Um ein Forschungsprojekt realisieren zu können, bedarf es einer intensiven Unterstützung, welche ich durch Frau Univ.-Prof. Dr. Christa Them erhalten habe. Durch ihre engagierte wissenschaftliche Betreuung hat sie einen maßgeblichen Anteil zum Entstehen und Gelingen der vorliegenden Forschungsarbeit beigetragen. Auch in kritischen Phasen bestärkte sie mich, die angefangenen Wege weiterzuverfolgen.
Des Weiteren bedanke ich mich beim Vorstandsvorsitzenden und Geschäftsführer Herrn Primarius Dr. Wolfgang Brandtner sowie bei den Mitgliedern des Vorstandes des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern Ried im Innkreis für die großzügige Unterstützung und die Möglichkeit zur Erstellung dieser Forschungsarbeit. Ohne diese Unterstützung wäre ich nicht in der Lage gewesen, mich mit solch einer Konzentration dem Forschungsgegenstand zu widmen.
Besonders bedanken möchte ich mich bei den Pflegedirektionen und leitenden Mitarbeitern der beteiligten Kliniken, die durch die Möglichkeit der Befragung und Motivierung ihrer Mitarbeiter zum wesentlichen Gelingen der Forschungsarbeit beigetragen haben. Ebenso gilt mein Dank den diplomierten Gesundheits- und Krankenschwestern und -pflegern, die durch ihr Interesse und die aktive Mitarbeit beim Ausfüllen der Fragebögen einen wesentlichen Beitrag zur Entstehung der Arbeit leisteten.
Besonderer Dank gebührt dem Team des Vinzentinums Ried im Innkreis. Durch ihre Unterstützung ist es mir gelungen dieses Forschungsvorhaben umzusetzen. Im Besonderen bedanke ich mich bei meiner stellv. Direktorin Frau Anna Schober als Lektorin sowie bei meinem Kollegen Hans Huber für seine Unterstützung bei allen EDV - technischen Fragen.
Ein ganz besonderes Dankeschön gilt meiner Frau Dagmar und meinen beiden Töchtern, Lisa-Marie und Laura-Sophie, die auf vieles verzichten mussten, mich aber durch ihre Geduld, Anregungen und Motivation bei dieser Arbeit unterstützt haben.
III
Bei den Ergebnissen ist besonders auffällig, dass fast die Hälfte der befragten Pflegepersonen ihren Gesundheitszustand nur mit „befriedigend“ einschätzte. Zudem zeigt die Auswertung der Ergebnisse in Bezug auf den Gesundheitszustand und das Gesundheitsverhalten von Pflegenden hochsignifikante Zusammenhänge.
Ein ebenso hervorzuhebendes Ergebnis der Studie ist, dass eine große Anzahl der diplomierten Pflegepersonen angab, keine Vermittlung von Wissen zu Beratungsgesprächen im Rahmen der Pflegeausbildung erhalten zu haben und, dass sie in der Pflegepraxis keine Beratungsgespräche durchführen.
IV
Demographic developments as well as an increase in so-called lifestyle-related diseases have clearly highlighted the financial limits of our health system in recent years. As a result, there is an increased call for health care policies in prevention, the promotion of good health and health counselling. In the future, health education in the form of guidance and counselling by registered nurses will be indispensable.
The aim of the study is to present the current status regarding the health and “health behaviour” of registered nurses as well of the teaching of guidance and counselling dialogues with patients and their families in the course of a nurse’s training and the implementation of such in the everyday practice of nursing.
Since nurses represent the largest professional group in the health care system, the question arises as to how they are prepared for the tasks in the area of prevention and the promotion of good health. In this survey the nurses were asked questions about their “health behaviour”, about the teaching of guiding and counselling patients in schools of nursing as well as questions about the holding of guidance and counselling dialogues with patients and family members in the schools of nursing.
It is particularly striking that almost half of those nurses surveyed evaluated their health as being only “satisfactory”. Furthermore, the analysis of the results shows highly significant correlations in regards to health and “health behaviour”.
A result of the study that should also be pointed out is that a large number of the nurses stated that they received no training in counselling during their training as nurses and that they have not conducted counselling dialogues on the job.
The guidance and counselling of patients and family members is an activity that is becoming increasingly more important in nursing and that, given the development of demographics and health care policies, will be - and will have to be - more clo-
VI
sely observed. Thus it is essential to gear the contents of training in schools of
nursing to the development of additional competencies, such as e.g. the ability to
guide and counsel, and communicate in the framework of course of preventive,
health promoting nursing.
Keywords :
prevention , promotion of health, caregivers, guidance, counselling, school of nurs-
ing, school of the promotion of health
VII
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 1
1.1 PROBLEMSTELLUNG 1
1.2 ZIELE UND FORSCHUNGSFRAGEN. 4
1.3 AUFBAU UND STRUKTUR DER ARBEIT 5
2 THEORETISCHER TEIL. 6
2.1 LITERATURRECHERCHE 6
2.1.1 AUSWAHLKRITERIEN FÜR RECHERCHIERTE ARTIKEL 8
2.1.2 QUALITÄTSPRÜFUNG DER RECHERCHIERTEN ARTIKEL 8
2.2 AUSSAGEN ZUR GESUNDHEIT. 9
2.3 PRÄVENTION 15
2.3.1 Prävention nach dem Zeitpunkt. 18
2.3.2 Prävention nach dem Ziel. 20
2.3.3 Prävention nach der Methode 21
2.4 GESUNDHEITSFÖRDERUNG 23
2.4.1 Gesundheitsförderung in der Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung 27
2.4.2 Berufsrechtliche Grundlagen der Gesundheitsförderung in der Pflegeausbildung 29
2.4.3 Ansatz einer gesundheitsfördernden Schule 34
2.5 AUSSAGEN ZUR PFLEGE IN DER PRÄVENTION UND GESUNDHEITSFÖRDERUNG 40
2.5.1 Aufgaben der Pflege in der Prävention und Gesundheitsförderung in
unterschiedlichen Altersgruppen 43
2.5.2 Anleitung und Beratung 50
2.5.2.1 Anleitung 51
2.5.2.2 Beratung. 55
2.6 GESUNDHEITSERZIEHUNG. 61
2.6.1 Rolle der Pflegenden in der Gesundheitserziehung. 64
2.7 GESUNDHEITSVERHALTEN UND GESUNDHEITSZUSTAND VON DIPLOMIERTEN
PFLEGENDEN 66
3 METHODIK 71
3.1 FORSCHUNGSFRAGEN 71
3.2 FORSCHUNGSDESIGN 72
3.2.1 Der schriftliche Fragebogen 73
3.2.2 Pretest 74
3.2.3 Planung und Durchführung der Befragung. 76
3.2.4 Ethische Aspekte. 77
VIII
4 DARSTELLUNG DER ERGEBNISSE. 78
4.1 BESCHREIBUNG DER SOZIODEMOGRAFISCHEN UND BERUFSBEZOGENEN DATEN 78
4.2 GESUNDHEITSZUSTAND UND GESUNDHEITSVERHALTEN DER BEFRAGTEN 80
4.3 VERMITTLUNG VON ANLEITUNG UND BERATUNGSGESPRÄCHEN IN DER GESUNDHEITS-
UND KRANKENPFLEGEAUSBILDUNG. 89
4.3.1 Beratungsgespräche in der praktischen Gesundheits- und
Krankenpflegeausbildung 90
4.3.2 Anleitung in der praktischen Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung. 91
4.3.3 Vermittlung von Beratungsgesprächen in der Gesundheits- und
Krankenpflegeausbildung 93
4.3.4 Durchführung von Anleitung und Beratungsgesprächen mit Patienten im
Pflegealltag. 95
5 DISKUSSION 107
5.1 GESUNDHEITSZUSTAND UND GESUNDHEITSVERHALTEN DER BEFRAGTEN DIPLOMIERTEN
PFLEGENDEN 108
5.2 VERMITTLUNG VON ANLEITUNG UND BERATUNGSGESPRÄCHEN IN DER
PFLEGEAUSBILDUNG. 117
5.3 DURCHFÜHRUNG VON ANLEITUNG UND BERATUNGSGESPRÄCHEN IM PFLEGEALLTAG 123
5.4 LIMITATIONEN DER STUDIE. 134
6 AUSBLICK. 134
7 ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS 138
8 ABBILDUNGSVERZEICHNIS 139
9 TABELLENVERZEICHNIS. 140
10 LITERATURVERZEICHNIS. 142
11 ANHANG. 155
IX
1 Einleitung
Im Rahmen der Unterrichtstätigkeit des Autors in der Gesundheits- und Krankenpflege entstand die Idee das Thema der „Prävention und Gesundheitsförderung durch diplomierte Pflegende sowie Schüler der Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung“ zu untersuchen. Unterrichtsfächer, wie Gesundheitserziehung und Gesundheitsförderung im Rahmen der Pflege, Arbeitsmedizin und Pflege alter Menschen, sowie der tägliche Umgang mit Schülern der Gesundheits- und Krankenpflege und diplomierten Pflegenden, erfordern permanent die Auseinandersetzung mit dieser Thematik. Die Vermittlung von Wissen zu Prävention und Ge-sundheitsförderung wurde im Gesundheits- und Krankenpflegegesetz (GuKG, 1997) für die Berufsgruppe der diplomierten Pflegepersonen gesetzlich festgeschrieben. Prävention und Gesundheitsförderung werden in der Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung häufig in Form von Anleitung und Beratungsgesprächen vermittelt.
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in dieser Studie die männliche Form gewählt. Unter dem Begriff „Pflegende, Schüler und Lehrer“ sind sowohl männliche als auch weibliche Personen zu verstehen.
1.1 Problemstellung
Die demografische Entwicklung und zivilisationsbedingte Krankheiten verursachen steigende Behandlungskosten und führen zu einem erhöhten Versorgungs- und Behandlungsbedarf (Schuler, 2006). Darüber hinaus unterliegen die Veränderungen und die Umgestaltung der beruflichen Arbeit im Gesundheits- und Sozialwesen gegenwärtig und künftig einem starken Reformdruck. Dabei kann nicht übersehen werden, dass die Grenzen zwischen einzelnen Gesundheitsberufen und Berufsgruppen im Pflege- und Betreuungsprozess zunehmend vermischt werden und neue Ausbildungsformen in der Pflege gefragt sind (Beier, 2000).
1
Pflege- und Hilfsbedürftigkeit chronisch Kranker und die Unterstützung bei der Bewältigung ihrer Rolle als kranker Mensch sind ein wichtiger Bereich der Ge-sundheits- und Krankenpflege. Ein Ziel von Prävention und Gesundheitsförderung besteht darin, chronisch Kranken Empfehlungen und Anregungen sowie Hilfestellungen zur selbstständigen und eigenverantwortlichen Bewältigung der Situation zu geben (Hinghofer-Szalkay, 1993). Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten ge-sundheitsrelevante Verhaltensweisen der Patienten zu fördern.
Die wesentlichen Ziele der Prävention und Gesundheitsförderung werden häufig durch die Phasen der Gesundheitsversorgung bestimmt. Während Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen, lernen Patienten und deren Familien die notwendige Pflege und Betreuung kennen. In der Phase der Nachbehandlung müssen Patienten und Angehörige Pflegehandlungen einschließlich der Einnahme von Medikamenten, Anwendung von Ernährungsformen, Wiederherstellung und Verhinderung von Komplikationen verstanden haben und durchführen können (Klug -Redmann, 1996). „Das Entscheidende dabei ist nicht, dass Menschen etwas beigebracht wird, sondern, dass in ihnen das Verlangen geweckt wird, etwas zu lernen“ (Bruckler, 1998, S. 40).
Demzufolge wird von diplomierten Pflegenden und Personen aus anderen Ge-sundheitsberufen erwartet, dass sie Prävention und Gesundheitsförderung als Be-standteil ihrer beruflichen Arbeit betrachten (Beier, 1997). Im Weiteren wird es für Pflegende immer wichtiger, die mit ihrer beruflichen Arbeit unmittelbar verbundenen Möglichkeiten für präventive und gesundheitsfördernde Aktivitäten auch zu nutzen. Der Autor stimmt mit der Verfasserin (Beier, 1997) überein und vertritt jedoch die Auffassung, dass die Umsetzungen der genannten Aktivitäten nicht nur aus ökonomischer Notwendigkeit, sondern auch aus dem eigenen beruflichen Interesse zur qualitativen Profilierung und Professionalisierung im Berufsfeld der Pflege realisiert werden müssen.
2
Winter et al. (2002) vertreten die Meinung, dass Prävention und Gesundheitsförderung in der Pflege ein umfangreiches Thema darstellen, weil diese feste Be-standteile des pflegerischen Handelns sind. „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt fehlen in der Pflege präzise und konkrete Strategien für die Prävention und Gesundheitsförderung“ (Winter et al., 2002, S. 266).
Bei der Umsetzung von Gesundheitsförderung hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits in den 80er Jahren eine zentrale Rolle eingenommen (Kickbusch, 2003). Die Ottawa - Charta, die von der ersten internationalen Konferenz der WHO am 21. November 1986 verabschiedet wurde, gilt als Startsignal für Initiativen zur Gesundheitsförderung auf internationaler und nationaler Ebene. „Erst mit der Ottawa - Charta wird die Krankheitsorientierung traditioneller Präventions-und Gesundheitserziehungsprogramme aufgegeben. Gesundheit wird nicht länger als utopisches Ziel und Aufgabe von Expertinnen und Experten definiert, sondern als Prozess, der in den konkreten Lebenszusammenhängen stattfindet“ (Altgeld, 1997, S. 13-22).
In Anlehnung an Programme der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und den damit verbundenen Hoffnungen stellt sich die Frage nach der Stellung, die Pflegende im Rahmen der Gesundheitsförderung und Prävention in Form von Anleitung und Beratung einnehmen sollten (Beier, 1997)?
Die Bestandteile der Prävention und Gesundheitsförderung wie Anleitung und Beratung von Patienten und deren Angehörigen finden im Pflegealltag, beeinflusst durch die gesellschaftlichen, gesundheitsökonomischen und berufsrelevanten Aspekte, immer mehr Beachtung. Die Anleitung und Beratung von Patienten und deren Angehörigen wird von einer Vielzahl von Pflege- und Gesundheitswissenschaftlern als auch Pflegepraktikern sowie Pflegepädagogen als ein zunehmend wichtiger eigenverantwortlicher Tätigkeitsbereich gesehen (Schaeffer, Moers 2000 b, Müller-Mundt 2000, Reibnitz et al. 2001). Die Notwendigkeit von Anleitung und Beratung in der Pflege resultiert aus dem Erfordernis nach Förderung von selbstständigen eigenverantwortlich handelnden Patienten, die aktiv ihren Krank-
3
heitsbewältigungs- und Genesungsprozess mitbestimmen und gestalten (Schröck, Drerup 2002, Abt-Zegelin 2003). Auf den eigenverantwortlichen Tätigkeitsbereich der Anleitung und Beratung sind die diplomierten Pflegenden nur ungenügend vorbereitet. So wird eine Anleitung und Beratung häufig ohne entsprechende fachliche Befähigung durchgeführt (Abt-Zegelin, 2002). Aufgrund dieser Sachlage wird von Pflegeexperten und Pflegepraktikern gefordert, die Anleitung und Beratung als festen Lehr - und Lerngegenstand in der Aus-, Fort- und Weiterbildung verstärkt zu implementieren und gezielte Anleitungs- und Beratungskompetenzen zu entwickeln.
1.2 Ziele und Forschungsfragen
Die Ziele der vorliegenden Studie bestehen in der:
• Bearbeitung des wissenschaftlichen Standes zu Prävention und Gesundheitsförderung im Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege.
• Darstellung des Ist-Zustandes bezüglich des Gesundheitszustandes und Gesundheitsverhaltens von diplomierten Pflegenden.
• Darstellung des Ist-Zustandes hinsichtlich der Vermittlung von Anleitung und Beratungsgesprächen mit Patienten in der Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung.
• Darstellung des Ist-Zustandes bei der Durchführung von Anleitung und Beratungsgesprächen mit Patienten im Pflegealltag.
Aus den Ergebnissen sollen Empfehlungen für Vermittlung von Anleitung und Beratungsgesprächen im Rahmen von Gesundheitsförderung erstellt werden. Zudem sollen Empfehlungen zur Gestaltung von Anleitung und Beratungsgesprächen im Pflegealltag durch diplomierte Pflegende mit Patienten abgegeben werden. Dazu sind entsprechende Strategien und Methoden für die Umsetzung von Anleitung und Beratungsgesprächen durch Gesundheits- und Krankenpflegepersonen zu entwickeln.
4
1.3 Aufbau und Struktur der Arbeit
Die vorliegende Arbeit ist so aufgebaut, dass sich nach der Darstellung der Problem- und Zielstellung die Forschungsfragen anschließen (Kapitel 1). Im theoretischen Teil (Kapitel 2) erfolgt eine Beschreibung der Literaturrecherche. Der weiterführende Abschnitt soll einen Überblick über die theoretischen Grundlagen und den derzeitigen Stand der Forschung zu Gesundheit, Prävention, Gesundheitsförderung und Gesundheitserziehung geben. Dabei wird Bezug zu den Aufgaben und der Rolle von diplomierten Pflegenden im Rahmen der Prävention, Gesundheitsförderung und Gesundheitserziehung unter Einbeziehung der Bestandteile, wie Anleitung und Beratung, genommen. Das Kapitel 3 beschreibt die methodischen Grundlagen und Verfahren sowie die weitere Vorgehensweise in der Studie. Die Darstellung der Ergebnisse erfolgt im Kapitel 4 beginnend mit der Beschreibung der soziodemografischen und berufsbezogenen Daten. Dem schließen sich die Ergebnisse zum Gesundheitszustand und Gesundheitsverhalten der befragten diplomierten Pflegenden an, danach erfolgt eine Übersicht zu den Aussagen der Befragten zu Vermittlung und Durchführung von Anleitung und Beratung in der Pflege. Im Kapitel 5 erfolgt die Diskussion zum Untersuchungsgegenstand und den Ergebnissen. Im abschließenden Kapitel 6 erfolgt ein Ausblick durch den Au-tor.
5
2 Theoretischer Teil
Das nachfolgende Kapitel soll einen Überblick über den wissenschaftlichen Stand zu Prävention und Gesundheitsförderung im Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege geben. Am Beginn des theoretischen Teils sind Begriffsklärungen zu Prävention und Gesundheitsförderung enthalten. Des Weiteren erfolgen Aussagen zur Gesundheitsförderung in der Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung sowie zu einer gesundheitsfördernden Schule und zu Anleitung und Beratung sowie zur Rolle der Pflegenden in Gesundheitsförderung und Prävention.
2.1 Literaturrecherche
Die Literaturrecherche, zu Prävention und Gesundheitsförderung in Form von Anleitung und Beratung im Pflegebereich, erfolgte in den Datenbanken: Carelit und EBSCOhost und PUBMED sowie in MEDLINE. In die Literaturrecherche wurden Veröffentlichungen der deutschsprachigen Literatur bis Dezember 2007 herangezogen, die Schwerpunkte der Prävention, Gesundheitsförderung, Anleitung und Beratung in der Pflege thematisieren. Es wurde mit folgenden Suchbegriffen nach Veröffentlichungen gesucht: „Patient education“ und „nursing“, „prevention“, „promotion of health“. In der Datenbank PUBMED wurde mit einer Einschränkung recherchiert, dass nur Angebote mit freiem Volltext angezeigt wurden. In der deutschsprachigen Datenbank CARELIT wurde unter den nachfolgenden Schlagwörtern „Prävention“, „Gesundheitsförderung“, „Gesundheitsfördernde Schule“, „Gesundheitsförderndes Krankenhaus“, „Anleitung und Beratung“, „Beratungskompetenz“, „Pflegeberatung“, „Pflegekompetenz“, „Patientenedukation“, „Pflegeberater“, gesucht. Des Weiteren wurden ergänzend Bücher und Zeitschriften über die Online-Suchmaske von GOOGLE-Buchsuche sowie GOOGLE SCHOLAR und www.amazon.de zur Recherche verwendet. Zusätzlich erfolgte eine Handsuche in der Bibliothek der UMIT und der Bibliothek des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern in Ried im Innkreis.
Ebenso wurden folgende Zeitschriften bei der Literaturrecherche berücksichtigt: 1. Heilberufe - Das Pflegemagazin, Hrsg.: Urban & Vogel Verlag, 2. Die Schwester/der Pfleger, Hrsg.: Bibliomed Verlag,
6
3. Pflegewissenschaft und Pflegepädagogik und Pflegemanagement, Hrsg.: hpsmedia Verlag (PrInterNet)
4. Pflege und Gesellschaft Hrsg.: Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaften Duisburg, e.V. 5. Pflegezeitschrift Hrsg.: Kohlhammer Verlag Stuttgart
Ergänzend wurden Quellennachweise der verwendeten Literatur in die Recherche mit einbezogen. In der nachfolgenden Tab. 1 werden die Suchinstrumente mit den entsprechenden Suchbegriffen und -ergebnissen sowie Bemerkungen zusammengefasst.
Tab. 1: Suchmethode und Ergebnisse der Literaturrecherche
Die durchgeführte Literaturrecherche zeigte, dass die Anzahl der Veröffentlichungen zur angegebenen Thematik im deutschsprachigen Raum in den letzten Jahren zugenommen hat. Dies trifft vor allem für die Bereiche der Gesundheitspsychologie und Gesundheitssoziologie zu. In der deutschsprachigen Pflegeliteratur, besonders in Österreich, ist nur eine begrenzte Anzahl an Publikationen zu Prävention und Gesundheitsförderung in Form von Anleitung und Beratung in der Pflege zu finden, obwohl dies bereits im Gesundheits- und Krankenpflegegesetz aus dem Jahre 1997 für diplomierte Pflegende gesetzlich vorgeschrieben ist.
2.1.1 Auswahlkriterien für recherchierte Artikel
Es wurden schwerpunktmäßig deutsch- und englischsprachige Artikel, die sich mit Pflegeanleitung, -beratung oder Patientenedukation, Prävention und Gesundheitsförderung befassen, gewählt. In den vorliegenden Artikeln sollte zu Anleitung und Beratung im Rahmen der Prävention und Gesundheitsförderung in der Pflege und allgemeinen Aspekten Bezug genommen werden. Dabei wurden von vornherein Artikel ausgeschlossen, in denen Pflegeanleitung, -beratung oder Patientenedukation, Prävention und Gesundheitsförderung in enger Verbindung mit speziellen Krankheitsbildern, standen. Des Weiteren wurden Veröffentlichungen mit Inhalten aus der Kinder- und Jugendlichenpflege sowie der psychiatrischen Pflege nicht berücksichtigt.
2.1.2 Qualitätsprüfung der recherchierten Artikel
Zur Überprüfung der Qualität bzw. zur Bewertung der gefundenen Artikel diente die fünfstufige Hierarchie der Aussagekraft von Publikationen. Die Hierarchie der wissenschaftlichen Evidenz wurde 1996 von Cooke entwickelt (s. Tab. 2).
8
Tab. 2: Hierarchie der wissenschaftl. Evidenz (Cooke, 1996, zit. aus Gottschalk, 2003, S. 64)
Nach Prüfung der gefundenen Artikel kann davon ausgegangen werden, dass alle verwendeten Publikationen der Evidenzstufe V zugeordnet werden können. Die überwiegend deutschsprachigen Artikel wurden aus Fachzeitschriften entnommen, die die Artikel vor der Veröffentlichung von vornherein einem peer-review Verfahren unterziehen. Peer - review bedeutet, dass ein Artikel welcher zur Veröffentlichung vorgesehen ist, durch einen oder mehrere Fachexperten geprüft bzw. bewertet wird.
2.2 Aussagen zur Gesundheit
Gesundheit spielt im täglichen Leben eine dominierende Rolle (Hurrelmann, et al., 2004). Einen wichtigen Impuls zur begrifflichen Klärung von Gesundheit gab die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits 1946 im Rahmen ihrer Gründungsakte. Dabei definierte die WHO Gesundheit als „state of complete physical, mental and social well-being and not merely the absence of disease or infirmity” - als den Zustand umfassenden physischen, psychischen und sozialen Wohlbefindens und nicht lediglich die Abwesenheit von Krankheit (Hurrelmann et al., 2004).
1998 erfolgte durch die WHO eine Ergänzung zur Definition von „Gesundheit“ im Health Promotion Glossary, die folgendermaßen lautet: „Gesundheit ist eine Ressource für das alltägliche Leben und nicht das vorrangige Lebensziel. Gesundheit ist ein positives Konzept, das sowohl die Bedeutung der sozialen und persönlichen Ressourcen betont, als auch die physischen Fähigkeiten“ (WHO, 1998).
9
Gemäß der WHO (2006) wird die Gesundheit als eines der fundamentalen Rechte des Menschen angesehen, ungeachtet seiner Rasse, der Religion und der politischen Überzeugung.
Besonders beachtenswert an der angeführten Definition der WHO (1998) ist, dass:
• Gesundheit positiv definiert wird und nicht über Abwesenheit von Krankheit, • Gesundheit ganzheitlich und mehrdimensional gesehen wird und nicht als ein Phänomen, das auf Ebene des Körpers, der Psyche, der sozialen Beziehungen von Menschen entsteht und beeinträchtigt wird, • Gesundheit als Ressource gesehen wird, um im täglichen Leben individuelle und gemeinschaftliche Ziele verfolgen zu können (Kickbusch, 2003).
Franzkowiak (1996a) bemerkt, dass die Vorstellungen zu Gesundheit soziokulturellen und historischen Einflüssen und Veränderungen unterliegen. Daher ist es schwierig eine allgemeine und immer wieder zutreffende Definition für den Begriff Gesundheit zu finden. Des Weiteren weist Franzkowiak (1996a) auf die Verknüpfung mit sich Wohlfühlen in allen Bereichen des täglichen Lebens in der erwähnten Definition hin. Die Voraussetzung für eine gesundheitsbewusste sowie gesundheitsförderliche Gestaltung des täglichen Lebens sind positive politische, soziokulturelle, ökonomische sowie sozialökologische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Darüber hinaus kritisiert Franzkowiak (1996a) in der „Gesundheitsdefinition“ der WHO den sehr strittigen Ausdruck des „Zustandes“. Daraus könnte geschlossen werden, dass es sich bei Gesundheit um etwas Feststehendes handelt. Möglicherweise ist es bei der Übersetzung in die deutsche Sprache zu einem Fehler gekommen. In den Pflege- und Gesundheitswissenschaften werden vorwiegend die Begriffe „Potenzial" oder „Ressourcen" dafür verwendet.
Bei Göckenjan (1991) lassen sich mit der begrifflichen Klärung von Gesundheit verschiedene Zielstellungen und Grundgedanken verbinden:
10
Einer der einflussreichsten Ansätze zu Gesundheit bzw. Gesundheitsförderung ist der „salutogenetische Ansatz von Antonovsky (1997). Das Hauptmerkmal des salutogenetischen Ansatzes ist die Frage nach den Entstehungs- und Erhaltungsbedingungen von Gesundheit. Die Frage lautet: „Warum bleiben Menschen trotz der Vielzahl von krankheitserregenden Risikokonstellationen, psychosozial irritierenden Belastungen und angesichts kritischer Lebensereignisse gesund?" Und: „Unter welchen persönlichen Voraussetzungen und unter welchen sozialen und ökologischen Rahmenbedingungen können sie ihre Gesundheit bewahren?" (Antonovsky 1997, Franzkowiak, Lehmann, 1996b).
12
sonderer Weise auf die Gesundheitsförderung ausgerichtet ist, um individuelle Lösungskompetenzen und vorhandene Ressourcen aus Sicht des kranken und pflegebedürftigen Menschen zu stärken. Dabei nimmt das Kohärenzgefühl einen bemerkenswerten Stellenwert ein. Hierbei beschreibt das Kohärenzgefühl die Fähigkeit eines Menschen, eine andere neue Sichtweise zu seiner Krankheit zu entwickeln, daraus wird ihm möglich, seine Erkrankung besser zu verstehen. Ein grundlegendes Ziel ist es, die Herausforderungen zu erfassen und mit diesen entsprechend umzugehen, sodass auf diese Art und Weise eine veränderte und zufrieden stellende Lebensqualität erreicht wird. Eine Potenzierung des Kohärenzgefühls kann auf der Grundlage einer patientenzentrierten Anleitung und Beratung durch diplomierte Pflegende erfolgen (Nothdurft, 2008). Dabei orientiert sie sich an den Lebensgewohnheiten, der bisherigen Selbsthilfe und -pflege und der individuellen Lebenssituation des kranken und pflegebedürftigen Menschen. Weitere und offene Fragen ermöglichen ihm, auf selbst reflektierende Weise Lösungsmodelle in Bewegung zu setzen (Nothdurft, 2008). Zahlreiche Forschungsergebnisse belegen das breite Spektrum an biologischen, sozialen, psychischen und Umweltdeterminanten von Gesundheit (Bröskamp-Stone, 1994).
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Abb. 1: Kontinuum zwischen Gesundheit und Krankheit modifiziert nach (Franzkowiak, Lehmann, 1996b)
Die Abb. 1 stellt sehr einfach das Konzept der Salutogenese, ein Kontinuum mit den Polen Gesundheit/körperliches Wohlbefinden (health ease) und Krankheit/körperliches Missempfinden (disease) dar. Die beiden entgegen gesetzten Pole des Kontinuums, die Gesundheit oder Krankheit darstellen, sind für Menschen nicht zu erreichen. Jeder Mensch, auch wenn er sich überwiegend gesund fühlt, hat kranke Anteile und gesundheitliche Einschränkungen. Die Frage lautet daher nicht, ob jemand gesund oder krank ist, sondern wie weit ist diese Person von den Polen Gesundheit oder Krankheit entfernt? Die Position eines Menschen auf dem Gesundheits-Krankheits-Kontinuum ist das Ergebnis einer Wechselwirkung. Bei der Bewältigung von Belastungen besteht eine Wechselwirkung zwischen persönlichen, umweltgebundenen, gesundheitsfördernden und gesundheitsbelastenden Faktoren, die in Abhängigkeit zum jeweiligen sozialen Kontext
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stehen. Laut dem Gesundheits-Krankheits-Kontinuum ist Gesundheit als ein dynamischer Prozess zu betrachten (Franzkowiak, 1996b).
2.3 Prävention
Prävention hat ihren Ausgangspunkt bei spezifizierten Krankheiten oder Störungen und verfolgt das Ziel, die Risiken in Bezug auf Krankheiten oder Störungen so gering wie möglich zu halten, oder im Gesamten auszuschalten (Hurrelmann et al. 2004). Primärprävention befasst sich ausschließlich mit der Verminderung der Risiken vor Beginn eines Krankheitsgeschehens, dabei erfolgt eine Orientierung an den Risikogruppen (Hurrelmann et al. 2004).
Bei der Sekundärprävention wird bereits medizinisch interveniert, während die Tertiärprävention mit der Rehabilitation gleichzusetzen ist (s. Tab. 3).
15
Tab. 3: Terminologie von Interventionsformen modifiziert nach (Laaser et al. 1993, S. 178)
Die Abgrenzung der Primärprävention von der Gesundheitsförderung mithilfe der Terminologie von Interventionsformen ist sehr schwierig, vor allem hinsichtlich der praktischen Umsetzung. Hierbei ist eine Differenzierung nach der Zielgröße der Prävention vorzunehmen. In erster Linie wird zwischen Verhaltensprävention und Verhältnisprävention unterschieden.
Verhaltensprävention bedeutet Krankheitsvermeidung und Gesundheitsförderung durch eine Änderung des individuellen Verhaltens, indem gesundheitsgefährdende Lebensweisen abgebaut werden. Verhältnisprävention beruht auf Krankheitsvermeidung und Gesundheitsförderung durch eine Veränderung der Lebensverhältnisse. „Da die alltägliche soziale und institutionelle Umgebung weitgehend das eigene Verhalten beeinflusst, sind oft kombinierte Maßnahmen nötig“ (Schwartz et
16
al. 1998b, S.153). Ein Beispiel hierfür ist das Tragen eines Schutzhelmes auf einer Baustelle und zugleich technische Schutzmaßnahmen bei den jeweiligen Maschinen.
„Ein wesentliches Problem der Prävention ist der Kosten - Nutzen - Effekt. Daher werden bei der Auswahl von Präventionsmaßnahmen die Höhe der gesellschaftlichen Belastungen durch Krankheiten mit der Zielstellung des wahrscheinlichen Erfolges bzw. Nutzens sowie des Aufwandes, aber auch die direkten und indirekten Kosten und die unbeabsichtigten Folgewirkungen oder Nebenwirkungen berücksichtigt“ (Schwartz et al. 1998b, S. 154). Die Kosten-Nutzen-Relation fällt umso geringer aus, je größer die zeitliche Verzögerung zwischen Kostenausgaben und Nutzeffekten ist (Haddix et al., 1996).
Nach Schwartz (1998b) sollten primär präventive Maßnahmen so angelegt sein, dass der Nutzen einer Verbesserung der individuellen Lebensqualität als wichtiges Nebenziel von Präventionsmaßnahmen, neben der Vermeidung unnötiger Be-handlungs- oder Folgekosten, anfällt. Als eine grundlegende Aufgabe der Ge-sundheitspolitik, sollte neben der Beeinflussung des Gesundheitsverhaltens die Verringerung bzw. Beseitigung von Risikofaktoren angestrebt werden. Nur so besteht die Chance Kostensteigerungen im Gesundheitssektor zu stoppen, die u. a. durch die zunehmende Anzahl von Zivilisationserkrankungen verursacht werden. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus oder Fettstoffwechselstörungen sind oft durch gesundheitsriskantes Verhalten wie bspw. Bewegungsmangel und Fehlernährung der Betroffenen mit verursacht. Risikoreiches Gesundheitsverhalten ist von der persönlichen Einstellung jedes Einzelnen abhängig und wird durch gesellschaftliche, kulturell vermittelte Verhaltensmuster bzw. durch Wissen um Zusammenhänge von Lebensstil und Krankheiten beeinflusst (Schwartz et al., 1998b).
Nach Becker (1997) ist Prävention immer auf die Einwirkung von Risikofaktoren bzw. Umweltbedingungen für Krankheiten ausgerichtet. Prävention unterscheidet sich nicht nur durch die Zielrichtung, sondern auch durch die Herangehensweise
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von Therapie und Heilung. Prävention orientiert sich nach der Wirkung auf die Gesamtbevölkerung. Prävention reagiert nicht auf die Nachfrage durch Individuen, sondern trägt Präventivmaßnahmen in der Regel an die jeweiligen Adressaten heran.
Prävention zielt, anders als Therapie und Heilung, nicht notwendigerweise auf spezifische Krankheiten, sondern oft auf ganze Krankheitsgeschehnisse ab. Nach Becker (1997) zielt Prävention nicht in erster Linie auf das einzelne Individuum, sondern auch auf Zweckmäßigkeit und auf die Wirkung in der Gesamtbevölkerung ab. Ein weiterer wesentlicher Unterschied ist, dass Prävention nicht auf Nachfrage durch Individuen reagiert, sondern sie trägt ihre Präventivmaßnahmen in der Regel an die jeweiligen Adressaten heran (Becker, 1997).
Präventive Maßnahmen können nach verschiedenen Gesichtspunkten klassifiziert werden. Dabei werden Präventionsmaßnahmen nach Zeitpunkt, Ziel oder angewendeter Methode unterschieden (s.Tab. 4).
Tab. 4: Einteilung der Präventionsmaßnahmen modifiziert nach Steinbach 2004, S. 40
2.3.1 Prävention nach dem Zeitpunkt
In Bezug auf die Zeit wird die Prävention nachfolgend in primäre, sekundäre und tertiäre Prävention eingeteilt.
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Primäre Prävention beginnt bevor Anzeichen für eine Krankheit zu sehen sind. Unter Primärprävention sind Maßnahmen, die das Neuauftreten einer Krankheit verhindern, zu verstehen (Caplan, 1964). Dementsprechend sind in erster Linie gesunde Menschen oder Personen ohne eine manifeste Symptomatik Adressaten primärpräventiver Maßnahmen. Die Primärprävention hat demnach das Ziel, die Häufigkeit bestimmter Erkrankungen zu senken (Laaser et al. 2000).
Sekundäre Prävention setzt ein, wenn Anzeichen einer Erkrankung vorliegen (Leppin, 2004). Diese dient in erster Linie der Früherkennung sowie der Eindämmung von Krankheiten. Um frühzeitig Krankheitssymptome feststellen zu können, wurden spezielle Untersuchungsinstrumente und Programme entwickelt. Ein klassisches Beispiel für sekundär präventive Maßnahmen sind individuelle Krankheitsfrüherkennungsuntersuchungen und Massen-Screenings wie z. B. die Mammografie (Leppin, 2004). Dabei besteht das Ziel der Sekundärprävention in der Früherkennung und Verhinderung von Mammakarzinom. So umfasst Sekundärprävention alle Maßnahmen, mit deren Unterstützung symptomlose Frühstadien von Krankheiten erkannt werden. Darüber hinaus gehören zur Sekundärprävention z. B. Programme für junge Menschen, die Drogen konsumieren. Bei diesen Personen soll die Entstehung von Abhängigkeit verhindert werden. Die Zielgruppe von sekundärpräventiven Maßnahmen sind im Allgemeinen gesunde oder symptomlose Personen (Leppin, 2004).
Tertiäre Prävention beginnt, wenn bereits eine Krankheit oder ein unerwünschter Gesundheitszustand manifest geworden ist (Hurrelmann et al., 2004). Das Ziel der Tertiärprävention besteht darin, die Verschlechterung einer bereits vorhandenen Erkrankung einzudämmen oder zu stoppen. Demzufolge will Tertiärprävention in erster Linie Folgeschäden oder das Wiederauftreten einer Erkrankung verhindern. Die Empfänger von Präventionsmaßnahmen sind Personen, bei denen die Konsequenzen von Erkrankungen reduziert werden sollen. Des Weiteren sollen Folgeerscheinungen und Rückfälle vermieden werden (Hurrelmann et al., 2004).
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2.3.2 Prävention nach dem Ziel
Bei Betrachtung der Prävention aus Sicht der Zielstellung wird zwischen Verhaltensprävention und Verhältnisprävention unterschieden. Das wesentliche Ziel von Prävention besteht darin, eine gesundheitliche Veränderung bei der einzelnen Person oder einer ganzen Gruppe zu erzielen. Dabei kann Prävention bei der Person oder der Umwelt ansetzen, in der diese Person lebt (Leppin, 2004).
„Unter Verhaltensprävention werden Maßnahmen verstanden, bei denen ein individuelles risikoreiches bzw. gesundheitsschädigendes „Gesundheitsverhalten“ verändert werden soll“ (Leppin, 2004, S. 36). Dieses Verhalten kann z. B. in einem zu hohen Alkohol- oder Nikotinkonsum, in Bewegungsmangel oder einem ungünstigen Ernährungsverhalten bestehen, oder Personen zu motivieren sich regelmäßigen Gesundheitschecks zur Früherkennung von Krankheiten zu unterziehen (Hurrelmann et al., 2004).
Dagegen geht es bei der Verhältnisprävention in erster Linie darum, die ökonomischen, sozialen, ökologischen oder kulturellen Umwelteinflüsse bzw.- Voraussetzungen zu ändern, um so indirekten Einfluss auf die Entstehung und Entwicklung von Krankheiten zu nehmen (Franzkowiak, 2000, Laaser et al., 2000). Beispiele für die Verhaltensprävention sind Fernsehspots zur AIDS-Aufklärung, dabei wird u. a. über die Verwendung von Kondomen informiert. Ein weiteres Beispiel für Verhaltensprävention sind: Gesetzesentwürfe hinsichtlich des Rauchens oder ein Nichtraucherschutzgesetz. Des Weiteren gibt es Programme zur schulischen Ge-sundheit wie z. B. Stabilisierung und Förderung der Lebenskompetenzen bei jungen Menschen. Diese sollen vor dem Missbrauch von Substanzen wie Tabak, Alkohol oder Drogen geschützt werden. Verhaltensprävention nimmt demzufolge Einfluss auf den individuellen Gesundheitszustand oder auf das Gesundheitsverhalten. Maßnahmen der Verhaltensprävention richten sich grundsätzlich an die gesamte Bevölkerung (Hurrelmann, 2004).
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2.3.3 Prävention nach der Methode
Zur Umsetzung von präventiven Maßnahmen können unterschiedlichste Methoden angewendet werden. Zu den angewendeten Verfahren gehören: edukative, normativ - regulatorische Verfahren sowie ökonomische Anreiz- bzw. Bestrafungssysteme. Mithilfe dieser Methoden soll das individuelle Verhalten verändert werden, die physikalische, soziale Alltagsumwelt umgestaltet und präventive Ver-sorgungsstrukturen wie z. B. Gesundheitsvorsorgeuntersuchungen, entwickelt werden (Leppin, 2004).
Leppin (2004) vertritt die Auffassung, dass in der Verhaltensprävention die psycho - edukativen Verfahren dominieren. Diese konzentrieren sich auf die Motivation für Veränderungen bei der einzelnen Person und bauen vor allem auf folgende Methoden auf
Gesundheitsaufklärung / Gesundheitsinformationen
Gesundheitsberatung Gesundheitserziehung / Gesundheitsbildung.
Diese Methoden finden u. a. Anwendung in Beratungsgesprächen zwischen Arzt und Patienten oder Gesundheitskampagnen über spezifische Krankheiten, wie z. B. AIDS oder Drogenmissbrauch. Egal, welche Methode angewendet wird, Ziele sind immer die Motivation und Aufbau sowie Stärkung von Kompetenzen eines einzelnen Menschen bzw. einer Gruppe, um gesundheitsschädigendes Risikoverhalten einzuschränken und gesundheitsdienliches bzw. gesundheitsförderliches Verhalten zu fördern (Leppin, 2004).
Leppin (2004) ist der Auffassung, dass die sozio - edukativen Aktivitäten über eine individuelle Verhaltensbeeinflussung hinausreichen, sie greifen in den Sektor der Verhältnisprävention hinein. Hierbei wird der Versuch unternommen, präventive Prozesse in Gruppen oder Organisationen zu initiieren, wobei die Grenzen zu sozialpolitischen Aktivierungs- und Mobilisierungsprozessen fließend sind (Leppin, 2004). Normative - regulatorische Maßnahmen versuchen, über Gesetze und bis
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zu Sanktionsandrohungen bei Nichterfüllung bzw. Missachtung, die gesetzten Ziele durchzusetzen (Hurrelmann, 2004). Beispiele der Verhaltensprävention sind u. a. Anschnallpflicht, Promillegrenze im Straßenverkehr und das Rauchverbot für bestimmte Räumlichkeiten. Diese Art von Maßnahmen spielt in der Verhaltensprävention eine zentrale Rolle. Des Weiteren besteht die Möglichkeit über ökonomische Anreiz- und Bestrafungssysteme, das Verhalten präventiv zu beeinflussen.
Leppin (2004) erwähnt Maßnahmen, die einen Anreiz schaffen sollen, um auf das risikohafte Gesundheitsverhalten Einfluss zu nehmen. Diese bestehen bei Personen, die das Rauchen aufgeben in einer Ermäßigung von Gebühren für Krankenkassen bei Inanspruchnahme präventiver Gesundheitsdienstleistungen oder in der Reduzierung von monatlichen Beiträgen für Versicherungsnehmer. Ein weiteres Beispiel sind die finanziellen Anreize für Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen. Mütter werden dahingehend motiviert, ihre Kinder Vorsorgeuntersuchungen und ggf. Impfungen unterziehen zu lassen.
Ein wesentliches Defizit der bisherigen Präventionsaktivitäten besteht darin, dass die unterschiedlichsten Maßnahmen unabhängig und eher isoliert voneinander, ohne ausreichende Koordination, durchgeführt werden (Kolip, 2003). Dies führt dazu, dass es ein „Nebeneinander“ und „nacheinander“ gibt. Es gibt Hinweise, dass Prävention Erfolg versprechend ist, wenn verschiedene Aktivitäten miteinander verknüpft sind und aufeinander aufbauen (Kolip, 2003).
Laut Stöckel (2002) kann Prävention als Anwendungsfeld auf eine lange Geschichte als wissenschaftliches Fach zurückblicken. Trotzdem ist es noch ein sehr junger Fachbereich, der aus einer Fülle äußerst heterogener Einflüsse anderer Disziplinen hervorgegangen ist (DiClemente, Raczynski, 1991). Grundsätzlich ist Prävention als Praxisfeld oder als Gegenstand der Gesundheitswissenschaften ein multidisziplinäres Fachgebiet.
Leppin (2004) stellt fest, dass in der Vielfalt von theoretischen Ansätzen, Forschungsmethoden und Praxiskonzepten der Prävention ein großes Potenzial liegt.
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Eine mangelnde Integration der unterschiedlichsten Sicht- und Herangehensweisen führt jedoch dazu, dass der Fachbereich nach außen kein abgegrenztes Profil zeigt. Des Weiteren vertritt Leppin (2004) die Auffassung, dass die Aufgaben für die Zukunft darin liegen, aus den unterschiedlichsten Wissenschaftsbereichen und Praxisfeldern der Prävention eine interdisziplinäre Identität zu schaffen.
2.4 Gesundheitsförderung
Die Begriffe Prävention und Gesundheitsförderung werden häufig synonym verwendet, dahinter stehen aber ganz unterschiedliche Strategien und Konzepte. Bei der Umsetzung von Maßnahmen der Gesundheitsförderung grenzen sich die Maßnahmen der Prävention sowohl theoretisch als auch praktisch nicht grundlegend voneinander ab, wobei Prävention eher bedeutet, Krankheiten durch gezielte Aktivitäten zuvorzukommen (Schwartz et al., 1998a).
Die Unterschiede der erwähnten Begriffe lassen sich am Modell von Gesundheit und Krankheit nach Antonovsky aufzeigen (Altgeld, Kolip, 2004). Die Diskussion um die Verhinderung von Krankheit bzw. die Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden wurde maßgeblich durch Antonovsky geprägt (Antonovsky, 1979, 1987). Antonovsky stellte die Krankheits- und Risikoorientierung in Frage, da Individuen ständig Risiken ausgesetzt sind, welche die körperliche und psychische Gesundheit gefährden. Die relevante Frage nach Antonovsky ist nicht die, was Menschen krankmacht, sondern, was Menschen trotz Risiken und Belastungen gesund erhält (Hurrelmann et al., 2004). Wie bereits im vorangegangenen Kapitel beschrieben, werden im salutogenetischen Modell nach Antonovsky Gesundheit und Krankheit als zwei Pole eines Kontinuums konzipiert, auf dem Menschen ständig die Position wechseln. Ob sich jemand stärker in Richtung Gesundheit oder in Richtung Krankheit bewegt, hängt von der Zahl und Qualität der Risiken sowie von den persönlichen und sozialen Schutzmechanismen ab, über die ein Mensch verfügt. Wird das beschriebene Gesundheits- und Krankheitsmodell nach Antonovsky zugrunde gelegt, so lässt sich zur Unterscheidung von Prävention und Gesundheitsförderung, folgendes beschreiben (Hurrelmann et al., 2004).
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In den letzten Jahren wurden verschiedene Konzepte der Gesundheitsförderung entwickelt, um die Erhaltung der Gesundheit bis ins hohe Alter zu gewährleisten (Schwartz, 1998a). Diese unterschiedlichsten Konzepte rücken von der alleinigen Suche nach den Risikofaktoren ab und richten ihr Augenmerk auf die Salutogenese und somit auf die Stärkung der gesundheitlichen Ressourcen.
Gesundheitsförderung soll die bestehenden sozialen Ungleichheiten in der Ge-sundheits- und Lebenserwartung reduzieren und physisches, psychisches und soziales Wohlbefinden fördern. Dabei wird Gesundheit nicht als ein vorrangiges Lebensziel, sondern als ein wesentlicher Bestandteil des täglichen Lebens gesehen (WHO, 1998). In mehreren WHO - Programmen zur Gesundheitsförderung bildet der Setting - Ansatz eine grundsätzliche Verfahrensweise. Dabei finden ge-sundheitsfördernde Maßnahmen schwerpunktmäßig in den Lebensbereichen statt, in denen sich die Menschen die meiste Zeit aufhalten. Settings können sein, Institutionen, wie Städte und Gemeinden, Kindertagesstätten, Schulen oder der Betrieb, auch Familien, Interessengemeinschaften wie bspw. Vereine. Diese verfügen über spezifische soziale Gefüge und Organisationsstrukturen und bestimmen Gesundheit und das Gesundheitsverständnis und -verhalten des Einzelnen (Woll et al., 2002).
„Mit dem Settingansatz hat die Ottawa-Charta eine Strategie für Gesundheitsförderung und Prävention vorgeschlagen, die auf Lebensverhältnisse in der spätmodernen Weltgesellschaft reagiert“ (Pelikan, 2007, S. 74).
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Die deutsche Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) beschreibt ein Setting folgendermaßen: „Ein Setting wird einerseits als ein soziales System verstanden, das eine Vielzahl relevanter Umwelteinflüsse auf eine bestimmte Personengruppe umfasst und anderseits als System, in dem diese Bedingungen von Gesundheit auch gestaltet werden können. Der Setting - Ansatz fokussiert die Rahmenbedingungen, unter denen Menschen leben, lernen, arbeiten und konsumieren“ (Abel et al., 2003, S. 205).
„Ein Setting wird einerseits als ein soziales System verstanden, das eine Vielzahl relevanter Umwelteinflüsse auf eine bestimmte Personengruppe umfasst und andererseits als ein System, in dem diese Bedingungen von Gesundheit und Krankheit auch gestaltet werden können" (Grossmann; Scala, 1999, S.100).
Die WHO formuliert im Glossar Gesundheitsförderung: „Ein Setting ist ein Ort oder sozialer Kontext, in dem Menschen ihren Alltagsaktivitäten nachgehen, im Verlauf derer umweltbezogene, organisatorische und persönliche Faktoren zusammenwirken und Gesundheit und Wohlbefinden beeinflussen“ (WHO, 1998, S. 23).
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Die in der Public-Health-Forschung vorgesehenen Maßnahmen der Gesundheitsförderung beziehen sich auf die Bekämpfung von Gesundheitsrisiken und den Aufbau von gesundheitsrelevanten Verhaltensweisen von Individuen oder kollektiven Einheiten. Eine nur am Individuum orientierte Perspektive würde nicht ausreichen, um „Gesundheit für alle“ zu erzielen, da Menschen in schwierigen Lebensumständen nur begrenzte Wahlmöglichkeiten eines individuellen Lebensstils zur Verfügung haben (Mielck; Helmert, 1998; Schlicht, 2000).
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Arbeit zitieren:
Dipl.-Med.Päd. Dr. Harald Schmidt-Wittner, 2008, Prävention und Gesundheitsförderung in Form von Anleitung und Beratungsgesprächen mit Patienten und Angehörigen in der Gesundheits- und Krankenpflege, München, GRIN Verlag GmbH
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