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Inhaltsverzeichnis
Einleitung /Aufgabenstellung 1
Die Theorien 3
Das Raster 12
Vorläufer des Theorievergleichs 12
Die Kriterien zur Analyse 13
Die Analyse 15
Zu Kriterium 1: Diskussionsverlauf, Hauptvertreter und Strittigkeit 15
Zu Kriterium 2: Bezugspunkt der Theorie (Bezugszeit und -ort) 18
Zu Kriterium 3: Fokus der Theorie 20
Zu Kriterium 4: Die Zukunftsvorstellungen und Folgen des sozialen Wandels 28
Schlusswort 34
Literatur 36
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Einleitung/Aufgabenstellung
Die Zukunft bzw. Aussagen über die Zukunft haben angesichts der Jahrtausendwende Hochkonjunktur. Wissenschaftler, speziell Zukunfts- oder Trendforscher, werden zu Rate gezogen. Sie äußern verschiedene Meinungen über zukünftige Entwicklungen der Gesellschaft, die durch starke Unsicherheit gekennzeichnet sind. Diese Arbeit versucht, Klarheit über die Meinungen und zukünftigen Entwicklungen auf der Basis eines Theorievergleichs zu schaffen. Der Vergleich der verschiedenen Fokusse der Theorien lässt die wichtigsten Entwicklungen präziser hervortreten. Die Zukunft ist zwar unvorhersagbar, wird aber durch die Vergangenheit und die Gegenwart eingeschränkt. Also sind Prognosen auf der Grundlage von gegenwärtigen The-orien möglich. Zusätzlich kann ein Theorievergleich helfen, Redundanzen zwischen Theorien abzubauen, verschiedene Theorien zu verbinden und dadurch Theorien mit höherem Abstraktions- bzw. Allgemeinheitsgrad zu schaffen (Hondrich, 1974, S.14ff., 19f., Hondrich, 1998, S.742ff.).
Es werden nach Hondrich (1974) drei Theoriestufen mit ansteigendem Abstraktionsgrad unterschieden. Die erste Stufe besteht aus Objekttheorien, die nur spezifische soziale Phänomene betrachten. Die Zweite beschäftigt sich mit gesamtgesellschaftlichen Theorien, die das Soziale als Gegenstand haben. Die dritte und abstrakteste Stufe beinhaltet die Wissenschaftstheorien. Theorien der Stufe zwei sind für die Analyse am interessantesten, teilen sich aber in konkretere Gesellschaftsmodelle und in abstrakte sozialphilosophische Theorien auf. Die Gesellschaftsmodelltheorien „schärfen den Blick für die rasanten Veränderungen in der Arbeits- und Lebenswelt und machen deutlich, daß technologische Innovationen gleichzeitig soziale Innovationen nach sich ziehen und ökonomischer und sozialstruktureller Strukturwandel zusammenwirken“ (Immerfall, 1998, S.261). Sozialer Wandel und Zukunftsvorstellungen sind in diesen Theorien enthalten, wobei Ängste und Hoffnungen mittransportiert werden. Dadurch bringen sie der Öffentlichkeit die sozialen Entwicklungen näher. Sie sind somit die ideale Wahl als Ausgangspunkte der Prognose (Immerfall, 1998, S.253f.).
Diese Gesellschaftsmodelle erfuhren in den letzten 10-20 Jahren einen Aufschwung, bei dem eine große Anzahl dieser Theorien publiziert wurde. Nicht alle können ausgewertet werden, so daß eine Auswahl getroffen werden mußte. Es wurde nach Bekanntheit und Wichtigkeit ausgewählt. Ausgeschlossen wurden Theorien mit geringer wissenschaftlicher Grundlage, wie die eher politischen Multikulturelle und Zweidrittel-
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gesellschaftstheorien. Individualisierte und Risikogesellschaft wurden wegen ihrer verschiedenen Fokusse getrennt betrachtet.
Die gewählten Theorien sind:
Postindustrielle Gesellschaft - Informationsgesellschaft - Weltgesellschaft - Zivilgesellschaft - PostmoderneGesellschaft - IndividualisierteGesellschaft - Risikogesellschaft - Erlebnisgesellschaft - DieseGesellschaftsmodelle werden über die Forschungsfragen nach dem Gegen-standsbereich, dem sozialen Wandel, also der Gegenwart, und den zukünftigen Ten- denzen analysiert.
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Die Theorien
Postindustrielle Gesellschaft
Im Mittelpunkt der Postindustriellen Gesellschaft stehen Dienstleistungen, weswegen sie auch Dienstleistungsgesellschaft genannt wird. Dienstleistungen sind Tätigkeiten, wie z.B. Heilen, Beraten, Helfen, Lehren, Erziehen, Reinigen, Forschen, etc. „Dies liegt, so die Begründung bei den meisten Theoretikern, am besonderen Charakter der Dienstleistungsarbeit: sie ist gekennzeichnet durch das ‚Uno-actu-Merkmal‘, d.h. Produktion und Verbrauch finden bei Dienstleistungen orts- und zeitgleich in derselben Handlung statt“ (Häußermann/Siebel, 1995, S.24). Die bekanntesten Vertreter dieser Theorie neben vielen anderen sind Jean Fourastié, Daniel Bell und Alain Touraine.
Fourastié beobachtete die Veränderung der Beschäftigungsstruktur vom ersten Sek-tor, Land- und Forstwirtschaft, über den zweiten, industriellen Sektor, zum dritten, dem Dienstleistungssektor.
„Der wissenschaftliche Fortschritt bedingt den technischen Fortschritt. Dieser steigert die Produktivität und wird dadurch zur Quelle des gesellschaftlichen Reichtums. Mit wachsendem Reichtum verschieben sich die Bedürfnisstrukturen und damit die Konsumpräferenzen zugunsten von Luxusgütern und Dienstleistungen. Die Dienstleistungsproduktion ist weitgehend resistent gegen den technischen Fortschritt und damit gegen Produktivitätssteigerungen, also muß ein immer größerer Anteil der Arbeitskräfte im Dienstleistungssektor arbeiten. Technischer Fortschritt und Wandel der Konsumpräferenzen bedingen somit einen Strukturwandel des Beschäftigtensystems in Richtung auf höher qualifizierte und weniger belastende Arbeit in Dienstleistungsberufen, einen Wandel der Lebensweise in Richtung auf eine humane Urbanisierung sowie einen Wandel der Bedürfnisstrukturen in Richtung auf ‚höhere‘ Ansprüche. Das Wachstum verbrauchsbezogener Dienstleistungen aufgrund steigender Konsumentennachfrage ist der entscheidende Motor für den Wandel“ (Häußermann/Siebel, 1995, S.36).
Dies führt zu einem Drei-Phasenmodell des sozialen Wandels, bei dem die drei Sek-toren jeweils neue Stadien der Gesellschaft darstellen sollen. Dadurch wird ein hoher Lebensstandard und ökonomisch-politische Stabilität erhofft. Daniel Bells optimistische Variante baut auf Fourastiés Theorie auf. Dabei spricht er in Abgrenzung zur industriellen Wirtschaft von einer Dienstleistungswirtschaft, in der
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Wissen das axiale Prinzip der Gesellschaft würde. Der Antrieb des sozialen Wandels sei „kodifiziertes theoretisches Wissen“, wobei akademische Berufe eine neue Klasse bilden. Die neue intellektuelle Klasse steuert über neue intellektuelle Technologien, wie dem Computer, die Vorgänge in der Wirtschaft und fördert so die Entstehung einer Wissensgesellschaft. Der neue Konflikt dieser Entwicklung liegt in der Trennung von Gesellschaftsstruktur, d.h. Wirtschaft, Technologie und Berufssystem, mit ihrer protestantischen Arbeitsethik von der Kultur mit ihrem sich entwickelndem Hedonismus. Dabei laufen Konflikte und ihre Lösung vor allem über die Politik ab (Eickelpasch/Rademacher, 1997, S.209ff.).
Alain Touraine beschrieb dagegen die pessimistische Variante einer „programmierten Gesellschaft“, die sich auch auf Fourastié bezieht und eine z.T. gleiche Sicht wie Bell hat. Die Programmierung bzw. rationale Organisation der Wirtschaft verdrängt die Kapitalakkumulation in bezug zu ihrer Wichtigkeit. Es entstehen neue Klassen, die sich um den Zugang zu Wissen oder Bildung formieren. „Klassenkämpfe entzünden sich in postindustriellen Gesellschaften nicht mehr primär an Verteilungsproblemen, sondern an den entfremdenden Wirkungen der Unterordnung unter technokratische Entscheidungen“ (Eickelpasch/Rademacher, 1997, S.216). Bell und Touraine „treffen sich jenseits aller Gegensätze der gemeinsamen Grundannahme, daß in der künftigen Gesellschaftsformation die soziale, ökonomische und kulturelle Realität zunehmend durch extensive Rationalisierung und Planung bestimmt sein werde und daß die effizienten Instrumente dieser Planung und Kontrolle in den Händen staatlicher Organe konzentriert sein werden“ (Eickelpasch/Rademacher, 1997, S.223). Informationsgesellschaft
Die Informationsgesellschaft wird als neue Stufe der Gesellschaftsentwicklung gesehen, in der durch die Digitale bzw. Mikroelektronische Revolution Information zum wichtigsten Faktor neben Materie und Energie wird. Der wissenschaftlich-technische Fortschritt fördert die Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK) und In-formation, also Wissen, wird zum gesellschaftlich beherrschenden Prinzip. „Die empirisch feststellbaren quantitativen Verschiebungen im Wissenshaushalt (der Informationsraten, -dichten, -zusammensetzungen) und Gesellschaftsgefüge (Sektoreneinteilung, Berufsbilanz, Sozialstruktur) werden als Ursachen oder zumindest Indikatoren für qualitative Verbesserungen um neue Größenordnungen ('Quantensprünge') be- trachtet“ (Spinner, 1998, S.313).
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Die Medien als Informationsvermittler nehmen in dieser Veränderung einen wichtigen Platz ein, auch durch die Kommerzialisierung des IuK-Bereichs und des Medienmarktes. Diese Entwicklung fördert zusätzlich die Globalisierung der Informationsströme. Die Veränderungen der Berufe und ihrer Struktur führen zu einem sozialen Wandel der sozialen Ungleichheit, der Lebenswelt und sozialen Beziehungen (Hillmann, 1994, S.366, Spinner, 1998, S.314ff.).
Die Informationsgesellschaft hat keine einheitliche Theorie, da viele verschiedene Autoren aus verschiedenen Disziplinen diesen Begriff anders fassen. Aus diesem Grund gibt es verschiedene Erklärungsmodelle, wovon die zwei prominentesten, beeinflusst von der nachindustriellen Gesellschaftstheorie, hier dargestellt werden. 1. Das ökonomische Sektorenmodell ist an Fourastié angelehnt, der dritte Sektor wird in zwei neue Sektoren aufgegliedert, in den originären Dienstleistungsbereich und in den Bereich der Informationsberufe bzw. -ökonomie. Dieser Ansatz geht von den ökonomischen Indikatoren, der Mehrzahl der Beschäftigten in In-formationsberufen oder deren überwiegende Beitrag zum Bruttosozialprodukt, aus. Aber Entwicklungen werden nicht erklärt und bestimmte gesellschaftliche Bereiche ausgeklammert.
2. Das Postindustielle Modell von Daniel Bell (s.o.) wird als Erklärungsmuster herangezogen. Das theoretische Wissen und die technische Intelligenz gelten als axiales Prinzip und als Motor der gesellschaftlichen Entwicklung. Außerwissenschaftliche Anwendungen der IuK-Technologien, z.B. in den Medien, im Verwal-tungshandeln, etc., d.h. Daten- und Regelwissen, wird ausgeblendet (Spinner, 1998, S.317ff.). Weltgesellschaft
Internationale Verflechtungen und Beeinflussungen waren schon in den 70er Jahren im Anschluss an den Strukturfunktionalismus untersucht worden. Heute sind es vor allem Beck, Giddens und Luhmann, die verschiedene Theorien zur Weltgesellschaft aufgestellt haben.
„Während die ‚Weltgesellschaft‘ eher den Zustand der globalen Vernetzung beschreibt, wird unter dem Begriff ‚Globalisierung‘ das Prozeßhafte dieses Umstandes beschrieben“ (Richter, 1997,S.185).
Die Globalisierung wird durch die Kostenreduktion des Transports und der Kommunikation angetrieben, unterstützt durch die Digitale Revolution. Dies führt zu einer höheren und schnelleren Mobilität von Menschen, Gütern, Kapital und Dienstleistun-
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gen. Der Zusammenbruch des Ostblocks, die Handelsliberalisierungen und die Liberalisierungen der Finanzmärkte gaben der Globalisierung einen weiteren Schub (Immerfall, 1998, S.256). Die wachsende Macht multinationaler Unternehmen (MNU), die internationale Migration, eine globale Armut, die Ausbreitung der Menschenrechte und eine Weltwirtschaft mit internationaler Arbeitsteilung unterstützen die Globalisierung. Die Triadisierung beschreibt dabei die Konzentration der ökonomischen Transaktionen auf die Triade Europa, USA und Japan (Beck, 1997, S.6ff.). Die ökologische Globalisierung wirkt über den Verbrauch der Ressourcen der Entwicklungsländer durch die Industrieländer, was zu einer globalen Umweltzerstörung, wie dem Treibhauseffekt, führt. Ein zusätzliches Umweltproblem besteht durch die von MNUs kontrollierte Industrialisierung der Entwicklungsländer. Die weite internationale Verzweigung der Handels- und Finanzströme lässt den Verursacher der Umweltkrise nicht mehr ausmachen (Hamm, 1998, S.346ff.).
Die globale Politik wird immer mehr durch das Auftreten von suprastaatlichen Organisationen, wie Wirtschaftsunionen bzw. -blöcke, Freihandelszonen, z.B. die EU, MERCOSUR oder ASEAN, aber auch von internationalen Nichtregierungsorganisationen bestimmt. Diese Organisationen unterstützen die Globalisierung, ohne sie vollständig kontrollieren zu können. Dies erfolgt durch eine internationale Zusammenarbeit in internationalen Konferenzen, z.B. über ökonomischen Freihandel oder ökologische Problemlagen (Hamm, 1998, S.344f., Immerfall, 1998, S.256f.). Die kulturelle Globalisierung wiederum wird durch eine globale Kultur- bzw. Medienindustrie mit verstärktem Kulturaustausch angetrieben. „Kulturelle Angebote, wie Musikrichtungen, Lebensstile oder Speisen, vervielfältigen sich, sind in ihrer Vielfalt aber überall ähnlich“ (Immerfall, 1998, S.256f.).
Meist tritt mit der Globalisierung die Gegenbewegung der Regionalisierung auf. Kleinere Räume als die Nationalstaaten, die Regionen, werden zu Identitätsbildnern und unterlaufen so z.B. die kulturelle Verflechtung.
Weiterhin wird der Nationalstaat durch die Globalisierung geschwächt. „Die wirtschaftliche Entwicklung entzieht sich nationalstaatlicher Kontrolle, während ihre sozialen Folgen - Arbeitslosigkeit, Migration, Armut - sich in den Auffangnetzen des na- tionalen Staates sammeln“ (Beck, 1997, S.4).
Arbeit zitieren:
Andreas Brand, 2000, Verschiedene Gesellschaftstheorien im Vergleich – Wie wird die zukünftige gesellschaftliche Entwicklung gesehen?, München, GRIN Verlag GmbH
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