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Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 3
2. Begriffsdefinitionen 6
2.1. Begriffsdefinition Nation 6
2.2. Begriffsdefinition Diaspora 6
2.3. Begriffsdefinitionen Fremdheit, Alterität und Pathos 7
2.4. Begriffsdefinition Hybridität 8
2.5. Begriffsdefinitionen Totemismus, Fetisch und Magie 8
3. Tibet auf einen Blick 10
4. Der tibetische Buddhismus 14
5. Der Dalai Lama 18
6. Das traditionelle Tibet 21
7. Historische und religiöse Entwicklung Tibets 23
8. Ökologische Ausbeutung 40
9. Fazit 43
10. Ausblick 50
11. Bilderverzeichnis 53
12. Literaturverzeichnis 58
13. Empfohlene Links 60
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1 Einleitung:
Tibet, das Dach der Welt ist uns Europäern so fern, dass es kaum Beachtung findet. Dieses war sowohl vor der Sinisierung so, als Tibet vollkommen isoliert vom Rest der Welt war, als auch seit dem Einzug der Chinesen im Jahre 1950, die Tibet für Ausländer und vor allem für Vertreter der Presse kaum und wenn, dann nur verzehrt und realitätsfern zugänglich machen. So ist es nicht verwunderlich, dass es bis zum März 2008 viele Menschen gab, die von dem Vorgehen in Tibet bisher gar nicht informiert waren und die Unruhen zunächst einmal nicht begreifen konnten. Das ein oder andere Mal hören oder sehen wir in der Presse, dass der Dalai Lama durch die Welt reist, dass Politiker wie z. B. Angela Merkel die chinesische Regierung bittet, in ein Gespräch und in Verhandlungen mit dem Dalai Lama zu treten. Auch über die Unruhen wurden wir durch die Presse informiert, doch diese Themen werden oft nur angeschnitten und erfreuen sich meist nur einer kurzen Aktualität in den Medien und somit auch in den Köpfen der Menschen. In Zeiten der Finanzkrise oder der US-Präsidenten-Wahl ist Tibet nicht mehr relevant und wird im höchsten Falle noch nebenbei erwähnt. Ziel meiner Arbeit ist es unter anderem die Geschichte dieses magischen und spirituellen Volkes näherzubringen unter der besonderen Berücksichtigung des chinesischen Einflusses. Die erwähnte Magie und das Leid dieses Volkes, aber auch die Hoffnung werde ich versuchen, zu verdeutlichen. Dass die Welt so wenig informiert ist über die Geschehnisse in Tibet ist ebenso durch den Faktor der Kontrolle, die die Chinesen in Tibet ausüben, zu erklären. Kaum ein ausländisches Pressemitglied erhält freien, unkontrollierten Zugang zu diesem Land. Ich möchte mit meiner Arbeit einen Überblick über das Tibet geben, in welcher Form es sich seit dem Einzug der chinesischen Besatzung entwickelt hat und wie es heute erscheint. Hierbei möchte ich den zentralen Faktor der Identität hervorheben. Die tibetische Identität ist seit Jahrtausenden geprägt durch Spiritualität, Magie und religiösem Fetischismus. Wichtig ist für mich zu klären, ob sie sich ihre ursprüngliche Identität erhalten konnten, oder ob der Einfluss der Chinesen ihnen eine neue chinesische Identität aufoktroyiert hat, oder ob es eine Verschmelzung, eine Hybridität gab, die eine neue Form von Identität erschaffen hat. Ich beginne meine Arbeit mit einigen Begriffsdefinitionen, die für mich eine entscheidende Rolle bei der Präsentation Tibets und der Tibeter einnehmen. Nachdem
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ich einen allgemeinen Überblick über Tibet, den tibetischen Buddhismus und dessen geistigen Oberhaupt Dalai Lama gebe, befasse ich mich mit der historischen und religiösen Entwicklung Tibets mit besonderer Betrachtung des Aspektes der Sinisierung und deren Auswirkung auf das Land und die Einwohner. Abschließen möchte ich meine Arbeit mit einem persönlichen Fazit und Ausblick für das Land und die Identität Tibets. Den Schwierigkeiten, denen ich bei meiner Arbeit begegnet bin, bestanden in der Quellensuche, da wie bereits zuvor vermerkt, nur wenige wahrhaftige Informationen aus dem Land herausgetragen werden und die Chinesen Tibet von dem Rest der Welt sehr gut abschirmen. Es ist schwierig an aktuelle Geschehnisse und Hintergrundinformationen zu gelangen. Aktuelle Geschehnisse sind jedoch auf den Webseiten von Initiativen, die sich für Tibet einsetzen einzusehen.
Um den neutralen Blick zu gewährleisten, habe ich ebenso versucht, chinesische Quellen mit einzuarbeiten.
Die Chinesen regieren und bestimmen das Land, wenn nötig mit Einsetzung von Waffen und Gewalt, und die religiöse und kulturelle Identität der Tibeter wird in den Hintergrund gedrängt. Sie verschwindet aber nicht vollkommen und ist somit trotz aller Sinisierung weiterhin präsent. 1 2 Begriffsdefinitionen:
In diesem Kapitel werde ich einige Begriffe definieren, die ich bei den ausgewählten Bildern und meinem abschließenden Fazit verwenden und auf die tibetische Kultur anwenden werde. 2.1. Begriffsdefinition Nation:
Benedict Anderson bezeichnet eine Nation als eine Gemeinschaft von Menschen, die in gewisser Form gleich sind. Der Traum einer Nation besteht laut Anderson immer darin, frei und souverän zu sein und sich von anderen Nationen abzugrenzen. Die Mitglieder einer Nation sind in gewissen Fällen auch bereit, für diese Nation zu sterben. 2
1 Anmerkung durch die Verfasserin
2 Vgl. Benedict Anderson, Die Erfindung der Nation Zur Karriere eines folgenreichen Konzepts, Campus Verlag GmbH , Frankfurt am Main, 2. Auflage, 2005, S. 17
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2.2. Begriffsdefinition Diaspora:
Ruth Mayer definiert die Diaspora als eine Exilgemeinschaft, die einen mythischen Hintergrund mit einer identitätsstiftenden Grundlage beinhaltet. Hervorzuheben ist hierbei der gemeinsame Ursprung und ein bestimmtes, gemeinsames Ziel, dass die Mitglieder dieser Gemeinschaft anvisieren. 3 2.3. Begriffsdefinitionen Fremdheit, Alterität und Pathos:
Laut Julia Kristeva steht die Fremdheit in Abhängigkeit zur eigenen Unsicherheit, zur Bedrohung durch andere und zu dem Unverständnis anderer. Die Fremdheit bringt immer eine Form von Hierarchie mit. 4 In dieser Hierarchie gibt es zwei Parteien, aber auch die dritte Partei, die außerhalb der Hierarchie besteht, ist laut Waldenfels von großer Bedeutung. Er unterscheidet drei Formen von Dritten: 1. Der beteiligte Dritte: dieser äußert Zustimmung oder Missfallen über Geschehnisse zwischen den beiden Parteien der Hierarchie. 2. Der bezeugende Dritte: dieser macht Ereignisse bekannt und erinnert an diese. 3. Der neutral beobachtende Dritte: dieser registriert Geschehnisse ohne jedoch in diese einzugreifen oder zu intervenieren. 5
Das Fremde wird laut Waldenfels durch das widerfahrene Pathos fremd. 6 Dieses Pathos bezeichnet Waldenfels auch als Affekt und definiert es als ein Ereignis, das einem Menschen überraschend widerfährt und in gewissem Maße Leid hervorruft. 7 Der Affekt führt zu einer radikalen Fremdheit, in der keine Verschmelzung der beiden Parteien möglich ist. 8
3 Vgl. Ruth Mayer, Diaspora Eine kritische Begriffsbestimmung, transcript Verlag Bielefeld, 2005, S. 13
4 Vgl. Bernhard Waldenfels, Zwischen den Kulturen, In: Grundmotive einer Phänomenologie des Fremden, Suhrkamp, Frankfurt am Main 2006, S. 124
5 Ebd., S. 126
6 Ebd., S. 131
7 Vgl. Bernhard Waldenfels, Leibliche Erfahrung zwischen Selbstheit und Andersheit, In: Grundmotive einer Phänomenologie des Fremden, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 2006,
S. 72 - 73
8 Vgl. Bernhard Waldenfels, Zwischen den Kulturen, In: Grundmotive einer Phänomenologie des Fremden, Suhrkamp, Frankfurt am Main 2006, S. 131
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Auch Alois Hahn spricht von dem Fremden als Tremendum und meint damit eine Alterität, die als Bedrohung angesehen wird. Hierzu sagt er: Ä>«@ GLH 'LVWDQ] LQQHUKDOE GHV 9HUKlOWQLVVHV EHGHXWHW GD GHU 1DKH IHUQ LVW GDV Fremdsein aber, daß der Ferne nah LVW³ 9
Als Fremder bezeichnet Hahn nicht den, der umher- und vor allem auch wieder weiterzieht, sondern den, der kommt und schließlich bleibt. Fremdheit ist für ihn ein konfliktreicher Status, der zu Bedrohung, Vertreibung und Vernichtung des Fremden führen kann. Die Angst vor der unüberwindbaren Alterität und vor anderen Lebensauffassungen führen seiner Meinung nach oft zu gewalttätigen Aktionen. 10 2.4. Begriffsdefinition Hybridität:
Der Begriff der Hybridität wird durch Homi K. Bhabha als ein dritter Raum definiert, der entsteht wenn ein Land kolonisiert wird. In diesem dritten Raum existieren vermischte und verschmolzene Zeichen beider Kulturen, so dass der Raum weder vollständig der kolonisierten noch der kolonisierenden Kultur zugeordnet werden kann. Es entsteht durch Durchdringung ein Wechselverhältnis zwischen den Kulturen. 11
2.5. Begriffsdefinitionen Totemismus, Fetisch und Magie: Der Begriff des Fetischismus ZLUGXQVLQ+DUWPXW%|KPHVÄ)HWLVFKLVPXVXQG.XOWXU Eine andere Theorie der Moderne³QlKHUJHEUDFKWHierin benennt er unterschiedliche Ansätze verschiedener Theoretiker. Ich möchte mich auf vier Definitionen beschränken, da diese meiner Meinung nach in Bezug zu der Situation in Tibet stehen. Diese Theorien stammen von Max Müller, Adolf Bastian, Marcel Mauss und Aby Warburg.
Max Müller verwirft die Theorie des Fetischismus, die besagt, dass der Fetischismus als Ursprung der Religion gilt. Er bezeichnet den Totemismus und den Animismus als Ursprung, bezeichnet diese jedoch zugleich auch als theoretische Fiktionen. Seiner Meinung nach geht der Fetischismus auf den Aberglauben nicht-schriftlicher Kulturen
9 Vgl. Alois Hahn, Überlegungen zu einer Soziologie des Fremden, in: Simmel Newsletter, 1992, S. 59
10 Ebd., S. 54 - 61
11 Vgl. Ruth Mayer, Diaspora Eine kritische Begriffsbestimmung, transcript Verlag Bielefeld, 2005, S. 109
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zurück, in denen die Beseeltheit nicht-lebendiger Objekte und der Totemismus als Erkennungszeichen von Mitgliedern eines bestimmten Clans gedient haben. 12 Adolf Bastian betont den Synkretismus fetischistischer Elemente, d. h. die Vermischung ritueller Praktiken, die Nutzung von Fetischen als Bewältigung von Leid und Not oder als Befriedigung unsichtbarer Mächte, um sich deren Nutzen zu machen. Der Kult ist für ihn die Vertragsstempelung und der Stempel der Fetisch, der bei Lebensritualen, zum Schutz oder bei Konflikten eingesetzt werden kann. Somit erhält der Fetisch eine soziale Funktion in der jeweiligen Gesellschaft. 13 Marcel Mauss geht noch weiter und behauptet, dass der Fetisch durch den Code der Magie und das vorherrschende soziale Milieu bestimmt wird. Allgemein spricht er von einem Magiekonzept, das das Element Fetischismus beinhalte. Mit seiner Theorie, dass die Magie in allen Kulturen identisch sei, beruft er sich auf die zwei verschiedenen Kulturtypen von Morgan. Dieser unterscheidet zwischen der Societas und der Civitas.
Die Societas ist eine Kultur, die auf Personenbeziehungen aufgebaut ist. In diesem Kulturtypus herrscht der Totemismus vor, in dem das heilige Totem ein Tabu ist, es kann ein Zeichen oder ein Wappen sein und klassifiziert dadurch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kultur. Aus dem Totemismus entstehen bestimmte magische und fetischistische Riten, die für diese Kultur sozial bestimmend sind. Unterschieden werden hierbei die Natur- und Kulturmythen. Die Kulturmythen dienen zur Herkunftsklärung durch die Einführung von Tätigkeitsgöttern. Bei den Naturmythen werden der Ursprung und das Wirken von natürlichen Erscheinungen in Bilder oder Erzählungen gefasst.
Als zweiten Kulturtyp nennt Morgan die Civitas, welche durch Eigentumsregelungen territoriale Grenz- und Ortsbeziehungen beschließt. Hierbei herrscht ein magischanimistischer Bezug zur Natur vor 14 :
12 Vgl. Hartmut Böhme, Fetischismus in Religion und Ethnographie. Magie und Moderne In: Fetischismus und Kultur. Eine andere Theorie der Moderne, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg,
2006, S. 216 - 218
13 Ebd., S. 223 - 225
14 Ebd., S. 230 - 237
Arbeit zitieren:
Anna Avital Müller, 2009, Die Tibeter - Fremde im eigenen Land?, München, GRIN Verlag GmbH
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