Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
Wodurch wurden Keys eugenische Ansichten geprägt, und verfolgte sie mit ihren
eugenischen Gedanken rassistische Ziele oder die Verbesserung der menschlichen Rasse? 4
Ellen Keys Einfluss auf die deutsche Eugenik und die Euthanasie in der Zeit des
Nationalsozialismus 9
Literatur 17
2
Einleitung
Schon in der Antike gab es eugenische Gedanken, wie z.B. in Platons „Politeia“ oder Aristoteles´ „Politik“ 1 .
Der Begriff Euthanasie bedeutet lediglich eine Erleichterung des Todeskampfes 2 , wurde aber
in der Zeit des Nationalsozialismus anders interpretiert und umgesetzt. Der Begriff Eugenik,
mit dem die Euthanasie im Zusammenhang steht, stammt aus dem altgriechischen und bedeutet soviel wie ,,gut“ (eu) und Geschlecht (genos) 3 .
1883 gewann der Begriff Eugenik langsam an Bedeutung, da er in erheblichem
Zusammenhang mit den humangenetischen Erkenntnissen und der Anwendung auf die Gesundheits- und Bevölkerungspolitik 4 stand. Ziel war es, den Anteil von „guten“ Erbanlagen
zu fördern und den weniger guten Erbmaterials zu minimieren.
Der deutsche Mediziner Alfred Ploetz prägte in Deutschland um 1895 den Begriff der Rassenhygiene 5 . Dieser Begriff wurde weder im, noch nach dem 1. Weltkrieg oder in der
Weimarer Republik 6 verworfen, sondern wurde sogar zu einem gebräuchlichen Begriff, der
dann in der Zeit des NS-Staates , unter Anwendung von z.B. des „Gesetzes zum Schutz des
Blutes“ seinen grausamen Höhepunkt fand.
Eugenik als Wissenschaft hatte ihren Ursprung vor allem in Großbritannien, z.B. durch
Robert Malthus, Francis Galton oder Herbert Spencer und beruhte vor allem auf den Thesen
Darwins. Aber auch in Frankreich (Arthur de Gobineau), den USA (Alexander Graham Bell),
und Deutschland (Nietzsche, Haeckel, Binding, Hoche, Lenz und Ploetz) gab es Vertreter
oder Befürworter der Eugenik.
Es gab also um die Jahrhundertwende in vielen Ländern der westlichen Welt und
Nordamerika viele Ansätze und Überlegungen der Eugenik, die oft auf Grund der hohen
Säuglingssterblichkeit oder des Geburtenrückgangs und letztlich auch mit der Verbesserung
der Gesellschaft begründet wird.
Auch in Schweden fand sich eine Vertretein bzw. Vorreiterin der Eugenik, die heute als
Klassikerin der Reformpädagogik bzw. der Erziehungswissenschaft gilt, Ellen Key.
Die Eugenik oder Euthanasie hatte ihre Ursprungsgedanken also schon in der Antike, wurde
dann um 1880 wieder entdeckt und fand ihren grausamen und schrecklichen Höhepunkt in der
Zeit des Nationalsozialismus. Euthanasie ist also keine „Erfindung“ der NS-Zeit. Sie wird nur
mit dieser Zeit aufgrund des auch heute noch hoch interessanten Themas in besondere
Verbindung gebracht.
________________________
1 http://de.wikipedia.org/wiki/Eugenik, Verweis auf Y. Knibiehler: ,,A brief history of eugenics“, Agressologie 28(7)/1987, S765-767, sowie D.J. Galton: ,,Greej theories on eugenics“, Journal of Medical Ethics 24(4)/1998, S.263-267, einen historischen Überblick gab Allen G.Roper: ,,Ancient Eugenics“. The Arnold Prize Essay for 1913, B.H. Blackwell, Broad Street, Oxford (1913)
2 Ursula Hermann: ,,Die neue deutsche Rechtschreibung“; Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH Gütersloh 1996, S. 367
3 http://de.wikipedia.org/wiki/Eugenik
4 http://de.wikipedia.org/wiki/Eugenik
5 http://de.wikipedia.org/wiki/Nationalszialistische_Rassenhygiene
6 http://de.wikipedia.org/wiki/Eugenik
3
Wodurch wurden Keys eugenische Ansichten geprägt, und verfolgte sie mit ihren
eugenischen Gedanken rassistische Ziele oder die Verbesserung der menschlichen
Rasse?
Ellen Key gilt als Vorreiterin der Eugenik und schrieb ihre eugenischen Gedanken vor allem in ihrem 1900 in Schweden und 1902 in Deutschland veröffentlichten Buch ,,Das Jahrhundert des Kindes“. Gerade im ersten Kapitel Ihres Buches ,,Das Recht des Kindes, seine Eltern zu wählen“, beschrieb sie die Ziele und Gründe der Eugenik und deren Notwendigkeit. Der Mensch solle seine Entwicklung so beeinflussen, dass ein höherer Menschentypus hervorgebracht wird 8 .
,,Man findet schon den menschlichen Willen entscheidend bei der Züchtung neuer
und höherer Arten in der Tier- und Pflanzenwelt. In bezug auf unser eigenes
Geschlecht, auf die Erhöhung des Menschentypus, die Veredelung der
menschlichen Rassen herrscht hingegen noch der Zufall in schöner oder hässlicher Gestalt.“ 9
Hier zeigt sich ganz deutlich, dass Key zwar verschiedene Rassen in den Menschen sieht, sie aber keinen dieser Rassen in irgendeiner Form den Vorrang gibt oder eine über die andere stellt. Viel mehr ist es ihr Ziel oder auch ihr Wunsch, dass sich ein höherer Menschentypus entwickelt, egal welcher Rasse er angehört. Key wollte ähnlich wie Nietzsche eine Art ,,Übermenschen“ 10 , aber eben nicht auf eine bestimmte Rasse bezogen, sondern auf die gesamte Menschheit. Trotz oder gerade weil sie nicht die Verbesserung einer oder einzelner Rassen als Ziel hat, unterscheidet sie die Menschen in ,,höherwertige“ und „minderwertige“ 11 Menschen, da sie irgend einen Ausgangspunkt für die spätere Verbesserung des Menschentypus wählen muss. Die Fortpflanzung der „höherwertigen“ wollte sie fördern 12 , während die der „minderwertigen“ demnach, so gut es geht, vermieden und unterbunden werden sollte. Key betrachtete die Ehe nur als ,,zufällige Form des sozialen Zusammenlebens“ 13 , in der das wichtigste die Art des Zusammenlebens in bezug auf die Nachkommen ist. Außerdem forderte sie eine neue Ethik, deren ,,(…)zehn Gebote (…) nicht vom Religionsstifter, sondern vom Naturforscher geschrieben werden“ 14 . ________________________
8 Ellen Key: ,,Das Jahrhundert des Kindes“; Athenäum Verlag Königstein/Ts. 1978; S.6
9 Ellen Key: ,,Das Jahrhundert des Kindes“; Athenäum Verlag Königstein/Ts. 1978; S.6
10 Baader/Jacobi/Andresen: „Ellen Key reformpädagogische Vision“; Beltz Verlag; Weinheim/Basel 2000; S.43
11 Anja Mankel: ,,Ellen Key: „Das Jahrhundert des Kindes“„Das Recht des Kindes, seine Eltern zu wählen“ - Rassistischer Größenwahn oder logische Konsequenz der modernen Lebenswelt?; Grin Verlag ; S.4
12 Anja Mankel: ,,Ellen Key: „Das Jahrhundert des Kindes“„Das Recht des Kindes, seine Eltern zu wählen“ - Rassistischer Größenwahn oder logische Konsequenz der modernen Lebenswelt?; Grin Verlag ; S.4
13 Ellen Key: ,,Das Jahrhundert des Kindes“; Athenäum Verlag Königstein/Ts. 1978; S.7
14 Ellen Key: ,,Das Jahrhundert des Kindes“; Athenäum Verlag Königstein/Ts. 1978; S.10
4
,,Diese neue Ethik wird kein anderes Zusammenleben zwischen Mann und Weib
unsittlich nennen, als das, welches Anlaß zu einer schlechten Nachkommenschaft
gibt und schlechte Bedingungen für die Entwicklung dieser Nachkommenschaft hervorruft.“ 15
Hier wird deutlich sichtbar, dass die Erkenntnisse von Charles Darwin über ,,Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl“, der von ihm geprägte Begriff ,,struggle for life“ 16 und der von Herbert Spencer geprägte Satz ,,survival of the fittest“ 17 Einfluss auf Keys Theorien und Forderungen hatten. Folglich kann man Ellen Key als Sozialdarwinistin bezeichnen, denn sie forderte die Anwendung Darwin´scher Theorien auf den Menschen. In diesem Zusammenhang trat Key für eine Umgestaltung der Wissenschaften ein, indem sie die Naturwissenschaften z.B. als Grundlage für Rechtswissenschaften und Pädagogik forderte, wodurch dann die Menschen die Gesetze der natürlichen Auslese kennen lernen und im Geiste dieser Gesetze handeln sollten 18 . Key wollte verhindern, dass sich der ,,Verbrechertypus“ fortpflanzt, der allerdings nur vom Gelehrten erkannt werden kann 19 . Als „Verbrechertypus“ bezeichnet Key u.a. die Trunksüchtigen, die Geisteskranken oder die für die Ehe Ungeeigneten 20 .
Aber auch Francis Galton hatte durch seine Arbeiten und Theorien Keys eugenische Gedanken beeinflusst, denn er führt an:
,,(…)dass das Gesetz der natürlichen Auslese, das in der übrigen Natur ,,survival of the fittest“ gesichert hat, in der menschlichen Gesellschaft nicht mehr gilt(…)“ 21 Dafür gibt Galton ökonomische Beweggründe an, bei denen z.B. durch den Reichtum die unrichtigen Heiraten gefördert werden 22 . Diese Ehen könnten natürlich ,,schlechte“ Nachkommen erzeugen, da die Menschen aus materialistischen und nicht aus Rassenveredelungs-Gründen heiraten.
Deshalb fordert Key vor der Eheschließung ein ärztliches Zeugnis, welches beide Partner über jeweils mögliche Erberkrankungen des anderen informiert und dadurch die Entscheidung gegen eine ,,schlechte“ Nachkommenschaft für die Eheleute und die möglichen Kinder erleichtert 23 . Key hält dieses Zeugnis für ebenso wichtig, wie die Fähigkeit zum ________________________
15 Ellen Key: ,,Das Jahrhundert des Kindes“; Athenäum Verlag Königstein/Ts. 1978; S.10
16 http://de.wikipedia.org/wiki/Eugenik#Evolutionstheorie_von_Charles_Darwin
17 http://de.wikipedia.org/wiki/Eugenik#Sozialdarwinistische_Gesellschaftstheorien
18 Ellen Key: ,,Das Jahrhundert des Kindes“; Athenäum Verlag Königstein/Ts. 1978; S.23
19 Ellen Key: ,,Das Jahrhundert des Kindes“; Athenäum Verlag Königstein/Ts. 1978; S.23
20 Anja Mankel: ,,Ellen Key: „Das Jahrhundert des Kindes“„Das Recht des Kindes, seine Eltern zu wählen“ - Rassistischer Größenwahn oder logische Konsequenz der modernen Lebenswelt?; Grin Verlag ; S.4
21 Ellen Key: ,,Das Jahrhundert des Kindes“; Athenäum Verlag Königstein/Ts. 1978; S.12
22 Ellen Key: ,,Das Jahrhundert des Kindes“; Athenäum Verlag Königstein/Ts. 1978; S.12
23 Ellen Key: ,,Das Jahrhundert des Kindes“; Athenäum Verlag Königstein/Ts. 1978; S.28
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Daniel Rahn, 2009, Euthanasie und Hilfsschule, München, GRIN Verlag GmbH
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