Enrico Günther
Journalismus als soziales System - von der Theorie zur Empirie
Inhalt
1 Einleitung. 2
2 Theoretische Modellierungen des Journalismus. 2
2.1 Definitionsprobleme. 2
2.2 Systemtheoretische Betrachtung. 3
2.2.1 Theorie sozialer Systeme. 3
2.2.2 Struktur des sozialen Systems Journalismus. 4
2.2.3 Funktion des sozialen Systems Journalismus. 5
3 Empirische Umsetzung. 6
3.1 Analyseraster „Zwiebel-Modell“ 6
3.1.1 Funktion im Forschungsprozess. 6
3.1.2 Normenkontext. 6
3.1.3 Strukturkontext. 7
3.1.4 Funktionskontext. 7
3.1.5 Rollenkontext. 7
3.2 Studie „Journalismus in Deutschland II“ 2005. 7
3.2.1 Methodik. 7
3.2.2 Befunde und Entwicklungstendenzen. 8
4 Fazit. 10
Literaturverzeichnis 11
1 Einleitung
Journalismus wird in demokratischen Gesellschaften als wichtige öffentliche Instanz gesehen, zum Teil schreibt man ihm die Funktion einer „vierten Gewalt“ zu. Diese aufklärerische Funktionszuschreibung ist populärwissenschaftlich beliebt (vgl. Weischenberg/ Malik/ Scholl 2006b: 21). Sie kann wissenschaftlich jedoch nur als illusorische Idealvorstellung gesehen werden, vernachlässigt sie unter anderem ökonomische Zwänge der Massenmedien (vgl. ebd.: 21). Die Journalismusforschung registriert vielmehr Entgrenzungsphänomene wie Boulevardisierung und Hybridisierung (vgl. ebd.: 16). Um diese Erscheinungen nachvollziehen zu können, ist es notwendig, den Journalismus in seiner Komplexität mit seinen Strukturen, Funktionen und Grenzen zu betrachten.
Diese Arbeit soll deshalb klären, was Journalismus überhaupt ist, welche Leistung er für die Gesellschaft erbringt und wie sich journalistische Praxis in Deutschland real darstellt. Dazu werden im ersten Teil exemplarische Aspekte der systemtheoretischen Perspektive auf den Journalismus erläutert. Daran anknüpfend soll das Zwiebelmodell von Weischenberg herangezogen werden (vgl. Weischenberg 1994: 431), das als Analyseraster zur Verbindung einer systemischen Journalismustheorie mit empirischer Journalismus-forschung dient (vgl. Kohring 2000: 166). Um eine empirische Umsetzung systemtheoretischer Aspekte vorzustellen, wird abschließend exemplarisch die Studie „Journalismus in Deutschland II“ 2005 auszugsweise dargestellt. Davon ausgehend werden Entwicklungstendenzen des Systems Journalismus skizziert.
2 Theoretische Modellierungen des Journalismus
2.1 Definitionsprobleme
Sucht man eine Definition für „Journalismus“, findet man sehr verschiedene Erklärungen. Gerade in Anbetracht der Entgrenzungsphänomene fällt eine Grenzen ziehende Definition schwer (vgl. Weischenberg/ Malik/ Scholl 2006a: 346). Simple, gar tautologische Formeln wie „Journalism is what journalists do, not what democracy may need done“ (Rosen 1999: 27) sind nicht ausreichend, um die Komplexität des Journalismus inklusive seiner gesell- schaftlichen Bedeutung zu beschreiben (vgl. Weischenberg/ Malik/ Scholl
2006b: 200). Im Allgemeinen besteht in der Kommunikatorforschung mittlerweile größtenteils Konsens darüber, dass Journalismus nicht allein anhand historischer oder biographischer Studien über einzelne Journalisten und deren Merkmale erfassbar ist (vgl. Beck 2007: 165f.). Denn diese individuelle Betrachtung „verstellt den Blick auf die sozialen, rechtlichen, technologischen, politischen und ökonomischen Bedingungen, die jeweils festlegen, was Journalismus ist und welche Folgen Journalismus hat“ (Weischenberg 2004: 429; Hervorhebung EG) verstellt. Eine Alternative zur normativ geprägten Perspektive bietet eine systemtheoretische Betrachtungsweise 1 .
2.2 Systemtheoretische Betrachtung
2.2.1 Theorie sozialer Systeme
Aktuelle Journalismusforschung bedient sich vor allem systemtheoretischer Perspektiven (vgl. Löffelholz/ Quandt 2000: 147). Ziel dieser Modellierungen ist dabei, Sinngrenzen festzulegen, um Journalismus von anderen gesellschaftlichen Handlungsbereichen abzugrenzen (vgl. Kohring 2000: 153). „Ein System wird […] bestimmt durch die wechselseitigen Relationen seiner Elemente“ (Kohring 2000: 154; Hervorhebung im Original). Das bedeutet, dass ein System durch die Beziehungen untereinander, die nicht linear verlaufen müssen, charakterisiert wird und nicht durch seine Elemente, da kein Individuum nur einem sozialen System zuzuordnen ist (vgl. Kohring 2000: 156). Soziale Systeme bestehen aus Kommunikationen, also Handlungen, zwischen ihren Elementen (vgl. Kohring 2000: 156). Systeme bilden innere Strukturen aus und haben ein Verhältnis zu ihrer Umwelt, also zu anderen sozialen Systemen (vgl. Löffelholz/ Quandt 2000:147). Nach Luhmann (vgl. zum Beispiel Luhmann 1984: 262) unterscheiden sich soziale Systeme durch ihre spezifische Art und Weise, die Komplexität des Gesamtsystems zu reduzieren und für sich zu rekonstruieren. Durch systemspezifische Selektionen ergibt sich also die Identität eines sozialen Systems und damit auch seine Sinngrenzen (vgl. Kohring 2000: 155). Eine differenzierte Gesellschaft bildet Funktionssysteme zur Lösung spezifischer Probleme aus (vgl. ebd.: 156). Zwischen sozialen Systemen bestehen Beziehungen, die man als In-
1 Rühl (1980: 436) erklärt dazu: „Die Person als Paradigma ist ein viel zu komplexer und viel
zu unelastischer Begriff, um als Bezugseinheit für Journalismus dienen zu können. Dafür
wird der Begriff des Sozialsystems vorgeschlagen, der es zuläßt [sic], zwischen Journalis-
mus und seinen Umwelten zu unterscheiden.“
Arbeit zitieren:
Enrico Günther, 2009, Journalismus als soziales System - von der Theorie zur Empirie, München, GRIN Verlag GmbH
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