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1. Einleitung
Die Anforderungen an Unternehmen und Einrichtungen wachsen stetig in einer Zeit, in der sich Wissen exponentiell vergrößert und deshalb schnell bezüglich seiner Aktualität in Frage gestellt wird. Neues Wissen, Innovationen und Wettbewerb, wie auch die Berücksichtigung sozial-politischer Modalitäten bedingen dabei Dynamik, die zunächst nicht ohne Weiteres zu durchblicken ist. Sie wird immer komplexer und dadurch immer weniger überschaubar, gestaltbar und steuerbar.
Diese Komplexitätserhöhung, erfordert ein Umdenken darin, wie ein modernes Unternehmen oder eine Einrichtung zu führen ist um wettbewerbsfähig, flexibel und innovativ zu bleiben. Aus diesen Tatsachen lassen sich Fragen darüber ableiten, wie diese Komplexität zu durchdringen ist, wie sie in einsehbare Strukturen überführt werden kann.
Daraus ergeben sich wieder verschiedene Aufgabenstellungen die zunächst erkannt werden müssen, um schließlich effektiv bearbeitet werden zu können.
Voraussetzungen dafür sind die Qualifikationen der darin eingebundenen Akteure.
Neben fundierten Fachkenntnissen und Kenntnissen in Bereich neuer Technologien von der Marktseite aus, sind überdies auch personale und soziale Kompetenzen, wie Flexibilität, Kommunikationsfähigkeit und Fähigkeit zur Teamarbeit unabdingbar.
Um diese neuen Aufgaben bewältigen und die Ergebnisse auch umsetzen zu können, ist Weiterbildung unerlässlich und bekommt einen immer höheren Stellenwert.
So ist ein Unternehmen als Markt zu verstehen, der einerseits nach diesen Qualifikationen fragt, aber auch als Anbieter von Lehrinhalten zur Erlangung bestimmter Kompetenzen.
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Aus dieser Tatsache resultiert ein Anwachsen der Komplexität, die sich insgesamt auf verschiedene Ebenen verteilt. Um die Strukturen die sich aus allem ergeben anzulegen, sichtbar zu machen und zu organisieren, müssen Aufgaben innerhalb der einzelnen Ebenen sinnvoll ge- und verteilt werden. In Fraktal organisierte Aufbauorganisationen geschieht das durch „Dezentralisation“ oder „Teambildung“.
In der vorliegenden Arbeit wird der Begriff der Fraktalen
Aufbauorganisation näher erklärt und seine Relevanz für die Berufsbildenden Schulen am Beispiel einer Schule im Niedersächsischen Schulversuch „ProReKo“ dargestellt.
Im Wesentlichen liegt der folgenden Arbeit das Buch „Die fraktale Fabrik“ von Hans-Jürgen Warnecke, erschienen 1992 im Springer Verlag, zugrunde.
2. Fraktale Organisation
2.1 Definition des Begriffes „Fraktal“
Der Begriff „Fraktal“ leitet sich aus dem lateinischen Wort „frangerefrango - fractum“ = brechen, zerbrechen -abbrechen ab. Im Wörterbuch wird er als „vielfach gebrochen, stark gegliedert“ umschrieben. 1
In der Wissenschaft geht der Begriff auf den französischen Mathematiker und Mitbegründer der Chaostheorie Benoît Mandelbrot (geboren 1924 in Warschau) zurück.
Er belegt dabei das zentrale Phänomen der Chaostheorie, dass in regelmäßigen und berechenbaren Intervallen stets Strukturen der Ordnung
1 Duden, Bd.5, 1997, S. 272.
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auftauchen, die sich wiederholen (Iterationen) und außerdem dem Ganzen oder dem Kleinsten stets ähnlich sind (Selbstähnlichkeit) mit dem Begriff Fraktalität 2 .
Vereinfacht ausgedrückt „Struktur in Struktur in Struktur“. Bekannte Phänomene dieser Art sind in der Natur zu finden, wie etwa die Verzweigungen eines Baumes, die Struktur eines Farnblattes oder der Aufbau einer Schneeflocke, die in der fraktalen Geometrie auch als „Koch´sche Kurve“ bekannt ist.
Stets findet sich die gleiche Form, das gleiche Muster das gleiche „Thema“ im Ganzen, wie auch in der allerkleinsten Teileinheit wieder.
2.2 Das Prinzip der Fraktalität als ordnende Einheit
Diese Selbstähnlichkeit strukturiert das Gesamtganze und ordnet es, woraus sich eine Art Übersichtlichkeit oder Vorhersehbarkeit innerhalb dieses Ganzen ergibt.
So entsteht in „Turbolenz und Zufälligkeit“ eine „Stabilität und Ordnung“die Struktur - wie auch das Chaos in der Struktur „verborgen liegt“ 3 . Die Form des Ganzen und die darin einbeschriebene Struktur organisiert sich von allein. Im Gegensatz zur konstruierenden Mathematik, deren Basis vorherige Berechnungen bilden, geschieht die Formbildung
2 vgl. Ciompi, 1999, S.137
3 vgl. Briggs, 1990, zit. bei Warnecke, 1992, S. 124
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natürlicher Fraktale aus sich selbst heraus, die aber mithilfe einfacher mathematischer Operationen berechenbar wird 4 . Beispiele sind auch Formation von Küstenlinien, Gebirgs- oder Wüstenlandschaften.
Die sich stets wiederholenden, selbstähnlichen Muster erscheinen in sich stetig verkürzenden Intervallen.
Die Stelle in einer chaotischen Dynamik, wo der Umbruch in eine neue, ähnliche geschieht, nennt man „Bifurkation“ (lat. „Gabelung“). „Dem amerikanischen Physiker Mitchell Feigenbaum gelang zudem der Nachweis, dass der Faktor, um welchen sich das Intervall verkürzt, (...)in nichtlinearen Systemen aller Art konstant den Wert von 4,66920160... hat.“ 5
Diese Konstante wird als „Feigenbaumsche Konstante“ bezeichnet. Der so beschriebene Ordnungsgrad einer nichtlinearen Fraktalität kann durch äußere Einflüsse gestört werden. Hierfür reichen bereits Kleinsteinflüsse aus. Diese winzigen Einflüsse addieren sich im weiteren Verlauf einer Dynamik und vergrößern sich dadurch überproportional, pflanzen sich fort und geraten zu einer deutlichen Abweichung innerhalb eines vorgezeichneten Verlaufs. Das Wetter dient dabei als anschauliches Beispiel: Der Wetterforscher Eduard Lorenz konnte durch eine Zufallsentdeckung nachweisen, das die Vernachlässigung einer X. Stelle hinter dem Komma bei Berechnungen in der Meteorologie zu so starken Abweichungen führt, dass es verheerende Auswirkungen auf die Gesamtwetterlage oder das Klima haben kann.
Er verglich diese Auswirkungen von minimalen Einflüssen mit dem Flügelschlag eines Schmetterlings am Amazonas und die großen Auswirkungen mit einem Taifun über Asien.
4 vgl. Warnecke, 1992, S.139
5 Chiompi, 1999, S. 137
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Dieser Effekt wurde danach als „Schmetterlings- Effekt“ bekannt 6 . Natürlich lassen sich mit dieser Kenntnis auch Fraktale auf Basis mathematischer Vorüberlegungen künstlich erzeugen. Intervalllängen, Muster, Dynamik und andere Strukturmerkmale können dabei vorher festgelegt und gesteuert erden. „Störungen“ können bewusst eingesetzt oder minimiert werden. Fraktale finden in der Kunst (Fraktalkunst), Filmtechnik, in den Natur- oder Wirtschaftswissenschaften Anwendung.
In den Betriebswissenschaften wird der Aufbau von Organisationen mit Hilfe von Fraktalen näher bestimmt und beschrieben. Hier liegen als Parameter die Grundeigenschaften fraktaler Objekte zugrunde, die auch deren hohe Ordnungskraft determinieren: Selbstähnlichkeit, Dynamik und Selbstorganisation 7 .
2.3 Kriterien einer Fraktalen Organisation
Die im vorherigen Abschnitt angesprochenen Betrachtungen können nun auf die Organisationsform eines modernen Unternehmens - der „Fraktalen Fabrik“ - bezogen werden, um die Kriterien einer fraktalen Organisation daran deutlich werden zu lassen:
Selbstähnlichkeit, Selbstorganisation, Selbstoptimierung und Dynamik. Um der Forderung nach unternehmerischem Denken und Handeln, das sich von der Führungsetage bis zum einzelnen Mitarbeiter fortsetzen soll, gerecht werden zu können, bedarf es einer fraktalen Zerlegung eines solchen Unternehmens in Form einer Dezentralisierung der Arbeits,-Steuerungs- und Handlungseinheiten.
6 vgl. Chiompi, 1999, S. 139
7 Vgl. Warnecke, 1992, S. 141
Arbeit zitieren:
Ina Siemssen, 2008, Fraktal organisierte Aufbauorganisation, München, GRIN Verlag GmbH
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