Inhalt
1. Einleitung 2
2. Der theologische Ursprung des Bösen 3
3. Das Böse in der Philosophie und das Verständnis der Aufklärung 5
4. Antisoziales Verhalten, Aggressivität und Delinquenz 8
5. Anthropologische Gedanken zum Thema 11
6. Die Konsequenz für die heutigen Erziehungswissenschaften 13
7. Quellen 15
1. Einleitung
Der im Titel gestellten Frage möge gleich zu Beginn dieser Ausarbeitung eine hinreichende
Antwort folgen. Meyers Lexikon Online 1 konstatiert zum Begriff des Bösen eine zunächst klare Definition: „[Das Böse ist] der ontologisch und metaphysisch dem Guten entgegengesetzte Seinsbereich; in ethischer Bedeutung das als moralisch negativ beurteilte Verhalten und das ihm zugrunde liegende Wollen, sofern dabei seine Verwerflichkeit bewusst ist.“ Diese Definition geht von einer parallelen Existenz von Gutem sowie Bösem aus, wobei die Frage offen bleibt, inwieweit sich beide Faktoren beeinflussen oder sogar koexistieren können. Gleichzeitig befasst sich die Definition mit dem Wollen zur bösen Tat unter der Voraussetzung, dass ihre moralische Einstufung bekannt ist. Dieser Grundsatz stellt sich jedoch gegen den allgemein geltende Bedingung, dass die Unwissenheit nicht vor Strafe schützt. Wird davon ausgegangen, dass Delinquenz der Ausdruck des Bösen ist, so weichen hier die Ansichten auseinander. Festzuhalten ist dennoch, dass bei der Beschäftigung mit den Dimensionen Gut und Böse stets ein Diskurs über herrschende Normen und Werte mitgeführt werden muss, wobei der eigene Standpunkt eine wichtige Rolle in der Frage nach der Bestimmung von Gutem und Bösen einnimmt.
Die folgende Ausarbeitung soll nun einen allgemein gehaltenen Einblick in das Verständnis des Bösen geben, wobei sich die Ausführungen fortwährend mit dem Werteverständnis einer christlich geprägten westlichen Welt auseinandersetzen. Denn wie bereits erwähnt, kann nur dort einheitlich von diesem Begriff gesprochen werden, wo Normen und Werte hinreichend geteilt werden.
Der Aufbau der Arbeit gestaltet sich folgendermaßen: Begonnen wird mit dem theologischen Ursprung des Bösen. Hier soll aufgezeigt werden, woher die Aufteilung dieser Dimensionen stammt. Ebenso wird hier bereits die Frage untersucht, wo das Böse zu suchen und wie es zu klassifizieren ist. Daran anschließend wird der Begriff des Bösen innerhalb der Philosophie vorgestellt und im Hinblick auf die Ideen der Aufklärung erneuert. Von allgemeinem Verständnis geprägt befasst sich der dritte Abschnitt mit den Äquivalenten des Bösen, dem antisozialen Verhalten, der Aggressivität und der Delinquenz. Diese Faktoren werden mit speziell sozialpsychologischen Erkenntnissen fundiert. Die Kernfrage ist hier, wie böses Verhalten ausgelöst oder gar vermieden werden kann. Mit Verweis auf die Gedanken der Aufklärung wird hier aufgezeigt, wie weit der Mensch für sein Verhalten zur Verantwortung gezogen werden kann und ob Delinquenz absolut mit bösem Verhalten gleich gesetzt werden kann.
Um das Seminarthema nicht aus den Augen zu verlieren wird anschließend die Aufmerksamkeit auf die Anthropologie gelenkt, wobei hier die Erkenntnisse zum Menschen dafür verwendet werden, den Begriff des Bösen auf seine Aktualität und Anwendbarkeit hin zu überprüfen. Mit Ende dieses Absatzes soll eine Konsequenz für die heutigen Erziehungswissenschaften hergeleitet werden, in der alle zuvor dargestellten Fakten verwendet werden, einen anwendbaren Moralbegriff und Handlungsrahmen für die Pädagogik abzuleiten.
2. Der theologische Ursprung des Bösen
Dierk Lange hat in dem Buch „Das Böse in der Geschichte“ von Werner Ritter unter der Überschrift „Der Ursprung des Bösen“ die Herkunft der klaren Einteilung in Gut und Böse
folgendermaßen erläutert. 2 Der Polytheismus schuf Kultparteien, die sich einer jeweiligen Gottheit zuordneten, wobei andere Götter mitunter negativ bewertet wurden. Jede Partei nahm für sich in Anspruch, dem guten Gott anzugehören. Unter diesen Umständen war eine objektive Einschätzung darüber, welcher Gott der einzig Gute ist ausgeschlossen, da die Kultparteien sich in oppositioneller Haltung mit gleichen Argumenten gegenüberstanden. Der Monotheismus hingegen hob eine Opposition auf, die für sich ebenfalls das Gute in Anspruch nehmen konnte. Die Gefolgschaft des einen Gottes konnte nun das Böse benennen, welches sich durch fehlende Anhänger nicht gegen diesen Vorwurf wehren konnte. Am christlichen Beispiel betrachtet, wählt Gott sodann die Menschen als irdisches Sprachrohr, seine Lehre zu verkünden. Der Teufel hingegen besitzt dieses Sprachrohr nicht, verstummt also unter den Vorwürfen, nur die Lehre des einen Gottes sei die Lehre des Guten 3 . Der Monotheismus brachte eine einheitliche Moral hervor, die notwendig ist zur Bestimmung von Gut und Böse. Das Böse wird in diesem Kontext als die Abkehr von Gott bezeichnet. Schwierig aus heutiger Sicht ist dabei der Umstand, dass die Zehn Gebote, wie sie in der Bibel auftauchen durch ihren autoritären Ton und ihren ultimativen Anspruch die eigene Handlungsfreiheit
minimieren und den Menschen in seinem Verhalten extrinsisch zum Guten motivieren. 4 Der weitreichenden Frage, wie frei der Mensch tatsächlich sei und welche Umstände dieses Problem beeinflussen soll hier nicht weiter nachgegangen werden. Die Konsequenz der Abkehr von Gott ist hingegen sehr interessant im Zusammenhang mit der offenen Frage nach
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dem Bösen. Es gibt traditionell zwei Szenarien, welche die Auswirkungen von Gutem bzw. Bösen in der christlichen Religion verdeutlichen.
Das klassische Szenario ist die Lehre von Himmel und Hölle. Jedoch wird gerade im Christentum vielfach um die Bedeutung und die generelle Existenz einer Hölle gestritten. Landläufig herrscht allerdings weit verbreitet die Meinung, dass böse Taten den Täter nach dem Tod in die Hölle führen. Papst Benedikt XVI. beschrieb im Kompendium Katechismus
der katholischen Kirche 2005 unter Punkt 212 die Hölle als Ort der größten Distanz zu Gott. 5 Hier befinden sich Mensch die aus freiem Willen heraus in Todsünde sterben. Pein und Schmerz, wie sie in mittelalterlichen Höllendarstellungen verbreitet sind, fehlen in dieser Ausführung. Lediglich das Fehlen von Gott wird als größte Strafe für den Sünder gesehen. Alternativ schafft das Himmel-Hölle-Modell einen Ausgleich zu den Missverhältnissen im Leben. So werden die im Leben Wohlhabenden in der Hölle gepeinigt, wo hingegen die
Armen und Kranken im Himmel getröstet werden. 6 In einer letzten Option findet sich das Fegefeuer als Erleichterung zur Hölle. Der Aufenthalt hier ist temporär und an die Schwere der Sünden gebunden. Hat der Mensch seine Zeit dort verbüßt, kann er in das Himmelreich aufsteigen.
Das zweite Szenario führt an der Hölle vorbei und vertieft den Sündenbegriff. Zunächst sollen die zwei Varianten der Sünde eingeführt werden, wie sie Gustav Mensching in „Das Böse in
der Geschichte“ vorstellt. 7 Die Tatsünde (peccatum actuale) bezeichnet jeden Vorgang, der gegen die Gebote Gottes verstößt. In diesem Fall ist die Tat selbst böse, nicht die ausführende Person. Für diese Form der Sünde kann umgehend Buße getan werden. Die generelle oder auch Erbsünde (peccatum essentiale) hingegen verfolgt den Menschen bereits ob seiner Existenz. Die allgemeine Sündhaftigkeit des Menschen versperrt ihm den Zugang zu Gott. In der Manier einer Art Weltformel steht es dem Menschen zur Aufgabe, sich von der Erbsünde zu befreien, um vor Gott treten zu können. Der Täuferbewegung nach erfolgt ein Loslösen von der Erbsünde bereits bei der Taufe. Dies wird durch die Annahme unterstrichen, dass am Tag des Jüngsten Gerichts die Menschen geteilt und ihrer Gesinnung nach in den Himmel herauf oder die ewige Verdammnis herab geschickt werden. 8 G. Lohfink geht in seinem Text „Der Gott des Gerichts und der Gott des Erbarmens“ sogar so weit in der Behauptung, die Taufe sei am Tag des Jüngsten Gerichts das „letzte Angebot Gottes“ das den Menschen retten
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Arbeit zitieren:
Andy Blum, 2008, Was ist das Böse?, München, GRIN Verlag GmbH
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