Einzelpersonen oder Gruppen. Einzelpersonen können Promoter, Prozessbegleiter, Pflegeexperten und Lehrer für Gesundheits- und Krankenpflege sein. Vor allem aber auch Gruppen, wobei die vorher genannten Einzelpersonen Mitglieder in diesen Gruppen sein sollen. Diese Gruppen können Qualitätszirkel, die Ausbildung allgemein an den Schulen für Gesundheits- und Krankenpflege evtl. mit Weiter- und Fortbildungsangeboten, Arbeitsgemeinschaften für Pflegeforschung und Journal Clubs, in denen anderen Interessierten regelmäßig Forschungsarbeiten vorgestellt werden, sein. Ratsam ist es aber auf jeden Fall eine (oder mehrere) EBN Fachkraft zur Lenkung und Organisation zur Verfügung zu haben. 5
In diesem Beitrag werden nun nachfolgend zwei verschiedene Beispiele einer Implementierung von EBN in die Praxis beschrieben, die konkrete Umsetzung vergleichend mit Vorschlägen aus der Literatur beleuchtet und die Auswirkungen auf die Pflege abgeleitet.
2 Methodik
Als erstes Beispiel für eine erfolgreiche Implementierung wurde das Projekt am LKH Univ. Klinikum Graz gewählt. Die Auswahl lässt sich zweifach begründen. Zum einen handelt es sich um ein österreichisches Projekt mit den hierzulande geltenden Rahmenbedingungen. Zum Anderen war es für die Informationssammlung hilfreich, dass ein Gruppenmitglied durch die Tätigkeit an der Abteilung Pflege der Stmk. Krankenanstaltenges.m.b.H. eine Nähe zu den beteiligten Akteuren hat.
Nach diesem nationalen Beispiel zur erfolgreichen Implementierung von EBN wurde über die Grenzen Österreichs hinaus in das benachbarte Ausland geschaut. Die Auswahl fiel auf das Universitätsspital Bern, da aufgrund eines Praktikums eines weiteren Gruppenmitgliedes, im Rahmen einer anderen Ausbildung, wiederum ein sinnvolles Naheverhältnis zum Klinikum Bern besteht. In diesem Zusammenhang wurde Kontakt mit Dr. Virpi Hantikainen aufgenommen, da sie die Funktion der Bereichsleiterin in Pflegeentwicklung und Forschung am Inselspital Universitätsspital Bern inne hat. Die Grundlage für diesen zweiten Teil der Bearbeitung ist einerseits ein Artikel im PrInterNet 2005 und andererseits ein aktueller Statusbericht (2006), zum Projekt „Strategie und Konzept für die Weiterentwicklung der Dienstleistung und Forschung in den Bereichen Pflege und MTT-Berufe am Inselspital Bern 2005-2009“. Abgerundet und teilweise erweitert bzw. präzisiert wurden diese Ergebnisse durch persönliche Aussagen von Dr. Hantikainen (diese werden im nachfolgenden Text mit „Frage an Dr. Hantikainen“ deklariert). Nicht zuletzt wurden wir durch die Ausführungen von
5 vgl. Behrens, Langer 2006, S. 272-281
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Behrens und Langer, die diese beiden Implementierungsprojekte in ihrem Buch „Evidencebased Nursing and Caring“ vorstellen ermutigt eine korrekte Auswahl getroffen zu haben. 6
3 EBN am Univ. Klinikum Graz
Im Jahr 2003 wurde von der Anstaltsleitung des LKH Univ. Klinikum Graz ein Projekt mit dem Titel EVIDENCE BASED NURSING initiiert. Dieses Projekt wird wie oben erwähnt, in der Folge als erstes Beispiel für eine Implementierung von EBN herangezogen.
3.1 Eckdaten des Projektes
Ausgangsbasis für das Projekt waren der steigende Wettbewerb im Gesundheitswesen mit knapper werdenden Ressourcen und der Wunsch nach schnell verfügbaren relevanten Informationen für alle Pflegenden.
Als Ziele wurden der Aufbau einer Evidence basierten Pflege am Klinikum zur Sicherung einer nachhaltigen Pflegequalität, die Wirksamkeitsüberprüfung von Pflegehandlungen und die Implementierung von Forschungsergebnissen in die Pflegepraxis proklamiert. Eine zentrale Aufgabenstellung des Projektes war die Vernetzung von EBN in Österreich. 7 Dazu wurden folgende Kooperationen geschlossen: Allg. Gesundheits- und Krankenpflegeschule am LKH Univ. Klinikum Graz Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft der Martin Luther Universität Halle-Wittenberg in Deutschland
Akademie für Fort- und Sonderausbildung - Fachbereich Forschung in der Pflege -Wien
Die daraus entwickelte Homepage ww.ebn.at sollte das Vorhaben, ein osterreichweites Netzwerk zu bilden, EBN bekannter zu machen und evidence-gestützte Pflegeergebnisse zur Verfügung zu stellen, unterstützen.
3.2 Homepage EBN
Die Möglichkeiten des World Wide Web eignen sich ideal um Informationen für Nutzer ansprechend zu gestalten. Es lässt sich rasch aktualisieren und verändern. Ziele der Homepage sind EBN zu repräsentieren und bekannt zu machen, einen thematischen Einblick in EBN zu geben, wissenschaftliche Belege in der Pflege zu generieren und die Ergebnisse zu Verfügung zu stellen sowie Kooperationen zu bilden. Neben allgemeinen Informationen wie Grundlagen, Links, Instrumente für die EBN Arbeit und Terminankündigungen, enthält die Homepage eine Rubrik, in der Pflegefragen evidenzgestützt aufgearbeitet und die Ergebnisse veröffentlicht werden. Die Initiatoren der
6 vgl. Behrens, Langer 2006, S. 281f
7 vgl. Weiß 2005, S.493
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Homepage weisen jedoch darauf hin, dass sie sich nicht als Servicestelle sehen, die User ihre Pflegefragen beantworten, da dies die Ressourcen übersteigen würde. Es werden nur Ergebnisse veröffentlicht die in Einrichtungen erarbeitet wurden. Es werden im Sinne des Netzwerkes Pflegepersonen eingeladen sich an diesem Angebot zu beteiligen. Voraussetzung sind abgeschlossene EBN Kurse und die Bereitschaft mindestens zwei Pflegefragen jährliche EBN gestützt zu bearbeiten und der Homepage zur Veröffentlichung zu Verfügung zu stellen. 8
3.3 Projektverlauf
Das Projekt wurde in zwei Phasen bzw. zwei Teilprojekte aufgeteilt, wobei die erste Phase mit Ende 2006 abgeschlossen wurde. Die erste Phase bildet den Grundstein, bei dem Voraussetzungen geschaffen wurden, die großflächigere und an den genannten Zielen orientierte Implementierung erst möglich machen.
3.3.1 Grundzüge EBN
Es werden folglich Grundzüge des EBN erklärt, die die Ausgangsbasis für das Vorgehen im Rahmen des Projektes bildeten.
„Evidence-based Nursing ist die Nutzung der derzeit besten wissenschaftlich belegten Erfahrung Dritter im Arbeitsbündnis zwischen einzigartigen Pflegebedürftigen und professionell Pflegenden“ 9 Diese Definition zeigt, dass neben der wissenschaftlich belegten Erfahrung auch das Arbeitsbündnis und die Einzigartigkeit der Pflegebedürftigen nicht ausgeklammert werden dürfen.
Eine internationale Organisation für Evidence-Based Practice definiert EBN als „an intergration of the best available, nursing expertice, and the values and preference of the individuals, families, and communities who are served.“ 10 Auch aus dieser Definition geht hervor, dass bei EBN das beste verfügbare Pflegewissen mit der Individualität der Betreuungssituation verknüpft werden muss.
In diesem Zusammenhang wird der Begriffe Evidence in eine „externe Evidence“ und eine „interne Evidence“ geteilt. Behrens und Langer raten in diesem Zusammenhang sechs Schritte von der internen zur externen Evidence und zurück. „Nach der Klärung der Aufgabenstellung oder genauer des Auftrags folgt die Formulierung einer beantwortbaren Fragestellung, die die Grundlage bildet für die Literaturrecherche, deren Ergebnisse kritisch
8 vgl. Weiß 2005, S.496f
9 Behrens, Langer 2004, S. 21
10 Sigma Theta Tau 2004, S. 69
Handout - Implementierung von EBN, Erlach-Rechberger, Roschitz, Wallner, 04/2007 4
beurteilt und anschließend in die Praxis implementiert werden, wobei eine abschließende Evaluation erfolgt.“ 11
Externe Evidence ist die erwiesene (Studie) Wirksamkeit einer Intervention auf eine bestimmte Population. Sie ist unabhängig von der pflegenden Person und ihren Klienten. Interne Evidence umfasst an Personen gebundene Überzeugungen und Erfahrungen aller Beteiligten mit einer individuell biographischen Zielsetzung. 12 Beide Ansätze müssen in die pflegerische Entscheidung miteinbezogen werden. Denn „auch wenn die externe Wirkungsevidence der Erfahrungen Dritter in der Regel nur als gruppenbezogene Wirkungshäufigkeiten vorliegen, beschränkt sich das Ziel von Evidence-based Nursing nicht auf den größten Nutzen für eine Gruppe (kollektiver Utilitarismus), sondern bezieht sich gerade auf den Nutzen für den einzigartigen individuellen Klienten. Die Vermittlung zwischen gruppenbezogenen Wahrscheinlichkeiten und individuellen Entscheidungen einzigartiger Individuen ist die Methode der sechs Schritte des Evidence-based Nursing von der internen Evidence zur externen Evidence und zurück.“ 13 Behrens und Langer schreiben noch weiters dazu: „Niemals kann die externe Evidence die persönliche pflegerische Entscheidung, die persönliche Zielsetzung und Problemstellung ersetzen.“ 14
Diese Unterscheidung zwischen externer und interner Evidence bildete die Ausgangslage für den Projektstart.
3.3.2 Projektphase I
Ausgehend von den oben zitierten Definitionen geht es bei der externen Evidence darum, wissenschaftliche Erkenntnisse rasch zu finden, zu ordnen, zu prüfen und in die Pflegepraxis zu implementieren.
Das Finden, Ordnen und Überprüfen von Erkenntnissen setzt jedoch Fähigkeiten voraus, welche die in der Praxis stehenden Pflegepersonen nicht immer einbringen können. Dies liegt vermutlich daran, dass die Vermittlung der erforderlichen Skills erst seit kurzem ansatzweise in die Grundausbildung Einzug fand. Selbst bei Vorhandensein der erforderlichen Fähigkeiten sind die nötigen Ressourcen (Zeit, Zugang zu Literatur, etc.) selten vorhanden.
Daher ist es sinnvoll einzelne Schritte des EBN Verfahrens an besonders geübte bzw. im besten Fall dafür freigestellte Kollegen zu delegieren, solange die Verantwortung bei der einzelnen Pflegenden bleibt. 15
11 Behrens, Langer 2006, S. 22
12 vgl. Behrens, Langer 2004, S. 27
13 Behrens, Langer 2006, S. 18
14 Behrens, Langer 2004, S. 27
15 vgl. Langer, Pflanzer 2005, S. 485; Behrens, Langer 2004, S. 42
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Diese Verlagerung einzelner Schritte von der Mikroebene (in der Praxis stehende Pflegende) auf eine zentrale Stelle der Institution (Mesoebene) wurde in der ersten Projektphase vollzogen.
Dazu wurde ein Team von sechs Pflegepersonen in den Methoden des EBN geschult und ausgebildet.
3.3.3 Beschreibung der Ist-Situation LKH Univ. Klinikum Graz / KAGES
Die Steiermärkische Krankenanstaltenges.m.b.H. entwickelt in der Abteilung Pflege zentral und überregional teilweise in Kooperation mit dem Normungsinstitut Standards für ausgewählte Pflegesituationen. Diese sind in allen Anstalten des Unternehmens zu implementieren. Weiters erlassen die meisten Anstalten Fachrichtlinien die in dem betreffendem Haus gelten. Die zentralen Standards müssen sehr allgemein gehalten werden, damit sie in allen Bereichen umgesetzt werden können. Weiters fehlen bei der Entwicklung oftmals Forschungsergebnisse. Die Fachrichtlinien sind nicht nach dem Erfordernis von Evidence-based Nursing überprüft.
Die Gefahr der Standards liegt jedoch darin, dass die Bedürfnisse und Ressourcen des Patienten bei der Befolgung der Leitlinien vergessen werden. Dies wäre mit dem Prinzipien von EBN nicht vereinbar. 16 Fakt ist jedoch, dass viele Pflegehandlungen auf den genannten Vorgaben beruhen.
Andere Wissensquellen sind das Wissen und die Erfahrungen der Pflegenden oder deren Kollegen aus dem Umfeld. Weiters fehlt vielen Pflegepersonen die Fertigkeiten wissenschaftliche Artikel zu lesen und zu bewerten sowie sie in die Praxis zu implementieren.
3.4 Angebot an die Pflegenden in der Praxis
Die Aktivitäten des Projektes sind unter den Punkten Ausbildung, Wissensmanagement und Pflegefrage zusammenzufassen.
Durch die Kooperationen wird EBN an der Gesundheits- und Krankenpflegeschule sowie ab dem WS im Rahmen des Studiums für Pflegewissenschaft gelehrt. Weiters werden Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen angeboten. 17
Dieses Ausbildungsangebot ist insbesondere für in der Praxis stehende Pflegepersonen wichtig, da diese die individuelle pflegerische Entscheidung treffen. Die Maßnahmen unter der Rubrik Wissensmanagement zielen auf eine Verbreitung der Ergebnisse, auf eine möglichst große Gruppe an Interessierten, ab.
16 vgl. Behrens, Langer 2004, S. 216
17 vgl. Foussek, Uhl 2004, o.S.
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Arbeit zitieren:
MSc Helmut Wallner, Peter Roschitz, Ulrike Erlach-Rechberger, 2007, Die erfolgreiche Implementierung von Evidence-based Nursing (EBN) in die Praxis und die Erläuterung dessen Auswirkung auf die Pflege, anhand von zwei Beispielen, München, GRIN Verlag GmbH
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