Universität Potsdam
Lese-Rechtschreibschwäche (LRS)
früher Legasthenie
von
Susanne Altmann
1999
Inhalt
Voraussetzungen zum Lesenlernen: 5
Rechtschreiben lernen: 6
Ursachen für LRS: 6
Grundsätze zur Förderung von Schülern/Schülerinnen mit LRS: 7
Lern- und Arbeitstechniken für LRS-SchülerInnen: 8
Grundsätze für pädagogische Lernhilfen: 9
Beispiele für Lernhilfen in Klasse 1: 11
1. Anregen im gemeinsamen Unterricht - Differenzierung der Anschlußaufgabe: 11
2. Anstöße und Bestätigungen bei offenen Lernformen: 12
3. Individuelle Anregungen: 12
4. Selbständigkeit und Kontrolle in der Fördersituation: 12
Konkrete Vorschläge für Lernhilfen: 12
- Anlage einer Wörterschachtel: 12
- Einüben eines Diktates alleine: 13
- Ein Gruppen-Schreibspiel: 13
- Einbettung der Rechtschreibübungen in kommunikative Zusammenhänge: 14
Förderdiagnostik: 14
Möglichkeiten der Förderung von LRS-Kindern - Kooperativer Unterricht: 15
Zusammenarbeit der LehrerInnen: 15
Förderung der Kinder im kooperativen Unterricht: 16
Spiele und Spielen mit LRS-SchülerInnen: 17
Spielen im Förderunterricht mit LRS-Schülern/Schülerinnen: 18
Wörterbucharbeit und Arbeit mit dem Grundwortschatz: 19
Warum ist Wörterbucharbeit wichtig für Kinder? 19
Warum ist es so schwierig Kinder zum Nachschlagen im Wörterbuch zu bewegen? 20
Was muß man berücksichtigen, wenn man mit einem Wörterbuch arbeitet? 20
Was ist an der Arbeit mit einem Wörterbuch am wichtigsten? 20
Warum wird mit dem Grundwortschatz gearbeitet? 21
Probleme bei der Arbeit mit dem Grundwortschatz: 21
Wie sollten Grundwortschätze sein? 21
Computereinsatz in der Schule: 21
Gründe für den Einsatz: 21
Prüfliste für Lernsoftware: Ziele der Software: 22
Inhalt: 22
Methodik - Didaktik: 22
Zielgruppe: 22
Benutzungsmöglichkeiten: 23
Benutzerfreundlichkeit und Interaktivität: 23
Technologiegebrauch: 23
Hardware: 24
Bildschirmgestaltung: 24
Begleitmaterial: 24
Kriterien zur Auswahl von Lesetexten: 24
Literatur als Lebenshilfe: 25
Kriterien zur Beurteilung von Rechtschreibmaterialien: 25
1. Allgemeine Informationen: 25
2. Aufbau und Gestaltung des Materials: 26
3. Übungsformen: 26
4. Wortschatz: 26
5. Sprachliche und kommunikative Aspekte: 27
6. Themen und Inhalte des Materials: 27
7. Vermittlung von Arbeitstechniken und Lernstrategien: 27
8. Differenzierung und Individualisierung: 27
Was LehrerInnen Eltern raten können: 27
1. Lesen: 28
2. Schreiben und Rechtschreiben 29
3. Hinweise für förderndes Elternverhalten 30
Eigene zusammenfassende Meinung zu LRS: 31
Literatur: 32
Mit der Abschaffung des Begriffes Legasthenie wurden die Probleme nicht ad acta gelegt, sondern die Bedeutung der Beherrschung der Schriftsprache für die Entfaltung der Persönlichkeit sowie die Zuständigkeit und Verpflichtung der Schule für die Vermittlung dieser Grundanforderung wird deutlich gemacht. Der neue Begriff Lese-Rechtschreibschwäche oder auch Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten (LRS) wird als Sammelbegriff für eine Vielzahl von Problemen beim Erlernen des Schreibens, Lesens und Rechtschreiben benutzt. Es handelt sich hier nicht um eine im Kind liegende Schwäche, sondern um auftauchende Schwierigkeiten, die unterschiedliche Ursachen haben können. Sie können durch häusliche oder schulische Bedingungen bzw. organisch-endogene Faktoren ausgelöst werden.
LRS wird meistens für ein pädagogisches Problem gehalten, und man geht davon aus, daß bei optimaler Gestaltung des Lernumfeldes und angemessenen Methoden alle Kinder (ausgenommen schwer geistig Behinderte) Lesen lernen können, deswegen ist ein binnendifferenzierter kindorientierter Unterricht wichtig. Auch müssen frühzeitig Hilfen bei Schwierigkeiten gegeben werden, da es sonst unweigerlich zur Frustration führt. Damit stoßen wir auf das Problem der Jahrgangsklassen, durch diese sind wir daran gewöhnt, daß wir Leistungen von Kindern in diesem Zusammenhang sehen, obwohl wir längst wissen, daß es in der vorschulischen Entwicklung in der Regel Verschiebungen gibt. Bei vielen Beobachtungen sieht man, daß es entsprechende Unterschiede auch in Beginn und Dauer des Lernprozesses beim Schreiben- und Lesenlernen gibt. Dadurch wäre denkbar, daß lese-rechtschreibschwache Kinder vor allem als Kinder mit einem langsamen Entwicklungstempo und/oder als Kinder mit einem niedrigeren Ausgangsniveau zu verstehen sind.
Durch Entwicklungsmodelle kann man lese- und rechtschreibschwache Kinder besser verstehen, ihre Rechtschreibfehler bestätigen, daß sie Kinder auf einer frühen Stufe des Schriftspracherwerbs sind. Es handelt sich aber nicht unbedingt nur um eine Entwicklungsverzögerung, es kann für sie durchaus auch "höhere Hürden" beim Schriftspracherwerb geben, z.B. richtige Artikulation, Differenzierung zwischen Lauten, Analyse eines Wortes in ihre Lautbestandteile, erkennen orthographischer Regelmäßigkeiten, aber im Prinzip sind dies Hürden, die alle Kinder zu bewältigen haben.
Wenn man Schriftspracherwerb als Schöpfung einer neuartigen Fähigkeit mit Hilfe bereits vorhandener Möglichkeien ansieht, dann kann die Auseinandersetzung des einzelnen Kindes mit der Schrift als eine Art von Problemlösen betrachtet werden. Alle Kinder stehen zunächst vor dem Problem, daß sie Lesen und Schreiben lernen wollen (bzw. sollen), es aber erst einmal nicht können. Die zur Verfügung stehenden Mittel (Denkweisen, Kenntnisse) müssen zur Lösung des Schriftproblems verändert werden. Damit werden größte Unterschiede beim Erlernen des Lesens und Schreibens zwischen Kindern, die ansonsten über vergleichbare Grundfähigkeiten verfügen, erklärbar: Beim Problemlösen gelingt es nämlich den einen, ihre vorhandenen Fähigkeiten effektiv für die Problemlösung zu nutzen, den anderen nicht. Spontanschreibungen von Kindern, die noch keinen Unterricht hatten sehen oft wie Schreibungen von Legasthenikern aus, daß heißt sie weisen Abweichungen von der orthographisch richtigen Schreibweise auf, die den Fehlern sehr rechtschreibschwacher Kinder ähnlich sind. Es handelt sich dabei hauptsächlich um Abweichungen in der Raumlage der Buchstaben, die früher als legasthenietypisch angesehen wurden.
Selbsterfahrungstests (aus I. M. Naegele, R. Valtin: LRS in den Klassen 1-10, Abbildungen vgl. dort):
Erklärungen:
[in Downloaddatei enthalten]
Diese künstliche Streßsituation läßt sich sicherlich nur bedingt mit der Lage der LRSSchülerInnen vergleichen, denn in dieser Situation war das ganze mehr oder weniger ein Spaß, während es für betroffene SchülerInnen tagtäglicher Ernst ist. Auch wenn man beim Lesen dieser Texte "legasthenische" Schwierigkeiten verspüren kann, so fällt es uns allen trotzdem sehr schwer, uns in die Lage eines Leseanfängers zu versetzen, dem grundlegende Einsichten in den Zusammenhang zwischen gesprochener und geschriebener Sprache fehlen.
Voraussetzungen zum Lesenlernen:
Heute weiß man, daß Lesen und Schreiben keine mechanischen Vorgänge darstellen, sondern Prozesse des Problemstellens und -lösens. Der Schüler/die Schülerin muß das Schriftsystem für sich selbst entdecken und neu konstruieren, wobei er/sie sich auf seine/ihre bereits verfügbaren Kenntnisse und Fähigkeiten, z.B. die Sprache, stützt. Zu einem erweiterten Begriff vom Lesen gehört sowohl Lesefertigkeit und Sinnverständnis als auch die Verarbeitung des Gelesenen und die Auseinandersetzung mit der Thematik des Textes.
[...]
Arbeit zitieren:
Susanne Altmann, 1999, LRS - Leserechtschreibschwäche, München, GRIN Verlag GmbH
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