2
Inhalt
1 Einleitung 6
1.1 Ziele der Diplomarbeit 7
1.2 Wissenschaftliche Fragestellungen. 8
1.3 Abgrenzung der Diplomarbeit 8
1.4 Aufbau der Arbeit 9
2 Bildungsmarkt in Österreich 11
3 Was sind Wikis? 14
3.1 Wikis 15
4 Lerntheorien und Lernen mit Wikis. 18
4.1 Behaviorismus. 18
4.2 Kognitivismus 19
4.3 Konstruktivismus 21
4.4 Konnektivismus 23
4.5 Zusammenfassung. 24
5 Wissen und Wissensaustausch 27
5.1 Definition des Wissensbegriffes 27
5.2 Unterschiedliche Wissenstypen 29
6 Wissensmanagement und Wikis 32
6.1 Wikimanagement 33
6.2 Zusammenfassung. 35
7 Wikis und die Wissensspirale 37
7.1 Die Wissensspirale. 37
7.1.1 Sozialisation 38
7.1.2 Externalisierung. 39
7.1.3 Kombination 40
7.1.4 Internalisierung. 40
7.2 Zusammenfassung. 41
8 Kommunikation und Kooperation mit Wikis. 43
8.1 Besonderheiten der virtuellen Kommunikation 43
8.2 Kommunikation und Kooperation mit Wikis 43
8.3 Einsatzszenarien. 44
8.3.1 Erstellung von Referaten und Hausarbeiten 45
8.3.2 Projektkoordination und -dokumentation 46
3
8.3.3 Informelle Kommunikation 46
8.3.4 Zusammenfassung 47
9 Einsatzbedingungen und Kompetenzen 49
9.1 Kompetenzen 49
9.2 eLehrkompetenz. 51
9.2.1 Sachkompetenz in der eLehre 51
9.2.2 Sozialkompetenz in der eLehre 52
9.2.3 Selbstkompetenz in der eLehre 53
9.3 Zusammenfassung. 54
10 Vorbereitung, Durchführung und Auswertung der Forschung 57
10.1 Qualitative Forschung 58
10.2 Vorbereitung der Forschung. 59
10.3 Das Leitfadeninterview 61
10.3.1 Grundlagen 62
10.3.2 Der Interviewleitfaden. 62
10.3.3 Die Stichprobe 64
10.4 Die Durchführung des Interviews 67
10.5 Die Auswertung des Interviews 68
10.5.1 Paraphrasierung 68
10.5.2 Thematisches Ordnen 69
10.5.3 Thematischer Vergleich. 69
10.5.4 Konzeptualisierung. 70
10.6 Gütekriterien. 70
10.7 Zusammenfassung. 71
11 Präsentation der Forschungsergebnisse 72
11.1 Generelle Ergebnisse und Hypothesen. 72
11.1.1 Hypothese 1 75
11.1.2 Hypothese 2 75
11.1.3 Hypothese 3 75
11.1.4 Hypothese 4 76
11.1.5 Hypothese 5 76
11.1.6 Hypothese 6 76
11.1.7 Hypothese 7 76
11.1.8 Hypothese 8 77
4
11.2 Modell für Schulungsunternehmen und Lehrende 77
11.2.1 Externalisierung auf der Seite des Bildungsunternehmens 79
11.2.2 Kombination auf der Seite des Bildungsunternehmens. 80
11.2.3 Internalisierung auf der Seite des Bildungsunternehmens 81
11.2.4 Sozialisation auf der Seite des Bildungsunternehmens 82
11.3 Modell für Lernende. 84
11.3.1 Internalisierung auf der Seite der Lernenden 85
11.3.2 Sozialisation auf der Seite der Lernenden 86
11.3.3 Externalisierung auf der Seite der Lernenden 87
11.3.4 Kombination auf der Seite der Lernenden. 88
11.4 Zusammenfassung. 89
12 Zusammenfassung und Ausblick 93
13 Literaturverzeichnis 96
5
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Weiterbildungsaktivitäten der Betriebe im letzten Geschäftsjahr 12
Abbildung 2: Lernprozess im Konnektivismus 24
Abbildung 3: Die Wissenstreppe 28
Abbildung 4: Die Wissensspirale. 38
Abbildung 5: Von der Problemstellung zur Modellbildung 60
Abbildung 6: Von der Stichprobe zum Bericht. 71
Abbildung 7: Wissensspirale und Wikis im Schulungsunternehmen 78
Abbildung 8: Wissensspirale und Wikis für Lernende 84
Abbildung 9: Wechselwirkungen Wikis und Wissenspirale in der
Erwachsenenbildung 90
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Von E-Learning 1.0 zu E-Learning 2.0 14
Tabelle 2: Lerntheorien im Vergleich 25
Tabelle 3: 2 Typen von Wissen. 30
Tabelle 4: Wissen managen nach Wikimanagement 34
Tabelle 5: Sachkompetenz in der eLehre 52
Tabelle 6: Sozialkompetenz in der eLehre. 53
Tabelle 7: Selbstkompetenz in der eLehre 54
Tabelle 8: Lernen mit Wikis 55
Tabelle 9: Kernaussagen der Interviews zu den Hypothesen 74
6
1 Einleitung
Insgesamt hat sich der Bildungsmarkt in Österreich in den letzten Jahren deutlich positiv entwickelt. Die Anzahl der Schulungsmaßnahmen hat sich seit 1988 stark erhöht. Ebenso haben sich die Anzahl der Schulungsteilnehmer und die Summe der Schulungseinheiten im Trend nach 1988 eindeutig nach oben entwickelt. 1 Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen problematischen Wirtschaftssituation nimmt auch die Zahl der betrieblichen Beschäftigungsinitiativen und der Mitarbeiter und Arbeitssuchenden in Schulungsprogrammen stark zu. Mit den steigenden Zahlen an Teilnehmern und Kursen steigt gleichzeitig auch die Zahl der Schulungsangebote und der Bildungsinstitute.
Eine weitere Entwicklung, die sich auf die Bildungsbranche auswirkt, ist die Entstehung einer Wissensgesellschaft, welche bereits vielfach in der Literatur beschrieben wird. Einige Autoren sehen die Informationen bereits als einen eigenen Wirtschaftssektor, der zusätzlich zum primären (Urproduktion), dem sekundären (Industrie und Handwerk) und dem tertiären Sektor (Dienstleistung und Handel) einen quartären Sektor darstellt. 2
Daher müssen Bildungsinstitute auch die Methoden und Instrumente der Wissensvermittlung neu überdenken und konzipieren. Die effiziente und praxisorientierte Wissensvermittlung gewinnt aufgrund dieser Entwicklungen zunehmend an Bedeutung.
Bildungsunternehmen und Lehrende stehen somit vor einer Vielzahl neuer Herausforderungen. Um sich diesen Herausforderungen erfolgreich zu stellen und sich in diesem stark verändernden Markt behaupten zu können, müssen in den Bildungsinstituten entsprechende neue Kompetenzen entwickelt werden. Eine dieser Erfolgskompetenzen kann die Entwicklung von eLearning-Konzepten sein.
1 Siehe Statistik: http://www.statistik.at/web_de/static/berufliche_weiterbildung_durch_die_ wirtschaftsfoerderungsinstitute_der_wir_020936.pdf [Stand 06.08.2009].
2 Vgl. Lenk, 1989, S. 24f.
7
Gleichzeitig verändert sich das Internet zu einem Ort der kollaborativen Entwicklung von Informationen und Wissen. Fast jeder, den man trifft, hat bereits von Wikipedia gehört und ist von dessen Einfachheit und Stärke begeistert. 3 Allerdings ist auch die Qualität und Relevanz der veröffentlichten Inhalte ein oft umstrittenes Thema. Obwohl sich die Qualität von Wikipedia-Beiträgen, trotz einiger bekannter Falschmeldungen, in Vergleichsuntersuchungen mit zum Beispiel der Encyclopedia Britannica als relativ hoch erwiesen hat, bleibt dennoch eine gewisse Skepsis. Diese Skepsis ist im Zusammenhang mit Studien und Bildung auch berechtigt. 4 Auch auf diesen Aspekt wird, vor allem im Forschungsteil dieser Arbeit, noch eingegangen.
Vor diesem Hintergrund und der Vielzahl an vorhandenen eLearning Tools stellt sich die Frage welche Tools für welche Bereiche in der Erwachsenenbildung sinnvoll eingesetzt werden können. Diese Arbeit beschäftigt sich im speziellen mit dem Einsatz von Wikis in der Erwachsenenbildung.
Zum Thema Wikis ist in den letzten Jahren eine Vielzahl von Arbeiten, Artikeln und Berichten erschienen. Der konkrete Bezug auf die Theorie der Wissensspirale von Nonaka und Takeuchi im Zusammenhang mit Wikis ist eine neuartige Betrachtungsweise dieser Thematik.
Vorweg möchte der Autor noch festhalten, dass ausschließlich aufgrund einer leichteren Lesbarkeit alle geschlechtsspezifischen Bezeichnungen in ihrer männlichen Form gewählt wurden. Alle Bezeichnungen sind aber selbstverständlich auch für die jeweils weibliche Form gültig.
1.1 Ziele der Diplomarbeit
Im Gegensatz zu vielen bereits vorhandenen Arbeiten zum Thema Wikis soll diese Diplomarbeit den genauen Zusammenhang von den Prozessen der Wissensumwandlung innerhalb der Wissensspirale (Sozialisation, Externalisierung, Kombination und Internalisierung) und den Einsatz von Wikis darstellen. Ebenfalls
3 Vgl. Mader, 2008, S. 5.
4 Vgl. Panke/Thillosen, 2008, S. 8.
8
sollen diese Zusammenhänge innerhalb der Branche der Erwachsenenbildung analysiert und auf ihre Anwendbarkeit überprüft werden.
Aus wissenschaftlicher Sicht bietet diese Arbeit, aufgrund ihres Bezuges auf eine konkrete Wissensmanagementtheorie und der genau definierten
Branchenorientierung, eine neuartige Betrachtungsweise der Thematik. Auf dieser Grundlage beruht die Aussagekraft für Bildungsunternehmen.
1.2 Wissenschaftliche Fragestellungen
Diese Diplomarbeit hat das Ziel folgende Fragestellungen zu beantworten: Wie und in welchen Phasen der Wissensspirale können Wikis zur Wissensarbeit in der Erwachsenenbildung eingesetzt werden?
In welchen Szenarien können Wikis sinnvoll in die Erwachsenenbildung integriert werden?
Welche Anforderungen entstehen für das Schulungsunternehmen, die Lehrenden und die Lernenden bei der Integration von Wikis im Schulungsbetrieb?
1.3 Abgrenzung der Diplomarbeit
Diese Diplomarbeit befasst sich mit dem Zusammenwirken von Wikis und Wissensmanagement in Hinsicht auf die Wissensgenerierung und den Wissensaustausch in Schulungsszenarien. Dabei geht es ausschließlich um theoretische Hintergründe. Es wird nicht auf technische Details wie Datenbanken, Software oder Programmierung eingegangen. Diese Themen würden den Umfang dieser Arbeit übersteigen und sind auch für die vorliegende Thematik nicht relevant. Insbesondere werden Wikis im Zusammenhang mit der Theorie der Wissensspirale von Nonaka und Takeuchi analysiert. Der Fokus liegt dabei auf den Einsatzmöglichkeiten von Wikis in der Erwachsenenbildung.
9
1.4 Aufbau der Arbeit
Kapitel 1: Bietet einen generellen Überblick zur Thematik der Erwachsenenbildung im Zusammenhang mit Wikis und erklärt die Ziele und Hintergründe zu dieser Arbeit.
Kapitel 2: Der Bildungsmarkt in Österreich wird hinsichtlich seiner aktuellen Entwicklungen präsentiert.
Kapitel 3: Wikis werden grundlegend aus technischer und didaktischer Sicht vorgestellt.
Kapitel 4: „Klassische“ und „moderne“ Lerntheorien werden in Zusammenhang mit dem Thema Wikis gebracht.
Kapitel 5: In diesem Kapitel werden die Zusammenhänge und Unterschiede von Daten, Informationen und Wissen genauer analysiert. Die Relevanz der Wissensgenerierung und Wissensarbeit in der Erwachsenenbildung wird verdeutlicht.
Kapitel 6: In diesem Kapitel wird analysiert ob Wikis für Wissensarbeit und Wissensaustausch generell geeignet sind beziehungsweise wie Wikis für diese Prozesse eingesetzt werden können.
Kapitel 7: Als Grundlage für die gesamte Arbeit wird die Theorie der Wissensspirale von Nonaka und Takeuchi präsentiert. Der Fokus liegt dabei auf dem direkten Bezug zur vorliegenden Thematik.
Kapitel 8: Hier werden die Besonderheiten der Kommunikation und Kooperation im virtuellen Raum erklärt und ein Bezug zu den Besonderheiten der Kommunikation in Wikis hergestellt. Um konkrete Eindrücke über mögliche Einsatzszenarien von Wikis in der Erwachsenenbildung zu erhalten, werden diese Szenarien anhand von theoretischen Beispielen dargestellt.
Kapitel 9: Um Bildungsunternehmen einen Eindruck über die grundlegenden Einsatzbedingungen von Wikis innerhalb des Lehrprozesses zu vermitteln, werden in diesem Kapitel die dafür notwendigen Kompetenzen analysiert. Kapitel 10: In diesem Kapitel wird die Vorbereitung, Durchführung und Auswertung der Forschung erklärt. Der gesamte Forschungsprozess dieser Diplomarbeit soll zur späteren Nachvollziehbarkeit möglichst transparent vorgestellt werden.
10
Kapitel 11: Hier werden die Ergebnisse der Forschungsarbeit dargestellt und in Bezug zu der erarbeiteten Theorie gebracht. Dieses Kapitel enthält die ausgearbeiteten Hypothesen und die daraus entwickelten Modelle. Kapitel 12: Dieser Abschnitt fasst die wichtigsten Ergebnisse und Inhalte der Diplomarbeit zusammen und gibt einen abschließenden Aus- und Überblick. Kapitel 13: Dieses Kapitel enthält das Literaturverzeichnis und gibt einen Überblick über alle Quellen dieser Diplomarbeit.
11
2 Bildungsmarkt in Österreich
Die vorliegende Arbeit bezieht sich auf den Bildungsmarkt der Erwachsenenbildung in Österreich. Aus diesem Grund erscheint es für den branchenfremden Leser wichtig, einen allgemeinen Überblick über den Bildungsmarkt in Österreich und dessen Entwicklung zu bekommen. Das Verständnis für die aktuellen Entwicklungen wird auch das generelle Verständnis der Diplomarbeit fördern.
Wie bereits in der Einleitung erwähnt, ist die Anzahl der Bildungsmaßnahmen in Österreich seit vielen Jahren kontinuierlich gestiegen. Dementsprechend erhöhten sich auch die Bildungsausgaben. 5 Vor dem Hintergrund der aktuellen schwierigen Wirtschaftslage setzen einige Betriebe noch verstärkt auf die Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter. Die Gründe dafür sind vielfältig, stellen den Österreichischen Bildungsmarkt allerdings vor neue Herausforderungen. Ebenfalls ist ein Trend zur Bildungskarenz festzustellen. Hier gilt es schnell und effizient mehrmonatige Schulungsmaßnahmen zu organisieren. 6 Ein Großteil der Unternehmen in Österreich hat laufende beziehungsweise mehrmalige Weiterbildungsaktivitäten im Jahre 2007 durchgeführt. Die folgende Abbildung 1, eine Statistik zu Weiterbildungsaktivitäten der Betriebe im Jahr 2007, zeigt deutlich die Wichtigkeit des Themas Weiterbildung auch ohne den Hintergrund der bereits erwähnten gesamtwirtschaftlichen Umstände.
5 Siehe Statistik: http://www.statistik.at/web_de/static/staatliche_bildungsausgaben_2000_-_2007_nach_ausgabenarten_und_bildungsein_030823.pdf [Stand 06.08.2009].
6 Vgl. http://www.wirtschaftszeit.at/detail/artikel/wifi-begruesst-bildungskarenz-plus-infoservice- fuer-betriebe-in-allen-landes-wifis/ [Stand 06.08.2009].
Abbildung 1: Weiterbildungsaktivitäten der Betriebe im letzten Geschäftsjahr (Quelle:
Schneeberger/Petanovitsch/Nowak, 2008, S. 14)
Gleichzeitig wird die Anzahl dieser Weiterbildungsaktivitäten in den eigenen Unternehmen im Branchenvergleich dennoch meist „nur“ als durchschnittlich bewertet. 7 Diese Entwicklung lässt für den Bildungsmarkt noch ein großes Potential vermuten.
Andererseits gibt es auch Hindernisse innerhalb der Unternehmen, die die Weiterbildung erschweren oder sogar verhindern können. Die schwerwiegendsten Gründe, die von den Unternehmen genannt werden, sind:
- Zeitmangel aufgrund der Auslastung der Mitarbeiter
- Stellvertretungsprobleme bei Freistellung für Weiterbildung und
- zu hohe Personalausfallskosten 8
Diese Hindernisse erlauben die Schlussfolgerung, dass die Bildungsmaßnahmen möglichst effizient und kompakt gestaltet werden sollen.
7 Vgl. Schneeberger/Petanowitsch/Nowak, 2008, S. 15f.
8 Vgl. Schneeberger/Petanowitsch/Nowak, 2008, S. 41ff.
13
Dabei stoßen die klassischen Lehr- und Lernszenarien oftmals an ihre Grenzen. Viele Unternehmen der Erwachsenenbildung beschäftigen sich daher verstärkt mit dem Einsatz von virtuellen Lernumgebungen. Dabei entwickeln Schulungsunternehmen neue Lern- und Lehrszenarien wie zum Beispiel blended learning, bei dem Anwesenheitslernen mit individuellem mediengestütztem Lernen kombiniert wird. 9
Die vielzitierte Entstehung einer „Wissensgesellschaft“ hat ebenfalls Einfluss auf die Entwicklung der aktuellen Lernkultur. Die Generation, die in den frühen 80er-Jahren geboren wurde, wuchs in einem Umfeld auf, indem sie von unterschiedlichsten digitalen Technologien umgeben war. Dieses Umfeld hatte starken Einfluss auf das Denken, Lernen und Interagieren dieser sogenannten „New Millennium Learners 10 “. 11
Diese Generation ist die erste, die digitale Medien in den Alltag integriert. Die Verwendung dieser Medien, wie auch zum Beispiel Wikis, dient dabei nicht nur zur Unterhaltung, sondern auch zum persönlichen Wissensmanagement und zum Lernen. 12
Aus diesen Entwicklungen ergeben sich interessante Neuerungen für die Zukunft der Erwachsenenbildung. Diese Arbeit widmet sich speziell dem Einsatz von Wikis innerhalb der Erwachsenenbildung. Um erste Zusammenhänge von Lernen und Wikis zu analysieren, wird im folgenden Kapitel das Thema Wikis grundlegend präsentiert. Danach werden grundlegende Lerntheorien ausgearbeitet. Diese werden hinsichtlich ihrer Relevanz für die Erwachsenenbildung analysiert und in Zusammenhang mit dem Thema Wikis gebracht.
9 Vgl. Engstler-Karrasch, 2009, S. 42f.
10 Weitere in der Fachliteratur zu findende Ausdrücke sind: Net Generation, Millenials oder Neomillennial Learners.
11 Vgl. Redecker, 2009, S. 15.
12 Vgl. Pedró, 2006, S. 2ff.
14
3 Was sind Wikis?
Wikis werden häufig auch als Social Software beschrieben. Als Social Software werden sozio-technische Systeme mit einfacher Bedienung bezeichnet. Diese Informationssysteme können auf Basis technischer und sozialer Vernetzung in bestimmten Themengebieten gemeinschaftliche Leistungen erzeugen. 13 Die Social Software ist wiederum eng mit dem Begriff Web 2.0 verbunden, der stark von Tim O’Reilly geprägt wurde. Es finden sich teilweise Unterscheidungen zwischen den Begriffen Social Software und Web 2.0, doch ist eine allgemein gültige Unterscheidung nicht, oder nur schwer möglich. 14
Eine markante Aussage, die das Web 2.0 gut beschreibt ist: „We are the web“. Dieser „Slogan“ zeigt wie wichtig die Beteiligung der User und die Erzeugung der gemeinsamen Inhalte ist. 15
Ob sich die Entwicklung des Web 2.0 wirklich komplett auf die Entwicklung der Lernkultur übertragen lässt, wird aktuell noch diskutiert. Kerres greift diese Veränderungen auf. Durch den erleichterten und umfassenden Internetzugang entsteht eine wichtige Rahmenbedingung für didaktische Veränderungen. 16 Nachfolgende Tabelle 1 fasst die Weiterentwicklung des eLearnings im Bezug zur Entwicklung des Internets zusammen.
Tabelle 1: Von E-Learning 1.0 zu E-Learning 2.0 (Quelle: Eigene Darstellung nach Kerres,
2006, S. 6)
13 Vgl. Komus, 2006, S. 36.
14 Vgl. Komus/Wauch, 2008, S. 2.
15 Vgl. Bettel, 2009, S. 35ff.
16 Vgl. Kerres, 2006, S. 6f.
15
Diese Entwicklung lässt sich gut auf den Einsatz von Wikis übertragen. Ein Wiki stellt ein Portal in das Internet dar. Lernende können das Wiki durch ihren Input und ihre Beteiligung an ihre Bedürfnisse anpassen. Doch soll in dieser Arbeit nicht das Thema eLearning alleine betrachtet werden. Vielmehr geht es um eine ganzheitliche Betrachtungsweise von Wikis innerhalb der Erwachsenenbildung. Dieser Ansatz wird in den folgenden Kapiteln und der Forschung noch vertieft. Vorerst gehen wir nun nochmals einen Schritt zurück und betrachten die Grundlagen von Wikis.
3.1 Wikis
Generell ist ein Wiki eine webbasierte Software, mit deren Hilfe alle Betrachter der Website den Inhalt online, direkt im Browser, ohne Programmierkenntnisse und zusätzlicher Software verändern können. 17
Laut Raabe wurde das erste Wiki im Jahre 1994 vom Software-Entwickler Ward Cunningham entwickelt. Ward Cunningham suchte nach einer Möglichkeit Entwurfsmuster schnell und einfach über das Internet zu veröffentlichen. 18 Er bezeichnete die Wiki-Entwicklung als „the simplest online database that could possibly work.“ 19
Wikis sind generell stark verlinkt. Diese Links verweisen auf andere Websites, Weblogs und Wikis. Ebenfalls sind Wikis meist auch in sich stark verlinkt. So wird das bereits vorhandene und das neu entstehende Wissen strukturiert. 20
Als „Vater“ von Wikis wird, wie bereits erwähnt, Ward Cunningham genannt. Auf ihn geht auch der Name „Wiki“ zurück. Das Wort WikiWiki stammt aus der hawaianischen Sprache und bedeutet übersetzt schnell. 21 Cunningham beschreibt ein Wiki wie folgt:
17 Vgl. Ebersbach/Glaser/Heigl, 2005, S. 10ff.
18 Vgl. Raabe, 2007, S. 36.
19 Vgl. Leuf/Cunningham, 2001, S. 15.
20 Vgl. Bendel, 2006, S. 23.
21 Vgl. Leuf/Cunningham, 2001, S. 14f.
16
„A wiki is a freely expandable collection of interlinked Web „pages“, a
hypertext system for storing and modifying informaion-database, where each
page is easily editable by any user with a forms-capable web-browser
client.“ 22
Im Folgenden werden einige besondere Eigenschaften von Wikis aufgezählt, um die Unterschiede von Wikis zu „normalen“ Webseiten zu verdeutlichen:
- Wikis orientieren sich an der Gemeinschaft der User. Das bedeutet, dass Wikis demokratisch von Gemeinschaften und nicht von einzelnen Personen erstellt werden. 23
- Das Editieren (Bearbeiten) von Wikiseiten ist ohne Programmierkenntnisse und zusätzliche Software möglich. Diese Funktion ist eine der wichtigsten Eigenschaften von Wikis. 24
- Viele Wikis bieten eine Anleitung und Einführung zur Verwendung der Software an. Meistens kann man dafür auf einer leeren Wikiseite die verschiedenen Funktionen testen. Diese leeren Seiten werden oft als Sandkiste oder Spielplatz bezeichnet. 25
- Wikis besitzen meist eine Versionierungs- oder Historyfunktion mit deren Hilfe ältere Versionen der Site wieder herstellbar sind. 26
- Aufgrund der gemeinschaftlichen Erstellung ist der Inhalt praktisch nie endgültig fertig. Das führt zu neuen Betrachtungsweisen von Autorenschaft und Copyright. 27
- Wikis laufen in Echtzeit. Daher werden alle erstellten Beiträge und Änderungen nahezu direkt online sichtbar. 28
Die oben angeführten Besonderheiten von Wikis lassen bereits das Einsatzpotenzial von Wikis in der Erwachsenenbildung erahnen. Vor allem durch die einfache
22 Leuf/Cunningham, 2001, S. 14.
23 Vgl. Alexander, 2006, S. 33.
24 Vgl. Moskaliuk, 2008, S. 18.
25 Vgl. Ebersbach/Glaser/Heigl, 2005, S. 20.
26 Vgl. Ebersbach/Glaser/Heigl, 2005, S. 20f.
27 Vgl. Lamb, 2004, S. 38.
28 Vgl. Brahm, 2007, S. 41.
17
Bedienung und die kommunikativen und kollaborativen Eigenschaften von Wikis ergeben sich mögliche Einsatzszenarien innerhalb des Lehr- und Lernprozesses. Um diese Prozesse besser verstehen und planen zu können, ist es notwendig grundlegende Informationen zu entsprechenden Lerntheorien zu kennen. Das Verständnis der Lerntheorie ermöglicht eine umfangreiche Betrachtungsweise und Analyse des Lernprozesses. Auch wenn durch einige Eigenschaften von eLearning und entsprechende Publikationen der Eindruck geweckt wird, dass der eLernprozess mit wenig Theorie auskommt, basiert eLearning dennoch auf fundierten Lehr- und Lerntheorien. 29
Die folgenden Theorien sind ein beispielhafter Ausschnitt aus der großen Anzahl von Lerntheorien. Diese verdeutlichen die unterschiedlichen Zugänge und Ansätze zu diesem Thema. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Zusammenhänge dieser Lerntheorien mit Wikis gelegt.
29 Vgl. Flindt, 2005, S. 54f.
18
4 Lerntheorien und Lernen mit Wikis
Nachdem wir uns mit den Entwicklungen des Österreichischen Bildungsmarktes auseinandergesetzt haben, geht es im folgenden Kapitel um die Kernaufgabe der Österreichischen Bildungsinstitute, der Wissensvermittlung. Diese
Wissensvermittlung erfolgt in unterschiedlichen Lehr- und Lernszenarien, die von Lehrenden und Lernenden gemeinsam geprägt und geschaffen werden. Im Kontext der Erwachsenenbildung steht vor allem die praktische Anwendbarkeit des Erlernten im Vordergrund. 30
Wie auch aus der Entwicklung des Bildungsmarktes in Österreich erkennbar ist, werden Verantwortliche in Unternehmen der Erwachsenenbildung immer häufiger vor die Situation gestellt, Lernen möglichst schnell und effizient zu organisieren und zu gestalten. Mit möglichst wenig Zeitaufwand und einem vordefinierten Budget sollen verschiedene Bildungskonzepte zur Kompetenzentwicklung und Eigenverantwortung der Lernenden beitragen. 31
Die zunehmende Verbreitung digitaler Medien bietet Bildungsinstituten in dieser Situation die Möglichkeit neue didaktische Konzepte zu entwickeln. Grundsätzlich ist dabei immer zu bedenken welche Medien wie eingesetzt werden können. 32 Aus diesem Grund werden folgende grundlegende Lerntheorien präsentiert und hinsichtlich ihrer Relevanz für Wikis verglichen.
4.1 Behaviorismus
Die Theorie des Behaviorismus umfasst mehrere Strömungen. Doch verfügen diese über einige Gemeinsamkeiten. Generell sieht der Behaviorismus den Menschen als passives Wesen, das von Reizen gesteuert wird. Die Untersuchung des Zusammenhanges zwischen Reiz und Reaktion ist ein Teil des Behaviorismus. 33 Die bekannteste Strömung des Behaviorismus ist die Klassische Konditionierung, die auf den russischen Psychologen Iwan P. Pawlow zurückgeht. Anfang des 20.
30 Vgl. Schmid, 2008, S. 1ff.
31 Vgl. De Witt, 2005, S. 217.
32 Vgl. Kerres, 2008, S. 116.
33 Vgl. Baumgart, 1998, S. 109.
19
Jahrhunderts führte er Tierexperimente durch, aus deren Resultaten er Rückschlüsse für das menschliche Lernen zog. 34
Laut Pawlow ist das Grundprinzip des Lernens ein „Signallernen“, bei dem Reiz-Reaktionsverbindungen mit neutralen Stimuli (neutrale Reize) gekoppelt werden. Diese neutralen Reize werden später zu Auslösern eines neuen Verhaltens. 35 Die Annahme, dass der Mensch ein passives, reizgesteuertes Wesen ist, hat Auswirkungen auf die Rolle des Lerners und Lehrenden in Lernprozessen. So muss man davon ausgehen, dass der Lernende den Lernstoff passiv aufnimmt, wogegen der Lehrende eine aktive Schlüsselrolle einnimmt. Daher wäre eine probate Methode zur Wissensvermittlung ein Einzeltraining. 36
Aus diesen Annahmen folgt, dass eLernprogramme, die auf der behavioristischen Theorie beruhen, ebenfalls diesem Konzept vom passiven Lernenden und aktiven Lehrenden entsprechen. Durch diese Eigenschaften sind diese Systeme gut geeignet für das Erlernen von Faktenwissen. Allerdings sind sie nur sehr beschränkt für das Lernen von Zusammenhängen geeignet. 37
Da gerade die Verknüpfung von Informationen und die Interaktion der am Lernprozess Beteiligten ein wesentlicher Bestandteil von Wikis ist, müssen noch weitere Lerntheorien analysiert werden, die diese Aspekte des Lernens stärker berücksichtigen. Eine Lerntheorie, die diese Faktoren stärker berücksichtigt, ist der Kognitivismus.
4.2 Kognitivismus
Der Kognitivismus stellt eine Antwort auf die Theorie des Behaviorismus dar. Auch hier gibt es unterschiedliche Strömungen, die aber wieder wichtige Gemeinsamkeiten besitzen. Im Kognitivismus ist der Prozess des Lernens ein individueller, interner, psychomentaler Prozess. Ein wichtiger Unterschied zum Behaviorismus ist, dass der Lernende nicht als ein von äußeren Reizen gesteuertes Wesen angesehen wird. 38 Kognitive Theorien stellen viel mehr den lernenden Menschen mit seinen individuellen, internen Denk- und Verstehensprozessen in den Mittelpunkt. Diese
34 Vgl. Flindt, 2005, S. 56.
35 Vgl. Preiser, 2003, S. 116f.
36 Vgl. Flindt, 2005, S. 59.
37 Vgl. Schulmeister, 1997, S. 96.
38 Vgl. Gudjons, 2001, S. 214.
20
Annahmen wirken sich auch deutlich auf das Verständnis des Lernens aus. Lernen ist im Kognitivismus ein besonderer Fall der Informationsaufnahme und -speicherung. Dieser Prozess ist sowohl abhängig von der Art der Informationsaufbereitung unddarbietung, als auch von den Lernaktivitäten des Lerners. 39 Durch diese Betrachtungsweise führte der Kognitivismus zur Auffassung, dass Lernvorgänge auf der Aufnahme, der Speicherung und der Verarbeitung von Informationen beruhen. 40
Grundsätzlich steht nicht das Erlernen von Fakten im Vordergrund. Viel mehr ist es wichtig die Lerninhalte in verschiedene Kontexte zu setzten. Die Lehrenden stehen somit vor der Herausforderung nicht nur Regeln zu lehren, sondern vielmehr deren Anwendung. 41
Die Einflüsse dieser Annahmen hatten auf die Entwicklung von eLearning-Systemen großen Einfluss. Da der Kognitivismus annimmt, dass die Lernprozesse bei jedem Menschen unterschiedlich ablaufen, sollten auch die eLernsysteme keine starren Systeme sein. Die Lernsysteme sollen sich vielmehr am Wissenstand und dem Lernfortschritt des Lernenden orientieren. 42
Durch diese Entwicklung entstanden sogenannte „Intelligente Tutorielle Systeme“. Eine Komponente dieser Systeme ist das Wissensmodul, in dem das Wissen eines Experten umfassend und verständlich aufbereitet werden soll. 43
Dieser Ansatz ist für den Einsatz von Wikis in der Erwachsenenbildung relevant. Auch in Wikis soll das Wissen der beteiligten Experten möglichst verständlich dargestellt werden. Weiters bieten Wikis die Möglichkeit seinen individuellen Wissensstand zu präsentieren und dadurch den Lernprozess zu dokumentieren bzw. zu steuern. Der Lehrende hätte dadurch die Möglichkeit das Training an die Lernenden anzupassen. Jedoch fehlt auch in kognitivistischen Lernszenarien noch ein wesentliches Merkmal, das auch Wikis auszeichnet, die Interaktion,
39 Vgl. Kerres, 2001, S. 66.
40 Vgl. Spitzer, 2003, S. 54.
41 Vgl. Spitzer, 2003, S. 77f.
42 Vgl. Kerres, 2001, S. 69f.
43 Vgl. Flindt, 2005, S. 78f.
Arbeit zitieren:
Mag. (FH) Alexander Wimmer, 2009, Einsatz von Wikis in der Erwachsenenbildung, München, GRIN Verlag GmbH
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