osmanischen Reich des 19. Jahrhunderts ist es unmöglich, die Ereignisse und Entwicklungen nachzuvollziehen, die das kurdische Volk durchlaufen hat.
66
Trotz aller Krisensymptome umfasste das Osmanische Reich zu Beginn des 19. Jahrhunderts immer noch den gesamten Balkan südlich der Donau, ganz Anatolien und die arabische Welt vom Irak bis Nordafrika. Im 19. Jahrhundert wurden die wichtigsten Reformen des Reiches, die so genannten Tanzimat-Reformen (1839 - 1876), durchgeführt. An erster Stelle stand eine Reform des Regierungs- und Verwaltungsapparates im Sinne einer Zentralisierung nach französischem Vorbild. Dadurch sollte die Position der lokalen Machthaber geschwächt werden. Die Reformen beinhalteten auch säkulare Gerichtshöfe für die Umsetzung der neuen Gesetze. Den islamischen Gerichtshöfen wurde, abgesehen von den begrenzten Bereichen des Ehe-, Erb- und Scheidungsrechts, jegliche Autorität genommen.
67
Die Reformpolitik empfanden viele als erzwungene „Verwestlichung“, denn die Antriebe waren äußere Einflüsse, die auf das Osmanische Reich einwirkten. Angesichts der abnehmenden militärischen Stärke und des Drucks der russischen Balkanpolitik gelang es England und Frankreich, wesentlichen Einfluss auf die Gestaltung osmanischer Politik zu erlangen. Dazu zählten die erzwungenen Handelsverträge, die Europäern weitestgehende Steuer- und Zollfreiheiten gewährten. Insbesondere England versuchte das Osmanische Reich auf das Niveau eines Rohstoffliferanten zu drücken.
68
Die folgenschweren Verträge ließen für das Reich beträchtliche Einnahmen wegfallen und die negative Handelsbilanz verschärfte sich weiter. Europäische Gläubiger waren bereit Kredite zu gewähren und diese waren wieder mit politischem Wohlverhalten und weiteren Zugeständnissen verbunden. Dieser Prozess gipfelte im Staatsbankrott von 1876. Auf dem Berliner Kongress 1878 verständigten sich die europäischen Großmächte darauf, das osmanische Finanzwesen einer eigenen Kommission („Osmanische Öffentliche Schuldenverwaltung“) zu unterstellen. Diese erhielt in zunehmendem Maße die Funktion eines finanzimperialisti-
66
Faroqhi, S.: Geschichte des Osmanischen Reiches, München 2000, S. 5. 67 Shaw, S.: Das Osmanische Reich und die moderne Türkei. In: Fischer Weltgeschichte, Bd. 15., Frankfurt a. M. 1971, S. 126.
68 Großbritannien erlebte durch die industrielle Revolution einen enormen Aufschwung im Export. Durch den Import von billigem Tuch und anderen Handelsgütern aus England wurden osmanische Handwerker massenhaft arbeitslos. Die Briten versuchten durch ihre erweiterten Handelsrechte das Osmanische Reich ebenso zu beherrschen, wie das kolonial beleidigte Indien. Handel war schon oft in der britischen Geschichte bis in die jüngste Vergangenheit ein Vorwand gewesen, um nationale Märkte und auch die Autorität der nationalen Regierungen auszuhöhlen. Vgl.: Özdemir, A. Kadir: Tigersprung am Ganges. Indiens Wirtschaftswunder zwischen Neo-Faschismus und Bollywood, Marburg 2008, S. 15ff.
24
schen Instruments. Bis zu 80 % der Staatseinnahmen wurden eingezogen. Staatsmonopole wie Post, Zölle und Tabakindustrie wurden von westlichen Unternehmen zu Spottpreisen übernommen. Es ging soweit, dass europäische Banken direkt von osmanischen Untertanen Steuern einzogen. 69 Mit dem finanziellen Druckmittel wurden auch innenpolitische Maßnahmen zur Ent-Islamisierung des Reiches erzwungen.
Das Osmanische Reich war seit seiner Gründung ein islamisch legitimierter Staat mit dem Sultan-Kalifen an der Spitze. Ein weiteres Spezifikum des Osmanischen Reiches stellte das so genannte Millet-System dar. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war darunter die Strukturierung der osmanischen Bevölkerung ausschließlich nach eigenständigen Religionsgemeinschaften zu verstehen. 70 Ein wesentliches Kennzeichen des Osmanischen Reiches war das Vorherrschen des „Personalprinzips“ anstelle des Territorialprinzips der modernen westeuropäischen Nationalstaatlichkeit. 71 Die Zugehörigen zu einem Millet waren also geographisch über das ganze Reich verstreut, die hierarchische Spitze hatte in der Regel in Istanbul ihren Sitz. Die Millet-Verfassung regelte das Verhältnis zwischen politischer Herrschaft und der jeweiligen nicht-muslimischen Bevölkerungsgruppe. Aufgrund ihrer Religion waren das Christen (Armenier, Griechen, Araber), Juden und einige kleinere Religionsgemeinschaften wie die Yezidi. Nicht-Muslime waren vom Militärdienst befreit und in zivil- und privatrechtlichen Angelegenheiten hatten sie das Recht auf die Anwendung der juristischen Regeln der jeweils eigenen Konfessionsgemeinschaft. Die Tanzimat-Ära brachte unter anderem die Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gesetz (1869). Zusätzlich kam es durch die Etablierung neuer Millet-Verfassungen und der Installierung von gewählten Ratsversammlungen zu einer Demokratisierung. Die Patriarchen, Rabbiner und andere Millet-Führer, die dadurch erhebliche Macht verloren, wehrten sich dagegen und dies wiederum stellte einen willkommenen Anlass und die Legitimation für weitere Interventionen seitens der europäischen Großmächte dar. 72 Nachdem die Tanzimat-Reformen
69 Das Osmanische Reich wurde zwar niemals formell zur Kolonie, erlebte jedoch ganz ähnliche Zwänge wie formell kolonialisierte und abhängige Gebiete. Eine vollständige monokulturelle Exportausrichtung wurde vor allem durch die rivalisierenden Großmachtinteressen verhindert. Vgl.: Keyder, C.: State and class in Turkey: a study in capitalist development, London / New York 1987, S. 36.
70 Diese Tatsache macht es unmöglich genaue Angaben über die Anzahl der kurdischen Bevölkerung im Osmanischen Reich zu machen, weil die kurdischen Stämme in der Mehrheit Muslime waren und nicht separat erfasst wurden. Die osmanische Bevölkerungsstatistik wies - ganz abgesehen von der Zuverlässigkeit dieser Daten - Bevölkerungsziffern nur nach dem Aspekt der Religionsgemeinschaften (im Sinne des Millet-Prinzips) aus.
71 Adanir, F.: Der jungtürkische Modernismus und die nationale Frage im Osmanischen Reich. In: Zeitschrift für Türkeistudien 1989 / 2: 79 - 92. Hier S. 82.
72 Diese Einmischungspolitik zugunsten der nicht-muslimischen Millets stellt einen paradigmatischen Widerspruch dar. In der Zeit, als die Millets über die Konfession definiert wurden und in internen Angelegenheiten wie zivile und privatrechtliche Gerichtsbarkeit
25
die konfessionelle Trennung aufgehoben hatten und alle Bürger vor dem Gesetz gleichstellten, beharrten die Minderheiten und ihre europäischen Schutzherren weiterhin auf einer Sonderbehandlung. 73
Wie weit die ausländischen Interventionen reichten, zeigt die Tatsache, dass man von europäischer Seite auf den Privilegien der Christen bestehen konnte. Dies war insbesondere für Kurden von Interesse, da diese in unmittelbarer Nachbarschaft mit den christlichen armenischen Stämmen lebten und die gleichen Weide- und Wasserplätze teilten.
Abgesehen von den günstigen Handelsverträgen machte es die besondere Konsulargesetzgebung der Europäer möglich, dass die Christen sich mit europäischen Pässen von den Botschaften und diversen Konsulaten im Reich ausstatten lassen und sich den osmanischen Steuergesetzen und anderen gesetzlichen Verpflichtungen komplett entziehen konnten. Die Sonderrechte der christlichen Minderheiten zum Nachteil der kurdischen Stämme auf der einen Seite und die fortschreitende Säkularisierung auf der anderen Seite bewirkten bei den Kurden zunehmend eine osmanenfeindlichere Haltung. 74
Im Jahre 1845 wurde Bedir Khan, der Fürst vom Hukumat Bothan, durch Aus-einandersetzungen mit den Christen in seinem Territorium geschwächt. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatten kurdische Fürstentümer verstärkt Verbindung zur Außenwelt. Westliche Staaten verstärkten ihren Einfluss durch die Einrichtung von Schulen, Missionsstationen, Krankenhäusern und Konsulaten. 75 Mehr und mehr mischten sich fremde Mächte unmittelbar in die inneren Angelegenheiten der kurdischen Fürstentümer ein. Sie nutzten ihre Rolle als Schutzherren der christlichen Minderheiten dazu aus, um im Osmanischen Reich noch stärker Fuß zu fassen. Am bedrohlichsten waren die britischen und russischen Expansionsgelüste. 76 Zunehmend wurden auch amerikanische Missionare zu einer entscheidenden Größe. 77
Die Einflussnahme der christlichen Missionare auf die Nestorianer nährte bei diesen die Hoffnung, die kurdischen Fürsten abzuschütteln. Die Spannungen zwischen Christen (Armenier, Nestorianer) und Kurden nahmen im Laufe der Zeit immer mehr zu. Der bislang die Kurden begünstigende status quo - sie hat- undSchulbetrieb, anders als Muslime, nicht dem Sultan unterstellt waren, wurde die Kritik abgeleitet, dass Christen Bürger zweiter Klasse seien. Als aber alle Millets vor dem Gesetz gleich behandelt werden sollten, bestanden die europäischen Mächte auf den Sonderrechten der Minderheiten. Die Minderheitenpolitik des Westens zielte weniger darauf ab, die Lebensbedingungen der einzelnen Gruppierungen zu verbessern, sondern darauf, sich die Möglichkeit direkter Einflussnahme und Interventionen auch in Zukunft freizuhalten. Vgl.: Shaw (1971), S. 129 und auch Adanir (1989), S. 83.
73 Davison, R.: Essays in Ottoman and Turkish History, 1774 - 1923, Austin 1990, S. 174.
74 Vgl.: Kanjori (1992), S. 26.
75 Vgl.: Strohmeier; Yalcin-Heckmann (2000), S. 76.
76 ebenda.
77 Vgl.: Franz (1986), S. 39.
26
ten gewohnheitsrechtlich den Anspruch, ihre Tiere in den Wintermonaten in armenischen Dörfern einzuquartieren - änderte sich, nachdem die Christen durch Förderung von Missionaren herausfordernder gegenüber den kurdischen Stämmen auftraten. Zusätzlich wurden sie durch die direkten Einmischungen europäischer Mächte in die Innenpolitik des Osmanischen Reiches ermuntert. Christliche Bauern fühlten sich ermutigt, kurdischen Landbesitzern Pachtzahlungen zu verweigern. Wenn die Kurden in solchen Fällen oder auch im Falle des Baus von neuen Kirchen durch Missionare Widerstand leisteten, veranlassten die Vertreter der Großmächte bei der Hohen Pforte Strafmaßnahmen gegen Stammesführer. Die Kurden empfanden daher die osmanische Verwaltung und das gestiegene Selbstbewusstsein der Christen als zwei Seiten ein und derselben Medaille, nämlich als Versuch der Unterwerfung der Muslime. In den Augen der Fürsten offenbarte sich die Schwäche der Regierung nicht nur in Nachgiebigkeit gegenüber westlichen Staaten, sondern auch in der Unfähigkeit, seine Vorrechte, z. B. hinsichtlich Steuereinziehung, durchsetzen zu können. 78 So kam es, dass sich im Jahre 1843 eine Konföderation nestorianischer Stämme weigerte, dem Fürsten von Hakkari Tributzahlungen zu leisten. 79 Dieser wandte sich an den Fürsten Bedir Khan um Unterstützung. Dem Massaker, das dann an den Nestorianern verübt wurde, schenkte man im Westen große Aufmerksamkeit. Großbritannien und Frankreich führten beim Sultan Beschwerde und verlangten Strafmaßnahmen. Insbesondere der britische Botschafter setzte den Sultan unter Druck, so schnell wie möglich eine osmanische Strafexpedition gegen den kurdischen „Christenschlächter“ zu senden. Der Sultan kam dem britischen Druck schließlich nach und ließ sein Heer gegen Bedir Khan aufmarschieren. Es kam es zu einer Schlacht, die Bedir Khan verlor. Er wurde für den Rest seines Lebens ins Exil geschickt. Der Mangel an Recht und Ordnung, der durch den Weggang Bedir Khans hervorgerufen wurde, empfanden die Kurden sowohl als gestiegenen europäischen Einfluss und auch als Wille der osmanischen Regierung, die Macht der Kurden zu beschneiden. 80 Nach dem Tod Bedir Khans ver-lor Bothan den Status als Hukumat.
Yazdan Sher, ein Neffe Bedir Khans, wurde 1850 vom Sultan zum Anführer des Hukumats Hakkari ernannt. Laut Kendal habe sich Yazdan Sher zuvor aus persönlichen Rivalitäten am Sturz seines Onkels beteiligt. 81 Als 1853 das Osmanische Reich und das Zarenreich sich wieder im Krieg befanden, versuchte Yazdan Sher in den Kriegswirren seinen Machtbereich auszudehnen und einen Königreich auszurufen. Es gelang ihm die Gebiete Bitlis, Mosul und die Region
78 Vgl.: Strohmeier; Yalcin-Heckmann (2000), S. 78 ff.
79 Vgl.: Strohmeier; Yalcin-Heckmann (2000), S. 76.
80 Vgl.: Strohmeier; Yalcin-Heckmann (2000), S. 78.
81 Kendal, N.: Türkisch Kurdistan. In: Gesellschaft für bedrohte Völker (Hrsg.). Kurdistan und die Kurden, Bd. I., Göttingen / Wien 1988, S. 56.
27
Arbeit zitieren:
Kadir Özdemir, 2008, Öl, Wasser und Nationalismus - Studie zu den Kurden im Irak, Iran und der Türkei, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Zweite Moderne oder Postmoderne?
Ein Architektur–Diskurs
Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege
Fachbuch, 77 Seiten
Karl August Lingner - Leben und Werk eines sächsischen Großindustriell...
Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus
Forschungsarbeit, 125 Seiten
Russlanddeutsche Evangelikale - Band 1
Grundzüge des historischen und...
Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte
Forschungsarbeit, 204 Seiten
Eignungsdiagnostisches Gutachten zur Berufseignung von Tina E.
Psychologie - Beratung, Therapie
Ausarbeitung, 78 Seiten
Kompetenz- und Motivationsentwicklung von Mitarbeitern als elementares...
Am Beispiel der Personalentwic...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Ausarbeitung, 25 Seiten
A. Kadir Özdemir's Text Öl, Wasser und Nationalismus - Studie zu den Kurden im Irak, Iran und der Türkei ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
A. Kadir Özdemir hat den Text Öl, Wasser und Nationalismus - Studie zu den Kurden im Irak, Iran und der Türkei veröffentlicht
A. Kadir Özdemir hat einen neuen Text hochgeladen
Tagebuchnotizen aus dem Persergolfkrieg Irak - Iran
Als deutscher Kapitän auf isla...
Heinrich Blume
Hasanlu Special Studies I: A Decorated Breastplate from Hasanlu, Iran
Carlton S. Coon, Irene Winter
0 Kommentare